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Golfkriegsberichterstattung mit Tiger Woods

Weil auch “Bild” nicht ausschließlich über das Privatleben von Sportlern berichten kann, kam die Meldung gerade recht, dass Tiger Woods bei einem Golfturnier angegriffen worden sei:

Irrer greift Tiger Woods an!

Ohne auf die doch eher unspannende Sportart eingehen zu müssen, konnte “Bild” erst einen halben Artikel über den Vorfall schreiben — und den Rest des Textes dann mit Meldungen aus dem Privatleben des Sportlers auffüllen.

Nur: Den “Angriff” auf Woods hat es in dieser Form nicht gegeben.

Der Linksgolfer hat die “Bild”-Geschichte auseinandergenommen und kommt zu dem Schluss, dass weite Teile “nur in der blühenden Fantasie der Bild-Zeitung” stattgefunden haben:

Mit Dank auch an die Hinweisgeber.

Streifenwagen, Altpapier, Lotterleben

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Wie Deutschlands Polizei mit Fernsehsendern kooperiert”
(dradio.de/dlf, Klaus Deuse)
In Hessen und Sachsen gibt es eine “Tarifliste für polizeiliche Filmdienste”, in der vom Polizeihund über den Streifenwagen bis zum Schlagstock alles aufgeführt ist. “Für das Engagement eines Polizeimeisters verlangt das hessische Innenministerium um die 70, für das eines echten Kommissars an die 90 Euro pro Stunde.”

2. “Aktuelle NRW-Wahlergebnisse? Bei @popkulturjunkie”
(medialdigital.de, Ulrike Langer)
Ulrike Langer vergleicht die aktuelle Ergebnisberichterstattung des ZDF zur NRW-Wahl mit jener von @popkulturjunkie Jens Schröder. “Es bleibt die interessante Frage, warum das ZDF mit seinem gesamten Apparat, seinen direkten Drähten nach Düsseldorf und wesentlich mehr Rechenleistung nicht schaffte, was ein einzelner Journalist mit Bordmitteln und Engagement hinbekam: Zuverlässig und auf dem aktuellen Stand berichten.”

3. “Der Aufstand der Radios”
(tagblatt.ch, Nick Joyce)
Alternative Radios verzichten auf eine Promotionsplattform – im Gegenzug werden sie von den grossen Labels nicht mehr mit Interviews und Presse-CDs beliefert. Sie überlegen nun, “verstärkt auf das Repertoire jener Labels zuzugreifen, die ihnen Neuveröffentlichungen auflagenfrei zur Verfügung stellen.”

4. “Und alle so: Whiskey!”
(evangelisch.de, Klaus Raab)
“Das Altpapier” ist zurück. In der ersten auf evangelisch.de erschienen Ausgabe geht es um fehlenden Whiskey “in den Konferenzen der Wochenzeitung Die Zeit”.

5. “Spiegel kritisiert guten Journalismus von Stefan Niggemeier”
(frankfurter-magazin.de, Heiner Hänsel)
Heiner Hänsel über die “Spiegel”-Spalte “Kritiker in der Kritik”.

6. “Lotterleben”
(titel-magazin.de, Isabel Bogdan)
Isabel Bogdan beschreibt die Arbeitssituation jener, die nicht das Haus verlassen, um zu arbeiten. “Sich immer wieder selbst zu motivieren, sich zusammenzureißen, zu arbeiten, obwohl man noch schnell die Fenster putzen könnte oder noch ein Stündchen schlafen, das Dokument auf- und das Internet zuzumachen, obwohl einem kein Chef über die Schulter guckt, all das ist verdammt harte Arbeit. Und das ist mein Ernst.”

Diktatoren zum An- und Abschalten

Es sind einige steile Thesen und “überraschend anders” zu nennende Gedankengänge, die der Philosoph und Kulturwissenschaftler Bazon Brock da vergangene Woche im Interview mit FAZ.net ausplauderte:

Vor fünf Jahren wurden Sie für Ihren Vergleich von Internet und GULAG gescholten. Fühlen Sie sich von den Entwicklungen seitdem, etwa durch die sozialen Netzwerke, bestätigt?

Als wir das vor Jahren sagten, haben die Leute uns für verrückt erklärt. Wir waren vor Jahren viel weiter und haben gesagt, dass das, was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, des stalinistischen oder des Hitler-Regimes waren, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist. Und es ist extrem gefährlich geworden, dort überhaupt in die Akten zu kommen, auffindbar zu sein. Wir wissen, wie delikat der Datenmissbrauch ist, wie hoch die Erpressungsmöglichkeiten liegen, nicht nur von Kriminellen, sondern auch von den eigenen Regierungen und den eigenen Institutionen.

Wie gesagt: Steile Thesen und überraschend andere Gedankengänge, mit denen es Brock spontan ins Hitler-Blog unseres Kollegen Daniel Erk schaffte.

Wer das Interview am Donnerstag las, stieß allerdings auf eine Hitler- und Stalinfreie Fassung, wie Mario Sixtus erstaunt in seinem Blog feststellte:

Wir waren vor Jahren viel weiter und haben gesagt, dass das, was die Lager der totalitär-faschistischen Regime, jetzt, als Weltlager, das Netz geworden ist.

Sixtus’ Eintrag trat einige Diskussionen los, die wiederum dazu führten, dass die FAZ.net-Redaktion am Freitag die Ursprungsfassung wiederherstellte und den Artikel mit folgendem Hinweis versah:

Aufgrund vielfältiger Proteste gegen einen Nebensatz in diesem Interview (fünfte Frage, zweiter Satz: “des stralinistischen … waren”) haben wir die nicht-argumentationsrelevante Passage am 4. Mai entfernt und dabei den Fehler gemacht, dies nicht zu kennzeichnen. Der Blog von Mario Sixtus hat den Fehler aufgegriffen und damit eine Diskussion über die Notwendigkeit des Eingriffs ausgelöst, in der uns die Argumente dagegen überzeugt haben. Wir veröffentlichen das Interview daher wieder in der ursprünglichen Form. (7. Mai, 13.40 Uhr)

Wir wollten am Freitagnachmittag von FAZ.net wissen, warum überhaupt die “nicht-argumentationsrelevante Passage” noch nach der Veröffentlichung des Interviews entfernt worden sei, haben aber bisher keine Antwort erhalten.

… erhalten Sie einen Michael Ballack dazu!

Den meisten Bürgern (und auch vielen Politikern) dürfte nicht ganz klar sein, worum es genau bei diesem “Rettungspaket” geht, das der Bundestag am Freitag für Griechenland “geschnürt” hat.

Aufklärung kommt da von der Sportredaktion des Kölner “Express”, die weltexklusiv herausgefunden hat, was mit dem Geld geschieht:

Doch jetzt trudelte eine komplett irre Offerte ins Haus des Nationalspielers: Panathinaikos Athen will Ballack haben. Geld? Spielt keine Rolle. EXPRESS erfuhr aus sicherer Quelle: Für drei Jahre bieten die Griechen Deutschlands Topstar 20 Millionen US-Dollar (16 Millionen Euro). Netto, versteht sich.

Sie haben’s ja, die Griechen. Schließlich hat am Freitag ja Deutschland den Weg frei gemacht für 22,4 Milliarden Euro Notkredite, um eine Staatspleite abzuwenden. Und mit so viel Kohle kann man sich ein paar Fußballer leisten.

Diese Taktik ist freilich nicht neu: Seit Island vor anderthalb Jahren vor der drohenden Staatspleite gerettet wurde, haben sich die dort ansässigen Fußballteams bekanntlich auch mit Weltstars eingedeckt und dominieren seitdem den europäischen Fußball wie keine zweite Nation.

Aber nicht nur Fußballfans und Ökonomen werden bei express.de überrascht — auch Historiker können noch was lernen:

Massenproteste auf Athens Straßen, drastische Sparmaßnahmen der Regierung – aber Panathinaikos will den ganz großen Wurf auf dem Transfermarkt. “Brot und Spiele” – das haben sich die alten Griechen von den Römern abgeschaut …

Ein bisschen widerspricht sich der Autor dann aber doch:

Schon im letzten Jahr schlug man auf dem Transfermarkt zu, holte Frankreichs Djibril Cissé für 8,5 Millionen Euro Ablöse und ein Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro.

Wie die das damals wohl finanziert haben, so ganz ohne deutsche Staatshilfe?

Schlicht falsch ist schließlich die Überschrift, die den Artikel ziert:

Für 16 Millionen Euro: Irre! Pleite-Griechen wollen Ballack kaufen

Nein, wollen sie nicht: Da Ballacks Vertrag beim FC Chelsea im Sommer ausläuft (wie express.de selbst schreibt), könnte er ablösefrei wechseln. Übrigens überall hin — vielleicht sogar zu einem Verein, der selbst finanziell schwer angeschlagen ist, aber aus Deutschland kommt.

Mit Dank an Daniel K.

Pokal-Konfusionen

Es ist längst ein geflügeltes Wort, dass ja “wenigstens der Sportteil” von “Bild” gut sei. Von dieser Arbeitshypothese ausgehend muss heute der Wurm dort sein, wo sonst der Teufel steckt: im Detail.

So eröffnet “Bild” die Berichterstattung über den vorläufigen WM-Kader der deutschen Fußballnationalmannschaft heute mit den Worten:

Jogi Löw hat es selbst gesagt: “Vor uns liegen acht lange Wochen, 50 Trainingseinheiten – und hoffentlich sieben Spiele.” Sieben Spiele in Südafrika, das würde bedeuten: Wir kommen ins Finale!

Ja — oder halt ins Spiel um Platz 3, das für seine Teilnehmer genauso das siebte Turnierspiel wäre.

Heute Mittag behauptete Bild.de dann über Borussia Dortmund:

Der BVB spielt in der kommenden Saison erstmals seit 2005 wieder international (damals gab’s das bittere Drittrunden-Aus im UI-Cup).

Nö. In der Saison 2008/09 spielte Borussia Dortmund im damals noch so genannten Uefa-Cup, für den sich der BVB als Finalist des DFB-Pokals qualifiziert hatte, und schied in der Vorrunde im Elfmeterschießen gegen Udinese Calcio aus.

Mit Dank an Florian D. und Christoph F.

Nachtrag, 17.35 Uhr: Auch die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” von heute hat nicht ganz sauber gerechnet:

“Wir haben ein wirklich gutes Gefühl, mit diesem Kader zum Turnier zu fahren”, sagte Löw und sprach optimistisch “von acht Wochen Gemeinsamkeit, 50 anspruchsvolle Trainingseinheiten und hoffentlich sieben hochbrisanten Spielen”. Das würde bedeuten: Endspiel.

Mit Dank an Sebastian S.

Wir in NRW, Musikblogger, Sixx

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Die Macht der Blogger”
(taz.de, Stefan Reinecke)
Stefan Reinecke über das Verhältnis der nordrhein-westfälischen Regionalzeitungen zur CDU und das Blog “Wir in NRW”, das “womöglich die Wahl am Sonntag mitentscheiden” kann. “Die Zeitungslandschaft in Nordrhein-Westfalen ist ein spezieller Fall. Die Interessen von politischer Macht und Verlagshäusern, von Staatskanzlei und Medienkonzernen sind ungewöhnlich eng miteinander verzahnt.”

2. “Was sollte Medienjournalismus leisten?”
(nachdenkseiten.de, Albrecht Müller)
Redemanuskript von Albrecht Müller, der bei einer Internationalen Tagung im Mediencampus Leipzig acht Wünsche an den Medienjournalismus formuliert und diese mit vielen kleinen Beispielen unterfüttert.

3. “Hühnchen mit Perlenkette”
(Spiegel Online, Peer Schader)
Heute startet der neue Frauensender Sixx. Peer Schader stellt das Programm und die Senderchefin Katja Hofem-Best vor: “Mir war wichtig, einen Sender zu entwickeln, der nicht die üblichen platten Frauenklischees bedient, der nicht rosa ist und so ein Blümchen-Image hat, sondern dass sehr viel Humor dabei ist.”

4. “Über die Furcht vor der Kommerzialisierung”
(netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert findet es nicht schlimm, wenn Blogs professioneller und wirtschaftlicher werden, und sieht das Problem darin, den Lesern dies ordentlich zu vermitteln: “Denn Gewinnstreben passt nicht in das Muster der unbequemen, intellektuellen und leicht revolutionären Gegenöffentlichkeit. Man darf gerne Dinge bewegen, aber tue dies doch bitte auf Basis ideeller, intrinsischer Motive.”

5. “Der Musikblogger – ein unverstandenes Wesen”
(lieinthesound.de, SomeVapourTrails)
SomeVapourTrails schreibt eine Polemik über Musikblogger, die ihre Texte immer mehr auf Konsumierbarkeit, Hypes und Promoter zuschneiden. “Für jeden Geschmack ist der passende Humbug vorhanden. Eingebildete Leser mit Indie-Attitüde werden ebenso vollgekotzt wie kleine Gören mit DSDS-Fieber. Letztlich liefert nämlich der auf Zeitgeist gestlyte Musikblog der gehobenen Tageszeitung, das Popkultur predigende wie desavouierende Magazin oder der mit Geheimtipps nicht geizende Miniblog den vermeintlich anspruchsvollen wie intellektuellen Hörern doch auch eine sehr berechenbare, vorgekaute Kost.”

6. “A list of words you can’t say on radio in Boston”
(facebook.com, Shout Out Louds, englisch)
Die schwedische Band Shout Out Louts hat sichtlich fasziniert eine Liste mit Wörtern abfotografiert, die man im amerikanischen Radio nicht sagen darf. Manche werden vorsichtshalber durchkonjugiert: “COME, COMING, CAME (in a sexual reference to ejaculation)”

Popper, Street View, al-Gaddafi

6 vor 9

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1. Interview mit Tom Schimmeck
(jungle-world.com, Martin Reeh)
Tom Schimmeck kritisiert, dass “richtig viele Flächen, auf denen zuvor ernsthafter Journalismus betrieben” wurde, von “Poppern” übernommen worden sind, beispielsweise im SZ-Magazin. Zudem glaubt er, dass bei vielen Journalisten die Lust gewachsen ist, “dazuzugehören und mitzumischen”.

2. “Ein Persönlichkeitsrecht für Jägerzäune”
(mspr0.de)
Blogger mspro fragt sich, warum Journalisten dem Angriff von Datenschützern auf den Dienst “Google Street View” so wohlwollend entgegen sehen. “Das Recht in der Öffentlichkeit fotografieren zu dürfen gehört uns allen! Die Daten, die uns öffentlich zu Verfügung stehen, helfen uns allen. Sie werden helfen, uns zu orientieren und werden uns Fahrten ersparen. Sie werden die Welt ein Stück weit transparenter machen.”

3. “Deutsche Medien betreiben Griechen-Bashing”
(evangelisch.de, Henrik Schmitz)
Henrik Schmitz gehen die differenzierten Beiträge zur Schuldenkrise in Griechenland unter “in der geballten Macht von ‘Bild’, ‘BamS’ und ‘Glotze'”: “Das Bild bleibt haften: Erst leben die Griechen über ihre Verhältnisse, dann retten wir sie mit unseren Steuergeldern und dann erdreisten sie sich noch, gegen eigene Sparmaßnahmen zu demonstrieren.”

4. Interview mit Lorenz Lorenz-Meyer
(derstandard.at, Ina Freudenschuß)
Für Lorenz Lorenz-Meyer ist die netzpolitische Öffentlichkeit “noch sehr selbstreferentiell, sehr auf Netzthemen bezogen”: “Es gibt unglaublich wichtige Themen wie die Finanzkrise oder den Afghanistan-Krieg, zu denen von dieser Nachwuchs-Intelligenz eine Stellungnahme gut und zu erwarten wäre, aber es kommt noch nichts.”

5. “Sponsoring: Ist ORF-Magazin ‘On’ gekauft?”
(diepresse.com)
“Die Patronanzsendung entsteht eventuell nicht in redaktioneller Unabhängigkeit.”

6. Interview mit Bernhard Zand
(weltwoche.ch, Daniel Glaus)
Daniel Glaus befragt Bernhard Zand, der sich zusammen mit Volkhard Windfuhr in einem Wüstenzelt mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi zum “Spiegel”-Gespräch getroffen hat. “Ich glaube nicht, dass er irre ist. Er übertreibt ganz bewusst und setzt seine ganze Theatralik als Mittel zum Zweck ein. Er vertritt auch noch die abenteuerlichsten Theorien in Ruhe, er wurde in unserem Gespräch nie emotional und bringt jeden Gedanken zu Ende.”

Meyer-Landrut, Tunnelbau, Lotterie

6 vor 9

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1. “Der schönste Mix”
(berlinonline.de, Daniel Bouhs)
Das ZDF sucht derzeit per Ausschreibung einen Dienstleister für die “Produktion von Audio-PR und Auswertung aktueller ZDF-Sendungen”. Daniel Bouhs fragt: “Steht solch eine Praxis einer Programmanstalt gut zu Gesicht, die im Wesentlichen von der Allgemeinheit finanziert wird und deshalb mehr als andere einen sauberen Journalismus fördern sollte?”

2. “Alter Hut statt ‘Enthüllung'”
(fastvoice.net, Wolfgang Messer)
Eine Nacktszene von Lena Meyer-Landrut wird als Neuigkeit präsentiert, ist aber schon länger bekannt. Die FAZ dazu: “Es muss ein Skandal her, es braucht Sex and Crime, es muss auch die letzte jugendliche Lichtgestalt in den Dreck gezogen und mit bigotten Kommentaren überzogen werden.”

3. “Abschied vom Besten”
(online-merkur.de, Kathrin Passig)
Kathrin Passig zum Ausspruch von Christoph Keese, es sei die Leistung seines Arbeitgebers Axel Springer, die Rangreihenfolge der Informationen im Netz zu organieren. “Es gibt diese allgemeingültige Rangreihenfolge nicht, und dass Redaktionen eine Weile so tun durften, als gebe es sie, beruhte auf einem Mangel an besseren Lösungen, der mittlerweile behoben ist.”

4. “10 wahnwitzige Dokus bei N-TV und N24”
(fernsehkritik.tv, Video, insgesamt 41:23 Minuten)
Fernsehkritik.tv kommentiert (ab 20:43 Minuten) zehn Dokus, die auf den TV-Sendern N24 und N-TV zu sehen waren. Es geht darin um Themen wie die Ufos der Nazis, den Klimawandel, das Leben von Jesus, Heuschreckenplagen oder den Luftkrieg. Zum Thema Tunnelbau fallen aus dem Off folgende, dramatische Sätze: “Die Grösse der Aufgabe überstieg beinahe jede Vorstellungskraft. Ein Projekt, das den Beteiligten Unmögliches abverlangte – bis sie schliesslich triumphierten. (…)”

5. “Layout Fail”
(failblog.org, englisch)
“Look closely…does that spell what I think it spells?”

6. “Sie haben gewonnen, Herr Hase!”
(20min.ch, Amir Mustedanagic)
Amir Mustedanagic versucht, an die 3 Millionen Euro zu kommen, die er angeblich in der spanischen Lotterie gewonnen hat.

Die Nachricht von heute: Ein Porno vom Vorjahr

Sicher, man kann praktisch überall auf eine heiße Story stoßen, aber bei der, die jetzt folgt, fragt man sich schon, ob der Redakteur privat darüber gestolpert ist, ob ihm ein Informant den entscheidenden Hinweis gab oder ob in der Redaktion von “Bild” deutlich laxere Regeln herrschen als in den meisten anderen Büros. Aber entscheiden Sie selbst:

“Dient die Dresdner Innenstadt neuerdings als Kulisse für Amateurpornos?”, fragt “Bild” Dresden unter der Überschrift “Porno-Skandal an der Elbe” gewohnt investigativ und berichtet ausführlich über ein Video, das ein junges Paar beim Sex zeigt und das, so “Bild”, “im Internet schockiert”. In einem Folgeartikel (der Erste scheint auf Bild.de gut geklickt worden zu sein…) heißt es sogar:

Völlig enthemmt hat das Paar Sex und filmte sich sogar dabei!
Doch das war den Frei-Sexlern noch nicht genug: Alle sollten von ihrem hemmungslosen Treiben erfahren, und so stellten sie das Video in (sic!) Internet und riefen die Zuschauer sogar noch zu Bewertungen auf.

Vom “hemmungslosen Treiben” der “Frei-Sexler” sollten, bevor “Bild” das Video aufstöberte, vor allem die Besucher der anmeldepflichtigen Amateurpornoseite mydirtyhobby.com erfahren — und die waren vermutlich nicht sonderlich “schockiert”. So aber durften wenigstens auch die Eltern der Hauptdarstellerin das dirty Hobby ihrer Tochter kennenlernen:

Sex-Dreh in Dresdens Innenstadt - Porno-Skandal an der Elbe ... Diese Zeilen & das ein oder andere

Wer es dann noch ganz genau nehmen will, der könnte einwenden, dass das Video gar nicht am “helllichten Tage” gedreht wurde, wie “Bild” behauptet, sondern, wenn man lieber der Beschreibung des Videos durch die Hauptdarstellerin selbst und dem Stand der Sonne Glauben schenken mag, frühmorgens. Deutlich schwerer wiegt da schon, dass laut Einstellungsdatum des Videos die ganze Geschichte schon über ein Jahr her ist und nicht, wie “Bild” es formuliert, “kürzlich” passierte.

hinzugefügt: 16.04.09

Aber hey, was soll man sich mit solchen Nebensächlichkeiten herumschlagen, wenn sich das Blut aus dem Kopf gerade in eine andere Körperregion verabschiedet hat?

Mit Dank an Ronny R. und Tobias.

Wilhelm, Polanski, Burka

6 vor 9

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1. “Klartext oder Ressentiment?”
(dradio.de, Joachim Scholl)
Nikolaus Blome (“Bild”) und Sven Scheffler (“Handelsblatt”) erklären, wie sie mit den Schulden von Griechenland umgehen und ob es sich dabei um eine Kampagne beziehungsweise eine Gegenkampagne handelt.

2. “Warum ein Regierungssprecher nicht Intendant werden sollte”
(epd.de)
Der Regierungssprecher Ulrich Wilhelm soll diese Tage zum Intendant des Bayrischen Rundfunks gewählt werden. Die Medien empören sich darüber nur verhalten. “Was würde die deutsche Presse ? zu Recht! – schäumen, wenn der französische Präsident Nicolas Sarkozy oder gar der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi es wagen würden, ihren Regierungssprecher zum Chef eines Staatssenders zu machen?!”

3. “Verlage vs. Journalismus”
(dondahlmann.de)
Don Dahlmann bemerkt, dass “Qualitätsjournalismus” in der westlichen Welt gerne mit den Verlagen gleichgesetzt wird, diese aber “die leere Hülle des Journalismus und der Pressefreiheit zunehmend instrumentalisieren, um die eigenen wirtschaftlichen Ziele durchsetzen zu können”. “Ich schreibe kaum noch für sie. Zum einen, weil es sich nicht lohnt. Würde ich nur Zeitungen nach Zeilenhonorar arbeiten, ich hätte Probleme meine Miete zu zahlen. Zum anderen sehe ich nicht ein, dass die Rechte an meinen Texten bis zum St. Nimmerleinstag bei irgendeinem Verlag liegen.”

4. “Ich kann nicht länger schweigen”
(nzz.ch, Roman Polanski)
Der im Herbst 2009 in Zürich verhaftete Filmregisseur Roman Polanski legt seine Sicht der Lage dar.

5. “Ja, Kruzifix: Die ZEIT hat einen an der Waffel”
(blog.dummy-magazin.de, Arne Semsrott)
Arne Semsrott empfiehlt dem “Zeit”-Feuilleton, das der niedersächsischen Ministerin Aygül Özkan mehr Demut gegenüber dem Kreuz empfiehlt, Zurückhaltung: “Denn Frau Özkan hat sich nicht gegen das christliche Symbol an sich, sondern lediglich gegen seine Verwendung in staatlichen Institutionen ausgesprochen.”

6. “Auf dem Weg in die Illegalität – mit der Burka durch Wien”
(profil.at, Robert Treichler)
Robert Treichler zieht sich eine Burka an und geht damit zum Blumensteckkurs und an eine FPÖ-Veranstaltung. Und ins Restaurant: “Ein Kellner kommt, obwohl er sieht, dass wir bereits bedient werden, und beginnt auf Arabisch mit uns zu sprechen. Wir erklären ihm, dass wir ihn nicht verstehen. Er zieht ein bisschen enttäuscht wieder ab.”

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