Wenn die “Bild”-Zeitung über Ausschreitungen deutscher Hooligans in der Slowakeiberichtet — wäre es dann nicht schön, wenn auf dem Foto, mit dem sie das illustriert, auch deutsche Hooligans zu sehen wären? Und nicht, ganz im Gegenteil, slowakische Fans?
Diese Zuschauer im Stadion in Bratislava stehen jedenfalls, wie hier und hier deutlich zu erkennen, im slowakischen Fanblock. Und mit den Ausschreitungen nach dem Spiel hat das Foto ohnehin überhaupt nichts zu tun.
Danke an Sven Z., Christian S. und Tobias R. für die Hinweise!
Mallorca ist eine der schönsten Mittelmeer-Inseln und “Bild” manchmal sehr genau.
Im Juli beispielsweise hatte “Bild” ausführlich über Boris Becker und “seine Elena” berichtet. “Bild” wusste alles, naja: fast alles über seine “Mallorca-Bekanntschaft”: Mit was für einem Autotyp welcher Farbe Becker mit ihr über die Mittelmeer-Insel fuhr und so weiter. Und als “die süße Russin” Mallorca verlassen hatte, war “Bild” ihr auf den Fersen, wusste in welchem Stadtteil welcher Stadt sie wohnt, wer im selben Haus einen Tiefgaragenplatz hat und was genau auf ihrem Klingelschild steht. Und anschließend wussten all das auch Millionen “Bild”-Leser.
Nachtrag, 27.8.2005:
Sorry, wir müssen uns korrigieren. Aber ja: Denn Boris Becker gehört doch, wie Lafontaine, zur Riege ehemaliger “Bild”-Kolumnisten. Nach seinem ersten Wimbledon-Sieg nämlich hatte ihn “Bild” vier Jahre lang als Kolumnisten (angeblich für eine Jahresgage von rund einer Million Mark) verpflichtet gehabt. “Als Gegenleistung mußte der Gast-Autor etwa 20mal im Jahr Intimes aus seinem Leben zu Papier bringen lassen”, schrieb jedenfalls der “Spiegel” im Jahr 1989. Da war nämlich Schluss mit Beckers Kolumnistentätigkeit. Unklar ist, ob Becker “Bild” oder “Bild” Becker den Vertrag kündigte. Fest steht nur, dass die Zusammenarbeit vorzeitig endete, nachdem Becker in einem Interview mit der Zeitschrift “Sports” über “Bild” gesagt hatte:
“Ich konnte mich mit der Art und Weise, wie die Geschichten erfinden und auch mit den Methoden, wie sie arbeiten, nicht identifizieren.”
Mit Dank an Lorenz L. fürs vage, aber gute Erinnerungsvermögen.
So. Erledigen wir schnell noch ein paar “Bild”- und Bild.de-Falschmeldungen der letzten Tage.
Anders als “Bild” berichtet, fordert nicht die Linkspartei die Freigabe aller Drogen, sondern die Jugendorganisation der Linkspartei in Sachsen.
Anders als “Bild” berichtet, fiel der Schuss, der einen Paparazzo in Malibu traf, keineswegs vor dem Haus von Britney Spears, sondern vor einem ganz anderen Haus, in dem Spears angeblich zu Besuch gewesen sein soll.
Anders als “Bild” berichtet, spielt Ashley Cole nicht inzwischen für Chelsea, sondern hat gerade erst seinen Vertrag mit Arsenal verlängert (vielleicht hat “Bild” ihn mit Joe Cole verwechselt).
Anders als “Bild” berichtet, ist dies nicht die “prächtige Villa” des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, sondern der Grenzort Panmunjeom, an dem Nord- und Südkorea miteinander verhandeln.
Wir wissen auch nicht, warum die “Bild”-Zeitung aus ihrer Meldung vom 16. Juli 2005, dass sich der Hannover-96-Stürmer Jiri Stajner beim Spiel mit einem neuen Fußball-Modell Hautabschürfungen zugezogen hat, am 27. Juli 2005 einfach noch einmal einen Artikel gemacht hat, der so tut, als sei das gerade erst geschehen (“Gefährlicher Ball — 96-Star beim Kopfball verletzt”). Vielleicht war einem Kollegen aufgefallen, dass im Original-Artikel ein Fehler fehlte. Gut, das ließ sich leicht nachholen:
[Der Ball] heißt “Janus”, nach dem griechischen Gott mit zwei Gesichtern.
Nur zur Erinnerung: Vor zwei Wochen hatte “Bild” mal “Mist ohne Ende” geschrieben. Dort stand (illustriert mit einem Foto von “Lukas Podolski mit BILD-Reporter Jörg Althoff im Münchner Szene-Viertel Schwabing”): Podolski, derzeit Stürmer beim 1. FC Köln, habe auf die Frage, wann er zum FC Bayern München komme, geantwortet: “Nächstes Jahr!” Laut “Bild” eine “Sensations-Antwort”. Desweiteren hatte es dort geheißen: “BILD spürte Lukas Podolski (…) auf”, “spät abends”, “in einer In-Bar”. Und nachdem “Bild” Podolskis “Geheim-Besuch in München enthüllte”, gab’s tags drauf laut “Bild” sogar einen “Riesen-Wirbel um Poldi”, weil er, so “Bild”, “verbotenerweise das Nationaltrikot trug”. Angeblich waren da “alle sauer auf den Fußball-Liebling”.
(Kursiv gesetzte Passagen könnten nicht den Tatsachen entsprechen!)
Wer allerdings genauer wissen will, wie “sinnentfremdend dargestellt” das alles war, oder sich bloß von Podolski selbst allerhand Aufschlussreiches über die Methoden der “Bild”-Zeitung erzählen lassen möchte, klicke jetzt einfach mal hier.
Mit Dank an Klemens J. für den Link.
Nachtrag, 5.8.2005:
Auf Podolskis Homepage ist sein Text leider nicht mehr nachzulesen – dafür aber in voller Länge hier.
Es war, laut “Bild”, schon spät, als “Bild”-Reporter Jörg Althoff mit Lukas Podolski in der “In-Bar” “Pacific Times” saß und dem Fußballer “die entscheidende Frage” stellte:
“Lukas, wann kommen Sie zu Bayern?”
Und dann soll sich laut “Bild” Folgendes zugetragen haben:
Der beste und begehrteste deutsche Torjäger nippt am frisch gepreßten Orangensaft. Dann grinst er frech: “Nächstes Jahr!”
Fußballinteressierten dürfte die Brisanz dieser Äußerung sofort klar werden. Schließlich steht Podolski noch bis 2007 beim 1. FC Köln unter Vertrag. Doch es gibt Gerüchte, dass er schon früher gehen könnte — und nach dem, was “Bild” schreibt, sogar noch früher als bisher spekuliert.
Für die ein oder andere Zeitung oder Internetseite war das Grund genug, die Meldung entsprechend weiterzuverbreiten. Und spaßeshalber soll hier mal eine Internetseite kurz zitiert werden:
Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Blatt eine solche wörtliche Äußerung drucken würde, wenn sie nicht den Tatsachen entspricht.
Äh, nun ja. So wie es aussieht, hat Podolski das mit “nächstes Jahr” tatsächlich gesagt. Aber der Satz ging offenbar noch weiter. Dem “Kicker” sagte Podolski als Reaktion auf den “Bild”-Bericht jedenfalls:
“Ganz so war es nicht. Ich habe auf die Frage, wann ich zu den Bayern komme, gesagt: Nächstes Jahr. Wenn wir mit dem FC hier spielen! Das fiel leider unter den Tisch.”
Und Podolskis Berater Norbert Pflippen hat nicht nur rechtliche Schritte gegen “Bild” angekündigt, er beurteilt den Artikel in “Bild” auch folgendermaßen:
Was haben Melanie W. und Anna-Lena Grönefeld gemeinsam? Eigentlich: fast nichts. Aber eben nur fast.
Melanie W. sitzt wegen Kokainschmuggels in Brasilien im Gefängnis und hat kürzlich an der merkwürdigen Wahl zur “Miss Knast” teilgenommen. “Bild” druckte deswegen reihenweise “erotische” Fotos der 21-jährigen Berlinerin, dem “schönen Knast-Mädchen”, und berichtete:
“Brasiliens ‘Miss Knast’ ist eine Deutsche.”
Aber das stimmt nicht (wie “Bild” ja selbst weiß und schreibt: Melanie W. hat bei der Miss-Wahl in Brasilien den zweiten Platz belegt, ist also quasi “Miss Vize-Knast” [siehe “B.Z.”]).
Anna-Lena Grönefeld wiederum hat nicht nur ein “süßes Lächeln” und eine “lockere Art”, sondern auch “schlanke Beine” und einen “blonden Pferdeschwanz, der auf dem Platz hin- und herfliegt”. Ach ja: Außerdem kann die 20-Jährige gar nicht übel Tennis spielen.
“Sie ist hübsch und schaffte es bis ins Wimbledon-Finale. (…) Beim Tennis-Klassiker von Wimbledon hat’s unsere Anna-Lena Grönefeld bis ins Finale geschafft! An der Seite von Martina Navratilova unterlag Anna erst im Endspiel gegen das Weltklasse-Duo Kusnezowa/Mauresmo mit 4:6, 4:6.”
Auch das ist falsch (wie zum Beispiel die “Welt am Sonntag” und dpa berichten): Grönefeld und Navratilova sind nämlich bereits im Halbfinale gegen Amelie Mauresmo und Swetlana Kusnetzowa ausgeschieden, die im Finale wiederum gegen Cara Black und Liezel Huber verloren.
Aber wer interessiert sich schon für Fakten, wenn es bloß darum geht, Fotos von gut aussehenden jungen Frauen abzudrucken? “Bild” jedenfalls nicht.
Dank für die sachdienlichen Hinweise an Sascha und Marius M.-F.
“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann wird nicht müde, in Kommentaren und Gastbeiträgen zu behaupten, das sogenannte “Caroline-Urteil” des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte bedrohe die Pressefreiheit:
Ob einer trinkt, seine Frau schlägt, sie betrügt, ob er Wasser predigt und Wein säuft, ob also sein privates Verhalten seinen öffentlichen Verlautbarungen entspricht — all dies läßt sich fotografisch kaum noch dokumentieren.
Das ist gelinde gesagt umstritten. Was das “Caroline-Urteil” aber zweifellos untersagt, verschweigt Diekmann: die Veröffentlichung von irrelevanten, heimlich gemachten Fotos aus dem Privatleben von Prominenten. Er verschweigt es aus gutem Grund. “Bild” hält sich nicht an das Verbot.
Am 18. Juni zeigte “Bild” Paparazzi-Aufnahmen von Franziska van Almsick im Urlaub mit ihrem angeblichen neuen Freund. Und während Diekmann so tut, als könnte seine Zeitung wegen des Caroline-Urteils kriminelle Machenschaften und bigottes Handeln nicht mehr dokumentieren, dokumentiert er das völlig unspektakuläre Privatleben einer ehemaligen Leistungssportlerin – gegen ihren ausdrücklichen Willen, womit der “Bild”-Artikel sogar kokettiert:
“Über mein Privatleben sag’ ich nichts mehr.” (Franziska van Almsick)
Mußt du auch nicht, Franzi. Wir haben ja Augen im Kopf.
Nach Angaben der kommerziellen Dementi-Plattform “fairpress” hat das Berliner Landgericht “Bild” nun per einstweiliger Verfügung untersagt, den privaten Alltag van Almsicks zu zeigen. Im Gegensatz zu “Bild” hätten Zeitschriften wie “Bunte”, “BZ”, “Gala” und “Frau im Spiegel” nach Aufforderung freiwillig erklärt, solche Fotos nicht mehr zu zeigen. “Bild” habe erst vom Gericht dazu gezwungen müssen.
So, heute testen wir mal kurz die Reaktionsgeschwindigkeit von Bild.de:
Es ist 13.46 Uhr, und Bild.de berichtet unterhalb eines großen Fotos von Michael Schumachers silberfarbenem Privat-Ferrari (siehe Ausriss rechts) darüber, dass der Formel-1-Rennfahrer das abgebildete Auto bei Ebay hatte versteigern wollen, aber nicht hatte versteigern können. Im Text heißt es dazu unter anderem: