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Mit zweierlei Maß, Musk will nicht mehr, Selbstgleichschaltung?

1. Medienprozesse: “Bild” und “Heute” müssen Witwe zehntausende Euro zahlen
(derstandard.de, Michael Möseneder)
In Österreich sind die Boulevardmedien “Bild” und Heute.at zu Entschädigungszahlungen an eine Hinterbliebene verurteilt worden. Die Redaktionen hatten den Unfalltod des Ehemanns der Frau reißerisch ausgeschlachtet. Für “Bild” gab es vor Gericht deutliche Worte: “Viel verwerflicher kann man einen Artikel nicht machen”, so der Richter: “Das war schon eklatant – da kann man eigentlich nicht mehr sagen, dass das passiert ist, es sieht nach Absicht aus”.

2. Mit zweierlei Maß gemessen
(djv.de, Hendrik Zörner)
“Christian Lindner und Franca Lehfeldt sind ein Paar. Schön für sie. Dumm nur, dass die Gattin des Bundesfinanzministers als Politikreporterin arbeitet und das wohl auch weiterhin tut.” Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbands, weist in seinem Kommentar auf das widersprüchliche Verhalten des Springer-Konzerns bei einem ähnlichen Fall hin, der Beziehung zwischen Fußballtrainer Julian Nagelsmann und “Bild”-Sportreporterin Lena Wurzenberger: “Warum der Verlag bei den beiden Mitarbeiterinnen mit zweierlei Maß misst, erschließt sich nicht. Eine einheitliche Linie wäre eigentlich vonnöten.”

3. Ranking: Die erfolgreichsten Zeitungs-Chefredakteure auf Twitter und Linkedin
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Branchenmagazin “Kress pro” hat nachgezählt, wie viele Followerinnen und Follower die wichtigsten Chefredakteurinnen und Medienmanager bei Twitter und auf LinkedIn hinter sich versammeln (Anmerkung des “6-vor-9”-Kurators: Das Ranking wird von “Welt”-Leiter Ulf Poschardt angeführt. Ein Beleg, wie sehr man solche Listings hinterfragen muss, denn Poschardt nutzt Twitter vornehmlich für seltsame Troll-Beiträge).

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4. Musk will Twitter nicht mehr kaufen
(tagesschau.de)
Was sich seit Wochen abzeichnet, wird nun wohl zur Gewissheit: Tech-Milliardär Elon Musk hat seine Vereinbarung zum Kauf von Twitter für aufgelöst erklärt. Nun droht ein langer Rechtsstreit, denn Twitter pocht auf Erfüllung des Vertrags. Außerdem wurde bei Vertragsrücktritt eine Vertragsstrafe von einer Milliarde US-Dollar vereinbart.

5. Willkommen an Bord
(journalist.de, Anne Hünninghaus)
“Arbeitsvertrag unterschrieben, Schlüsselkarte erhalten? Lange erschöpfte sich die Onboarding-Phase in Medienhäusern in einer Checkliste für Administratives. Der Trend zu New Work und die Corona-Pandemie haben die Einstiegsprozesse in vielen Redaktionen auf den Kopf gestellt: Plötzlich geht es um Bindung und Kultur.” Anne Hünninghaus schreibt über die neue Willkommenskultur in den Redaktionen und Verlagen.

6. Precht und Welzer sehen Medien als “selbstgleichgeschaltet”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
In der Verlagsankündigung des neuen Buchs von Philosoph Richard David Precht und Soziologe Harald Welzer ist von einer angeblichen “Selbstgleichschaltung der Medien” die Rede. Darüber kann sich Joachim Huber im “Tagesspiegel” nur wundern: “Precht mit eigener Talkshow im ZDF und Welzer mit zahlreichen Talkshow-Auftritten konnten und können ihre Meinungen in den ‘selbstgleichgeschalteten Medien’ ausbreiten. Irgendetwas läuft da fundamental schief – entweder bei den Massenmedien oder bei Richard David Precht und Harald Welzer.”

Klimakommunikation, Distanzierung von “Konkret”, “Cards of Qatar”

1. Journalismus in der Klimakrise – Einmischen, aber richtig
(riffreporter.de, Christopher Schrader)
“Über das Klima zu kommunizieren, kann schwierig und frustrierend sein. Gerade Journalist:innen müssen dabei einige Regeln neu lernen. Zum Beispiel sollten sie überdenken, was sie mit angeblich nackten Fakten und gedankenloser Neutralität anrichten.” Zum Erscheinen des “Handbuchs zur Klimakommunikation” fasst Christopher Schrader in einer persönlichen Analyse zusammen, wie guter Klimajournalismus aussehen könnte.

2. Öffentliche Distanzierung von linkem Magazin “Konkret”
(sueddeutsche.de, Johannes Korsche)
In einer öffentlichen Erklärung haben 17 Autorinnen und Autoren angekündigt, künftig nicht mehr mit dem Magazin “Konkret” zusammenarbeiten zu wollen: “Für uns, Autorinnen und Autoren von Konkret, ist mit dem redaktionellen Kurs zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eine rote Linie überschritten. Wir wollen und können nicht weiter in einer Zeitschrift publizieren, die sich in dieser Frage in die Nachbarschaft der AfD, des völkischen Flügels der Linkspartei oder Jürgen Elsässers Compact, von Henry Kissinger, Klaus von Dohnanyi oder den Lobbyverbänden der deutschen Industrie begibt.”

3. “Bild”: Nagelsmanns Freundin berichtet nicht mehr über Bayern
(dwdl.de, Alexander Krei)
Weil Julian Nagelsmann, Trainer des FC Bayern München, mit “Bild”-Reporterin Lena Wurzenberger verbandelt sei, werde diese nicht mehr, wie bisher, über Nagelsmanns Klub berichten. Alexander Krei kommentiert: “So nachvollziehbar der Schritt vor dem Hintergrund eines möglichen Interessenkonflikts auch sein mag, so kommt er durchaus überraschend, schließlich hatte Axel Springer im Falle der Journalistin Franca Lehfeldt noch vor wenigen Monaten anders entschieden.”

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4. Cards of Qatar
(cardsofqatar.11freunde.de)
Die im November anstehende Fußballweltmeisterschaft im autoritären arabischen Staat Katar dürfte das sportliche Medienereignis des Jahres werden, doch die Vorbereitungen zur Veranstaltung haben viel Leid und Tote gebracht. Das Fußballmagazin “11 Freunde” und das schwedische Portal “Blankspot” zeigen verstorbene Arbeitsmigranten als Sammelkarten: “Wir präsentieren die Bilder und Schicksale im Look offizieller Sammelkarten, um die Offiziellen daran zu erinnern, unter welch makabren Umständen dieses Turnier stattfindet. Die Hinterbliebenen sind damit einverstanden, sie wollen auf ihre Angehörigen und ihren Tod aufmerksam machen und hoffen darauf, nicht länger ignoriert zu werden. Die Mannschaften und die Verbände müssen diese Gesichter sehen und diese Geschichten lesen – und dann endlich handeln. Es wird allerhöchste Zeit.”

5. Immer wieder samstags
(tagesspiegel.de, Markus Ehrenberg)
Die Sonntagszeitungen “Welt am Sonntag” und “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” haben vor Monaten ihren Erscheinungstag auf Samstag vorgezogen. Markus Ehrenberg hat sich angeschaut, wie sich dieser Schritt auf die Blätter und deren Inhalte ausgewirkt hat.

6. BBC zahlt Entschädigung an Produzenten
(faz.net, Gina Thomas)
In Zusammenhang mit dem auf betrügerische Weise erschlichenen Diana-Interview des BBC-Reporters Martin Bashir zahlt die BBC eine Entschädigung von 50.000 Pfund an den damaligen Produzenten, der den Sender seinerzeit gewarnt hatte und daraufhin wegen angeblicher Illoyalität gefeuert wurde.

Absage für Scholz-Vorschlag, Sinnfluencer, “Content-Klau”

1. Absage erteilt
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband lehnt eine von Bundeskanzler Olaf Scholz vorgeschlagene Einmalzahlung für Beschäftigte im Medienbereich ab. Man sehe darin einen Eingriff in die Tarifautonomie von Gewerkschaften und Arbeitgebern sowie ein “Strohfeuer, das den Journalistinnen und Journalisten keinen dauerhaften Einkommenszuwachs beschert”.

2. Fynn Kliemann: Der will doch nur spielen!
(freitag.de, Ole Nymoen)
Beim “Freitag” fragt sich Ole Nymoen: “Ist [Fynn] Kliemann das schwarze Schaf der Gemeinde, oder nicht vielleicht doch repräsentativ für eine Influencer-Sphäre, die zwar Sinn stiften, aber gleichzeitig viel Geld verdienen will?” Sein etwas lakonisches Fazit: “Vielleicht hätte Kliemann von Anfang an ehrlich sein und sich in eine Reihe mit Bibi, Karl Ess und Xlaeta stellen sollen. Denn diese sind am Ende des Tages die ehrlicheren Werbestars – bei ihnen wird aus Gewinnabsicht und Konsumismus wenigstens kein Hehl gemacht.”

3. Ist Eisschnelllauf geiler als Kugelstoßen?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Joachim Huber überlegt im “Tagesspiegel”, warum ein Sommersport-Event wie “Die Finals – Berlin 2022” vom vergangenen Wochenende schlechtere TV-Quoten erzielt als Fernsehwettkämpfe auf Schnee und Eis. Seine Erklärung: “ARD und ZDF haben mit dem Wintersport in Dauerschleife eine Fanbase gewonnen. In ihrer Gnadenlosigkeit haben sie sich das Publikum ‘zurechtgesendet'”.

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4. Crossmediales Newscenter (CNC) des rbb gestartet
(rbb24.de)
Der öffentlich-rechtliche Sender rbb eröffnet ein “Crossmediales Newscenter” (“CNC”): “Für das CNC im Fernsehzentrum des rbb waren ein kompletter Umbau und die Erneuerung der beiden Etagen mit insgesamt rund 2.400 Quadratmetern erforderlich. Zur Verfügung stehen rund 170 Arbeitsplätze, mehrere multifunktionale Schnitt- und Grafikarbeitsplätze, ein eigenes smartes News-Studio sowie verschiedene Besprechungsräume.”

5. Wie der Hungrige Hugo mit “Content-Klau” reich geworden ist
(youtube.com, Walulis Story, Video: 10:38 Minuten)
Der Youtuber Hungriger Hugo soll Tausende Euro mit Videos verdienen, in denen er Inhalte von Youtube-Größen wie MontanaBlack, Knossi, Trymacs oder Papaplatte ausschlachtet, mit Spezialeffekten versieht und neu arrangiert. Die derart Ausgeplünderten reagieren unterschiedlich darauf, oftmals sei es jedoch ein Win-Win-Geschäft, berichtet das Walulis-Team. Es hat auch bei einem Juristen nachgefragt, ob sich das Modell zur Nachahmung eignet.

6. Boris Becker klagt gegen Oliver Pocher
(spiegel.de)
Der ehemalige Tennis-Star Boris Becker hat den TV-Entertainer Oliver Pocher verklagt. Pocher hatte Becker hinters Licht geführt und ihm einen erfundenen “Fashion Brand Award 2020” verliehen. In den Sockel der Trophäe war Bargeld eingearbeitet, das Pocher unter dem Slogan “Make Boris rich again” zuvor eingesammelt hatte. Boris Becker verlange die Löschung des Beitrags und Schadensersatz. Ein Urteil am für den 26. Juli anberaumten Verhandlungstag sei unwahrscheinlich, so die Gerichtssprecherin.

Umgang mit Assange, Biotop in der Potse, Text-zu-Quatsch-Generatoren

1. Auslieferung: Warum sich Medien so schwer mit Julian Assange tun
(freitag.de, Wolfgang Michal)
Wikileaks-Gründer Julian Assange soll tatsächlich in die USA ausgeliefert werden. Eine Nachricht, die bei den großen Leitmedien in Deutschland auf erstaunlich wenig Interesse getroffen sei, wie Wolfgang Michal findet: “Warum engagieren sich die Presseverlage, die eine Zeit lang von Wikileaks profitierten und sich in Assanges Weltruhm sonnten, so wenig für ihren ehemaligen Partner? Was hält die ‘vierte Gewalt’ davon ab, ein Zeichen eindeutiger Solidarität zu setzen?”

2. Nannen-Preis heißt jetzt “Stern”
(faz.net)
Ein Rechercheteam des öffentlich-rechtlichen Jugendportals “funk” veröffentlichte im Mai ein Video, das sich mit Henri Nannen beschäftigt, dem Gründer, langjährigen Herausgeber und Chefredakteur des Magazins “Stern”. Dabei ging es insbesondere um Nannens Rolle in der Nazizeit. Wenige Tage später reagierte der aktuelle “Stern”-Chefredakteur mit einer Stellungnahme und versprach: “Wir werden der Sache auf den Grund gehen!” Nun hat das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr, zu dem der “Stern” gehört, mitgeteilt, den Nannen-Preis diese Woche als “Stern Preis” zu verleihen – um “die Debatte um Henri Nannens Vergangenheit zu entschärfen”.

3. Böhmermann, Kebekus und der Siegeszug der Public Impact Comedy
(dwdl.de, Peer Schader)
“Der vom Feuilleton einst gefürchtete ‘Hedonismus des Oberflächlichen’ ist (teilweise) durch eine Art Public Impact Comedy ersetzt worden, die Entertainment vorgaukelt – aber Hintergrund und Aufklärung transportiert.” In seiner neuen “DWDL”-Kolumne beschäftigt sich Peer Schader mit “Comedy, die jenseits ihres Unterhaltungsanspruchs fest an die eigene Wirkung glaubt”.

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4. Das Biotop in der Potse
(tagesspiegel.de, Rüdiger Schaper)
Das Berliner Stadtmagazin “tip” feiert dieses Jahr seinen 50. Geburtstag. Rüdiger Schaper war dort in den 1980er- und 1990er-Jahren Redakteur und freier Autor und erinnert sich zurück: “Berüchtigt waren die Produktionswochenenden. Der Umfang des Hefts lag bei 280 Seiten, und die Druckvorlagen mussten sonntags über die Transitautobahn auf den Weg nach Westdeutschland gebracht werden, wie das in jenen Jahren hieß. Layout und Alkohol, Schlussredaktion und Bier waren Synonyme. Das war im Tageszeitungsbetrieb damals nicht anders. Es wurde getrunken, geraucht und früh gestorben. Der Alkoholismus hat in der ‘Tip’-Belegschaft seine Opfer gefordert.”

5. Sollte Herkunft in TV und Radio hörbarer sein?
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, Audio: 33:36 Minuten)
Muss es immer Hochdeutsch sein? Oder darf regionale Herkunft in TV und Radio hörbar sein? Sollten Medien mehr Dialekt zulassen? Oder geht das zu Lasten der Verständlichkeit? Darüber sprechen ein Deutschlandfunk-Hörer, der Linguist Jannis Androutsopoulos, Christoph Wittelsbürger vom Deutschlandfunk-Sprecherensemble und Pia Behme aus der Dlf-Medienredaktion.

6. Die Text-zu-Quatsch-Generatoren
(spiegel.de, Jörg Breithut)
Auf Twitter begegnen einem seit einigen Tagen künstlich generierte Neun-Bild-Kacheln mit allerlei surrealen Szenen, beispielsweise Darth Vader beim Rasenmähen. Jörg Breithut ordnet den Trend und die technologische Einwicklung dahinter ein. Die KI-Modelle seien mehr als reine Spaßmaschinen. Für Laien werde es immer leichter, Foto-Fakes zu erstellen, so ein von ihm befragter Informatikprofessor.

#MeToo-Recherchen, Comeback der Showtreppe, “Fernsehgarten”

1. Juliane Löffler: #MeToo Recherchen
(youtube.com, Juliane Löffler, Video: 26:29 Minuten)
Investigativjournalistin Juliane Löffler hat viel zum Themenkomplex #MeToo recherchiert. Im Zuge dieser Recherchen seien ihr verschiedene, stets neu auftretende Hürden und Probleme aufgefallen. In acht Punkten fasst Löffler zusammen, warum es auch im Jahr 2022 schwierig sei, öffentlich über #MeToo zu sprechen und zu berichten. Äußerst sehenswert und lehrreich!

2. “Für mich fühlt sich das nicht verrückt an”
(andreaslesch.substack.com)
“Fast sein ganzes Berufsleben lang hat Marko Schumacher als Sportredakteur für die Stuttgarter Zeitung gearbeitet. Er berichtete vor allem über die Fußball-Nationalmannschaft und den VfB Stuttgart. Er war ein erstklassiger Schreiber – und ein sehr sympathischer Kollege. Wir haben einige Welt- und Europameisterschaften zusammen als Reporter erlebt. Und jetzt? Ist er 50, hat seinen Job gekündigt und macht mit seiner Frau Elke ein Café auf.” Andreas Lesch mit einem lesenswerten Gespräch über einen Abschied aus dem Mediengeschäft samt beruflichem Neuanfang.

3. Kriegsberichterstattung: “Der Diskurs ist derzeit total verengt”
(freitag.de, Philipp Fess)
Medienpädagogin Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung kritisiert den Umstand, dass sich manche Redaktionen, Journalistinnen und Journalisten oder Medienverbände zu Kriegszeiten auf eine Seite schlagen: “Ich bin erschüttert, wenn sich Journalistenverbände mit gelb-blauen Fahnen schmücken. Nicht, weil Solidarität mit denen, die in der Ukraine leiden, nicht angebracht ist – ich selbst habe gleich nach Kriegsbeginn angeboten, Menschen bei mir aufzunehmen. Aber Journalisten sind keine NGOs, sondern Leute, die alles ausleuchten müssen, ohne voreingenommen zu sein.”

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4. Unterstützung für Exilmedien
(verdi.de)
“Die Zeit”, “Zeit Online” und die Handelsblatt Media Group wollen die unabhängigen russischen Exilmedien “Meduza” und “7×7” sowie zusammen mit dem “Tagesspiegel” das ukrainische Medienhaus NV unterstützen. Weitere Informationen dazu in der Pressemitteilung der “Zeit”-Verlagsgruppe.

5. Showeinlage beim “Fernsehgarten” verärgert Zuschauer
(t-online.de)
Die ZDF-Sendung “Fernsehgarten” steht wegen unnötiger Umwelt- und Klimabelastungen in der Kritik. Zunächst monierten Zuschauerinnen und Zuschauer, dass Moderatorin Andrea Kiewel zu jeder Sendung von Tel Aviv nach Mainz und anschließend wieder zurück geflogen werde. Nun habe man während der Sendung als Showeinlage fünf Flugzeuge Botschaften in den Himmel schreiben lassen.

6. Comeback der Showtreppe: Das schönste Möbel der TV-Unterhaltung
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader freut sich über die Rückkehr eines Fernsehstudio-Klassikers: “Jetzt feiert die Showtreppe endlich ein Comeback in deutschen TV-Studios! Und das wird ja wohl auch allerhöchste Zeit. Weil kein anderes Möbelstück so sehr vom Glamour der Bewegtbildunterhaltung kündet wie sie.”

Politische Vokabeln, Fernspäher Franz, Kliemanns Sammelaktion

1. Warum sich Medien mit Schlagwörtern der Politik oft schwertun
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Pia Behme, Audio: 6:39 Minuten)
Sollten Medien in ihrer Berichterstattung Begriffe wie “Sondervermögen” oder “Tankrabatt” unhinterfragt übernehmen? Darüber hat sich der Deutschlandfunk mit zwei Journalisten unterhalten. Vor allem “FAS”-Redakteur Oliver Georgi kritisiert die Übernahme und kann das auf mehreren Ebenen begründen. Georgi hatte sich in seinem Buch “Und täglich grüßt das Phrasenschwein” bereits vor einigen Jahren mit der Sprache der Politik auseinandergesetzt und hört deshalb vielleicht besonders genau hin.

2. Fernspäher Franz
(kontextwochenzeitung.de, Josef-Otto Freudenreich)
“Minister Thomas Strobl könnte über einen Artikel stürzen, dessen Autor niemand nennt, obwohl er eine bekannt schillernde Figur ist. Warum ist das so, warum gerade er?” Josef-Otto Freudenreich stellt bei “Kontext” den Journalisten Franz Feyder vor, dessen Artikel Baden-Württembergs Innenminister Strobl die Karriere kosten könnte. Zum Hintergrund siehe auch: Auch Journalist beschuldigt (taz.de, Christian Rath).

3. Machen!
(journalist.de, Michel Abdollahi)
Der preisgekrönte TV-Journalist (“Im Nazidorf”) und Moderator Michel Abdollahi erzählt beim “journalist”, warum er den Onlinekanal das “Vierte Deutsche Fernsehen” gegründet hat, warum es lohnen kann zu scheitern, und warum es seiner Ansicht nach in nahezu allen jungen Formaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an konservativen Stimmen fehlt.

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4. Investment in Fynn: Wie Influencer Kliemann rund 700.000 Euro in seinem Freundeskreis einsammelte
(correctiv.org, Gabriela Keller & Frederik Richter & Jonathan Sachse)
Der “Correctiv”-Redaktion liegen neue Details zum Geschäftsmodell des Influencers Fynn Kliemann vor, der unter anderem wegen seiner Masken-Geschäfte in die Kritik geraten war: “Nicht nur Caro Daur hat sich am Kliemannsland beteiligt. Bisher unbekannte E-Mails geben nun einen tieferen Einblick in die Geschäfte des Influencers: Sie legen nahe, dass mindestens 15 zum Teil prominente Personen den Kreativbauernhof unterstützt haben, darunter Joko Winterscheidt, Ina Müller und Severin Kantereit.”

5. ARD und ZDF bieten neue Tonspur “Klare Sprache” an
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Das ZDF führt eine akustisch verbesserte Tonspur namens “Klare Sprache” ein. Der Sender wolle damit die Sprache deutlicher hervorheben und die Sprachverständlichkeit verbessern. Die ARD plane eine ähnliche Funktion. Kurt Sagatz erklärt, wie das Ganze funktioniert, und wie man die neue Tonspur aktiviert.

6. »Die Fernsehsender entscheiden, wann gespielt wird«
(spiegel.de)
Das Viertelfinale beim Tennisturnier French Open zwischen Rafael Nadal und Novak Đoković begann am Dienstagabend gegen 21 Uhr und endete um 1:15 Uhr am Mittwoch. Beide Spieler kritisierten die späte Terminierung, zeigten aber auch Verständnis: “Die Fernsehsender zahlen viel Geld, um diese späten Spiele zu haben. So macht das Turnier Geld und so machen auch die Spieler Geld”, so Rafael Nadal, der sich für die Zukunft eine “vernünftige Balance” zwischen allen Interessen wünscht.

“Xinjiang Police Files”, Hilfe nachbessern, Influencer-Tee

1. Blick hinter die Kulissen: Wie liefen die Recherchen für Xinjiang Police Files?
(br.de, Lisa Weiß, Audio: 28:31 Minuten)
Lange schon hatten Beobachter von Menschenrechtsverletzungen an der ethnischen Minderheit der Uiguren im Norden Chinas berichtet. Nun gab es ein neues Dateleak, das erstmals anhand von Bildern das Ausmaß zeigt. Die “Xinjiang Police Files” wurden von verschiedenen deutschen und internationalen Medienpartnern gemeinschaftlich ausgewertet. Auch dabei: der Bayerische Rundfunk (BR). Wie kam die Redaktion zu den Informationen über die Straflager in Xinjiang? Wie prüft man, ob Daten und Fotos über verfolgte und inhaftierte Uiguren echt sind? Darüber spricht Lisa Weiß im BR-Medienmagazin mit Hakan Tanriverdi, Datenjournalist beim BR, und Astrid Freyeisen, BR-China-Expertin und viele Jahre ARD-Korrespondentin in Shanghai.

2. Hilfe nachbessern
(djv.de, Hendrik Zörner)
Der Deutsche Journalisten-Verband fordert die Bundesregierung auf, die jüngst beschlossenen Hilfen für Journalistinnen und Journalisten aus Russland nachzubessern. Kritisiert wird vor allem die Voraussetzung, eine Bedrohungslage nachzuweisen: “Der geforderte Nachweis schließt alle Journalistinnen und Journalisten aus, die den Ukrainekrieg und die Repressionen durch den Kreml zwar ablehnen, aber ihre Opposition noch nicht durch Medienberichte öffentlich gemacht haben.”

3. Wie können Journalistinnen und Journalisten unter den Taliban noch arbeiten?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 34:05 Minuten)
“Vor dem Sieg der Taliban gab es in Afghanistan eine diverse Medienlandschaft. Jetzt müssen Nachrichtensprecherinnen im Fernsehen ihr Gesicht verschleiern, im Radio läuft keine Musik mehr, und es gelten vage, willkürliche Regeln, mit denen die Arbeit von Journalisten erschwert wird.” Der Journalist Emran Feroz war vor Kurzem wieder in Afghanistan und schildert im Gespräch mit Holger Klein, wie sich die Medienlandschaft und das Leben dort verändert haben.

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4. “Wir sind kritikfähig”
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Nach dem Abbruch eines Interviews durch den Fußballspieler Toni Kroos äußert sich nun ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann zu der Angelegenheit: Was ist richtig, was falsch gelaufen? Und sind derlei Befragungen unmittelbar nach Spielschluss wirklich ergiebig?
Weiterer Hörtipp: Auch beim Deutschlandfunk beschäftigt man sich noch einmal mit dem Thema. Sportredakteurin Jessica Sturmberg bezweifelt die Notwendigkeit von derlei Interviews: “Der Erkenntnisgewinn ist selten groß. Wir haben eher Anteil an einer Stimmung – und die Frage ist, ob wir das wirklich wollen.”

5. Burda meldet Rekord-Zahlen im Geschäftsjahr 2021
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Unternehmen Hubert Burda Media hat 2021 nach eigenen Angaben das beste Geschäftsjahr seiner Geschichte hingelegt. Der Umsatz sei um rund sechs Prozent auf nahezu drei Milliarden Euro gestiegen. Uwe Mantel hat einen genaueren Blick auf die Zahlen geworfen.

6. Ekel Eistee: So Dirty ist DirTea von Shirin David
(youtube.com, ZDF besseresser, Video: 17:34 Minuten)
Shirin David ist eine deutsche Rapperin, Webvideoproduzentin und seit einiger Zeit auch Eistee-Vermarkterin. “Wie hat die Instagram-Ikone es geschafft, dass ihre Drinks so populär werden? Was ist da überhaupt drin? Und wie schmecken die verschiedenen Eistee-Sorten?”, fragt das Team der “ZDF besseresser”. Mit der Vermarktung von derlei Produkten ist Shirin David übrigens nicht allein: Auch andere Rapper wie Capital Bra und Haftbefehl sind in den Supermarktregalen vertreten.

Selbstverzwergung, Gewalt gegen Journalisten, Verbrechen lohnt sich

1. Am Hufeisen aufgehängt
(taz.de, Bo Wehrheim)
Bo Wehrheim hat sich den aktuellen Bericht des Berliner Verfassungsschutzes angeschaut, der der steigenden Gewalt gegenüber Medienschaffenden ein Sonderkapitel widmet. Wehrheim ist unzufrieden mit der Einordnung und der Gewichtung der Fälle: “Der Verfassungsschutz beweist mit seiner Herangehensweise, dass er nicht geeignet ist, zum Schutz von Journalist_innen beizutragen. Er leistet in der Auseinandersetzung einen Bärendienst, indem er den Blick auf die Fakten verstellt.”

2. Verzerrt, übertrieben, umgedeutet – wie Russlands Fernsehen geschickt die Mär von «Wir sind die Guten» verbreitet
(nzz.ch, Inna Hartwich)
“Russische Staatsmedien erzählen von Barbaren in der Ukraine, die die friedliche Bevölkerung als menschliche Schilde missbrauchen würden – und viele in Russland sprechen solche Sätze voller Überzeugung nach. Warum?” Dieser Fragestellung versucht die in Moskau lebende freie Journalistin Inna Hartwich in der “Neuen Zürcher Zeitung” nachzugehen.

3. Leichtsinnig. Ärgerlich. Peinlich.
(t-online.de, David Digili)
Nach dem Champions-League-Sieg von Real Madrid gegen den FC Liverpool hat ein ZDF-Reporter den Fußballspieler Toni Kroos unter anderem gefragt, ob es für ihn überraschend sei, dass seine Mannschaft “doch ganz schön in Bedrängnis” geraten sei. Darauf polterte Kroos: “Du hattest jetzt 90 Minuten Zeit, dir vernünftige Fragen zu überlegen, ehrlich. Und jetzt stellst Du mir zwei solche Scheißfragen. Das finde ich Wahnsinn!” und stapfte wütend davon. Nun bedauert es der Sportreporter, den Fußballer nicht ausführlicher zu “positiven Emotionen” befragt zu haben. Ein falscher Ansatz, wie David Digili in seinem Kommentar schreibt: “Vorauseilender Gehorsam als Selbstverzwergung eines ganzen Berufsstands. Die immergleichen ‘Woran hat’s gelegen?’-Fragen mögen zuweilen uninspiriert wirken, sie sind aber Bestandteil gewissenhafter journalistischer Arbeit, deren oberste Gebote noch immer Distanz und Neutralität sind. Sein müssen. In unter Vereinsmitwirkung gedrehten Jubel-Dokus auf Streamingdiensten wird schon genug beklatscht und überhöht.”

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4. Vom Knast auf den roten Teppich
(uebermedien.de, Felix Jung)
Die boomenden True-Crime-Formate führen dazu, dass manche Straftäterin und mancher Straftäter nicht nur berühmt wird, sondern auch erhebliche Einnahmen generiert. Felix Jung zeigt anhand der Beispiele Anna Sorokin und Jens Söring, wie problematisch das Ganze ist. Sein Wunsch: “An einer öffentlichen Selbstdarstellung und Vermarktung, bisweilen gar einer Täter:innen-Opfer-Umkehr, sollten sich journalistische wie finktionale Produktionen nicht beteiligen. Die Zahl der True-Crime-Formate, die genau das tun, scheint aber zuzunehmen. Und mit ihr die Chance für verurteilte Straftäter, kräftig abzukassieren.”

5. Was macht eigentlich ein Sachbuch aus?
(deutschlandfunkkultur.de, Berit Glanz & Simon Sahner & Christine Watty, Audio: 44:41 Minuten)
Kurz vor der heutigen Verleihung (Livestream ab 18:00 Uhr) des Deutschen Sachbuchpreises schaut sich das Team von “Lakonisch Elegant” die Kategorie Sachbuch genauer an und stellen sich die Frage: “Was ist eigentlich ein Sachbuch?”

6. Warum bekommt Bibi’s Beauty Palace so viel Hass ab? Ich hab da eine These…
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
In seiner satirischen Kolumne “Über Leben in Deutschland” hat Imre Grimm die Trennung des Influencer-Paars Bibi und Julian Claaßen thematisiert und dabei nicht mit Spott und Verachtung gespart. Eben jenes kritisiert Thomas Knüwer: “Was glauben die Autorinnen und Autoren solcher Stücke zu erreichen? Dass eine jüngere Generation sich von InfluencerInnen ab- und sich ihnen zuwendet? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass das Gegenteil passiert, weil eine Beschimpfung junger Prominenter gleichzeitig eine Beschimpfung von deren Publikum darstellt?” Imre Grimm antwortet wiederum auf Thomas Knüwers Text bei Twitter: “Ich teile Ihre These nicht, empfinde die Bezeichnung ‘Hass’ für eine fröhliche, harmlose Satire als lächerlich und führe Ihren Zorn auf mich auf Ihr langjähriges Frustverhältnis zu Regionalzeitungsverlagen zurück.”

Fehlende Größe, Eingriff in die Privatsphäre, Pöbel-Theologen

1. “Josef Joffe hat mich als damals zuständigen ‘Die-Zeit’-Redakteur hintergangen und die eigene Redaktion verraten”
(twitter.com, Felix Rohrbeck)
Wie vergangene Woche bekannt wurde, lässt Josef Joffe, langjähriger Mitherausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”, sein Mandat als Herausgeber bis zum Vertragsende ruhen. Dieser Entscheidung vorangegangen waren Vorwürfe, Joffe habe einen mit ihm befreundeten Bankier vor Recherchen seiner eigenen Zeitung gegen das Geldhaus gewarnt. Auf Nachfrage der “Süddeutschen Zeitung” hatten sich Joffe und “Die Zeit” zu dem Fall geäußert. In einem Twitter-Thread legt Felix Rohrbeck, einer der damaligen “Zeit”-Autoren, seine Sicht der Dinge dar. Josef Joffe habe großen Schaden angerichtet: “Dass er nicht mal die Größe hat, sich dafür zu entschuldigen und stattdessen versucht, uns Autoren zu schaden, spricht für sich.”

2. Es trifft die Falschen
(zeit.de, Ann-Kathrin Nezik)
Ann-Kathrin Nezik hält die Pläne der EU zur sogenannten Chat-Kontrolle für einen tiefen Eingriff in die Privatsphäre, der wenig bringe: “Gerade die EU, die sich mit progressiven Gesetzen wie der Datenschutz-Grundverordnung als Gegenentwurf zu autokratischen Regimen präsentiert, darf sich einen solchen Eingriff in die Privatsphäre nicht erlauben – zumal er nur scheinbar dem Kampf gegen sexuelle Gewalt an Kindern dient.”

3. Wie Medien für Glücksspiel werben
(deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 30:27 Minuten)
Welche Rolle und Verantwortung haben Medien rund um das Thema Glücksspiel bei Lotto und Sportwetten? Darüber diskutiert ein Deutschlandfunk-Hörer mit dem Glücksspielforscher Tobias Hayer, dem Sport- und Medienjournalisten Fritz Lüders und mit Stefan Fries aus der Dlf-Medienredaktion.

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4. Schafft die 20-Uhr-“Tagesschau” ab
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader sieht bei der “Tagesschau” Reformbedarf: “Ende dieses Jahres wird die vermutlich bekannteste Sendung des deutschen Fernsehens 70 Jahre, und man soll ja nicht unhöflich zu älteren TV-Formaten sein, aber: man sieht und hört es ihr ein bisschen an.”

5. Laissez-faire beim Klima
(tagesspiegel.de, Katja Horneffer)
Beim “Tagesspiegel” verrät die ZDF-Metereologin Katja Horneffer, worüber sie sich in der letzten Woche in den Medien am meisten geärgert hat und worüber sie sich freuen konnte. Es geht um den Umgang mit Klimameldungen und die Begeisterung über ein Bild vom Schwarzen Loch im Auge unserer Milchstraße.

6. Homosexuelle verunglimpft – Verfahren in Köln gegen zwei Priester eingestellt
(wdr.de, Markus Schmitz)
Im katholischen Fachmagazin “Theologisches” bezeichnete ein Theologieprofessor Homosexuelle als “Parasiten” und “Krebsgeschwüre”. Darauf wurde ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen den Autor sowie den verantwortlichen Redakteur in Gang gesetzt, das nun gegen eine Geldauflage von insgesamt 7.000 Euro und eine Entschuldigung eingestellt wurde.

Vergessene News, Europas Augen und Ohren, Flugzeugabsturz für Klicks?

1. Wir sind Europas Augen und Ohren
(taz.de, Katerina Sergatskova)
Die ukrainische Journalistin Katerina Sergatskova macht darauf aufmerksam, wie unterschiedlich die Arbeitsbedingungen für einheimische und ausländische Medienschaffende in der Ukraine seien. Nach der Invasion Russlands hätten sich lokale Journalistinnen und Journalisten in einer noch prekäreren Lage als sowieso schon befunden: “Schutzwesten und Helme besaßen die wenigsten, es fehlte an Erfahrung mit Sicherheitstrainings oder an grundlegenden Dingen wie einer Krankenversicherung. Mehr als 70 Medienhäuser mussten bereits aufgrund der militärischen Aus­einandersetzungen mit Russland oder aus wirtschaftlichen Gründen schließen.” Sergatskova wünscht sich mehr Sichtbarkeit für die ukrainische Perspektive, was konkret bedeute, mehr ukrainischen Berichterstattern und Berichterstatterinnen zuzuhören.

2. Samstags frei
(sueddeutsche.de, Lisa Oppermann)
Die Corona-Pandemie hat die gesamte Medienbranche getroffen, besonders schwer erwischt habe es jedoch die freiberuflichen Sport- und Kulturreporter, schreibt Lisa Oppermann. Sie hat sich bei Betroffenen umgehört, die sich mehr schlecht als recht durch die schweren Zeiten schlagen und teilweise auf Nebenjobs angewiesen sind.

3. Blick auf die Top Ten der vergessenen News
(verdi.de)
Alljährlich veröffentlicht die Initiative Nachrichtenaufklärung die “Top Ten der Vergessenen Nachrichten”. Dabei handele es sich um “Sachverhalte, die für die deutsche Öffentlichkeit relevant sind, über die aber bislang in Presse, Funk, Fernsehen und Internet kaum Debatten geführt werden”. Der Blick auf die aktuelle Themenliste lohnt – auch für alle außerhalb der Medienbranche.

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4. “Ich kann den sogenannten Juden nichts mehr glauben”
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Xavier Naidoo bittet um Entschuldigung. Aber wofür eigentlich? Und ist er jetzt rehabilitiert? Sebastian Leber ordnet Naidoos Entschuldigungsvideo ein und setzt es in Zusammenhang mit dessen zahlreichen Tabubrüchen und sonstigen Abscheulichkeiten.

5. Newsletter Netzwerk Recherche, Nr. 208, 22.04.2022
(netzwerkrecherche.org, Frederik Richter & Albrecht Ude)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für Journalistinnen und Journalisten aus dem Investigativbereich: der Newsletter des Netzwerk Recherche (nr). Die neueste Ausgabe liefert einen aktuellen Überblick über Nachrichten, Veranstaltungen, Seminare, Stipendien und Preise. Außerdem gibt es Informationen zur alljährlichen nr-Jahreskonferenz, die am 30. September und 1. Oktober dieses Jahres in Hamburg stattfindet. Im Pressespiegel gibt es zudem wertvolle Lesetipps zu ausgesuchten Themen.

6. US-Behörde wirft YouTuber absichtlichen Flugzeugabsturz vor
(spiegel.de)
Im Januar wiesen wir in den “6 vor 9” bereits auf einen bemerkenswerten Fall hin: Seinerzeit deutete vieles darauf hin, dass ein Youtuber aus den USA Ende November 2021 absichtlich einen Flugzeugabsturz herbeigeführt hatte, den er für ein spektakuläres Video wie einen Unfall aussehen lassen wollte (US-Behörden ermitteln nach Flugzeugabsturz von YouTuber, spiegel.de, Jörg Breithut). Nun hat die US-amerikanische Luftfahrtbehörde dem Youtuber offenbar mit sofortiger Wirkung seine Privatpilotenlizenz entzogen.

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