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Lügenfernsehen, Robert Enke, Leserartikel

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Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Das Lügenfernsehen”
(ndr.de, Video, 30 Minuten)
Anja Reschke geht der konstruierten Realität im Fernsehen nach. So besucht sie ein Paar, das glaubte, in der RTL-Sendung “Unterm Hammer” ihr Haus verkauft zu haben. Später stellte sich heraus, dass die Käufer und alle anderen Beteiligten nur Schauspieler waren.

2. “Sun changes caption for manipulated Libya photo”
(pressgazette.co.uk, Andrew Pugh, englisch)
Ein Leser wendet sich an die Press Complaints Commission, weil er ein Photo von “The Sun” verdächtigt, manipuliert zu sein: “The newspaper explained that the complainant was correct and the image was, in fact, two separate photographs.”

3. “Sensation gegen Moral – Die Berichterstattung über Robert Enkes Tod”
(konjunktivist.de, Jonathan)
Eine Bachelorarbeit untersucht Artikel nach dem Tod von Robert Enke: “Analysiert wurden alle Artikel über Robert Enke im Zeitraum vom ersten Tag nach dem Suizid bis zwei Tage nach der offiziellen Trauerfeier.”

4. “Gated Community”
(freitag.de, Katrin Schuster)
“Zeit Online” ändert seinen Umgang mit Leserartikeln und stellt das bisherige Leserartikel-Blog ein. “Wie sehr die Medien um ihre Autorität und ihre Marke fürchten, sobald ihre Leser daran mitschreiben, ist kaum zu übersehen. Schon werden die Zügel vielerorts wieder angezogen, selbst wenn man damit ausgerechnet die engagiertesten User vor den Kopf stößt und verliert; Zeit Online gibt wahrlich nicht das einzige Beispiel für diesen Rollback ab.”

5. “300 bis 500 Euro pro Zitat aus der Welt oder der Bild-Zeitung”
(heise.de/tp/blogs, Peter Mühlbauer)
“Gestern erhielt der Münchener Journalist Claus Vester, der unter anderem die Kinderbuchwebsite Erlebnis Lesen betreibt, ein Schreiben des Axel-Springer-Verlages, in dem er aufgefordert wird, wegen der Verwendung eines 397 Zeichen langen Zitats aus einer Rezension des Kinderbuchs Skogland 500 Euro zu zahlen. Vester hatte das Zitat allerdings nicht direkt der Springer-Publikation entnommen, sondern der Website des Oetinger-Verlages, der damit das Buch bewirbt.”

6. Duslog.tv
(duslog.tv)
Lukas Heinser und Stefan Niggemeier berichten täglich aus Düsseldorf von den Vorbereitungen zum Eurovision Song Contest. Im “Journalist” und im eigenen Blog beschreiben sie ihre ersten Erfahrungen.

Widersprüche, Jeans, Frauenzeitschriften

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1. “Ach nee, doch nicht”
(blogs.sueddeutsche.de/schaltzentrale, Johannes Boie)
Johannes Boie notiert einige der Widersprüche, die bisher über den Tod von Osama bin Laden veröffentlicht wurden. “Niemand arbeitet permanent fehlerfrei. Und in manchen Redaktionen ist es längst schwierig geworden, noch Kollegen zu finden, die überhaupt Zeit haben, Aussagen von Dritten zu prüfen. Denn von den Festangestellten unter uns gibt es immer weniger.”

2. “5 Big bin Laden Media Mistakes, Explained”
(wnyc.org, Sarah Kate Kramer, englisch)
“The fallout from President Obama’s announcement that Osama bin Laden had been killed by U.S. forces late Sunday night is a perfect example of how misinformation from a unique source, news aggregation and insta-feedback from Twitterlandia can get mixed up to ill effect.”

3. “Im Netz der Besserwisser”
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Sascha Lobo schreibt über “Experten” im Web: “Was auch immer das Weltgeschehen an Neuigkeiten bereithält – im Netz finden sich sogleich Experten sonder Zahl für exakt diesen Topos. (…) Gefühltes Expertentum zeichnet sich durch immense Hinterher-Klugheit aus, hätte, hätte, Fahrradkette.”

4. “Ex-Freunde: Schweinsteiger und Sport Bild”
(ndr.de, Video, 5:32 Minuten)
Fußball: Die Beziehung zwischen dem FC Bayern München und “Sport Bild” und die Beziehung von Bastian Schweinsteiger und “Sport Bild”. Schweinsteigers Reaktion auf den “Chefchen”-Artikel fand erst nach zwei Wochen und vor einer halböffentlichen Journalistenrunde ohne Kameras statt.

5. “‘Österreich’ informiert über aktuelle Jeans-Preise”
(kobuk.at, Hannes Bleiziffer)
“Österreich” informiert seine Leser über billige Jeans. Und zwar nahezu deckungsgleich im redaktionellen und im werblichen Teil.

6. “Titelerfinder für Frauenzeitschriften – ein Beruf mit Zukunft”
(zeit.de, Harald Martenstein)
“Ich glaube, dass es einer in langen Jahren gewachsenen Kennerschaft und extrem verfeinerter Sinnesorgane bedarf, um zwischen der aktuellen Ausgabe von Echo der Frau und Frau im Spiegel zu unterscheiden, das ist ähnlich wie bei den Weinkennern, die einen 1998er Kleinfischbacher Blocksberg sofort vom 1999er Jahrgang zu scheiden wissen.”

Regierungsinserate, Tagesschau, Gründergeist

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1. “Die Verführbarkeit des ‘Public Watchdog'”
(derstandard.at, Hans Gasser)
Hans Gasser fordert gesetzliche Regeln zur Vergabe von Regierungsinseraten. Wer “in überdurchschnittlichem Ausmaß von direkten finanziellen Zuwendungen der Regierung, einzelner Ministerien oder Staatsunternehmen” abhängig sei, könne dem Anspruch an Unabhängigkeit kaum gerecht werden.

2. “Sag einfach Ja”
(theeuropean.de, Alexander Kissler)
Alexander Kissler ärgert sich über die 20-Uhr-Ausgabe der “Tagesschau” am Ostermontag, die sich während 4 Minuten und 57 Sekunden den Anti-Atomkraft-Protesten widmete: “Zwischen geschätzten 2000 und 10.000 Deutschen fanden sich laut unbestätigten, aber gewiss interessegeleiteten Veranstalterangaben pro Ort zusammen, um gegen Atomkraft zu protestieren. Auch ein paar Hundert Franzosen ließen sich begeistern. Das ist nicht nichts, aber doch eine arge Petitesse. Bei Volksfesten, Sportereignissen, Wallfahrten kommen mehr Menschen zusammen.”

3. “Anatomy of a Fake Quotation”
(theatlantic.com, Megan McArdle, englisch)
Megan McArdle zeigt auf, wie es zu einem falschen Zitat von Martin Luther King kommt und wie dieses massenhaft in Sozialen Netzwerken geteilt wird.

4. “Auf ins Internet!”
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler erkennt einen Gründergeist unter Schweizer Journalisten. Er stellt acht neue Web-Projekte vor: “Gemeinsam ist den genannten Plattformen, dass ihre Ressourcen beschränkter sind als jene der etablierten Medien.”

5. “Verschwurbeltes Hochschuldeutsch”
(spiegel.de, Markus Reiter)
Schreibtrainer Markus Reiter hält deutsche Wissenschaftler dazu an, sich klar auszudrücken. “Kein Wunder, dass Deutsch als Wissenschaftssprache immer weiter an Bedeutung verliert. Selbst ausländische Forscher, die gut Deutsch sprechen, müssen in vielen Fällen vor der Prosa deutscher akademischer Autoren kapitulieren.”

6. “Gewinner und Verlierer auf BILD.de (2)”
(mediensalat.info, Ralf Marder)
“Gewinner” und “Verlierer” auf Bild.de mit Texten und Fotos, die nicht zueinander passen.

Obama/Osama, Pressefreiheit, @RegSprecher

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1. “Obama/Osama mixups mar breaking news reports”
(regrettheerror.com, Craig Silverman, englisch)
Craig Silverman überrascht es nicht, dass nun Journalisten “Obama” und “Osama” verwechseln (BILDblog berichtete), denn das tun sie schon seit Jahren. Ein Blick auf einige der Fehler gestern in den USA.

2. “Newspaper websites publish fake bin Laden ‘death’ pic”
(tabloid-watch.blogspot.com, englisch)
Ein Foto, das nicht Osama bin Laden zeigt (BILDblog berichtete), war auf mehreren britischen Online-Portalen zu sehen.

3. “Warum @RegSprecher so nicht twittern sollte”
(haltungsturnen.de, Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach)
Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach beurteilt den Umgang von Regierungssprecher Steffen Seibert mit dem Twitter-Konto @regsprecher.

4. “Die medialen Baustellen der EU”
(derstandard.at, Rubina Möhring)
Heute ist der internationale Tag der Pressefreiheit. Rubina Möhring denkt dazu über ein gemeinsames EU-Mediengesetz nach. Das sei “theoretisch eine optimale Lösung”: “Realiter ist ein solches Projekt jedoch leider auch mit Fragezeichen zu versehen. (…) Eine Knebelung der Medienfreiheit käme im äußersten Fall einer kollektiven Verdummung oder Gehirnwäsche gleich.”

5. “Ist Print das bessere Medium?”
(latrinum.wordpress.com, Gina)
Gina antwortet dem Papiermedien-Lob von Bobby California.

6. “Die Reaktoren spielen verrückt”
(schweizermonat.ch, René Zeyer)
Von Normalität im Journalismus könne keine Rede mehr sein, schreibt René Zeyer: “Unmittelbarkeit wird mit Authentizität verwechselt, Geschwindigkeit mit Informationswert, in Liveschaltungen stehen völlig überforderte Reporter mit dem Mikrofon in der Hand vor wechselnden Kulissen, gerne auch im schützenden Hotelzimmer oder im Übertragungszentrum einer lokalen TV-Station. Das soll keine Kritik an ihnen sein, sie wurden zum Opfer eines ausser Rand und Band geratenen Journalismus, genauso wie der Zuschauer oder Leser.”

Wer im Glabhaus sitzt…

So viel Selbstironie hätten wir “Spiegel Online” gar nicht zugetraut.

Im Zuge des Livetickers zum Tod von Obama Osama bin Laden ging auch diese Nachricht über den Äther:

Regierungssprecher Seibert vertippt sich

Dumm nur, dass die Überschrift des Livetickers einige Zeit lang so lautete:

US-Militär soll Obama auf See bestattet haben

Immerhin hat “Spiegel Online” den eigenen Vertipper inzwischen transparent korrigiert:

+++ 10.00 Uhr +++ Tückische Vertipper +++

Im Eifer des Gefechts kann es schon einmal passieren – auch SPIEGEL ONLINE rutschte der gleiche Buchstabendreher für ein paar Minuten durch – in diesem Fall ist der Vertipper besonders unglücklich. Zuvor verwechselte schon Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter das “s” mit dem “b” – und beschuldigte versehentlich den US-Präsidenten unfassbarer Taten: “Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt.”

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.

Süddeutsche Zeitung, Syrien, Papier

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1. “‘Süddeutsche Zeitung’ fällt auf die Wahrheit herein”
(blogs.taz.de/hausblog)
Thomas Fromm zitiert in einer Reportage für die Seite 3 der “Süddeutschen Zeitung” einen “mittelständischen Unternehmer”. Tatsächlich stammt das Zitat aus einem satirischen “taz”-Text über einen fiktiven Unternehmer.

2. “Wie sich die Todesmeldung von Osama Bin Laden via Twitter und Facebook verbreitete”
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Siehe dazu auch “How the bin Laden Announcement Leaked Out” (mediadecoder.blogs.nytimes.com, Brian Stelter, englisch).

3. “Syrien / Libanon: Zeugen des Krieges”
(mediathek.daserste.de, Video, 7:27 Minuten)
Informationen über die Situation in Syrien kommen vor allem aus dem Libanon. Auch die ARD kann nicht in das Land einreisen.

4. “Die ‘Chefchen’-Affäre”
(sueddeutsche.de, Andreas Burkert)
Andreas Burkert schreibt über die Auseinandersetzung zwischen Bastian Schweinsteiger und “Sport Bild”: “Der Regisseur Schweinsteiger hat zuletzt nicht mehr richtig mitgespielt bei diesem Geben und Nehmen, das ihn auch groß machte. Angeblich soll er Interview-Anfragen von Sport-Bild und Bild zurückgewiesen haben. Es sieht jetzt fast so aus, als ob er, der Springers Spielplan ablehnt, quasi die rote Karte bekommt. Wegen der Ungeheuerlichkeit, sich zu verweigern.”

5. Borussia Dortmund und die Sonntagszeitungen
(pottblog.de, Jens Matheuszik)
Jens Matheuszik fasst zusammen, wie die Sonntagszeitungen FAS, WamS und BamS über den Meistertitel von Borussia Dortmund berichten.

6. “Warum Papier praktischer ist”
(bobbycalifornia.blogspot.com)
Bobby California sucht und findet “50 Gründe, warum Papiermedien (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, das Kursbuch usw…) praktischer sind als Online-Medien”.

Gegen ARD und ZDF geht alles

Das ist eine sensationelle Nachricht, die die “Welt” da seit Donnerstag in ihrem Online-Auftritt vermeldet:

Spartensender ZDF Kultur will eigenen Jugendkanal

Der Jugendsender eines Kultursenders? Der Ableger eines Ablegers? Sicher, nichts scheint unmöglich bei ARD und ZDF. Aber stutzig machen könnte den unbefangenen Leser, dass die Nachricht nicht nur nirgends sonst steht, sondern auch nicht hier. Im Artikel selbst ist zwar von einem Jugendkanal und einem Kulturkanal die Rede, aber in keiner Weise von einem Jugendkanal eines Kulturkanals.

Es scheint, als habe der diensthabende Mensch, der aus dem Artikel aus der gedruckten “Welt” eine Fassung für “Welt Online” machen musste, das Stück nur sehr flüchtig gelesen und nicht verstanden, dass es sich bei dem Jugendkanal um einen Jugendkanal der ARD handelt, der aus den Digitalkanälen “Eins Festival” und “Eins Plus” entstehen könnte.

Nun ist es tatsächlich leicht, den Artikel misszuverstehen, weil er überwiegend aus Wutschaum besteht und, was bei dem Thema ARD und ZDF häufiger vorkommt, scheinbar nicht von einem Journalisten, sondern der Lobbyabteilung der Axel Springer AG verfasst wurde. In der gedruckten “Welt” trägt er die programmatische Überschrift: “Dafür haben wir nicht GEZahlt!”

Autor Ekkehard Kern schreibt über die Digitalkanäle:

Nur selten vermag einer der sechs Miniatursender der Öffentlich-Rechtlichen die Ein-Prozent-Einschaltquotenhürde zu nehmen — was ARD und ZDF jedoch nicht davon abhält, im Segment dieser Spartenprogramme eifrig weiterzuplanen und deren Existenz dem großen Publikum in den reichweitenstarken Hauptprogrammen Das Erste und ZDF aus unerfindlichen Gründen konsequent zu verschweigen.

Er muss schon lange nicht mehr das ZDF eingeschaltet haben, um die vielen Programm-Ankündigungen für ZDF_neo verpasst zu haben. Auch für ZDF.Kultur wirbt das Hauptprogramm.

Im Lobbyistenton fantasiert er weiter:

Schelte für ihre oft wenig durchschaubare Expansionspolitik haben ARD und ZDF reichlich kassiert. Man denke nur an die herrlich überflüssige “Tagesschau”-App für das iPad und überhaupt die digitale Ausbreitung im Internet – einem Terrain, das die Öffentlich-Rechtlichen unangetastet lassen müssten, denn “Rundfunk” beinhaltet eben schon per definitionem nur Radio und Fernsehen.

Vieles ist der “Tagesschau”-App vorgeworfen worden, gerade auch von Springer, aber dass sie überflüssig ist, nun gerade nicht. Und über die Definition von “Rundfunk” lässt sich lange streiten, was daran liegt, dass keinewegs klar ist, ob sie “nur Radio und Fernsehen” beinhaltet. Das Bundesverfassungsgericht etwa sieht das durchaus anders.

Der Autor lästert dann noch ein bisschen über die “grauen Eminenzen von ARD und ZDF”, den “bizarr sturen Apparat” und den “Seniorenkanal” ZDF, bevor er vage auf den Wunsch des SWR-Intendanten nach einem Jugendkanal zurückkommt:

Ein ProSieben der Öffentlich-Rechtlichen mag dem SWR-Intendanten Boudgoust vorgeschwebt haben. Nur sinnvoller, versteht sich. Denn die Quote, so betont man bei den Öffentlich-Rechtlichen gerne und stets vorsorglich, bedeute einem nichts.

Dafür hätte man dann doch gerne einmal einen Beleg gelesen. Der ARD-Programmdirektor Volker Herres jedenfalls sagt regelmäßig Sätze wie: “Ich will Programm für alle Menschen machen und Quote sind nichts anderes als Menschen.” Vielleicht hat der Autor aber auch nur flüchtig ein Interview mit der ARD-Vorsitzenden Monika Piel im aktuellen “Focus” gelesen, in dem sie sich gegen den Vorwurf der Quotenfixierung wehrt. Die Überschrift lautet allerdings: “Quote ist nicht alles.”

Weiter im Text:

Sehr zupass und pünktlich zur Frühjahrstagung der ARD kam dann jetzt auch eine Wortmeldung des Chefs der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Martin Stadelmaier (SPD).

“Pünktlich”? Stadelmaier äußerte sich am 19. April. Die Frühjahrstagung der ARD endete am 6. April. Jedenfalls:

[Stadelmaier] will mit dem noch vagen Plan des Jugendsenders endlich Ernst machen. Monika Piel, die derzeitige ARD-Chefin, denkt jetzt über eine Kooperation mit dem ZDF nach. Welch neues Projekt aus diesen Diskussionen erwächst, weiß bisher keiner so ganz genau. Aber in der labyrinthischen Welt der Öffentlich-Rechtlichen ist es wie in der Baumarktwerbung: Es gibt immer was zu tun.

Kern hat sich so besinnungslos auf ARD und ZDF eingeschossen, dass er gar nicht merkt, dass Piels Gedankenspiele ganz in seinem Sinne sein müssten. Schon im Januar sagte sie der “taz”:

Es wird keinen “Sender-Zuwachs” mehr geben. Wir müssen uns natürlich in der ARD weiter entwickeln, aber das bedeutet künftig: umverteilen, etwas Anderes lassen, damit man etwas Neues machen kann. Von daher wird es wohl am Ende meiner Amtszeit eher weniger geben — und ich hoffe bei den Digitalkanälen auf mehr Zusammenarbeit mit dem ZDF — analog zu Phoenix und KiKa.

Nichts in Kerns Artikel ist neu. Aber so tendenziös und falsch ist das womöglich tatsächlich noch nicht aufgeschrieben worden.

Sport Bild, Köln, Glamour-Journalismus

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1. “Eklat? Skandal? Wo?”
(sportmedienblog.de)
Fußball: Bastian Schweinsteiger reagiert heftig auf einen Artikel in “Sport Bild”. Das Sportmedienblog findet, der deutsche Sportjournalismus tue sich keinen Gefallen, “sich so kategorisch bereitwillig mit dem Kollegen der Sport Bild” zu solidarisieren, sich mit seinem Artikel somit quasi gemein zu machen. Siehe dazu auch “Sport Bild provoziert Schweinis Wut-Anfall” (meedia.de, Alexander Becker).

2. “Geschichte wird gemacht: Die Causa Finke”
(spielbeobachter.twoday.net)
Fußball: Der Spielbeobachter schreibt einen langen Text zum Trainerwechsel beim 1. FC Köln, in dem auch die Berichterstattung von “Bild” Köln und dem “Kölner Stadt-Anzeiger” beleuchtet wird.

3. “Jeff Jarvis’ 36 Aussagen über den Zustand der Nachrichten-Branche”
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene)
“Was mit Medien” übersetzt den Blogbeitrag “Hard economic lessons for news” von Jeff Jarvis.

4. “Glamour-Journalismus ist vorbei”
(visdp.de)
Glamour-Journalismus sei vorbei, glaubt V.i.S.d.P.: “Das neue Interesse am vermeintlich wirklichen Leben ist ein Chance für den Journalismus und die Reportage-Tugenden der siebziger Jahre: Lange Texte über Themen, die etwas mit dem alltäglichen Leben der Leser zu tun haben, passen wieder zum Zeitgeist. Sie dürfen sogar ohne den anklagenden Jammer-Ton dieser Jahre auskommen, der sich manchmal immer noch in STERN, ZEIT und SPIEGEL findet.” Ein weiterer Artikel befasst sich mit den aktuellen Titelblättern von “Bunte” und “Gala”.

5. “Quotenschlacht um Prinzenhochzeit”
(youtube.com, Video, 5:15 Minuten)
Seit Wochen schon berichten deutsche Medien über die heutige Hochzeit in London: “Mit aller Wucht versuchen Redakteure, die vermeintliche Sehnsucht der Deutschen nach Adel, Glamour, Königlichkeit zu erfüllen. Und je weniger der Palast preis gibt, desto mehr Platz bleibt zum Spekulieren.”

6. “Die Monarchie hält uns klein”
(zeit.de, Polly Toynbee)
Wolfgang Blau übersetzt einen Artikel der britischen Journalistin Polly Toynbee: “Was für eine seltsame Vorstellung: Die üppige Zurschaustellung sinnloser Geldverschwendung für einen goldenen Prinzen und seine Prinzessin soll ausgerechnet die Stimmung derer aufhellen, die gerade ihre Jobs verlieren, oder die Stimmung der großen Mehrheit der Bevölkerung, deren Einkommen schrumpft und deren Sozialleistungen zusammengestrichen werden.”

Koranverbrennung, Kriegsberichterstatter, B.Z.

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1. “Interessant heißt nicht relevant”
(tagesspiegel.de, Caroline Fetscher)
Bei fragwürdigen Ereignissen wie der angekündigten Koranverbrennung eines US-Pastors sei es manchmal “klüger, ethischer, besser, nichts zu berichten”, schreibt Caroline Fetscher. “Obgleich seriöse, auf Nachrichten spezialisierte Massenmedien Chronistenpflicht besitzen, gibt es Begebenheiten, denen gegenüber Abstinenz, Distanz oder Detailverweigerung zum verantwortlichen Umgang mit der Wirklichkeit gehören. Zentral dabei ist an erster Stelle die Einordnung eines Ereignisses als repräsentativ.”

2. “Der schlechte Ruf der Journalisten”
(ndr.de, Video, 7:54 Minuten)
“Zapp” geht der Frage nach, warum Journalisten im Ranking der vertrauenwürdigen Berufen bei nur 17 Prozent landen (Ärzte bei 82 Prozent): “Im Konkurrenzkampf ruinieren sie ihr eigentliches Kapital: Ihre Glaubwürdigkeit.” Die Interviews mit Hans Mathias Kepplinger, Marc Brost und Detlef Voges sind in voller Länge abrufbar.

3. “Krawall kommt vom Koffein”
(jungle-world.com, Jesse-Björn Buckler)
Jesse-Björn Buckler rezensiert die “B.Z.”-Serie “Der 1.-Mai-Komplex – Wie die linksextreme Mafia in Berlin organisiert ist”: “Den Autonomen wird dabei der Organisierungs- und Professionalisierungsgrad unterstellt, den sie gerne hätten. Die Serie kreiert ein Bild der autonomen Szene, das nur wenig mit der Realität zu tun hat, aber dafür sämtliche bürgerlichen Klischeevorstellungen bedient.”

4. “Which of Us Dies First?”
(uk.gizmodo.com, Teru Kuwayama, englisch)
Der Tod der Kriegsberichterstatter Tim Hetherington und Chris Hondros erzeugt breite Aufmerksamkeit: “You’d almost think it was the first time journalists had been killed in the line of duty, but it wasn’t – it was just the first time, in a long time, that western journalists with names like ‘Tim’ and ‘Chris’ were killed.”

5. “Österreich größte Medien”
(derstandard.at)
Eine PDF-Datei zeigt eine Übersicht der größten Medienhäuser in Österreich.

6. “Was am Freitag die Nachrichten bestimmen wird”
(graphitti-blog.de, katja)

Döhler, Karasek, Schreibmaschinen

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1. Interview mit Marc Döhler
(nachgebloggt.de, DanielP)
Nachgebloggt befragt Marc Döhler, der sich seit 2006 intensiv mit Call-In-Gewinnspielen auseinandersetzt.

2. “BILD Dir Deine Meinung … über Türken!”
(migration-business.de, Dario Mohtachem)
Das Online-Magazin “migration-business” untersucht die Verbindung zwischen Kriminalität und Türken in “Bild”.

3. “Das digitale Medium ist mir unendlich fremd”
(planet-interview.de, Jakob Buhre)
Jakob Buhre spricht mit Hellmuth Karasek, unter anderem auch über seine Beziehung zu “Bild”: “Die ‘Bild’-Zeitung ist für mich ein Medium, das ich so ernst nehme, wie ich Stefan Raab ernst nehme. Ich würde nie eine politische Entscheidung nach ‘Bild’ treffen, aber ich lese gerne, was da drin steht.”

4. “Umgang mit Bildmaterial im Journalismus”
(digitaljournal.zib21.com, Sandra Capljak)
Sandra Capljak erinnert an Bildmanipulationen von deutschen Klatschzeitschriften 1992 anlässlich der Geburt des Sohns von Stéphanie von Monaco.

5. “Has The Last Typewriter Factory Closed? Not Really”
(technologizer.com, Harry McCracken, englisch)
Den Produktionsstopp von Schreibmaschinen durch die Schliessung einer angeblich letzten Schreibmaschinenfabrik in Mumbai vermeldet neben vielen englischsprachigen Quellen auch Bild.de. Siehe dazu auch das Blog the two-way auf npr.org oder minyanville.com.

6. “Web-Videos: Das ultimative Travel-Kit für 100€”
(gutjahr.biz, Richard Gutjahr)
Richard Gutjahr dreht Videos für das Netz mit dem iPhone, einem Stativ und einem Mikrofon.

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