Apple hat sein neues iPhone vorgestellt. Und es ist fast rührend, mit welcher Treuherzigkeit Bild.de nicht nur berichtet, wie es aussehen wird und was es kann, sondern gleichzeitig zu einem Blick ins eigene Archiv animiert:
Denn wer darauf klickt, sieht nicht die ersten Bilder vom UMTS-iPhone und erfährt auch nicht, wie es “wirklich” aussieht. Er kann sich aber einen guten Eindruck von der Kompetenz der Redaktion machen.
Das wird Apple-Chef Steve Jobs stinken. Eigentlich wollte er das neue iPhone der Welt selbst als erster zeigen. Es sollte die Sensation zum Auftakt der Entwicklerkonferenz WWDC am Montag in San Francisco werden (19 Uhr, MEZ).
Doch vorab sind schon erste Fotos des neuen Super-Handys im Internet aufgetaucht.
Wenn Steve Jobs sie überhaupt zur Kenntnis genommen hat, die Fotos und Berichte, wird er sich gut amüsiert haben. Denn die Bilder haben ungefähr nichts mit dem tatsächlichen neuen iPhone gemein. Es kommt weder in “schreienden Farben” daher, wie die “Bild am Sonntag” behauptete, noch hat es eine zweite Kamera an der Vorderseite, wie die “Bild am Sonntag” vermutete.
Irgendjemand hat mit seinem Grafikprogramm herumgespielt, und die “Bild am Sonntag” ist darauf hereingefallen. Dabei gehören solche Fakes zur traditionellen Apple-Folklore, und in diesem Fall mangelte es den Bildern auch nicht an Warnsignalen — für den, der sie sehen wollte. Bei einem der abgebildeten Telefone fehlt zum Beispiel der Einschaltknopf. Das einschlägige Blog “Engadget” hatte darüber deshalb schon am Samstag das Wort “Faaaaake” geschrieben (mit 24 “a”). Andererseits hat das Wort “geheim”, das die “Bild am Sonntag” stattdessen wählte, ja eine ähnliche Bedeutung.
Mit Dank an Olaf, Sebastian H., Jörg H. — und das fscklog!
Am 10. September 2005 fuhr Katia R.* zum Münchner Flughafen, um Erdal G.* abzuholen, den sie einige Monate zuvor in der Türkei geheiratet hatte. Doch Erdal G. wurde unmittelbar nach seiner Ankunft wegen Mordes verhaftet. Er soll elf Jahre zuvor in Berlin seine 17-jährige Freundin brutal umgebracht haben, als die ihn verlassen wollte.
Der 10. September 2005 wäre auch ganz ohne das Zutun von “Bild” einer der schlimmsten Tage im Leben von Katia R. gewesen. Aber kein Elend ist groß genug, als dass es die “Bild”-Zeitung nicht noch größer machen könnte. Am späten Nachmittag des 11. September 2005 drang sie in das Leben von Katia R. ein.
Was dann geschah, schildern sie und ihre Nachbarn so:
Zwei Reporter, mindestens einer davon von der “Bild”-Zeitung, tauchen in dem Haus auf, in dem Frau R. wohnt. Sie haben sich durch Klingeln bei Nachbarn Zutritt verschafft. Weil Katia R. nicht da ist, fragen sie ein unter ihr wohnendes Ehepaar hartnäckig nach ihr aus. Als die Ehefrau die Reporter endlich abgewimmelt hat, legt sie Katia R. einen Zettel in den Briefkasten. Eine Art Warnung: Sie solle sich unverzüglich bei ihr melden. Als Katia R. nach Hause kommt, findet sie den Zettel und besucht sofort das Ehepaar, das ihr von dem “Bild”-Besuch berichtet. Katia R. gerät in Panik und will so schnell wie möglich in ihre Wohnung. Die Ehefrau begleitet sie.
Als die beiden Frauen sich auf den Weg machen, werden sie von den Reportern bemerkt, die sich immer noch im Haus befinden. Sie stürmen ebenfalls in Richtung Wohnung und versuchten, Katia R. abzufangen, was ihnen jedoch nicht gelingt. Die Reporter lassen sich diesmal aber auch von der Nachbarin nicht vertreiben und klingen Sturm, bis Katia R. schließlich die Polizei ruft.
Eine halbe Stunde später klingelt bei Katia R. das Telefon. Es meldet sich Burkhard Wittmann, ein “Bild”-Redakteur und wahrscheinlich einer der beiden Reporter, die ihr zuvor im Flur aufgelauert haben, und bedrängt sie mit Fragen. Sie lässt sich aber auf kein Gespräch ein und fordert ihn auf, sie in Ruhe zu lassen. Sie verbarrikadiert sämtliche Fenster und traut sich teilweise nicht einmal, Licht anzumachen.
Soweit die Schilderung von Katia R. und ihrer Nachbarn.
Der nächste Tag ist ein Montag, und die Münchner Zeitungen berichten über die Festnahme des gesuchten Mörders am Flughafen. Das heißt, drei Münchner Zeitungen berichten über die Festnahme des gesuchten Mörders — und eine über seine Ehefrau.
Der “Bild”-Artikel beginnt mit folgenden Worten:
München — Mit Mitte 40 noch mal einen zehn Jahre jüngeren Mann abgreifen – für die Münchner war’s wie ein Hauptgewinn im Lotto.
“Bild” hatte den Nachnamen von Katia R. abgekürzt, nannte aber ihren richtigen, durch eine markante Schreibweise sehr auffälligen Vornamen, ihren Beruf und das Wohnviertel in dem sie lebte.
Für Kollegen und Nachbarn war Katia R. leicht als die Frau zu identifizieren, die “diesen eiskalten Killer heiratete”. Noch Monate später ist sie nach eigenen Angaben sogar im Urlaub in der Türkei von einem deutschen Rentner-Ehepaar aufgrund des “Bild”-Artikels erkannt und angesprochen worden.
Nach dem dramatischen Wochenende hatte sie nach Angaben ihrer Ärzte erhebliche gesundheitliche Probleme und litt unter Angst- und Panikzuständen, die dauernde psychologische Betreuung notwendig machte. Auch am Arbeitsplatz habe die Veröffentlichung erhebliche negative Folgen gehabt, sagt sie.
Katia R. nutzte ihre Rechtsschutzversicherung, um einen Anwalt einzuschalten. Der Medienrechtsexperte Marc Heinkelein warf “Bild” schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung und Beleidigung vor – Vorwürfe, die die Rechtsabteilung der Axel Springer AG umgehend zurückwies. Es könne auch “keine Rede davon sein”, dass Katia R. durch die Berichterstattung “eindeutig identifizierbar sei”, schrieb das Justiziariat am 6. Oktober 2005: “Ihre Anonymität wurde zu keinem Zeitpunkt aufgehoben.” An der Schilderung des konkreten Geschehens bestehe “ein besonderes öffentliches Informationsinteresse”. Es sei zulässig, auch über die soziale Umgebung von Erdal G. zu berichten, weil sein Mordopfer auch aus seiner früheren unmittelbaren sozialen Umgebung stammte.
Der Justiziar Springers erklärte, Katia R. sei durch die “Bild”-Berichterstattung “keineswegs an den Pranger gestellt” worden, “nach dem Motto ‘wie kann man denn nur einen eiskalten Killer heiraten?'”:
Wenn überhaupt, dann ist die Wirkung gegenüber [Katia R.] Erweckung von Mitgefühl und Erleichterung darüber, daß ihr nichts zugestoßen ist (…).
Die Formulierung “Mit Mitte 40 noch mal einen zehn Jahre jüngeren Mann abgreifen – für die Münchner war’s wie ein Hauptgewinn im Lotto” stelle “keine Ehrenrührigkeit” dar. Der Altersunterschied sei unter anderem deshalb berichtenswert, erklärte die Rechtsabteilung von Axel Springer, “weil es bereits statistisch weitaus seltener ist, daß eine Frau einen deutlich jüngeren Mann ehelicht, als dies im umgekehrten Fall geschieht”.
Sechs Wochen später gab Springer dennoch eine Unterlassungserklärung ab, und verpflichtete sich, Katia R. nicht in die Berichterstattung über Erdal G. mit einzubeziehen und die Beschreibung mit dem “Lotto-Hauptgewinn” nicht zu wiederholen. Erst ein knappes Jahr später gab auch Clemens Hagen, der presserechtlich Verantwortliche für die Müncher “Bild”-Ausgabe, eine solche Erklärung ab. Der Verlag blieb aber dabei, nichts Unrechtes getan zu haben.
Inzwischen hatte Katia R. Klage gegen die Axel Springer AG, Hagen und den Redaktionsleiter Rolf Hauschild eingereicht. Sie forderte Unterlassung, Schmerzensgeld und Schadensersatz.
Am 22. November 2006, vierzehn Monate nach dem “Bild”-Bericht, kam es zur ersten mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht München I. In ihrem Protokoll stellte die Kammer fest, dass sie überzeugt sei, dass Katia R. einen Anspruch auf Schmerzensgeld habe, und wischte einen Großteil der Argumentation von “Bild” vom Tisch:
Das Persönlichkeitsrecht der Klägerin wurde durch die streitgegenständliche Veröffentlichung in schwerwiegender Weise verletzt. Es kann keine Rede davon sein, dass die Klägerin auch nur ansatzweise zulänglich anonymisiert wurde. Erschwert kommt hinzu, dass die Klägerin nicht nur in ihrer Eigenschaft als Ehefrau eines mutmaßlichen Mörders Gegenstand der Berichterstattung wurde, sondern dass sie auch noch persönlich in einer besonders hämischen Weise angesprochen wurde. Die Kammer wird deutlich über den eingeklagten Betrag hinausgehen, dies nicht zuletzt auch wegen der im Presserecht anerkannten Präventivfunktion des “Schmerzensgeldes”.
Aus dem Protokoll des Landgerichts München I:
“Jedenfalls ab dem heutigen Verhandlungstermin wird die Kammer auch das prozessuale Verhalten der Beklagten [der Axel Springer AG] als schmerzensgelderhöhend verwerten.”
Die Pressekammer legte es der Axel-Springer-AG nah, freiwillig zu zahlen. Sie hielt sogar im Protokoll die Warnung an das Unternehmen fest: Je länger man über den Fall nachdenke, desto teurer werde es.
Das Gericht hielt “ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 50.000 Euro für angemessen” und regte die beiden Parteien an, “in dieser Größenordnung über einen Abfindungsvergleich zu verhandeln”.
Die “Süddeutsche Zeitung” über die erste mündliche Verhandlung:
“Die Richter der 9. Kammer machten (…) keinen Hehl daraus, dass die der klägerin auf jeden Fall Schmerzensgeld zusprechen werden — und zwar mindestens 50.000 Euro, doppelt so viel, wie bisher gefordert. Denn der Betrag sei nicht nur als Genugtuung für die Betroffene zu verstehen, sondern auch als Prävention: Das Blatt habe mit seiner Berichterstattung ‘ohne Not jemanden individualisierbar gemacht’ und obendrein beleidigt — ‘Medien sollen davon abgehalten werden, so etwas zu tun’.”
Springer ignorierte den Hinweis des Gerichtes und bot nur 35.000 Euro Abfindung an – Katia R. forderte mindestens 65.000 Euro. Ihrem Anwalt Marc Heinkelein teilten die Springer-Anwälte nach seinen Angaben mit, dass über eine solche Summe nicht mehr der Justiziar der Axel Springer AG entscheiden könne, sondern nur die Vorstandskonferenz. Ob Mathias Döpfner und seine Vorstandskollegen eine solche Einigung ausdrücklich abgelehnt haben, ist unbekannt. Es sieht aber so aus: Die Anwälte jedenfalls teilten Heinkelein im Janur 2007 mit, dass Springer nicht mehr als 35.000 Euro anbiete – ein Vergleich kam also nicht zustande. Das Gerichtsverfahren ging weiter.
Die Anwälte Springers erklärten nun, die Einschätzung des Gerichtes sei “rechtlich verfehlt”, und zweifelten an dessen Unvoreingenommenheit. Katia R.s Anwalt hingegen forderte eine Geldentschädigung, die die Axel-Springer-AG “ernsthaft davon abhalten wird, in Zukunft weiterhin in diesem Stil, also unter bewusster Inkaufnahme von schweren Persönlichkeitsrechtsverletzungen, zu berichten”. Eine Summe von 35.000 oder 50.000 Euro zahle das Unternehmen vermutlich aus seiner Portokasse:
Es spricht […] im Übrigen viel dafür, dass bei derartigen Millionenkonzernen entsprechende Entschädigungsleistungen für “Berichterstattungsopfer” von vornherein in die Kalkulation eingestellt werden.
Aus dem Gutachten über Frau R.
“Zumindest ein Teil des genannten psychischen Beschwerdebildes (…) ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlich[keit] zumindest wesentlich teilursächlich, u.E. sogar wesentlich ursächlich auf die streitgegenständliche Berichterstattung der BILD-Zeitung zurückzuführen, wobei auch das Auflauern von Reportern im Wohnhaus von Frau (…) als Mitursache zu berücksichtigen ist. (…)
[Es kann] festgestellt werden, dass sich das psychische Beschwerdebild (…) bei Frau (…) in Art und Ausmaß nicht derart, wie es vorhanden gewesen ist, ausgebildet hätte, wenn es nicht zu dem BILD-Artikel und dem Auflauern im Wohnhaus der Begutachteten gekommen wäre.”
Um klären zu lassen, “ob die psychischen Folgen, unter denen die Klägerin leidet, auf den Umstand der Verhaftung oder auf die Veröffentlichung [der ‘Bild’-Zeitung] zurückzuführen sind”, gab das Gericht ein Sachverständigengutachten beim Institut für Psychotraumatologie in Auftrag. Das kam in seinem 100-seitigen Papier zu einem klaren Ergebnis: Wenigstens ein Teil der Beschwerden von Katia R. sei nach Einschätzung der Gutachter höchstwahrscheinlich “wesentlich ursächlich” auf den “Bild”-Artikel zurückzuführen.
Aus rechtlicher Sicht genügt für eine Schadensersatzpflicht sogar bereits “Mitursächlichkeit”. Demnach würde “Bild” bei einer Verurteilung letztlich für alle Kosten aufkommen müssen, die durch die psychologische Behandlung und die gesundheitlichen Probleme entstanden sind und noch entstehen.
Am kommenden Mittwoch wird das Urteil verkündet. Die Anwälte von Springer haben bereits angekündigt, nach der zu erwartenden Verurteilung in die zweite Instanz zu gehen. Es können noch Jahre vergehen, bis Katia R. tatsächlich Schmerzensgeld oder Schadensersatz von der Axel Springer AG bekommt.
Herzlich willkommen, liebe Leserinnen und Leser, beim diesjährigen Bilderklickmarathon der “100 schärfsten Frauen der Welt”, zusammengestellt von “FHM” und präsentiert von Bild.de! Schön, dass Sie live dabei sind! Und für alle, die sich erst jetzt hierher verirrt haben: Megan Fox hat in diesem Jahr das hübsche Näschen vorn, dicht gefolgt von Jessica Biel, Jessica Alba, Elisha Cuthbert und — doch was sehe ich da! Kate Beckinsale! Die Zehntplatzierte kann sich sogar über eine… ja, das ist tatsächlich eine waschechte Doppelplatzierung: gleichzeitig zehnt- und siebenundfünfzigstschärfste Frau der Welt! Wahnsinn! Gratulation an dieser Stelle auch an BeyonceKnowles, NataliePortman, KeiraKnightley, GiseleBündchen, CarmenElektra, JessicaSimpson, RachelBilson und, last not least, CameronDiaz, die es ebenfalls auf zwei Bild.de-Platzierungen geschafft haben und… ach, schade, schade! Wie wir soeben erfahren, hat Diaz auch bei der Konkurrenz punkten können: Platz 27 beim parallel stattfindenden Klickmarathon der hundert “unsexiesten Frauen”! Das ist bitter… Schwacher Trost für Cameron: Sie ist in guter Gesellschaft! Heidi Klum, Christina Aguilera, Paris Hilton und Pamela Anderson haben es ebenfalls in beide Bild.de-Listen geschafft! Schärfste Frauen ohne Sex-Appeal, da wird Klickgeschichte, ach was: Bild.de-Geschichte geschrieben… Doch was ist das?! … Aus! Vorbei! Der Klickrichter signalisiert: Vorzeitiger Abbruch. Offenbar werden die Bild.de-Plätze 51 bis 100 komplett aus der Wertung genommen, da es sich dabei — anders als bei den ersten 50 — gar nicht um “FHM”-Platzierungen aus der offiziellen “100 sexiest Women in the World 2008”-Liste handelt. Sollte da womöglich der Bild.de-Frauenbeauftragte einfach irgendwelche anderen Listen zweitverwertet haben?! Billiges Faulspiel auf den hinteren Plätzen…? Wurden die Listen gedopt? Das wird wohl erst die Auswertung der Bilderstreckenposten zeigen.
Mit diesem traurigen Verdacht und Dank an die vielen Hinweisgeber geben wir zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.
Vor zwei Tagen berichtete “Bild”, dass der Fußballtrainer Jürgen Klopp (Borussia Dortmund) Christian Heidel, dem Manager seines ehemaligen Vereins Mainz 05, versprochen habe, keine Spieler abzuwerben. Besonders wichtig war “Bild” dabei der Spieler Neven Subotic. Autor Mirko Frank schrieb:
Kein Geheimnis: Klopp hätte seinen Lieblingsschüler [Neven Subotic] gerne mitgenommen. (…) Aber: Klopps Versprechen verhindert den Wechsel. (…)
Subotic – das Thema wird Mainz noch ein paar Wochen beschäftigen. Die Bundesliga hat ihn im Auge. Nur eins ist sicher: Klopp lässt die Finger von ihm – für Mainz! (Hervorhebung von uns)
Der Trainer [Jürgen Klopp] hatte sich eigentlich mit seinem Ex-Klub darauf geeinigt, keinen Spieler aus Mainz nach Dortmund zu holen. Aber weil Subotic auch die Freigabe für Hoffenheim hatte, durfte Klopp zuschlagen.
Möglich, dass Mainz-Manager Heidel der “Bild”-Zeitung das vor zwei Tagen verschwiegen hatte. Oder, dass Heidel da selbst noch gehofft hatte, Subotic bleibe in Mainz. Möglich auch, dass viele Menschen “Bild” nur wegendes Sportteils lesen.
Mit Dank an Yme S. für den sachdienlichen Hinweis.
Im Sommer 2003 suchte die “Bild”-Zeitung das “Sommer-Girl 2003”. Täglich zeigte sie auf ihrer ersten Seite eine junge Frau, die die Jahreszeit als Vorwand nutzte, wenig Kleidung zu tragen, und schrieb Sätze dazu wie:
Die Hitze lässt die Knospen sprießen… Aileen (17) zeigt uns ihre schönsten Seiten des Sommers.
Bei allen Kandidatinnen gab “Bild” wie bei Aileen das Alter an: Susan war (18), Jasmin (23), Doreen (18), Aicha (23), Bea (22). Am Ende gewann Sakina (27).
Sämtliche Kandidatinnen hatten ein Alter — bis auf die erste: Melanie aus Leipzig.
Allerdings hätte “Bild” auch schwerlich das richtige Alter des halbnackten Mädchens angeben können: Melanie war 13.
Der Chefredaktion sei das Alter des Mädchens damals nicht bekannt gewesen, sagte ein Sprecher der “Bild”-Zeitung gegenüber dem “Spiegel”, der in seiner aktuellen Ausgabe über die erst jetzt “durch eine Indiskretion” bekannt gewordene Angelegenheit berichtet. Laut “Bild” sei das Foto gegen Honorar und mit schriftlicher Zustimmung der Mutter des Mädchens veröffentlicht worden. Nun habe man das Bild aber aus dem Archiv gelöscht, um eine erneute Veröffentlichung auszuschließen.
Warum die “Bild”-Zeitung völlig entgegen ihrer Gewohnheit bei der 13-jährigen auf eine Altersangabe verzichtete, wissen wir nicht. Im Nachhinein wirkt auch der Text beunruhigend treffend, mit dem sie den fünften Teil der “Sommer-Girl”-Serie bestritt:
Wer sagt eigentlich, dass nur die ganz jungen Mädchen Chancen haben, das BILD-Sommer-Girl 2003 zu werden?
So steht’s in einem Text über Dima Bilan, den Sieger des diesjährigen Eurovision Song Contest. Und wie so oft, wenn die “Bild”-Zeitung schreibt, “jetzt” sei irgendwas irgendwo aufgetaucht, stimmt das (fast möchte man schreiben: natürlich) malwiedernicht.
Die Bilder tauchen zurzeit allenfalls wieder vermehrt im Internet auf, so dass jetzt auch “Bild” davon Wind bekommen hat und sie abdruckt – übrigens mit einer lustigen Quellenangabe (siehe Ausriss). Denn spätestens nachdem Dima Bilan im Jahr 2006 beim Grand Prix teilnahm (und Zweiter wurde)… naja, Siewissenschon…
Mit Dank an Stephan B. und Stefan F. für den Hinweis.
Wenn ein 76-jähriger Mann einen Hirntumor hat, was würde Ihnen dazu einfallen?
Uns ist Elisabeth Volkmann eingefallen, “Bild” etwas anderes. Doch dazu gleich. Als Volkmann jedenfalls vor zwei Jahren 70-jährig an akutem Herz- und Kreislaufversagen starb, schrieb “Bild”:
Liegt ein Fluch über der Klimbim-Familie?
Der Fluch bestand für “Bild” damals in Selbstmord (Michael Pfleghar), Schlaganfall (“Peer Augustinski”), “nie Glück mit den Männern” (Ingrid Steeger) und Volkmanns Tod.
Aber das ist natürlich nix gegen, sagen wir, die Kennedys. Die können in der “Bild”-Schicksalsbilanz mit den Klimbims locker mithalten: 3x Flugzeugabsturz (Joseph Kennedy jr., Kathleen Kennedy, John F. Kennedy jr.), 2x Attentat (John f. Kennedy, Robert Kennedy) und 1x Lymphdrüsenkrebs (Jacky Kennedy Onassis) in 55 Jahren.
Und nun, neun Jahre nach dem letzten Schicksalsschlag, haben die Ärzte bei JFKs gerade mal 76-jährigen Bruder Ted “einen bösartigen Tumor in der linken Gehirnhälfte entdeckt”! Für “Bild” ein klarer Fall:
Um es mit Spießer Alfons zu sagen:
Wer hier wirklich zugeschlagen hat, war nicht das Schicksal, sondern der BILD-Autor.
Über Christoph Daum, Trainer des 1. FC Köln, schrieben “Bild”undBild.de am Dienstag vergangener Woche überraschend dies:
(…) Er wird zurücktreten. BILD weiß: Seine Entscheidung steht fest, auch wenn er sie (noch) nicht verkünden will.
(…) Spätestens Montag! Dann steht fest: Christoph Daum (54) wird den 1.FC Köln verlassen.
(…) Daum wird die Kölner trotz der Rückkehr in die Bundesliga zum Saisonende vorzeitig verlassen. Auch ein Vertrag bis 2010 kann Daum nicht halten (…). Der Absprung steht aufgrund seiner Ausstiegsklausel unmittelbar bevor.
Seit gestern abend steht wohl fest: Die “Bild”-Behauptungen sind falsch, Daum wird nicht zurücktreten. Oder, um’s mit der aktuellen “Bild” zu sagen:
Allerdings liegt dazwischen eine turbulente Woche.
Unmittelbar nach dem “BILD weiß”-Bericht nämlich erklärte Daum im Kölner “Express”:
An dieser Stelle muss ich alle irren Spekulationen beenden: Selbstverständlich will ich weiter beim FC bleiben. (…) Das ist jetzt keine Pokerei (…).
“Welt Online” hielt Daums “Pokerei”-Dementi anschließend jedoch selbst für Pokerei und “eine Retourkutsche” auf die Rücktrittsmeldungen. Und auf die Frage, ob denn möglich sei, “dass der Trainer des 1.FC Köln in der kommenden Saison nicht Christoph Daum heißt”, antwortete Daum im Interview:
Ich kann diese Möglichkeit nicht gänzlich ausschließen.
“Welt Online” waren an diesem Tag nicht mal die einzigen mit einem Daum-Interview. Und als am selben Tag der “kicker” fragte, ob denn wohl jemand überrascht sein dürfte, wenn er tatsächlich Trainer bliebe, orakelte Daum:
Einen* gibt es wohl. Denjenigen, der mich hier weghaben will. Der wird überrascht sein.
*) Einen Tag nach dem “kicker”-Interview wollte Daum seine Aussage ausdrücklich “auf einen Medienvertreter” bezogen wissen.
Die “Bild”-Zeitung indes reagierte mit einer “BILD-Analyse” zum “Daum-Dilemma”:
“Dass andere Themen jetzt, bevor die Saison zuende ist, in den Mittelpunkt kommen, dafür kann ich nichts. Das liegt an der Kölner ‘Bild’-Redaktion, das ist ‘ne persönliche Sache.”
“Daum weg”, schrieb BILD nach dem Aufstiegs-Finale gegen Mainz. (…) Der Trainer reagierte sauer und sprach von einer “persönlichen Sache” mit BILD-Köln [siehe Kasten].
Nun gut! (…) Gestern erklärte Daum in einem RPR1- Radio-Interview: “Es wird Gespräche (mit dem FC) geben, die vom Ergebnis her offen sind.”
Und später: “Es steht nichts fest…”
Daraus könnte man auch einen Rücktritt interpretieren.
Daraus, ähm, könnte man auch ein Zurückrudern interpretieren. Was allerdings das großspurige “BILD weiß” betrifft, mit dem das Hin und Her begann, gibt es im Nachhinein drei Möglichkeiten:
A: “Bild” hatte sich von irgendwem (oder Daum) irgendwas erzählen lassen und als Tatsache hinausposaunt.
B: “Bild” hatte sich für Daums Pokerei (inkl. Dementis, Beschimpfen-Lassen und Doof-Dastehen) einspannen lassen.
C: “Bild” hatte keine Ahnung und einfach irgendwas behauptet.
Unplausibel ist keine der Versionen. Nur…
…mit Journalismus haben sie alle drei nichts zu tun.
Es ist ja eigentlich eine lustige Idee, die die langjährige “Bild”-Autorin Meike Meyruhn für Bild.de da am 19. Mai hatte:
Bild.de zählt — in alphabetischer Reihenfolge — passende Stichpunkte zum Thema auf, wie beispielsweise:
Fundort — auf der Suche nach dem Einmalsex gibt es das Klischee vom Abschleppen aus dem Club, der Kneipe, einer Bar. Forschungen des amerikanischen Soziologen Edward Laumann ergaben: One-Night-Standler gibt’s überall. 46 Prozent wurden an der Theke fündig, 41 Prozent am Arbeitsplatz, 39 Prozent auf Partys, 22 Prozent an der Uni.
Ich melde mich… Das sagen nur Sex-Sadisten, die ihr eigenes schlechtes Gewissen übertünchen möchten. Achtung: Es gibt Frauen, die nach solchen Ansagen tagelang auf einen Anruf warten (siehe “Mondscheintarif”) — und bei den Männern wird’s auch einige geben. Die reden da nur nicht drüber. Also, “danke” sagen und gehen. Nix mit melden und anderen leeren Versprechen.
Unterwäsche: Auch wer Spaßsex nicht plant, kann in die Situation geraten. Völlig unvorbereitet und in der uralt-ausgeleierten-zerlöcherten Unterhose! Na und? Reißen Sie sich das Teil vom Leib und dann ab dafür…
Wie gesagt: Es ist eigentlich eine nette Idee. Nur nicht die von Meike Meyruhn, die bei Bild.de als Autorin über dem Artikel steht, sondern die von Petra Harms und Christoph Koch, die am 21. April in der Maiausgabe der Zeitschrift “Neon” einen Artikel mit folgender Überschrift veröffentlichten:
Und dort finden sich überraschenderweise auch folgende Punkte:
Fundort — Dem Klischee nach ist eine Bar der beste Platz, um jemanden abzuschleppen.
Aber Forschungen des amerikanischen Soziologen Edward Laumann haben spezifiziert, wo die Leute ihre Partner für One-Night-Stands finden: nämlich überall. 46 Prozent wurden an der Theke fündig (→ Restevögeln), 41 Prozent am Arbeitsplatz, 39 Prozent auf Partys und sogar 22 Prozent an der Uni.
“Ich melde mich” — Sagen nur fiese Menschen, die sich selbst besser fühlen wollen.
Unterwäsche — Eines der letzten großen Mysterien: Warum klappt es mit dem lange ersehnten One-Night-Stand vor allem dann, wenn man die Unterwäsche mit den Bärchen (Frauen) oder dem Aufdruck des Wochentages (Männer) trägt? Andererseits: Wer hat sich schon mal ernsthaft eine Nacht durch seine Unterwäsche versaut? Was liegt, das liegt.
Bei “Neon” sagte man uns, man habe von der “dreisten” Kopie des Artikels nichts gewusst. Sie sei nicht mit der Redaktion oder den jeweiligen Autoren abgesprochen.
Verblüffende Parallelen finden sich übrigens auch bei den Punkten Anfängerfehler, Casual Sex, Danke, Ekstase, Genitalschock, Hoffnung, Jammern, Kondome, Telefonnummer, Xfach abgeblitzt und natürlich bei “Zu mir oder zu dir?”. Ein wenig kreativ sind die Bild.de-Redakteure wenigstens bei dem “Neon”-Stichwort “Restevögeln”. Sie ändern es in “Resteficken”.
Angelina Jolie ist ja bekanntermaßen immerwieder für Überraschungen gut. Und siehe da: Seit gestern berichtet Bild.de, dass Jolie “mal eine ganz Wilde” gewesen sei – bzw. dass die britische “Sun” ein Video aus dem Jahr 1999 “ausgegraben” hat, in dem Jolie zu sehen ist, wie sie “mit weit geöffneten Pupillen und schweren Lidern” neben einer Frau sitzt, die augenscheinlich Heroin raucht. Bild.de kommentiert das so:
Was die Oscarpreisträgerin heute sagt, konnten erstaunlicherweise am 1. Mai dieses Jahres auch schon Internetportale wie die-topnews.de und news.ch (mit Verweis auf das Online-Magazin Firstnews.de) berichten:
Angelina Jolie machte nie ein Geheimnis daraus, dass sie früher harte Drogen konsumiert hat. Schon vor Jahren sagten sie: “Ich habe Kokain, Heroin, Ecstasy, LSD und das alles genommen. Ich hasse Heroin, weil ich fasziniert davon bin. Ich bin nicht immun, aber ich werde nie mehr etwas nehmen.”
Wer sich aber jetzt denkt: “Das kam mir doch damals schon bekannt vor”, der hat womöglich am 19. September 2007 den “Berliner Kurier” gelesen. Dort hieß es:
Ein bisschen extrem war sie ja schon immer. Jetzt hat Angelina Jolie gestanden, in der Vergangenheit fast jede illegale Droge ausprobiert zu haben: “Ich habe gekokst, Heroin, Ecstacy, LSD, einfach alles genommen”, so die 32-Jährige.
Oder am 17. September 2007 bei kino.de vorbeigeschaut:
Ein ruhiges Leben hat Angelina Jolie noch nie geführt. Jetzt hat sie zum ersten Mal ganz offen von ihren wilden Jahren gesprochen. Gut in Erinnerung hat die 32-Jährige ihre Drogeneskapaden offensichtlich nicht: “Die schlimmste Auswirkung hatte Cannabis auf mich. Ich habe mich total albern und lächerlich gefühlt, wenn ich einen Joint geraucht habe. Und ich hasse es, wenn ich mich so fühle.”
Oder am 12. August 2003 die “große Beichte von Angelina Jolie” im “Kölner Express” entdeckt:
Laut “Sun” [!] bekennt sich der Hollywood-Star zu Drogenexzessen (Koks, Heroin, LSD, Ecstasy)…
Und nachdem wir Angelina Jolie in einer “Brigitte” vom Juni 2001 bezüglich ihrer “erklecklichen Drogenerfahrung” mit den Worten zitiert fanden, sie habe “ungefähr alles genommen, Kokain, Heroin, Ecstasy, LSD”, haben wir aufgehört zu suchen.