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Symbolfoto XLVIII

Unmittelbar neben einem kleineren Artikel über einen nicht unspektakulären “Plakatanschlag auf den Reichstag” berichtet “Bild” heute groß über einen “Riesen-Eklat im Bundestag”:

Und was “Bild” schreibt, stimmt soweit: Eine Debatte zum Thema Kinderbetreuung musste gestern peinlicherweise vorzeitig beendet werden, weil sich nicht genügend Bundestagsabgeordnete an einer Abstimmung, dem sog. Hammelsprung, beteiligt hatten, bei der die anwesenden Abgeordneten den Sitzungssaal verlassen und anschließend durch verschiedene Türen (Ja/Nein/Enthaltung) wieder betreten müssen.

Allerdings kann man durchaus bedauern, dass “Bild” in ihrem Bericht unterschlägt mit keinem Wort erwähnt, dass die fragliche Debatte zeitgleich mit der eingangs erwähnten Protestaktion stattfand, bei der die Demonstranten nicht nur die Debatte selbst störten, sondern immerhin auch den Reichstagsschriftzug “Dem deutschen Volke” mit einem Transparent “Der deutschen Wirtschaft” verhüllt hatten. In einem “Spiegel TV”-Bericht heißt es deshalb sogar: “Später wollen viele Abgeordnete nicht wieder ins Plenum kommen. Anscheinend ist die Plakataktion vor dem Gebäude für sie interessanter.” Womit sich die “Bild”-Frage “War das schöne Wetter vielleicht wichtiger…?” zumindest nicht mehr so leicht beantworten ließe, wie “Bild” sich das gedacht hat.

Ärgerlicher aber ist das große Foto, mit dem “Bild” den “Riesen-Eklat” illustriert (“Leere Ränge im Bundestag gestern Mittag: Die Debatte über den Ausbau der Kinderbetreuung wurde abgebrochen”, siehe oben). Das nämlich zeigt — wenn man der “Tagesschau” glauben mag, die “Bild” selbst als Quelle für das Foto angibt — gar nicht die abgebrochene Debatte über den Ausbau der Kinderbetreuung. Stattdessen handelt es sich bei dem “Bild”-Foto laut “Tagesschau” um eine Szene aus einer vorangegangenen, ganz anderen Debatte, in der nach rund 10 Jahren mit großer Mehrheit (!) endlich eine Reform im Strafvollzug verabschiedet wurde (s. Screenshot).

Nicht, dass es bei dem abgebrochenen Tagesordnungspunkt, über den “Bild” berichtet, wesentlich voller gewesen wäre. Aber wenn die “Bild”-Zeitung sowieso keinen echten “Foto-Beweis” (“Bild”-Slang) für die “leeren Ränge” zeigen wollte, dann hätte sie den “Riesen-Eklat im Bundestag” ebensogut auch so bebildern können:

Mit Dank auch an M. und Florian S.

Die irre Titelzeile ohne Stuttgart

Bei Bild.de kann man seit gestern Abend spaßeshalber einen Tipp abgeben, ob der FC Schalke 04, Werder Bremen oder der VfB Stuttgart am 19. Mai Deutscher Fußballmeister wird, denn:

Noch vier Spieltage bis zum Saisonende. Spätestens dann wissen wir, ob die Schale nächstes Jahr in Schalke, Bremen oder Stuttgart steht…

Und angepriesen wird der “Meister-Klick-Tipp” seit gestern Abend von Bild.de unter dieser Überschrift:

"Das irre Titelfinale ohne Bayern - Schalke, Werder oder Bremen: Machen Sie den Meister-Klick-Tipp!"

Mit Dank an J.W., Andreas S., Markus S., Michael K. und andere.

Nachtrag, 10.20 Uhr: Bild.de hat’s korrigiert.

Gute Nachrichten für den 1. FC Köln

An manchen Stellen ist “Bild” entgegen anderslautenden Gerüchten dann doch genau. Irgendwelche groben Tipps, welche drei Bundesliga-Mannschaften vermutlich absteigen werden und welche vermutlich nicht, kann ja jeder abgeben. Bei “Bild” wird die jeweilige Wahrscheinlichkeit genau analysiert und in exakte Prozentangaben umgerechnet, bevor “‘Bild’ sagt, wen es erwischt”.

Dann gehen wir die Ergebnisse mal durch:

Verein Abstiegswahrscheinlichkeit laut Bild”
Gladbach 100 %
Bielefeld 88 %
Mainz 85 %

Na, das ging ja schnell. Da ist die Sache klar. Die anderen neun der, laut “Bild”, “noch 12 (!!!) Klubs”, die vor dem Abstieg zittern, können aufatmen. Bei ihnen muss es — schon rein rechnerisch — wahrscheinlich sein, dass sie nicht absteigen. Es sind ja nur noch 27 Prozent zu verteilen (bei drei Absteigern müssen sich die Wahrscheinlichkeiten insgesamt zu 300 Prozent addieren).

Verein Abstiegswahrscheinlichkeit laut “Bild”
Frankfurt 83 %
Aachen 80 %

Hö? Wieviele steigen denn da ab?

Verein Abstiegswahrscheinlichkeit laut “Bild”
Dortmund 60 %
Wolfsburg 60 %
Bochum 55 %

Moment mal —

Verein Abstiegswahrscheinlichkeit laut “Bild”
HSV 45 %
Hertha 25 %
Cottbus 25 %
Hannover 20 %

Na, holla. Damit hat “Bild” insgesamt Wahrscheinlichkeiten in Höhe von 726 Prozent verteilt. Mit anderen Worten: Die “Bild”-Analyse hat ergeben, dass am Ende der Saison nicht weniger als sieben Bundesliga-Vereine in die zweite Liga absteigen müssen, und ein trauriger achter nur zu knappen Dreivierteln erstklassig bleibt.

Kein Wunder, dass die alle zittern. Und der 1. FC Köln schafft den Aufstieg vielleicht doch noch.

Vielen Dank an die vielen Hinweisgeber!

6 vor 9

Der Planet der Entscheider
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
Heute hat die Bundesregierung eine massive Beschneidung der bürgerlichen Freiheiten beschlossen. Die Volksvertreter tun dies auch, weil es ihnen geht wie vielen Managern: Sie leben nicht mehr auf dieser Welt.

Subtil und penetrant – Werbung im Kinderprogramm
(ndr.de, Video, 6:10 Minuten)
Kinder besitzen eine Goldgrube: Fast 23 Milliarden Euro Taschengeld stecken jährlich in den Sparbüchsen der kleinsten Konsumenten und wecken Begehrlichkeiten der Wirtschaft. Die Goldgräber haben beim Heben des Kinderschatzes leichtes Spiel: Mädchen und Jungen sind leicht zu beeinflussen und sehen sehr früh, was es alles zu kaufen gibt. Die Werbung nutzt das mit zunehmend aggressiven Methoden.

Keine Freunde ohne Internet
(welt.de, Anemi Wick)
Online-Netzwerke wie MySpace und StudiVZ verändern das reale, soziale Leben. Wer dort nicht präsent ist, existiert für andere gar nicht. WELT ONLINE traf Menschen, deren Freundeskreis praktisch nur noch aus Mitgliedern von Online-Kontaktbörsen besteht.

“Hertha war nie dabei”
(sueddeutsche.de, Christof Kneer)
Ein Interview mit Felix Magath, dem die ARD fälschlich unterstellte, er werde Trainer bei Hertha BSC.

?Für die Mehrzahl wird Bloggen ein Hobby bleiben”
(politik-digital.de)
Der Blogforscher und ?Hard bloggin´scientist? Dr. Jan Schmidt (Bamblog) war am 17. April 2007 zu Gast in der Blogsprechstunde. Er erzählte, weshalb das ?Journal-Bloggen” eine weibliche Domäne ist, über die Zukunft von Weblogs und die Machtverteilung im Blog-Diskurs.

Jahrmarkt der Eitelkeiten 2.0
(vanityfair.de, Peter Turi)
Das Web 2.0 ist eine gigantische Bühne zur Selbstdarstellung – für den, der es versteht, sie zu bespielen.

Neu: Nichts Neues von Beckenbauer über “Klinsi”

Auf Bild.de steht heute, dass Ex-Fußballbundestrainer Jürgen Klinsmann “nach Informationen der BILD-Zeitung” offenbar doch Trainer des britischen Fußballclubs Chelsea London werden könnte. Weiter heißt es dort, Franz Beckenbauer habe sich in der britischen “Sun” von heute zu dem Thema geäußert:

Kaiser Franz in der “Sun”: “Er müsste aus Kalifornien nach England umziehen. Ein Klub in einer Liga mit 20 Mannschaften, die auch Weihnachten und Neujahr spielt, dazu die nationalen Cup-Wettbewerbe und die Champions League — das ist nicht aus der Ferne zu handhaben. London frisst dich auf mit Haut und Haaren. Da kann man nicht wie als deutscher Teamchef zwischendurch in Amerika ausspannen.” Beckenbauer weiter: “Zwei Jahre in Chelsea können dich genauso fertig machen wie vier Jahre bei einem anderen Klub.”

Das kommt uns irgendwie bekannt vor:

Chelsea bedeutet: Komplett-Umzug von Kalifornien nach London. Eine Liga mit 20 Klubs, Spiele am zweiten Weihnachtstag und Neujahr, mehrere nationale Pokalwettbewerbe und die Champions League. Als Zugabe noch die wenig zimperliche englische Presse. London frisst dich auf mit Haut und Haaren, da hat man keine Zeit — wie als Bundestrainer — in Amerika zu entspannen. (…) Bei den Erwartungen in Chelsea sind zwei Jahre als Trainer so aufreibend wie vier bei einem anderen Klub.

"Exklusiv: Kaiser Franz schreibt in BILD"So stand’s gestern in “Bild”. “Exklusiv” aufgeschrieben von “Kaiser Franz” (siehe Ausriss). Und es sind bei Weitem nicht die einzigen Beckenbauer-Zitate aus der heutigen “Sun”, die quasi identisch sind mit dem, was Beckenbauer gestern in der “Bild”-Zeitung geschrieben hatte. Das hätte man leicht rausfinden können, denn der exklusive “Bild”-Text von Beckenbauer ist auf Bild.de sogar direkt verlinkt.

Aber offenbar zitiert man bei “Bild” lieber die “Sun” als sich selbst. Man weiß ja nie.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Andreas U.

Zum Verwechseln ähnlich

Bekanntermaßen verlor ja der als “Russen-Riese” bekannte, größte und schwerste Box-Champion aller Zeiten, Nikolai Valuev, in der Nacht zum Sonntag seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht – an Ruslan Chagaev.

Und Chagaev sah, so findet die heutige “Bild”, beim Jubel über seinen Sieg so aus “wie Dariusz Michalczewski, der erfolgreichste Halbschwergewichts-Weltmeister aller Zeiten”.

Bild.de findet das offenbar auch, wie ein Teaser im “Seite 1”-Ressort von Bild.de eindrücklich beweist, indem er neben der Chagaev-Überschrift nicht Chagaev, sondern den Michalczewski zeigt:

Mit Dank an Ingo K.

Nachtrag, 17.17 Uhr: Bild.de hat das Michalczewski-Foto im Chagaev-Teaser gegen ein Chagaev-Foto ausgetauscht.

Kurz korrigiert (327 — 413)

"BILD hat nachgemessen: (...) Nikolai Valuev (30) bringt es auf 2,17 m." (O-Ton "Bild" vom 24.7.2004)

Nun, da der als “Russen-Riese” bekannte, größte und schwerste Box-Champion aller Zeiten, Nikolai Valuev, in der Nacht zum heutigen Sonntag seinen Weltmeistertitel im Schwergewicht verlor, ist es vielleicht eine gute Gelegenheit, kurz darauf hinzuweisen, dass er — anders als “Bild” am 17.4.2004, am 27.6.2004, am 24.7.2004, am 26.7.2004, am 8.10.2004, am 9.10.2004, am 11.10.2004, am 12.10.2004, am 5.11.2004, am 20.11.2004, am 22.11.2004, am 4.12.2004, am 6.12.2004, am 23.12.2004, am 6.1.2005, am 20.1.2005, am 22.1.2005, am 7.2.2005, am 8.2.2005, am 9.2.2005, am 11.2.2005, am 12.2.2005, am 14.2.2005, am 7.3.2005, am 20.4.2005, am 30.4.2005, am 14.5.2005, am 17.5.2005, am 27.5.2005, am 24.8.2005, am 22.9.2005, am 29.9.2005, am 1.10.2005, am 17.11.2005, am 26.11.2005, am 9.12.2005, am 13.12.2005, am 14.12.2005, am 16.12.2006, am 17.12.2005, am 19.12.2005, am 4.1.2006, am 4.1.2006, am 16.1.2006, am 21.1.2006, am 17.3.2006, am 31.5.2006, am 2.6.2006, am 3.6.2006, am 6.6.2006, am 17.6.2006, am 26.6.2006, am 23.8.2006, am 25.8.2006, am 29.8.2006, am 4.10.2006, am 6.10.2006, am 7.10.2006, am 9.10.2006, am 10.10.2006, am 11.10.2006, am 13.11.2006, am 14.11.2006, am 20.11.2006, am 23.10.2006, am 19.1.2007, am 20.1.2007, am 3.3.2007, am 12.4.2007 und am 14.4.2007 sowie die “Bild am Sonntag” am 14.11.2004, am 21.11.2004, am 19.12.2004, am 13.2.2005, am 15.5.2005, am 29.5.2005, am 12.6.2005, am 25.9.2005, am 2.10.2005, am 11.12.2005, am 18.12.2005, am 4.6.2006, am 28.8.2006, am 19.11.2006, am 3.12.2006, am 21.1.2007 und am heutigen Sonntag behaupten* — nicht 2,17 Meter groß ist, sondern “nur” 2,13 Meter.

Mit Dank auch an Ole J. und Axel B.

*) Abgesehen von den fast 90 falschen Angaben seit 2004 stand Valuevs echte Körpergröße am 24.1. und 12.3.2007 auch schon mal in “Bild” sowie am 25.3. und 1.4.2007 in der “BamS”.

Nachtrag, 16.4.2007: Heute berichtet auch “Bild” über den Boxkampf vom Samstag — und schreibt zwar nicht ausdrücklich, Valuev sei “2,17 Meter” groß, dafür aber, dass er “31 Zentimeter größer” als sein 1,86 Meter großer Gegner sei…

“Kein Respekt vor der Privatsphäre der Kanzlerin”

Im Jahr 2006 verbrachte Angela Merkel ihren Osterurlaub auf Ischia.

Und als britische Boulevardzeitungen dies zum Anlass nahmen, Paparazzifotos der deutschen Bundeskanzlerin abzudrucken und despektierlich zu kommentieren, berichtete bekanntlich auch “Bild”:

Kein Respekt vor der Privatsphäre der Kanzlerin (…)

"IZwei britische Zeitungen (“Sun”, “Daily Sports”) verhöhnen unsere Kanzlerin, drucken intime Pool-Fotos von Angela Merkel und ihrem Mann, Prof. Joachim Sauer. Heimlich aufgenommen beim Osterurlaub auf Ischia!

Es sind Aufnahmen aus dem Privatbereich, die kein Mensch von sich in der Zeitung sehen möchte.
(Hervorhebungen von uns.)

In diesem Jahr verbringt Merkel wieder ihren Osterurlaub auf Ischia.

Und während Bild.de und andere (wie schon im letzten Jahr) das Ehepaar Merkel/Sauer beim bloßen Herumbummeln zeigen, druckt “Bild” heute auf Seite 2 ein großes Foto von Merkel und Sauer im Hotel-Pool. Man könnte die Aufnahme aus dem Privatbereich ein intimes Pool-Foto nennen, heimlich aufgenommen beim Osterurlaub auf Ischia — und gekauft von einer Agentur, die noch viele weitere “exklusive” Paparazzifotos von Merkel (“am Hotelpool”, “am Strand”, “gönnt sich ein Schläfchen unter Palmen”) im Angebot hat.

Im vergangenen Jahr zitierte “Bild” den Vize-Regierungssprecher Thomas Steg mit den Worten: “Auch die Bundeskanzlerin und ihr Mann haben ein Recht auf Privatsphäre!”

Und zu den aktuellen Merkel-Fotos sagte uns ein Regierungssprecher nun auf Anfrage: Es habe auf Ischia “keinen offiziellen Fototermin” mit Merkel gegeben, die Fotos seien “ohne ihr Einverständnis” gemacht und veröffentlich worden — und Merkels Urlaubsreisen “eigentlich eine private Angelegenheit”. Dennoch wird die Bundesregierung es wohl auch jetzt so handhaben wie im vergangenen Jahr, als sie “die Sache auf sich beruhen lassen” wollte (“Juristische Schritte sind nicht beabsichtigt”).

Bei “Bild” aber ist die Entscheidung, ob man sich über eine Verletzung der Privatsphäre eines Menschen empört (2006) oder die Privatsphäre selbst verletzt (2007), offensichtlich keine Frage des Respekts oder des Rechts — sondern davon abhängig, was der Redaktion gefällt.

Nachtrag, 11.4.2007: Auch der “Berliner Kurier” druckte gestern (unter der Überschrift: “Planschela Merkel: So verliebt, so glücklich — Die Sonnentage der Klima-Kanzlerin”) ein Paparazzifoto derselben Agentur von Merkel und Sauer im Pool.

Nachtrag, 13.4.2007: Und der “Stern” druckt dasselbe Foto wie “Bild” in seiner aktuellen Ausgabe (16/2007) sogar als “Bild der Woche” auf einer Doppelseite und schreibt scheinheilig dazu: “Sie hat es wieder getan. Trotz schlechter Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr. Trotz dreister Paparazzi-Überfälle und bösartiger Bild-Attacken vor allem in ausländischen Boulevardzeitungen. Kanzlerin ANGELA MERKEL ist über Ostern wieder nach Ischia gereist. (…)” An der grundsätzlichen Unzulässigkeit des Abdrucks ändert jedoch auch das nichts.

Und welchen Wasserfilter benutzen Sie?

Schon möglich, dass die Nennung von Markennamen in der Literatur spätestens seit Bret Easton Ellis’ “American Psycho”, Christian Krachts “Faserland” und Florian Illies’ “Generation Golf” als Stilmittel gilt. Im Journalismus kennt man gemeinhin ein anderes Wort dafür — außer bei “Bild”. Dort nennt man’s schlicht:

"Zu Hause bei..."

Seit Norbert Körzdörfer für “Bild” den Klatschkolumnisten mimt, widmet sich die ehemalige “Ich weiß es!”-Kolumnistin Christiane Hoffmann ja bekanntlich “einmal wöchentlich in BILD großen Portraits, Interviews und Home-Storys”. Am gestrigen Samstag erschien bereits die 10. Folge — und wir fassen zusammen:

Wieviele Markennamen passen in eine einzige “Bild”-Homestory?

— Küche von “Innova”

— Kühlschrank von “Samsung”

— Espressomaschine von “Jura”

— Küchengeräte von “Siemens”

— Wasserfilter von “Nikken”

— Geschirr von “Villeroy & Boch”

— Sofa von “Who’s perfect”

— Tischchen von “Who’s perfect”

— Esstisch von “Who’s perfect”

— Stühle von “Rahaus”

— Plasmafernseher von “Pioneer”

— Regale von “Ikea”

— Pumps von “Buffalo”

— Kleider von “Veronica Pohle”

— Heizung von “Villeroy & Boch”

— Lockenstab von “Panasonic”

— Wimperntrenner von “Panasonic”

— Wimpernbürste von “Panasonic”

— Parfüm “Glow” von J.Lo

— Körperpflege von “Aveda”

— Gloss von “Lancome”

— Mascara von “Jade”

Gefunden in “Bild” vom 7.4.2007

Udo Jürgens trägt Smokings von “Baldessarini”, duftet nach “Eau Sauvage” und benutzt Kosmetik von “La Mer”. Vicky Leandros benutzt Kosmetik von “La Mer”, hat ein Klavier von “Yamaha”, Dreh-Hocker von “Ikea”, einen Fernseher von “LG” sowie eine Kaffeemaschine von “Tefal” und trägt Jeans von “True Religion”. Barbara Becker hingegen trägt Jeans von “Acne”, benutzt Kosmetik von “La Mer” sowie Duschbad von “Dr. Hauschka”, duftet nach “Shalimar”, trinkt “E3 live” und besitzt eine Hifi-Anlage von “Bang&Olufsen”, eine Küche von “Gaggenau”, Tisch und Stühle von “Knoll”, Möbel von “Dedon” sowie eine Uhr von “Milus” (für die Becker selbst Werbung macht). Tommy Haas hat einen Kühlschrank von “Sub Zero”, einen Fernseher von “Sony” sowie Taschen von “Dunlop” und “Limited Sports” (für die Haas selbst Werbung macht). Ralf Möller (der u.a. für die Kosmetikfirma “LR” Werbung macht) duftet nach “Ralf Moeller” von “LR”, hat einen Fernseher von “Sony”, einen Computer von “Apple”, einen Gasherd von “General Electric” und eine Trainingstasche von “Louis Vuitton”. Aber vielleicht spulen wir — Ikea St.Barth Helena Rubinstein Transvital Gucci Boss Medion Studio 39 Balay Apple Wasser-Maxx Ewe Miele Ikea Minotti NEC AquaTech Bang&Olufsen JAB Anstoetz — schnell mal weitere vier Folgen vor, denn (hechel) gestern hat sich Christiane Hoffmann fraglos selbst übertroffen: Mit rund 20 (!) Markennamensnennungen* in einer einzigen Homestory unangefochten auf Platz 1 der “Zu Hause bei”-Charts liegt… Susaaaaaaaan Sideropoulos!

*) Nicht markennamentlich genannt wurden in “Bild” übrigens die Hersteller von Sideropoulos’ “japanisch anmutenenden Bambusrollos”, ihres “L-förmigen Sofas”, eines “weißen Regalbretts”, der “Whirlpoolwanne unter Schrägfenstern”, der “Heizdecke” und des “Glas-stählernen Aufzugs im Hinterhof”. Ach ja: Und wenn dieser “neun-armige Kerzenleuchter” in Sideropoulos’ Wohnung von Villeroy & Boch oder Pioneer wäre, wüsste Christiane Hoffmann vermutlich auch, dass er nicht “Menora” heißt.

Mit Dank für die vielen Hinweise zur Menora.

Ex-Terroristen und ihr Persönlichkeitsrecht

Wie berichtet dokumentiert die “Bild”-Zeitung heute fast ganzseitig ihr eigenes Scheitern: Trotz eines erheblichen Aufwandes ist es keinem der zahlreichen “Bild”-Mitarbeiter, die bei der Entlassung der Ex-RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt auf der Lauer lagen, gelungen, Fotos von ihr zu machen. Stattdessen zeigt “Bild”: einen blauen VW-Bus bei Nacht, eine zeitlose Außenansicht der JVA Aichach, den Gefängnisdirektor — und natürlich, wie Mohnhaupt vor einem Vierteljahrhundert auf einem Fahndungsfoto aussah. Die Enttäuschung darüber ist “Bild” förmlich anzumerken:

Dass die nächtliche Belagerung der JVA Aichach der letzte Versuch von “Bild” gewesen sein könnte, Mohnhaupt zu fotografieren, ist unwahrscheinlich. Und dass die “Bild”-Verantwortlichen nicht zögern, ihren Lesern aktuelle Mohnhaupt-Fotos zu zeigen, ist ja bekannt. Bleibt die Frage: Dürften sie das?

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