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Artes E-Auto-Doku, Autobahn-Beilage, Raab macht den Fips

1. ARTE-Filmemacher wollen die Klimakrise jetzt durch Verzicht auf Windkraft und E-Autos lösen
(graslutscher.de, Jan Hegenberg)
Jan Hegenberg hat sich die Arte-Doku “Umweltsünder E-Auto” angesehen und ist entsetzt: “Das ist eine der schlechtesten Dokumentationen, die ich seit Langem sehen musste. Es wäre selbst dann blamabel, wenn RTL2 so einen Unsinn ausgestrahlt hätte, aber wie in aller Welt die Leute bei ARTE auf die Idee kommen, diesen auf allen Ebenen undurchdachten Beitrag zu verbreiten, ist mir schleierhaft.” In seinem Beitrag geht er ausführlich auf all die Punkte ein, die ihm Kopfschmerzen bereiten. Arte hat auf Twitter reagiert: Man habe die Kritik an die zuständige Redaktion mit der Bitte um ein Statement weitergeleitet und werde sich bald melden.

2. Die launige Beilage “Die Autobahn A3 für Europa” und was das mit meiner Dissertation zu tun hat
(ankegroener.de)
Der Samstagsausgabe der “Süddeutschen Zeitung” und weiteren Zeitungen lag die 32-seitige Broschüre “Die Autobahn A3 für Europa” bei. Auf Twitter hatte Lenz Jacobsen zunächst über “dieses Werk journalistischer Ingenieurskunst” berichtet. Die Broschüre sei “ein beeindruckendes Beispiel für die alltägliche, wirtschaftliche und publizistische Macht und Interessenvertretung aller, die am Ausbau der Auto-Infrastruktur beteiligt sind und davon profitieren.” Anke Groener steckt wegen ihrer Dissertation besonders gut im Thema und sieht historische Parallelen: “Lustig, wie wenig sich Argumente und Bilder in 90 Jahren geändert haben. Damit will ich der Autobahndirektion Nordbayern und den ganzen Menschen, die an dem Ding gearbeitet haben, kein faschistisches Gedankengut unterstellen, aber die Ähnlichkeit zu Texten zum Bau der Reichsautobahn ist schon frappierend.” Wer tiefer ins Thema einsteigen will: Groener hat das Autobahnkapitel aus ihrer Dissertation online gestellt (PDF).

3. Berauschende Tatortigkeit
(taz.de, Anne Haeming)
Der 50. Geburtstag des “Tatorts” wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die Rolle der Polizei kritisch abzubilden, so Anne Haeming in der “taz”. Stattdessen habe die Jubiläumsausgabe gezeigt: “Hier will niemand was. Erst recht nicht die knirschenden Stellen unserer Gesellschaft aufzeigen – und damit die Rolle der Exekutive.” Haeming lenkt den Blick auf die unterrepräsentierten Themen, die über die traditionellen Inszenierungen hinausgehen.
Weitere Lesetipps: Die “Süddeutsche” empfiehlt fünf “Tatort”-Folgen, die man gesehen haben muss, beim “Redaktionsnetzwerk Deutschland” geht es um fünf “Tatort”-Folgen, die man nicht mehr sehen kann (weil sie im Giftschrank gelandet sind), und beim “Spiegel” stellt Peter Ahrens sein persönliches “Tatort”-Projekt vor: Er arbeitet daran, alle “Tatort”-Folgen zu gucken, die es je gegeben hat (und stellt dabei auch seine Top 10 vor).

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4. Fragen und Antworten: Kippt die Erhöhung des Rundfunkbeitrags?
(rnd.de)
Es könnte passieren, dass die Erhöhung des Rundfunkbeitrags in Deutschland an der Zustimmung Sachsen-Anhalts scheitert: Dort stemmen sich CDU und AfD gegen die geplante Neufestsetzung der Gebühren. Beim “Redaktionsnetzwerk Deutschland” gibt es eine Übersicht der entscheidenden Fragen und Antworten zu dem politisch brisanten Thema.
Weiterer Lesehinweis: Beim “Journalist” kommentiert Chefredakteur Matthias Daniel: “Der CDU geht es überhaupt nicht um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es geht ihr um das eigene Schicksal bei der Landtagswahl im nächsten Jahr. Sie vermutet, dass sich mit dieser billigen Haltung in AfD-Nähe Stimmen ködern lassen.”

5. ARD diskutiert über Corona-Berichterstattung
(sueddeutsche.de, Marija Barišić)
Manche Zuschauer und Zuschauerinnen kritisieren die Corona-Berichterstattung der ARD als zu unausgewogen und wünschen sich mehr Vertreter von (größtenteils widerlegten oder umstrittenen) Mindermeinungen in der Debatte. Dies führte zu einer Petition, in der mehr als 60.000 Personen eine Sondersendung mit den Kritikern der Corona-Maßnahmen Sucharit Bhakdi und Wolfgang Wodarg forderten. Die ARD hat sich mit einigen Unterstützerinnen und Unterstützern der Petition zum Hintergrundgespräch zusammengesetzt. Die geforderte Sondersendung werde es jedoch aller Voraussicht nach nicht geben.

6. Der Raab-Roast: Taugt König Lustig als Formatentwickler?
(dwdl.de, Peer Schader)
Stefan Raab ist zurück, jedenfalls als Macher der Show “Täglich frisch geröstet” (zu sehen beim Straminganbieter TVNow der Mediengruppe RTL). TV-Kritiker Alexander Krei war bereits von der Premiere wenig begeistert (“Kalter Kaffe statt heißem Roast”), sein “DWDL”-Kollege Peer Schader kann der Sendung auch nach vier Folgen wenig bis nichts abgewinnen: “Eine Idee, die im Kopf von König Lustig funktioniert, wird im Studio nicht automatisch zu gutem Unterhaltungsfernsehen. Bleibt nur noch eins zu klären: Wer sagt’s dem Chef?”
Weiterer Hörtipp: Im “Quotenmeter”-Podcast (Ausgabe 583) sprechen Fabian Riedner und Julian Schlichting über das neue Raab-Format. Dabei geht es vor allem um die grandios fremdschämverdächtige Folge mit dem Reality-TV-Sternchen Evelyn Burdecki: “Herr Raab macht den Fips Asmussen” (45:01 Minuten).

Strafe für Jeannée, Causa Hildmann, Corona-Datenjournalismus

1. Prozess um üble Nachrede gegen Klenk: 7.200 Euro Strafe für Jeannée
(derstandard.at, Michael Möseneder)
Der österreichische Boulevardjournalist Michael Jeannée hat sich in seiner Kolumne bei der “Krone” schon so manche wüste Entgleisung geleistet. Gelegentlich trifft er auf ein Gegenüber, das sich das nicht gefallen lässt und sich rechtlich zur Wehr setzt. Im aktuellen Fall mit Erfolg: Für die Attacke auf “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk wurde Jeannée (noch nicht rechtskräftig) wegen übler Nachrede und Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt.

2. Marktlücke Nüchternheit
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer ist genervt von der Aufgeregtheit der deutschen Medien und lobt den Journalismus, wie ihn zum Beispiel der “Economist” betreibe: “In der angelsächsischen Welt ist der ‘Economist’ damit nicht allein. Auch in der ‘Washington Post’ und der ‘New York Times’ finden sich wenige übersteigerte oder hämische Schlagzeilen oder Artikel. Im ‘Guardian’ tauchen sie schon mal auf – meist aber über klaren Meinungsartikeln. Kein mir bekanntes Medium in Deutschland hält solch einen Journalismus flächendeckend durch.”

3. Berlin ermittelt
(juedische-allgemeine.de, Elke Wittich)
Der Kochbuchautor Attila Hildmann dreht auf seinem Telegram-Kanal oder direkt vor dem Reichstagsgebäude regelmäßig frei und sondert dort krude Verschwörungserzählungen ab, die teilweise nationalsozialistisch und antisemitisch durchsetzt sind. Bislang war es gar nicht so einfach, dem enthemmten Pöbler juristisch beizukommen, doch nun wurden nicht nur die Ermittlungen gebündelt, es sind auch erste Beschlüsse ergangen.

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4. Wie behinderte Menschen vergessen werden, wenn von “Diversität”, “Vielfalt” und “Inklusion” die Rede ist
(journalist.de, Raul Krauthausen)
Wenn von “Diversität” die Rede ist, werden Menschen mit Behinderung oft übersehen, findet der bekannte Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit Raul Krauthausen: “Menschen ohne Behinderung haben oft doch eine Behinderung, und zwar in die Richtung, dass sie sich meist nicht vorstellen können, was ein Mensch mit Behinderung so alles kann. Das herrschende Narrativ bespielt im Einbahnstraßenmodus stets: Was behinderte Menschen alles nicht können. Und weshalb dringend ein Schonraum für sie benötigt wird. Was dann als Fortschritt gefeiert wird. Und als Nächstenliebe sowieso. Was eine Falle ist. Für alle.”

5. «Ich schlafe sehr gut und träume auch nicht mehr von Corona.»
(medienwoche.ch, Benjamin von Wyl)
Marc Brupbacher ist Datenjournalist beim Schweizer “Tagesanzeiger” und dort unter anderem für die Corona-Berichterstattung mitverantwortlich. Die “Medienwoche” hat sich mit Brupbacher angenehm ausführlich über dessen Tätigkeit unterhalten. Dabei geht es um die Arbeit im Datenteam, Storytelling, die Unterschiede von Online- und Print-Berichterstattung und Überlegungen zur Zukunft der Medien.

6. Freie im Lokalen: Wer sie sind und was sie tun
(de.ejo-online.eu, Anna-Lena Wagner & Wiebke Möhring)
Lokalredaktionen kommen nicht ohne freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Wer sind die fleißigen Helfer und Helferinnen, die vor Ort Dinge recherchieren und über lokale Ereignisse berichten? Ein Forschungsprojekt des Instituts für Journalistik der TU Dortmund ist dieser Frage nachgegangen und hat Befragungen dazu durchgeführt. Gegenstand der Untersuchung: “Merkmale, berufliches Selbstverständnis und Organisationsstrukturen in Zeitungsredaktionen”.

Jung und alt, Kahlschlag bei Tele 5, “Bekenntnisse” des Investors

1. Fünf Dinge, die der deutsche Journalismus von jungen Medien lernen kann
(meedia.de, Felix Dachsel)
“Vice”-Chefredakteur Felix Dachsel wundert sich in seinem Gastbeitrag für “Meedia” über die Schadenfreude mancher Medienschaffenden, was das Schicksal einiger junger Journalismus-Plattformen angeht. Dies sei nicht nur fehl am Platz, so Dachsel, sondern kontraproduktiv: Die etablierten Alt-Medien könnten durchaus von den neuen Ansätzen lernen. Er führt dazu fünf lesenswerte Gedanken an und schließt seinen Appell mit den Worten: “Wir junge Medien hatten ein hartes Jahr, einige sind auf der Strecke geblieben. Wir können stolz sein, experimentiert zu haben. Wenn älteren Kollegen etwas gelegen ist an der Zukunft, dann verzichten sie auf Häme. Am Ende lösen wir das Rätsel, wie der Journalismus überleben kann, nur gemeinsam.”

2. Von Wohltätern und subalternen Journalisten
(schienestrasseluft.de, Thomas Rietig)
“Bekenntnisse eines Firmenjägers” lautet die Unterzeile des Buchs des Investors Peter Löw. Angeblich 250 Firmen will der umtriebige Löw im Laufe der Zeit gekauft haben. Einer dieser Käufe war der deutsche Dienst der internationalen Nachrichtenagentur AP (aus dem, zusammen mit der Agentur ddp, die Agentur dapd wurde). Die Investition endete zwei Jahre später mit der Pleite, 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen auf der Straße. Thomas Rietig arbeitete damals für die Agentur und hat das Buch deshalb mit besonderem Interesse gelesen. Seine Rezension offenbart viele verstörende Einblicke hinsichtlich Löws geschäftlichem Gebaren und dessen Sicht auf den Journalismus: “‘Die meisten Journalisten, die wir kennenlernten, hatten gebrochene Lebensläufe. Abgebrochene Studiengänge, schlechte Examina, gestörtes Sozialverhalten, Kettenrauchen, Alkoholismus, hier kam alles zusammen.'”

3. Kahlschlag bei Tele 5: Muss fast die Hälfte des Teams gehen?
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Nachdem sich Discovery Deutschland den Fernsehsender Tele 5 einverleibt hat, kommt nun der befürchtete, aber erwartete personelle Kahlschlag: Etwa die Hälfte der Belegschaft falle dem Stellenabbau zum Opfer. Thomas Lückerath schreibt: Der Zeitpunkt, “einen Monat vor Weihnachten, stößt jetzt vielen besonders bitter auf. Zumal der Sender nach früheren Angaben des ehemaligen Geschäftsführers Kai Blasberg über Jahre hinweg Gewinne einfuhr, die dem Sender Extravaganzen und Experimente ermöglichten.”

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4. Schlechter als sein Ruf
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz, Audio: 6:18 Minuten)
Der Messengerdienst Telegram erfreut sich derzeit großer Beliebtheit, ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Wegen fehlender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung seien private Nachrichten zum Teil und Gruppenchats grundsätzlich eher unsicher. Außerdem hat sich das Programm zum Tummelplatz für Verschwörer und Kriminelle entwickelt. Christoph Sterz erklärt die Hintergründe und zeigt, warum Telegram beim Gesetz gegen Hass im Netz durchs Raster fällt.

5. ZAPP spezial: Medien im Corona-Stress
(ndr.de, Video: 29:56 Minuten)
“Zapp” beschäftigt sich in einem Spezial mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Medienwelt. Oben verlinkt ist die komplette Sendung. Wer sich für die Teilthemen interessiert:

6. “Bild” kommt heute mit Advents-Sonderausgabe mit 3 Mio Auflage.
(turi2.de, Anne Fischer)
Es soll niemand sagen, wir hätten sie oder ihn nicht gewarnt: In einer medialen Superspreader-Aktion will die “Bild”-Redaktion heute in ausgewählten Regionen Leserinnen und Leser mit ihrem Junk-Blatt infizieren. Der Axel-Springer-Verlag lässt in Städten wie Hamburg, Hannover, Frankfurt, Köln und Berlin kostenlos zwei Millionen einer “Advents-Sonderausgabe” verteilen. Wir wünschen den Betroffenen ein gesundes Immunsystem und ausreichend Platz in der Altpapiertonne.

“Voldemort-Journalismus”, Grabtourismus, Trittbrettfahrer-Bio

1. “Dieser Voldemort-Journalismus ist doch magisches Denken”
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Anfang November tötete ein Attentäter in der Wiener Altstadt vier Menschen und verletzte viele weitere. In unmittelbarer Nähe befand sich “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk, der aus den Redaktionsräumen des Wochenmagazins seine 300.000 Twitter-Follower mit Informationen zum Tathergang versorgte. Klenk verbreitete dabei auch einen Falschalarm der Polizei. Jürn Kruse hat Klenk interviewt: “Für die einen bin ich ein wichtigtuerischer Vollhonk und die anderen meinen, dass das vorbildlich gewesen sei. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.” Ein Gespräch, das nicht nur spannende Fragen zu dem konkreten Fall aufwirft, sondern die Schwierigkeiten von Live-Berichterstattung bei ähnlichen Situationen aufzeigt.

2. Viel Pfeffer, kein Salz
(taz.de, Simone Schmollack)
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist ein Medienphänomen: Als Politiker und Mediziner ist er derzeit auf nahezu allen Kanälen präsent – ob als Dauergast bei Anne Will, Markus Lanz, Sandra Maischberger oder Maybrit Illner, in den klassischen Medien oder auf Twitter. Wer ist dieser Mann, der seit 30 Jahren in jedem Restaurant darauf besteht, ungesalzenes Essen serviert zu bekommen, der von Termin zu Termin hetzt und sich erheblicher Kritik (bis hin zu Morddrohungen) aussetzt? Simone Schmollacks Porträt bringt einem den omnipräsenten Lauterbach etwas näher und versucht zu ergründen, warum er derart polarisiert: “Lauterbach ist beides, Rechthaber und Spielverderber.”

3. Presse darf Schaulust am Grab des Kopiloten nicht fördern
(faz.net)
“Bild” berichtete 2015 über die nichtöffentliche Beerdigung des für das Germanwings-Unglück verantwortlichen Co-Piloten. Dabei veröffentlichte die Redaktion auch Fotos des Grabs. Dies wurde nun vom Bundesgerichtshof beanstandet, es würde einen “Grabtourismus” fördern: “Privatheit und die berechtigte Erwartung, nicht zum Objekt von Schaulust und Sensationsgier in Momenten der Trauer beim Besuch des Grabes eines nahestehenden Verstorbenen zu werden, bestehen auch auf einem öffentlichen Friedhof und haben am Schutz des Rechts auf Privatsphäre teil.”

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4. Hohe Hürden für Beschlagnahme der Kamera
(verdi.de)
Ein nebenberuflicher Fotojournalist begleitete im Sommer eine Demo. Er habe dabei, wie von Seiten der Polizei behauptet, durch Aufnahmen nichtöffentlicher Gespräche “die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes” verletzt. Daraufhin beschlagnahmten die Beamten seine Kamera mitsamt der Ausrüstung. Die Klage auf Herausgabe wurde zunächst von Amtsgericht und Landgericht abgewiesen. Nun hat das Bundesverfassungsgericht anders entschieden, für den Fotojournalisten.

5. 15 Jahre Metaebene
(metaebene.me, Tim Pritlove)
Man kann Tim Pritlove getrost als Podcast-Pionier bezeichnen: Lange bevor sich in Deutschland Medienhäuser überhaupt nur Gedanken darüber machten, startete er eine ganze Reihe von Podcasts. Aktuell feiert Pritlove sein 15-jähriges Schaffen in dem Bereich und erzählt, was in den vergangenen fünf Jahren alles bei ihm passiert ist. Eine Übersicht zu den ersten zehn Jahre gibt es in einem früheren Resümee. Dieser Beitrag liegt zwar fünf Jahre zurück, kann Interessierten aber immer noch empfohlen werden, da er ein Stück deutsche Podcast-Geschichte abbildet.

6. Die verdächtige Trittbrettfahrer-Biografie über Obama
(welt.de, Christian Meier)
Bei Amazon erfreut sich eine zweifelhafte Obama-Biografie eines obskuren Verlags großer Beliebtheit. Es bestehe der Verdacht, die Biografie sei mit der Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestöpselt worden. Christian Meier erklärt den Fall, der viele spannende Aspekte hat. Sein Fazit: “Eins ist klar – völlig unabhängig davon, ob das ‘Barack Obama Book’ nun von einer KI geschrieben wurde oder nicht: computergenerierte Texte werden besser, und die Technologie dahinter ist ein Geschäftsmodell.”

“Bunte”-Widerruf, Der Papst und das Nacktmodel, Beliebigkeitsparodie

1. “Bunte” widerruft Titelgeschichte über Helene Fischer und den Vater ihres Freundes
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Karl May hat sich seine Wildwest-Geschichten wenigstens komplett ausgedacht. Die stellvertretende “Bunte”-Chefredakteurin Tanja May (nicht verwandt und nicht verschwägert) fantasiert sich zwar auch eine Menge zusammen, verwendet dabei aber real existierende Menschen und schlägt Profit aus ihnen. Aktuell muss die “Bunte” eine von May verfasste Titelgeschichte über Helene Fischer und den Vater ihres Freundes widerrufen. Boris Rosenkranz ist der Sache auf “Übermedien” nachgegangen.

2. Gnihihi, Parodie
(zeit.de, Matthias Kalle)
Matthias Kalle nimmt auf lesenswerte Weise die Kabarett-Disziplin Politikerimitation auseinander. Anlass ist für ihn der Kabarettist Florian Schröder, der mit seiner Karl-Lauterbach-Imitation bei Dieter Nuhr im Ersten vor allem eines bewiesen habe: “Politiker-Imitationen sind das Unlustigste, was es gibt. Die Kunstform scheint komplett aus der Zeit gefallen zu sein, vielleicht war es sie aber schon immer, nur ist es einem in den Achtziger- und Neunzigerjahren einfach nicht aufgefallen.” Kalle weiter: “Florian Schröder will nichts aufdecken. Er will einfach nur so sein wie Karl Lauterbach. Oder wie irgendjemand sonst.”
Weiterer Lesehinweis: Beim “journalist” gibt es aktuell ein ausführliches Interview mit Florian Schröder: “Jeder gute Satiriker braucht einen noch besseren Journalisten” (journalist.de, Thilo Komma-Pöllath).

3. Heftige Kritik an Kurzfilmwettbewerb von ARTE
(beta.blickpunktfilm.de, Frank Heine)
Der deutsch-französische Kulturkanal Arte hat eine Ausschreibung gestartet (“Regisseurin gesucht”), die aus gleich mehreren Gründen auf Ablehnung stößt. Die Autorinnen und Regisseurinnen Pary El-Qalqili und Biene Pilavci haben sich mit einem Offenen Brief direkt an den Sender gewandt. Ihre Hauptvorwürfe: Die Ausschreibung fördere keine strukturelle gleichberechtigte Teilhabe von Regisseurinnen. Die Vorgabe des Themas “Unbeschreiblich weiblich” reduziere die Einreichungen auf die Themen der vermeintlichen Weiblichkeit. Die Ausschreibung sei auf Nachwuchsregisseurinnen beschränkt, und der Sender erwarte die unentgeltliche Anfertigung der Beiträge. Ihrem Offenen Brief haben sich zahlreiche Verbände, Vereine und namhafte Regisseurinnen angeschlossen.

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4. Die eigentlichen Corona-Opfer kommen in den Medien viel zu kurz
(riffreporter.de, Peter Spork)
Der Wissenschaftsjournalist Peter Spork denkt über die Corona-Berichterstattung nach, deren Fokus oft auf Menschen liege, die in ihrer Freizeitgestaltung beeinträchtigt sind oder die um das wirtschaftliche Überleben kämpfen: “Verstehen Sie mich nicht falsch: Viele dieser Schicksale sind hart. Sie sind auch berichtenswert. Aber der Gedanke drängt sich auf, hier wird gesamtgesellschaftlich etwas verdrängt. Ist die wahre Krise nicht eine andere, sehr viel bedrohlichere? All den betroffenen Menschen, denen die deutschen Medien derzeit so gerne zuhören, ist eines gemein: Sie haben keine Coronainfektion. Sie sind gesund. Sie leben in der Lockdown-Krise. Von der Corona-Krise erfahren wir fast nichts.”

5. Berliner Justiz übernimmt den Fall Attila Hildmann
(sueddeutsche.de, Florian Flade & Ronen Steinke)
Der Kochbuchautor Attila Hildmann ist nicht nur Objekt der Medienberichterstattung, sondern so etwas wie ein eigenes Medium: Auf seinem Telegram-Kanal (ca. 120.000 Abonnenten) sendet er nahezu ohne Unterlass verschwörungsideologische Botschaften in die Welt, die teils als antisemitisch und rechtsextrem eingestuft werden. Nachdem sich bei der Brandenburger Justiz seit Monaten mehr oder weniger folgenlos die Anzeigen gegen Hildmann angesammelt hätten, habe nun die Staatsanwaltschaft Berlin den Fall übernommen. Die Akten aus Brandenburg seien bereits in Berlin eingetroffen – angeblich 60 Bände sowie weitere 33 Fallakten.

6. Instagram-Account von Papst Franziskus liked Bild von Nacktmodel
(futurezone.at)
Es steht noch nicht fest, ob Papst Franziskus höchstpersönlich auf Instagram ein Foto des brasilianischen Models Natalia Garibotto geliket hat. Was jedoch feststeht: Dass sein Instagram-Account das (mittlerweile zurückgezogene) Like für ein Bild des Nacktmodels gesetzt hat. Der Vatikan habe eine Untersuchung eingeleitet und wolle herausfinden, wie es dazu kam.

Caffiers Schweigen, Wodargs Drohung, Fotografieren unerwünscht

1. Caffier-Rücktritt: Ein Minister stolpert über sein Schweigen
(ndr.de, Tim Kukral, Video: 4:39 Minuten)
Über viele Monate befragte Christina Schmidt, Reporterin der “taz”, Lorenz Caffier, den mittlerweile zurückgetretenen Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, erfolglos zu dessen Waffenkauf. Der Politiker entzog sich bis zuletzt allen kritischen Fragen und ließ für ihn unangenehme Medienanfragen ins Leere laufen. Der Beitrag des Medienmagazins “Zapp” dokumentiert das zweifelhafte Verhalten des Ex-Ministers, der sich bis zuletzt als Opfer des “erbarmungslosen Mediengeschäfts” inszenierte.

2. 250.000 Euro wegen Corona-Berichterstattung?
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 5:57 Minuten)
Die Galionsfigur der Pandemie-Leugner, Corona-Maßnahmen-Kritiker und “Querdenker” Wolfgang Wodarg hat das unabhängige Blog “Volksverpetzer” wegen dessen Corona-Berichterstattung auf 250.000 Euro Schadensersatz abgemahnt. Thomas Laschyk vom “Volksverpetzer” kommentiert den juristischen Angriff: “Also das Feindbild und die Methoden sind sehr ähnlich wie von Rechtspopulisten.” Auch der Münchner Kommunikationswissenschaftler Carsten Reinemann wundert sich über das rabiate Vorgehen Wodargs: “Wenn ich mich mit starken Äußerungen, starken Behauptungen, die unter Umständen dem kompletten Konsens der Wissenschaftsgemeinde widersprechen, wenn ich mich damit in die Öffentlichkeit begebe, muss ich natürlich damit rechnen, dass ich dort auch entsprechenden Gegenwind bekomme.”

3. “Wir brauchen eine zweite Säule von Meinungsjournalismus”
(fachjournalist.de, Florian Beißwanger)
Jochen Bittner ist einer der Leiter des sogenannten “Streit”-Ressorts der “Zeit”. Im Interview mit dem “Fachjournalist” spricht er über seinen Arbeitsalltag und erzählt, woher der Trend zu mehr Meinungsjournalismus kommt. Auf die Frage, ob es im “Streit”-Ressort “auch Tabus” gebe, antwortet Bittner: “Das ist eine Frage, die wir intensiv diskutiert haben und auch weiter diskutieren. Für uns gibt es Grenzen.” Man würde beispielsweise “keine Spinner” einladen. Ob er selbst nochmal Journalist werden würde, wenn er die Wahl hätte? Eher nicht: “Ich hätte Zweifel, ob mich der Journalismus ähnlich anziehen würde wie er das vor 30 Jahren getan hat. Weil ich ihn inzwischen bisweilen als zu aktivistisch wahrnehme.”
Korrektur: In einer früheren Version haben wir geschrieben, Bittner “erzählt, welche ‘Tabuthemen’ es gebe”. Das tut er aber nicht – den Begriff “Tabuthemen” verwendet er auch gar nicht. Pardon dafür!

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4. Streit um die Empfehlung vertrauenswürdiger Informationen durch Google
(netzpolitik.org, Leonard Kamps)
Das Bundesgesundheitsministerium betreibt im Internet ein “Nationales Gesundheitsportal”, das es in Kooperation mit Google prominent bewirbt. Die Verlage sehen darin eine unzulässige Konkurrenz: “Das Ministerium deklassiert die freien marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsportale und setzt alle Mechanismen der freien Information und damit der freien Meinungsbildung in unserer Demokratie außer Kraft”, so Burda-Vorstand Philipp Welte. Nun hat die Landesmedienanstalt Schleswig-Holstein angekündigt, die Einleitung eines Verfahrens gegen Google zu prüfen. Leonard Kamps ordnet den Vorgang ein, der mehr Auswirkungen haben könne, als zunächst offensichtlich.

5. Tweets waren gestern: Warum Twitter jetzt “Fleets” startet
(rnd.de, Imre Grimm)
Twitter führt “Fleets” ein, das sind sich selbst zerstörende Nachrichten nach dem Vorbild von Snapchat und Instagram. Welche Strategie verfolgt der Kurznachrichtendienst mit der Einführung des neuen Features? Und warum lässt Twitter Inhalte an manchen Stellen nicht mehr ungefiltert durchs Netz und bietet sogar dem US-amerikanischen Präsidenten Paroli? Imre Grimm erklärt den Sinneswandel des Unternehmens.

6. Fotografieren ist unerwünscht
(verdi.de, Reiner Wandler)
Seit Wochen kommen vermehrt Boote mit Geflüchteten vom afrikanischen Festland auf den Kanarischen Inseln an. Von mindestens 15.000 Menschen seit Jahresbeginn ist die Rede. Wenn wir davon relativ wenig mitbekommen, könnte dies an den Restriktionen liegen, denen die Pressefotografen und Kameraleute auf den Kanaren unterliegen: “Wir müssen aus einer Distanz von 150 Metern und mehr arbeiten. In anderen Häfen ist es bis zu einem Kilometer”, so der Fotograf und Pulitzer-Preisträger Javier Bauluz.

Ende von “Ende-zu-Ende”?, Macht der Bilder, Gefahren von Umfragen

1. Verschlüsselung von Messenger-Diensten nicht aushebeln!
(netzwerkrecherche.org)
Die Organisationen Netzwerk Recherche und Reporter ohne Grenzen sorgen sich aufgrund der gesetzliche Verpflichtung für Softwareanbieter, “Generalschlüssel” bereitzuhalten, um die Vertraulichkeit von Messenger-Gesprächen. In ihrem Offenen Brief an den Rat der Europäischen Union, das Bundesministerium der Justiz und das Bundesministerium des Innern heißt es: “Die Beibehaltung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist für den Schutz der Pressefreiheit von entscheidender Bedeutung.”

2. Neue digitale Heimat für Trump-Anhänger
(deutschlandfunk.de, Sinje Stadtlich, Audio: 5:05 Minuten)
Seit Facebook und Twitter verstärkt gegen Falschinformationen vorgehen, wechseln viele Anhänger von Donald Trump zu alternativen Netzwerken wie Parler. Bekannte Politiker wie der Republikaner Newt Gingrich wechseln mit. Kommunikationswissenschaftler Adam Chiara sieht darin jedoch keine Massenbewegung und warnt: “Wir dürfen uns durch diese alternativen Plattformen nicht von dem Grundproblem ablenken lassen. Nur weil Facebook jetzt etwas genauer hinguckt und einige Gruppen löscht, bietet die Plattform ja trotzdem private Gruppen und Messenger, die nicht überwacht werden, wo Nutzer in einem geschützten Raum Falschinformationen verbreiten können.”

3. Die Macht der Bilder
(tvthek.orf.at, Video: 10:43 Minuten)
Vor etwa zwei Wochen hat der Terroranschlag in Wien gezeigt, wie verantwortungslos manche Redaktionen in ihrer Berichterstattung vorgehen. Obwohl das österreichische Innenministerium und die Wiener Polizei aus guten Gründen darum gebeten hatten, keine Videos oder Fotos vom Tathergang zu veröffentlichen, wurde teilweise ungefiltert alles übertragen, was sich irgendwie übertragen ließ. Der ORF-Beitrag beleuchtet die verschiedenen Aspekte des medialen Vorgehens.

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4. Googles Macht im Medienmarkt
(de.ejo-online.eu, Roman Winkelhahn)
Ingo Dachwitz und Alexander Fanta haben im Auftrag der Otto-Brenner-Stiftung untersucht, welche Medienhäuser und journalistischen Projekte in Deutschland von Google finanziell unterstützt wurden beziehungsweise werden. Roman Winkelhahn hat mit Fanta über die Ergebnisse sowie über Googles Innovationsförderung gesprochen. Die Absicht des Datenkonzerns sei offensichtlich, so der Studienautor: “Das Geld von Google ist ja eine PR-Kampagne, das sagen selbst Leute, die Teil der Förderprogramme sind. Ich glaube, dass es sogar mehr als das ist. Es ist eine Art Stakeholder-Lobbying, bei dem quasi gezielt Schlüsselakteure angesprochen werden und über das Geld eine Art Gesprächsbrücke geschlagen wird. Man hat auf einmal eine strukturierte und durch Großzügigkeit ausgestaltete Beziehung.”

5. Wie Umfragen unseren Denkhorizont beschränken
(medienwoche.ch, Marko Ković)
Bei der aktuellen US-Wahl hätten die Umfragen und Prognosen ziemlich danebengelegen, teilweise noch weiter als bei der Wahl vor vier Jahren. Abgesehen von der geringen Aussagekraft, würden Umfragen der Demokratie schaden und den Fortschritt hemmen, so Marko Ković in seiner lesenswerten Argumentation: “Der Nutzen von Umfragen ist weitaus geringer als ihr Schaden. Unsere politische Kultur wäre ziemlich sicher ein Stück weit offener, wilder, ideenreicher, würden wir nicht so an den Lippen der Umfrage-Auguren hängen. In einer Welt, in der wir nicht darauf konditioniert sind, gut zu finden, was eine vermeintliche Mehrheit in Umfragen gut findet, hätten wir viel mehr intellektuelle Freiheit, uns stärker mit Inhalten und Argumenten zu beschäftigen; auch dann, wenn diese auf den ersten Blick weit hergeholt wirken mögen.”

6. Tweets, Fleets & Flops
(gutjahr.biz)
Twitter erweitert seine Funktionen: Unlängst kamen Sprachnachrichten (“Voice Tweets”) hinzu, nun sind es die “Fleets”, die sich nach 24 Stunden von selbst wieder löschen. Nächstes Jahr sollen “Spaces” folgen. Dabei handelt es sich um geschlossene Gruppen, die dem Austausch von Audio-Nachrichten dienen. Richard Gutjahr ordnet die neuen Möglichkeiten ein: “Sie zielen alle nicht allein auf Reichweite, sondern auf ein diverseres, User*innen-freundlicheres Umfeld. Vor allem Frauen werden in Sozialen Netzwerken häufig von Männern sexualisiert und gedemütigt. Durch Fleets, Spaces und weitere Funktionen (zum Beispiel die Möglichkeit, die Kommentierung unter den eigenen Tweets einzuschränken), versucht Twitter, die Plattform bunter und freundlicher zu gestalten.”

Gendern im Radio, Umstrittene Innovationsförderung, Gammel-Videos

1. Die unsichtbare Welle
(freitag.de, Lorenz Matzat)
In der Corona-Berichterstattung geht es oft darum, wie Daten visuell aufbereitet werden können, ob mit Daten-Dashboards, Diagrammen oder Karten. So hilfreich Datenvisualisierungen sein können, so sorgsam müssen sie erstellt und gelesen werden. Lorenz Matzat hat dazu zwei Experten befragt: Marcel Pauly, Leiter des Bereichs Datenjournalismus beim “Spiegel”, und Juliane Leopold, Chefredakteurin Digitales von ARD-aktuell. Außerdem geht es in Matzats Text um die Rolle des Robert-Koch-Instituts als “Datenlieferant” und dessen mögliche Versäumnisse.

2. Gendern im Radio – Muss das sein?
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker, Audio: 62 Minuten)
In einer Sonderausgabe von “Deutschlandfunk – Der Tag” geht es um ein oft hitzig diskutiertes Thema: geschlechtergerechte Sprache im Radio. Ann-Kathrin Büüsker hat sich dazu mit Christoph Schmitz, dem Leiter der Deutschlandfunk-Musikredaktion, und Bettina Schmieding, der Leiterin der Medienredaktion des Dlf, zusammengesetzt: “Wieso sprechen einige im Deutschlandfunk das Gendersternchen und andere nicht? Wie diskutieren die Redaktionen? Wie finden es die Hörer*innen?” Eine überaus lohnenswerte Hörstunde, in der alle Argumente und Gegenargumente zur Sprache kommen.

3. Was besser wäre, als das Geld des Datenkonzerns zu nehmen
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz & Alexander Fanta)
Die Bundesregierung will den Verlagen demnächst eine “Innovationsförderung” von 220 Millionen Euro zukommen lassen. Christopher Buschow hat sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt – er ist einer der Autoren des Gutachtens zur “Innovationslandschaft des Journalismus in Deutschland”. Im Interview mit netzpolitik.org zeigt sich Buschow skeptisch, was die Zielrichtung der Fördermaßnahme angeht: “Die Definition von Innovation im Förderkonzept ist so weit gefasst und so allgemein, dass jeder Verlag ein ohnehin geplantes Projekt finden wird, was ihn zur Förderung berechtigt. Noch dazu kann die ausgesprochene breite Definition unerwünschte Nebenwirkungen haben: So will das Wirtschaftsministerium u.a. ‘Online-Shops und Rubrikenportale’ fördern – und damit gewissermaßen die Abkehr der Verlage vom eigentlich förderungswürdigen Kerngeschäft des Journalismus. Das muss man erstmal verdauen.”
Weiterer Hörhinweis: Im “Was mit Medien”-Podcast geht es um die Frage: “Wie steckt Google Millionen Euro in den Journalismus, Alex Fanta und Ingo Dachwitz?” Die beiden netzpolitik.org-Journalisten sind Autoren der Studie “Medienmäzen Google – Wie der Datenkonzern den Journalismus umgarnt”.

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4. Das Filmen einer Vergewaltigung ist keine “Sex-Falle”, liebe Kronen Zeitung
(facebook.com/momentat)
In der aktuellen Folge der Rubrik “Gegengelesen” setzt sich das österreichische Magazin “Moment” mit der Berichterstattung der “Kronen Zeitung” über einen Vergewaltigungsfall auseinander. Das Fazit: “Die Berichterstattung über sexualisierte und häusliche Gewalt sowie Frauenmorde ist meist verharmlosend und problematisch. Eine Täter-Opfer-Umkehr und verharmlosende Beschreibungen helfen nicht bei dem Aufzeigen von sexueller Gewalt. Ganz im Gegenteil.”

5. Neue Ideen für den Lokaljournalismus
(infosperber.ch, Rainer Stadler)
Der US-amerikanische Lokaljournalismus befindet sich seit längerer Zeit im Niedergang. In den vergangenen Jahren hätten hunderte Blätter den Betrieb eingestellt, es seien zehntausende Stellen gestrichen worden. Doch nun entstehen neue Mitteilungsformen: Newsletter und Podcasts würden in die entstandenen Lücken stoßen. Rainer Stadler berichtet von den neuartigen Versuchen, den Lokaljournalismus zu beleben. Dabei wird klar, dass auch die neuen Ansätze nicht alle Probleme lösen werden.

6. Corona-Clips #besondereHelden: Das ist nicht lustig
(rnd.de, Jan Sternberg)
Die Bundesregierung hat zwei ironisch-satirische Videos zur Corona-Pandemie produzieren lassen, bei denen man jungen Leuten beim Gammeln zusehen kann. Die Clips werden recht unterschiedlich aufgenommen. Jan Sternberg kann darüber zum Beispiel nur eingeschränkt lachen: “Wie sollen das Eltern finden, die seit März im Homeschooling-/Homeoffice-/Hotspot-Unterricht-Stress sind? Wie sollen das die wahren Helden finden, für die schon lange keiner mehr klatscht – also Krankenschwestern und Pfleger? Wie diejenigen, die zu Hause nicht Langeweile und Hähnchenschenkel finden, sondern Stress und Gewalt?” Sein Kollege Jonas Leppin vom “Spiegel” ist etwas nachsichtiger: “Würde man alle vorgebrachten Bedenken in einem einzigen Video unterbringen, dann wäre es wohl der langweiligste Spot der Welt.”

Glyphosat-Gutachten, Echokammer des Schreckens, Ohrenschmalz-TV

1. Urteil gegen Zensurheberrecht: Glyphosat-Gutachten darf veröffentlicht werden
(fragdenstaat.de, Arne Semsrott & Phillip Hofmann)
“FragDenStaat”, das Portal für Informationsfreiheit, feiert einen juristischen Sieg: “Wir haben gemeinsam ein kleines Stück Rechtsgeschichte geschrieben: Das Landgericht Köln hat heute entschieden, dass unsere Veröffentlichung eines Glyphosat-Gutachtens keine Urheberrechtsverletzung ist.” Damit sei der Fall jedoch nicht ausgestanden. Das von der Entscheidung betroffene Bundesinstituts für Risikobewertung habe bereits angedeutet, gegen die Entscheidung des Landgerichts in Berufung zu gehen: “Es könnte sein, dass unser Fall in einigen Jahren vor dem Bundesgerichtshof landet und dem Europäischen Gerichtshof zur Schaffung einer europäisch einheitlichen Lösung vorgelegt wird.”

2. “Ich halte den Begriff ‘Einzeltäter’ für irreführend”
(jetzt.de, Pia Stendera)
Karolin Schwarz ist nicht nur Journalistin, sondern auch Expertin in Sachen Rechtsextremismus (ihr Buch zum Thema: “Hasskrieger”). Als unabhängige Gutachterin hat sie die Netz-Aktivitäten des Attentäters von Halle untersucht und dazu in einschlägigen Imageboards und Telegram-Gruppen recherchiert. Im Interview mit “jetzt” erzählt Schwarz von ihren Erkenntnissen zum konkreten Fall und zum Thema Rechtsextremismus im Internet allgemein.

3. In der Echokammer der Trump-Anhänger
(zeit.de, Johanna Roth)
In Zusammenhang mit der US-Wahl und dem anstehenden Regierungswechsel sehen sich Twitter und Facebook immer öfter gezwungen, Inhalte zu moderieren oder zu löschen. Twitter hat viele Tweets von Donald Trump mit Warnhinweisen ergänzt. Facebook löschte jüngst eine Gruppe, die sich gegen die “gestohlene Wahl” auflehnen wollte und binnen einen Tages auf über 300.000 Mitglieder angewachsen war. Nun suchen sich viele Menschen eine neue digitale Heimat und finden sie bei Parler, einer Plattform für “Free Speech”. Johanna Roth kommentiert: “Parler ist mehr als ein virtueller Pool für die Tränen der Trump-Fans. Es ist eine Echokammer des Schreckens. Ein Ort, an dem man es mit der Angst zu tun bekommen kann, wie düster die kommenden Wochen und Monate noch werden könnten.”

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4. Frauen im Fußball – wo das Geschlecht (k)eine Rolle spielt
(de.ejo-online.eu, Miriam Jagdmann)
Miriam Jagdmann hat in ihrer Bachelorarbeit untersucht, wie Frauen in der Berichterstattung über Fußball sprachlich dargestellt werden. Geschlechterbilder würden eine besondere Rolle spielen. Jagdmann kommt in ihrer Untersuchung zum Ergebnis, dass die Berichterstattung zwischen den Extremen “Nicht-Beachtung” und “Überbetonung” des Geschlechts schwanke: “Dies war bei allen untersuchten Medien der Fall, nennenswerte Unterschiede gab es nicht.”

5. Von der journalistischen Pflicht, keine Falschaussagen zu verbreiten
(medienwoche.ch, Philipp Cueni)
Dürfen Fernsehsender die Übertragung abbrechen, wenn der Präsident zum Volk spricht, wie es jüngst MSNBC, NBC, CBS und ABC bei einer Rede des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump gemacht haben? Bei der “NZZ” verneinte man die Frage und bezeichnete den Abbruch als “Tiefpunkt der politischen Berichterstattung”, als “Machtdemonstration” und “entmündigenden Paternalismus” gegenüber dem Publikum. Der freie Journalist Philipp Cueni kann mit dieser Argumentation nichts anfangen: “Auch ein Staatspräsident hat kein Anrecht darauf, dass seine Reden live verbreitet werden. Die Argumentation, die genannten TV-Sender hätten den ‘Präsidenten um sein Recht der freien Äusserung’ gebracht, wie das die NZZ schreibt, ist falsch. Denn das Recht der freien Äusserung ist nicht zu verwechseln mit einem Recht auf eine Live-Verbreitung durch unabhängige Medien.”

6. Alles, was man nie wollte
(sueddeutsche.de, Marlene Knobloch)
Marlene Knobloch hat anlässlich der US-Wahl jede Menge US-amerikanisches Fernsehen konsumiert und ist dabei zwangsläufig mit einer Vielzahl von Werbeclips bombardiert worden. Die werbetreibende Industrie diesseits und jenseits des Atlantiks setze auf unterschiedliche Schwerpunkte: “Während in Deutschland die Verdauungskanäle verstopft sind, quellen in Amerika die Regenrinnen voller Laub über. Wer in den letzten Tagen CNN oder Foxnews schaute, der blickte in den Werbeunterbrechungen in eine Welt aus fahrenden Laubsaugern, Dachrinnenlaubschutz-Filtern, aber auch Ohrenschmalz-Absauggeräten. Es war eine Welt voller Dinge, von denen man nichts wusste, die man nie wollte und die man nicht brauchte. Und alles hatte diese 90er-Ästhetik.”

König für einen Tag, Eskalation des “Querdenkens”, BBC fälschte Papiere

1. Kriegsreporter: Im Einsatz, wo sonst keiner ist
(ndr.de, Gudrun Kirfel, Video: 5:54 Minuten)
Ein überaus empfehlenswerter, da nachdenklich machender TV-Beitrag: Der 74-jährige Ashwin Raman berichtet seit 45 Jahren aus Krisen- und Kriegsgebieten wie dem Irak, Syrien, Afghanistan und Somalia. “Zapp” stellt den Mann vor, der sich nicht als Kriegsreporter, sondern als “Anti-Kriegsreporter” bezeichnet. Eine beeindruckende und leise auftretende Persönlichkeit, die auch heute noch um Aufträge kämpfen muss. Auf seine vielen Preise und Auszeichnungen angesprochen, antwortet Raman: “Du bist ein König für einen Tag. Am nächsten Tag musst Du in der Schlange stehen mit Deinem Exposé.”

2. Die Eskalation der Gewalt
(uebermedien.de, Henrik Merker)
Bei der Anti-Corona-Maßnahmen-Demo in Leipzig kam es zu einer Vielzahl von verbalen wie auch körperlichen Angriffen auf die von dort berichtenden Journalistinnen und Journalisten. Die für den Schutz der Presse zuständige Polizei habe vielfach weggeschaut oder die Arbeit der Medien aktiv behindert, so der Vorwurf verschiedener Beobachter. Henrik Merker arbeitet die kritikwürdigen Vorgänge rund um die “Querdenker”-Demo auf.

3. “Einmaliger und neuartiger Angriff auf die Pressefreiheit”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Das Bundesgesundheitsministerium hat ein Informationsportal zu diversen Gesundheitsthemen ins Netz gestellt und lässt es von Google prominent bewerben. Rudolf Thiemann, Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), ist darüber wenig erfreut und poltert: “Eine solche Verdrängung der privaten Presse durch ein staatliches Medienangebot auf einer digitalen Megaplattform ist ein einmaliger und neuartiger Angriff auf die Pressefreiheit. Schon dass ein Bundesministerium überhaupt ein eigenes Fachmedium mit vollwertiger redaktioneller Berichterstattung über Gesundheitsfragen betreibt, ist mit der Staatsfreiheit der Medien nicht vereinbar und ein unannehmbarer Eingriff in den freien Pressemarkt, der sich nach wirtschaftlichen Grundsätzen finanzieren muss.” Auch Burda-Vorstand und VDZ-Vizepräsident Philipp Welte greift zu drastischen Worten: “Das Ministerium deklassiert die freien marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsportale und setzt alle Mechanismen der freien Information und damit der freien Meinungsbildung in unserer Demokratie außer Kraft”.

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4. BBC fälschte Papiere
(deutschlandfunk.de, Christine Heuer)
Dem BBC-Redakteur Martin Bashir gelang vor 24 Jahre ein Scoop: Er gewann Prinzessin Diana für ein Interview, in dem diese über das englische Königshaus auspackte. Schon lange existierten Vorwürfe, dass Bashir sich das Vertrauen der Prinzessin mit gefälschten Dokumenten erschlichen und sie mit vermeintlichen Beweisen manipuliert habe. Nun soll der Fall nochmal neu untersucht werden.

5. Der, der nicht genannt werden darf
(taz.de, Urs Wälterlin)
In Australien stehen derzeit 18 Journalistinnen und Journalisten sowie 12 Medienunternehmen vor Gericht. Sie hatten trotz richterlicher Anordnung über einen Kardinal berichtet, dem Kindesmissbrauch vorgeworfen wurde und der deshalb auch zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Diese Einschränkung der Pressefreiheit sei im australischen Rechtssystem nicht unüblich, werde jedoch von vielen Seiten kritisiert, auch von den Reportern ohne Grenzen.

6. Verschwende deine Jugendzeitschrift
(sueddeutsche.de, Quentin Lichtblau)
Der Bauer-Verlag will die Produktion seiner einst so erfolgreichen Jugendzeitschrift “Bravo” an eine externe Redaktion abgeben. Quentin Lichtblau ist skeptisch, was die Zukunft der Pubertierenden-Postille anbelangt: “In einer Welt, in der junge Menschen von politischen Themen längst nicht mehr angeödet sind, sondern sich vielmehr aktiv gegen Sexismus oder Diskriminierung engagieren, wirkte das Heft oft wie aus der Zeit gefallen, etwa mit Tipps und Tricks, wie devote Mädchen süße Boys für sich begeistern können (‘Guck Jungs immer leicht von unten an, das wirkt am süßesten auf Typen’). Aus dem alten Interessen-Dreieck aus Beauty, Mode und Flirttipps sowie dem entsprechend eng gesteckten Körperideal hat sich die Online-Konkurrenz auf den Plattformen Instagram und Tiktok mindestens teilweise emanzipiert.”

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