
“Wird Britney jetzt zur Sudel-Spears” fragt “Bild” und schreibt über den Artikel:
Hoffentlich hat sie sich wenigstens die Hände gewaschen…
Ja, hoffentlich. Aber hätte das geholfen gegen den Fußpilz?

“Wird Britney jetzt zur Sudel-Spears” fragt “Bild” und schreibt über den Artikel:
Hoffentlich hat sie sich wenigstens die Hände gewaschen…
Ja, hoffentlich. Aber hätte das geholfen gegen den Fußpilz?
Angenommen, bei einem lokalen Radiosender passiert einmal etwas, das ihn bundesweit in die Schlagzeilen bringen könnte. Dann ist die traditionelle Rollenverteilung die, dass der Sender das Thema groß aufbauscht (Publicity!) und die Journalisten, die darüber berichten, sich um Nüchternheit und Verhältnismäßigkeit bemühen.
Insofern ist es ein schlechtes Zeichen, wenn die Rollen umgekehrt sind und sich Radio Arabella, wo Daniel Küblböck offenbar ein Interview wütend abgebrochen hat, sich inzwischen deutlich distanziert von der Art, wie “Bild” den Vorfall darstellt.
Zum Vergleich die Formulierungen von “Bild”:
“schlimmer Ausraster”, “randaliert”, “scheint durchzudrehen”.
Und die Begriffe, die Radio Arabella wählt:
“‘angebliches’ Skandal-Interview”, “viel harmloser”, “Ausrutscher”.
Aber daraus hätte man ja keine “Bild”-Schlagzeile machen können.
In ihrer “Gehälter”-Reihe veröffentlichte “Bild” am Freitag und am Samstag eine “Gehaltsliste der Bundesliga”. Unter anderem wurden da mindestens 11 Spielern, Managern und Trainern vom FC Bayern München, 8 vom 1. FC Kaiserslautern, 5 von Borussia Dortmund, 4 vom 1. FC Nürnberg sowie je 3 vom VfL Bochum und SC Freiburg allerhand stattliche “pro Jahr”-Gehälter zugeordnet – gefolgt von einem kleingedruckten Hinweis:
“* Einige Angaben geschätzt.”
Der “Bild”-Liste folgte nach Erscheinen allerdings noch etwas ganz anderes – zum Beispiel auf der Internet-Seite des FC Bayern. Nämlich dies:
“Der FC Bayern München verwehrt sich gegen Teile der (…) in der ‘Bild’-Zeitung veröffentlichten ‘Gehaltsliste der Bundesliga’. (…) Sämtliche der veröffentlichten Gehälter von Spielern, sowie Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der FC Bayern München AG entsprechen nicht den Tatsachen.(…)”
Und nachdem wenig später nicht nur der 1. FCK, sondern auch die anderen o.g. Vereine halbwegs identische Erklärungen abgaben, sind bei “Bild” mittlerweile mindestens 11* Abo-Kündigungen aus München, 8* aus Kaiserslautern, 5* aus Dortmund, 4* aus Nürnberg sowie je 3* aus Bochum und Freiburg eingegangen und allerhand* verantwortliche Redakteure rot geworden.
* Einige Angaben geschätzt.
Dank an Ralf K. und Alexander C. H. für diesen “sachdienlichen Hinweis”.
Nachtrag: Ja, wir wissen auch, dass man als Normalsterblicher die “Bild” nicht abonnieren kann. Aber selbst wenn man es könnte, wüssten wir ja nicht, wieviele Abos gekündigt wurden. Oder?
Will “Bild” nach der angekündigten Rückkehr zur alten Rechtschreibung nun etwa auch zur alten Grundrechenart von “1984” zurück? Unter der Überschrift “Blutbad in Florida! 6 Leichen in Haus entdeckt” jedenfalls berichtete bild.de am Samstagnachmittag: “6 Leichen lagen verstreut in einem Haus in Deltona – überall Blut. Sogar ein kleiner brauner Hund war getötet worden.” Später im Text heißt es dann zackig (siehe Ausriss):
“Die Opfer: Zwei Männer und zwei Frauen im Alter von 18 bis 30 Jahren. Fünf von ihnen arbeiteten offenbar in einem Burger-King-Restaurant.” Doch weil zwei Männer und zwei Frauen (und ein kleiner brauner Hund) irgendwie partout keine fünf Burger-King-Mitarbeiter oder gar 6 Leichen ergeben, schaut man sich das “Bild des Grauens” (bild.de) wohl besser irgendwoanders an. Wenn’s einen denn interessiert.
Dank an Sascha K. für diesen “sachdienlichen Hinweis”.
Nachtrag 8.8.04, 13:20: Einen Tag später hat bild.de offenbar nachgerechnet und die Zahl der männlichen Opfer, wie es sich
gehört, verdoppelt.

Nach einem sachdienlichen Hinweis von Martin.
Nachtrag: Kurz nach Erscheinen dieses Eintrags ist bild.de plötzlich offenbar doch noch sowas wie ein Globus in die Hände gefallen.
In der heutigen Ausgabe ist der “Bild”-Zeitung offenbar ein bedauerlicher Fehler unterlaufen: Passend zur Titelstory (“‘Bild’ kehrt zurück zur alten Rechtschreibung”) druckt das Blatt auf Seite 2 einen “Protest-Brief” zum Ausschneiden.
“(…) unterschreiben Sie den nachfolgenden Brief (schon in der alten Rechtschreibung) an die Kultusminister“,
heißt es dazu im Begleittext. “An die Kultusministerkonferenz” steht auch über dem “Protest-Brief”. Zu schicken sei der laut “Bild” jedoch an:
BILD – Stichwort: Rechtschreibreform
20597 Hamburg
Und das, obwohl die Zeitung – um das mal in aller Deutlichkeit zu sagen – für eine Entscheidung über die Zukunft der Rechtschreibreform gar nicht zuständig ist. Zuständig ist von Anfang an vielmehr die Kultusministerkonferenz, deren Adresse Sie ggf. hier finden.
Auf der Startseite von bild.de steht diese Schlagzeile:
Im Ressort “Show & Promis” erwartet den Besucher dann dies:
Tja, bei bild.de wachsen die Busen der C-Promis schneller, als man klicken kann.
Dank an Charlotte N. für diesen “sachdienlichen Hinweis”.
“Bild” kämpft weiter gegen die “Schlechtschreibereform”. Am Mittwoch durfte Lehrerin “Martina Keßler” aus Wiesbaden lang und breit erklären, warum sie sich weigert, ihren Schülern die neuen Regeln beizubringen bzw. sie “zur Unmündigkeit zu erziehen”.

Und wer sich dann noch die Mühe macht, mal ins Wiesbadener Telefonbuch zu schauen und dort nach “Martina Keßler” zu suchen, der – findet sie auch. Unter dem Eintrag “Kessler, Martina”. Mit Doppel-“s”. Aber das mag bloß eine Verwexelung sein.
Dank an David B. für diesen “sachdienlichen Hinweis”.


Nur gut, dass der “Mallorca-Inspektor” von “Bild” vor Ort war, um ihr die restlichen Kleider vom Leib zu reißen und sie zu fotografieren. Als mahnendes Beispiel.
Übrigens hat die Agentur, von der die Fotos stammen, noch viele ähnliche Bilder. Am besten suchen Sie in der Datenbank aber nicht nach dem Stichwort “Opfer”, sondern nach “Bikini” und “Mädchen”.
“Bild” schreibt heute:
„Big-Brother“-Bewohnerin Ilkay (33) wurde nach sechs Wochen im TV-Container in die Psychiatrie eingewiesen.
Das Blatt wiederholt damit eine Falschmeldung vom Vortag und setzt noch einen drauf: Unter der Überschrift “Das hat der Container aus Ilkay gemacht” zeigt “Bild” zwei Fotos von Ilkay.
Ilkay ist am 7. Juni eingezogen. Das Foto in “Bild” stammt vom 8. Juni. In nur 24 Stunden müssen die Kameras also das adrette, junge Mädchen gepierct, umfrisiert und zur Furie geformt haben.
Am Tag, an dem das “Nachher”-Bild entstand, mussten Ilka und andere einen anstrengenden Wasserparcours absolvieren, was auch die “Zottelhaare”, das “halb nackt” sein und den “wirren Blick” erklärt. Im übrigen hatte sie die roten Haare, wie hier zu sehen ist, bereits am Tag ihres Einzugs.
Bleibt die Frage, warum Ilkay sich in psychiatrische Behandlung begeben hat. “Bild” weiß es: “Sie konnte die ständige Beobachtung der Kameras nicht mehr ertragen.” Könnte stimmen. Außerdem aber ist gerade ihre beste Freundin an Krebs gestorben. Diese für die Diagnose vielleicht nicht ganz unwichtige Tatsache erwähnt “Bild” im heutigen Artikel nicht.
Ilkay zu BILD: „Ich bin völlig durch den Wind und will endlich meine Ruhe.“
Mag sein, dass das auf das Containerleben gemünzt ist. Vielleicht aber ja auch nur auf einen “Bild”-Reporter, der gerade wieder anrief.