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Es muss so sein, weil es so sein muss

Vorab: Natürlich wissen wir, dass es letztendlich keinen wirklichen Unterschied macht, ob man von einem Auto oder einem Lastwagen überfahren wird. Das Ergebnis wird in der Konsequenz in beiden Fällen eher unerfreulich sein. Insofern könnte man die nachfolgende kleine Geschichte auch prima unter der Rubrik “kurz korrigiert” veröffentlichen. Wir finden aber, dass sie dennoch einer etwas ausführlicheren Betrachtung wert ist. Weil sie nicht nur ein paar unwesentliche Kleinigkeiten durcheinander bringt, sondern in der Konsequenz jemand anfängt zu fabulieren, ähnlich wie es die Berliner Morgenpost unlängst getan hat. Nach dem Motto: Es muss so sein, weil es so sein muss.

Erzählen wir erst einmal, was passiert ist: In der Nähe des nordrhein-westfälischen Ibbenbüren sollten zwei Polizeibeamte einen Gegenstand auf der Fahrbahn wegräumen. Weswegen sie, so der Polizeibericht, an eine Einbuchtung nahe einer Notrufsäule fuhren und dort ganz rechts anhielten. Kurz dahinter lieferten sich zwei Lkw eines der gefürchteten Elefantenrennen, was wiederum einem dahinter fahrenden Niederländer entschieden zu langsam ging. Er wich mit seinem Auto nach rechts auf den Standstreifen aus und wollte die beiden “Elefanten” überholen. Das auf dem Seitenstreifen stehende Polizeiauto nahm er eher ungerührt zur Kenntnis. Statt abzubremsen nutzte er einfach die Lücke zwischen dem rechten Lkw und dem Streifenwagen und zog – in Millimeterschärfe – durch die beiden hindurch.

Der Landesdienst NRW der dpa meldet die Geschichte ein klein wenig anders: Aus dem rasanten Autofahrer wird plötzlich ein Lkw-Fahrer, dem die Nerven durchgingen:

Der Beamte wollte gerade einen Gegenstand am Standstreifen wegräumen, als ein Fernfahrer ihm den Schock seines Lebens versetzte: Der Mann hatte bei einem «Elefanten-Rennen» zwischen zwei Lastern vor ihm die Geduld verloren und die Kollegen auf dem Pannenstreifen überholt.

Das ist wirklich hochinteressant: Von einem “Fernfahrer”, von einem “Kollegen” ist in der Pressemitteilung der Polizei nicht einmal die Rede; der wird hinzufabuliert (dass der Autofahrer laut Polizei 21 Jahre alt ist, der “Fernfahrer” der dpa hingegen 25, ist in diesem Zusammenhang auch schon beinahe egal.)

Vielleicht ja auch nur deswegen, weil es eben so sein muss. Man kennt ja diese Lkw-Fahrer.

Mit Dank an Thorsten F.

All Along the Watchblog

von Kathrin Passig

Gibt es nicht schon viel zu viel Erbsenzählerei, Besserwisserei und Bastiansickness auf der Welt? Und muss es nicht auch irgendwie ungesund für einen netten Menschen wie Stefan Niggemeier sein, sich so viel mit dem Schlechtfinden anstatt mit dem Gutfinden oder dem Ausdenken neuer, ganz anderer Dinge zu befassen? Ja und ja, und trotzdem brauchen wir dringend mehr Watchblogs. Denn der Mensch ist ein träges Geschöpf, das sich durch gute Vorsätze wie “ordentlich recherchieren” und “nicht immer lauter haltlosen Unfug in die Zeitung schreiben” nur begrenzt motivieren lässt. Eine viel robustere Antriebskraft ist der Wunsch, von anderen Menschen nicht bescheuert gefunden zu werden. Das erklärt David Simon, Autor der Serie “The Wire”, in einem Interview, das Nick Hornby 2007 geführt hat:

“Ich will, dass Mordermittler, Dealer, Hafenarbeiter oder Politiker in Amerika sagen können: Tatsache, genau so sieht mein Tag aus. Das ist mein Ziel. Und zwar nicht aus Stolz oder Ehrgeiz oder irgendeiner Autoreneitelkeit heraus, sondern aus Angst. Nackter Angst. Wie viele Autoren beschäftigt mich ständig der vage Albtraum, dass sich eines Tages jemand, der mehr vom Thema versteht als ich, hinsetzt und in epischer Breite auflistet, in welchen Punkten meine Texte oberflächlicher Betrug sind und auf lahmen, halbherzigen Annahmen fußen. Ich trage das Autorenetikett, und ich kriege gute Rezensionen, aber bei allem Erfolg hege ich immer noch die gleichen latenten Zweifel. Ich nehme an, so geht es sehr vielen Autoren.”

Das mag stimmen, aber es gibt eben auch sehr viele Autoren, deren Texte oberflächlicher Betrug sind und auf lahmen, halbgaren Annahmen fußen, und die nie von solchen Vorstellungen heimgesucht werden. Was daran liegt, dass es in der Praxis einfach viel zu selten vorkommt, dass jemand, der mehr vom Thema versteht als man selbst, sich hinsetzt und ganz genau auflistet, wo man überall schlampig gearbeitet hat.

Der Ethnologe Richard K. Nelson hat in den 1960er Jahren Orientierungstechniken der Inuit in Alaska untersucht und dabei unter anderem die öffentliche Bloßstellung als Motivationsinstrument beschrieben. Junge Inuit begleiten Erfahrenere auf der Jagd und werden bei jedem Fehler zurechtgewiesen und verspottet. Später erzählt man die Fehler überall herum, damit auch die Nichtdabeigewesenen noch einmal wie Nelson Muntz bei den Simpsons mit dem Finger auf den armen Trottel zeigen und “Ha-ha!” rufen können. “Die Angst vor solchem Spott”, so Nelson (jetzt wieder der Ethnologe, nicht die Simpsonsfigur), “zwingt den Eskimo dazu, sich solide Navigationskenntnisse anzueignen und bei seinen Unternehmungen Vorsicht walten zu lassen”. (Ich habe die Originalquelle übrigens nicht gelesen und zitiere hier nur fahrlässig aus der Sekundärliteratur; diejenigen Leser, die ordentliche Journalisten sein oder werden wollen, machen das bitte zu Hause nicht nach.) (Immerhin habe ich mir die Mühe gemacht, herauszufinden, ob Nelson auch auf Deutsch ein “Kulturanthropologe” ist. Ist er nicht.)

Recherche ist ein zeitraubendes und oft gar nicht besonders interessantes Ding. Man wird in den seltensten Fällen für sie bezahlt, und 99,97% aller Leser des fertigen Artikels nehmen Dahinbehauptetes entweder für bare Münze oder sind zu träge, sich zu beschweren, selbst wenn offensichtlich erfundene Statistiken zum Einsatz kommen. Das macht das gründliche Recherchieren (wie so viele andere Tätigkeiten, die mit “gründlich” anfangen) zu einer Beschäftigung, der sich kein normaler Mensch freiwillig widmet. So wie Ärzte und anderes Krankenhauspersonal mehrmals täglich dazu angehalten werden müssen, sich die Hände zu waschen, weil sie es trotz aller Einsicht eben nicht von sich aus tun, so muss irgendjemand sich die Mühe machen, mehrmals täglich mit dem Finger auf schludrige Journalisten zeigen und “Ha-ha!” zu rufen. Weil es der Weltverbesserung dient.

Kathrin Passig ist Schriftstellerin und Journalistin. Sie ist Mitglied der “Zentralen Intelligenz-Agentur” (ZIA), bloggt in der Riesenmaschine, hat 2006 den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen und u.a. die Bücher “Lexikon des Unwissens” (mit Aleks Scholz) und “Dinge geregelt kriegen — ohne einen Funken Selbstdisziplin” (mit Sascha Lobo) geschrieben.

Leichen wachsen nicht in den Himmel

Am Montag fand ein Spaziergänger in Bruckberg bei Landshut die Überreste einer Leiche. Die Polizei vermutet, es könnte sich um einen Mann handeln, der 1980 verschwand, um sich das Leben zu nehmen.

Der Mann sei “in elf Meter Höhe in einer Fichte” gefunden worden, weiß “Bild” und folgert:

Offenbar wuchs die Leiche nach dem Selbstmord mit dem Baum in die Höhe.

Das wäre allerdings eine botanische Sensation. Denn Bäume wachsen bekanntlich nur an ihrer Spitze. Kindern erklärt man das (aus naheliegenden Gründen) meist nicht mit festgebundenen Selbstmördern, sondern in die Borke geritzten Herzen: Die befinden sich auch Jahrzehnte später noch auf derselben Höhe.

Mit Dank an Alexander H., Gereon H., Florian J., Torsten R. und René K.!

DuMont, Huffington, Bild, Pattaya

1. Interview mit Arianna Huffington

(sueddeutsche.de, Leif Kramp und Stephan Weichert)

Die Herausgeberin der Huffington Post, Arianna Huffington, glaubt, dass sich Online-Abonnements nur bei Porno und bei der Finanzberatung durchsetzen werden. Den Journalisten sagt sie: “Ein Großteil der Unzufriedenheit mit dem traditionellen Journalismus rührt daher, dass die meisten Journalisten anscheinend vergessen haben, dass ihre erste Pflicht darin besteht, der Wahrheit nachzuspüren – egal, welche Konsequenzen ihnen blühen.”

2. “Klick auf den tiefgefrorenen Fuchs”

(fr-online.de, Daniel Bouhs)

Bild und sein Onlineangebot bild.de setzen konsequent auf Inhalte aus den Regionen, sei es von lokalen Ablegern der Zeitung oder von Leserreportern. Refinanziert werden diese teilweise mit Gebührengeldern, dann nämlich wenn die Boulevardmagazine der Öffentlich-Rechtlichen solche einkaufen.

3. “DuMont – Alles auf Print”

(zeit.de, Christian Meier)

“Die Kölner Mediengruppe DuMont steigt nach Zukäufen in Frankfurt am Main und Berlin zum drittgrößten Zeitungsverlag in Deutschland auf.”

4. “Bei den Rohstoffrebellen”

(medien-monitor.com, Katharina Kruppa)

Klaus Werner-Lobo gibt sich für eine Recherche im Kongo aus als Rohstoffhändler Robert Mbaye Leman und “verspricht, er könne das Tantal zu einem besonders günstigen Preis besorgen. Er bekommt sofort Rückmeldungen – unter anderem auch von der Bayer AG.”

5. Interview mit Geert Lovink

(futurezone.orf.at, Patrick Dax)

Geert Lovink über Bezahlen im Internet: “Ich würde eine technische Lösung bevorzugen, bei der man über Mikrobezahlungen im Hintergrund einfach für das bezahlt, was man sich ansieht.”

6. “Tod im Paradies”

(spiegel.de, Alexander Osang)

“Tausende deutsche Pensionäre leben im thailändischen Pattaya. In dem Hotel ‘Villa Germania‘ verwirklichen sie ihren Traum von Freiheit, mit Alkohol und Frauen. Es ist ein Leben unter der Zeitglocke: Ihr Kanzler heißt Helmut Schmidt, ihr Kapitän Franz Beckenbauer.”

Vom Nutzen des Latinums im Alltag

Wenn dpa meldet, dass aus den Trümmern des Kölner Stadtarchivs Dokumente von Konrad Adenauer und dem Philosophen Albertus Magnus (Albert der Große) geborgen werden konnten, welche Überschrift wird Bild.de dem Ganzen geben?

Genau:

Archivschätze von Adenauer und Magnus in Köln geborgen

(Die Formulierung im Text von den “Magnus-Handschriften” stammt allerdings von dpa.)

Mit Dank an Norbert W. aus Köln, der die viel schönere Überschrift “Vom Alten und Großen” vorschlug.

Wie “Bild” den Amoklauf in Szene setzt

Die “Süddeutsche Zeitung” hat die Gießener Kriminologin Britta Bannenberg gefragt, wie hoch die Nachahmungseffekte bei Amokläufern sind, und sie hat geantwortet:

Sehr hoch. Auch wegen der Medien, die das Gesicht des Täters, seine Waffen, seine schwarze Kleidung zeigen und ein mystisches Bild von ihm zeichnen. Das wirkt wie ein Vorbild. Bei Selbstmorden sind die Medien sehr zurückhaltend, um nicht Nachahmer zu provozieren. Bei Amokläufen gilt leider das Gegenteil. Ab jetzt besteht die große Gefahr, dass wir es in den nächsten Wochen oder Monaten mit einem Nachahmungstäter zu tun bekommen.

Dieser Gedanke kommt oft zu kurz in den Medien: dass nicht nur Killerspiele möglicherweise eine gefährliche Wirkung auf labile Jugendliche haben können, sondern auch ihre eigene Berichterstattung. Das betrifft nicht nur “Bild”, sondern fast alle Medien. Aber wenn es vor allem wichtig ist, die Täter nicht in einer Heldenpose zu zeigen, hatte “Bild” eine besonders schlechte Idee. Die Zeitung zeigt Tim K., den Amokläufer von Winnenden, in einer Pose, die ihm selbst bestimmt am besten Gefallen hätte. Sie hat sein Gesicht auf das Foto eines Mannes in schwarzer Kampfuniform montiert, die Waffe drohend in Richtung Kamera gerichtet. Das Heldenfoto hat Postergröße, ist fast einen halben Meter hoch:


(Rote Unkenntlichmachung von uns.)

Zusätzlich hat sich der “Bild”-Zeichner ausgemalt, wie das wohl ausgesehen hat in dem Klassenzimmer zwischen Tafel und Overheadprojektor, als Tim K. in seiner schwarzen Rächeruniform gerade ein Mädchen erschoss.

Anders als die “Süddeutsche Zeitung” heute (und Bild.de gestern) nennt “Bild” nicht den Nachnamen des Täters. Und anders als die “Berliner Zeitung” gibt “Bild” auch nicht die exakte Anschrift des Hauses an, in dem seine Familie lebt.

Dafür hat Bild.de ein kleines Familienalbum des siebzehnjährigen Täters im Angebot — nicht weniger als sieben private Fotos, die ihn als kleines Kind und als Jugendlicher zeigen und die vor allem bei Tischtennisturnieren entstanden sind.

Aber die “Bild”-Zeitung hält nicht nur den Täter für eine Person der Zeitgeschichte, sondern identifiziert auch einige seiner Opfer. Sie zeigt vier getötete Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, ein Gesicht fast lebensgroß, mit Fotos, die offensichtlich von SchülerVZ und ähnlichen Internetseiten entnommen wurden.


(Rote Unkenntlichmachung von uns.)

Im Pressekodex heißt es:

Opfer von Unglücksfällen oder von Straftaten haben Anspruch auf besonderen Schutz ihres Namens. Für das Verständnis des Unfallgeschehens bzw. des Tathergangs ist das Wissen um die Identität des Opfers in der Regel unerheblich. Ausnahmen können bei Personen der Zeitgeschichte oder bei besonderen Begleitumständen gerechtfertigt sein.

Nachtrag, 13. März. Eines der vier angeblich toten Mädchen, die “Bild” gestern gezeigt hat, lebt. “Bild” schreibt heute:

Sie wurde zunächst selbst als tot gemeldet – doch Selina lebt! In BILD schildert sie die schlimmsten Minuten ihres Lebens – und den Tod ihrer Schulfreundinnen Chantal und Jana.

Malaysiakini, Blindtext, Van Audenhove

Tatort in Mexiko: Reporter des Todes (Keystone)

1. “Wirtschaftlicher Erfolg einer Online-Zeitung”
(nzz.ch, Manfred Rist)
Ein positives Beispiel für Online-Journalismus in zweierlei Hinsicht. Malaysiakini.tv ist ein alternatives Online-Portal in Malaysia, das mit Einnahmen von Abonennten (70 Prozent) und Werbung (30 Prozent) seit vier Jahren schwarze Zahlen schreibt. Der Bericht darüber von NZZ-Korrespondent Rist ist ergänzt mit einem offenbar selbstproduzierten, sehenswerten Video (9:18 Minuten).

2. “Die geheimen Abgründe des Lorem I.”
(bildblog.de, lupo)
Die Kölner Ausgabe von Bild erschien am 9. März mit mehreren Zeilen Blindtext.

3. “Erregung ist ein Ärgernis”
(taz.de, Arno Frank)
“Kinder! Pornografie! Politiker! Korruption! Betrug! Egal! Warum wir uns öffentliche Empörung über angebliche oder echte Skandale in den meisten Fällen einfach sparen sollten – und wem sie dient.”

Read On…

Unionsunion

Heute auf Seite 1 der “Bild”-Zeitung:

"FDP hält 18 Prozent --- Hamburg - Die FDP bleibt zum dritten Mal in Folge bei einer wöchentlichen Forsa-Umfrage im Auftrag des Stern auf 18 %. Die Union hat weiterhin eine Mehrheit von 52 %."

Und wir hätten drei kurze Fragen zu den Umfrageergebnissen:

  • Auf wieviel Prozent kommt die FDP?
  • Wieviel Prozent hat die Union?
  • Wer hat die Mehrheit?

Antwort: Beim "Stern" heißt es zur aktuellen "Sonntagsfrage": "Die Union hängt bei müden 34 Prozent (...). Die FDP kommt zum dritten Mal in Folge auf 18 Prozent. (...) Damit hat das bürgerliche Lager wieder eine klare Mehrheit."

“Bild” macht Wessi aus Sandmännchen

Jürgen Helfricht, der Mann, der für “Bild” aus Katzen Benzin macht, kennt sich damit aus, anderen Sand in die Augen zu streuen.

Und so schrieb Helfricht gestern unter der (insbesondere in den ostdeutschen “Bild”-Ausgaben, in denen die folgende Geschichte ausschließlich zu lesen war) berückenden Überschrift…

"Sandmann in den Westen verkauft"

… dass “der Osten” ab 1. April “die Lizenz für seinen größten TV-Liebling” verliere:

Generationen von Kindern brachte Sandmännchen (…) seit 1959 ins Bett. Und bis heute schalten ihn täglich 1,5 Mio. Fans ein. Genauso erfolgreich ist der TV-Knirps als Märchenfigur auf den Bühnen zwischen Rügen und Fichtelberg.

Doch damit ist jetzt Schluss. Ausgerechnet zum 50. Sandmann-Geburtstag hat der RBB die Sandmann-Lizenz in den Westen verkauft. Und zwar an das Kölner Theater Cocomico.

(…) Der Vertrag läuft vorerst zwei Jahre. Danach können wir wieder auf unseren Sandmann hoffen!

Schnüff. Beziehungsweise so irreführend, dass der öffentlich-rechtliche RBB gestern bei Helfricht anrief, um ihn darauf hinzuweisen.

“Sächsische Zeitung” vom 21.2.2009:

“Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat die Lizenz an den Aufführungsrechten neu vergeben. (…) Die Ausstrahlung im Fernsehen bleibt von den Aufführungsrechten unbeeinflusst.”

Denn “verkauft” (im Sinne von neu vergeben) hat der Sender, wie uns heute ein RBB-Sprecher auf Anfrage sagt, “ausschließlich die Musical-Rechte” fürs Sandmännchen, mehr nicht. Für Figur, Sendung usw. bleibt alles wie gehabt – was, wie offenbar auch “Bild”-Mann Helfricht wusste, zwei Tage vor “Bild” auch schon in der “Sächsischen Zeitung” stand (siehe Kasten). Statt bislang jährlich 10 Sandmännchen-Aufführungen im Osten Deutschlands soll es ab August 60 Aufführungen in zwei Jahren geben – in Bonn und Bergisch Gladbach, aber auch in Potsdam, Berlin, Neubrandenburg, Frankfurt/Oder, Gera, Rostock, Schwerin, Dresden …

Genutzt hat der RBB-Anruf bei Helfricht wenig.

Denn heute berichtet er in “Bild” wieder über das Sandmännchen:

Der schnelle Verkauf unseres Sandmännchens in den Westen – Tausende Kinder zwischen Rügen und Fichtelberg sind traurig. (…) “Die Entscheidung, die Lizenz nach Köln zu geben, ist uns nicht leicht gefallen”, räumt RBB-Sprecher Ralph Kotsch (48) ein.

Letzteres sei übrigens, wie uns der RBB-Sprecher glaubhaft versichert, ein Satz, den “Bild”-Mann Helfricht “komplett frei erfunden” habe. Er selbst habe das “nie gesagt” – nicht zuletzt deshalb nicht, weil das Sandmännchen im Westen ohnehin längst so beliebt ist wie, ähm, “zwischen Rügen und Fichtelberg” und 20 Jahre nach dem Mauerfall eigentlich nicht zum Ost-West-Konflikt tauge.

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