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Noch eine Woche mit “Bild”…

“Wenn alle mitmachen, werden die nächsten vier Jahre ganz sicher so erfolgreich wie die vergangenen vier Jahre.”
(“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann am 1.11.2004)

Es ist noch nicht so lange her, da hatte man ja noch rückblickend denken können, zwei Einstweilige Verfügungen gegen “Bild” sowie die Veröffentlichung von zwei Gegendarstellungen und allerhand schlechte Presse in einer einzigen Woche seien vielleicht ein bisschen viel gewesen.

Jetzt, eine Woche später, wissen wir’s besser. Denn hinzugekommen sind inzwischen: eine Unterlassungserklärung (nach der “Bild” künftig nicht mehr, wie geschehen, angebliche Fotos aus der Krankenakte von Gregor Gysi veröffentlichen wird), eine große Gegendarstellung (wonach, wie “Bild” selbst eingesteht, ein Bericht über Claudia Roth “jeglicher Grundlage” entbehrte) sowie weitere zwei Gegendarstellungen (in denen der NDR falsche Berichte zum Eurovision Song Contest richtig stellt).

Ach ja, in der “Süddeutschen Zeitung” stand am Samstag zudem eine Art Ausblick in die Zukunft. Dort nämlich hieß es:

“Die 24. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg erließ am Donnerstag auf Antrag von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eine einstweilige Verfügung, der zufolge das Blatt einen Bericht über Beförderungen im Berliner Ministerium auf der Titelseite über dem Bruch, also in der oberen Hälfte, gegendarstellen soll.”

  

Alte Produkte, neu verpackt

Wie “Bild” zunehmend Einfluss darauf gewinnt, was in Deutschland zum Verkaufsschlager wird

(Mai 2005) Das Jahr hat gut begonnen für den Autohersteller Seat. Im Januar und Februar verzeichnete die VW-Tochter im Vergleich zum Vorjahr das Dreifache an Aufträgen für ihren Kleinwagen “Ibiza”, meldete Seat Deutschland im März. Dass das Modell urplötzlich so beliebt war, lag nicht etwa daran, dass der schon etwas betagte “Ibiza” mit exklusiven Extras angeboten oder mit einer besonders flotten Kampagne beworben wurde – sondern vor allem an einer Kooperation mit der “Bild”-Zeitung. Zwei Monate bot Seat das Sondermodell “Ibiza Sport Edition” als “Volks-Seat” an. “Bild” und Bild.T-Online warben kräftig für die Aktion – und erzielten offenbar den erwünschten Erfolg.

Längst nutzt “Bild” den eigenen Namen nicht mehr nur für Zeitschriften-Ableger wie “Computer-Bild” oder “Audio-Video-Foto-Bild”. Mit den “Volks”-Produkten will das Boulevardblatt von der Spülmaschine über die Zahnbürste bis hin zur Bettdecke nun auch allerlei Gebrauchsgegenstände verkaufen.

Deutschlandweit bekannt

Die produziert “Bild” natürlich nicht selbst. Die Zeitung, genauer: deren Internet-Ableger Bild.T-Online, kooperiert lediglich mit den Herstellern der Waren, die es in der Regel auch ohne “Volks”-Label längst im Handel zu kaufen gibt. Die Unternehmen profitieren davon, dass “Bild” ihr “Volks”-Produkt innerhalb kürzester Zeit deutschlandweit bekannt macht. Entsprechend gut verkaufen sich viele der angebotenen Waren.

Begonnen hat alles mit dem Volks-PC im September 2002. Mit der Handelskette Plus brachte “Bild” einen PC in die Läden, der von jedem Nutzer einfach zu bedienen und auch für jeden erschwinglich sein sollte. Die Aktion lief so gut, dass man sich entschied, sie fortzuführen. Inzwischen gibt es über 25 “Volks”-Produkte. Partner waren oder sind Unternehmen wie Seat, Quelle, Deichmann, Talkline und Deutsche Bank. Bild.T-Online verkauft den Herstellern Werbe-“Packages”, die prominent platzierte Online-Beiträge auf Bild.de, Sonderbeilagen in der Printausgabe sowie Anzeigen in “Bild” und “Bild am Sonntag” beinhalten. Als Eye-Catcher werben Promis für die Angebote (manchmal sogar ohne ihr Wissen). Die Kooperationen machen bei Bild.T-Online schon jetzt 30 bis 40 Prozent des Umsatzes aus, der laut “FAZ” im Dezember 2004 bei rund 30 Millionen Euro lag.

Keine “Stiftung Warentest”

Im Prinzip ist gegen eine solche Vermarktungsstrategie nichts einzuwenden. Nicht nur “Bild”, sondern auch viele andere Zeitungen mussten sich in den vergangenen Jahren überlegen, wie sie sich zukünftig finanzieren würden. In der Medienkrise waren den Verlagen die Einnahmen weggebrochen, die sie bisher mit Rubrikenanzeigen und Werbebuchungen erzielten.

Problematisch ist jedoch, dass die “Volks”-Produkte leicht als Empfehlung der “Bild”-Redaktion missverstanden werden können. Die “Volks-Waschmaschine” “hat ordentlich Wasch-Power in der Trommel” und zahlreiche “Finessen”, sie “geht dem Schmutz gehörig an den Kragen”, ist einfach “Spitzenklasse”. Das “Volks-Fahrrad” “rostet nicht (…), es ist sicher (…) und hat tolle Extras”, “das Licht ist besonders hell” und “mit dem aktiven Bremssystem (ABS) brauchen Sie weniger Kraft zum Bremsen”. So steht es bei Bild.de.

Die rein werblichen Beiträge sind inzwischen zwar korrekt als “Anzeige” gekennzeichnet, suggerieren aber dennoch, dass es sich um ein besonderes Schnäppchen oder ein besonders hochwertiges Produkt handelt, das die Redaktion womöglich ganz besonders schätzt.

Schlechter als die Basisversion

Das muss nicht immer auch der Fall sein. Hanno S. Ritter vom Online-Portal Autokiste.de nennt das kürzlich von “Bild” und Blaupunkt angebotene “Volks-Navi” als Beispiel: “Das beworbene Gerät war schlechter als die ihm zu Grunde liegende Basisversion, etwa weil ein Tacho-Anschluss fehlte.” In der Produktbeschreibung von Blaupunkt sei darauf verwiesen worden, dieser wäre nicht nötig. Das stimmt zwar. Ritter meint aber: “Richtig wäre gewesen: Ein Tacho-Anschluss ist bei diesem Gerät nicht möglich.” Zudem sei das bessere Basisgerät mit Tacho-Anschluss im Handel bereits für denselben Preis wie das “Volks-Navi” angeboten worden.

Nicht alles, was aggressiv als Schnäppchen beworben wird, ist automatisch auch eins. Die “Volks”-Produkte-Strategie ist dennoch so erfolgreich, weil sie Vertrauen aufbaut – das Vertrauen der Leser in “Bild”, einer Zeitung, die immerzu von sich behauptet, für den kleinen Mann zu kämpfen. Wieso sollte man deren Empfehlungen nicht trauen? Ob die Kunden mit dem gekauften Produkt zufrieden sind, muss “Bild” erst einmal nicht weiter interessieren. Die Sache ist erledigt, sobald der Kunde das Produkt bestellt hat – es sei denn, Beschwerden häufen sich und der eigene Name könnte beschädigt werden. Damit das gar nicht erst passiere, würden sämtliche Produkte intensiv überprüft und von externen Experten bewertet, bevor sie beworben werden, heißt es bei Bild.T-Online. (Hier ein interessantes Gegenbeispiel.)

Zweifelhafte Markenmacht

Verbraucher können oft nur schwer nachprüfen, ob die angebotenen Waren tatsächlich so günstig sind, wie die “Volks”-Werbung suggeriert – zumindest, wenn es dabei um Produkte mit zahlreichen Funktionen geht, die nicht so einfach zu überblicken sind. Mag sein, dass das ein oder andere Angebot tatsächlich einige Euro günstiger ist als im Handel.

Viel wichtiger ist jedoch, dass “Bild” nicht mehr nur Einfluss darauf nimmt, was in Politik und Gesellschaft diskussionswürdig erscheint, sondern mit zunehmendem Erfolg der “Volks”-Produkte auch darauf, welche Waren welches Herstellers die Verkaufsschlager von morgen werden – egal ob Waschmaschine, Fahrrad oder Computer. Ob eine solche Markenmacht auf Dauer tatsächlich im Sinne von Herstellern und Verbrauchern sein kann?

Datum Produkt Partner
September 2002 Volks-PC Plus
November 2002 Volks-Notebook Plus
Dezember 2002 Volks-PC Plus
Februar 2003 Volks-PC Plus
April 2003 Volks-Notebook Plus
Mai 2003 Volks-Spüler Media-Markt
Juni 2003 Volks-Kamera Media-Markt
September 2003 Kaffee-Vol(l)ks-Automat Media-Markt
September 2003 Volks-PC Plus
November 2003 Volks-Notebook Plus
November 2003 Volks-Dekoder More TV
November 2003 Volks-Navigator T-Mobile
Dezember 2003 Volks-PC Plus
März 2004 Volks-Notebook Media-Markt
März 2004 Volks-LCD-Fernseher Media-Markt
April 2004 Volks-DVD-Rekorder Media-Markt
Mai 2004 Volks-Fahrrad Otto
Mai 2004 Volks-Kamera Media-Markt
Juni 2004 Volks-Handy Talkline
Juni 2004 Volks-Schuh Otto
Juli 2004 Volks-Fotodrucker Media-Markt
Juli 2004 Volks-Notebook Media-Markt
August 2004 Volks-Fernseher Media-Markt
August 2004 Volks-PC Media-Markt
August 2004 Volks-Sparkonto Diba
September 2004 Volks-Matratze Otto
September 2004 Volks-Zahnbürste Media-Markt
Oktober 2004 Volks-Notebook Media-Markt
Oktober 2004 Volks-Fonds DWS
November 2004 Volks-Trainer Otto
November 2004 Volks-Kamera Media-Markt
Dezember 2004 Volks-Rekorder Media-Markt
Januar 2005 Volks-Seat Seat
Februar 2005 Volks-Zinssparen Deutsche Bank
Februar 2005 Volks-Handy Talkline
März 2005 Volks-Laufschuh Deichmann
April 2005 Volks-Bett Quelle
April 2005 Volks-Kredit Creditplus
April 2005 Volks-Navi Blaupunkt
Mai 2005 Volks-Fahrrad Quelle
Mai 2005 Volks-Waschmaschine Quelle
Mai 2005 Volks-Tarif Payback/Vodafone
Mai 2005 Volks-Bausparen BHW
Mai 2005 Volks-Caddy VW
Juni 2005 Volks-Notebook Fujitsu-Siemens
Juni 2005 Volks-Seat Seat
Juni 2005 Volks-Kamera Panasonic
Juni 2005 Volks-Gefrierschrank Quelle
August 2005 Volks-Kredit Creditplus
September 2005 Volks-Rente Dresdner/Allianz
September 2005 Volks-Bus Volkswagen
September 2005 Volks-Burger Burger King
Oktober 2005 Volks-Handy Talkline
Oktober 2005 Volks-Notebook Fujitsu-Siemens
November 2005 Volks-Fonds Union Investment
Februar 2006 Volks-Tigra Opel
März 2006 Volks-Handy Talkline
April 2006 Volks-Laufschuh Deichmann

Was fehlt? Mail schicken.

Außer Konkurrenz: die Volks-Bibel (Oktober 2004, direkte Verlagskooperation mit Weltbild, neu aufgelegt als “Goldbibel” im Dezember 2005).

Sex?

Am Mittwoch nach dem Spiel der Nationalmannschaft gegen Russland sagte der FC-Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger über seinen Kölner Kollegen Lukas Podolski:

“Der Manager hat mich schon nach oben geholt und gesagt, dass ich Poldi bearbeiten soll. Das mache ich auch.”

“SZ”, “FAZ”, “Münchner Merkur”, “Kölnische Rundschau”, “Berliner Morgenpost” und “Welt” und andere interpretierten diese Sätze so, dass Schweinsteiger im Auftrag von Uli Hoeneß seinen Kumpel Podolski zu einem Wechsel nach München überreden soll.

Was natürlich völlig abwegig ist, wie die vier Reporter der “Bild”-Zeitung wissen, die vor Ort waren. Sie hatten als einzige nicht “bearbeiten” gehört, sondern “anbaggern”, weshalb Schweinsteiger natürlich nicht von einem Vereinswechsel geredet hat, sondern von Sex:

Schlitzohr Schweini. Rotzfrech auf dem Feld, rotzfrech auch außerhalb. Vor zwei Jahren wurde er in Damen-Begleitung im Sauna-Bereich der Bayern erwischt. Jetzt scherzt er über die Kumpel-Beziehung zu Lukas Podolski (20): “Manager Hoeneß hat mich schon nach oben in sein Büro geholt und gesagt, daß ich Poldi anbaggern soll. Das mache ich…”

Vielen Dank an Oliver R. für den sachdienlichen Hinweis.

Jungbrunnen “Bild”

In der Online-Redaktion von “Bild” wird sehr, sehr verlässlich gearbeitet: Kaum haben die Kollegen der Printausgabe eine brandheiße Geschichte im Blatt, steht der Aufreger auch schon online.

Heute zum Beispiel der “Krieg der Schumis”, den “Bild” ausruft, weil sich die Schumacher-Brüder beim Formel-1-Rennen in Monaco am vergangenen Sonntag in die Quere kamen und nun Ralf Schumachers Frau Cora der “Bild”-Zeitung ein paar halbwegs druckfähige Zitate dazu geliefert hat (“lebensgefährlich…”, “unnötig und gefährlich…”).

Dabei sind sie bei “Bild” womöglich mit dem Alter der “starken Frau” etwas durcheinander geraten. Auf der Titelseite steht:
...Cora (29)...

Im Text schreibt “Bild” hingegen:
...Cora (28)...

Und im Beitrag neben Coras Foto steht:
...Cora (27)...

Und weil in der Online-Redaktion von “Bild” so unglaublich verlässlich gearbeitet wird, haben die Redakteure bei Bild.de ohne mit der Wimper zu zucken einfach alle drei Altersangaben in die Internetversion des Beitrags übernommen: eine in den Teaser, eine in den Text, eine in die Bildunterschrift.

Dank an Mischa B. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 12.25 Uhr: Inzwischen hat man sich bei Bild.de für die goldene Mitte entschieden, die Altersangabe im Teaser korrigiert und sie in der Bildunterschrift herausgenommen. Cora Schumacher ist 28.

Trapattoni fliegt nicht

Es ist seltsam: Der Fußballtrainer Giovanni Trapattoni ist gerade mit seiner Mannschaft Benfica Lissabon portugiesischer Meister geworden und jetzt “fliegt” er. So steht’s jedenfalls bei Bild.de:

Trap feiert – und fliegt!

Und im Text heißt es dann:

Trotzdem hat Trap fertig. Fans und Presse lästern über seinen Mauer-Fußball.

Wir wissen natürlich nicht, welche Presse und welche Fans da gemeint sind, wundern uns aber doch etwas, dass hier zum Beispiel dieses steht:

Die Fans von Benfica Lissabon liegen “Maestro” Giovanni Trapattoni zu Füßen. (…) Auch die Gazetten stimmten in den Jubel-Chor um “Trap” ein. “Er kam, sah, triumphierte und sagt jetzt auf Wiedersehen”, titelte die Zeitung “A Bola”. “Die Großen sind unter Trapattoni wieder auferstanden”, schrieb Zeitung “Record”, “Danke, Trap, Benfica ist wieder da”, meinte “A Capital”.

Entsprechend ist auch die Überschrift bei Bild.de natürlich völliger Unsinn. Trapattoni “fliegt” nicht, er denkt lediglich über seinen Rücktritt nach, weil er seine Familie vermisst. Und das weiß sogar “Sport Bild”.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Schon M.

“Bild” mischt heimlich Diesel mit Benzin

Diese ziemlich dämliche Frage stellt “Bild” heute auf Seite eins:

Und auch davon abgesehen verwirrt der Text dazu ein wenig. Dort heißt es nämlich eingangs:

Die Mineralöl-Multis Aral, Shell und Total mischen heimlich Bio-Kraftstoff aus Raps und Weizen in ihren Sprit: Bei Diesel und Normalbenzin sind es bis zu 5 Prozent pro Liter!

Und etwas später wird dann ein Sprecher von Total zitiert:

“Wir haben erhebliche Qualitätsprobleme, da sich in den Transport- und Lagertanks Wasser absetzt.”

Da wundert man sich schon, dass sich Total so offen zur heimlichen Rapsöl-Beimischung bekennt. Außerdem fragt man sich, warum die überhaupt Rapsöl verwenden, wenn sie doch finden, dass es damit Probleme gibt. Und eine Antwort könnte diese Pressemitteilung von Total geben, die die Überschrift trägt, “Richtigstellung zu fehlerhaftem Bericht der BILD Zeitung”. Da steht u.a. dies hier:

An keiner der rund 1200 Tankstellen von TOTAL in Deutschland wird Benzin mit Ethanol-Beimischung verkauft. (…) Insofern ist das Zitat in der BILD Zeitung zwar formal richtig, aber im falschen Zusammenhang: Es ist die Begründung, weshalb TOTAL kein Ethanol beimischt.

Und wer will, mag sich auch noch diese Pressemitteilung des Mineralölwirtschaftsverbands durchlesen, oder diese des Deutschen Bauernverbands. In allen Mitteilungen kann man auch erfahren, dass die Mineralölgesellschaften gar keinen Hehl daraus machen, dass sie dem Diesel, anders als dem Ottokraftstoff, durchaus Bioethanol Biokomponenten beimischen.

Natürlich muss man das nicht glauben, aber immerhin ergibt es Sinn — im Gegensatz zum “Bild”-Artikel.

Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise an Jan M. und Stefan.

Meistzitierter Unsinn

Die “Bild”-Zeitung schreibt Blödsinn, und alle schreiben’s ab. Die rührende Geschichte von den “Unfallforschern”, die angeblich “ermittelt” hätten, was doch nur eine schlichte Umrechnung von Stundenkilometern in Meter pro Sekunde ist, zieht Kreise.

Nachrichtenagentur ddp, 3. Mai, 03:16 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Zigarette sucht.

Nachrichtenagentur AFP, 3. Mai, 04:25 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Kippe sucht.

Nachrichtenagentur vwd, 3. Mai, 06:30 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 km pro Stunde etwa 14 m pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Zigarette sucht.

sueddeutsche.de, unter Bezug auf dpa/AP, 3. Mai, 08:16 Uhr:

Laut Bild ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Kippe sucht.

diepresse.com, 3. Mai:

Nach Angaben der “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallen gelassenen Zigarette sucht.

Nachrichtenagentur AFP, 3. Mai, 16:29 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Kippe sucht.

Nachrichtenagentur ddp, 4. Mai, 08:41 Uhr:

Laut “Bild”-Zeitung ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Zigarette sucht.

usw. usf.

Und mit zunehmender Zeit nimmt die Fehlerhaftigkeit natürlich nicht ab, sondern zu. Bei “Stern Online” ist aus den “Unfallforschern” schon eine ganze “Studie” geworden, die plötzlich zu Ergebnissen kommt, die nur scheinbar mit den bekannten “Ermittlungen” identisch sind:

Nach Auffassung des SPD-Verkehrsexperten Peter Danckert kann eine brennende Zigarette den Fahrer jedoch ebenso wie ein klingelndes Telefon ablenken. Er verwies auf eine Studie, nach der ein 50 Stundenkilometer schnelles Auto mindestens 14 Meter weiterrolle, wenn der Fahrer nach einer Zigarette sucht.

(Tja, daraus könnten Unfallforscher Siebtklässler dann errechnen, dass das Suchen nach einer heruntergefallenen Zigarette mindestens etwas mehr als eine Sekunde dauerte.)

Jetzt wissen wir, was es bedeutet, dass “Bild” die meistzitierte deutsche Tageszeitung ist.

Danke auch an Michael B.

Nicht “Bilds” Tag

Schon möglich, dass der 1. Oktober 2004 nicht Peter Neururers Tag war, und vermutlich ging es vielen Fans des VfL Bochum, dessen Trainer Neururer ist, ähnlich. Schließlich war der VfL am Abend zuvor gegen Lüttich aus dem UEFA-Cup ausgeschieden. Aber das spielte eigentlich gar keine Rolle – wenn “Bild” nicht gestern folgendes geschrieben hätte:

“Dieser 1. Oktober 2004 war nicht mein Tag.” Am Abend zuvor war der VfL gegen Lüttich im UEFA-Cup ausgeschieden. Wir erinnern uns: In allerletzter Sekunde durch das tragische “Luftloch” des Brasilianers Edu…

Das steht in einem Text, darüber, dass Neururer seinen Führerschein für einen Monat abgeben muss, vier Punkte in Flensburg bekommt und 137,50 Euro Bußgeld zahlen muss. Dass der 1. Oktober nicht sein Tag gewesen sei, soll Neururer laut “Bild” als “Entschuldigung” dafür angegeben haben, dass er auf der Autobahn zu dicht aufgefahren war und eine durchgezogene Linie überfahren hatte.

Und möglicherweise hat er das ja sogar zu “Bild” gesagt. Die Drängelfahrt aber, wegen der Neururer seinen Führerschein abgeben muss, fand gar nicht am 1. Oktober 2004 statt, sondern zwei Wochen zuvor, am 17. September (wie beispielsweise die Nachrichtenagentur dpa zutreffend berichtete). Das Datum macht durchaus einen Unterschied. Denn am Vorabend des 17. September hatte Bochum im UEFA-Cup-Hinspiel gegen Standard Lüttich 0:0 gespielt. Neururer war damals, wie sich beispielsweise hier nachlesen lässt, noch “stolz” auf seine Mannschaft und zuversichtlich, dass sie Lüttich im Rückspiel schlagen würde.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an www.vfl4u.de

Allgemein  

Im Nichtspielen stark

Aber wer glaubte, die “Bild”-Zeitung, die gestern zusammen mit Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde, sei nun unfehlbar, sieht sich enttäuscht.

Schulz: 4. Fahrenhorst: 2“Stark” findet sie in dem “Zeugnis”, das sie den Spielern des DFB-Pokal-Halbfinales ausstellt, die gestrige Leistung des Verteidigers von Werder Bremen, Frank Fahrenhorst, und gibt ihm eine “2”. Fahrenhorsts Kollege Christian Schulz erhält von “Bild” für seine “ausreichende” Leistung nur eine “4”.

Beide haben nicht gespielt.

Danke an die zahlreichen Hinweis- und Pointengeber!

We are the Champions XXIX – XL

Die Rubrik “Gewinner” des Tages in der “Bild”-Zeitung ist und bleibt ein beliebtes Instrument mehr oder weniger offensichtlicher Unternehmens-PR. Deshalb (und aus aktuellem Anlass) hier mal wieder eine aktuelle Top-Ten:

21.2.2005
Michael Ballack
Gewinner des “Bild”-Preises Osgar

24.2.2005
Heinrich von Pierer
Gewinner des “Bild”-Preises Osgar und Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, die mit dem Axel Springer-Verlag kooperiert.

5.3.2005
Hubertus Erlen
Vorstandsvorsitzender des Schering-Konzerns, dessen Aufsichtsratsvorsitzender der Aufsichtsratsvorsitzende des Axel Springer-Verlags Giuseppe Vita ist und zu dessen Aufsichtsräten auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer-Verlags, zählt.

15.3.2005
Heinz Horrmann
Geschäftsführender Redakteur der “Welt” und “Welt am Sonntag”, die im Axel Springer-Verlag erscheinen.

17.3.2005
“AutoBILD motorsport”
Zeitschrift aus der “Bild”-Gruppe des Axel Springer-Verlags.

22.3.2005
Claus Strunz
Chefredakteur der “Bild am Sonntag”.

24.3.2005
Franz Beckenbauer
“Bild”-Kolumnist.

30.3.2005
MDR
TV-Sender, der am 14.3.2005 die Verleihung des “Bild”-Preises Osgar ausstrahlte.

6.4.2005
Heinrich Deichmann
Geschäftsführungsvorsitzender der Heinrich Deichmann GmbH, in deren Filialen der “Volks-Schuh” von “Bild” verkauft wird.

9.4.2005
Peter Hahne
Kolumnenautor der “Bild am Sonntag”, der zuletzt am 26.10.2004 wegen seines Buches “Schluss mit lustig” zum “Gewinner” des Tages wurde und heute wegen seines Buches “Schluss mit lustig” zum “Gewinner” des Tages wird.

Und? Haben wir was übersehen? Ja, dies.
 
Nachtrag, 10.4.2005
… und noch was: Heinrich von Pierer ist seit Januar 2005 selbstverständlich nicht mehr Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, sondern Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG. (Und wir bedauern das Versehen mindestens ebenso, wie Bild.de vermutlich bedauert, am 19.2.2005 und 24.3.2005 den “Verlierer” des Tages mit demselben Foto illustriert zu haben, obwohl es doch in beiden Fällen Hervé Gaymard zeigt…)

Mit Dank an Dirk Z., Sapheriel und Damaja für die Hinweise.

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