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Meistzitierter Unsinn

Die “Bild”-Zeitung schreibt Blödsinn, und alle schreiben’s ab. Die rührende Geschichte von den “Unfallforschern”, die angeblich “ermittelt” hätten, was doch nur eine schlichte Umrechnung von Stundenkilometern in Meter pro Sekunde ist, zieht Kreise.

Nachrichtenagentur ddp, 3. Mai, 03:16 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Zigarette sucht.

Nachrichtenagentur AFP, 3. Mai, 04:25 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Kippe sucht.

Nachrichtenagentur vwd, 3. Mai, 06:30 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 km pro Stunde etwa 14 m pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Zigarette sucht.

sueddeutsche.de, unter Bezug auf dpa/AP, 3. Mai, 08:16 Uhr:

Laut Bild ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Kippe sucht.

diepresse.com, 3. Mai:

Nach Angaben der “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallen gelassenen Zigarette sucht.

Nachrichtenagentur AFP, 3. Mai, 16:29 Uhr:

Laut “Bild” ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Kippe sucht.

Nachrichtenagentur ddp, 4. Mai, 08:41 Uhr:

Laut “Bild”-Zeitung ermittelten Unfallforscher, dass ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde etwa 14 Meter pro Sekunde ungebremst weiterfährt, während der Fahrer nach einer fallengelassenen Zigarette sucht.

usw. usf.

Und mit zunehmender Zeit nimmt die Fehlerhaftigkeit natürlich nicht ab, sondern zu. Bei “Stern Online” ist aus den “Unfallforschern” schon eine ganze “Studie” geworden, die plötzlich zu Ergebnissen kommt, die nur scheinbar mit den bekannten “Ermittlungen” identisch sind:

Nach Auffassung des SPD-Verkehrsexperten Peter Danckert kann eine brennende Zigarette den Fahrer jedoch ebenso wie ein klingelndes Telefon ablenken. Er verwies auf eine Studie, nach der ein 50 Stundenkilometer schnelles Auto mindestens 14 Meter weiterrolle, wenn der Fahrer nach einer Zigarette sucht.

(Tja, daraus könnten Unfallforscher Siebtklässler dann errechnen, dass das Suchen nach einer heruntergefallenen Zigarette mindestens etwas mehr als eine Sekunde dauerte.)

Jetzt wissen wir, was es bedeutet, dass “Bild” die meistzitierte deutsche Tageszeitung ist.

Danke auch an Michael B.

Nicht “Bilds” Tag

Schon möglich, dass der 1. Oktober 2004 nicht Peter Neururers Tag war, und vermutlich ging es vielen Fans des VfL Bochum, dessen Trainer Neururer ist, ähnlich. Schließlich war der VfL am Abend zuvor gegen Lüttich aus dem UEFA-Cup ausgeschieden. Aber das spielte eigentlich gar keine Rolle – wenn “Bild” nicht gestern folgendes geschrieben hätte:

“Dieser 1. Oktober 2004 war nicht mein Tag.” Am Abend zuvor war der VfL gegen Lüttich im UEFA-Cup ausgeschieden. Wir erinnern uns: In allerletzter Sekunde durch das tragische “Luftloch” des Brasilianers Edu…

Das steht in einem Text, darüber, dass Neururer seinen Führerschein für einen Monat abgeben muss, vier Punkte in Flensburg bekommt und 137,50 Euro Bußgeld zahlen muss. Dass der 1. Oktober nicht sein Tag gewesen sei, soll Neururer laut “Bild” als “Entschuldigung” dafür angegeben haben, dass er auf der Autobahn zu dicht aufgefahren war und eine durchgezogene Linie überfahren hatte.

Und möglicherweise hat er das ja sogar zu “Bild” gesagt. Die Drängelfahrt aber, wegen der Neururer seinen Führerschein abgeben muss, fand gar nicht am 1. Oktober 2004 statt, sondern zwei Wochen zuvor, am 17. September (wie beispielsweise die Nachrichtenagentur dpa zutreffend berichtete). Das Datum macht durchaus einen Unterschied. Denn am Vorabend des 17. September hatte Bochum im UEFA-Cup-Hinspiel gegen Standard Lüttich 0:0 gespielt. Neururer war damals, wie sich beispielsweise hier nachlesen lässt, noch “stolz” auf seine Mannschaft und zuversichtlich, dass sie Lüttich im Rückspiel schlagen würde.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an www.vfl4u.de

Allgemein  

Im Nichtspielen stark

Aber wer glaubte, die “Bild”-Zeitung, die gestern zusammen mit Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde, sei nun unfehlbar, sieht sich enttäuscht.

Schulz: 4. Fahrenhorst: 2“Stark” findet sie in dem “Zeugnis”, das sie den Spielern des DFB-Pokal-Halbfinales ausstellt, die gestrige Leistung des Verteidigers von Werder Bremen, Frank Fahrenhorst, und gibt ihm eine “2”. Fahrenhorsts Kollege Christian Schulz erhält von “Bild” für seine “ausreichende” Leistung nur eine “4”.

Beide haben nicht gespielt.

Danke an die zahlreichen Hinweis- und Pointengeber!

We are the Champions XXIX – XL

Die Rubrik “Gewinner” des Tages in der “Bild”-Zeitung ist und bleibt ein beliebtes Instrument mehr oder weniger offensichtlicher Unternehmens-PR. Deshalb (und aus aktuellem Anlass) hier mal wieder eine aktuelle Top-Ten:

21.2.2005
Michael Ballack
Gewinner des “Bild”-Preises Osgar

24.2.2005
Heinrich von Pierer
Gewinner des “Bild”-Preises Osgar und Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, die mit dem Axel Springer-Verlag kooperiert.

5.3.2005
Hubertus Erlen
Vorstandsvorsitzender des Schering-Konzerns, dessen Aufsichtsratsvorsitzender der Aufsichtsratsvorsitzende des Axel Springer-Verlags Giuseppe Vita ist und zu dessen Aufsichtsräten auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer-Verlags, zählt.

15.3.2005
Heinz Horrmann
Geschäftsführender Redakteur der “Welt” und “Welt am Sonntag”, die im Axel Springer-Verlag erscheinen.

17.3.2005
“AutoBILD motorsport”
Zeitschrift aus der “Bild”-Gruppe des Axel Springer-Verlags.

22.3.2005
Claus Strunz
Chefredakteur der “Bild am Sonntag”.

24.3.2005
Franz Beckenbauer
“Bild”-Kolumnist.

30.3.2005
MDR
TV-Sender, der am 14.3.2005 die Verleihung des “Bild”-Preises Osgar ausstrahlte.

6.4.2005
Heinrich Deichmann
Geschäftsführungsvorsitzender der Heinrich Deichmann GmbH, in deren Filialen der “Volks-Schuh” von “Bild” verkauft wird.

9.4.2005
Peter Hahne
Kolumnenautor der “Bild am Sonntag”, der zuletzt am 26.10.2004 wegen seines Buches “Schluss mit lustig” zum “Gewinner” des Tages wurde und heute wegen seines Buches “Schluss mit lustig” zum “Gewinner” des Tages wird.

Und? Haben wir was übersehen? Ja, dies.
 
Nachtrag, 10.4.2005
… und noch was: Heinrich von Pierer ist seit Januar 2005 selbstverständlich nicht mehr Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, sondern Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG. (Und wir bedauern das Versehen mindestens ebenso, wie Bild.de vermutlich bedauert, am 19.2.2005 und 24.3.2005 den “Verlierer” des Tages mit demselben Foto illustriert zu haben, obwohl es doch in beiden Fällen Hervé Gaymard zeigt…)

Mit Dank an Dirk Z., Sapheriel und Damaja für die Hinweise.

Ein Bild, zwei “Bild”-Meinungen

Arsenal London, dessen Torwart Jens Lehmann ist, flog bekanntlich gegen Bayern München, dessen Torwart Oliver Kahn ist, aus der Champions-League. Und Kahn und Lehmann sind bekanntlich beide in der Deutschen Nationalmannschaft, wo sie um den Posten des StammTorhüters konkurrieren. Soweit so gut. Morgen nun steht Bayern gegen Chelsea London im Viertelfinale. Und jetzt dies:

Lehmann plötzlich Kahn-Fan

So steht es heute in “Bild”, weil Lehmann über Kahn sagt, “Ich wünsche ihm den Sieg”. “Bild” illustriert die Geschichte u.a. mit diesem Foto:

Und in der Bildunterzeile steht:

Fair: Nach dem Champions-League-Aus von Arsenal gratuliert Londons Jens Lehmann (l.) Oliver Kahn zum Viertelfinal-Einzug

Das gleiche steht auch in der Online-Ausgabe unter einem anderen Foto, nämlich diesem hier:

Sehen wir mal davon ab, dass Bild.de hier also das falsche Foto eingebaut hat, weshalb die Unterzeile nicht mehr stimmt (Kahn, nicht Lehmann, steht links). Viel interessanter ist nämlich, dass das Tätschelfoto schon einmal in “Bild” abgedruckt wurde. Und schon damals konnte man dort quasi nachlesen, dass es nur einen Wimpernschlag nach dem Händedruckfoto entstand (“Ein Händedruck unter Männern”). – Trotzdem wurde es in einen völlig anderen Zusammenhang gestellt:

Ja was denn nun? “Demütigt” Kahn hier tatsächlich Lehmann, wie “Bild” am 24. Februar auf der Titelseite schrieb? Gratuliert Lehmann hier Kahn, wie heute bei Bild.de steht? Stammen die Fotos aus dem Achtelfinal-Hinspiel oder doch eher aus dem Rückspiel? Sucht man sich bei “Bild” etwa völlig Ereignis unabhängig Fotos zusammen, um dann irgendwelchen Quatsch drunter zuschreiben, der zwar mit der Wahrheit nichts zu tun hat, dafür aber zur Geschichte passt? Und was sagt das eigentlich über den Wahrheitsgehalt der Geschichten selbst aus?

Zumindest eine Frage lässt sich definitiv beantworten: Die Fotos wurden im Achtelfinal-Hinspiel aufgenommen und nicht, wie “Bild” behauptet, “nach dem Champions-League-Aus von Arsenal”. Bei der Beantwortung der anderen Fragen kann man sich nicht hundertprozentig sicher sein.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Markus.

Nachtrag, 18.35 Uhr:
Das Tätschelfoto auf Bild.de wurde inzwischen durch das Händedruckfoto ersetzt. Da man aber bei Bild.de offenbar Fehler von “Bild” nicht einfach so verbessern darf, steht die falsche Behauptung, der Händedruck habe “nach dem Champions-League-Aus von Arsenal” stattgefunden, immer noch da.

neu  

Es geht auch ohne “Bild”

Nach BILD-Bericht: Schumi bricht Urlaub ab

Die Überschrift in der heutigen “Bild” klingt beeindruckend, irgendwie einflussreich und, hey, wichtig-wichtig. Schließlich hatte “Bild” doch am vergangenen Samstag öffentlich gefragt:

“Und was macht Schumi? Urlaub in Dubai…”

Weiter hieß es am Samstag:

“Mensch, Schumi – warum machst du jetzt bloß Urlaub? Ist das wirklich das richtige Zeichen, wenn Ferrari in der schlimmsten Krise seit Jahren steckt?”

Und weil das so allerliebst gefragt war, steht’s im Anschluss an die obige Schlagzeile auch heute nochmal in der “Bild”:

“‘Warum macht Schumi jetzt Urlaub?’ hatte BILD am Samstag gefragt.”

Und wie als Antwort schreibt “Bild” im Anschluss:

“Noch am selben Tag stieg Michael Schumacher (36) in Dubai in seinen Privat-Jet und flog nach Fiorano/Italien.”

Doch bevor man sich allzu lange mit der Frage aufhält, ob die Formulierung “Nach BILD-Bericht: Schumi bricht Urlaub ab” nun tatsächlich einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen “BILD-Bericht” und “Schumi” herstellen (also nach im Sinne von wegen) oder bloß irreführenderweise suggerieren will (also nach im Sinne von später als), muss man wohl feststellen, dass es zwischen Schumachers angeblichem Urlaubsabbruch und der “Bild”-Berichterstattung überhaupt keinen Zusammenhang gibt.

Im Gegenteil: Wie es scheint, hat da eine schlecht informierte “Bild”-Redaktion offenbar bloß Quatsch, Unsinn, eine Lüge hingeschrieben. Denn am Erscheinungstag des “BILD-Berichts” (Samstag) war Schumacher, wie seine Sprecherin Sabine Kehm auf Anfrage bestätigt, längst in Fiorano/Italien. Der “große Funktions-Test am neuen F2005”, für den Schumacher, angeblich nach Erscheinen des “BILD-Bericht”, seinen Urlaub abbrach (genauer übrigens: unterbrach), begann am Samstag um 9 Uhr, Schumacher selbst war bereits um 8.30 Uhr vor Ort und schon am Freitagabend, also vor Erscheinen des “BILD-Berichts”, angereist.

Die Dummen

In der vergangenen Woche zeigten ARD und ZDF probeweise Fußballspiele im 16:9-Format, weswegen bei vielen TV-Geräten, die ein Bild im Verhältnis 4:3 zeigen, am oberen und unteren Bildschirmrand schwarze Balken zu sehen waren.

“Bild” motzte daraufhin (wieder) über den “Balken-Fußball”:

“So ein Nerv-Bild droht uns auch bei der WM 2006!”

Fakt ist: Die Fifa hat vor, die WM 2006 im Format 16:9 zu produzieren. Die Sender aber, darauf weist auch “Bild” hin, dürfen selbst entscheiden, ob sie das Format übernehmen.

Nach der Probe-Ausstrahlung waren die Zuschauerreaktionen eher negativ. Die Nachrichtenagentur ddp zitiert etwa die ARD-Zuschauerredaktion damit, dass das Format “beim größten Teil der Bevölkerung (…) nicht besonders gut angekommen” sei.

Auch “Bild” berichtet von “überwiegend negativen Reaktionen”, kann sich allerdings nicht so recht darüber freuen, dass das (anderswo empfohlene) “Quetsch-TV” bzw. die “geplante 16:9-Ausstrahlung der Spiele (…) angesichts der überwiegend negativen Zuschauerreaktionen nicht wahrscheinlicher geworden” ist, wie ddp vermutet. Denn:

“Entscheiden sich die Sender bei der WM für das alte 4:3-Format, ärgern sich die Besitzer der 16:9-Fernseher. Die haben dann rechts und links schwarze Balken. Wie gesagt – der Fan ist immer der Dumme…

Mit anderen Worten: Für welches Format auch immer sich die Sender entscheiden, sie entscheiden sich – zumindest wenn man der merkwürdigen Argumentation von “Bild” folgt – falsch. Und sind damit immer die Dummen.

Dank an Axel W. für den sachdienlichen Hinweis.

Unglaublich, aber nicht wahr

Nicht weniger als sieben “Bild”-Mitarbeiter haben einen Artikel über die drohende Pleite von Borussia Dortmund recherchiert geschrieben. Sie haben, so glauben behaupten sie jedenfalls, einen “Skandal” aufgetan, der “nicht nur Fußball-Fans, sondern jeden Arbeitnehmer, der Sozialbeiträge zahlt” betrifft:

Bei Insolvenz haben die Fußball-Millionäre erst mal Anspruch auf Gehalt aus der Arbeitslosenkasse. (…)

Sollte Dortmund insolvent gehen, müßten die Spieler ihr Geld drei Monate vom Arbeitsamt beziehen. Unglaublich: Bei rund 3 Mio im Monat an Spieler-Gehältern wären das 9 Mio für die Fußball-Millionäre…

Jaha, “unglaublich” und auch nicht wahr. Denn es gibt eine Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt aktuell bei 5200 Euro im Monat, davon sind noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abzuziehen. Grob gerechnet liegt “Bild” mit seiner Angabe von neun Millionen Euro um mindestens 8,7 Millionen Euro daneben.

Auch die restliche Darstellung von “Bild” ist falsch. Denn die Borussia-Spieler hätten keineswegs “bei Insolvenz” “erst mal” Anspruch auf drei Monate “Gehalt”. Dieses Insolvenzgeld wird für nicht gezahlte Gehälter vor der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gezahlt. Das bedeutet: Zahlt Borussia Dortmund noch die Februar-Gehälter und meldet dann Insolvenz an, fließt kein Cent Insolvenzgeld vom Arbeitsamt. Und überhaupt: Das Insolvenzgeld wird zwar von der Bundesagentur für Arbeit (das “Arbeitsamt”, von dem “Bild” schreibt, gibt es längst nicht mehr) ausgezahlt, es wird aber von den Unfallversicherungsträgern und damit allein von den Arbeitgebern finanziert.

Danke an Sascha K. und Thomas D. für die sachdienlichen Hinweise!

Nachtrag, 21.02. Ja, Insolvenzrecht ist kompliziert, und wir müssen uns in einem Detail korrigieren: Mit der Stellung des Insolvenzantrages beginnt zunächst das Insolvenzeröffnungsverfahren, und dann erst das Insolvenzverfahren. Bis dahin würde den Spielern tatsächlich notfalls Insolvenzgeld gezahlt, höchstens drei Monate lang. Allerdings berechnet, wie gesagt, nicht auf der Grundlage der zigtausend Euro Gehalt eines Fußballprofis, sondern von höchstens 5200 Euro brutto im Monat.

Bloß früher

Am 27. Juli 2004 berichtete die FAZ über eine verrückte neue Show-Idee der Firma Endemol.

Das nächste Projekt heißt “Sperm Race” und handelt, wovon der Titel spricht – von einem “Spermien-Rennen”. In diesem konkurrieren mehrere Männer um den Titel des Zeugungsfähigsten, derjenige mit den flinkesten Spermien gewinnt einen Sportwagen.

Was wie ein Witz klingt (…), wird mit einem großen deutschen Sender gerade ausgehandelt, versichert der Deutschland-Chef von Endemol, Borris Brandt. 1,8 Millionen Männer in der Bundesrepublik hätten ein Fortpflanzungsproblem, sagt Brandt (…).

So weit wie in England und den Vereinigten Staaten will Endemol bei uns aber nicht gehen. Dort soll es eine Show namens “Make Me a Mum” geben, bei der (…) “Männer gegeneinander antreten und eine Anzahl von kinderlosen Frauen schwängern”.

Die Geschichte stand u.a. auch bei Spiegel Online, in der “Süddeutschen Zeitung”, in der “Netzeitung”, in der Münchner “Abendzeitung”, in den “Lübecker Nachrichten” und in der “Welt am Sonntag”, zwischenzeitlich wurde schon öffentlich diskutiert, ob Arabella Kiesbauer die Sendung moderieren würde und die Saarländische Landesmedienanstalt hat bereits gegen das Format protestiert.

Nur an Bild.de ist all das offensichtlich völlig vorbeigegangen. Ein halbes Jahr später erscheint die Geschichte (inkl. Sportwagen, “Make Me a Mum”, 1,8-Millionen-Zitat und nach wie vor ohne Senderangabe) dort, angekündigt in dieser Größe:

Lustig.

Wir müssen leider draußen bleiben VII (Nachtrag)

Heute berichtet auch die “Süddeutsche Zeitung” aus Dubai über das dortige FC Bayern München-Training – bzw. über die eigenartige Berichterstattung deutscher Boulevardmedien und darüber, wie “ein geringstfügiger Anlass (…) in der teuflischen Maschinerie zur landesweiten Sensation geraten” war. Mit anderen Worten: Irgendwie liest sich die Geschichte in der “Süddeutschen” (S.27) ganz anders als gestern in “Bild”. Nämlich so:

“Tatsächlich, soviel lässt sich mit Bestimmtheit sagen, geht es ruhig und gelassen zu im Münchner Quartier. Keine besonderen Vorkommnisse. Warum auch?”

Denn über den “Pöbel-Fall Kahn” (“Bild”) – also darüber, dass Bayern-Torwart Oliver Kahn während des Trainings auf üble Weise seine Trainer beschimpft habe – müsse, so die “Süddeutsche”, “eigentlich nicht berichtet werden, denn es stimmt ja nicht.” Dass Kahn seine Trainer “irgendwie beschimpft” habe, wie verschiedene Boulevardzeitungen (die ihrerseits keine Korrespondenten vor Ort haben) unter Berufung auf zwei “Zeugen” berichtet hatten, sei “wohl richtig”, doch:

“Zur Skandalgeschichte taugt das eigentlich nicht.”

Und hier kommt nun die “Bild”-Zeitung ins Spiel: “Kahn drohte dem Vertreter von ‘Bild’, der die Geschichte aufgetan hatte, mit juristischer Gegenwehr”, schreibt die “Süddeutsche” und fasst schließlich die “besonders perfide” Berichterstattung in “Bild” wie folgt zusammen:

“Die Zeitung, die für ihre Berichterstattung zuletzt von Kahn regelmäßig verklagt wurde, verfolgte die Story weiter, indem sie die Schlagzeilen der anderen Boulevardmedien präsentierte – die wiederum ihre Informationen ausschließlich vom örtlichen Bildreporter erhaltenen hatten.”

Mit Dank an Hendrik G. für den Hinweis.

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