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Wetten, dass nicht…?

Es gibt Themen, bei denen man nun wirklich denken sollte, dass “Bild” sich auskennt. Die ZDF-Sendung “Wetten, dass” zum Beispiel ist exklusiver Partner der Internet-Schwester von “Bild”, die für die Show einen eigenen “Channel” eingerichtet hat (siehe Ausriss rechts). Beste Voraussetzung dafür, gut informiert zu sein. Theoretisch.

Am vergangenen Sonntag berichteten “Bild am Sonntag” und Bild.de, dass “Europas erfolgreichste Unterhaltungssendung” im Mai “erstmals nicht an einem Samstag ausgestrahlt werde”:

Das gab es noch nie in der 24jährigen Geschichte von “Wetten, dass . .?”.

staunte “Bild” und spekulierte ausführlich über die Konkurrenz zwischen ARD-Volksmusik-Moderator Florian Silbereisen und ZDF-Mann Thomas Gottschalk. Was auch immer hinter der Entscheidung des ZDF für den Sonntags-Termin steckt: Eine Premiere ist es nicht. “Wetten, dass” lief schon drei Mal an einem Sonntag: am 20. Dezember 1987, am 3. April 1988 und am 2. Dezember 1996.

Der Bild.de-Teaser (Ausriss links) ist sogar gleich doppelt falsch, weil die Sendung aus der Türkei, um die es geht, keineswegs das “nächste Mal” ist. Das nächste “Wetten, dass” kommt aus Berlin — klassisch am Samstag.

Danke an Richard J. für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 21.50 Uhr: Anstatt die Fehler zu korrigieren, hat Bild.de den Artikel heute Abend kurzerhand ganz entfernt.

Die Dummen

In der vergangenen Woche zeigten ARD und ZDF probeweise Fußballspiele im 16:9-Format, weswegen bei vielen TV-Geräten, die ein Bild im Verhältnis 4:3 zeigen, am oberen und unteren Bildschirmrand schwarze Balken zu sehen waren.

“Bild” motzte daraufhin (wieder) über den “Balken-Fußball”:

“So ein Nerv-Bild droht uns auch bei der WM 2006!”

Fakt ist: Die Fifa hat vor, die WM 2006 im Format 16:9 zu produzieren. Die Sender aber, darauf weist auch “Bild” hin, dürfen selbst entscheiden, ob sie das Format übernehmen.

Nach der Probe-Ausstrahlung waren die Zuschauerreaktionen eher negativ. Die Nachrichtenagentur ddp zitiert etwa die ARD-Zuschauerredaktion damit, dass das Format “beim größten Teil der Bevölkerung (…) nicht besonders gut angekommen” sei.

Auch “Bild” berichtet von “überwiegend negativen Reaktionen”, kann sich allerdings nicht so recht darüber freuen, dass das (anderswo empfohlene) “Quetsch-TV” bzw. die “geplante 16:9-Ausstrahlung der Spiele (…) angesichts der überwiegend negativen Zuschauerreaktionen nicht wahrscheinlicher geworden” ist, wie ddp vermutet. Denn:

“Entscheiden sich die Sender bei der WM für das alte 4:3-Format, ärgern sich die Besitzer der 16:9-Fernseher. Die haben dann rechts und links schwarze Balken. Wie gesagt – der Fan ist immer der Dumme…

Mit anderen Worten: Für welches Format auch immer sich die Sender entscheiden, sie entscheiden sich – zumindest wenn man der merkwürdigen Argumentation von “Bild” folgt – falsch. Und sind damit immer die Dummen.

Dank an Axel W. für den sachdienlichen Hinweis.

Einfach dumm gelaufen

Die heutige “Bild”-Überschrift “Ireen Sheer will Schmerzensgeld von Florian Silbereisen” stimmt fast. Genauer müsste sie nur heißen: “Ireen Sheer will kein Schmerzensgeld von Florian Silbereisen”.

Bei der ARD-Sendung “Winterfest der Volksmusik” waren am Samstag mehrere Interpreten mit Schlittschuhen auf einer Eisfläche aufgetreten. Ireen Sheer stürzte bei den Proben und brach sich den Arm.

“Bild” berichtet heute: Sheer wolle Schadensersatz- und Schmerzensgeld-Ansprüche prüfen lassen, müsse Teile ihrer Radio-Tour zur neuen CD absagen und fühle sich von der ARD wegen der Pflicht zum Schlittschuhlaufen vorgeführt.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte Sheers Managerin Dagmar Ambach heute: Die Sängerin werde keine Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen, müsse keine Auftritte absagen und habe schon oft auf dem Eis gestanden und deshalb kein Problem mit der Aktion gehabt. Ambach wörtlich: “Das ist einfach dumm gelaufen.”

Allerdings werde Sheer dem Sender vielleicht Mehrkosten durch Taxifahrten oder so in Rechnung stellen.

Matthäus 23, 2-3

Nur dass es da jetzt nicht zu blöden Missverständnissen kommt:

Die “geschmacklose Werbung”, die den “toten Modezar” “gar keine Ruhe” finden und seinen Anwalt angeblich an Schmerzensgeld denken lässt, das ist die im kleinen Foto rechts.

Das im kleinen Foto links ist der “Gummi-Mosi”, eine Karikatur von Moshammer als Puppe, die ihn zwar “wie eine Witzfigur” aussehen lässt, aber dem “toten Mosi” beim Schlager-Grand-Prix einen “letzten glamourösen Auftritt” verschafft hätte, aus der jedoch, weil die ARD abgewunken hat, “die Luft raus” ist, weshalb “Bild” den “schrägen Gummi-Mosi” nun in einer lustigen Aktion an den “besten Mosi-Doppelgänger” verschenkt.

Todsünde II

Heute spielen wir wieder das beliebte Spiel: Erkennen Sie die bezahlte Werbung, die sich hier als redaktioneller Beitrag getarnt hat (auch bekannt als Döpfners Todsünden-Memory):

Richtig: Es ist der nette Kai Pflaume oben rechts, der passend zum Valentinstag freundlicherweise “die besten Love-Songs aller Zeiten” empfiehlt. Klickt man darauf, findet man immer noch kein Wort wie “Anzeige” oder “Werbung”, aber den Autorennamen Nicole Geiger, der fast das Gleiche bedeutet. Interessanterweise befinden wir uns nun im Ressort “Lotto & Gewinnen”, aber zu gewinnen gibt es hier nur etwas für den Werbepartner von Bild, der sich auch dann noch nicht zu erkennen gibt, wenn man den Fehler macht, auf den Link namens “Hier geht’s zu den Lieblings-Lovesongs von Kai Pflaume!” zu klicken. “Werbung”? Kein Wort davon. Der Schwindel, daß Bild.de mit den Worten: “einfach downloaden” eigentlich meinte: “einfach bezahlen und dann downloaden”, fliegt erst auf, wenn man auch dort auf den Link geklickt hat — und sich plötzlich im Downloadportal “Musicload” von Bild.de-Partner T-Online befindet.

Und: Egal, wie oft Bild.de das noch macht — verboten bleibt es doch.

Schnief

“Bild” schreibt:

“Bis zu 90.000 Tote?
Horror-Grippe in Deutschland –
auch den Kanzler hat es erwischt

(…) Bundeskanzler Gerhard Schröder (60) sagte gestern alle Termine ab – Grippe! Was rollt da auf Deutschland zu? Experten rechnen mit bis zu 90.000 Grippetoten.

Die Influenza-Welle breitet sich rasant von Süden und Westen aus. In Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg sind bereits Tausende infiziert! Vor allem Kinder sind betroffen!

Das Virus kommt aus Italien, hat dort schon 1,5 Millionen Menschen erwischt. Prominentes Opfer bei uns: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).”

Und mal abgesehen davon, dass der “Bild”-Bericht (bewusst oder fahrlässig) hypothetische Warnungen von Wissenschaftlern und aktuelle Meldungen über eine “moderate” Grippewelle vermischt, verschweigt “Bild” ihren rund 12 Millionen Lesern zudem (bewusst oder fahrlässig), was beispielsweise die Nachrichtenagentur AP bereits gestern nachmittag unter der Überschrift “Schwere Erkältung – Aber nicht die gefährliche Influenza” vermeldete: “Eine Erkältung, die häufig mit der Grippe (Influenza) verwechselt wird, hat sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder eingefangen.” Entsprechend zitierte die Agentur auch den Regierungssprecher Bela Anda (“Er hat eine fiebrige Erkältung, auch als Grippe bekannt.”), um anschließend noch einmal ausdrücklich zusammenzufassen:

“Nach Angaben aus der Regierung handelt es sich um einen grippalen Infekt und nicht um die wesentlich gefährlichere Influenza.”

Todsünde

“Ich habe nichts gegen redaktionell gestaltete Anzeigen, solange sie gekennzeichnet und deutlich unterscheidbar sind”, hat Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des “Bild”-Verlags Axel Springer, gerade im Interview mit dem Fachblatt “Horizont” gesagt. Und außerdem: “Eine für den Leser nicht nachvollziehbare Einflussnahme von Anzeigenkunden auf journalistische Inhalte ist eine Todsünde.”

Aber: Die “journalistischen Leitlinien” Springers würden “das ganze Haus sensibilisieren, dass Verstöße nicht geduldet werden”.

Und tatsächlich erscheint in der “Bild”-Online-Ausgabe neuerdings (allerdings auch erst: neuerdings) an der ein oder anderen Stelle der nützliche Hinweis:

Ausriss: Bild.de
(Originalgröße)

Bis in die Gefälligkeitsrubrik des “Bild”-Partners T-Online hat sich die neue Regelung allerdings noch nicht herumgesprochen. Dort wird unter “Digital leben!”/”Meine Homepage” weiter in redaktioneller Aufmachung u.a. auf “alle Vorteile einer T-Online-Homepage” hingewiesen und unter “T-Online Services”, die wie jede andere Übersichtsseite auf Bild.de gestaltet ist, ohne vorherigen Hinweis direkt auf entsprechende Seiten bei T-Online verlinkt. Todsünde hin oder her.

Nachtrag, 10.2.2005:
Und wenn wir schon (fast) beim Thema sind: Auf der Titelseite druckt “Bild” heute “Die neuen 7 Todsünden”, die “britische Forscher” offenbar im Auftrag der BBC zusammengestellt haben (auf Platz 6: Habgier). Online ist der Beitrag mit dem schönen Hinweis auf die “Bild Volksbibel” bebildert, zusammen mit dem verlinkten Hinweis: “Jetzt kaufen!” Dumm bloß, dass das Stück längst vergriffen ist, wie eine freundliche “Weltbild”-Mitarbeiterin telefonisch bestätigt.

“Ignoranz” wäre auch ein schöner Vorschlag für die neue Todsünden-Liste, oder?

Ausriss: Bild.de

Ach ja: Und die britischen “Forscher”, die die “Studie” mit den “7 neuen Todsünden” im Auftrag der BBC “erstellt” haben, sind genau genommen britische Meinungsforscher, die für die BBC-Religions-Show “Heaven & Earth” eine Umfrage unter 1000 Briten durchgeführt haben.

Mit Dank für den sachdienlichen Nachtragshinweis an Thomas H.

Behelfsmäßig

Gestern wurde in Stuttgart ein Kriminalbeamter wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

Um aber heute in keiner Weise an der schäbigen “Schämt Euch!”-Kampagne teilzuhaben, anlässlich derer die “Bild”-Zeitung zwölf der bundesweit über 5000 Staatsanwälte, 20.000 Richter und 270.000 Polizeibeamten mit (behelfsmäßig mit schwarzen Balken versehenen) Fotos abbildet, weil sie laut “Bild” gegen Gesetze verstoßen haben, klicken Sie bitte weder hier noch hier noch hier!

Schließlich würfe [quasi als Nachtrag, 15:20] die “Bild”-Berichterstattung hinter den Links viel mehr Fragen auf als sie Reflexe befriedigt. Zum Beispiel diese: Sind die von “Bild” zusammengetragenen zwölf “Fälle – also umgerechnet 0,004 Prozent – eigentlich viel? Handelt es sich bei jedem der von “Bild” zusammengetragenen zwölf Fälle um einen Einzelfall? Oder ist es, wie “Bild” schreibt, “kein Einzelfall”? Werden es gar, wie “Bild” einfach so behauptet, tatsächlich “immer mehr”? Und wem ist damit gedient, wenn “Bild” die zwölf “schlimmsten Beispiele” mit so einem behelfsmäßig anonymisierten Foto illustriert?

Wer darauf keine Antwort weiß, schaue sich doch stattdessen lieber ein (behelfsmäßig mit schwarzem Balken versehenes) Foto von Chefredakteur Kai D. (40) an. Auch einfach so.
 
 
 
 

Total jeck

Manche Promis wissen, was sie ihren Fans schuldig sind. Heidi Klum zum Beispiel. Die hat auf ihrer Website angekündigt, beim Kölner Rosenmontagszug mitzufahren, von ihrem Wagen ordentlich Fruchtgummis zu schleudern und mit einem Handy Fotos zu machen, die direkt auf ihre Website gestellt werden. So weit, so harmlos.

Nun ist’s aber so, dass daraufhin der Kölner Zugleiter Alexander von Chiari in der Presse mehr oder weniger deutlich Bedenken äußerte, ob eine solche Foto-Aktion überhaupt erlaubt sei, da ja der WDR die alleinigen Rechte für eine Live-Übertragung besäße.

Bild.de berichtete daraufhin am Nachmittag:

Ausriss: Bild.de

“Hinter den Kulissen” des Kölner Karnevals tobe wegen der nicht abgesprochenen Fotoaktion ein “erbitterter Streit”. Der “mächtige Westdeutsche Rundfunk” habe inzwischen “ein strenges Fotoverbot” “verhängt”.

“In der Sendeanstalt hält man sich mit Äußerungen zurück. Statt dessen polterte der Leiter des Rosenmontagszugs, Alexander von Chiari: ‘Falls sich die Dame nicht daran hält, hole ich sie notfalls persönlich aus dem Zug.'”

Puh! Klingt nach mächtig Ärger.

Allerdings schreibt Bild.de nicht dazu, dass von Chiari die Äußerung, mit der er laut dpa in einem “Pressebericht” zitiert wird, längst entschärft hat (bzw. dementiert). Selbst wenn von Chiari sich dementsprechend geäußert haben sollte, wüsste Bild.de vermutlich kaum, ob er dabei tatsächlich “polterte” – fragt man den Zugleiter selbst, erklärt er, seitens “Bild” habe niemand mit ihm gesprochen.

In der Pressestelle des WDR heißt es auf Nachfrage, dass der Sender selbst erst aus der Presse von dem angeblichen Zoff erfahren habe. Ein “Fotoverbot” seitens des WDR gegenüber Klum, so versichert Sprecherin Kristina Bausch, habe es zu keiner Zeit gegeben. Man habe gar nichts gegen Klums Aktion.

Woher Bild.de weiß, dass der WDR sich (bis zu dieser Einigung) “mit Äußerungen zurück” hielt, ist ebenfalls unklar. Die WDR-Pressestelle kann sich bis heute Abend, 18 Uhr, jedenfalls an keinen Anruf aus der Bild.de-Redaktion erinnern.

Die hat ihre Schlagzeile inzwischen übrigens abgeändert. Jetzt steht da:

Ausriss: Bild.de

Der Text darunter ist – abgesehen von einem hinzugefügten Absatz – allerdings noch immer derselbe.

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