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Asiaten, Mario Gomez, Quotensucht

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Hart, aber höflich”
(visdp.de, Frank Joung)
Frank Joung ärgert sich anlässlich des G20-Gipfels in Seoul über die Sicht einiger Journalisten auf Asiaten, die einzeln eher als harmlos beschrieben und belächelt werden, im Kollektiv aber schnell mal als “gelbe Gefahr” gelten. Ab Seite 8 (PDF-Datei) werden Zeitungstitel zu den Castortransport-Protesten gegenübergestellt.

2. “Gomez’ leiser Appell an die Menschlichkeit”
(de.eurosport.yahoo.com, Thomas Janz)
Mario Gomez erklärt, dass seine von “Bunte” publizierten Aussagen über das Coming-Out von homosexuellen Fußballern “vor acht bis neun Monaten” getätigt und weder von ihm noch vom Verein freigegeben wurden. “Die Leute wollen immer ehrliche und offene Antworten hören. Aber wenn etwas daraus gemacht wird, was nicht der Wahrheit entspricht, überlegt man sich vielleicht dreimal, was man Preis gibt.”

3. “Die Dynamik der Angst”
(taz.de, Frank Miener)
“Immer neue Themen” werden bei der alarmistischen Berichterstattung zu angeblich gefährlichen Krankheiten “durch den medialen Durchlauferhitzer gejagt – bis sie sich als harmlos erweisen”. “Die Folge: Die Leser stumpfen ab und reagieren immer uninteressierter auf die neueste Katastrophe, so berechtigt sie auch sein mag.”

4. “Der Fall Oberhauser und das Elend der Meinungsmache”
(derstandard.at, Gerhard Zeillinger)
Gerhard Zeillinger kommentiert den Umgang von Boulevardzeitungen mit Elmar Oberhauser: “Worum es in der Sache eigentlich geht, wird nicht berichtet. Darüber nämlich, wie massiv eine Partei Einfluss auf die Personalpolitik eines öffentlich-rechtlichen Senders nimmt.”

5. “Correction practices at major news sites are a mess, survey finds”
(mediabugs.org, Mark Follman and Scott Rosenberg, englisch)
Beim Umgang von US-Nachrichtenseiten mit Fehlern werden große Unterschiede festgestellt. “Fox News is the exception in the group. Apparently the Fox network never makes errors. We found no corrections content at all on its website.”

6. “ARD: Einknicken vor der Quote?”
(sueddeutsche.de, Christopher Keil)
Die drei letzten Folgen von “Im Angesicht des Verbrechens” werden wegen tiefer Quoten “am 19. November hintereinander versendet”. “Zwei Millionen Menschen sind ordentlich, aber natürlich deutlich weniger als 3,5 Millionen, die den üblichen Zuschauerschnitt am Freitagabend bilden, wenn die ARD um 21.45 Uhr zur Tatort-Wiederholung ansetzt.” Auch Fernsehkritik.tv berichtet: “Im Angesicht der Quotensucht”.

Winterwetter, Bärenmutter, Peter Hahne

6 vor 9

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1. “Was sich im Wissenschaftsjournalismus ändern muss”
(astirn.de/blog, Alexander Stirn)
Alexander Stirn stellt sechs Thesen auf: “Journalisten, die einfach nur die Pressemitteilungen der Universitäten wiedergeben, braucht kein Mensch. Das können (und machen) die Pressestellen genauso gut.”

2. “Vier Hof-Fotografen ackern im Schichtdienst”
(faz.net, Hendrik Kafsack)
Hendrik Kafsack befasst sich mit der “Propaganda für die EU-Kommission”: “Die EU-Kommission wolle nicht mehr als das, was den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten zustehe und was Organisationen von der Weltbank bis zu den Vereinten Nationen böten. Wenn Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy zu einem Gipfeltreffen flögen, nähmen sie auch Journalisten mit. Warum also solle Barroso das nicht?”

3. “Wettervorhersage für den Winter – Warum in der BILD Mist steht”
(scienceblogs.de/weatherlog, Frank Abel)
“So eiskalt wird der Winter!”, prophezeit Bild.de. Frank Böttcher, Leiter des Instituts für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg: “Da werden Temperaturkurven für den kommenden Winter veröffentlicht, die der Öffentlichkeit glaubhaft machen sollen, man könne daran ablesen, wie das Wetter an einem bestimmten Tag wird. Das ist so, als würden sie Lottozahlen vorhersagen.”

4. “Geht es Ihnen auch so, Herr Hahne?”
(fernsehkritik.tv, Video, insgesamt 44 Minuten)
Fernsehkritik.tv stellt in der sonntäglichen Talkshow von BamS-Kolumnist Peter Hahne Kritiklosigkeit gegenüber Anwesenden fest. “Keiner kuschelt so sehr mit seinen Gästen wie er.”

5. “Was ist schon dabei? Heutzutage ist das doch kein Tabu mehr”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein reagiert auf eine kritische Besprechung seines Romans in der “Süddeutschen Zeitung”. “Meine Mutter wollte zu der Zeitung fahren und sich den Kritiker vorknöpfen, einen gewissen Schmidt. Das konnte ich verhindern.”

6. “Wie ein kleines Bären-Video die große weite Medien-Welt eroberte – und dabei seine Unschuld verlor…”
(einvideogehtumdiewelt.blogspot.com)
Die Geschichte eines Videos, das durch diese Verlinkung weltweit Aufmerksamkeit gewann. “Mein tiefer, herzlicher und ehrlich gemeinter Dank wird Stefan Niggemeier für ewig verfolgen.”

Medien-Doktor, Analogkäse, Obama

6 vor 9

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1. “Medien-Doktor”
(medien-doktor.de)
Ein neues Projekt des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund beurteilt “die Qualität medizinjournalistischer Beiträge in Publikumsmedien nach festgelegten Kriterien.”

2. “Wie häufig sind Depressionen? Und wem nützt es, wenn die Zahlen steigen?”
(io1.blogspot.com, Patrik Tschudin)
Patrik Tschudin verfolgt, wie eine Pressemitteilung des Bundesamts für Gesundheit BAG über die Nachrichtenagentur SDA in die Onlineportale von Newsnetz findet.

3. “Josef F.: Anzeige gegen Anwalt und Journalisten”
(justiz.gv.at)
Das Bundesministerium für Justiz in Österreich erhebt eine verwaltungsstrafrechtliche Anzeige gegen einen “Bild”-Reporter und seinen Anwalt. Sie besuchten Josef Fritzl ohne Genehmigung. “Laut Terminliste/Besucherliste wurde der Untergebrachte Josef F. von
einem Anwalt (ausgewiesen mit Anwaltsausweis) und einem vorgeblichen Mitarbeiter in dessen Anwaltskanzlei (ausgewiesen durch österreichischen Personalausweis) besucht.”

4. “Welche Nutzen und Risiken haben Kernkraftwerke?”
(ardmediathek.de, Video, 73 Minuten)
In der Sendung “Beckmann” kritisiert der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Niedersachsen, Bernhard Witthaut, die Darstellung der Lage bei den Protesten gegen die Castor-Transporte (ab 8:30 Minuten): “Also ich glaube eher, dass das Bild in der “Bild-Zeitung” die Situation sehr verfälscht. Das ist nicht die Situation, die ich persönlich erlebt habe, auch nicht die Situation, die mir viele Demonstranten, aber auch viele Kolleginnen und Kollegen geschildert haben. Deswegen finde es auch ein bisschen verantwortungslos, was die ‘Bild’ da gemacht hat.”

5. “Analogkäse schmeckt besser!”
(dradio.de, Jörg Wagner, Audio, 45 Minuten)
Ein Feature über Public Relation als fünfte Gewalt. Es geht um Analogkäse, Surimi oder um die Kandidatur von Joachim Gauck für das Amt des Bundespräsidenten und die Rolle von “Spiegel” und “Bild” dabei (mp3-Datei, 20 MB).

6. “India on $200 Million a Day? Not!”
(thecaucus.blogs.nytimes.com, Michael D. Shear, englisch)
Kostet die Indien-Reise des US-Präsidenten 200 Millionen US-Dollar pro Tag? Nein. “That’s not to say that presidential trips are not costly. A General Accounting Office report calculated that President Clinton’s similar 12-day trip to Africa in 1998 cost $42.8 million, or about $3.6 million a day.” Siehe dazu auch “The Daily Show” (Video, 5:23 Minuten).

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Bullshit

Seit Samstag unterstützt “Bild” die interessierten Laien vom “Verein Deutsche Sprache” bei ihrem Vorhaben, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern (BILDblog berichtete).

Auch heute, da sich der “1. Minister” (und gefühlt 42. Politiker) der Forderung anschließt, wettert “Bild” wieder gegen das sogenannte “Denglisch”, das unter anderem bei Berufsbezeichnungen um sich greife:

Berufs-"Denglisch": So werden Berufe heute in Stellenanzeigen benannt: Asset Manager: Vermögensverwalter, Chief Executive Officer (CEO): Vorstandschef, Nourishment Production Assistant: Küchenhilfe, Environment Improvement Technician: Putzfrau, Facility Manager: Hausmeister, Master of Welcome: Pförtner, Media Distribution Officer: Zeitungsbote, Office Manager: Sekretär/in, Vision Clearance Engineer: Fensterputzer, Waste Removal Engineer: Müllmann, Junior Clerk: Bürobote

Nun ist es nicht so, dass es diese Berufsbezeichnungen auch tatsächlich alle gäbe: Beim “Environment Improvement Technician” handelt es sich – obwohl viele deutsche Medien das nicht zu ahnen scheinen – nicht um eine Putzfrau, sondern um einen Scherz. Auch für “Nourishment Production Assistant”, “Master of Welcome” oder “Media Distribution Officer” finden sich keinerlei Stellenausschreibungen, nur verschiedene Listen mit (angeblichen) albernen Berufsbezeichnungen.

Unklar ist aber auch, warum “Bild” unbedingt den Deutschen Bundestag mit dem Thema behelligen will und nicht erst mal vor der eigenen Haustür kehrt. Folgende Berufsbezeichnungen sind jedenfalls willkürlich aus der Liste “Jobs & Karriere” der Axel Springer AG entnommen:

Mit Dank an Karsten L., Stephan K. und Flo M.

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Bomben-Stimmungsmache

Vor einem halben Jahr wurden sie noch kollektiv als “Pleite-Griechen” abgestempelt, doch diesen zweifelhaften Ruf dürften die Hellenen – “Bild” sei Dank – jetzt wieder los sein:

Polizei jagt Bomben-Griechen! Woher kommt plötzlich dieser Hass auf Deutschland

Gut, die Attentate wurden von einer für Griechenland wenig repräsentativen anarchistische Gruppe mit dem albernen Namen “Verschwörung der Zellen des Feuers” durchgeführt, weswegen “Bomben-Griechen” etwas arg verallgemeinernd wirkt. Richtig unsinnig ist aber die fragezeichenlose Frage “Woher kommt plötzlich dieser Hass auf Deutschland” bei Bild.de, die im Artikel noch etwas weiter gefasst gestellt wird:

Aber woher kommt plötzlich in Griechenland dieser Hass auf Deutschland, seine Kanzlerin und seine Freunde in der EU?

Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Autoren Rolf Kleine und Paul Ronzheimer diesen Hass speziell als “Hass auf Deutschland” und im weiteren Sinne “seine Freunde in der EU” interpretieren. Neben der deutschen Botschaft in Athen und dem Bundeskanzleramt in Berlin wurden nämlich auch an folgende Personen und Einrichtungen Bombenpakete geschickt:

An den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, an den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, an die französische Botschaft, an die bulgarische Botschaft, an die belgische Botschaft, an die niederländische Botschaft, an Europol (Den Haag) und an den Europäischen Gerichtshof in Luxemburg. Und von wegen “Deutschland und seine Freunde in der EU”: Die Attentäter schickten ihre Sprengsätze auch noch an die Botschaften Russlands, der Schweiz, Chiles und Mexikos.

Der Anschlag galt also nicht allein Deutschland. Die Begründung für den angeblichen “Hass auf Deutschland” in Griechenland, der zu den Bombenattentaten geführt hat, liefern die Autoren trotzdem gleich mit:

Tatsache ist: Bereits während der griechischen Euro-Krise im Frühjahr machten örtliche Medien mächtig Stimmung gegen Berlin. Nach dem EU-Gipfel am vergangenen Wochenende in Brüssel brachen dann alle Dämme – weil vor allem Kanzlerin Merkel und Frankreichs Staatschef Sarkozy sich für besonders harte Strafe für Defizit-Sünder im Euro-Raum stark gemacht hatten.

Diese Aussage von Paul Ronzheimer ist nur noch zynisch — hatte er sich doch selbst vor einem halben Jahr, als “Bild” eine regelrechte Hetzkampagne gegen Griechenland führte, besonders eifrig beteiligt und sich unter anderem dadurch hervorgetan, dass er nach Athen reiste und den Pleite-Griechen symbolisch die Drachme zurückgab.

Wie es übrigens wirklich aussieht, wenn eine Zeitung “mächtig Stimmung” gegen ein Land macht, sieht man an diesen Ausrissen von vor einem halben Jahr:
"Bild" hetzt weiter gegen Griechen

Kachelmann, Hart aber fair, Tolstoi

6 vor 9

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1. “Wird er jemals wieder glücklich?”
(taz.de, David Denk)
Der von Jörg Kachelmann angekündigte Rückzug aus dem Fernsehen wurde nicht aus freien Stücken entschieden, gibt David Denk zu bedenken. “Ich muss in letzter Zeit immer wieder an Andreas Türck denken. Auch er war Fernsehmoderator, bis ein Vergewaltigungsvorwurf seine Bildschirmpräsenz 2004 abrupt beendete.”

2. “Show, don’t tell”
(juliane-wiedemeier.de)
Bei “Hart aber fair” diskutieren vier Frauen und zwei Männer über das Thema “Quoten, Krippen oder Ellbogen – was brauchen Frauen zum Erfolg?”. Juliane Wiedemeier sieht sich dazu den Frauenanteil der zehn letzten Sendungen an – und rechnet aus, dass einer Frau im Durchschnitt vier Männer gegenübersassen.

3. “Zuckerberg, und weiter?”
(kobuk.at, Sandra Capljak)
Der CEO von Facebook heisst in “Die Presse” “David Zuckerberg”.

4. “Wie der Spiegel Generationen erfindet”
(backview.eu, Lea Kramer)
Lea Kramer hält die Generation Praktikum für “ein Kunstprodukt, das die Leitmedien dankbar aufnehmen – vielleicht um die Akademiker als potentielle Abonnenten von morgen ein wenig zu tätscheln. Dabei ist es bei genauem Hinsehen recht dreist, dass ausgerechnet die Medienbranche diese ‘Zustände’ anprangert. Gerade diese bedient sich mit vollen Händen an den Praktikanten als billigen und kurzfristig einsetzbaren Arbeitskräften.

5. Interview mit Patrick Wall
(christoph-koch.net)
Christoph Koch spricht mit Patrick Wall, der für die Kirche, aus der er inzwischen ausgetreten ist, Fälle von sexuellem Missbrauch vertuschte. “Lassen Sie mich klarstellen: Die Mehrheit der katholischen Priester vergeht sich nicht an Kindern. Laut Studien tun dies sechs bis zehn Prozent.”

6. “Zwei Nasen tanken Tolstoi”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Andreas Bernard und Lars Reichardt)
Andreas Bernard und Lars Reichardt fahren mit einem “hochmodernen Audi A8 allroad quattro” von München nach Jasnaja Poljana und hören dabei die auf 54 CDs verewigte Hörbuchfassung von Tolstois “Krieg und Frieden”.

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Allee: Hopp!

Der Streit um das Verkehrs- und Städtebauprojekt Stuttgart 21 wird längst auch in den Medien ausgetragen. Am Mittwoch etwa erschien in der Stuttgarter Regionalausgabe von “Bild” ein Bericht über eine “Nacht- und Nebelaktion” gegen das Alternativkonzept Kopfbahnhof 21 (K21), bei der Stuttgart-21-Befürworter Flyer mit der Aufschrift “Wir fallen für K21” an 130 Bäumen befestigt hatten:

Plakat-Aktion! Auch bei K21 müssen Bäume weg

Im Text lässt “Bild” dann auch keinen Zweifel daran, dass die Bäume für K21 fallen müssten:

Morgens um 5 Uhr wurden Bäume markiert, die auch für das Alternativkonzept K21 gefällt werden müssten. (…) Die Allee-Bäume sind bis zu 200 Jahre alt.

“Bild” beruft sich dabei ausschließlich auf den Stuttgart-21-Befürworter Lutz Aichele:

Aktivist Lutz Aichele (40): “Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass auch für K21 erhebliche Eingriffe in dem Park notwendig sind. Wenn K21 kommt, muss die Allee sterben.”

Ob die Bäume tatsächlich für das Projekt K21 fallen müssten, hat “Bild” nicht überprüft. Dabei wäre es für eine ausgewogene Berichterstattung das Mindeste gewesen, wenigstens auch der Gegenseite die Gelegenheit zur Stellungnahme zu bieten.

Deshalb hat der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) “Bild” inzwischen aufgefordert, den Eindruck, mit K21 müssten die Bäume der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Allee gefällt werden, zu zerstreuen. In einer Gegendarstellung, die auch BILDblog vorliegt, erklärt der VCD, der maßgeblich an der Entwicklung der Alternativkonzeption Kopfbahnhof 21 beteiligt war und ist, unter anderem:

Das Konzept Kopfbahnhof 21 sieht keine zwei zusätzlichen Gleise durch den Stuttgarter Schlossgarten und im Rosensteinpark vor. Ein Eingriff in den Park zum Schaden der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Allee war nie und ist kein Bestandteil von Kopfbahnhof 21.

Die These, die Alleebäume müssten für Kopfbahnhof 21 gefällt werden (…) ist eine böswillige Unterstellung und private Meinung des Stuttgart-21-Aktivisten Lutz Aichele. Herr Aichele ist durch umfangreichen Schriftverkehr mit dem VCD über diesen Sachverhalt informiert und wiederholt seine These wider besseres Wissen.

Oder wie es Lutz Aichele, auf Facebook nach seinen Quellen gefragt, lapidar ausdrückt:

Ich mach es wie viele Gegner bei S21, ich gehe auch bei K21 vom “Schlimmsten” aus. Das ist nach momentanem Kenntnisstand nur fair.

Der “Bild”-Artikel endet übrigens mit folgenden Worten:

Bis zum Abend waren viele Hinweis-Zettel schon wieder von den Bäumen abgerissen. Aichele: “Das zeigt das Demokratieverständnis einiger S21-Gegner.”

Es würde von Journalismusverständnis zeugen, wenn “Bild” wenigstens nachträglich auch die andere Seite noch zu Wort kommen ließe.

Mit Dank an den Hinweisgeber.

Nachtrag, 5. November: Lutz Aichele fühlt sich ungerecht behandelt, was den “umfangreichen Schriftverkehr mit dem VCD” angeht. Aus seiner Mail an BILDblog:

Der VCD behauptet einen umfangreichen E-Mailverkehr. (…) Es gab zwei E-Mails vom VCD und ich zitiere ja in meiner Publikation auch daraus. Auf weitere, tiefere Nachfragen erhielt ich vom VCD keinerlei Antworten mehr. Umfangreich ist für mich etwas anderes.

Gorleben, Sport Bild, Schmalkalden

6 vor 9

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1. “Die PR der Gorleben-Protestler”
(ndr.de, Video, 6:34 Minuten)
Um “gute Berichterstattung” zu erzielen, kümmern sich Atomkraftgegner um die anreisenden Journalisten, kochen Kaffee, richten Büros ein. Christoph Bautz vom Kampagnenverein “Campact”: “Wir gestalten Aktionen doch immer wieder so, dass sie auch von den Medien entsprechend aufgegriffen werden, entsprechend transportiert werden. Wir schaffen ein Bild, das zum Beispiel gut in der Zeitung dargestellt werden kann, das gut in einem Fernsehbeitrag übertragen werden kann. Beispielsweise eine grosse Castor-Attrappe, mit der wir letzte Woche auf Tour gegangen sind, vom Endlager-Standort Gorleben nach Berlin. Das waren Bilder, die Medien gerne aufgreifen.”

2. Interview mit Christian Jungblut
(freischreiber.de)
Gemäß dem Landgericht Hamburg hat die Zeitschrift “Geo” gegenüber dem freien Journalisten Christian Jungblut “ihr Bearbeitungsrecht überschritten”. Jungblut sieht sich selbst kooperationsbereit und findet es gut, wenn jemand sein Stück gegenliest und sagt: “Hör mal, das habe ich nicht verstanden”. “Wenn mir aber eine redigierte Fassung vorgelegt wird, die ich nur noch abnicken darf, ist das nur noch ein Verwaltungsakt – und keiner möchte gern verwaltet werden.”

3. “Hinter der Freiwilligkeit wartet der Zwang”
(lawblog.de, Udo Vetter)
Udo Vetter kommentiert von der Polizei vorgenommene Speichelproben bei mehreren hundert Fahrzeughaltern. “Nach außen betont die Polizei, jede Speichelprobe sei freiwillig. Wer sie verweigere, mache sich deswegen noch nicht verdächtig. Die Wirklichkeit dürfte anders aussehen. Die Boulevardpresse zeigt schon mal den Weg und fragt, ob der Verweigerer nur ein Querulant ist.” Die Schlagzeile auf Bild.de: “Passat-Fahrer verweigert Polizei Speichel-Probe!”

4. “Kampf der Leserintelligenz (2)”
(el-futbol.de, Sidan)
Sidan liest die aktuelle “Sport Bild”.

5. “2010 State Of The Blogosphere”
(techcrunch.com, Erick Schonfeld, englisch)
Die auf einer Umfrage unter 7200 Bloggern basierende Präsentation “State Of The Blogosphere” für 2010 ist erschienen.

6. “Er entkam dem Erdloch in Thüringen!”
(medienrauschen.de, Thomas Gigold)
Ein Schlagzeilen-Quiz zum Erdloch in Schmalkalden (BILDblog berichtete).

Fritzl, Eichel, Street View

6 vor 9

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1. “‘Bild’-Interview mit Josef F.: ‘Faszination des Bösen'”
(diepresse.com, Anna-Maria Wallner)
Ein “Bild”-Reporter führt in der Justizanstalt Stein ein Interview mit Josef Fritzl und dreht dazu ein Video. Wie das Wiener Justizministerium mitteilt, habe die zuständige Vollzugsdirektion für das in der Verhörzone entstandene Gespräch kein Gesuch erhalten und auch keine Bewilligung erteilt.

2. “Hans Eichel, der Oberschurke”
(sueddeutsche.de, Claus Hulverscheidt)
Anders als “Bild” glaubt Claus Hulverscheidt nicht, dass der frühere Finanzminister Hans Eichel Hauptverantwortlicher für die Folgen des griechischen Euro-Beitritts ist.

3. “Wie der ‘Bundesverband der im Haushalt helfenden Männer’ die faule Presse narrte!”
(wasmitmedien.de, daniel)
Ein Gespräch mit Dirk Emig (auch als Audio), der vor rund zehn Jahren zusammen mit einem Kollegen die Website bdhm.de.vu aufsetzte und damit dem nicht existierenden “Bundesverband der im Haushalt helfenden Männer” Nachdruck verlieh. Die beiden wollten damit beweisen, “dass man mit einer skurrilen Geschichte, angereichert mit dem Konflikt Mann-Frau, ein bisschen Sex dazu, ein paar krude Thesen, wirklich einen Selbstläufer produzieren kann.”

4. “Manege frei!”
(journalist.de, Ralf Geißler)
Ralf Geißler schreibt über die immer aufgeregter daherkommenden “Medienskandale”: “Mit einigen Jahren Abstand staunt das Publikum oft, warum es sich einst so aufgeregt hat. Trotz BSE essen die Deutschen heute wieder unbesorgt Rindfleisch. Sie tanken seit der An-Land-Entsorgung der Ölplattform Brent Spar wieder bei Shell und fahren durch den Wald, der nach den apokalyptischen Szenarien der 80er Jahre längst verschwunden sein müsste. Weiß eigentlich noch jemand, wie ansteckend die Lungenseuche SARS ist?”

5. “Die Handschrift des Reporters”
(magda.de, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal kommentiert ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Die GEO-Redaktion habe bei der Redigatur eines Text des freien Journalisten Christian Jungblut “ihr Bearbeitungsrecht überschritten”. “So manche Redaktion hat sich in den letzten Jahren angewöhnt, Texte freier Autoren als bloßes ‘Materialangebot’ zu betrachten, als ‘Rohmasse’, die ohne Rücksicht auf Stil und individuelle Herangehensweise eines Autors verformt werden darf. Diese Fehlentwicklung wird im Urteil des Landgerichts deutlich benannt und kritisiert.” Siehe dazu auch “Gericht erklärt ‘Geo’: Autoren haben Rechte” (stefan-niggemeier.de).

6. “Germany, what have you done?”
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis zum Datenschutzwahnsinn der Deutschen in Sachen Google Street View: “This is not a matter of privacy. And don’t tell me it has a damned thing to do with the Nazis and Stasi; that’s patently absurd. If anything, the Stasi would have exercised their Verpixelungsrecht to obscure their buildings from public view, taking advantage of the cloak of secrecy the idea provides.”

dpa  etc.

Hilfe, die Mohammedaner kommen!

Wenn deutsche Medien in diesen Tagen melden, dass “Mohammed” in England und Wales zum beliebtesten Vornamen neugeborener Jungen aufgestiegen ist, dann ist das nicht nur eine dieser belanglosen Statistiken auf den vermischten Seiten. Wie eine solche Nachricht bewertet wird und auf welchen Nährboden sie fällt, zeigt beispielhaft ein Leserkommentar dazu auf “Welt Online”:

Bevor es in Deutschland zu Ähnlichem kommt - handeln! Revolution - noch heute!

(Die Zahlen neben den kleinen Handzeichen bedeuten übrigens, dass 1168 Lesern dieser Kommentar gefallen hat und nur 78 nicht.)

Die Nachricht selbst steht fast überall, und sie mag zwar die Überfremdungsängste von Thilo Sarrazin und seinen Anhängern bestätigen, aber sie ist falsch. Ihren Ursprung hat sie in der konservativen britischen Tageszeitung “Daily Telegraph”. Unter der Überschrift “Mohammed, der (geheime) Lieblingsname des Landes” berichtete sie, dass die offizielle Vornamenstatistik, wonach die meisten 2009 geborenen Jungen “Oliver” genannt wurden, die “Wahrheit” verschleiere. Wenn man alle unterschiedlichen Schreibweisen von “Mohammed” (also etwa Muhammad oder Mohammad) zusammenzähle, rücke nämlich der Name des islamischen Propheten vom 12. Platz an die erste Stelle.

Nun ist das an sich schon nicht so spektakulär und signifikant, wie es scheint, weil viele Moslems traditionell ihren erstgeborenen Sohn “Mohammed” nennen – in nicht-muslimischen englischen Familien gibt es keine entsprechende Präferenz. Daher suggeriert die Häufung eine stärkere islamische Dominanz als Realität ist.

Und wenn der “Daily Telegraph” schon alle verschiedenen Schreibweisen von “Mohammed” zusammenfasst, um die “Wahrheit” abzubilden, muss er das natürlich auch mit den anderen Namen in der Statistik machen. Das hat er aber nicht. Es reicht schon, alle “Olivers” und “Ollies” zusammenzufassen, um die verschiedenen “Mohammeds” wieder zu überholen. Auch “Harry” und “Henry” sind zusammengenommen populärer.

Blind und blöd haben dennoch die deutschen Nachrichtenagenturen dpa (“Mohammed ist beliebtester Vorname in England”) und AFP (“Mohammed steigt in England zum beliebtesten Jungennamen auf”) die falsche Rechnung übernommen. Auch die “Rheinische Post” behauptet, dass “erstmals ein ganz unbritischer Name auf der Insel an die Spitze der Hitliste für Jungennamen gerückt” sei, “Bild” und “Spiegel Online” haben die Meldung natürlich auch übernommen.

Der Zahlentrick ist übrigens alt: Auch im vergangenen Jahr hat der “Telegraph” schon auf dieselbe Weise den bösen arabischen Namen künstlich nach vorne katapultiert, und schon 2007 übernahm AFP die Milchmädchenrechnung aus der “Times” und behauptete, Mohammed sei bald der beliebteste Vorname. Die beiden ersten “Welt Online”-Leser-Kommentare lauteten damals: “Rette sich wer kann” und “Das macht wirklich Angst”.

PS: Nach Berechnungen des Watchblogs “Tabloid Watch” hatten die “Mohammeds” in ihren verschiedenen Schreibweisen 2009 einen Anteil von 2,08 Prozent an allen neugeborenen Jungen in England und Wales. Im Jahr zuvor waren es 2,09 Prozent.

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