Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Wer wusste Bescheid?, Gefährliche Podcasts, Absage per Fernbedienung

1. Medien wussten vorab Bescheid
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Benedikt Schulz, Audio: 6:10 Minuten)
Gestern fand eine großangelegte Razzia gegen eine bewaffnete Gruppe aus “Reichsbürgern” und “Querdenkern” statt, die einen Staatsstreich geplant haben soll. Verschiedene Medien waren anscheinend in die behördlichen Maßnahmen eingeweiht. So schreibt die Linken-Abgeordnete Martina Renner, die Razzia sei seit mindestens einer Woche ein offenes Geheimnis gewesen. Dies werfe auch polizeitaktische Fragen auf, so Renner: “Wenn ein Ministerium oder eine Behörde dafür sorgt, dass eine Woche vorher sogar die Adressen der Razzien bei der Presse bekannt sind, ist es schwer vorstellbar, dass niemand der Durchsuchten Bescheid wusste. Die Telegram-Nachricht eines Beschuldigten bestätigt dies.”

2. Stolpernder Umgang mit Falschinformationen in Podcasts
(medwatch.de, Merlin Pratsch)
Mit dem Erfolg von Podcasts wachsen auch die Probleme mit den darin mitunter enthaltenen Falschinformationen. Der weltweit größte Anbieter im Podcast-Geschäft ist der Audio-Streaming-Dienst Spotify. Was unternimmt das Unternehmen gegen Desinformation? Wird Spotify seiner Verantwortung gerecht? Und warum bleiben falsche und diskriminierende Inhalte offenbar unberührt online? Merlin Pratsch hat gründlich hingehört und dabei einige Problemfelder entdeckt.

3. 50 Prozent weniger TV-Zuschauer: Absage per Fernbedienung
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Im Hinblick auf die in Katar stattfindende Fußballweltmeisterschaft melden die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender enttäuschende Quoten. Joachim Huber, Medienredakteur beim “Tagesspiegel”, fragt sich: “Lohnt sich auch künftig das große Investment der Sender und Streamer, wenn es um Fußball geht? Kein Fernsehprogramm ist teurer als dieser Sport. Ein Sport, den das große (TV-)Geld schmiert.”

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4. “Auf YouTube können sich alle einigen”
(wissenschaftskommunikation.de, Jana Fritsch)
Ist Youtube die ideale Plattform für Wissenschaftskommunikation? Darüber hat Jana Fritsch mit Karl Jeremias Donath gesprochen, dem Kommunikationsmanager der TU Dresden. Für Donath ist die Sache eindeutig: “YouTube hat ein großes Potential, weil es eine der wenigen Social Media Plattformen ist, die scheinbar nicht out werden. Dort finden sich alle Zielgruppen wieder, während zum Beispiel bei anderen Kanälen, u.a. Facebook, bestimmte Zielgruppen gar nicht mehr erreicht werden, weil sie einfach nicht mehr dort unterwegs sind. Ich glaube, auf YouTube können sich alle einigen.”

5. Das Medienjahr 2023 – was kommt, was geht, was bleibt
(blog-cj.de)
Zum Ende des Jahres wagt der Journalist Christian Jakubetz einen Blick in die mediale Zukunft: Wie werden sich die Social-Media-Plattformen entwickeln? Geht es mit dem Podcast-Boom weiter? Wird Künstliche Intelligenz womöglich der neue Gatekeeper? Jakubetz hat die Kristallkugel geputzt und versucht zu erahnen, wie es nächstes Jahr weitergeht in und mit den Medien.

6. »Ukraine« landet vor »Queen« und »Affenpocken«
(spiegel.de)
Der “Spiegel” hat sich Googles Suchbegriffe und Such-Trends des Jahres angeschaut. Welche Personen wurden am meisten gegoogelt? Welche Ereignisse haben die Menschen beschäftigt? Und welche Fragen wurden am häufigsten gestellt?

Unruhe bei “Bild”?, “Systemkritik für Paranoiker”, Überdosis Trash-TV

1. “Bild” kämpft mit “Bild”: “In Auflösung”?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Bei “Bild” bekommt der aktuelle Chefredakteur Johannes Boie einen neuen Mann beigeordnet, den bisherigen “Focus”-Chefredakteur Robert Schneider. Dieser werde “an Johannes Boie berichten, der unverändert in seiner derzeitigen Position als Chefredakteur und Vorsitzender der ‘Bild’-Chefredaktionen bleibt”, so der Springer-Verlag. Schneider hat einschlägige Boulevard-Erfahrungen, weiß Joachim Huber im “Tagesspiegel” zu berichten: “Der gebürtige Leipziger Schneider fing einst bei der ‘Bild’ an, wurde dort Ressortleiter, ehe er als stellvertretender Chefredakteur für die ‘B.Z’ und die ‘Bild am Sonntag’ arbeitete.” Huber ordnet die Personalie mitsamt ihrer möglichen Auswirkungen ein und überlegt, wie es bei “Bild” weitergehen könnte.

2. Systemkritik für Paranoiker – Verschwörungstheorien operieren mit dem Werkzeug der Aufklärung und stillen die Sehnsucht nach Vereindeutigung in einer komplexen Welt
(nzz.ch, Robert Misik)
“Wahn wird hier zu Aufklärung und Aufklärung zu Wahn.” Der österreichische Journalist und politische Schriftsteller Robert Misik hat einen lesenswerten Essay zu Verschwörungserzählungen verfasst und als Gastkommentar in der “NZZ” veröffentlicht: “Verschwörungstheorien sind auch Formen, mit einer komplexen, unübersichtlichen Welt umzugehen. Was immer geschieht, es lässt sich zumindest erklären. Es gibt Täter, Hintermänner, die die Fäden ziehen. Wer in der realen Welt ‘nicht weiss, wie ihm geschieht’, der weiss in der Phantasiewelt der Konspirationstheorie genau, was geschieht – und wo das Böse sitzt, gegen das vorgegangen werden müsste. Verständlich, dass das attraktiv sein kann.”
Weiterer Lesehinweis, weil es das Medium betrifft: Anzeige gegen NZZ: Redaktion leistet Gratis-Überstunden: “Der Berufsverband Impressum zeigte die NZZ wegen ungenauer Arbeitszeiterfassung an. Nun hat das Arbeitsinspektorat interveniert.” (infosperber.ch, Pascal Sigg)

3. Dürfen Linke Twitter nutzen?
(taz.de, Ulf Schleth)
Bei der “taz” fragt sich Autor und Online-Entwickler Ulf Schleth, ob Linke angesichts der Übernahme durch Elon Musk weiterhin Twitter benutzen sollten. Seiner Meinung nach sollte “die Verantwortung verinnerlicht werden, Inhalte nicht ausschließlich dort zu teilen, wo das Zielpublikum ausgebeutet wird. Sie müssen reichweitenunabhängig auch dort geteilt werden, wo es sich emanzipatorisch vernetzen kann. Das ist zurzeit das Fediverse.”

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4. Damit verbringen junge Menschen ihre Zeit am Smartphone
(spiegel.de)
Laut einer Umfrage eines Marktforschungsinstituts nutzen 80 Prozent der 14- bis 37-Jährigen ihr Smartphone mehr als drei Stunden pro Tag. Ungefähr ein Drittel sei sogar mehr als sechs Stunden täglich am Handy. Die meistbenutzte App bei den 14- bis 25-Jährigen ist TikTok.
Weiterer Lesehinweis: FBI-Chef sieht in TikTok Gefahr für nationale Sicherheit (zeit.de).

5. Überdosis Trash TV: Wird das TV-Publikum Reality-müde?
(dwdl.de, Peer Schader)
Das zunehmende Angebot an Reality-Formaten habe fatale Konsequenzen für die Akzeptanz des Genres im linearen Programm, so “DWDL”-Kolumnist Peer Schader. Er gelangt zu einer ernüchternden Erkenntnis: “Die vergangenen Monate haben ein für alle Mal den Beweis erbracht, dass der Versuch, das Genre ins Positive zu drehen und entsprechende Gegenentwürfe auszuprobieren, als gescheitert bezeichnet werden muss.”

6. Sternstunde des Sportjournalismus: Warum Esther Sedlaczek einen guten WM-Job macht
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm lobt die Arbeit der ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek, die unter anderem DFB-Manager Oliver Bierhoff mit für ihn unangenehmen Fragen konfrontierte: “Kein Schmusetext. Kein Schonwaschgang. Die Nation hat Fragen an diesem Abend, und Esther Sedlaczek nimmt sich die Freiheit, sie zu stellen – stellvertretend für ein Publikum, das nach Jahren der Erfolglosigkeit mehrheitlich die Nase voll hat von wachsweichen DFB-Floskeln, vom ausweichenden Polit-Klimbim der Verantwortlichen und den ewigen Ausflüchten.”

Das Schweigen der Fußballer, Generalamnestie?, Studien-Inflation

1. WM in Katar: Das Schweigen der Nationalmannschaft
(ndr.de, Fritz Lüders & Alexander Kobs, Video: 21:03 Minuten)
Fußball-Profis haben – auch dank ihrer Social-Media-Präsenz – einen enormen medialen Einfluss auf Millionen von Fans. In Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Katar seien die Erwartungen an die Spieler der deutschen Nationalmannschaft entsprechend hoch. Doch bislang hätten diese sich nur sehr verhalten geäußert. Das Medienmagazin “Zapp” hat sich auf die Suche nach den Gründen dafür gemacht und dabei auch Sponsoren und Verbände mit einbezogen.

2. Elon Musk lässt über »Generalamnestie« für gesperrte Accounts abstimmen
(spiegel.de)
Twitter kommt einfach nicht zur Ruhe. Nach dem inszenierten Einzug des Neu-Eigentümers Elon Musk ins Firmengebäude, einem radikalen Stellenabbau, allerlei Chaos um verifizierte Konten und weiteren Pleiten, Pech und Pannen habe Musk mal wieder eine Online-Umfrage gestartet. Nun wolle der Tech-Milliardär wissen, ob die Nutzer und Nutzerinnen für oder gegen eine “Generalamnestie für suspendierte Konten” seien. Zuvor hatte er bereits das gesperrte Konto von Donald Trump reaktivieren lassen.

3. Kampagne vor Gericht
(taz.de, Christian Rath)
Am heutigen Donnerstag verhandelt das Landgericht Frankfurt am Main über einen Eilantrag des Antisemitismusbeauftragten des Landes Baden-Württemberg gegen Twitter. Christian Rath erklärt die Hintergründe des Verfahrens, dessen Ausgang mit einiger Spannung erwartet wird.

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4. “Tagesspiegel” bekommt Haustarifvertrag
(verdi.de)
Nach langen Verhandlungen haben die Gewerkschaften ver.di und DJV einen Tarifvertrag für die etwa 600 Beschäftigten des Berliner “Tagesspiegel” unterschrieben: “Damit verpflichtet sich das Medienhaus, ab dem 1. Januar 2023, die Mantel- und Gehaltstarifverträge für Redaktion und Verlag sowie den Tarifvertrag über die Altersversorgung für Redakteur*innen an Tageszeitungen anzuwenden.”

5. Die inflationäre Verwendung des Begriffs “Studie”
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 2 Minuten)
Annika Schneider wünscht sich von Medien mehr Differenzierung. So sei nicht alles, was Redaktionen in ihrer Berichterstattung leichthin als “Studie” bezeichnen, auch tatsächlich eine: “Sobald zu einem Thema irgendwelche Auswertungen vorliegen, werden sie in manchen Medien zur ‘Studie’ geadelt – selbst wenn es nur Zahlen aus einer Online-Umfrage mit wenigen Hundert Teilnehmenden sind.”

6. Deckel
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl werfen im Rahmen ihres Projekts “Floskelwolke” einen sprach- und medienkritischen Blick auf vielbenutzte Formulierungen. Diesmal widmen sie sich dem Sprachbild des “Deckels”.

Springer meidet Prozess, Thema Queer, Versprechen mit Bundesadler

1. Axel Springer kann US-Prozess um Julian Reichelt vermeiden
(spiegel.de)
Eine ehemalige “Bild”-Mitarbeiterin hatte an einem kalifornischen Gericht Klage gegen “Bild” sowie gegen eine Tochterfirma des Axel-Springer-Verlags eingereicht. Unter anderem sei es darin um den Vorwurf der sexuellen Belästigung gegangen (siehe die Berichterstattung des “Spiegel” aus dem Oktober 2021). Anscheinend wollte es der Konzern nicht auf einen Prozess ankommen lassen. Man habe sich für eine “einvernehmliche Lösung” entschieden, so ein Konzernsprecher.

2. Was (israelische) Journalisten bei der WM in Katar erleben
(stern.de, Christine Leitner)
Dass ausländische Journalisten und Journalistinnen in Katar nicht wirklich willkommen sind, sei keine Überraschung. Besonders gelte dies jedoch für Medienschaffende aus Israel, wie Christine Leitner im “Stern” schreibt und mit einigen Beispielen unterfüttert.
Weiterer Lesehinweis: Paradiesische Bedingungen für Sportjournalisten: “Vier Spiele pro Tag und beste Bedingungen für Sportjournalisten mit kurzen Wegen zu allen WM-Stadien. Die FIFA versucht, ihr Kernprodukt perfekt zu vermarkten, um politischen Themen den Raum zu nehmen.” (freitag.de, Günter Klein)
Und noch ein Hörtipp: Beim RBB geht es um die Frage: “Wie reden wir über diese kontroverse Fußball-WM?” Besprochen wird sie mit dem Investigativjournalisten Jens Weinreich (rbb-online.de, Audio: 7:01 Minuten).

3. Wann Medien über queere Themen berichten – und wann nicht
(deutschlandfunk.de, Isabelle Klein)
Anlässlich des Gerangels um das Tragen einer Armbinde bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist das Thema Queerfeindlichkeit in den medialen Fokus gerückt. Etwas, was sich Johannes Kram auch außerhalb von Sportevents wünschen würde: Es gebe auch in Deutschland dauernd Übergriffe auf LGBTQIA+-Personen, aber darüber werde nicht berichtet. “Wir haben ein Sicherheitsproblem, wir haben ein Problem am Arbeitsplatz. Es wird so getan, als ob wir in Deutschland schon alles erreicht hätten. Die Medien hätten die Aufgabe dort genauer hinzuschauen”, so Kram.

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4. Versprechen mit Bundesadler
(taz.de, Christian Rath)
Das für seine subversive Aktionskunst bekannte “Peng! Kollektiv” hat 2018 ein vermeintliches Video des Bundesinnenministeriums produziert und veröffentlicht (hier auf Facebook zu sehen), in dem die Aufnahme von Geflüchteten garantiert wird. Dagegen ging das Innenministerium vor und verlangte vom Plattformbetreiber Youtube die Löschung. Christian Rath erklärt die Argumentationslinien der beteiligten Parteien und die möglichen juristischen Aspekte.

5. Cem und die Tiere
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Ist Cem Özdemir, Bundeslandwirtschaftsminister von den Grünen, vielleicht auch deshalb einer der beliebtesten Politiker des Landes, weil er Polizeipferde streichelt und Tierheime besucht? Anna Hunger hat ihren Text mit einigen Aufnahmen des Ministers unterlegt, für den Tierliebe anscheinend auch Teil seiner Medienarbeit ist.

6. Die reichsten Verleger 2022
(kress.de, Markus Wiegand)
Das Medienportal “kress” hat nachgeschaut, welche Medienunternehmer und -unternehmerinnen es in die Liste der 500 reichsten Deutschen des “Manager Magazins” (nur mit Abo lesbar) geschafft haben. Eine Sonderrolle spielt dabei der Koblenzer Medizinsoftware-Unternehmer Frank Gotthardt, der Medien als Nebengeschäft betreibe und als Finanzier von Ex-“Bild”-Chef Julian Reichelt gehandelt werde.

Konflikte im WDR, Mögliche Twitter-Pleite, “Goldene Kartoffel”

1. Konflikte im WDR: Es geht auch um eine Viertelmilliarde Euro für das Filmhaus in Köln
(correctiv.org, Annika Joeres & Frederik Richter & Anne Burgmer)
Beim WDR rumort es, dementsprechend könnte am heutigen Freitag eine sehr schwierige Betriebsversammlung bevorstehen. “Correctiv” hat die zahlreichen Konfliktthemen zusammengefasst, die von Einzelfragen bis zu allgemeinen Überlegungen reichen. Und natürlich werde es auch um den kostspieligen Umbau des Filmhauses gehen, dessen Kalkulation derzeit vom Landesrechnungshof Nordrhein-Westfalen überprüft werde.

2. Hochrangige Mitarbeiter verlassen Twitter – Musk schließt Pleite nicht aus
(tagesspiegel.de)
Tech-Milliardär Elon Musk sorgt im Zuge seiner Twitter-Übernahme für weiteres Chaos und soll inzwischen auch eine etwaige Insolvenz des Unternehmens nicht ausschließen. Die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission macht sich unterdessen Sorgen, dass Twitter gegen eine Übereinkunft mit der Behörde in Sachen Datensicherheit und Datenschutz verstoßen könnte, was Strafen in Millionenhöhe nach sich zöge: “Kein Geschäftsführer oder Unternehmen steht über dem Gesetz.”

3. “Goldene Kartoffel” für SWR-Dokumentation
(verdi.de)
Der von den “Neuen deutschen Medienmacher*innen” verliehene Negativpreis “Goldene Kartoffel” geht dieses Jahr stellvertretend an eine SWR-Doku: “Die Dokumentation ‘Russlanddeutsche – unsere fremden Nachbarn?’ erhebt den Anspruch, einen differenzierteren Blick auf die Gruppe zu werfen – löst dies aber nicht ein. Die Doku zeichnet ein tendenziöses, stigmatisierendes und verzerrtes Bild.”

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4. 57 Millionen Menschen sind täglich im Internet
(tagesschau.de)
Laut der neuesten “ARD/ZDF-Onlinestudie” sind vier von fünf Menschen in Deutschland täglich online: “In Deutschland nutzen 2022 fast 57 Millionen Menschen täglich das Internet. Das entspricht 80 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren und damit dem höchsten jemals gemessenen Wert in der seit 1997 erhobenen ARD/ZDF-Onlinestudie.”

5. Vollbrecht-Tweet darf als Leugnung von NS-Verbrechen bezeichnet werden
(spiegel.de)
Das Landgericht Köln hat in einem Urteil festgestellt, dass ein Tweet der Berliner Biologie-Doktorandin Marie-Luise Vollbrecht “als Leugnen von NS-Verbrechen gewertet werden” könne. Vollbrecht müsse “einprägsame, auch starke Formulierungen” ihrer Kritikerinnen und Kritiker ertragen, da sie sich selbst “in der Öffentlichkeit äußerst plakativ und provokant zu Wort gemeldet” habe, so das Urteil. Marie-Luise Vollbrecht habe jedoch angedeutet, dass sie womöglich gegen das Urteil in Berufung gehen werde.

6. “Mit dem Image des manchmal arroganten Oberlehrers konnte ich gut leben”
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Mehr als zwei Jahrzehnte hat sich Frank Plasberg mit seiner Sendung “Hart aber fair” dem Polittalk gewidmet. Nun verlässt er die TV-Bühne. Bei “DWDL” spricht Plasberg über seinen selbstgewählten Rückzug, seinen Nachfolger und die gesellschaftliche Situation in Deutschland, die bisweilen schon US-amerikanische Züge trage.
Weiterer Hinweis: Das letzte Mal “Hart aber fair” mit Frank Plasberg gibt es am kommenden Montag, 14. November. Das Thema wird dann sein: Ab in die Wüste – wer freut sich auf die WM in Katar? Ab dem 9. Januar 2023 gehe es dann mit Louis Klamroth als neuen Moderator weiter.

Rotstift bei “Bild TV”, “Edition F” bleibt, “Medienwoche” geht

1. »Bild« will TV-Angebot schrumpfen
(spiegel.de, Anton Rainer & Alexander Kühn)
Nach “Spiegel”-Informationen setzt der Axel-Springer-Verlag bei seinem Bewegtbildangebot “Bild TV” den Rotstift an. Der Sendebetrieb verschlinge offenbar zu viel Geld bei zu geringen Werbeeinnahmen. Künftig solle “Bild TV” deshalb nur noch auf Sparflamme weiterlaufen: “Das zentrale Programmangebot des Senders”, die werktägliche Live-Schiene, könnte verschwinden, berichten Anton Rainer und Alexander Kühn.

2. Doch noch voller Erfolg gegen Hass-Kom­men­tare
(lto.de, Annelie Kaufmann)
Die Grünen-Politikerin Renate Künast hat einen Jahre andauernden Rechtsstreit gewonnen: Das Kammergericht in Berlin entschied, dass die hasserfüllten Reaktionen auf einen ihrer Facebook-Posts nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt waren. Facebook müsse jetzt die Daten der postenden Nutzer und Nutzerinnen herausgeben.

3. Streiktag in der ARD: Mit viel Wut im Bauch
(verdi.de)
Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di sind gestern an vielen ARD-Standorten hunderte Beschäftigte in den Warnstreik getreten, “mit Entschlossenheit und einer gehörigen Portion Wut”. In vielen Programmen sei es zu Ausfällen gekommen. Natürlich geht es bei dem Ausstand ums Geld: “ver.di fordert durchschnittlich Gehalts- und Honorarerhöhungen um sechs Prozent und stärkere Steigerungen besonders für Berufseinsteiger*innen und niedrige bis mittlere Entgelte. Außerdem sollten die Laufzeiten der Tarifabschlüsse auf zwölf Monate begrenzt werden.”
Weiterer Lesetipp: Deutschlandradio-Vorgesetzter rät seinen Mitarbeitern vom Streik ab (übermedien.de, Boris Rosenkranz).

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4. Gegen das “rote Zeckenparadies”
(taz.de, Ralf Leonhard)
In Österreich wurden zwei namhafte Chefredakteure wegen kompromittierender Chats freigestellt. Ralf Leonhard, Österreichkorrespondent der “taz”, ordnet den Fall und die Reaktionen darauf ein.

5. MEDIENWOCHE stellt Betrieb ein
(medienwoche.ch, Thomas Paszti)
Eine bedauernswerte Nachricht aus der Schweiz: Zwölf Jahre nach ihrer Gründung werde die “Medienwoche”, die wir auch gerne hier in den “6 vor 9” verlinken, Ende dieses Jahres eingestellt. In seinem Abschiedsbrief begründet “Medienwoche”-Gründer Thomas Paszti den Schritt: “Im Hinblick auf einen längerfristigen Weiterbetrieb in neuen Händen und ohne Quersubventionierung hat es die MEDIENWOCHE nicht geschafft, ausreichend Einnahmen aus dem Werbe- und Lesermarkt zu generieren.”

6. Ein neues Zuhause für EDITION F
(editionf.com)
Vor wenigen Wochen hatte “Edition F”, ein Onlinemagazin für Frauen, Insolvenz angemeldet, das Ende des Portals schien besiegelt. Doch nun die Wende – es könne weitergehen: “Edition F wird zukünftig ein Teil von Funke sein. Das heißt, es wird weiter wichtigen Content zu feministischen Themen in unserem Magazin, auf unseren Social Media Kanälen und in unseren Newslettern geben.”

Katar-Berichterstattung, Zu nah an den Mächtigen?, Freie Lizenzen

1. “Der Fußball-Fan in mir ist ziemlich sauer”
( faz.net, Martina Keller)
In Interview mit der “FAZ” äußert sich Journalist und Sportmoderator Jochen Breyer zu den schwierigen Arbeitsbedingungen für Medienschaffende rund um die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Katar. Er wünscht sich von seinen Kollegen und Kolleginnen dennoch eine kritische Berichterstattung: “Wir Journalisten werden dafür verantwortlich sein, uns nicht vom rollenden Ball ablenken zu lassen. Es wird so wichtig wie wahrscheinlich noch nie, auch das zu beleuchten, was außerhalb des Spielfelds passiert.” Breyer hat zusammen mit Julia Friedrichs die Doku “Geheimsache Katar” gedreht, die heute Abend im ZDF läuft und vorab, heute ab 12 Uhr, in der Mediathek zu sehen ist.

2. Zu nah an den politisch Mächtigen?
(sueddeutsche.de, Cathrin Kahlweit)
In Österreich lassen zwei führende Journalisten gezwungenermaßen vorerst ihre Jobs ruhen: Rainer Nowak, Chefredakteur und Co-Geschäftsführer der Zeitung “Die Presse”, und ORF-TV-Chefredakteur Matthias Schrom. In beiden Fällen gehe es um die mangelnde Abgrenzung zu den politisch Mächtigen (sogenannte “Verhaberung”, siehe dazu auch die “6 vor 9” von gestern).

3. Reform von ARD & Co. – Vorschläge: jetzt!
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
“Tagesspiegel”-Medienredakteur Joachim Huber erkennt dringenden Gesprächs- und Reformbedarf bei den Öffentlich-Rechtlichen und sieht dabei vornehmlich die Führungsspitzen in der Pflicht. Hubers Vorschlag: “Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow formuliert bei seiner nächsten Rede nicht Fragen an die öffentlich-rechtliche Zukunft, sondern er liefert Antworten.”

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4. Twitter will laut Bericht entlassene Mitarbeiter zurückholen
(zeit.de)
Die große Kündigungswelle bei Twitter hat anscheinend auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwischt, die von dem Unternehmen eigentlich dringend benötigt werden. Nun bitte Twitter einem Medienbericht zufolge einen Teil der am vergangenen Freitag Entlassenen um Rückkehr an ihren alten Arbeitsplatz.

5. Es wird Zeit für freie Lizenzen bei Öffentlich-Rechtlichen
(netzpolitik.org, Jan-David Franke)
Auf netzpolitik.org setzt sich Wikimedia-Projektmanager Jan-David Franke für freie Lizenzen bei den Öffentlich-Rechtlichen ein: “Die Entscheider*innen in den Anstalten sollten freie Lizenzen endlich nicht länger als Wagnis, sondern als Chance begreifen. Gerade in Zeiten, in denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk immer stärker unter Druck gerät, kann ein klares Bekenntnis zu einer grundlegenden Freigabepraxis für Wissens- und Bildungsinhalte auch ein Befreiungsschlag sein.”

6. Der Bilder-Zwang auf LinkedIn und der Druck zu liefern
(meedia.de, Sabrina Harper)
Sabrina Harper klagt in ihrer “Meedia”-Kolumne über den LinkedIn-Algorithmus, der Posts mit mehrheitsfähigen Bildern bevorzuge: “Die starke Fokussierung auf das Medium Bild schränkt uns alle ein und ist irgendwie auch sinnlos. Es mag sein, dass in einer Printzeitschrift ein gutes Aufmacherbild den Weg in einen Artikel weist. In einem schnelllebigen Onlinenetzwerk würde ich lieber auf einen Blick wissen, was durch meinen Feed wabert.”

Das Ruhegeld der RBB-Spitzen, Übernahme mit Haken, Verhaberung

1. Über 1.100 RBB-Beschäftigte fordern Verzicht auf Ruhegeld
(dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” berichtet, haben über 1.100 Beschäftigte des öffentlich-rechtlichen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) die Mitglieder der Geschäftsleitung in einer Protesterklärung aufgefordert, auf ihre nachvertraglichen Ruhegelder zu verzichten: “Der Anspruch auf eine lebenslange Absicherung, sobald die Tätigkeit für den RBB beendet wird, ist nicht nur moralisch schwer erträglich, sondern bedeutet eine erhebliche wirtschaftliche Belastung für den RBB.”

2. Eine Übernahme mit Haken
(profil.at, Ingrid Brodnig)
“Man muss die Frage stellen, ob Elon Musk Twitter jetzt einfach kaputtmacht.” Die österreichische Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig stellt fünf Thesen zu Elon Musk und dessen Twitter-Kauf auf. Ohne zu viel zu verraten zu wollen: All zu positiv fällt Brodnigs Einschätzung nicht aus.
Weiterer Lesehinweis: Nachdem Musk anscheinend alle Ethik-Expertinnen und -Experten bei Twitter entlassen hat, hat sich Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, mit einem offenen Brief an den Tech-Milliardär gewandt: “Twitter ist Teil einer globalen Revolution, die unsere Kommunikation revolutioniert hat. Aber ich schreibe mit Sorge und Unbehagen über unsere digitale Öffentlichkeit und die Rolle, die Twitter darin spielt”.

3. “Whistleblowing stärkt den demokratischen Diskurs”
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Kosmas Zittel vom “Whistleblower-Netzwerk” ist unzufrieden mit dem neuen Hinweisgeberschutzgesetz. Im Interview mit netzpolitik.org macht er deutlich, an welchen Stellen es seiner Ansicht nach knrischt – und das sind einige: Weder schütze das geplante Gesetz in ausreichender Weise, noch gehe es weit genug.

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4. Verhaberung behindert kritischen Journalismus
(sueddeutsche.de, Alexandra Föderl-Schmid)
Die vorwiegend in Österreich verwendete Vokabel “Verhaberung” ist eine abwertend gemeinte Beschreibung einer Verbrüderung zum Zwecke der gegenseitigen Begünstigung (auch “Freunderlwirtschaft” genannt). In Österreich scheint dieses Phänomen besonders im symbiotischen Verhältnis zwischen Journalismus und Politik zutage zu treten. Alexandra Föderl-Schmid erklärt diese spezielle Art der “Beziehungspflege”.

5. SLAPP – ein Schlag gegen die Pressefreiheit
(br.de, Ingo Lierheimer, Audio: 23:05 Minuten)
“SLAPP” ist die englische Abkürzung für strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung (Strategic Lawsuits Against Public Participation). Sie dienen dazu, Medienschaffende sowie Aktivistinnen und Aktivisten einzuschüchtern und von deren Arbeit abzuhalten. Das BR24-Medienmagazin war auf einer Anti-“SLAPP”-Konferenz in Straßburg und hat von dort einige Stimmen mitgebracht.

6. Nach Kritik auf Twitter: ARD entschuldigt sich für “Ratten”-Wortwahl auf “tagesschau.de”
(tagesspiegel.de)
Mit deutlichen Worten hatte ARD-Korrespondent Nils Dampz die Twitter-Übernahme durch Elon Musk kommentiert und dabei auch von “rassistischen oder verschwörerische Ratten” gesprochen. Diese Wortwahl wurde von vielen kritisiert. Daraufhin hat tagesschau.de die entsprechende Textstelle geändert und den Begriff gestrichen: “Wir bitten um Entschuldigung für die Wortwahl. Es war nie das Ziel, jemanden zu entmenschlichen.”

NSU-Akten, Grenzen der Emotionalität, “Quatschjura”

1. Kanzler kritisiert Böhmermann für Veröffentlichung von NSU-Akten
(spiegel.de)
Die NSU-Akten des hessischen Verfassungsschutzes sollten nach dem Willen der Behörde noch Jahrzehnte lang geheim bleiben, doch die Transparenzinitiative “FragDenStaat” und Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale” haben sie vergangene Woche frei zugänglich gemacht (“Wir veröffentlichen, was der Verfassungsschutz 120 Jahre geheim halten wollte”). Dies wurde nun von Bundeskanzler Olaf Scholz kritisiert. Einen Schritt weiter ging der hessische Verfassungsschutz, dem von Kritikern ein “Komplettversagen” in der Behandlung des Falls vorgeworfen worden war, und stellte Strafanzeige gegen Unbekannt – wegen Weitergabe geheimer Informationen, nicht wegen der Veröffentlichung. Bei “Legal Tribune Online” kommentiert Felix W. Zimmermann die Erfolgsaussichten der Anzeige.

2. Eine Long-Covid-Doku und die Frage nach den Grenzen der Emotionalität
(uebermedien.de, Martin Rücker)
Die ARD veröffentlichte im Juni die Doku Hirschhausen und Long Covid – Die Pandemie der Unbehandelten, die Mitte Oktober aktualisiert wurde. Der Film löste einige, teils sehr deutliche Kritik aus. Martin Rücker hat sich die Sendung angeschaut und die Vorwürfe sortiert. Sein Fazit: “Die Fehler, die der Film gemacht hat, sind ärgerlich, auch deshalb, weil sie von seinem Anliegen ablenken. Sie sprechen aber nicht grundsätzlich gegen die Herangehensweise. Wenn die ARD die Haltung zeigt, solche Themen auch in Zukunft emotional und aus der Betroffenenperspektive zu zeigen, wäre das ein Gewinn.”

3. Seriosität zu verkaufen
(taz.de, Svenja Bergt)
Angeblich will Elon Musk den Trägern und Trägerinnen der blauen Twitter-Verifizierungshäkchen dafür monatlich etwa 20 US-Dollar berechnen, doch offiziell bestätigt ist dies noch nicht. Für Svenja Bergt stellen sich in diesem Zusammenhang einige Fragen: “Könnten sich denn alle Zahlungswilligen einen Haken kaufen? Oder nur die, die gleichzeitig wichtig genug sind? Gut möglich, dass die meisten die Kosten einfach hinnehmen würden – schließlich ist der Haken vor allem für Prominente und Unternehmen, Po­li­ti­ke­r:in­nen und Mul­ti­pli­ka­to­r:in­nen interessant. Möglich aber auch, dass es für Nor­mal­nut­ze­r:in­nen schwieriger wird, die Seriosität von Accounts einzuschätzen, wenn deren In­ha­be­r:in­nen aus finanziellen Gründen auf die Verifikation verzichten.”
Lesetipp: Bei “Übermedien” ordnet Frederik von Castell die komplexe Sachlage ein: Die Sache hat einen blauen Haken, Elon Musk.

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4. RSF reicht UN-Beschwerde gegen Teheran ein
(reporter-ohne-grenzen.de)
Reporter ohne Grenzen (RSF) hat beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen Beschwerde gegen den Iran eingelegt: “Die Vereinten Nationen müssen sich für die Freilassung iranischer Journalistinnen und Journalisten einsetzen”, fordert Vorstandssprecher Michael Rediske: “Die Schikanen gegen Medienschaffende müssen aufhören.” Darüber hinaus verurteilte die Organisation Teherans jüngste Repression gegen internationale Medien.

5. Neuer Lokaljournalismus mit Rums
(journalistik.blogs.uni-hamburg.de, Jonathan Deupmann, Audio: 40:59 Minuten)
Im Podcast der Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Uni Hamburg erzählt Journalist Ralf Heimann, wie er in Münster ein digitales, unabhängiges und konstruktives Alternativangebot mit aufgebaut hat. “RUMS” steht für “Rund um Münster” und ist ein zweimal wöchentlich erscheinender Newsletter über lokale Themen.
Transparenzhinweis: Ralf Heimann ist auch BILDblog-Autor und hat bei uns beispielsweise die Serie “Kleine Wissenschaft des Fehlers” über die Fehlerkultur in Medien veröffentlicht.

6. Ein Preis für Aufklärung über “Quatschjura”
(lto.de, Paula Binder)
Am Wochenende wurde erstmals der “Facts Heroes Award” durch die Berliner Initiative “Der goldene Aluhut” verliehen. Einer der Gewinner ist Rechtsanwalt Chan-jo Jun, der für seine “anwaltliche Zivilcourage und seine stete Aufklärung über Quatschjura” ausgezeichnet wurde. Gegenüber dem RBB erklärte Jun: “Quatschjura sieht aus wie Jura, fühlt sich auch an wie Jura, ist in Wirklichkeit aber Quatsch. Das ist eine neue Erfindung, die wir in den letzten zwei Jahren in der Pandemie erlebt haben – dass man nämlich versucht, mit juristisch klingenden Argumenten zum Beispiel Leute einzuschüchtern”.

Twitter-Übernahme, Leserbrief, Bedingte Kontrolle

1. Twitter-Übernahme wird zum Präzedenzfall für Plattformregulierung
(netzpolitik.org, Markus Beckedahl)
Nachdem nun feststeht, dass Tech-Milliardär Elon Musk Twitter übernommen hat, fragt sich netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl, ob die Plattformregulierung der EU auf diesen Fall vorbereitet ist. Beckedahl rechnet mit dem Schlimmsten: “Deshalb sollten wir die Zeit nutzen, dezentrale, offene und datenschutzfreundliche Infrastrukturen zu verbessern und jene nachhaltigen Ökosysteme aufzubauen, in die wir und unsere Twitter-Timeline schlimmstenfalls hin wechseln könnte. Andernfalls haben wir, wenn alles schlechter wird, tatsächlich das Problem, was Musk gerade durch seine Übernahme angeblich verhindern will: eine weitere Zersplitterung der Öffentlichkeiten.”
Weitere Lesehinweise: Laut “Spiegel” wolle die Bundesregierung Twitter “sehr genau” beobachten und gegebenenfalls ihre Konten dort deaktivieren. Derweil nährt Neu-Eigentümer Musk schlimmste Befürchtungen, was eine mögliche Neuausrichtung des Kurznachrichtendienstes angeht. Er verbreitete ein hanebüchenes und bösartiges Verschwörungsmärchen zum Angriff auf Nancy Pelosis Ehemann (den entsprechenden Tweet hat Musk mittlerweile gelöscht). Der “Spiegel” berichtet außerdem von möglichen Monetarisierungsabsichten. So plane der neue Twitter-Boss, die begehrten Verifikationshaken im Monatsabo zu rund 20 Dollar zu verkaufen. Musk habe seinen Software-Entwicklern und -Entwicklerinnen für die Umsetzung eine Frist bis zum 7. November gesetzt – andernfalls würden sie gefeuert.

2. WDR-Redakteure fordern Klarstellung von “KStA” und “Correctiv”
(dwdl.de, Alexander Krei)
Vergangenen Freitag wiesen wir auf eine gemeinsame Recherche von “Kölner Stadt-Anzeiger” und “Correctiv” hin, in der es um ein “faktisches Arbeitsverbot” für den langjährigen WDR-Redakteur Jürgen Döschner ging. Wegen seiner kritischen Berichterstattung über die Kohleindustrie und andere Klimathemen werde Döschner geflissentlich ignoriert und arbeite trotz eines Jahresgehalts von etwa 100.000 Euro nur noch höchstens fünf Stunden im Monat. Dieser Darstellung widersprechen nun fast 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des aktuellen Dienstes im WDR-Newsroom in einem Leserbrief.

3. Eingeschmolzen
(taz.de, Bernd Müllender)
Zum Ende des Jahres werden die “Aachener Nachrichten” (“AN”) eingestellt und gehen in der “Aachener Zeitung” auf. Ein “pressegeschichtlicher Cut”, wie Bernd Müllender in der “taz” schreibt, über den jedoch niemand richtig traurig sei, wie er verwundert anmerkt. Müllender ist jedoch nicht ganz unbefangen, wie er selbst am Ende seines Textes erwähnt: “Ab Frühjahr 1945 arbeitete meine Mutter in der Anzeigenabteilung der Aachener Nachrichten. Dort verliebte sie sich in einen Kunden, der später mein Vater wurde. Ohne AN gäbe es mich und diesen Text also nicht.”

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4. Markus Schlimbach: “Meine Rechte als Rundfunkrat haben nur bedingt etwas mit Kontrolle zu tun.”
(flurfunk-dresden.de)
Markus Schlimbach ist Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sachsen und als DGB-Vertreter auch Mitglied im MDR-Rundfunkrat. Gegenüber “Flurfunk Dresden” erzählt er, was der RBB-Skandal für den gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Arbeit der ÖRR-Gremien aus seiner Sicht bedeutet und was sich ändern sollte.

5. MEDIA Lab: Woran liegt Journalismusmüdigkeit?
(tagesspiegel.de, Marlis Prinzing)
Junge Frauen scheinen laut einer eine Trackingstudie der Universität Zürich (PDF) nur halb so interessiert an Journalismus zu sein wie Männer. Das müsse Medien, Wissenschaft und Politik aufrütteln, schreibt Marlis Prinzing in ihrer “Tagesspiegel”-Kolumne. Allerdings stoße die Studie in ihrer inhaltlichen Aussagekraft an Grenzen.

6. Klage von Ex-Bild-Mitarbeiterin in den USA: Warum Springer Angst vor einem Prozess hat
(kress.de, Markus Wiegand)
Eine ehemalige “Bild”-Mitarbeiterin werfe dem Axel-Springer-Konzern vor, sexuelle Belästigungen durch den damaligen Chefredakteur Julian Reichelt geduldet zu haben. Die Frau sei in den USA gegen den Medienkonzern vor Gericht gezogen. Dass es Springer auf einen Prozess ankommen lässt, sei jedoch unwahrscheinlich, findet “kress-pro”-Chefredakteur Markus Wiegand und spekuliert über den weiteren Fortgang der Auseinandersetzung.

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