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Symbolfoto XXVI

Ganzseitig berichtet die Berlin-Brandenburg-Ausgabe der “Bild”-Zeitung heute über die Stippvisite von Angelina Jolie und Brad Pitt in Berlin (siehe Ausriss). Wer allerdings glaubt, das fast Din-A-4-große Foto über der Überschrift “Hier huschen Brad Pitt und Angelina Jolie über den Potsdamer Platz” habe irgendwas damit zu tun, dass Brad Pitt und Angelina Jolie über den Potsdamer Platz huschen, irrt. Das Foto ist fast eine Woche alt und zeigt Jolie und Pitt im schweizerischen Davos. Das große Wörtchen “Hier” in der Überschrift bezieht sich, wie der kleine schwarze Keil darunter (siehe Ausriss rechts) andeutet, auf drei ausgesprochen unscharfe Fotos, die ein 23-jähriger Politik-Student mit seinem Fotohandy gemacht hat.

PS: Außerdem zeigt “Bild” u.a. noch ein weiteres Foto von Pitt und Jolie, das die beiden ebenfalls nicht in Berlin, sondern vor gut einer Woche auf einem Londoner Flughafen zeigt. Statt auf diesen Umstand hinzuweisen, hat “Bild” sich jedoch entschieden, etwas ganz anderes neben das Foto zu schreiben – nämlich:

“‘Quod me nutrit me destruit’ (‘Was mich nährt, zerstört mich’) steht auf Angelina Jolies Babybauch. Ein Tattoo, das sie sich vor kurzem erst stechen ließ”
(Hervorhebung von uns.)

Und das ist insofern dumm, als das Tattoo zwar vor kurzem erst Schlagzeilen machte, aber offenbar aus dem Jahr 1997 stammt.

“Bild” hat schon gewählt

In knapp zwei Monaten sind in Rheinland-Pfalz Landtagswahlen, und beide großen Parteien versuchen, sich mit Vorschlägen zur Familienpolitik zu profilieren. Die Nachrichtenagentur AFP fasste es gestern so zusammen:

Die SPD kündigte am Samstag auf ihrem Parteitag an, bei einer Wiederwahl bis 2010 eine vollständige Beitragsfreiheit für den Kindergartenbesuch zu erreichen. (…) Auch die CDU will die Kindergartengebühren abschaffen, und das sogar schon ab 2007.

Das Wahlprogramm der CDU [pdf], das am vorletzten Samstag beschlossen wurde, verspricht u.a., mehr Personal einzustellen, um in Zukunft auch Zweijährige schon zu betreuen, und mehr Lehrer einzustellen. Das Wahlprogramm der SPD [pdf], das am vergangenen Samstag beschlossen wurde, verspricht u.a. einen Rechtsanspruch für einen Kindergartenplatz für Zweijährige und Hilfen beim Schulbuchkauf und Schulessen.

Man könnte nun ins Grübeln kommen, welcher Seite eher zu trauen ist, die Versprechen auch einzuhalten, und welche Finanzierungsmöglichkeiten man realistischer findet. Kann man aber nicht, wenn man die heutige “Bild”-Zeitung liest. “Bild” hat sich trotz der fast gleichlautenden Vorschläge schon entschieden, wer in die Freunde-des-Hauses-Rubrik “Gewinner des Tages” gehört. Es ist der SPD-Ministerpräsident Kurt Beck*:

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (56, SPD) will die Kindergartengebühren abschaffen. Außerdem sollen alle Kinder ab zwei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz bekommen. Und: Höhere Zuschüsse für Schulbücher, Essen und ein beitragsfreies Erststudium soll es auch geben.

BILD meint: Ein wahrer Landesvater!

Für den Hinweis, dass die CDU ähnliche, teils weiter gehende Vorschläge gemacht hatte, fand die “Bild”-Zeitung in diesem Text keinen Platz mehr.

*) Kurt Beck hat sich in der vergangenen Woche — im Gegensatz zu vielen Parteikollegen — grundsätzlich offen für eine Ministererlaubnis gezeigt, die der Axel Springer AG eine Fusion mit ProSiebenSat.1 trotz des Vetos des Kartellamtes erlauben würde.

Danke an Jochen Z. für den Hinweis!

Symbolfoto XXV

Die Meldung, dass sich der Produzent und Musiker Kanye West fürs Cover der US-Ausgabe der Zeitschrift “Rolling Stone” in einer umstrittenen Pose fotografieren ließ, bebildert Bild.de bereits seit gestern mit einem großen Foto des Musikers Ludacris (siehe Ausriss). Ähnlich sehen sich Kanye West und Ludacris nicht, aber sie sind, einer wie der andere, dunkelhäutig.

Mit Dank an Nico U. und andere für den Hinweis.

Nachtrag, 16:50:
Bild.de hat das Ludacris-Foto, mit dem die Kanye-West-Meldung illustriert wurde, inzwischen gegen ein Foto von Kanye West ausgetauscht.

Symbolfoto XXIV

Mann, die sind verdammt flink bei “Bild”, könnte man meinen. Kaum werden in der irakischen Stadt Baidschi zwei deutsche Ingenieure entführt, da haben sie bei Bild.de auch schon Bilder dazu:

Haben sie aber gar nicht. Die zur Illustration der Schlagzeilen verwendeten Fotos wurden gar nicht bei der Entführung aufgenommen, sie sind auch nicht in der irakischen Stadt Baidschi entstanden, ja nicht einmal am Tag der Entführung. Nein, sie haben nicht nur überhaupt nichts mit der Geschichte zu tun, sondern auch nichts miteinander – außer, dass sie aus dem Fundus der Nachrichtenagentur AP gefischt wurden.

Das erste Foto (siehe Ausriss links und hier), mit dem Bild.de am Nachmittag die Schlagzeile auf der Startseite bebilderte, ist eine Collage. Sie zeigt irakische Polizisten am 20. Januar neben einem Polizeiauto, das bei einem Bombenanschlag in Bagdad zerstört wurde, und am linken Bildrand wurde ein weiterer, diesmal vermummter, Polizist in die Szenerie montiert. Warum auch immer.

Das zweite Foto (siehe Ausriss rechts und hier), das die Meldung im “Nachrichten”-Ressort ankündigt, entstand am 9. Januar vor dem Innenministerium in Bagdad. Es zeigt irakische Polizisten, die das Ministerium abschirmen, nachdem auf das Gebäude ein Anschlag verübt worden war. Einer von ihnen droht Presseleuten mit seiner Waffe, damit sie aufhören, ihn und seine Kollegen zu filmen.

Immerhin eine Gemeinsamkeit haben Illustration und Entführungsmeldung: Beides hat irgendwie mit Autos zu tun.

Oh, Backe!

Heute auf der letzten Seite von “Bild” in Christiane Hoffmanns “Ich weiß es!”-Kolumne:

Die Fotos, die “Bild” da abdruckt, stammen vom World Entertainment News Network (WENN) und werden auf der Internetseite folgendermaßen beschrieben:

Britney Spears and her brother Bryan experience car troubles on the Pacific Coast Highway. The pair driving in Kevin Federlines Ferrari, were helped by the paparazzi and then were picked up by the police.

Etwa: Britney Spears und ihr Bruder Bryan haben eine Autopanne auf dem Pacific Coast Highway. Die beiden, die in Kevin Federlines Ferrari unterwegs waren, bekamen Hilfe von Paparazzi und wurden dann von der Polizei mitgenommen.

Ob das nun origineller ist, als das, was Christiane “Ich weiß es!” Hoffmann sich offenbar, rums, ausgedacht hat, darüber kann man streiten, zumindest scheint es aber wahr zu sein – und man kann es auf sehr vielen, frei zugänglichen Internetseiten nachlesen.

Tja …

Mit Dank an Alex V. für den sachdienlichen Hinweis

If

Der Chef der IAEO, Mohammed el Baradei, hat der Zeitschrift “Newsweek” ein Interview zum Konflikt mit dem Iran gegeben, und was er sagt, klingt beunruhigend. “Bild” zitierte ihn gestern so:

Das Regime unter Präsident Ahmadinedschad sei nur “wenige Monate” vom Bau einer Atombombe entfernt, warnt der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde el-Baradei.

Nur wenige Monate bis zur iranischen Atombombe — in “Bild” ist das eine schlichte Tatsache. Interessanterweise unterscheidet sich die Fassung der Nachrichtenagentur dpa von der “Bild”-Version in einem kleinen Detail:

(…) Teheran sei unter Umständen nur noch wenige Monate vom Bau einer Atombombe entfernt.

“Unter Umständen”, was soll das denn heißen? Die Antwort findet sich im Original-Interview in “Newsweek”. El Baradei sagte:

“And if they have the nuclear material and they have a parallel weaponization program along the way, they are really not very far — a few months — from a weapon.”

“If” bedeutet “falls” und beschreibt keine Tatsache, sondern eine Möglichkeit. Die “Frankfurter Allgemeine” übersetzt El Baradeis Satz deshalb so:

“Wenn sie das Atommaterial haben und wenn sie ein paralleles Waffenprogramm unterhalten, dann sind sie wirklich nicht weit — ein paar Monate — von einer Waffe entfernt.”

Das ist immer noch beunruhigend, keine Frage, und doch nicht das, was “Bild” schrieb.

Danke an Micha L. für den Hinweis!

Nachtrag, 13.15 Uhr: In ihrem heutigen Artikel zum Thema zitiert die “Bild”-Zeitung el Baradei genauer, nämlich inklusive der Formulierung “unter Umständen”.

J.

Angela M. (51)?
Joschka F. (57)?
Boris B. (38)?
Hugo M.-V. (58)?

Nein, irgendeinen Sinn wird es schon haben, dass “Bild” nicht jeden Namen, den sie in die Zeitung druckt, abkürzt. Schließlich ist so eine Abkürzung ein halbwegs probates Mittel zur Anonymisierung von Personen (meist Privatpersonen) zum Schutz vor unangemessen viel Öffentlichkeit — auch, wenn das im Hause “Bild” nicht immer anstandslos gelingt.

Im Fall der Schülerin “Jacqueline K. (17)” allerdings, die ihren Lehrer offenbar wüst beschimpft hatte und dafür nun von einem Gericht zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit in einem Altenheim “verdonnert” wurde, hat “Bild” sich die Mühe gemacht und Jacquelines Nachnamen verschwiegen. Auch Jaquelines Lehrer heißt in “Bild” nur “Lehrer Achim J. (45)”, “Klassenlehrer Achim J. (45)”, “Herr J.” oder “beleidigter Pauker” — außer in der von “Bild” am Samstag dokumentierten “Anklageschrift”. Dort nämlich wurden zwar der Nachname der Schülerin, ihr Wohnort und der Nachname ihrer gesetzlichen Vertreter unkenntlich gemacht, der Nachname des “beleidigten Paukers” allerdings steht gut lesbar und unverfremdet dort…

PS: Auch bei Bild.de gab es noch bis gestern Nacht ein Faksimile der Anklageschrift “zum Großklicken” (siehe Ausriss). Nachdem wir die Bild.de-Redaktion auf die Tatsache der unterlassenen Verfremdung des Lehrernamens aufmerksam gemacht hatten, bekamen wir zwar keine Antwort, der “Zum Großklicken”-Link ist jedoch mittlerweile aus dem Bild.de-Text entfernt.

Mit Dank für die zahlreichen Hinweisgeber.

“Alles okay!”

Seit der französischen Revolution ist der Großteil der Welt schrittweise dazu übergegangen, Längen nicht mehr in Elle oder Klafter, sondern in Meter oder Zentimeter anzugeben. So macht das auch Hessens Versammlungsstättenverordnung (VStättV § 10 Abs. 2): “Stufen in Gängen (Stufengänge) müssen (…) einen Auftritt von mindestens 0,26 m haben.”

Im umstrittenen Test der Fußball-WM-Stadien bemängelt Stiftung Warentest nun an der Commerzbank-Arena in Frankfurt einen steilen Oberrang und einige Stufen, die angeblich nur 22 Zentimeter tief sind (siehe “hessenschau”). Frankfurts Bürgermeister Achim Vandreike widerspricht energisch: Es seien “Werte zwischen 26,8 und 30 Zentimetern”.

Um das endgültig zu entscheiden, hat “Bild” einen Reporter zum Nachmessen ins Stadion geschickt. Beruhigendes Ergebnis: Die Stufen sind etwas weniger als anderthalb Peter-Dörr-Handspannen tief.

Aber sehen Sie selbst:

Mit Dank an Oliver R. für die Anregung.

Symbolfoto XXIII

Hinweis: Der folgende Eintrag wirft “Bild” nichts vor. “Bild” hat, soweit wir das erkennen können, alles richtig gemacht. Kein handwerklichen Fehler, keine falschen Behauptungen, nüscht!
 
Zur Zeit geht eine Meldung durch die Medien, dass ein 17 Monate alter Junge unter anderem mit Rotkohl so brutal gefüttert worden sei, dass er am vergangenen Mittwoch nach elftägigem Todeskampf an “Hirnversagen durch Sauerstoffmangel” starb.

Und natürlich steht diese Meldung heute auch in “Bild”.

Anders als in anderen Medien hat “Bild” die Meldung aber nicht nur mit einem RotkohlRotkohlFoto illustriert. Nein, “Bild” zeigt — neben der Schlagzeile “Mit Rotkohl erstickt!” — auch das Foto eines blonden Jungen. Daneben steht:

“Das Kind hatte unter anderem Schwellungen, Schürfwunden und eine Hirnschaden
Fotos: Getty Images, Stock Food

Das Foto selbst hat “Bild” stark verfremdet, wie es Medien gelegentlich zur Anonymisierung von Tätern, Zeugen oder Opfern tun, um ihre Identität zu schützen: das Gesicht verpixelt, das Foto nur als Negativ abgedruckt (siehe Ausriss).

Grafisch bearbeitet sieht die Meldung übrigens ungefähr so aus:

Und dann kann man gut erkennen, dass es sich bei dem Foto nur um ein x-beliebiges, stark verfremdetes Kleinkindporträt aus einem Symbolfoto-Archiv handelt (siehe hier), wie heute ganz bestimmt jedem der über 11 Millionen “Bild”-Leser auf Anhieb klar gewesen sein dürfte, zumal “Bild” ja auch nirgends ausdrücklich behauptet, dass es sich bei dem abgebildeten Kind in der Meldung um das Kind aus der Meldung handelt…

Mit Dank an Robert B. für den sachdienlichen Hinweis.

…auch wenn “Bild” das Gegenteil behauptet

Der Presserat hat eine Missbilligung gegen die “Bild”-Zeitung ausgesprochen, weil sie im vergangenen Juli ein Foto zeigte, auf dem zwei junge Männer zu sehen sind, während sie gehenkt werden. Nach Ansicht des Presserates war die Veröffentlichung “unangemessen sensationell”.

Nichts zu beanstanden hatte der Presserat daran, dass “Bild” behauptete, hier würden zwei Kinderschänder hingerichtet. Tatsächlich wurde den Jugendlichen aber wohl nur ihre Homosexualität zum Verhängnis. In ihrer Rechtfertigung vor dem Presserat berief sich die “Bild”-Zeitung darauf, dass die Kinderschänder-Version, die der iranischen Propaganda entspricht, von der französischen Nachrichtenagentur AFP verbreitet worden sei. Aus dieser Meldung sei auch nicht hervorgegangen, dass es sich bei den Hingerichteten um Minderjährige gehandelt habe.

Der Presserat meint, eine Zeitung müsse die Meldung einer Nachrichtenagentur nicht mehr nachrecherchieren. Und der Axel-Springer-Konzern findet das auch. Allerdings gab das Justiziariat des Verlages in dem Verfahren an, dass sich “Bild” ganz besonders viel Mühe gegeben habe. Der Presserat gibt die Stellungnahme von Springer so wieder:

Dennoch hätte sich der zuständige Redakteur bemüht, über den Agenturserver weitere Informationen zu diesem Fall zu erhalten. Es habe jedoch keine einzige weitere Agenturmeldung gegeben.

Das ist schwer zu glauben. Es gab an jenem Tag eine weitere Agenturmeldung über den Fall. Die Katholische Nachrichtenagentur KNA verbreitete am 26. Juli 2005 um 14.45 Uhr folgende Meldung:

EU-Protest gegen Hinrichtung von Jugendlichen im Iran

Brüssel (KNA) Die EU hat gegen die Hinrichtung zweier Jugendlicher im Iran protestiert. Einer der Hingerichteten sei sowohl zur Tatzeit als auch bei der Vollstreckung des Todesurteils jünger als 18 Jahre gewesen, klagte die britische EU-Präsidentschaft in einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Die EU warf dem Iran vor, mit den vollstreckten Todesurteilen gegen die Internationale Konvention für bürgerliche und politische Rechte und die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen zu haben.

(…) Die beiden Jugendlichen waren laut Medienberichten vor einer Woche in der Stadt Mashad wegen Raubes, Alkoholkonsums und homosexueller Übergriffe öffentlich hingerichtet worden.

Die “Bild”-Zeitung ist Kunde der KNA und hätte also im Voraus wissen können, dass ihre Veröffentlichung problematisch ist. Auch wenn das Springer-Justiziariat gegenüber dem Presserat das Gegenteil behauptet.

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