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Eine Schande für Deutschland

Die Redaktion der “Bild”-Zeitung hat sich entschieden, zu ihrem Artikel “Entscheiden Türken die Wahl?” heute die folgenden drei Leserbriefe zu veröffentlichen:

Dem christlich orientierten Europa droht bei einer EU-Mitgliedschaft der Türkei der Untergang durch muslimische Einwanderer. Im Interesse meiner Kinder und Enkelkinder muß ich CDU wählen.

Nun muß auch dem dümmsten Wähler klar sein, weshalb sich der Strahle-Kanzler so immens für den Türkei-Beitritt einsetzt.

Es ist eine Schande für Deutschland, wenn sich ein vertrauenswürdiger Kanzler der Ausländer bedient, um die Wahl zu gewinnen.

Kurz korrigiert (12)

Anders als “Bild” heute berichtet, handelt es sich bei dem Wal, der gestern vor der südafrikanischen Küste mit Dynamit getötet wurde, nicht um einen Buckelwal, sondern einen Südkaper.

Danke an Neil G. für den sachdienlichen Hinweis und die Links!

Nachtrag, 16. September, 18 Uhr: Der Wal-Beauftragte von Bild.de hat inzwischen den Buckel des Wals entfernt.

Nachtrag, 16. September, 20 Uhr: Auf den Wal-Beauftragten von Bild.de ist auch kein Verlass. In der Fotogalerie ist der Südkaper immer noch ein Buckelwal.

Danke auch an Ötzgür D. und Bernhard G. für die Nachverfolgung!

Penis-Treter unschuldig!

Am Samstag gegen Eintracht Frankfurt hat sich der Hannover-96-Spieler Chavdar Yankov eine Verletzung zugezogen, die die Fantasie der “Bild”-Zeitung anregt wie selten eine Verletzung bevor: Die Haut an seinem Penis war eingerissen und musste mit mehreren Stichen genäht werden.

Seitdem beschäftigt sich “Bild” fast täglich mit dem “blutigen Penis-Drama”, der “wirklich üblen Verletzung”, sorgt sich um nächtliche Erektionen, fragt den Mannschaftsarzt, ob das Glied während der Behandlung steif war und ob Beeinträchtigungen beim Sex zu erwarten sind, berichtet von einem viertägigen Sex-Verbot und einer längeren Kondompflicht, zeigt auf einem Foto, wie Yankov beim ersten Training “ab und zu überprüfte, ob sein kleiner Freund das gut überstanden hat”, berichtet vom Entfernen des Pflasters und witzelt: “Er steht wieder seinen Mann”…

…und vergisst in all dem Eifer nur ein kleines Detail nachzurecherchieren: Wer der “Penis-Treter” (“Bild”) war, der all das ausgelöst hat. “Bild” behauptet: Benjamin Köhler — und präsentierte am Dienstag auch eine Entschuldigung (“auch bei seiner Freundin”) des vermeintlichen Täters. Nur war der es offenbar gar nicht. Der “Kicker” berichtet heute (in seiner gedruckten Ausgabe), dass die Fernsehbilder eindeutig zeigten, dass die Verletzung bei einem Zweikampf von Yankov mit Christoph Spycher entstanden sei. Der Teamarzt bestätige dies. Und der angeblich geständige Köhler sagt im “Kicker”:

Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich nicht erinnern kann und lediglich hinzugefügt: Falls ich es war, tut es mir Leid.

Danke an Frank P. und Schaumburger für die Hinweise!

“Bild”-Redakteur aus Sommerloch geborgen

Erinnert sich noch jemand an diese “Bild”-Falschmeldung, in der es hieß: “EU schafft Deutsch ab”? Dazu gibt es nämlich jetzt eine neue Pressemitteilung der “Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland”. Darin heißt es u.a.:

“Die Europäische Kommission freut sich, dass sie bei der Bergung des für den Artikel verantwortlichen Redakteurs aus dem Sommerloch helfen konnte.”

Der Rest der Mitteilung ist weniger witzig. “Bild” hat nämlich die Angewohnheit, die eigenen Falschmeldungen nicht nur nicht zu korrigieren, sondern sich auch zu weigern, Gegendarstellungen der Betroffenen zu drucken. Selbst als die EU-Kommission am 25. August eine einstweilige Verfügung erwirkte, die “Bild” zum Abdruck der Gegendarstellung verpflichtete, gab die Zeitung noch nicht auf und legte Widerspruch ein. Heute nun hat das Landgericht Berlin diesen Widerspruch abgewiesen.

In der “F.A.Z.” sagte “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, er drucke absurde Gegendarstellungen gerne, “weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird.” Wir lernen: Weniger absurde Gegendarstellungen druckt er offenbar nicht so gerne.

Allgemein  

Dramatische Szenen

Britney Spears hat ein Kind bekommen. Viele Medien verbreiten die freudige Nachricht – und die meisten, allermeisten, ja, eigentlich fast alle, berichten unter Berufung auf die US-Zeitschrift “US Weekly” folgendes: Dass nämlich die Sängerin am frühen Mittwochmorgen kurz vor 6 Uhr (Ortszeit) von einer Polizeieskorte begleitet ins UCLA Medical Center in Santa Monica gefahren worden ist, gegen 12.15 Uhr von ihrem Zimmer in den Kreißsaal gebracht wurde, und ihr Baby dort innerhalb weniger Minuten per Kaiserschnitt entbunden hat.

Nur bei Bild.de steht, quasi weltexklusiv, eine ganz andere Geschichte – wie damals, am Tag, als Marlon Brando starb. Laut Bild.de nämlich (wo man sich auf das “Star Magazin” beruft, das, nebenbei bemerkt, ebenfalls die eingangs geschilderte Version verbreitete), “hatten sich dramatische Szenen abgespielt”. Unter der Überschrift “Baby-Drama um Britney Spears” ist wiederholt von einer “6-Stunden-OP” die Rede, und weiter heißt es:

“Bereits am Morgen rufen Britney und ihr Ehemann Kevin Federline (27) die Polizei. Mit Blaulicht geht’s sofort in die Klinik. (…) Die Ärzte zögern keine Minute. Bringen die Pop-Sängerin in den OP-Saal. (…) Draußen banges Warten, drinnen operieren die Ärzte auf Hochtouren. Nach 6 langen Stunden die Erlösung. Das Baby ist da (…).”

Mit Dank an Jörg F. für den sachdienlichen Hinweis.
 
Nachtrag, 16:30:
Der Operations-Experte bei Bild.de hat immerhin keine sechs Stunden gebraucht, um die zahlreichen Stellen, an denen Bild.de ursprünglich eine nie stattgefundene “6-Stunden-OP” erwähnt hatte, komplett zu entfernen.

“Bild”: Wir drucken gerne Gegendarstellungen

Aus einem langen Interview der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” mit “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann…

…über die politische Ausrichtung von “Bild”:

Diekmann: Wir sind weder Sprachrohr noch Erfüllungsgehilfe von Opposition oder Regierung.

… über den Schutz der Privatsphäre bei “Bild”:

Diekmann: Wer sein Privatleben privat lebt, bleibt privat. (…) Wer nicht selbst das Spiel eröffnet, muß auch nicht mitspielen.

… über Gegendarstellungen in “Bild”:

Diekmann: Viele Gegendarstellungen sind heute ein Mittel darbender Juristen, finanziell über die Runden zu kommen. (…) Und ich drucke sie sogar gerne, weil sie zeigen, wie hier das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird.

Märchen (Wahlkampf VIII)

“Bild”-Kolumnist und Angela-Merkel-Unterstützer Hugo Müller-Vogg hat etwas Aufregendes herausgefunden: Die Menschen, die in einer SPD-Wahlwerbung abgebildet sind (mitsamt der Summen, die sie eine Unions-geführten Regierung angeblich kosten würde), diese Menschen sind gar nicht echt. Jedenfalls müssen sie ganz bestimmt nicht unter dem sogenannten “Merkel-Minus” leiden. Nicht nur, weil die SPD-Zahlen nach Müller-Voggs Berechnungen angeblich falsch sind. Sondern auch, weil es sich nicht um deutsche Familien und Rentner handelt, sondern um amerikanische Models.

Viele, viele Witze und bissige Bemerkungen hängt Müller-Vogg unter der Überschrift “Die heile SPD-Familie — ‘Made in the USA'” an der Tatsache auf, dass die SPD die Fotos einfach von der Agentur Getty Images bezogen hat, unter anderem auch die Schlusspointe, dass nicht nur die Rechnung der SPD, sondern auch die abgebildete “Familie” ein “Wahlkampf-Märchen” sei.

Apropos: Raten Sie mal, aus welchem Land dieses Baby stammt, mit dem die CDU in einem Wahlplakat ausgerechnet die Zeile “Deutschlands Zukunft sichern” bebildert hat. Und bei welcher Agentur die CDU es gekauft hat.

“Bild”-Wörterbuch III

Erb-Penner? Benz-Baby? Sekt-Anschlag? Spätestens aber, wenn “BamS”-Analytiker Stefan Hauck einen freigesprochenen TV-Moderator (der als Folge einer Vergewaltigungsklage seinen Job und seinen Ruf verlor) als “folgenlos Beschuldigten” bezeichnet, dann…

…ist es Zeit für eine Aktualisierung des BILDblog-“Bild”-Wörterbuchs.

Adrian-Benjamin III

Dass das zweite Kind von Anke Engelke (anders als von “Bild” behauptet) nicht “Adrian Benjamin” heißt, wissen wir. Aus “Bild” zum Beispiel. Oder aus der “B.Z.”, die vergangene Woche ebenfalls eine Gegendarstellung abdrucken musste, nachdem sie die “Bild”-Falschmeldung munter weiterverbreitet hatte.

Aber so richtig aus der Welt ist das, was falsch in “Bild” stand, damit leider nicht (siehe auch “taz”). Fand sich doch kürzlich in einer Meldung der “führenden deutschen Nachrichtenagentur” dpa einfach so der irreführende deutsche Satz:

Engelke hatte Mitte August ihren Sohn Adrian-Benjamin zur Welt gebracht.

Mit Dank an Hannah P. für den Hinweis.

PS: Auf Nachfrage bedauert man bei der dpa den Fehler und verspricht, die Meldung im Archiv mit einem Sperrvermerk zu versehen, damit sowas nicht noch mal passiert.

Nachverurteilung

Nachdem die “Bild”-Zeitung am Dienstag sich und Andreas Türck von jeder Schuld reingewaschen und behauptet hatte, die “Justiz” habe “ein schmutziges Gerichtsspektakel” inszeniert, machte sich “Bild” am gestrigen Samstag daran, Andreas Türcks TV-Karrierechancen einzuschätzen:

Das ging schnell! Kaum war Andreas Türck (36) im Vergewaltigungsprozeß freigesprochen, kam schon das erste neue TV- Angebot. Er soll für RTL ins “Dschungelcamp” gehen. Dabei sah es während des Verfahrens lange danach aus, daß kein Sender ihn mehr nehmen würde.

Wie zum Vergleich zählte “Bild” anschließend auf, “welche TV-Stars auch den Weg von der Anklagebank zurück auf den Bildschirm geschafft haben” (siehe Ausriss) – und übersah dabei, dass die Prominenten, die “Bild” aufzählt, im Gegensatz zum freigesprochenen Türck größtenteils vorbestraft sind: Karsten Speck wegen Betrugs, Martin Semmelrogge wegen wiederholten Fahrens ohne Führerschein, Michel Friedman wegen Kokain-Besitzes, Carsten Spengemann wegen Unterschlagung.

PS: Da es der “Bild” offenbar egal ist, wie und mit welchem Ergebnis man vor Gericht steht, könnte man — eine ähnlich oberflächliche Sichtweise wie die der “Bild” vorausgesetzt — ebenso behaupten, dass es Kai Diekmann, der einst wegen seines Penis vor Gericht stand, “zurück” in die “Bild”-Redaktion geschafft habe. Aber lassen wir das – ebenso wie den Hinweis auf die “Bild”-Zeitung vom vergangenen Dienstag, in der die Zeitung den Eindruck erwecken konnte, Carsten Spengemann habe es womöglich doch nicht so richtig “zurück ins TV” geschafft.

Mit Dank an Johannes S. und die Malteser in Dortmund.

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