Gut möglich, dass sich inzwischen herumgesprochen hat, dass das Wort exklusiv in “Bild” gelegentlichetwasanderesbedeutet als im allgemeinen Sprachgebrauch.
Gut möglich aber auch, dass “Bild” sich davon nicht beirren lässt — und auch heute wieder (mit entsprechender Ankündigung auf der Titelseite) in einer angeblich “exklusiven” Meldung behauptet:
Es ist geheime Kommandosache, soll erst im November vorgestellt werden. BILD enthüllt es jetzt: Das Deutschland-Trikot für die Europameisterschaft 2008!
Dabei findet sich z.B. im offiziellen Forum des FC Schalke 04 offenbar bereits seit Freitag letzter Woche ein Link, der die “Bild”-Behauptung (“jetzt”, “exklusiv”, “enthüllt”) eindeutig widerlegt.
Mit Dank an Sascha M. für den Hinweis.
Nachtrag, 10.40 Uhr(mit Dank an Alex W., Heiko E. und andere): Auch hier und hier wird bereits seit dem 31. Mai in aller Öffentlichkeit über das neue Trikot-Design diskutiert.
Nachtrag, 8.6.2007: Auch einen Tag nach der angeblichen “Exklusiv”-Meldung blieb die “Bild”-Zeitung bei ihrer Darstellung und behauptete unter der Schlagzeile “Riesen-Diskussion um das neue Deutschland-Trikot”:
BILD hat es gestern exklusiv enthüllt — und jetzt diskutiert Fußball-Deutschland (…).
Nachtrag, 10.6.2007: Auch Bild.de beharrt auf der nachweislich falschen Behauptung, dass das neue Trikot erst durch “Bild” öffentlich geworden sei und schreibt:
BILD hat das Design des neuen Nationaltrikot exklusiv enthüllt.
Es ist eine sehr eindrucksvolle Liste von Prominenten und Politikern, die die “Bild”-Zeitung in ihrer heutigen Sonderausgabe versammelt hat, um für mehr Hilfe für Afrika zu werben. Und es ist eine eindrucksvolle Demonstration, was eine Zeitung wie “Bild” auf die Beine stellen kann, wenn sie versucht, ihre Beziehungen, ihre Reichweite und die Mittel des Boulevardjournalismus für einen guten Zweck einzusetzen. Keine Frage.
“Bild” selbst ist auch ganz begeistert und lässt die eigene Aktion von Ersatz-Chefredakteur Bob Geldof als “historische BILD-Ausgabe” feiern, die eine “einmalige Koalition aus Künstlern, Unternehmern, Politikern, Journalisten, Sportlern, Staatsmännern und den Völkern aller Nationen” versammelt habe. Sogar der amerikanische Präsident George W. Bush scheint Teil dieser Koalition zu sein und eigens für die Afrika-Ausgabe einen Gastbeitrag geschrieben zu haben:
Auch eine solche womöglich gut gemeinte Sonderausgabe ist für “Bild” also kein Grund, plötzlich wahrhaftig zu berichten, denn Bushs Text ist alles andere als “exklusiv”. Es handelt sich um eine Rede, die George W. Bush am Mittwochmittag (Ortszeit) im Rosengarten des Weißen Hauses vor Journalisten gehalten hat — in einer gekürzten, übersetzten und mit Flüchtigkeitsfehlern durchsetzten Version.
When I took office, an HIV diagnosis in Africa’s poorest communities was usually a death sentence. Parents watched their babies die needlessly because local clinics lacked effective treatments.
Als ich mein Amt antrat, war eine HIV-Infektion in Afrikas ärmsten Gemeinden ein Todesurteil. Eltern mussten zusehen, wie ihre Babies einen unnötigen Tod starben, weil die örtlichen Kliniken keine wirkungsvollen Behandlungen anbieten konnten.
This modern-day plague robbed Africa and other countries of the hope of progress, and threatened to push many communities toward chaos.
The United States has responded vigorously to this crisis.
Diese moderne Plage raubte Afrika und anderen Ländern ihre Hoffnung auf Fortschritt und drohte viele Gemeinschaften ins Chaos zu stürzen. Wir reagieren mit aller Macht auf diese Katastrophe.
Der Preis für das Bemühen, die längste und imposanteste Liste von Gast-Autoren aller Zeiten zusammenzubringen, ist hoch. Nicht nur, weil “Bild” dazu eine Presseerklärung zu einem Gastbeitrag umetikettieren muss. Sondern weil die Zeitung dadurch auf die Möglichkeit verzichtet, Bushs Aussagen kritisch zu hinterfragen. Neben drei süßen Fotos, die ihn mit dem Sohn einer HIV-infizierten Mutter zeigen, behauptet Bush in “Bild”:
Wegen dieses Erfolges beantrage ich beim amerikanischen Kongreß [sic], dass die Anstrengungen im Kampf gegen die Plage HIV/Aids verdoppelt werden und zusätzliche 30 Milliarden Dollar für die Prävention, Behandlung und Nachsorge von HIV/Aids in den nächsten 5 Jahren zu genehmigen. (…)
Soviel Hilfe gab es noch nie und diese Hilfe ist die größte Zusage die je eine Nation im Kampf gegen eine einzelne Seuche in der Geschichte der Menschheit gemacht hat.
Kritiker relativieren diese Superlative. Sie weisen zum Beispiel darauf hin, dass die Zahl der Patienten, die von den amerikanischen Hilfen profitieren, gegenüber dem bereits bestehenden Programm nur leicht steigen würde — prozentual entspräche das sogar einem Rückgang. Und von einer “Verdoppelung” der Ausgaben zu sprechen, wie Bush es tut, sei ohnehin irreführend.
Darüber kann man natürlich streiten. Aber man kann es nicht, wenn man ohne jede journalistische Einordnung einfach eine Presseerklärung des amerikanischen Präsidenten unter der Überschrift “US-Präsident George W. Bush exklusiv in BILD: Soviel Hilfe gegen Aids gab es noch nie!” abdruckt.
PS:“Spiegel Online” sieht in der Afrika-“Bild” einen Beweis dafür, “wie rasch moralische Beweggründe sich in einen wohlfeilen Moralismus verwandeln können, der in verlogenem Kitsch und objektivem Zynismus endet”.
Kumpanei – Der Doping-Sumpf und die Journalisten (ndr.de, Video) Es war die Pressekonferenz des Jahres. Erik Zabel und Rolf Aldag gestehen unter Tränen ihre Doping-Vergangenheit. Mehr als fünf Millionen Zuschauer sind am Bildschirm live dabei. Und werden deshalb auch Zeugen der Kumpanei zwischen Journalisten und Sportlern. Wie selbstverständlich duzt man sich gegenseitig und spendet den Radprofis auch noch Applaus. Nur wenige Sportjournalisten halten es für angebracht, sich kritisch auch mit der eigenen Zunft auseinander zu setzen.
«Am Rande des silbernen Zeitalters» (weltwoche.ch, Roger Köppel) Der grosse Verleger und Jahrhundertzeuge Lord Weidenfeld über das Wien der zwanziger Jahre, den Aufstieg Hitlers, den Zweiten Weltkrieg und die grossen Frauen, die ihm bei seiner Karriere halfen. Erster Teil des Gesprächs.
Habermas und die Heuschrecken (medienspiegel.ch, Edgar Schuler)
Jürgen Habermas, Altmeister der kritischen Theorie (nebst vielem anderen) will die Welt nicht nur interpretieren, sondern sie auch verändern. Zum Beispiel wenn es um den Verkauf der «Süddeutschen Zeitung» geht.
Innere Werte online bestellen (ksta.de, Martin Weber) Nicht vor Ort und trotzdem live dabei: Martin Weber guckt ?Hart aber fair?. Natürlich nur echt mit Frank Plasberg, dem Dranbleiber, dem Hartnäckigen, dem Sprechblasenkiller.
Bei Bild.de ist man fast ein Jahr nach der Fußball-WM (Deutschland wurde Dritter) offenbar immer noch “schwarz–rot–geil“:
Mit dem Weltmeister der Herzen vielleicht. Fußballweltmeister ist Philipp Lahm, der im Februar 2004 zum ersten mal für die Nationelf spielte, jedenfalls nicht.
Mit Dank an Johannes B. für den sachdienlichen Hinweis.
Nachtrag, 14.53 Uhr: Bei Bild.de hat man sich offenbar entschieden, den Fehler auf recht drastische Weise zu korrigieren: Der Artikel ist verschwunden.
Schwer zu sagen, was man von Jef D’Honts widersprüchlichen Doping-Aussagen halten soll. Erst erklärt der ehemalige Betreuer des Team Telekom gegenüber der “Bild am Sonntag”, er persönlich habe Jan Ullrich einmal mit EPO gedopt: “Ich habe es ihm in den Arm gespritzt (…).” Nur einen Tag danach sagt er im niederländischen Rundfunk NOS, er selbst habe Ullrich nie eine Spritze gesetzt.
Am Montag gegen 15.45 Uhr berichtet die Nachrichtenagentur dpa erstmals über das Dementi (“D’Hont relativiert Doping-Vorwurf gegen Jan Ullrich”). Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” spricht deshalb heute von “widersprüchlichen Äußerungen”, der “Tagesspiegel” schreibt: “Jetzt erinnert sich Jef d’Hont auf einmal wieder anders”, die “Berliner Morgenpost” formuliert: “der Belgier ruderte wieder ein Stück zurück”.
Ja, schwer zu sagen, was man davon halten soll. Die “Bild”-Zeitung bewahrt ihre Leser glücklicherweise vor diesem Dilemma. Sie verrät ihnen einfach nicht, dass d’Hont die Äußerungen, mit denen er in der “Bild am Sonntag” zitiert wird, inzwischen teilweise zurückgenommen hat, und bleibt auch am Dienstag demonstrativ auf dem Stand von Sonntag:
In BILD am SONNTAG verriet der Belgier D’Hont auf die Frage nach EPO-Doping bei Ullrich: “In Frankreich habe ich ihm das Mittel einmal gespritzt. Ich habe es ihm in den Arm gespritzt. Das dauert ungefähr zehn Sekunden. (…)”
Die Überschrift des Artikels lautet übrigens: “Jan, DEINE Beichte brauchen wir nicht mehr”. Anscheinend haben die “Bild”-Ermittler den Fall abgeschlossen. Eventuelle Widersprüche konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden.
Danke an Alexander S. für den sachdienlichen Hinweis!
?Spam ist eine Riesenschweinerei? (handelsblatt.com)
Das Web 2.0 ist eine Jugendkultur und raubt unendlich viel Zeit. Diese Ansicht vertritt der Medienwissenschaftler Norbert Bolz von der TU Berlin.
Chaos im Boot (sueddeutsche.de, Hans Leydendecker)
ARD und ZDF entdecken infolge der Doping-Geständnisse, was ihnen fehlt: Ein sauberer Sportjournalismus.
Wer warnt die Öffentlichkeit? (faz.net, Stefan Niggemeier)
Anrufsender wie 9Live versuchen ihre Zuschauer mit dubiosen Praktiken hinters Licht zu führen. Die Medienaufsicht versagt. Nun haben Zuschauer die Aufgabe der Medienwächter übernommen – und dokumentieren eifrig Regelverstöße.
Information statt Freiheit (telepolis.de, Harald Neuber) Die Berichterstattung über Entzug der Lizenz für den privaten Sender RCTV in Venezuela zeugt von der Einseitigkeit der Medien.
Presse unter Druck (nzz.ch, Daniel Hug)
Im Herbst startet eine neue Gratis-Tageszeitung mit einer Grossauflage von 300 000 bis 400 000 Stück in den Städten Zürich, Bern und Basel – und wird die etablierten Zeitungen weiter in Bedrängnis bringen.
Roger Federer Magazin (weltwoche.typepad.com, Walter de Gregorio)
Das neue Magazin des Sonntagsblicks bringt heute eine Titelstory über Mr. Perfect, die nicht zu verwechseln ist mit der perfekten Titelstory meines Kollegen Bruno Ziauddin in der Wewo, die unerreicht bleibt (ich bin Bruno eben noch einen Gefallen schuldig, aber es stimmt tatsächlich).
Kai Diekmann lebt!
(taz.de, Hannah Pilarczyk)
Gerade im Umgang mit dem Brandanschlag auf das Auto des “Bild”-Chefs fällt Welt.de durch Falschmeldungen und gelöschte Kommentare auf.
Arlesheim Reloaded Fake-Blog (arlesheimreloaded.ch, Manfred Messmer)
Obwohl ich schon seit einiger Zeit blogge, lerne ich täglich Neues hinzu. Zum Beispiel, dass da irgend ein durchgeknallter Typ ein Weblog in meinem Namen, mit meinem Blognamen und mit einer zum Verwechseln ähnlichen URL eröffnet. Ein aufmerksamer Leser hat mich gestern Abend darauf aufmerksam gemacht.
Mobiltelefon sucht Gratisantenne (facts.ch, Daniel Meier) Hotspots bald an jeder Hausecke und neue Handys, die WLAN-fähig sind: Jetzt könnte man auch unterwegs gratis über Skype telefonieren. Doch Swisscom und Co. warten ab.
Wer den “Sport”-Bereich von Bild.de anklickt, dem kann es derzeit passieren, dass folgendes Viereck auf dem Bildschirm erscheint:
Und tatsächlich lauten die ersten Fragen:
Nutzen Sie zumindest gelegentlich den Sportbereich von Bild.T-Online?
Wie häufig nutzen Sie den Sportbereich von Bild.T-Online?
Welche Inhalte im Sportbereich von Bild.T-Online finden Sie interessant?
Dann aber nimmt der Umfrageverlauf eine überraschende Wendung:
Die weiteren Fragen der “Bild.T-Online Sportumfrage” lauten:
Welche der folgenden Paketdienste, also Anbieter, über die man Pakete und Päckchen verschicken kann, kennen Sie, wenn auch nur dem Namen nach?
Von welchen der folgenden Paketdienste haben Sie in letzter Zeit Werbung im Internet gesehen?
Haben Sie die folgende Werbung von DHL schon einmal im Internet gesehen?
Wie gut gefällt Ihnen diese Werbung von DHL?
Wo ist Ihnen Werbung für DHL sonst noch aufgefallen?
Wie interessant finden Sie das Gewinnspiel von DHL?
Und so weiter, und so fort.
Man könnte meinen, es handele sich bei dieser “Bild.T-Online Sportumfrage” eigentlich um eine DHL-Anzeige. Obwohl: Dann wäre sie ja bestimmt (insbesondere im Startfenster) auch als solche gekennzeichnet!
Mit Dank an O. für den Hinweis.
Nachtrag, 3.5.2007: Zahlreiche BILDblog-Leser berichten uns, ähnliche Umfragen auch in anderen Nachrichtenportalen wie “Spiegel Online” oder sueddeutsche.de entdeckt zu haben. Das macht die Sache nicht besser…
“Einfach so eine Lüge in den Mund gelegt” (bildblog.de) “Ich, …, schreibe Ihnen wegen des heutigen Berichts der Bild-Zeitung auf Seite 3, zu dem ich, man kann wirklich sagen, benutzt und lächerlich gemacht wurde. Ich finde es eine bodenlose Frechheit, dass Sie auf der Straße irgendwelche Passanten anreden, penetrant nerven, ein dämliches Foto schießen und dieses dann auch noch riesengroß und vor allem mit ausgedachten Zitaten veröffentlichen.”
Ich bin markiert vom Tod (zeit.de, Thomas David)
Tomi Ungerer hatte drei Infarkte, er ist 75 Jahre alt und immer noch unverdrossen. Nun ist sein jüngstes Buch erschienen. Es ist das 141.
Die sollen böse sein? (taz.de, Andreas Rüttenauer) Die Radsportler Jan Ullrich und Bjarne Riis sind längst zu einem Dauerskandal geworden: Immer neue Details ihrer Dopingvergehen werden vermeintlich enthüllt. Geht es wirklich um Aufklärung?
Ärger wegen Hugh und Bockwurst (spiegel.de, Konrad Lischka) Anwälte entdecken Blogs als Geldquelle. Ein US-Klatschportal wird mit einer Sieben-Millionen-Dollar-Klage wegen Fotodiebstahls überzogen. In Deutschland zittern viele vor Abmahnungen einer Rezepte-Website – bei denen es um ein Bockwurstfoto geht. Streitwert: 6000 Euro.
“Hier haben sich unglaubliche Szenen abgespielt” (tagesspiegel.de, Yoko Rückerl und Jens Mühling)
Sacrower See bei Berlin oder Gorkipark in Moskau? Ulrich Deppendorf und Thomas Roth über ihre neuen Arbeitsplätze.
Die Gestörten (brandeins.de, Wolf Lotter) Deutschland begibt sich auf die Suche nach der Creative Economy, dem Schlüssel zur Wissensgesellschaft. Und stößt dabei auf eine Klasse, die irgendwie nicht ins Konzept passt.