Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Ringen um TV-Duelle, Rufmord, Ausgezeichnete Recherche

1. ARD und ZDF verteidigen TV-Duell-Pläne gegen scharfe Kritik
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Uwe Mantel schreibt bei “DWDL” darüber, wie ARD und ZDF ihre geplanten TV-Duelle zur kommenden Bundestagswahl gegen die scharfe Kritik von Grünen und AfD verteidigen. Er erklärt, wie die Sender ihre Entscheidung begründen, SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz gegen CDU-Herausforderer Friedrich Merz und in einem zweiten Duell Robert Habeck (Grüne) gegen Alice Weidel (AfD) antreten lassen zu wollen, wobei Habeck bereits signalisiert habe, nicht teilnehmen zu wollen. Außerdem geht Mantel darauf ein, wie ARD, ZDF und auch RTL mit möglichen Absagen umgehen könnten und wie sie ihre Formate inhaltlich begründen.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “ARD und ZDF haben eine Debatte losgetreten, die das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit nachhaltig beschädigen könnte. Es ist höchste Zeit, dass die Verantwortlichen ihre Entscheidung überdenken – sonst wird aus der Wahl-Debatte eine Debatte über das Fernsehen selbst.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:09 Minuten)

2. “Wir können von Glück sagen, dass niemand von uns darüber verrückt geworden ist”
(mediummagazin.de, Frederik von Castell & Annette Milz)
Für die investigative Recherche “Geheimplan gegen Deutschland” wurde das “Correctiv”-Team von der Jury des “medium magazin” als “Journalist:innen des Jahres” ausgezeichnet. Im Interview ziehen “Correctiv”-Chefredakteur Justus von Daniels, die stellvertretende Chefredakteurin Anette Dowideit sowie Undercover-Reporter Jean Peters Bilanz über die Enthüllung und deren Folgen.
Weiterer Lesetipp: In eigener Sache: Medium Magazin zeichnet CORRECTIV-Team für “Geheimplan-Recherche” aus (correctiv.org, Anna-Maria Wagner).

3. Sprechen wir über … Rufmord?! – Das Weihnachtsspecial mit Renate Künast
(ardaudiothek.de, Holger Schmidt & Thomas Fischer, Audio: 1:00:53 Stunden)
In der aktuellen Folge von “Sprechen wir über Mord!?” heißt es diesmal ausnahmsweise “Sprechen wir über Rufmord!?” In einer Sonderfolge des True-Crime-Podcasts haben der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt und der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer die Grünen-Politikerin Renate Künast zu Gast und sprechen mit ihr über Hass im Internet.

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4. Elon Musk unterstützt offenbar britische Rechtspopulisten um Nigel Farage
(spiegel.de)
Elon Musk scheint nicht nur den designierten US-Präsidenten Donald Trump, sondern auch die rechtspopulistische britische Partei Reform UK zu unterstützen. Musks Aktivitäten würden zeigen, wie er Soziale Medien, insbesondere X/Twitter, als Bühne für politische Einflussnahme nutze, teilweise in Verbindung mit seiner Ablehnung vorgesehener Regulierungen wie dem britischen Online Safety Act. Reform-UK-Politiker Nigel Farage habe angedeutet, dass Musk nicht nur ideologische Unterstützung bietet, sondern auch eine Großspende von bis zu 100 Millionen US-Dollar in Aussicht stellt.

5. “Nicht absitzen”: Wie arbeiten russische Investigativjournalisten im Exil?
(de.ejo-online.eu, Svetlana Greidina)
Svetlana Greidina beschreibt, wie russische Investigativjournalistinnen und -journalisten wie Katya Bonch-Osmolovskaya von “IStories” trotz Exil und ständiger Bedrohung weiterhin Missstände in Russland aufdecken. Sie nutzen Methoden wie OSINT, Insider-Quellen und internationale Kooperationen, um Daten zu sammeln und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf gesellschaftliche Probleme zu lenken. Ihre Arbeit zeige, wie wichtig unabhängiger Journalismus ist, um unter autoritären Bedingungen Transparenz zu schaffen und den Menschen eine Stimme zu geben.

6. Lost Places in den Medien: Schmaler Grat zwischen Erhalt des Ortes und Erhalt der Geschichte
(fachjournalist.de, Fabian Holtappels)
“Lost Places, also vergessene oder verlassene Orte, werden vor allem bei jungen Menschen immer beliebter. Insbesondere auf YouTube ist die Nachfrage nach Lost Places riesig. Dass es aber gerade das Internet und die Medien sind, die zur Zerstörung dieser Orte mit ihrer individuellen Geschichte beitragen, wird dabei wohl immer häufiger vergessen. Doch wie können Journalisten über Lost Places berichten, ohne diesen zu schaden?” Fabian Holtappels geht dieser Frage nach und beleuchtet in seinem Beitrag die Verantwortung der Medien.

Diskussion um Diskussionsrunden, “Bürgerreporter”, Ganzes Buch

1. Angekündigte TV-Duelle sorgen für Unmut bei Parteien
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Für den anstehenden Bundestagswahlkampf planen die TV-Sender bereits die obligatorischen TV-Duelle mit den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten. Doch die angedachten Diskussionsrunden sorgen schon jetzt für Diskussionen, wie Timo Niemeier bei “DWDL” berichtet: “ARD und ZDF sowie RTL wollen in einem TV-Duell Olaf Scholz und Friedrich Merz gegeneinander antreten lassen. Kritik kommt nun von den Parteien, die zu diesem Schlagabtausch nicht eingeladen sind, vor allem die Grünen ärgern sich. Die AfD kündigt eine juristische Überprüfung an.”
Weiterer Lesetipp: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) nimmt die vorgezogene Wahl zum Anlass, die politischen Parteien aufzufordern, die Themen Journalismus und Medien in ihre Wahlprogramme aufzunehmen. “Mit ihren Wahlprogrammen geben die Parteien die politischen Linien für den Fall einer Regierungsbeteiligung vor”, so der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: “Deshalb ist es jetzt wichtig, klare Aussagen zu existenziellen Fragen des Journalismus zu treffen.” (djv.de, Hendrik Zörner)

2. Der falsche Kautabak
(taz.de, Martin Seng)
Martin Seng beschreibt in seinem “taz”-Artikel, wie Satire-Accounts bei X (ehemals Twitter) Politikerinnen und Politiker wie Karl Lauterbach parodieren und dabei mit Deepfake-Bildern arbeiten. Er berichtet von einem eigenen Moment der Täuschung durch den Satire-Account “Karl Kautabak” und betont, dass nicht jeder die Medienkompetenz hat, solche Fakes sofort zu erkennen. Seng warnt vor der wachsenden Gefahr von Falschinformationen in den Sozialen Medien und betont die Notwendigkeit, wachsam zu bleiben, da selbst kurze Momente der Verwirrung schwerwiegende Folgen haben können.

3. Medienunternehmen haftet für “Bürgerreporter”
(lto.de, Entela Hoti)
Das Landgericht Essen habe entschieden, dass Medienunternehmen für Inhalte von “Bürgerreportern” haften, wenn diese falsche Informationen verbreiten. Im konkreten Fall habe ein “Bürgerreporter” auf der Plattform “Lokalkompass” einen Kommunalpolitiker anlasslos verdächtigt, Beihilfe zu einem Kindesmissbrauch geleistet zu haben, und damit dessen Persönlichkeitsrecht verletzt. Da das Medienunternehmen die Inhalte ohne klare Abgrenzung zu professionellen Beiträgen veröffentlicht und sich die Inhalte durch Nutzungsrechte zu eigen gemacht habe, trage es die Verantwortung für die Berichterstattung.

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4. Kann Gen Z kein ganzes Buch mehr lesen?
(boersenblatt.net, Jaqueline Weigl)
“Zunehmend berichten Professor:innen, dass junge Studierende Probleme damit haben, ganze Bücher zu lesen, auch Forscher:innen befassen sich mit mit dem Phänomen. Welche Ursachen hat das unangenehme Gefühl beim Lesen eines kompletten Buchs – und welche Konsequenzen drohen?” Jaqueline Weigl ist diesen Fragen nachgegangen und hat nicht unbedingt positiv stimmende Antworten gefunden.

5. Ausgezeichnete Beiträge: Journalismuspreis von unten 2024 vergeben
(armutskonferenz.at)
In Wien wurde zum 15. Mal der Journalismuspreis “von unten” für “tiefgründige und respektvolle Armutsberichterstattung” verliehen. In der Kategorie Print wurde Max Miller (“Profil”) für seinen Beitrag über Energiearmut ausgezeichnet, in der Kategorie Radio & Podcast Iris Haschek und Golli Marboe für “Armut ist unsichtbar” (“mental health radio”). Weitere Preise gingen unter anderem an Johannes Greß (wienerzeitung.at) in der Kategorie Online und Čedomira Schlapper (“ORF Aktuell nach Eins”) in der Kategorie Fernsehen.

6. DAZN sendet versehentlich Scientology-Werbung
(spiegel.de)
Der Streaminganbieter DAZN habe während der Übertragung der Darts-Weltmeisterschaft versehentlich einen Werbespot der umstrittenen Organisation Scientology ausgestrahlt und damit gegen den Medienstaatsvertrag verstoßen. Laut DAZN sei der Vorfall auf die automatisierte Werbevermarktung durch einen globalen Dienstleister für unverkaufte Werbeplätze zurückzuführen. Der Streamingdienst habe ausdrücklich um Entschuldigung gebeten, sich von den Inhalten des gesendeten Spots distanziert und betont, Maßnahmen ergriffen zu haben, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Jahresbilanz der Pressefreiheit, Gewalt gegen Frauen, Rundfunkpolitik

1. Weltweit 54 Journalisten getötet und 550 in Haft
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat ihre aktuelle “Jahresbilanz der Pressefreiheit” veröffentlicht (PDF), laut der weltweit derzeit 550 Journalistinnen und Journalisten in Gefängnissen sitzen, sieben Prozent mehr als im Vorjahr: “Die Zahl der 2024 weltweit getöteten Journalistinnen und Journalisten bleibt auf einem hohen Niveau. Bis zum Stichtag 1.12. kamen 54 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit ums Leben. Fast ein Drittel von ihnen wurde in Gaza getötet. Insgesamt kamen dort seit Kriegsbeginn am 7. Oktober 2023 mehr als 145 Medienschaffende ums Leben, darunter mindestens 35 mit klarem Bezug zu ihrer Arbeit.”

2. Nicht viel gelernt
(taz.de, Ann-Kathrin Leclère)
Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung (PDF) zeige, dass die Berichterstattung über geschlechtsspezifische Gewalt in deutschen Medien oft oberflächlich bleibe, Täterperspektiven überbetone und wichtige Aspekte wie Hilfsangebote oder gesellschaftliche Maßnahmen vernachlässige. Partnerschaftsgewalt und strukturelle Hintergründe würden selten thematisch eingeordnet, und stereotype Darstellungen, etwa bei nichtdeutschen Tatverdächtigen, würden Vorurteile verstärken.

3. Das Exxpress-Netzwerk
(tageins.at, Dominik Ritter-Wurnig & Markus Sulzbacher)
“Exxpress bleibt auch im dritten Jahr seiner Gründung ein Krawallmedium, das nochmals einen Stock tiefer als der Boulevard agiert. Nicht-Ereignisse werden zu Stories aufgeblasen und mit billigem Clickbait Nutzer*innen abgezogen. Dazwischen finden sich reißerische Geschichten vom deutschen Partnerportal Nius und banale APA-Meldungen.” Dominik Ritter-Wurnig und Markus Sulzbacher haben sich angeschaut, was das österreichische Portal “Exxpress” einmal war, was es aus ihrer Sicht heute ist und was es gerne wäre.
Update: Der Beitrag wurde inzwischen hinter eine Paywall gestellt.

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4. Australien plant Strafzahlungen für Internetriesen, die für Nachrichten nicht bezahlen
(spiegel.de)
Australiens Regierung plane neue Regelungen, um Internetkonzerne wie Google und Meta zur Bezahlung von Nachrichteninhalten zu verpflichten. Ab 2025 wolle sie eine Art Sondersteuer für Unternehmen einführen, die sich weigern, mit Medienhäusern zu verhandeln. Bei einigen Konzernen führe das offenbar zu einem gegenteiligen Effekt: “Meta, zu dem auch Instagram, Threads und WhatsApp gehören, hat den Anteil, der Nachrichten und politische Inhalte umfasst, global zurückgefahren – angeblich, um die Anzahl der Zugriffe zu steigern. Nachrichtenlinks würden inzwischen nur noch einen Bruchteil der Feeds der Nutzer ausmachen. In Kanada boykottiert der Konzern sogar journalistische Angebote, um einer Zahlungspflicht zu entgehen.”

5. Wie bulgarische Medien über Minderheiten berichten
(de.ejo-online.eu, Ivo Indzhov)
Eine Untersuchung zur Berichterstattung über Minderheiten in bulgarischen Medien zeige deutliche Diskrepanzen zwischen dem Ethikkodex der Branche und der tatsächlichen Praxis, berichtet Ivo Indzhov: “Der Bericht analysiert, wie bulgarische Medien traditionelle Minderheitengruppen, bestimmte gefährdete Gruppen wie LGBTI sowie Migranten aus dem Nahen Osten und Nordafrika und Geflüchtete aus der Ukraine darstellen. Während einige Gruppen neutral behandelt werden, werden andere von vielen Medien als Zielscheibe benutzt.”

6. Komplett-Verweigerung der Rundfunkpolitik
(verdi.de)
Die gestrige Ablehnung der von der KEF empfohlenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent ab 2025 durch die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wird von der Gewerkschaft Verdi scharf kritisiert. Christoph Schmitz-Dethlefsen, im Verdi-Bundesvorstand für Medien zuständig, kommentiert: “Das Gebaren der Ministerpräsident*innen in der Rundfunkpolitik ist nicht hinnehmbar. Indem sie die nötige Beitragserhöhung verwehren, brechen die Regierungschef*innen der Länder mit verfassungsrechtlich geregelten Verfahren.”

Rechtenbühne “Nius”, Blockade in Israel, Rügen des Presserats

1. Nius: Wo Rechte eine Bühne bekommen
(zdf.de, Jan Böhmermann, Video: 32:31 Minuten)
Die Redaktion des “ZDF Magazin Royale” hat sich mit dem rechten Krawallportal des ehemaligen “Bild”-Chefredakteurs Julian Reichelt beschäftigt und dabei allerhand zutage gefördert: “Irgendwo im beschaulichen Berlin-Kreuzberg will sich eine Einheit aus tapferen Recken nicht damit zufriedengeben, dass die deutsche Medienlandschaft vom links-grün-woken Zeitgeist komplett verschlungen wird. Als rechtspopulistische Meinungsfreiheits-Avengers zieht das Team von Nius durchs Netz, um mit Artikeln, Podcasts und Videoformaten ihre ganz eigene Wahrheit ans Licht zu bringen. Dabei lassen sie sich nicht von nervigen Dingen wie moralischen Prinzipien oder journalistischer Sorgfalt beirren und geben Rechtsextremen bereitwillig eine Bühne.”

2. Bibis Medien-Blockade
(taz.de, Nicholas Potter)
Nicholas Potter schreibt in der “taz” über die Eskalation der Angriffe Benjamin Netanjahus auf die Pressefreiheit in Israel, darunter der Boykott der Zeitung “Haaretz” durch die israelische Regierung. Neben staatlichen Sanktionen gegen kritische Medien würden auch Pläne zur Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Senders Kan vorangetrieben, um unabhängigen Journalismus zu schwächen. Diese Maßnahmen seien Teil einer umfassenderen Strategie zur Kontrolle der Berichterstattung sowie zur Untergrabung der Demokratie und unabhängiger Institutionen im Land.

3. Rügen für Verstöße gegen Sorgfaltspflicht und Opferschutz
(presserat.de)
Der Deutsche Presserat hat mehrere Medien gerügt, darunter Bild.de wegen einer unzulässigen Berichterstattung über einen Suizid, spekulativer Inhalte und der Verletzung des Persönlichkeitsschutzes durch identifizierende Darstellungen von Opfern. Auch andere Publikationen wurden gerügt, etwa für unangemessene Details zu Missbrauchsfällen, irreführende Überschriften und Verstöße gegen die Trennung von Werbung und Redaktion.

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4. Qualitätsoffensive: Telepolis überprüft historische Artikel
(telepolis.de, Harald Neuber)
Wie die Redaktion von “Telepolis” in eigener Sache mitteilt, habe man im Rahmen einer “Qualitätsoffensive” alle Beiträge vor 2021 vorübergehend aus dem Archiv genommen, um sie auf Qualität, Urheberrechte und Barrierefreiheit zu prüfen: “Wir werden die alten Inhalte systematisch und so schnell wie möglich sichten und – soweit sie noch einen Mehrwert bieten – nach unseren Qualitätskriterien bewerten und überarbeiten. Essays und Fachaufsätze haben dabei Vorrang, tagesaktuelle Texte aus der Vergangenheit nicht.”

5. Metas Content-Moderator:innen fordern besseren Schutz
(netzpolitik.org, Ben Bergleiter)
Content-Moderatorinnen und -Moderatoren, die für den Social-Media-Konzern Meta tätig sind, fordern in einem offenen Brief an das EU-Parlament gesetzliche Maßnahmen gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen. Sie berichten von niedrigen Löhnen, extremer psychischer Belastung durch verstörende Inhalte und unzureichender Unterstützung: “Es fühlt sich manchmal so an, als würde sich Meta mehr um das Image der Content-Moderation kümmern als um uns – die Menschen hinter den Bildschirmen. Wir sind keine Maschinen, die endlos verstörende Inhalte filtern können, ohne dass es Spuren hinterlässt”, so die namentlich nicht näher benannten Unterzeichner des offenen Briefs.

6. Guardian-Verlag verkauft »Observer«
(spiegel.de)
Der britische “Observer”, die älteste Sonntagszeitung der Welt, werde vom “Guardian”-Verlag an das Online-Portal “Tortoise Media” verkauft. In den kommenden fünf Jahren soll der neue Eigentümer mehr als 30 Millionen Euro investieren, um die gedruckte Ausgabe des “Observer” zu erhalten und dessen Onlinepräsenz auszubauen. Die Belegschaften von “Observer” und “Guardian” hätten vergangene Woche aus Protest gegen die Pläne gestreikt.

Gewalt gegen Frauen, Keine Krone für die KI, Bild von Schumis Feri­en­villa

1. Gewalt gegen Frauen: Eine journalistische Tragödie
(journalist.de, Livia Lergenmüller)
Livia Lergenmüller kritisiert, dass Gewalt gegen Frauen in der journalistischen Berichterstattung häufig verharmlost und als Einzelfall dargestellt werde, wodurch die gesellschaftlichen Ursachen unsichtbar bleiben würden. Lergenmüller verweist auf eine neue Studie, die zeige, dass Medien selten die strukturelle Dimension der Gewalt beleuchten und oft nur Einzelfälle beschreiben, wodurch das Problem marginalisiert werde.

2. Die Krone zeigt, warum es keine gute Idee ist, KI freie Hand zu lassen
(kobuk.at, Sebastian Deiber)
Das österreichische Boulevardblatt “Krone” experimentiere mit maschinellen Übersetzungen durch eine Künstliche Intelligenz, was nicht immer gut ausgehe. Sebastian Deiber fragt sich: “Welches Ziel verfolgt die Krone mit der automatisierten Mehrsprachigkeit? Um neue Zielgruppen zu erschließen und die Reichweite zu erhöhen, richtete sie dem Falter auf Anfrage aus. Sieht man sich die Sorgfalt an, mit der die Krone die übersetzten Beiträge online stellt, scheint sie das Experiment nicht sehr ernst zu nehmen.”

3. Klatsch­presse darf Bild von Schumis Feri­en­villa ver­öf­f­ent­li­chen
(lto.de)
Das im Burda-Verlag erscheinende Regenbogenblatt “Freizeit Spass” habe im Sommer 2020 einen Artikel über die Familie von Michael Schumacher veröffentlicht, der auch eine Luftbildaufnahme der Villa der Schumachers auf Mallorca enthielt. Dagegen klagte die Familie, am Ende jedoch erfolglos: “Ein Eingriff in Persönlichkeitsrechte liege zwar vor, er sei aber nicht besonders schwerwiegend”, fasst “Legal Tribune Online” die Entscheidung des Bundesgerichtshofs zusammen.

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4. Keine Zukunftsvision: Warum die ÖRR-Reform die Zukunft von ARD und ZDF nicht sichert.
(turi2.de, Diemut Roether)
Diemut Roether bemängelt, dass die geplante Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zentrale Herausforderungen wie die digitale Strategiefähigkeit und eine grundlegende Strukturreform unberücksichtigt lasse. Zudem weist sie auf widersprüchliche Regelungen hin, wie das Verbot “presseähnlicher” Inhalte. Insgesamt sieht Roether die Zukunft von ARD und ZDF durch die Reform nicht gesichert und warnt vor den Folgen einer fehlenden politischen Einigung.

5. Zwei Schweizer Medien bei der Premiere gefördert
(persoenlich.com, Nick Lüthi)
Der “Media Forward Fund” habe erstmals Gelder zur Förderung gemeinwohlorientierter Medienprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz vergeben, mit einer Gesamtsumme von 1,5 Millionen Euro. Aus der Schweiz erhielten das Berner Recherche-Team “Reflekt” und das Zürcher Onlinemagazin “Tsüri” Förderungen, um ihre Reichweite durch innovative Social-Media-Formate und die Berichterstattung über die Wohnkrise auszubauen. Insgesamt profitieren vier Medien von der Förderung, darunter auch zwei österreichische Projekte, die auf Abonnentengewinnung und eine kreative Präsentation ihrer Recherchen setzen.

6. Merkels Memoiren sind bislang erfolgreichstes Buch des Jahres
(spiegel.de)
Angela Merkels Memoiren seien in der ersten Woche mehr als 200.000 Mal verkauft worden. “Kein anderes Buch hat in diesem Jahr einen derart fulminanten Start hingelegt”, so Ulrike Altig, Geschäftsführerin des Unternehmens Media Control, das Zahlen zu Buchverkäufen zusammenträgt.

AfD schikaniert Medien, “Klima vor acht”, Social-Media-Verbot

1. Ihr Kampf
(taz.de, Gareth Joswig)
Bei einem Parteitag in Bayern habe die AfD Journalistinnen und Journalisten von Security-Mitarbeitern bewachen lassen. Dies sei selbst für AfD-Verhältnisse ein neuer Tiefpunkt, findet Gareth Joswig: “Zwei stämmige Securitys begleiteten den Reporter Johannes Reichart vom Bayerischen Rundfunk beim Parteitag der AfD Bayern in Greding Ende November auf Schritt und Tritt. Sogar beim Toilettengang und beim Kauf von Getränken bewachte das Sicherheitspersonal den Journalisten.”

2. Klima vor acht will sich jetzt ins ARD-Programm einkaufen
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Verein “Klima vor acht” plane, sich mit einer einmaligen Sendung ins Vorabendprogramm der ARD einzukaufen, um dort auf ein tägliches Klimaformat aufmerksam machen zu können. Dafür sollen 250.000 Euro bei Sponsoren eingeworben werden, mit denen dann ein entsprechender Werbeplatz gekauft werden soll. Ziel sei es, die öffentlich-rechtlichen Sender zum Handeln zu bewegen und die Klimaberichterstattung stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

3. Wie “Politfluencer” Jugendliche erreichen
(blog.medientage.de, Bettina Pregel)
Bettina Pregel von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien hat sich mit der Kommunikationswissenschaftlerin Desiree Schmuck über das Phänomen der “Politfluencer” unterhalten: Welche Rolle spielen sie für die Meinungsbildung Jugendlicher und junger Erwachsener? In welcher Weise und auf welchen Kanälen erreichen Influencer junge Menschen mit politischen Themen? Und was können klassische Nachrichtenmedien wie Zeitung, Radio und Fernsehen ändern, um im Wettbewerb um die junge Zielgruppe zu punkten?

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4. Zahlreiche prominente Accounts verlassen X
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
In einem offenen Brief haben sich mehr als 60 Medienschaffende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Autorinnen und Autorinnen von X (ehemals Twitter) verabschiedet. Sie schreiben: “Seit der Übernahme durch Elon Musk ist Twitter kein Ort mehr für freie und faire Meinungsäußerung und einen offenen Austausch. Schlimmer noch, Twitter ist ein Ort der Zensur, des Rassismus, Antisemitismus und des rechten Agendasettings geworden. Die Abschaffung von Moderationsmechanismen und die gezielte Verstärkung extremistischer Inhalte untergraben die Grundprinzipien einer deliberativen Plattform und machen X zu einem Werkzeug der Polarisierung, der Manipulation​​​ und der Menschenfeindlichkeit.”

5. Die besten Texte 2024
(arminwolf.at)
Der österreichische Journalist Armin Wolf macht Werbung für die nominierten Texte bei der Wahl des diesjährigen Reporter:innen-Preises: “Es ist eine Art Best of des deutschsprachigen Text-Journalismus 2024 und man kann sich einfach stundenlang querdurch lesen.” Wolf kennt die Texte sehr gut – er ist Mitglied der Jury.

6. Mehrheit befürwortet Social-Media-Verbot für Kinder wie in Australien
(spiegel.de)
Australien hat ein radikales Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche erlassen. Nun berichtet der “Spiegel” über eine repräsentative Onlineumfrage, nach der eine große Mehrheit in Deutschland ein ähnliches Social-Media-Gesetz befürworten würde: “77 Prozent der knapp 2000 Befragten gaben an, ein solches Gesetz in Deutschland ‘voll und ganz’ oder ‘eher’ zu befürworten. Dagegen würden es 13 Prozent entweder ‘voll und ganz’ oder ‘eher’ ablehnen. Der Rest beantwortete diese Frage mit ‘weiß nicht’.”

Kein Karrierehindernis, Weidel bei “Weltwoche”, Australien macht Ernst

1. Was bei Axel Springer kein Karrierehindernis ist
(correctiv.org, Anette Dowideit)
Der Axel-Springer-Konzern habe Jan Philipp Burgard trotz eines früheren MeToo-Vorwurfs, als Burgard noch beim WDR arbeitete, zum neuen “Welt”-Chefredakteur ernannt, was Zweifel an der Glaubwürdigkeit des behaupteten Kulturwandels bei Springer aufwerfe. Kritiker würden Burgards Umgang mit “Welt”-TV-Moderatorinnen und seine frühere Degradierung beim WDR wegen eines unangemessenen Vorfalls bemängeln, während Springer und Burgard die Vorwürfe abwehren würden. Die Entscheidung passe in ein Muster, bei dem Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner enge Vertraute auf Schlüsselpositionen setze. Anette Dowideit, stellvertretende Chefredakteurin von “Correctiv” und ehemals langjährige Springer-Mitarbeiterin, hat all die unerfreulichen Einzelheiten zum Fall zusammengetragen.

2. Kolumne zuerst!
(taz.de, Uli Hannemann)
Nachdem bekannt geworden ist, dass Alice Weidel Kolumnistin bei der Schweizer “Weltwoche” wird, hat sich Uli Hannemann für die “taz” ausgedacht, was die AfD-Chefin in ihrer ersten Ausgabe schreiben könnte.

3. Australien beschließt radikales Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche
(spiegel.de)
Der australische Senat habe am Donnerstag Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren den Zugang zu TikTok, Instagram und anderen Sozialen Netzwerken verboten beziehungsweise ein entsprechendes Verbot verabschiedet. Dieses soll bald in Kraft treten: “Das weltweit einmalige Gesetz sieht vor, dass Plattformen wie TikTok, Facebook, Snapchat, Reddit, X und Instagram unter 16-Jährige systematisch daran hindern müssen, Accounts ihrer Plattformen zu besitzen.”

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4. Und täglich grüßt die FDP: Zu viele Liberale im Dlf-Frühprogramm?
(deutschlandfunk.de, Brigitte Baetz, Audio: 29:09 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob die FDP in der DLF-Frühsendung überrepräsentiert ist. Hörerin Sabine Weber diskutiert mit Friedbert Meurer, Leiter der Abteilung Aktuelles im Deutschlandfunk, und Moderatorin Brigitte Baetz.

5. Heise Online verlässt “X” und setzt auf Mastodon
(meedia.de, KNA Mediendienst)
Das Technik-Medium “Heise Online” habe den Kurznachrichtendienst X/Twitter verlassen und konzentriere sich stattdessen auf Mastodon. Dort sei die Anzahl der Interaktionen höher, obwohl die Reichweite kleiner sei. Die Entscheidung sei vor allem aus praktischen Gründen getroffen worden: X habe als Traffic-Lieferant an Bedeutung verloren, Mastodon passe als dezentralisierte Plattform besser zu “Heises” technikaffiner Zielgruppe.

6. Verleihung der Otto Brenner Preise 2024
(otto-brenner-preis.de)
Vor etwa zwei Wochen fand in Berlin die 20. Verleihung der Otto-Brenner-Preise für kritischen Journalismus statt. Auf der Seite der Otto-Brenner-Stiftung gibt es nun eine übersichtliche Zusammenstellung der Filmmitschnitte. Die Preisträgerinnen und Preisträger sind hier dokumentiert. Und eine Sammlung der häufig gestellte Fragen und Antworten gibt es hier.

Springer baut um, Engel und Teufel, Hässliches Entlein Sportjournalismus?

1. Ulf Poschardt löst Stefan Aust als »Welt«-Herausgeber ab
(spiegel.de)
Der Axel-Springer-Verlag ordnet seine Medienmarken neu. Nach dem Ausscheiden von Stefan Aust werde der bisherige “Welt”-Gruppe-Chefredakteur Ulf Poschardt Herausgeber einer neuen Dachmarke, bestehend aus “Welt”, “Politico Deutschland” und “Business Insider Deutschland”. Bei der “taz” kommentiert Nicholas Potter die Personalentscheidung: “Dass der Premium-Poschardt nun zum Herausgeber der neuen Dachmarke wird, dürfte für den Verlag tatsächlich eine erfreuliche Nachricht sein. Zu Springer passt er wie Arsch auf Porschesitz.”

2. Himmel-und-Hölle-Preis 2024: Annabelle & Tageszeitungen
(freischreiber.de)
“Freischreiber”, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, vergibt alljährlich den “Himmel-und-Hölle-Preis” für besonders fairen beziehungsweise fiesen Umgang mit freien Medienschaffenden. Diesmal wurden alle deutschen Tageszeitungen in die Hölle geschickt: “Tatsache ist: Wir kennen keine einzige deutsche Tageszeitung, die ihren freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein mindestens durchschnittliches Einkommen in durchschnittlicher Arbeitszeit ermöglicht”, so Hölle-Laudator und Jury-Mitglied Andreas Unger. In den Himmel gelobt wurde das Schweizer Magazin “Annabelle”. Auf dem Youtube-Kanal von “TIDETVhamburg” gibt es eine Aufzeichnung der Preisverleihung (youtube.com, Video: 47:09 Minuten).

3. Sportjournalismus – das hässliche Entlein des Berufsstandes?
(de.ejo-online.eu, Thomas Strübin)
“Sowohl innerhalb der Redaktionen als auch in der öffentlichen Meinung wird der Sportjournalismus seit seinen Anfängen im Vergleich zu anderen journalistischen Praktiken gering geschätzt. Wie lässt sich das erklären?” Thomas Strübin ist dieser Frage nachgegangen und hat die häufigsten Kritikpunkte am Sportjournalismus aufgegriffen.

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4. Endlich mehr Schutz für Frauen in den Medien!
(dju.verdi.de, Matthias von Fintel)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Verdi fordert von Politik und Arbeitgebern mehr Schutz für Frauen in den Medien: “Gewalt und Belästigung sind gravierende Verstöße gegen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Medienarbeitgeber haben die Pflicht, ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten und funktionierende Mechanismen einzurichten, damit Frauen Übergriffe melden können und besser geschützt werden”, so die dju-Bundesvorsitzende Tina Groll.

5. Musks Trollarmeen leiden unter dem eXit
(futurezone.at, Claudia Zettel)
Claudia Zettel führt bei futurezone.at aus, dass die Abwanderung von Nutzerinnen und Nutzern von der Plattform X (ehemals Twitter) aggressiven Troll-Communities zunehmend ihrer Zielscheiben beraube: “Setzt sich der eXit-Trend weiter fort, wird keine breite Masse mehr verbleiben, deren Widersacher man spielen oder die man versuchen kann, auf seine Seite zu ziehen. Das Ergebnis wäre tatsächlich eine Echokammer, in der man die Aggression unter Seinesgleichen im Kreis schicken kann.”

6. Was der Podcast jetzt braucht
(medientage.de, Petra Schwegler)
Petra Schwegler berichtet von der Podcast-Konferenz “So many Voices”, die vom Label hauseins und dem MedienNetzwerk Bayern organisiert wurde. Die Themen reichten von Community Building über komplexe Produktionsprozesse bis hin zur Rolle von Musik im Storytelling. In Workshops und Expertengesprächen habe es Einblicke in kreative Ansätze, effiziente Techniken und den Einsatz von AI-Tools gegeben. Ein weiteres Thema seien Monetarisierungsmöglichkeiten wie Crowdfunding, Werbung und Netzwerkpartnerschaften gewesen.

Desinformationsverbreiter, RTL-Wahlduelle, Gefahr in Österreich

1. Diese 5 einst seriösen Medien verbreiten jetzt Desinformation
(volksverpetzer.de, Philip Kreißel & Thomas Laschyk)
Philip Kreißel und Thomas Laschyk werfen mehreren deutschen Medienhäusern eine zunehmende Verbreitung von Desinformation vor. Publikationen wie die “Schwäbischen Zeitung”, die “Berliner Zeitung”, die “NZZ”, der “Cicero” und die “Welt” würden rechte Narrative, russische Hofberichterstattung oder “Fake News” veröffentlichen. Kreißel und Laschyk fordern strengere Standards und eine konsequentere Haltung gegenüber Desinformationsquellen innerhalb etablierter Medien. Ihr Fazit: “Die Selbstkontrolle scheint immer wirkungsloser zu werden. Es gibt keine Standards für wirksamen Schutz vor übergriffigen Herausgebern. Und es wird sich nichts ändern, wenn wir die Übeltäter weiter wie seriöse Medien behandeln.”

2. Die Linke droht, sich notfalls in RTL-Wahlduelle einzuklagen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
RTL plane im Vorfeld der Bundestagswahl drei TV-Duelle mit Spitzenkandidatinnen und -kandidaten von SPD, CDU/CSU, Grünen, FDP, AfD und BSW. Die Linke sei hingegen bislang nicht berücksichtigt worden. Die Partei habe dies scharf kritisiert und prüfe rechtliche Schritte, da sie in dem Vorgang einen Verstoß gegen den Medienstaatsvertrag und die journalistischen Grundsätze der Vielfalt und Fairness sehe. RTL verteidige die Auswahl mit einem Verweis auf Umfragewerte. Doch genau da sieht Uwe Mantel eine Argumentationslücke: “Wenn man sich die von RTL und ntv selbst in Auftrag gegebene Forsa-Wahlumfrage in der aktuellsten Ausgabe ansieht, dann liegen inzwischen dort FDP, BSW und die Linke gleichauf – und zwar bei jeweils nur 4 Prozent und somit aktuell unterhalb der 5-Prozent-Hürde, aber allesamt auch mit Chancen darauf, diese Hürde noch zu überspringen. Bleibt es dabei, müsste man wohl bei RTL anhand der selbst gewählten Maßstäbe noch einmal überdenken, wie die Zusammensetzung genau aussehen wird.”

3. Österreich: Gefahr für die Pressefreiheit
(verdi.de, Till Schmidt)
Im Interview mit dem Verdi-Medienmagazin “M” beschreibt Luis Paulitsch die politischen Auswirkungen der jüngsten österreichischen Nationalratswahl, bei der “die extrem rechte FPÖ” stärkste Kraft wurde, und skizziert Unsicherheiten bezüglich möglicher Regierungskoalitionen. Paulitsch betont, dass sich in Österreich eine mediale Parallelwelt etabliert habe, wodurch die FPÖ nicht mehr von unabhängiger Berichterstattung abhängig sei: “Mit Herbert Kickl hat sich die Rhetorik verschärft. Das Vertrauen in einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk wird zerstört, wenn man permanent den Eindruck vermittelt, er sei Teil oder Handlanger der Regierung und berichte lediglich das, was ‘von oben’ vorgegeben wird.”

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4. Was der FCC-Vorsitz mit der Meinungsfreiheit im Netz zu tun hat
(netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Der von Donald Trump nominierte Brendan Carr, künftiger Chef der US-Telekommunikationsaufsicht FCC, wolle Onlinediensten die Inhaltemoderation erschweren. Tomas Rudl erklärt, was Carr sich bereits für das radikale Umbauprogramm “Project 2025” einer US-amerikanischen nationalistisch-konservativen Denkfabrik ausgedacht hatte und wie er seine Ideen umsetzen will.

5. Zwischen den Zeilen: Was uns die Fightin’-Words-Analyse über die Russland-Berichterstattung verrät
(de.ejo-online.eu, Juliane Niepert)
Juliane Niepert erläutert, wie Sprache ideologische Perspektiven in der medialen Berichterstattung sichtbar macht, und thematisiert die Anwendung der “Fightin’-Words”-Methode auf die Russland-Berichterstattung deutscher Medien: “Letztendlich ist die Entscheidung von Die Zeit, die ukrainische Hauptstadt fortan als ‘Kyjiw’ zu bezeichnen, ein Beispiel dafür, wie bewusst gewählte Sprache politische Standpunkte und ideologische Ausrichtungen sichtbar machen kann. Die Fightin’ Words-Methode verdeutlicht genau diese Dynamiken, indem sie aufzeigt, wie sprachliche Unterschiede ideologische und kulturelle Perspektiven widerspiegeln.”

6. Fil­me­ma­cherin bekommt Aus­kunft über Wer­be­ein­nahmen von RTL
(lto.de, Pauline Dietrich)
Das Oberlandesgericht Köln habe entschieden, dass RTL einer Filmemacherin Auskunft über die Werbeeinnahmen zu ihren Produktionen erteilen müsse, um mögliche Nachvergütungsansprüche prüfen zu können. Das Gericht habe den Auskunftsanspruch bejaht, da ein Kausalzusammenhang zwischen Werbeeinnahmen und den Sendungen angenommen werde, obwohl dies in der Literatur umstritten sei. Die Entscheidung markiere einen Meilenstein im Privatrundfunkrecht.

Einfluss von KKR, “The Onion” kauft “Infowars”, Massen-X-odus

1. Springer-Konzern: Nutzte Hauptaktionär KKR den Medienkonzern für politische Einflussnahme?
(lobbycontrol.de, Christina Deckwirth & Aurel Eschmann)
“Die BILD-Zeitung war klare Gegnerin des Heizungsgesetzes. Welche Rolle spielte dabei Springer-Hauptaktionär KKR? Neue Dokumente belegen zumindest, dass der Finanzinvestor in Deutschland Lobbyarbeit betreibt. Wir untersuchen die Fakten dazu.” Christina Deckwirth und Aurel Eschmann von der Organisation “LobbyControl” haben in ihrer Recherche zahlreiche Auffälligkeiten entdeckt, die mindestens weitere Fragen aufwerfen.

2. Satirezeitschrift »The Onion« kauft Verschwörungstheoretiker-Internetportal
(spiegel.de)
Das US-Satiremagazin “The Onion” habe das bekannte Verschwörungsportal “Infowars” von Alex Jones ersteigert. Die Übernahme sei von Opferfamilien des Sandy-Hook-Amoklaufs unterstützt worden, denen Jones nach einer Verleumdungsklage über eine Milliarde US-Dollar schulde. “The Onion” plane offenbar, “Infowars” künftig als parodistische Plattform zu nutzen, um Geschäftspraktiken und Inhalte von Verschwörungsmystikern humorvoll zu entlarven.

3. Mehrere Promis verlassen Musks Plattform X
(n-tv.de)
Mehrere Prominente, darunter Jamie Lee Curtis, Jim Carrey, Toni Braxton und Moby, hätten Elon Musks Plattform X/Twitter verlassen, was auf die Wahl Donald Trumps und Musks politische Verbindungen zu Trump zurückgeführt werde. Die Konkurrenzplattform Bluesky, gegründet von Twitter-Erfinder Jack Dorsey, habe in der Woche nach der US-Wahl eine Million neue Nutzerinnen und Nutzer dazugewonnen. Auch in Deutschland hält der “X-odus” an. So hätten sich unter anderem der Fußballklub FC St. Pauli und das Online-Feuilleton “54books” von X verabschiedet.

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4. Verlage unterliegen in Rechtsstreit um “Newszone”-App
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Im juristischen Streit um die öffentlich-rechtliche “Newszone”-App des SWR hätten die klagenden Verlage eine Niederlage einstecken müssen, schreibt Uwe Mantel bei “DWDL”. Nachdem die Verlage in einem ersten Urteil zunächst erfolgreich waren, habe die zuständige Kammer des Landgerichts Stuttgart – inzwischen etwas anders besetzt als beim ersten Urteil – diesmal in der App kein “presseähnliches Angebot” erkennen können.

5. Protestbrief gegen Vorgehen bei Today-Aus
(persoenlich.com, Christian Beck)
Laut persoenlich.com würden rund 170 Mitarbeitende des Schweizer Medienunternehmens CH Media in einem Protestbrief das überraschende und abrupt kommunizierte Ende der “Today”-Portale kritisieren. “Dieser Brief bringt den Unmut der Unterzeichnenden zum Ausdruck, auf welche Art und Weise CH Media die Einstampfung der Today-Portale umgesetzt und kommuniziert hat”, heiße es in dem Schreiben, das persoenlich.com vorliegt. Weitere Informationen zum Hintergrund: Sechs Today-Portale werden eingestellt: “Die Plattformen FM1Today, ArgoviaToday, BärnToday, PilatusToday, ZüriToday und 32Today sind per sofort nicht mehr erreichbar. Es kommt zu 34 Kündigungen. Der Verlag begründet den Entscheid mit mangelnder Wirtschaftlichkeit und fehlender Perspektive.” (persoenlich.com)

6. Von der gefeierten Influencerin zur Gefangenen
(taz.de, Mirco Keilberth)
Die tunesische Influencerin Amel Thamlaoui, bekannt als “Lady Samara”, sei zu einer Haftstrafe von über drei Jahren verurteilt worden. Obwohl sie in ihren Inhalten weder politische noch gesellschaftskritische Themen behandele, werfe ihr das Justizministerium eine Mitschuld an der “Verwahrlosung” in Sozialen Netzwerken vor. Mirco Keilberth kommentiert: “Warum eine selbstbewusste junge Tunesierin, die am meisten Klicks mit ihrer opulenten Hochzeitsfeier im Frühjahr hatte, nun ihr Kind im Gefängnis zur Welt bringen soll, darüber rätseln immer noch viele im Land. Aber natürlich nur hinter vorgehaltener Hand.”

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