Suchergebnisse für ‘spiegel online’

Böhmermanns “Bento”-Verriss, “Bild”-Populismus, ESC-Verfahren

1. Bento – 69 Gründe für den Tod des Qualitätsjournalismus
(youtube.com, Neo Magazin Royale, Video, 20:55 Minuten)
Jan Böhmermann hat sich in einem zwanzigminütigen Video-Rant den “Spiegel”-Ableger “Bento” vorgeknöpft. Seine Hauptkritik: Das Jugendmagazin setze auf allzu banale Inhalte und verwende zweifelhafte Werbeformen (“Native Advertising”). “taz”-Medienredakteurin Anne Fromm findet Böhmermanns “Bento”-Verriss schief und stört sich am moralischen Zeigefinger. Statt bei der berechtigten Kritik an “Bento” zu bleiben, schwinge sich Böhmermann mittels allerlei Döpfner-Zitaten zum Retter des Journalismus auf.
Weiterer Lesetipp: Nollendorfblogger und BILDblog-Kolumnist Johannes Kram hat eine Verteidigungsrede verfasst, vornehmlich aus queerer Sicht: “Bento ist kein schlechter Journalismus. Im Gegenteil!”

2. „Bild“-Populismus zum Mitmachen
(taz.de, David Gutensohn)
Vor einiger Zeit schlagzeilte “Bild” noch: “Deutschland setzt ein Zeichen: Flüchtlinge willkommen” und verteilte als Teil der “großen Hilfsaktion von BILD” bundesweit “refugeeswelcome”-Aufkleber. Das Blatt hat sich mittlerweile gewendet. Gegenwärtig sollen die Leser sogar mittels Online-Petition für mehr Abschiebungen mobilisiert werden. Einem Vertreter der Organisation “ProAsyl” bereitet dieser Wandel “zurück zur Stimmungsmache” Sorgen. Er konstatiert: “Mal wieder konstruiert die Bild-Zeitung ein Vollzugsdefizit, das so nicht existiert”.

3. Peinliche Posse um Rainer Wendt
(fr.de, Danijel Majic)
Der umstrittene Chef der Polizeigewerkschaft “DPolG”, Rainer Wendt, wurde zunächst zu einem Vortrag an der Frankfurter Goethe-Uni ein- und dann wieder ausgeladen. Konservative Kreise sahen ob dieser Absage die Meinungsfreiheit in Gefahr. Danijel Majic ist anderer Meinung: “Wendt, der Deutschland nicht mehr als “Rechtsstaat” sieht und wenig auf Fakten gibt, wenn es gegen Migranten oder Politiker links der CSU geht, und seine unfundierten Ansichten regelmäßig in Fernsehkameras plärren darf, ist wahrlich der letzte Mensch, der sich über einen Mangel an “Podien” beklagen kann. Die Peinlichkeit der Posse um seinen Auftritt besteht nicht in seiner Aus-, sondern seiner Einladung.”

4. Hundert Köpfe für ein Halleluja
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Der NDR hat mal wieder das Verfahren für die Auswahl des “Eurovision Song Contest”-Kandidaten geändert. Die Kandidatenkür soll nun gemeinsam von Datenexperten, einem 100-köpfigen “Europa-Panel” und einer internationalen Jury durchgeführt werden. Hans Hoff ahnt die Beweggründe für das komplizierte Procedere: “Wenn es schief geht, sind ganz viele schuld.”

5. DW-Interview: Türkische Presse verfälscht Aussagen von MdB Ulla Schmidt
(dw.com, Berthold Stevens)
Die Bundestagsabgeordnete Ulla Schmidt (SPD) hat sich in einem Interview mit der “Deutschen Welle” kritisch zu den Entwicklungen in der Türkei geäußert: Ein Großteil der Bevölkerung in der Türkei stimme Erdogans Politik nicht zu. Das Referendum zur Verfassungsreform habe laut internationalen Beobachtern nicht ohne Manipulation stattgefunden. Türkische Tageszeitungen wie die “Star” haben Schmidts Aussagen verfälscht wiedergegeben und Teile hinzugedichtet. So wird ihr die Aussage untergeschoben, die NATO solle in der Türkei intervenieren.

6. Neues vom Symbolbildbeauftragten: Woran man Telefonbetrüger erkennt
(noemix.twoday.net)
Immer wieder müssen Redaktionen Meldungen über betrügerische Anrufer illustrieren, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. Wie der “Nömix-Symbolbildbeauftragte” herausgefunden hat, gelingt dies mal wenig und mal weniger …

Kachelmann-Freispruch-Verurteilung, Mafia-Buch, Veganer-Inszenierung

1. Jörg Kachelmann: Verurteilt trotz Freispruch
(Panorama, Robert Bongen & Fabienne Hurst, Video, 14:25 Minuten)
Der Fall Kachelmann ist ein großes Versagen von Justiz und Medien. Obwohl Deutschlands berühmtester und renommierter Wettermoderator unschuldig ist, verliert er seinen Job bei den Öffentlich-Rechtlichen, sein Geld, seine Reputation. Er bleibt bei vielen “verurteilt, trotz Freispruch”. “Panorama” hat den Fall aufgegriffen und in einem Filmbeitrag kritisch aufgearbeitet.
Weiterer Lesetipp: Filmautorin Fabienne Hurst auf “Zeit Online”: Unschuldig und doch verurteilt.

2. “Gehörn S’ jetzt zua Mafia oda ned?”
(taz.de, Lisa Ecke)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat entschieden: In Petra Reskis Mafia-Buch müssen Teile geschwärzt werden. Der EGMR gab einem italienischen Gastronomen recht, der sein Persönlichkeitsrecht verletzt sah, weil er darin mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht wurde. Die “taz” hat mit der Autorin über die Auswirkungen des Urteils gesprochen: “Dieser widersinnige Umgang mit Verdachtsberichterstattung betrifft allerdings nicht nur mich, sondern praktisch jeden, der auf die unglückselige Idee kommt, über die Mafia in Deutschland zu berichten.”

3. Preisverfall in der Bildbranche – Die Untergrenze der Angemessenheit?
(message-online.com, Chantal Alexandra Pilsl)
Laut Marktbeobachtungen des “Bundesverbands professioneller Bildanbieter” geht es mit den Bildhonoraren beständig abwärts. Chantal Alexandra Pilsl hat sich in der Branche umgehört, wie sich der Preisverfall auf Agenturen und Fotografen auswirkt und ob die Abwärtsspirale aufzuhalten ist. In mehrfacher Hinsicht lesenswert, denn es geht dabei auch um konkrete Zahlen.

4. Das Sexismus-Problem des “Spiegel”
(morgenpost.de, Kai-Hinrich Renner)
In seiner “Medienmacher”-Kolumne kritisiert Kai-Hinrich Renner den “Spiegel”. Das Nachrichtenmagazin thematisiere “Macht und Missbrauch”, eiere aber herum, wenn es um Übergriffe im eigenen Haus geht. Im Zuge des Weinstein-Skandals seien sexuelle Übergriffe und Sexismus in dieser Woche Titelthema beim “Spiegel”. Die Geschichte des eigenen Hauses hätte man jedoch schamhaft verschwiegen. Renner bezieht sich auch auf die Erinnerungen von Irma Nelles in ihrem Buch “Der Herausgeber” über Rudolf Augstein, in dem sie von Übergriffen des Magazingründers berichtet hatte.

5. Zeitung will Journalisten mit Waffen ausstatten
(spiegel.de)
Gleichzeitig erschütternde und traurige Nachrichten aus Russland: Die russische Oppositionszeitung “Nowaja Gaseta” sieht keinen anderen Weg, als in Zukunft ihre Mitarbeiter mit Waffen auszustatten. “Wenn der Staat nicht bereit ist, uns zu verteidigen, werden wir uns selbst verteidigen”, sagt der stellvertretende Chefredakteur Sergej Sokolow. Hintergrund ist die gestiegene Angst vor Attacken auf Journalisten im Land wie der jüngste Anschlag auf eine Journalistin des kremlkritischen Radiosenders “Echo Moskwy”.

6. Attila Hildmanns öffentliches Burger-Essen war das absurdeste Werbe-Event des Jahres
(vice.com, Tim Geyer)
Wie ein “BDSM-Sklave, der seiner Herrin auf der Venus den Absatz leckt” fühlte sich Tim Geyer bei einem Presse-Event der etwas anderen Art: Attila Hildmann hatte in seinen veganen Imbiss geladen und etwa 30 Journalisten waren dieser Einladung gefolgt. Als Besucher der Veranstaltung wird der Reporter automatisch Teil der Dramaturgie. Burger werden an die Pressemeute verteilt und alle scheinen sich gegenseitig abzulichten: “Als ich reinbeiße, werde ich von ungefähr zehn Kameras auf Facebook gestreamt. Eine RTL-Journalistin hält mir ihr Mikrofon ins Mampfgesicht und fragt, wie es schmeckt, fast so, als interessiere sie das wirklich.”

Peter Steudtner, Bullshit von “Burda”, Sean Penn in Angst

1. “Ein Sieg für uns alle”
(spiegel.de, Maximilian Popp)
Der Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner, der mehr als 100 Tage in der Türkei in Untersuchungshaft saß, darf völlig überraschend das Gefängnis verlassen. Der gerade erst gestartete Prozeß gegen ihn und neun seiner Kolleginnen und Kollegen geht zwar weiter, Steudtner darf allerdings zurück nach Deutschland reisen — und will das auch möglichst schnell tun. Sein Anwalt Murat Deha Boduroglu hofft nun, dass sich die Entscheidung positiv auf andere Verfahren auswirkt, auch auf die gegen die Journalistin Mesale Tolu und den Journalisten Deniz Yücel.

2. Burdas Bullshit
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Bei den “Medientagen München” fragt Moderator Klaas Heufer-Umlauf den “Burda”-Vorstand Philipp Welte, ob er und sein Verlag nicht “‘einen Wettbewerbs-Vorteil zum Thema alternative facts'” hätten, schließlich sei “Burda” ja im Yellow-Press-Bereich aktiv. Welte, dessen Verlag mit Heften wie “Freizeit Revue” regelmäßig klassische “Fake News” druckt, philosophiert in seiner Antwort über Wirklichkeit und Wahrheit rum und warnt vor der Gefahr von “Fake News”. “Und am Ende bekommt er für seine verlogene Sonntagsrede auch noch Applaus, anstatt aus dem Saal gelacht zu werden”, kommentiert Stefan Niggemeier.

3. Bei Fake News sind die Schulen hilflos
(de.ejo-online.eu, Stephan Russ-Mohl)
Stephan Russ-Mohl über eine Studie zur “Nachrichtenkompetenz an Schulen”: “Spannend und verstörend ist nicht zuletzt, dass nur drei Prozent der Lehrpläne Aussagen zu den sozialen Netzwerken enthalten: Facebook und Twitter sind also als Nachrichtenmedien in den Unterrichtsvorgaben derzeit noch inexistent.”

4. Wie YouTube die Jugendkultur revolutioniert
(ndr.de, Sebastian Meineck, Audio, 28:35 Minuten)
“Wer die Jugendkultur von heute verstehen will, muss YouTube verstehen”, sagt eine Stimme, noch bevor das Radiofeature von Sebastian Meineck losgeht. Er hat mit aktuellen und ehemaligen Youtubern gesprochen, mit Youtube-Kritikern und Youtube-Werbe-Experten. Anhören und zumindest etwas “die Jugendkultur von heute verstehen”.

5. Sean Penn fürchtet um sein Leben – wegen einer Doku
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Eigentlich sei die dreiteilige “Netflix”-Dokumentation “The Day I Met El Chapo” ein “unfassbar ödes und unfassbar selbstverliebtes Selbstporträt” von Schauspielerin Kate del Castillo, schreibt Jürgen Schmieder. Durch die Rolle, die Schauspieler Sean Penn in der Doku abbekommt, wird es allerdings doch ganz interessant. Denn Penn fürchtet nun, dass der Dreiteiler vermitteln könnte, er sei an der Verhaftung von Drogenboss “El Chapo” aktiv beteiligt gewesen. Sein Anwalt hat die “Netflix”-Bosse auf jeden Fall schon mal gewarnt, dass Blut an ihren Händen kleben werde, “‘sollte dieser Film zu körperlichem Unheil führen.'”

6. Wenn Rechte als Helden auftreten
(taz.de, Silke Burmester)
In der “Tatort”-Folge “Auge um Auge”, die am 12. November im Fernsehen zu sehen sein wird, für Journalisten aber schon vorab abrufbar war, treten in einer Szene fünf Männer als heldenhafte Retter auf. Aufnäher auf ihren Jacken lassen sie ziemlich eindeutig der rechten Szene zuordnen. Rechtsextreme als Helden? “Wie konnte das durchrutschen?”, hat Silke Burmester beim verantwortlichen MDR nachgefragt und eine interessante Antwort bekommen. Bis zur Ausstrahlung der “Tatort”-Folge sollen die Aufnäher übrigens noch digital verschwinden.

Nichtige BKA-Listen, Falsches von der Polizei, 50 Jahre “Aktenzeichen”

1. BKA-Listen waren nicht rechtskonform
(faktenfinder.tagesschau.de, Patrick Gensing)
Beim G20-Gipfel in Hamburg wurden einige Medienvertreter von der Polizei nicht ins Medienzentrum gelassen und somit an ihrer Arbeit gehindert. Als Grundlage dienten damals Namenslisten des Bundeskriminalamtes. Nun stellt sich raus: Das BKA hatte diese Listen wieder zurückgezogen, sie durften also gar nicht mehr verwendet werden. “Diese Information erreichte aber nicht die eingesetzten Polizisten am Medienzentrum. Die Beamten beschlagnahmten dort Akkreditierungen von Journalisten, einem wurde sogar Urkundenfälschung vorgeworfen”, so Patrick Gensing. Die “taz” schreibt ebenfalls über “Pannen der Polizei beim G20-Gipfel”.

2. Wenn die Fake News von der Polizei kommen
(rbb24.de, Markus Pohl)
Oft gibt es Lob für Polizeistellen, die über Einsätze twittern und selbst in Breaking-News-Situationen noch besonnen darauf hinweisen, man möge doch bitte keine Fotos vom Einsatzort in die Welt jagen. Manchmal verbreiten Accounts der Polizei über Twitter aber auch blanke Falschmeldungen: hier sei vermeintlich eine “benzingefüllte Flasche” geflogen, dort ein Türknauf “unter Strom gesetzt” worden. Rechtsexperten hielten diese Praxis “für schlicht rechtswidrig”, schreibt Markus Pohl.

3. Der verlängerte Arm der Kripo
(deutschlandfunk.de, Klaus Deuse, Audio, 5:13 Minuten)
Von Raub bis Mord, von Eduard Zimmermann bis Rudi Cerne: Klaus Deuse blickt im “Deutschlandfunk” auf 50 Jahre “Aktenzeichen XY … ungelöst” zurück.

4. Was zur Hölle geht eigentlich mit der ‘Heute’?
(vice.com, Verena Bogner)
Das Knallportal oe24.at (Onlineableger der Zeitung “Österreich”) hat sie sich bereits genauer angeschaut, mit der “Kronen Zeitung” ist sie ebenfalls durch — nun hat sich Verena Bogner an Österreichs drittes Boulevardmedium gemacht, die Gratis-Tageszeitung “Heute”: “Dass die Heute in der heiligen Dreifaltigkeit des österreichischen Boulevards tatsächlich der ‘gute’ ist, mag stimmen. Im Gegensatz zu Österreich und Krone wirkt das Blatt beinahe gemäßigt und harmoniebedürftig. Außerdem wird immer wieder der Anschein der Kritikfähigkeit und Selbstreflexion geweckt.”

5. Pfft-pfft to go
(spiegel.de, Anja Rützel)
Seit vorgestern hat Reality-TV-Star Daniela Katzenberger ein eigenes Printmagazin. Der “Bauer”-Verlag hat’s uns eingebrockt möglich gemacht. Anja Rützel rützelt dazu: “Aufs erste Blättern sind das lauter Einlassungen zu einer Lebensführung, die wie ein quietschrosa Luftkissenboot immer eine gute Gürtelbreite über dem Eigentlichen schwebt, die Oberfläche niemals berührt, geschweige denn ankratzt.” Mehr Rezensionen des neuen Katzenberger-Hefts: “Vice” mit “Ich habe das ‘Daniela Katzenberger’-Magazin gelesen, damit ihr es nicht müsst” und süddeutsche.de mit “Ich über mich”.

6. 17 Leute, die komplett am Postillon scheitern
(buzzfeed.com, Phil Jahner)
Jacqueline “kanns nich fassen” — da renkt sich ein Flüchtling den Unterkiefer aus, um ein blondes deutsches Kind zu verspeisen. “Und sowas lassen die hier rein langsam reichts”, kommentiert sie zu dem Link, den sie bei Facebook gepostet hat. Der stammt allerdings von den lieben Kollegen des “Postillon”. Phil Jahner hat Jacquelines und 16 weitere Fälle gesammelt, in denen Satire nicht als Satire erkannt wurde.

Lokaljournalismus, Mehr Penunzen, Zweifelhafte Instagram-Influencer

1. Wir überleben nur, wenn wir besser werden
(zeit.de, Benjamin Piel)
Benjamin Piel leitet mit einem Kollegen die “Elbe-Jeetzel-Zeitung”, eine kleine Zeitung im Wendland. So sehr Piel den Lokaljournalismus liebt, so verzweifelt ist er über die Bedingungen. Sein Beitrag gibt viele Einblicke in die tägliche Arbeit an der Lokalfront und ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den Journalismus vor Ort: “Ich will nicht leben in einer Welt ohne Lokaljournalismus. Es wäre eine Welt, in der niemand den Lokalpolitikern auf die Finger schaut, in der niemand Behördenwillkür öffentlich macht, in der es keine gemeinsame Basis gibt, an der alle teilhaben können. Es wäre eine andere Welt und sie wäre schlechter.”

2. Mehr Penunzen für den freien Journalismus, bitte
(deutschlandfunk.de, Silke Burmester)
Silke Burmester fordert im “Deutschlandfunk” eine angemessene Honorierung von freien Journalisten: „Es ist Aufgabe der Gewerkschaften, klar zu machen, dass wir uns für einen Pipilohn den Arsch aufreißen, damit ihre Blätter voll sind und ihre Onlineseiten. Es geht darum, dass wir, um genügend Geld zum Leben zu haben, non-stop arbeiten und eine Arbeit machen, die — nicht immer, aber oft genug — gesellschaftsrelevant ist. Es geht darum, dass viele von uns mit ihrer Arbeit versuchen, diese Gesellschaft zusammen-  und die Demokratie zu erhalten.“

3. “Sie kaufen Journalisten”
(sueddeutsche.de, Carolin Gasteiger)
Nach und nach brechen weitere US-Schauspielerinnen ihr Schweigen und berichten von sexuellen Übergriffen des Medienmoguls Harvey Weinstein. Nun legen Berichte in mehreren US-Zeitungen nahe, dass der einflussreiche Hollywood-Produzent nicht nur über Filmkarrieren bestimmte, sondern auch unliebsame Berichterstattung unterdrücken ließ.

4. Viel Schein in der Influencer-Welt
(srf.ch, Timo Grossenbacher, Jennifer Victoria Scurrell & Angelo Zehr)
Die Datenjournalismus-Einheit des Schweizer Fernsehens “SRF Data” hat 115 Schweizer Instagram-Influencer und deren sieben Millionen Follower überprüft. Mit einem erschütterndem Ergebnis: 26 bis 31 Prozent der Follower seien unecht. Fast ein Drittel der vermeintlichen Zielgruppe würden nicht existieren. Von den Fake-Follower-Spitzenreitern wollte sich fast niemand äussern. Ganz im Gegenteil: Ein paar haben mit rechtlichen Schritten gedroht.

5. Die Angst geht um an der Falkenstrasse
(woz.ch, Kaspar Surber)
In der Schweizer Wochenzeitung “WOZ” geht es um die Umbrüche bei der “Neuen Zürcher Zeitung”. Dort würde ein Klima der Angst und ein ideologisch verengter Kurs herrschen, was nach Angaben von früheren Mitarbeitern auf den Chefredakteur zurückgehe. Die bekannte Gerichtsreporterin Brigitte Hürlimann spricht sogar von einer Säuberungswelle: “Die Säuberung passiert auf drei Arten: Die einen werden entlassen. Den anderen wird das Leben schwer gemacht, bis sie gehen. Den Dritten, vor allem den jungen Frauen, wird gesagt, sie hätten keine längerfristige Perspektive.”

6. “Ekelhaft, dass Presse schreiben kann, was sie will”
(spiegel.de, Video, 2:08 Minuten)
Donald Trump hat während einer Pressekonferenz noch einmal seine Medienschelte verschärft. In Anwesenheit seiner Gäste, dem kanadischen Regierungschefs Trudeau und dessen Ehefrau, denen Trumps Äußerungen sichtlich unangenehm waren.

G20-Löschung, Unheimlich umverteilt, Brauner Balken

1. G20-Akkreditierungen: Illegale Datenlöschung bestätigt
(blog.ard-hauptstadtstudio.de, Arnd Henze)
Im Blog des ARD-Hauptstadtstudios geht es um die Affäre um die G20-Akkreditierungen. Die Aufarbeitung zieht sich in die Länge und die zuständigen Behörden geben sich wenig auskunftsfreudig. TV-Korrespondent Arnd Henze berichtet, dass die Daten der beiden Journalisten Florian Boillot und Po-Ming Cheung tatsächlich gelöscht wurden. Ein Sprecher des LKA widerspricht der Darstellung des ARD-Hauptstadtstudios: Sowohl die Speicherung als auch die Löschung sei in beiden Fällen rechtmäßig erfolgt. Wie das allerdings mit dem im Beitrag zitierten Löschvorbehalt in Einklang zu bringen sei, hätte der Sprecher nicht erklären können.

2. Ein Algorithmus für mehr Kreativität
(journalist-magazin.de, Catalina Schröder)
Ein neues Tool soll Redakteuren dabei helfen, neue Erzählansätze zu bekannten Themen zu finden. Die Idee dazu stammt von der Uni London, wurde von der „Google Digital News Initiative“ gefördert und wird inzwischen von der EU-Initiative „Horizon 2020“ für eineinhalb Jahre mit einer Million Euro finanziert. 14 Journalisten, Software-Entwickler und Wissenschaftler aus sechs Ländern arbeiten an dem Projekt. Das Magazin “Journalist” hat sich mit dem Hamburger Journalisten Claus Hesseling über den Stand des Projekts und den weiteren Fortgang unterhalten.

3. Die unheimliche Umverteilung
(faktenfinder.tagesschau.de, Kristin Becker & Wolfgang Wichmann)
Der „Faktenfinder“ beschäftigt sich mit einem skandalisierenden Bericht zur angeblich geheimen Umverteilung von Flüchtlingen in der EU, der sich in den letzten Tagen im Netz verbreitet hat. Hintergrund ist ein Umverteilungsprogramm der Europäischen Union, das jedoch nicht geheim, sondern für jedermann online einsehbar ist.

4. “Nicht originell und in sich inkonsistent”
(deutschlandfunk.de, Sebastian Wellendorf & Michael Borgers, Audio, 7:09 Minuten)
Im “Deutschlandfunk” geht es nochmal um die Debatte zur “Spiegel”-Kritik an ARD und ZDF. Leonhard Dobusch, im ZDF-Fernsehrat für den Bereich “Internet” zuständig, äußert sich zum Vorwurf, bei den Öffentlich-Rechtlichen handele es sich um „Staatsfunk“, den er bei aller möglichen Kritik für verfehlt hält. Der „Deutsche Journalisten-Verband“ moniert, der “Spiegel” spare in seiner Geschichte “vieles aus, was für das Gesamtverständnis der Leser wichtig gewesen wäre”. Im Beitrag seien nur die “Nörgler” zu Wort gekommen.

5. Löschen, so gut es geht
(spiegel.de)
Nach erfolgreicher BKA-Fahndung konnte im Fall des Missbrauchs einer Vierjährigen ein Verdächtiger festgenommen werden. Dem vorausgegangen war eine Öffentlichkeitsfahndung, bei der ein Bild des Opfers veröffentlicht wurde. Nun bittet das BKA darum, das Bild zu löschen, um das Opfer zu schützen. Das Gros der Nutzer und Medien sei bemüht, das Bild des Opfers möglichst schnell wieder aus der Welt zu schaffen. Ganz gelingen werde das jedoch nicht.

6. taz.sachen: Die Macht der Farbe Braun
(blogs.taz.de)
In der Onlineredaktion der „taz“ hat man bereits vor geraumer Zeit entschieden, bei Wahldiagrammen den Balken für die AfD braun zu färben. Bis zur Bundestagswahl habe das keine großen Reaktionen hervorgerufen — aber am Abend danach traf es offenbar einen Nerv. Was auch mit der Betitelung zu tun hat …

Alpen-Breitbart?, Staatsfunk-Framing, Medialer AfD-Kater

1. “Breitbart” aus den Alpen?
(sueddeutsche.de, Peter Münch)
Der österreichische Ochsengalle-Brause-Hersteller (“Red Bull”) und Milliardär Dietrich Mateschitz hat sein lange erwartetes Internet-Portal “Addendum” gestartet. Dahinter steht ein auf 40 Mitarbeiter angewachsenes Team, das vom ehemaligen Chefredakteur der konservativen Tageszeitung “Die Presse” und “Servus TV”-Moderator Michael Fleischhacker geleitet wird. Eine Bewertung der Seite, die im Vorfeld als “Alpen-Breitbart” bespöttelt wurde, lasse der Anfang noch nicht zu, so Peter Münch auf “sz.de”. Zumindest die Schwerpunkte sind klar: Es geht derzeit vor allem um die Themen Asyl, Asyl und Asyl.

2. “Über Taten berichten – nicht über Worte”
(spiegel.de, Francesco Giammarco)
Der “Spiegel” hat mit Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, über das schwierige Spannungsfeld der AfD-Berichterstattung gesprochen. Löwisch plädiert für mehr Nüchternheit und findet für die Taktik der AfD einen biblischen Vergleich: “Sie selbst stilisieren sich zum David. Wenn sie den Goliath so piesacken können, dass er vor Wut und Entsetzen aufheult und sich empört, dann sind sie in den Augen ihrer Anhänger die Helden, egal wie abscheulich ihre Sprüche objektiv sind. Und je länger sie das auskosten können, von Talkshow zu Schlagzeile zu Talkshow, desto besser. So funktioniert Populismus.”
Weiterer Lesetipp: Jürn Kruse in der “taz” mit Medienschelte nach AfD-Erfolg: Frustabbau-Tradition

3. „Staatsfunk“ – ein organisierter Etikettenschwindel per Framing
(udostiehl.wordpress.com)
Denken Sie beim Begriff “Staatsfunk” an Nordkorea, erscheinen Ihnen Bilder von AfD-Politikern und Pegida-Demonstranten oder hören Sie die Stimme von Zeitungsverlegerchef Mathias Döpfner? Udo Stiehl schreibt über die gefährliche Umetikettierung des Begriffs, wie man sie auch beim Ausdruck “Staatspresse” erleben kann. Stiehl rät dazu, derartige Begriffe zu meiden und hat einen Tipp für all diejenigen, denen die sachliche Formulierung “öffentlich-rechtlicher Rundfunk” zu lang ist: “Mit „ÖR“ sind es nur noch zwei Zeichen. Das reicht im Zweifel auch schon, um solchen Begriffskaperungen keinen Vorschub mehr zu leisten.”

4. Der Aufstieg der AfD – Sind die Medien schuld?
(wdr.de, Georg Restle)
Sind die Medien am Aufstieg der AfD Schuld wie in den vergangenen Tagen diskutiert wird? Ein seltsames Schwarzer-Peter-Spiel sei es, das da vor allem von Politikern und Politikerinnen der ehemals Großen Koalition gespielt werde, findet Georg Restle: “Wer so argumentiert irrt mehrfach: Erstens gibt es DIE Medien nicht. Zweitens lässt sich die Dynamik rechts-nationalistischer Bewegungen und Parteien weltweit beobachten, völlig unabhängig von der jeweiligen Medienlandschaft. Und drittens verbietet sich ein solches Argument, jedenfalls soweit es die Unterschlagung einer gesellschaftlichen Realität nahelegt.”

5. bigFM: Die LFK, die Wahrheit und der Unterschied zwischen Information und Unterhaltung
(fair-radio.net, Mario Köhne)
Das Radio-Watchblog “Fair Radio” deckte vor einigen Wochen einen Schwindel des privaten Radiosenders “bigFM” auf. Der Sender hatte mit einer frei erfundenen Story eine neue Nachrichtenfrau vorgestellt. “Fair Radio” hatte daraufhin Beschwerde bei der Landesmedienanstalt eingereicht. Diese sieht jedoch keinen Grund für Konsequenzen: „Zwar kann man kritisieren, dass bigFM nicht innerhalb der Sendung auflöste, dass es sich um eine Aktion zur Einführung der neuen Nachrichtensprecherin handelt und damit spielt, dass einige Hörer nicht erkennen, dass es sich um eine gestellte/fingierte Aktion handelt, dies stellt allerdings keinen medienrechtlichen Verstoß dar.“

6. Die Salamander-auf-Moos-Koalition
(uebermedien.de, Mats Schönauer & Yannick von Eisenhart Rothe)
Früher bezeichneten Journalisten eine schwarz-grün-gelbe Koalition als “Schwampel”, mittlerweile hat sich der Begriff “Jamaika-Koalition” durchgesetzt. Auch, weil man damit viele Wortspiele und lustige Bildmontagen machen kann. Mats Schönauer und Yannick von Eisenhart Rothe zeigen auf “Übermedien”, welche Blüten der Jamaika-Wahnsinn hervorbringt.

CDU-Werber gescheitert, AfD-Verliererfragen, Wunschdenken

1. “Wir sind gescheitert”
(horizont.net, Thomas Strerath)
“Wir könnten enttäuschter nicht sein” lautet das Fazit des Vorstands der bekannten Werbeagentur “Jung von Matt”, die für die CDU-Wahlkampagne verantwortlich war. “Die mediale Thematisierung und Überhöhung der AfD, auch in Social Media, war Futter für die Hydra. Und so wuchs sie auf knapp 13 Prozent am Wahltag, dabei lag sie am 3. September noch bei 8 Prozent. Ein Zuwachs von 60 Prozent in drei Wochen! Deswegen ist es nicht nur sinnlos, sondern sogar kontraproduktiv, sich auf Facebook oder sonstwo permanent über die AfD zu echauffieren oder, noch schlimmer, ihr mit gleichermaßen wütendem Protest und Demonstrationen auf der Straße zu begegnen. Auch das nur Futter für die Wut der Hydra.” In den letzten drei Wochen hätte man keine neue Antwort mehr gefunden. Strerath betrachtet sich als gescheitert: “So haben wir vielleicht erst geholfen, das zu ermöglichen, was wir genau verhindern wollten.”

2. Fragen, mit denen man gegen die AfD nur verlieren kann
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeiers Gedanken zur “Berliner Runde” sind gleichzeitig eine allgemeine Kritik zum journalistischen Umgang mit der AfD, denn vieles, was in der Sendung schief lief, misslingt auch an anderer Stelle. Niggemeier dazu: “Es ist ein Vorsatz zu spüren, die AfD nicht wie eine normale Partei zu behandeln. Dieser Vorsatz ist nachvollziehbar, denn eine Partei, die rassistische, rechtsextreme Positionen einnimmt oder zulässt, ist keine normale Partei. Der Vorsatz führt aber regelmäßig zu einer Angststarre, Pampigkeit und Fixierung, die dem Ressentiment und den Schein-Argumenten der Partei nur Emotion und Empörung entgegensetzt.”

3. Ein Journalist kommt frei, vier bleiben in Haft
(faz.net)
Nach elf Monaten Untersuchungshaft hat ein türkisches Gericht die Freilassung des “Cumhuriyet”-Journalisten Kadri Gürsel angeordnet: Bis zu einem Urteil befindet er sich (unter Auflagen) auf freiem Fuß. Die vier anderen seit Monaten inhaftierten “Cumhuriyet”-Mitarbeiter bleiben jedoch weiter eingesperrt. Das “International Press Institute” (IPI) kritisiert das Verfahren als “politisch motiviert”. Durch die lange U-Haft würden die Angeklagten bestraft, ohne verurteilt worden zu sein.

4. Journalistisches Wunschdenken
(ndr.de, Annette Leiterer)
Annette Leiterer, Redaktionsleiterin des Medienmagazins “ZAPP” (NDR), antwortet auf den Vorwurf, die öffentlich-rechtlichen Medien hätten den “Rechtsruck herbeigetalkt”. “Dahinter steht eine Vorstellung, die Medien mehr Macht und Journalisten mehr Einfluss zuweist, als sie gemeinhin haben. Selbstüberschätzung nennt man das wohl und interessanterweise wird ja gerade die von Seiten der AfD-Wählerschaft hin und wieder Journalisten vorgeworfen. Aber tatsächlich: Wer meint, dass die vielen Menschen, die nun die AfD gewählt haben, diese nicht gewählt hätten, wenn in ARD und ZDF nicht so viel über sie berichtet hätten, scheint die Meinung von immerhin knapp 13 Prozent der Wählerinnen und Wähler zu negieren.”
Auf Sueddeutsch.de gibt es weitere Stimmen zur Thematik: Sind die Medien Schuld am Erfolg der AfD?

5. Gegen Rechtsextremismus im Netz
(deutschlandfunk.de, Christiane Enkeler)
“Den Fake News trotzen” hieß es beim DJV-Kongress “Besser Online”, einer Tagung für Online-Journalisten. Mit Johannes Filous von der Initiative “Straßengezwitscher” und Gerald Hensel von “Fearless Democracy” hatte man gleich zwei Experten für Engagement gegen Rechtsextremismus im Netz eingeladen. Beide haben ihre einschlägigen Erfahrungen gemacht. Johannes Filous: “Wer das macht, der muss sich im Klaren sein, dass man dadurch häufig auch zur Zielscheibe von Hasskriminalität wird.” Und Gerhard Hensel wurde Opfer eines Shitstorms, der auch sein berufliches Umfeld einbezog.

6. „Angeber-Wessi mit Bierflasche erschlagen“
(welt.de, Christian Walther)
Christian Walther, Vorsitzender des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg, blickt auf 400 Jahre Zeitungsgeschichte in Berlin.

6 vor 9: Sonderausgabe zur Bundestagswahl 2017

1. Wie der Rechtsruck herbeigetalkt wurde
(spiegel.de, Georg Diez)
Die Erfolge der AfD haben auch die Plasbergs dieser Welt mitzuverantworten, findet Georg Diez in seiner Kolumne auf “SPON”. Die öffentlich-rechtlichen Talker hätten den reaktionären Kräften schon früh und dann immer wieder eine Bühne geboten. “Es war falsch verstandene Demokratie: Indem sie eine dissidente Stimme, die extremen Rechten, anderen dissidenten Stimmen vorgezogen haben, haben die Fernsehsender eine Stimmung erzeugt, in der es normal erschien, dass der Stumpfsinn und der Hass eine Stimme im Bundestag werden. Man kann und darf am Tag nach der Wahl nicht einfach zum Alltag übergehen.”

2. Die Stimmungskanone der AfD
(uebermedien.de, Mats Schönauer)
Mats Schönauer bezeichnet die “Bild”-Zeitung als “die Stimmungskanone der AfD” und liefert viele Beispiele, die seine Aussage auf erschreckende Weise untermauern. Schönauers Fazit: “Es ist eine Spaltung, an der „Bild“ fleißig mitgearbeitet hat. Mit den Themen, die sie setzte, mit der Schärfe, die sie immer wieder in die Debatte brachte, mit der Stimmung, die sie schürte, mit den Übertreibungen, den falschen Behauptungen, der Hysterie. Vor allem im Endspurt des Wahlkampfes hat sie alles getan, um Wut und Angst in einer Weise zu befördern, die der AfD in die Karten spielt.”

3. Das Panik-Orchester
(zeit.de, Christian Bangel)
Auf “Zeit Online” beschäftigt sich Christian Bangel mit dem zurückliegenden Wahlkampf und dem Zustandekommen des Wahlergebnisses: “Aus Angst vor dem Rechtspopulismus ist in Deutschland inzwischen ein Journalistenpopulismus entstanden. Wo immer er Ressentiments der Bevölkerung gegen “den Islam” und “die Flüchtlinge” vermutet, ist er zur Stelle, um sie hinauszuposaunen und doppelt zu unterstreichen. Darin duldet er keine Widerrede– er verweist dabei immer auf die US-Wahl und die Unfähigkeit dortiger liberaler Eliten, das Lebensgefühl der Bevölkerung zu verstehen.”

4. Mission Stimmungsmache
(Patrick Gensing, faktenfinder.tagesschau.de)
Beim “Faktenfinder” der Tagesschau geht es um die vielen automatisierten Tweets, die in der heißen Phase des Wahlkampfs vor allem die AfD unterstützt hätten. Nach “Buzzfeed”-Informationen soll ein russischer Hacker verschiedene Bots eingesetzt haben. In wessen Auftrag ist nicht bewiesen: “Tatsächlich bleibt unklar, ob und wie die AfD dieses Netzwerk mitsteuert. Klar ist hingegen, dass die meisten Social Bots die Agenda der AfD unterstützen: Sie helfen, Begriffe zu etablieren, generieren Reichweite und simulieren Relevanz.”

5. Welche Rolle Falschmeldungen im Wahlkampf spielten
(sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Welche Rolle spielten Fake News im Wahlkampf? In Deutschland wohl eine kleinere als oft angenommen, wenn man Experten Glauben schenkt. Dazu käme, dass Deutschland im internationalen Vergleich Social-Media-Entwicklungsland sei. Ernüchternd: Oft sei schlampiger Journalismus von vermeintlich seriösen Medien der Ausgangspunkt für virale Fake News.

6. Basta: “FAZ”-Redakteure plaudern – und das Mikro ist schon an.
(turi2.de, Jens Twiehaus, Video, 1:26 Minuten)
Panne der “FAZ” am Wahlabend: Das Mikro des YouTube-Livestreams ist schon Minuten vorher offen und überträgt Redakteure, die über ihren dicken Bauch, dreckige Fingernägel und “die blöde Schwesig” plaudern.

Desinformations-Champions, Verleger im Jammertal, Realfake Jasmin

1. Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook?
(motherboard.vice.com, Theresa Locker)
Welche deutsche Nachrichtenseite verbreitet die meisten Falschmeldungen auf Facebook? “Vice” hat über einen Zeitraum von sechs aufeinanderfolgenden Tagen die Facebook-Seiten von acht verschiedenen deutschsprachigen Online-Nachrichtenmedien mit großer Reichweite untersucht. Gewinner der Stichprobe ist der “Spiegel”, Verlierer sind “Sputnik DE”, “Huffington Post DE” und “RT Deutsch”. Tiefer gehende Infos zu den “Postingstrategien” der untersuchten Medien sind in einem separaten Artikel aufbereitet. Außerdem hat man ein FAQ zum Untersuchungs-Setup der Recherche zusammengestellt. Und zum Schluss noch der Hinweis auf Stefan Niggemeiers Kommentar ‘Fake News’-Debatte: Warum wir die Wahrheit nicht relativieren dürfen

2. Der rechtsextreme Flügel hat sich durchgesetzt
(nwzonline.de, Andreas Herholz)
Die “Nordwest Zeitung” (NWZ Online) hat sich mit dem Politikwissenschaftler Hans-Joachim Funke über die Chancen der AfD bei der anstehenden Bundestagswahl unterhalten. Funke spricht von einer drohenden Zäsur in der Geschichte des Bundestages und appelliert die Medien, ihrer Aufklärungsfunktion gerecht zu werden: “Viele Talkshows, die wie etwa Maybrit Illner im ZDF oder Plasberg in der ARD, AfD-Politiker geradezu hofieren, werden ihrem öffentlichen Auftrag nicht mehr gerecht.”

3. Ganz schön sportlich – für eine Frau
(sueddeutsche.de, Werner Bartens)
Wissenschaftlerinnen aus Kalifornien haben analysiert, wie sich die Darstellung von Sportlerinnen in den letzten Jahrzehnten geändert hat. Das Resümee: Wenn Frauen-Sport im Fernsehen übertragen wird, gibt es immer noch unangemessenen Kommentaren über Äußerlichkeiten und Nebensächliches. Der Sexismus komme jedoch verkleidet daher: “Es geht um die vermeintlichen Schwächen der weiblichen Leistungsfähigkeit. Damit wird den Zuschauern subtil vermittelt, dass Frauensport weniger aufregend und interessant ist.”

4. AfD wirft Google Sabotage vor
(spiegel.de, Melanie Amann & Marcel Rosenbach)
Die AfD fühlt sich von Google diskriminiert. Der Suchmaschinenriese würde sich nach “Spiegel”-Informationen seit mehr als einer Woche weigern, bestimmte Anzeigen für eine Anti-Merkel-Seite der AfD zu schalten. AfD-Kampagnenchef Kunkel spricht von Sabotage und will den fünfstelligen Etat für die Bewerbung der Anti-Merkel-Inhalte nun bei Facebook investieren.

5. Schuld sind die anderen
(taz.de, Benno Stieber)
Beim Jahreskongress der deutschen Zeitungsverleger ging es laut “taz”-Korrespondent Benno Stieber recht einseitig zu: Die Verleger hätten sich ausführlich ihren erklärten Gegnern gewidmet und tüchtig auf die großen Internetmultis wie Facebook und Google sowie die öffentlich-rechtlichen Sender geschimpft. Die eigenen Fehler seien dabei nicht zur Sprache gekommen.

6. Mein Fake Jasmin Nicoletta Goldmann
(fritschis-welt.de, Denise Fritsch)
Online einen Menschen kennenlernen, den man schätzt und in den man sich irgendwann vielleicht sogar verliebt, um nach Monaten der Kommunikation festzustellen, dass es diesen Menschen gar nicht gibt… Genau das ist Bloggerin “Fritschi” passiert, als sie Opfer des Realfakes “Jasmin Goldmann” wurde. Nachdem sich das Lügengebäude nicht mehr halten ließ, fingierte die falsche “Jasmin” ihren angeblichen Tod. Denise Fritsch hat die verstörende Geschichte dokumentiert.

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