Suchergebnisse für ‘spiegel online’

“Trusted Flagger”, Falschberater TikTok, Vermittlung gescheitert

1. Wie rechte Parteien in ganz Europa gegen öffentlich-rechtliche Medien vorgehen
(republik.ch, Dennis Bühler & Priscilla Imboden)
Rechtspopulistische Parteien wie die SVP in der Schweiz, die FPÖ in Österreich und die AfD in Deutschland würden gezielt Strategien verfolgen, um öffentlich-rechtliche Medien zu schwächen und zu diffamieren. Das Vorgehen ließe sich in vier Schritten zusammenfassen: Zunächst würden die Medien diskreditiert, dann finanziell durch Gebührenkürzungen unter Druck gesetzt, danach politisch vereinnahmt oder in Partei- und Propagandasender umgewandelt, und schließlich würden eigene rechte Mediennetzwerke aufgebaut.

2. “Medien machen sich von mächtigen Techunternehmen abhängig”
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Die Digitalexpertin und ehemalige EU-Abgeordnete Marietje Schaake warnt im Interview mit Sonja Peteranderl vor der wachsenden politischen Macht großer Tech-Konzerne. Schaake kritisiert insbesondere, dass Medien zu abhängig von Konzernen wie Google, Meta oder X seien und dadurch demokratische Prozesse gefährden würden. Sie fordert deshalb mehr Transparenz und eine wirksamere Regulierung, um die Demokratie gegen den zunehmenden Einfluss der Tech-Giganten zu schützen.

3. Bundesnetzagentur ernennt drei weitere Trusted Flagger
(zeit.de)
Die Bundesnetzagentur habe im Rahmen des Digital Services Act der EU drei weitere Organisationen (Bundesverband Onlinehandel, HateAid, Verbraucherzentrale Bundesverband) als sogenannte “Trusted Flagger” zertifiziert, damit strafbare Inhalte auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube effizienter gemeldet werden könnten. “Trusted Flagger” seien in der Lage, Hinweise auf möglicherweise illegale Inhalte mit Priorität bei den Plattformen zu platzieren, sie könnten jedoch selbst keine Löschentscheidungen treffen. Dies liege weiterhin in der Verantwortung der Plattformbetreiber.

Bildblog unterstuetzen

4. RBB kann sich nicht mit Ex-Intendantin Patricia Schlesinger einigen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der RBB habe sich nicht mit seiner ehemaligen Intendantin Patricia Schlesinger auf eine außergerichtliche Einigung verständigen können. Schlesinger verlange vom öffentlich-rechtlichen Sender ein monatliches Ruhegeld, während der RBB seinerseits Schadensersatz in Millionenhöhe von ihr fordere. Da die Vermittlungsversuche gescheitert seien, werde das Gericht voraussichtlich Anfang Juli eine Entscheidung treffen.

5. Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches soziales Netzwerk, Gavin Karlmeier?
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 22:36 Minuten)
Bei “Läuft”, dem Podcast von epd medien und Grimme-Institut, hat sich Alexander Matzkeit mit dem Digitalberater und Podcast-Host Gavin Karlmeier (“Haken dran”) unterhalten: “Sind soziale Netzwerke von Tech-Milliardären als Ausspielkanäle für ARD und ZDF noch angemessen? Oder ist es an der Zeit, eine europäisch-demokratische Alternative zu schaffen? Wie könnte sie aussehen?”

6. Viele beliebte TikToks zu psychischer Gesundheit sind fehlerhaft
(spiegel.de)
Viele TikTok-Videos zum Thema psychische Gesundheit würden falsche oder unzuverlässige Informationen verbreiten, wie eine Untersuchung der britischen Zeitung “Guardian” ergeben habe. Mehr als die Hälfte der beliebten Videos enthalte demnach fehlerhafte Tipps oder Versprechen, beispielsweise vermeintlich einfache Lösungen für Angstzustände oder Traumata. Experten würden warnen, dass solche Inhalte Nutzerinnen und Nutzer verwirren oder von notwendiger professioneller Hilfe abhalten könnten.
Weiterer Lesetipp zu TikTok: TikTok-Charts Mai 2025: Ein Monat der Abschiede und Neuanfänge (dwdl.de, Simon Pycha).

Zukunft von Phoenix, An den Rand gedrängt, Generationen-Stereotype

1. “Ich verstehe nicht, warum Phoenix in Frage gestellt wird”
(dwdl.de, Senta Krasser)
Bei “DWDL” berichtet Senta Krasser, dass der Fernsehsender Phoenix möglicherweise abgeschafft werden könnte, da ARD und ZDF im Zuge von Sparmaßnahmen zwei ihrer vier Informationskanäle einstellen müssten. Der langjährige Phoenix-Korrespondent Gerd-Joachim von Fallois äußere dazu deutliches Unverständnis und betone, der Sender sei unverzichtbar für die politische Bildung, biete einzigartige Einblicke und ermögliche ausführliche Analysen politischer Ereignisse. Fallois argumentiere, Phoenix erfülle seit Jahrzehnten konsequent seinen Auftrag und dürfe daher keinesfalls geopfert werden.

2. An den Rand gedrängt: Die mediale Marginalisierung Afrikas
(de.ejo-online.eu, Ladislaus Ludescher)
In deutschsprachigen Leitmedien werde Afrika laut Ladislaus Ludescher stark marginalisiert und bekomme nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Selbst große Krisen und Kriege wie im Sudan oder in der Region Tigray würden kaum erwähnt oder gänzlich ignoriert. Wenn doch über Afrika berichtet werde, dann fast ausschließlich über negative Themen. Dadurch entstehe ein einseitiges und oft stereotypes Bild.

3. Newsletter Netzwerk Recherche 245
(netzwerkrecherche.org, Annelie Naumann)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit einigen Worten von Annelie Naumann über die in zwei Wochen stattfindende zweitätige Jahreskonferenz des Netzwerks in Hamburg. Außerdem gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

Bildblog unterstuetzen

4. Digitalabgabe könnte Schieflage ausgleichen
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi unterstützt die von Staatsminister Wolfram Weimer vorgeschlagenen Pläne zur Einführung einer Digitalabgabe: “Eine Digitalabgabe würde endlich damit beginnen, die Marktschieflage zwischen in Deutschland tätigen Tech-Giganten und traditionellen Medienunternehmen auszugleichen. Die sich daraus ergebenden Erlöse sollten gezielt zur Förderung von Digitaljournalismus und demokratiefördernden publizistischen Projekten eingesetzt werden.”

5. Generationen-Stereotype in Medien
(deutschlandfunk.de, Pia Behme, 31:55 Minuten)
Auf der Digitalkonferenz re:publica sprachen Constanze Grießler (ORF), Christoph Daldrop (Universität Kiel) und Tobias Westphal (Jugendpresse e.V.) darüber, wie Medien Altersklischees fortschreiben und welche Auswirkungen diese Narrative auf Gesellschaft und Wahrnehmung haben.

6. Neuer Bericht über seinen Drogenkonsum – Elon Musk wirft »New York Times« Lügen vor
(spiegel.de)
Die “New York Times” (“NYT”) berichtet laut “Spiegel” unter Berufung auf Insider, Elon Musk habe während seines Engagements im US-Wahlkampf für Donald Trump erheblich mehr Drogen konsumiert als bekannt, darunter Ketamin, Ecstasy und psychedelische Pilze. Musk habe die Vorwürfe als Lügen bezeichnet und die Vertrauenswürdigkeit der “NYT” infrage gestellt, jedoch eingeräumt, in der Vergangenheit verschreibungspflichtiges Ketamin gegen depressive Episoden genommen zu haben. Unklar bleibe, ob Musk während seiner gerade beendeten Zeit als Regierungsberater unter Drogeneinfluss stand.

Machtfaktor Social Media, “RTL Direkt” eingestellt, Besetzung

1. re:publica 25: Machtfaktor Social Media
(youtube.com, Chan-jo Jun & Jessica Flint, Video: 53:31 Minuten)
Die Rechtsanwälte Chan-jo Jun und Jessica Flint betonen in ihrem Vortrag auf der re:publica, dass Social-Media-Plattformen zunehmend die öffentliche Meinungsbildung beeinflussen und die Demokratie bedrohen. Der Grund: Die Algorithmen würden oft extremistische und polarisierende Inhalte bevorzugen. Trotz bestehender Regulierung wie dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz oder dem Digital Services Act bleibe die Durchsetzung mangelhaft. Die zentrale Forderung der Experten: Soziale Netzwerke dürfen nicht länger als neutrale Plattformen, sondern müssen als redaktionell verantwortliche Medien behandelt und entsprechend reguliert werden, um Demokratie und Grundrechte wirksam zu schützen.

2. Propalästinensische Demonstranten besetzen “FAZ”-Gebäude
(tagesspiegel.de)
Etwa 20 propalästinensische Aktivisten hätten vorübergehend den Eingang des Gebäudes der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) besetzt, um gegen den Gaza-Krieg zu protestieren und ein propalästinensisches Statement der Zeitung zu erzwingen. Die “FAZ” habe diese Forderung abgelehnt, die Polizei habe die Blockade aufgelöst.

3. Die neue Macht vom Golf
(zeit.de, Eike Kühl)
Bei einem Besuch von US-Präsident Donald Trump in den Golfstaaten hätten führende Tech-Konzerne aus den USA wie OpenAI, Nvidia und Amazon milliardenschwere Abkommen geschlossen, um gigantische KI-Projekte und Rechenzentren in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufzubauen. Der Plan der Golfstaaten sei es, Künstliche Intelligenz künftig als wichtigen Wirtschaftssektor auszubauen und somit die eigene Abhängigkeit von Öleinnahmen zu reduzieren.

Bildblog unterstuetzen

4. RTL stellt Nachrichtenjournal »RTL Direkt« mit Pinar Atalay ein
(spiegel.de, Vicky Bargel)
RTL stellt aus Kostengründen sein Nachrichtenmagazin “RTL Direkt” mit Moderatorin Pinar Atalay ein. Es gehe dabei auch darum, Zuschauerinnen und Zuschauer länger an sich zu binden und Umschaltpunkte zu reduzieren. Über 30 Stellen seien von der Schließung betroffen, Atalay bleibe jedoch bei der RTL-Mediengruppe und erhalte ein neues Talkformat beim Sender n-tv. Zusätzlich würden beim zum Konzern gehörenden Magazin “Stern” Stellen gestrichen, darunter die gesamte Faktencheck-Abteilung.

5. Neuwahlen in Rumänien: Erneut koordinierte Online-Kampagnen
(de.ejo-online.eu, Manuela Preoteasa)
Die Präsidentschaftswahlen in Rumänien, die 2024 wegen koordinierter Online-Manipulation aus Russland annulliert wurden, seien bei der Neuwahl 2025 erneut durch manipulierte Kampagnen beeinflusst worden. Eine Recherche zeige, dass rechte politische Kräfte wie George Simion mithilfe gezielter emotionaler Beiträge, KI-generierter Bilder und manipulativer Social-Media-Taktiken hohe Wahlerfolge erzielen konnten. Diese koordinierten Online-Aktivitäten würden weiterhin die öffentliche Meinung verzerren und eine Gefahr für demokratische Wahlprozesse darstellen.

6. Cosima Gill – Nachrichtenjournalistin und Live-Reporterin beim Fernsehen
(spotify.com, Lisabell Shewafera, Audio: 48:27 Minuten)
Lisabell Shewafera spricht in ihrem Podcast “Inside Medien” mit Cosima Gill über deren Einstieg in den Journalismus und den beruflichen Weg zur Nachrichtenjournalistin und Live-Reporterin beim Fernsehen (unter anderem WDR und “Tagesschau”). Gill erzählt von ihren Erfahrungen bei journalistischen Förderprogrammen und gibt angehenden Journalistinnen und Journalisten praktische Tipps für den Berufseinstieg. Außerdem berichtet sie über Herausforderungen und Unsicherheiten, die sie zu Beginn ihrer journalistischen Laufbahn erlebt hat.

Pressefreiheit gefährdet, Irre Jagd auf Harry Styles, Entappelliert Euch!

1. Pressefreiheit: Wirtschaft und autoritäre Tendenzen machen Medien zu schaffen
(de.ejo-online.eu, Judith Odenthal)
Judith Odenthal vom deutschsprachigen “European Journalism Observatory” berichtet, dass sich die Lage der weltweiten Pressefreiheit laut der Organisation Reporter ohne Grenzen dramatisch verschlechtert habe. Autoritäre Regime und wirtschaftliche Krisen würden den Journalismus zunehmend bedrohen. Auch in Demokratien wie den USA und Deutschland sei der Druck auf unabhängige Medien gewachsen, sei es durch politische Rhetorik oder ökonomische Zwänge.

2. Verfolgt in Berlin: Die irre Jagd auf Harry Styles
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Boris Rosenkranz schildert bei “Übermedien”, wie sich der Aufenthalt des Musikers Harry Styles in Berlin zur medialen Jagd entwickle, bei der Styles’ Privatsphäre zunehmend missachtet werde. Radiosender und Boulevardblätter würden das Geschehen zusätzlich anheizen, etwa mit Prämien für Fotos oder Übersichtskarten mit Harry Styles’ Aufenthaltsorten. Rosenkranz sieht darin ein anschauliches Beispiel dafür, wie problematisch viele Redaktionen mit dem Recht auf Privatsphäre von Prominenten umgehen.

3. Grok macht »Programmierfehler« für Holocaustleugnung verantwortlich
(spiegel.de)
Elon Musks KI-Chatbot “Grok” habe Zweifel an der Zahl der im Holocaust ermordeten Jüdinnen und Juden geäußert. xAI, das Unternehmen hinter “Grok”, spreche von einer unbefugten Änderung durch einen “abtrünnigen Mitarbeiter” und habe die Äußerung inzwischen korrigiert. Zuvor habe “Grok” bereits durch das Verbreiten rechtsextremer Verschwörungsmythen für Kritik gesorgt, worauf xAI angekündigt habe, künftig transparenter vorzugehen und ein Überwachungsteam einzurichten.

Bildblog unterstuetzen

4. Über die Unabhängigkeit des profil: Was wir tun und lassen können
(profil.at, Sebastian Hofer & Jakob Winter)
Das österreichische Magazin “profil” weist den Vorwurf seiner ehemaligen Kolumnistin Barbara Blaha zurück, ihre Absetzung habe politische Gründe oder sei durch Eigentümerinteressen beeinflusst worden. Man habe sich aus redaktionellen Gründen von Blaha getrennt und betone, dass die Redaktion unabhängig von Eigentümern entscheide. Blahas Kritik am Einfluss wirtschaftlicher Strukturen auf Medien hält “profil” für irreführend und verweist im Gegenzug auf finanzielle Abhängigkeiten von Blahas Plattform Moment.at.

5. ProSiebenSat.1 übernimmt Podcast-Schmiede Studio Bummens
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet, übernimmt ProSiebenSat.1 die Mehrheit an der Podcast-Produktionsfirma Studio Bummens. Dadurch sollen Produktion und Vermarktung enger verzahnt werden und sich neue Möglichkeiten für Werbekunden sowie Podcast-Talente eröffnen. Beide Seiten würden den Zusammenschluss als strategischen Meilenstein mit großem Zukunftspotenzial bewerten.

6. Appell-Titel im Trend: Wenn Bücher uns anschreien
(br.de, Knud Cordsen)
Knut Cordsen schreibt beim Bayerischen Rundfunk über seine Beobachtung, dass immer mehr Bücher mit Appell-Titeln wie “Entromantisiert Euch!” oder “Entpolarisiert Euch!” erscheinen. Der Ursprung dieser Titelwelle liege in Stéphane Hessels erfolgreichem Essay “Empört Euch!”, seither sei der imperativische Ton zur gängigen Vermarktungsstrategie geworden. Cordsen übt ironisch Kritik an der Masche und ruft den Verlagen zu: “Strengt Euch an! Erfindet Euch neu! Bewegt Euch!”

Willkommen im Mainstream, Quoten über alles?, Falsche Fährte

1. Willkommen im Mainstream
(youtube.com, Jan Böhmermann, Video: 21:15 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe des “ZDF Magazin Royale” decken Jan Böhmermann und seine Redaktion auf, wie sich rechtsextreme Inhalte und Ideologien über vermeintlich harmlose YouTube-Kanäle (zum Beispiel zu Finanzen oder Patriotismus) in den Mainstream einschleichen und massiv zur Onlineverbreitung und Normalisierung der AfD beitragen. Es geht dabei auch um die Rolle des YouTube-Mutterkonzerns Google, der eine publizistische Mitverantwortung am Erstarken rechtsextremer Kräfte trage.

2. Quoten über alles?
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Nach der Einstufung der AfD als “gesichert rechtsextremistisch” fordert Ann-Kathrin Leclère in ihrem Kommentar ein Umdenken bei den öffentlich-rechtlichen Sendern: “Talkshows sind keine Pflichtveranstaltungen. Sie sind Teil politischer Öffentlichkeit – gestaltet von Redaktionen, von ­konkreten Personen, die Verantwortung tragen. Deshalb: Es reicht beim nächsten Mal vielleicht, die Statements der Weidels und Chrupallas vor der Sendung aufzuzeichnen und jeder Frage voranzustellen: Was sagen Sie als Mitglied einer ‘gesichert rechtsextremistischen’ Partei zu …?”

3. Wie gelingt Journalismus mit kühlem Kopf?
(deutschlandfunk.de, Stephan Beuting, Audio: 23:19 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die oft gestellte Frage, wie eine kritische und objektive Berichterstattung in Krisenzeiten aussehen sollte, vor allem wenn es um den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine geht. DLF-Moderator Stephan Beuting diskutiert mit Korrespondentin Gesine Dornblüth und dem Politikwissenschaftler Klaus Schlichte über den Vorwurf, “dass nicht nur die Situation Angst macht, sondern auch die Art und Weise, wie wir darüber berichten.”

Bildblog unterstuetzen

4. “Liebe ARD…!” Ein versöhnlicher Brief zum 75. Geburtstag
(rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm gratuliert der ARD mit einem kritischen und zugleich versöhnlichen Brief zum 75. Geburtstag: Er benennt die Skandale, Schwächen und Reformstaus der vergangenen Jahre und erinnert zugleich an die gesellschaftliche Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als unabhängige, nicht-kommerzielle Institution. Trotz ihrer Defizite sei die ARD ein wertvolles Modell solidarischer Medienversorgung, das es zu schützen und zu erneuern gelte.

5. Einblick oder Teil der Inszenierung? Die falsche Fährte von “Inside CDU”
(dwdl.de, Peer Schader)
Peer Schader kritisiert, dass die ZDF-Dokuserie “Inside CDU” trotz filmischer Hochglanzinszenierung keine echten Einblicke in die inneren Dynamiken der Partei biete, sondern überwiegend kontrollierte und banale Szenen zeige. Die versprochene Nähe zur Macht entpuppe sich als sorgfältig kuratierte Außendarstellung, die eher PR als kritische Dokumentation sei: “‘Alongside CDU’ wäre der ehrlichere Titel gewesen. Denn trotz aller kinoaffinen Brillanz bleibt die Kamera stets draußen, wenn die wirklich spannenden Geschichten beginnen.”

6. Mexiko verklagt Google wegen »Golf von Amerika«
(spiegel.de)
Mexiko habe Google verklagt, weil bei Google Maps der gesamte Golf von Mexiko als “Golf von Amerika” bezeichnet werde – ein Name, der ursprünglich nur für das US-Küstenmeer gedacht war. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum werfe Google vor, damit sogar über ein entsprechendes Dekret von Donald Trump hinauszugehen. Ihr Land fordere die Rückkehr zur historischen Bezeichnung für die nicht-amerikanischen Küstenabschnitte des Gewässers, das auch an Mexiko und Kuba grenzt.

Drohender Gegenwind, Trumps Pläne, Ausgezeichnete Redaktionen

1. ARD und ZDF droht Gegenwind
(t-online.de, Steven Sowa)
ARD und ZDF stünden vor der schwierigen Entscheidung, ob und wie sie nach der Einstufung der AfD als “gesichert rechtsextrem” durch den Verfassungsschutz weiterhin Vertreterinnen und Vertreter der Partei in ihre Talkshows einladen. Der Deutsche Journalisten-Verband fordere, “die völkischen, rassistischen und rechtsextremen Absichten dieser Partei” deutlicher hervorzuheben. Während das ZDF angekündigt habe, die Auftritte von AfD-Mitgliedern weiterhin zu prüfen, wolle die ARD künftig explizit darauf hinweisen, dass die AfD als rechtsextremistisch eingestuft worden sei.
Weiterer Lesehinweis in eigener Sache: Bei Bluesky kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “An alle Sender, Talkshowbetreiber und Medienverantwortlichen: Wer ab heute noch AfD-Vertreter einlädt, kann sich nicht mehr rausreden: Er normalisiert bewusst Rechtsextremismus. Schluss mit der falschen Neutralität! Demokratie bedeutet nicht, Demokratiefeinden ein Forum zu geben.”

2. Medien werden zensiert, Re­por­te­r eingeschüchtert
(taz.de, Anja Osterhaus)
Anja Osterhaus, Geschäftsführerin bei der Organisation Reporter ohne Grenzen, zieht anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit eine ernüchternde Bilanz. In ihrem Kommentar bei der “taz” schreibt sie, dass Medienschaffende weltweit zunehmenden wirtschaftlichen, politischen und physischen Bedrohungen ausgesetzt seien. Besonders kritisch sei die Lage derzeit in den USA unter Donald Trump, in Argentinien unter Javier Milei und in Serbien bei zunehmender russischer Propaganda. Deutschland stehe zwar vergleichsweise besser da, habe aber ebenfalls dringenden Handlungsbedarf, insbesondere bei der Umsetzung der Anti-SLAPP-Richtlinie der EU und bei der Abwehr neuer staatlicher Überwachungsmaßnahmen.

3. “Er hat es auf die Sesamstraße abgesehen”: Trump will öffentlichen Sendern staatliche Finanzierung streichen
(tagesspiegel.de)
US-Präsident Donald Trump wolle mit einem neuen Dekret die staatliche Finanzierung der öffentlichen Sender PBS und NPR streichen. Die Rundfunkanstalten sollen angeblich nicht “fair, präzise und unvoreingenommen” über Trumps Politik berichten. Die Demokratische Partei kritisiere diesen Schritt scharf als Angriff auf die Meinungsfreiheit und auf Bildungsprogramme.
Weiterer Lesetipp: Wie Trumps Anti-Medien-Strategie Lokalzeitungen trifft: “US-Präsident Donald Trump legt sich nicht nur mit renommierten Medien wie AP an, sondern auch mit kleinen Zeitungen, die kritisch über ihn berichten.” (taz.de, Felix Biermayer)
Außerdem lesenswert: Was das Einfrieren von USAID-Mitteln für die ukrainische Medienlandschaft bedeutet (de.ejo-online.eu, Oleksandra Yaroshenko).

Bildblog unterstuetzen

4. SR kappt Verbindungen zu einem rechtskonservativen Medienmogul
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Saarländische Rundfunk (SR) verkaufe seine Anteile am französischen Radiosender Europe 1, weil dieser zuletzt stark nach rechts gerückt sei. Verantwortlich für diesen Kurswechsel, zu dem auch die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Moderator Cyril Hanouna gehöre, sei der rechtskonservative Medienmogul Vincent Bolloré. Dieser habe mittlerweile erheblichen Einfluss auf Europe 1. Um sich von diesem Umfeld klar abzugrenzen, ziehe sich der SR nun komplett zurück.

5. Werden medial die falschen Themen gesetzt?
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 35:12 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob Themen und Schwerpunkte in der medialen Berichterstattung falsch gesetzt werden, gerade bei “Zusammenhängen zwischen Wirtschaftswachstum und den ökologischen Folgen”. Es diskutieren DLF-Hörerin Beate Allmenröder und Birgid Becker aus der DLF-Wirtschaftsredaktion.

6. Die Redaktionen des Jahres 2024
(journalist.de, Frederik Holtkamp & Mia Pankoke & Kathi Preppner)
Die “Zeit” führt auch im Jahr 2024 mit 29 Auszeichnungen die Rangliste der meistprämierten Redaktionen im deutschsprachigen Raum an, gefolgt von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und dem “Spiegel”. Das ergab eine jährliche Auswertung der Medienpreise durch das Magazin “journalist”. Besonders erfolgreich waren neben der “Zeit” der WDR (24 Auszeichnungen), der SWR (23) und der BR (22).

Interessenkonflikt bei Weimer?, Regierungssprecher, Hartes Brot

1. “Durch Position als Medienunternehmer”
(tagesspiegel.de)
Wegen eines möglichen Interessenkonflikts kritisiere der Verein “Lobbycontrol” die Ernennung von Wolfram Weimer zum Kulturstaatsminister. Trotz Weimers Rückzug aus der Geschäftsführung seines Medienunternehmens bleibe laut Kritikern der Interessenkonflikt bestehen, da seine Ehefrau die Leitung des Unternehmens übernehme. Der Kulturverein “ensemble-netzwerk” sehe Weimer als ungeeignet für das Amt an und fordere in einer Petition eine Neubesetzung mit einer kulturpolitisch erfahrenen Person.

2. Journalist der “Süddeutschen Zeitung” wird Regierungssprecher
(t-online.de)
Die “Süddeutsche Zeitung” gibt “in eigener Sache” bekannt, dass ihr langjähriger Politikchef Stefan Kornelius neuer Regierungssprecher wird. Kornelius sei seit 1991 zunächst als Korrespondent und später als Ressortleiter Außenpolitik und Politik für die “SZ” tätig gewesen und habe insbesondere die außen- und sicherheitspolitische Berichterstattung der Zeitung maßgeblich geprägt.

3. Zwei Millionen Euro
(kontextwochenzeitung.de, Anna Hunger)
Im dritten Teil ihrer Serie über SLAPP-Klagen berichtet die “Kontext”-Redaktion, dass der Fotojournalist Jannis Große vom Energieunternehmen RWE auf mehr als zwei Millionen Euro Schadenersatz verklagt worden sei, weil er eine Kraftwerksblockade im Jahr 2017 journalistisch begleitet habe. Obwohl Große seine Fotos an Medien verkauft habe, werfe RWE ihm vor, aktiv an der Blockade beteiligt gewesen zu sein. Der Fall zeige exemplarisch, wie strategische Klagen kritischen Journalismus unter Druck setzen und Medienschaffende abschrecken könnten.
Weitere Lesetipps aus der “Kontext”-Serie:
 Es bleibt immer etwas kleben über die Angriffe auf die “Correctiv”-Recherche zum “Geheimplan gegen Deutschland” sowie Einschüchterung misslungen über den Kampf des Hamburger Vereins “Rettet den Regenwald” gegen eine SLAPP-Klage.

Bildblog unterstuetzen

4. Hartes Brot: Freie im Journalismus
(verdi.de, David Bieber)
David Bieber schreibt, dass freie Journalistinnen und Journalisten oft unter prekären Bedingungen arbeiten. Viele von ihnen müssten ihre Technik selbst stellen, auf rechtliche Absicherung verzichten und Honorare akzeptieren, die kaum zum Leben reichen. Zwar gebe es vereinzelt faire Auftraggeber, aber strukturelle Probleme wie fehlende Tarifbindung, unklare Regelungen für Soloselbstständige und der zunehmende Konkurrenzdruck durch die Künstliche Intelligenz würden die Situation verschärfen.

5. US-Kongress verabschiedet Gesetz gegen Deepfake-Pornografie
(spiegel.de)
Der US-Kongress habe ein Gesetz verabschiedet, das die Verbreitung von echten und KI-generierten Nacktbildern ohne Zustimmung künftig landesweit unter Strafe stelle und deren Löschung erleichtern solle. Kritiker wie die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation würden befürchten, das Gesetz könnte zur Zensur führen: “Präsident Trump selbst hat gesagt, dass er das Gesetz nutzen würde, um seine Kritiker zu zensieren.”

6. Wie Pop-Up-Redaktionen die Leserbindung stärken
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Der Zeitungsverlag Waiblingen wolle mit mobilen Pop-Up-Redaktionen in kleineren Gemeinden die Nähe zur Leserschaft stärken und digitale Angebote wie das ePaper bewerben. Redaktion und Marketing würden dabei eng zusammenarbeiten und auf persönlichen Kontakt, Beratung vor Ort sowie flexible Abomodelle setzen, was zu zahlreichen Neuabschlüssen und Probeabos geführt habe.

Drohender Kulturkampf?, Problem mit Ruhegeldern, Zerschlagung

1. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer braucht einen Masterplan
(djv.de, Gina Schad)
Gestern verkündete der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass Wolfram Weimer, einst Chefredakteur der “Welt” und des “Focus”, Kulturstaatsminister werden soll. Der Deutsche Journalisten-Verband kommentiert Weimers Ernennung: “Durch seinen beruflichen Hintergrund als Verlagsmanager kennt Wolfram Weimer den Hintergrund privater Medienhäuser. Wir hoffen daher, dass er sich für eine zukunftsweisende Journalismusförderung einsetzen wird, der Qualitätsjournalismus in der Fläche garantieren wird und nicht auf eine reine Subventionierung der Zustellung von Printprodukten setzt.”
Weiterer Lesetipp: In der “taz” konstatiert Dirk Kniphals: “Droht also jetzt ein rechter Kulturkampf von der Spitze des Kulturstaatsministeriums aus? Es spricht tatsächlich viel dafür, dass Weimer geholt wird, um es den Linken, den ‘Gutmenschen-Bevormundern und moralischen Besserwissern’, wie er im Vorwort zu seinem Buch formuliert, zu zeigen. Avancierte, emanzipative und popkulturelle Ansätze müssen sich auf Gegenwind einstellen.”

2. Der RBB wird sein Problem mit hohen Ruhegeldern nicht los
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Der RBB sei vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, die hohen Ruhegeldzahlungen an eine ehemalige Programmdirektorin einzustellen, und müsse der Frau weiter monatlich über 8.000 Euro Ruhegeld zahlen. Der öffentlich-rechtliche Sender habe erfolglos argumentiert, die Verträge seien sittenwidrig und würden wegen der enormen Gesamtsummen ein “wucherähnliches Rechtsgeschäft” darstellen.
Weiterer Lesetipp: In seinem Kommentar beim “Tagesspiegel” fragt Joachim Huber: “Ist nun moralisch fragwürdig, was rechtlich zulässig ist? Das muss die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das muss Claudia Nothelle für sich entscheiden.”

3. Warum es für Alphabet, Meta & Co. eng werden könnte
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Tomas Rudl beschreibt, wie große Technologiekonzerne durch kartellrechtliche Untersuchungen und Gerichtsverfahren immer stärker unter Druck geraten. Insbesondere Alphabet (Google) drohe nach den jüngsten Urteilen die Zerschlagung. Rudl erläutert auch die politische Dimension dieser Verfahren, in denen Republikaner wie Donald Trump und JD Vance die Konzerne nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ideologisch ins Visier nähmen.

Bildblog unterstuetzen

4. Newsletter Netzwerk Recherche 244
(netzwerkrecherche.org, Stefanie Dodt)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit Überlegungen von Stefanie Dodt, warum Redaktionen ihre Rechercheobjekte nicht erst kurz vor der Veröffentlichung konfrontieren sollten, und wie ein frühzeitiger Dialog zu mehr Vertrauen führen kann. Außerdem gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Urteil: Medienwächter dürfen Pornoplattformen sperren lassen
(digitalfernsehen.de, Florian Pötzsch)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe entschieden, dass die Medienanstalt Berlin-Brandenburg berechtigt sei, Internetanbieter zur Sperrung der deutschsprachigen Pornoseiten “Pornhub” und “Youporn” zu verpflichten, da deren Betreiberin “Aylo Freesites” jahrelang Jugendschutzauflagen ignoriert und finanzielle Interessen über rechtliche Vorgaben gestellt habe. “Aylo Freesites” könne gegen diese Entscheidung noch Rechtsmittel beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einlegen.

6. Filmtipp: Good News
(verdi.de, Jürgen Kiontke)
Jürgen Kiontke empfiehlt “Good News”, einen Spielfilm von Hannes Schilling über den Journalisten Theo, der unter beruflichem und finanziellem Druck eine Reportage über Rebellen in Südthailand erfindet. Der Film reflektiere kritisch, aber empathisch, über die Isolation von Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten in gefährlichen Gebieten, den Druck und die Gefahren im Journalismus und erinnere dabei an reale Fälle wie den von Claas Relotius.

Rekordentschädigung, Gefahr von innen, Von Finnland lernen

1. Hier läuft etwas schief
(taz.de, Dirk Knipphals)
Wie Dirk Knipphals in der “taz” schreibt, komme die größte Gefahr für die öffentlich-rechtlichen Sender nicht von außen, sondern von innen. Intendanz und Leitungsebenen würden zunehmend rechte Narrative aufgreifen und journalistische Qualität zugunsten von populistischen Formaten und gefälligen Botschaften zurückstellen. Statt die Gesellschaft zusammenzuhalten, wie es ihr Auftrag wäre, könnten ARD und ZDF ihre Glaubwürdigkeit verlieren. Knipphals’ Fazit: “Was ihre Legitimation tatsächlich bedroht, ist nicht das bröckelnde ‘für alle’, sondern der Zynismus eines populistischen Programms.”

2. Wie rechtspopulistisch will die ARD eigentlich noch werden?
(stern.de, Stephan Maus)
Stephan Maus kritisiert in seinem Meinungsbeitrag, dass die ARD zunehmend rechtspopulistischen Tendenzen Raum gebe, indem sie TV-Persönlichkeiten wie Dieter Hallervorden, Dieter Nuhr oder Serdar Somuncu Sendezeit einräume. Statt Haltung gegen Hassrede und populistische Narrative zu zeigen, versuche der Sender offenbar, sich gegen den Vorwurf der woken Einseitigkeit abzusichern, und verliere dabei seinen demokratischen Auftrag aus den Augen. Auf diese Weise, warnt Maus, entwickle sich die ARD von einer Brandmauer der Demokratie zu einem Brandbeschleuniger.

3. Rekordentschädigung für Berliner Polizistin
(tagesspiegel.de, Alexander Fröhlich)
Die “Bild”-Redaktion habe in ihrer Berichterstattung eine Berliner Polizistin mit erfundenen und falschen Vorwürfen diffamiert, was zu einer Richtigstellung und einer Rekordentschädigung in Höhe von 150.000 Euro geführt habe. Die Artikel hätten der Frau zu Unrecht sexuellen Missbrauch unter Drogeneinfluss vorgeworfen. Die “Bild”-Zeitung habe die Fehler öffentlich eingeräumt, um Entschuldigung gebeten und eine Richtigstellung prominent auf der Titelseite veröffentlicht.

Bildblog unterstuetzen

4. Alarmismus: “Heute” missbraucht Kindergarten-Studie
(kobuk.at, Jakob Klawatsch)
Wie Jakob Klawatsch bei “Kobuk” berichtet, stelle die österreichische Zeitung “Heute” unbelegte Behauptungen über den Sprachverlust deutschsprachiger Kinder in Kindergärten auf und berufe sich dabei in irreführender Weise auf eine Studie. Diese habe jedoch keine Sprachtests durchgeführt, sondern lediglich Einschätzungen von Kindergartenleitungen eingeholt. Laut einem der Studienautoren zeige die Untersuchung vor allem, dass das Bildungsniveau der Eltern für die Sprachentwicklung entscheidend sei. Ein tatsächlicher Sprachverlust sei nicht belegt.

5. Medienkompetenz: Von Finnland lernen
(verdi.de, Sarah Schaefer)
Desinformation stelle in Deutschland ein wachsendes Problem dar, dem viele Menschen mangels Medienkompetenz kaum gewachsen seien. Als Vorbild im Umgang mit “Fake News” gelte Finnland, wo die Schulung der Medienkompetenz bereits früh im Bildungssystem verankert sei und als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werde. Dies führe zu einem hohen Vertrauen der Bevölkerung in Staat, Medien und Bildung, was Menschen widerstandsfähiger gegen Desinformation mache.

6. Das hatte sich Google anders vorgestellt
(zeit.de)
Wie Pauline Schinkels bei “Zeit Online” schreibt, drohe neben Meta auch Google in den USA juristisches Ungemach. Das US-Justizministerium fordere, dass der Konzern seinen Browser Chrome verkauft, was einer Zerschlagung gleichkäme. Obwohl die Techkonzerne auf Rückendeckung durch die wirtschaftsfreundliche Trump-Regierung gehofft hätten, setze diese die Verfahren weiter fort – offenbar weil führende Republikaner dem Silicon Valley weiterhin misstrauen.

Medienrat als Chance, Zumutung Journalismus, “Adolescence”

1. Urteil: Weißes Haus muss AP Zugang gewähren
(reporter-ohne-grenzen.de)
Ein US-Gericht habe entschieden, dass die Regierung unter Donald Trump die Nachrichtenagentur AP nicht länger von Veranstaltungen im Weißen Haus ausschließen dürfe, da dies gegen die Pressefreiheit und den ersten Verfassungszusatz verstoße. Die Organisation Reporter ohne Grenzen begrüßt das Urteil als wichtiges Signal gegen die Versuche der Trump-Administration, kritische Medien zu sanktionieren: “Der Ausschluss war ein eklatanter Eingriff in die Pressefreiheit. Er hat deutlich gemacht, wie die US-Administration das First Amendment interpretiert: Meinungsfreiheit soll nur für die gelten, die der Meinung der US-Regierung folgen. Die Entscheidung des Gerichts ist ein Etappensieg im Kampf um den Rechtsstaat.”
Weiterer Lesetipp: Trump will AP weiter nicht im Oval Office – trotz Richterspruch (spiegel.de).

2. Medienrat: Chance für den ÖRR
(verdi.de, Volker Nünning)
Wie Volker Nünning berichtet, planen die Bundesländer die Einführung eines neuen Medienrats, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk strategisch begleiten und evaluieren soll. Das Gremium solle aus sechs unabhängigen Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen bestehen. Während einige Akteure wie der ZDF-Fernsehrat und der Kulturrat einen neuen Medienrat als überflüssig und potenziell bürokratisch kritisieren würden, sähen andere wie Medienrechtler Wolfgang Schulz darin eine Chance für neue Impulse.

3. NDR-Gremien lassen Sandra Harzer-Kux ins Messer laufen
(taz.de, Benno Schirrmeister)
Benno Schirrmeister kritisiert, dass das Auswahlverfahren für die NDR-Intendanz veraltet und intransparent sei, und dass der Personalrat erst nach dem Scheitern der Wahl von Sandra Harzer-Kux dagegen protestiert habe. Harzer-Kux, eine erfahrene Medienmanagerin ohne klassischen NDR-Hintergrund, sei offenbar nicht an mangelnder Kompetenz, sondern am fehlenden “Stallgeruch” gescheitert. Der Fall zeige, wie dringend eine Reform des Wahlverfahrens nötig ist, damit externe Kandidatinnen und Kandidaten eine faire Chance haben.

Bildblog unterstuetzen

4. Die Opfer sind nicht “pedo” und die Täter keine “hunters”
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi schreibt, dass Medien unreflektiert die Selbstbezeichnung einer homophoben Tätergruppe als “Pedo-Hunter” übernähmen und damit deren Gewalt gegen unschuldige junge Männer verharmlosen würden. Ermittlungen der Polizei und journalistische Recherchen würden belegen, dass keines der Opfer pädophil war und die Täter bewusst unter falschem Vorwand handelten. Durch die mediale Wiederholung des Täter-Framings entstehe ein gefährliches Missverständnis in der Öffentlichkeit, das Hassverbrechen relativiere.

5. Warum der Journalismus für Eltern zur Zumutung wird
(tageins.at, Dominik Ritter-Wurnig)
Der Beruf Journalismus mache es Eltern durch starre Arbeitszeiten, Präsenzkultur und fehlende Vereinbarkeit mit dem Familienleben besonders schwer – oft mit der Folge, dass Betroffene ihre Karriere zurückstellen oder die Branche verlassen. Der Report “Störfaktor Kind” (PDF) zeige, dass nicht individuelle Schwächen, sondern strukturelle Probleme wie mangelnde Wertschätzung, schlechte Bezahlung und eingeschränkte Aufstiegschancen verantwortlich seien. Um Fachkräfte, Vielfalt und Qualität zu erhalten, brauche es grundlegende Veränderungen in der Arbeitskultur.
Anmerkung zum verlinkten Artikel: “tag eins” stellt den Betrieb am 30. April ein: “Die monatlichen Ausgaben von tag eins sind höher als die monatlichen Einnahmen. Für kein Unternehmen dieser Welt kann das gut gehen. Wir ziehen jetzt die Reißleine, wollen die GmbH ordentlich abwickeln und keinen einzigen Cent schuldig bleiben.” (tageins.at)

6. Jugendliche sollten diese Serie sehen? Nein: Erwachsene
(krautreporter.de, Lea Schönborn)
Nicht Jugendliche, sondern Erwachsene sollten sich die Netflix-Serie “Adolescence” ansehen, um zu verstehen, in welcher digitalen Realität Jugendliche heute leben, meint Lea Schönborn. Viele Eltern, Lehrerinnen und Lehrer hätten erst durch die Serie erkannt, welchen Einfluss Onlinekulturen und Soziale Netzwerke auf Jugendliche haben, und dass Probleme wie Frauenhass oder Mobbing nicht durch das Internet entstehen, sondern sich dort nur anders darstellen.

Blättern:  1 ... 79 80 81 ... 225