Es folgt… ein längeres Zitat aus der heutigen “Bild am Sonntag” zur Schleichwerbungsaffäre von Andrea Kiewel:
(…) Nach Informationen von BILD am SONNTAG gab es jahrelang Vereinbarungen zwischen Kiewel und Weight Watchers, ein solches 6-Seiten-Werk aus dem Jahr 2001 liegt BamS vor. In § 5 verpflichtet sie sich, bei einem Verstoß gegen die Geheimhaltung, eine Vertragsstrafe von 30 000 Mark zu zahlen. Auch damals stand unter § 1.9 der unerlaubte Passus zur Schleichwerbung, der sie jetzt die Karriere kostete: “Frau Kiewel verpflichtet sich, ihre Kontakte (…) insbesondere im Rahmen von Talkshows (…) zugunsten von Weight Watchers einzusetzen und damit die Darstellung von Weight Watchers in den Medien im Sinne dieser Vereinbarung zu unterstützen. Soweit es zu einer Weight Watchers Promotion in der ZDF-Sendung ‘Fernsehgarten’ kommen sollte, werden die Parteien dies gesondert verhandeln.”
Auch in dem Papier enthalten: Das Honorar für das Jahr 2001: stolze 180.000 Mark.
Also, was diese “BamS”-Rechercheure so alles rausfinden, nicht wahr? Wie machen die das bloß?!
“(…) Bereits im Februar 2001 schlossen sie nach Informationen des SPIEGEL eine Vereinbarung. Für ein Jahr gab es 180.000 DM (…). Im §1 heißt es unter 9.: ‘Frau Kiewel verpflichtet sich, ihre Kontakte, insbesondere zur Medienbranche und damit insbesondere im Rahmen von Talkshows und Interviews, zugunsten von WEIGHT WATCHERS einzusetzen und damit die Darstellung von WEIGHT WATCHERS in den Medien im Sinne dieser Vereinbarung zu unterstützen. Soweit es zu einer WEIGHT WATCHERS Promotion in der ZDF-Sendung ‘Fernsehgarten’ kommen sollte, werden die Parteien dies gesondert verhandeln.’ (…) Kiewel wurde zu strengstem Stillschweigen verpflichtet, andernfalls sollte eine Vertragsstrafe von 30.000 DM fällig werden. (…)”
(Spiegel Online vom 21.12.2007)
Antwort: Sie haben womöglich Spiegel Online gelesen (siehe Kasten)*
Dort steht nämlich all das, was die “Bild am Sonntag” heute unter Berufung auf sich selbst (“nach Informationen von BILD am SONNTAG”, “liegt BamS vor”) ihren Lesern zu berichten weiß, schon seit vergangenem Freitag.
Nur, damit es nicht nächste Woche wieder heißt:
*) Falls den “BamS”-Rechercheuren die Enthüllungen auf “Spiegel Online” peinlicherweise entgangen sein sollten, hätten sie sie natürlich auch schon beispielsweise bei “Welt Online” oder in einer entsprechenden Meldung der Nachrichtenagentur dpa (veröffentlicht am Freitagnachmittag gegen 15.40 Uhr) oder in der Samstagsausgabe der “Süddeutschen Zeitung” nachlesen können — übrigens überall brav mit Quellenangabe (“Spiegel”/”Spiegel Online”).



und Blutgeschichten und ständig wiederkehrenden Horrorszenarien vom nahen Weltuntergang durch Kometeneinschlag oder der Invasion von Außerirdischen. Immer weniger Deutsche mochten den wirren Visionen des “Bild”-Chefs folgen. Schon in den ersten sechs Jahren seiner Amtszeit fiel die Auflage um eine Million Exemplare. Vollends büßte “Bild” seinen Einfluss auf die breiten Massen ein, als es Ende 2007 auch die Online-Markführerschaft verlor: Ausgerechnet an “Spiegel Online”, das immer mehr die klassischen Boulevard-Inhalte verbreitete (aber ohne ideologische Propaganda).




diese Jahre ganz gut vorbereitet haben auf seine jetzige Position als Ressortleiter Wirtschaft bei “Bild”. Das heutige Arrangement aus glückstrahlendem Lufthansa-Chef, Bambusgehölz, Wasser und Werbespruch auf der Seite 2 der Zeitung (siehe Ausriss) hätte kein Lufthansa-Werbechef schöner komponieren können. Und tatsächlich ist das große Foto ein Werbebild aus dem Lufthansa-Magazin, und der Satz aus der Überschrift stammt nicht von Wolfgang Mayrhuber, sondern von Oliver Santen — der Lufthansa-Mann musste im Interview nur “Ja, so ist das!” dazu sagen.