Deutschland spricht, Football Leaks, Farbenlehre

1. Einen Mirko gibt es hier nicht
(zeit.de, Jochen Wegner)
„Die Zeit“ hat die Aktion „Deutschland spricht“ ins Leben gerufen, bei der Menschen ein Gesprächspartner mit politisch gegensätzlichen Ansichten vermittelt wurde: Für ein persönliches Treffen und politisches Zwiegespräch (hier der Werkstattbericht). Auch „Zeit Online“-Chef Jochen Wegner hat sich vom Matching-Algorithmus einen Gesprächspartner zuweisen lassen. Sein Bericht über die Begegnung mit seinem andersdenkenden Counterpart „Mirko“ ist ein spannend zu lesendes Stück Journalismus.

2. Buhrows Farbenlehre
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
Beim gemeinsam von „ARD“ und „ZDF“ geführten Ereignis- und Dokumentationskanal „Phoenix“ steht demnächst ein Wechsel an der Spitze an: Einer der zwei Chefposten wird neu besetzt. Hans Hoff erklärt, nach welchen Kriterien die Personalentscheidung läuft, und das hat viel mit „politischer Farbenlehre“ zu tun.

3. „Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann über Fußballjournalismus: „Bei regionalen Tageszeitungen besteht ein enormes Abhängigkeitsverhältnis“
(kress.de, Frank Hauke-Steller)
„Spiegel“-Reporter Rafael Buschmann hat zusammen mit seinem Kollegen Michael Wulzinger ein Buch über „Football Leaks“ und die schmutzigen Geschäfte im Profifußball geschrieben. Der Whistleblower „John“ hatte dem „Spiegel“ ein Datenkonvolut von 1,9 Terabyte, umgerechnet 18,6 Millionen Dokumente, zukommen lassen. In Interview erzählt Buschmann von seinem Kontakt mit John und der Entscheidung, das Material mit den 60 EIC-Kollegen und den dahinterstehenden zwölf anderen europäischen Medienhäusern zu teilen. Und es geht natürlich um den Fußball und die Zukunft des Fußballs.

4. „Bundestag beschränkt Arbeit von Journalisten“
(tagesspiegel.de, Kurt Sagatz)
Der Bundestag hat seine „Zugangs- und Verhaltensregeln“ überarbeitet und an zahlreichen Stellen die Möglichkeiten für Berichterstattung verschlechtert. Die Bundespressekonferenz (BPK), ein Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, ist wegen der verschärften Regeln für Journalisten im Bundestag erzürnt und fordert eine Rücknahme beziehungsweise Neugestaltung. Der DJV sieht in den neuen Regelungen eine „weitgehende Verhinderung von Journalismus“.

5. Insel der Möglichkeiten
(taz.de, René Martens)
Das Monatsmagazin „Tempo“ ist vielen noch in Erinnerung, obwohl es nur in den zehn Jahren zwischen 1986 und 1996 erschien. Das liegt auch an prominenten Namen wie Christian Kracht, Maxim Biller oder Sibylle Berg, die man mit dem Magazin verbindet. Nun wird der Name des legendären Monatsmagazins von einem Verlag für ein neues Projekt genutzt. René Martens erinnert sich an die Zeiten, in denen er selbst in Hamburg für „Tempo“ arbeitete.

6. Die wirklich sehr deutsche Geschichte vom Immer-Schlauer-Sein
(medium.com, Gerald Hensel)
Gerald Hensel hat den „Ramadan Friedensmarsch“ von „#NichtMit uns – Muslime & Freunde gegen Gewalt und Terror“ zum Anlass genommen, über den medialen Umgang mit politischen Ideen nachzudenken: „In nichts lernt man die Geringschätzigkeit auch großer deutscher Presseerzeugnisse so gut kennen, wie in ihrer Abschätzigkeit gegenüber jeder neuen politischen Idee. Die Methode ist simpel und hat für die, die sich dessen ausgesetzt sehen, einen nicht zu unterschätzenden psychologischen Effekt: die rechte Bubble weidet sich an deinem vermeintlichen Fail, bildet das Narrativ. Danach ziehen meist einige große Medien nach.“ Die Aktivisten ermuntert er, bei der Sache zu bleiben. „Gebt euch noch mehr Zeit, die Idee zu entwickeln und dann werdet ihr ganz schnell sehen, wie schnell die Meinungsopportunisten wieder die Seite wechseln.“