Suchergebnisse für ‘korrigiert’

AFP, Bild.de, dpa  etc.

Hauptsache nicht katholisch!

Es ist schon ein Kreuz mit den Religionen! Nur die wenigsten Anhänger des Islam sind islamistisch und die evangelikalen Christen haben nur sehr wenig mit der Evangelischen Kirche zu tun. Wer soll sich da noch auskennen?

Bild.de schon Mal nicht: Das Fachmagazin für christliche Werte schreibt über die Ankündigung eines radikalen evangelikalen Pfarrers aus Florida, am 11. September eine Koran verbrennen zu wollen, Folgendes:

Die evangelische Gemeinde in Gainesville (US-Bundesstaat Florida) will am 11. September Exemplare des Koran verbrennen.

Auch andere Redaktionen haben nicht so genau hingesehen, so zum Beispiel bei der Online-Ausgabe der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, beim Schweizer “Tagesanzeiger” und bei “Die Presse”. Spiegel Online und evangelisch.de haben nach Leserhinweisen nachgebessert.

Ursprung des Religion-Mischmaschs waren wohl gleich zwei Agentur-Meldungen, die den christlichen Fundamentalisten zum evangelischen Priester Pastor machten: Um 10.05 Uhr hatte die Nachrichtenagentur AFP den Fehler verbreitet und schickte 34 Minuten später eine Korrekturmeldung. Um 11.17 Uhr folgte der Basisdienst der dpa in Hamburg mit dem gleichen Fehler. Dass die Agentur seit dem Nachmittag mehrere Meldungen ohne die Verwechslung publiziert hat, wurde bei vielen Abnehmern offenbar nicht zur Kenntnis genommen.

Aber die Worte des Herrn haben schon immer ihre Zeit gebraucht, um zu allen durchzudringen.

Mit Dank an Florian V., Ivo B. und Arne A.

Nachtrag, 9. September: “Tagesanzeiger” und “Die Presse” haben ihre Artikel inzwischen korrigiert.

dpa  

Hubs!

Was ist ein Hubsteiger?

(a) das schwäbische Wort für Hubschrauber
(b) ein veralteter Begriff für Hubschrauber
(c) eine besondere Art Hubschrauber, die nicht schraubt, sondern steigt
(d) kein Hubschrauber

Richtig ist Antwort (d). Falsch dagegen waren die dpa-Meldungen über die Räumung eines Baumhauses von Gegnern des Bauprojektes Stuttgart 21, in denen es u.a. hieß:

Wie die Polizei mitteilte, wurden vier Aktivisten von einem Sondereinsatzkommando auf den Bäumen gefasst und mit Körben an einem Hubschrauber zu Boden gelassen.

In Wahrheit war es nicht ganz so dramatisch: Es handelte sich, wie es auch in der Polizeimitteilung (PDF) hieß, nur um einen Hubsteiger, also eine Hebebühne, deren Einsatz man hier sehen kann.

Die dpa-Landesdienste Südwest haben sich heute früh um 8.29 Uhr korrigiert. Aber in ungezählten OnlineMedien ist nach wie vor von einem Hubschrauber die Rede.

Mit Dank an moa und Martin B.!

Ein Tag am Boulevard

Ehrgeizig sind sie ja, das muss man den Autoren des Panorama-Ressorts von “Spiegel Online” lassen. Anders lässt sich nämlich kaum erklären, warum sie es wagen, sich mit den Schmutz- und Tränenprofis von “Bild”, “Bunte” & Co. zu messen.

Ein aktueller Artikel etwa, den “Spiegel Online” aus der britischen “Daily Mail” zweitverwertet (das ist so üblich) und mit einer elfteiligen Fotostrecke (Titel: “Einmal Ersatzteillager und zurück”) angereichert hat, dreht sich um das amerikanische “Reality-TV-Sternchen” Heidi Montag. Ihre Berühmtheit rührt hauptsächlich daher, dass sie an nur einem Tag zehn Schönheitsoperationen über sich ergehen ließ. Und genau unter diesem operierten Körper leidet sie inzwischen:

Ich möchte nicht, dass meine Nase abfällt wie die von Michael Jackson.

Und was fällt “Spiegel Online” dazu ein?
Nasen-Erosion: Heidi Montag fürchtet Michael Jacksons Schicksal

Und:

So ist das mit Ersatzteilen – manche halten, andere nicht. Heidi Montag, Reality-TV-Sternchen, unterzog sich einer körperlichen Generalüberholung und ließ zehn Schönheits-OPs an einem Tag durchführen. Nun bereut sie den Schritt: Die Nase bröckelt, und das Silikon bereitet Unannehmlichkeiten.

Dass zu Michael Jacksons Schicksal deutlich mehr gehört als die Angst vor dem Verlust der Nase, weiß man spätestens seit letztem Jahr. Außerdem sind es Schmuddelmedien wie “Spiegel Online”, wo zu Heidi Montags Schönheitsoperationen in diesem Jahr bereits neun Artikel (Klickstrecken inklusive) erschienen sind, für die sich Frauen unters Messer legen.

Apropos ziemlich viel von irgendetwas an nur einem Tag: In einem anderen aktuellen Artikel zur Tattoo-Künstlerin Kat von D, die in Deutschland vor allem deshalb bekannt ist, weil sie die Neue von Sandra Bullocks Ex ist, kann man unter der launigen Überschrift “Jesse James’ Neue faselt von großer Liebe” lesen:

Sie ist 28, arbeitet als Tattoo-Künstlerin und nennt sich Weltrekordlerin, seit sie sich im Dezember 2007 binnen 24 Stunden 400 Tätowierungen stechen ließ.

Tatsächlich war es aber genau andersherum: Kat von D ließ sich nicht stechen, sondern stach selbst binnen 24 Stunden 400 Tätowierungen an verschiedenen Personen. Weltrekordlerin wiederum kann sie sich schon lange nicht mehr nennen, denn ihr Rekord wurde seitdem schon mehrfach gebrochen.

Vermutlich haben sich die Autoren hier vom deutschen Wikipedia-Eintrag zu Kat von D verwirren lassen. Dort heißt es:

Am 14. Dezember 2007 setzte sie mit 400 Tattoos innerhalb von 24 Stunden den Weltrekord.

Was soll man sagen? Die Anpassung des “Spiegel Online”-Panoramaressorts an andere Boulevardmedien scheint zu funktionieren — zumindest, was Niveau und Recherche angeht.

Mit Dank an Nina.

Nachtrag, 7. September: “Spiegel Online” hat den Artikel über Kat von D zum Teil korrigiert:

In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass sich die Tattoo-Künstlerin Kat von D. Weltrekordlerin nennt, weil sie sich im Dezember 2007 binnen 24 Stunden 400 Tätowierungen stechen ließ. Korrekt ist, dass Kat von D. innerhalb von 24 Stunden 400 Tattoos gestochen hat und sie sich deshalb Weltrekordlerin nennen darf. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

Es gibt Mais, Baby

Die deutsche Sprache kennt das Phänomen der Auslautverhärtung, die dafür sorgt, dass Begriffe wie “Rad” und “Rat” oder “Blog” und “Block” gleich klingen, wenn man sie ausspricht. Die englische Sprache kennt dieses Phänomen nicht, “bad” klingt anders als “bat”.

Bild.de-Koch Andreas “Studi” Studer möchte den “lieben Bild.de-Usern” etwas Englisch beibringen und bereitet dazu ein “American barbeque” zu (natürlich stilecht im Bratschlauch).

Oder, wie Bild.de es formuliert:

Zur Grillparty gehören “garlic”, “honey” und “corn on the cop”.

Dabei hatte sich Studer sogar Mühe bei der englischen Aussprache gegeben und eben nicht von einem “cop” gesprochen, sondern von “cob”. Also nix mit Polizisten, sondern lediglich mit Maiskolben.

Mit Dank an Chris und Alexander B.

Nachtrag, 13.16 Uhr: Nachdem Bild.de die Leserkommentare zum Thema über Stunden ignoriert hatte, haben sie schnell auf unseren Eintrag reagiert und den Fehler unauffällig korrigiert.

Journalisten im Drogerierausch

Über “Spiegel Online” heißt es häufig, Fehler würden dort schnell und transparent korrigiert.

Schnell ging es offenbar wirklich, den Fehler im Vorspann dieses Artikels zu korrigieren:

Schlecker bleibt unter Druck. 150.000 Datensätze von Online-Kunden der Drogeriekette konnten im Internet abgerufen werden. Die Sicherheitslücke ist zwar inzwischen geschlossen. Doch nun ist öffentlich, dass neben der Allianz und dem Finanzministerium auch der SPD-Vorstand dort einkauft.

Der letzte Satz war, höflich ausgedrückt, Unfug — und deshalb auch nach wenigen Stunden wieder gelöscht.

Richtig ist, was im Artikel steht:

Der für die Panne verantwortliche Online-Dienstleister der Drogeriekette hatte dem Bericht zufolge auch das Finanzministerium, den Versicherungskonzern Allianz, das Bundesverwaltungsgericht und den SPD-Parteivorstand als Kunden.

So steht es auch in dem Artikel in “Bild”, auf den sich “Spiegel Online” beruft:

Brisant: Der Online-Dienstleister, bei dem die Schlecker-Daten ungesichert liegen, berät auch Bundesministerien, das Bundesverwaltungsgericht, die Allianz und den SPD-Parteivorstand.

Transparent wurde da allerdings (mal wieder) nichts korrigiert: Der irreführende Satz wurde einfach aus dem Vorspann getilgt und gut war’s.

Anderseits ist das immerhin mehr, als beim wortgleichen Artikel auf manager-magazin.de geschehen ist, wo es immer noch heißt:

Schlecker: Auch die SPD und die Allianz kaufen bei Schlecker ein. Schlecker bleibt unter Druck. 150.000 Datensätze von Online-Kunden der Drogeriekette konnten im Internet abgerufen werden. Die Sicherheitslücke ist zwar inzwischen geschlossen. Doch nun ist öffentlich, dass neben der Allianz und dem Finanzministerium auch der SPD-Vorstand dort einkauft.

Mit Dank an Peter A., Alexander S., Markus E. und André H.

Nachtrag, 28. August: Das “Hamburger Abendblatt” schreibt heute in seiner Printausgabe:

Laut “Bild”-Zeitung umfassten die Datensätze Vor- und Nachnamen, Adresse, Geschlecht, E-Mail-Adresse und Kunden-Profil sowie 7,1 Millionen E-Mail-Adressen von Newsletter-Kunden der Drogeriefirma. Zu den Kunden gehörten demnach das Finanzministerium, die Allianz, das Bundesverwaltungsgericht und der SPD-Parteivorstand.

Und tagesschau.de berichtete schon gestern:

Zwar sei der Fehler inzwischen behoben, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Bekannt ist aber nun, wer alles bei Schlecker einkauft. Zum Beispiel das Finanzministerium.

Mit Dank an Jürgen K. und Tobias P.

2. Nachtrag, 29. August: Und der Deutschlandfunk meldete gestern:

Zu den Online-Kunden sollen unter anderem das Finanzministerium, das Bundesverwaltungsgericht und der SPD-Parteivorstand gehören.

Fakten im Rückwärtsgang

Böse Zungen haben es schon lange kommen sehen: Die Online-Enzyklopädie Wikipedia schrumpft. Das Projekt, das vor nicht einmal zehn Jahren als Hort des Weltwissens gestartet war, hat nun endgültig den Rückwärtsgang eingelegt und vernichtet das sauer erarbeitete Wissen wieder. So zumindest berichtete es die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” am Donnerstag:

In der englischsprachigen Wikipedia, der weltweit größten Gemeinschaft mit über drei Millionen verfassten Beiträgen, ist von einem ernsthaften Autorenschwund die Rede. Zum ersten Mal in der Geschichte der freien Enzyklopädie werden mehr Beiträge gelöscht als erstellt, berichtet das amerikanische Nachrichtenmagazin “Newsweek” und beruft sich auf Aussagen eines Sprechers der “Wikimedia Foundation”.

Mehr Beiträge gelöscht als neu erstellt? Die schlimmsten Befürchtungen der Wikipedia-Fans werden wahr. Allerdings: Laut Wikipedia-Statistik wächst der Artikelbestand alleine in der englischsprachigen Ausgabe jeden Tag um mehr als 1000 Artikel, die deutschsprachige Wikipedia um immerhin knapp 400 neue Beiträge. Artikellöschungen sind in der Statistik schon berücksichtigt. Wieso behauptet der Sprecher der Wikimedia Foundation also etwas anderes?

Eine Auflösung bietet ein Blick in den Artikel der Newsweek, auf den sich die “FAZ” beruft:

Tausende der Freiwilligen Autoren, die Wikipedia-Artikel schreiben, überprüfen und auf den neusten Stand bringen, haben sich abgemeldet – viele davon für immer. Zum ersten Mal scheinen sich mehr Mitarbeiter von Wikipedia zu verabschieden als neu anzumelden. Die Aktivität auf der Seite stagniere, wie ein Sprecher der Wikimedia Foundation bestätigt. Dies sei ein “wirklich ernsthaftes Problem”.

(Übersetzung von uns)

Das ist zwar auch nicht ganz korrekt; die Meldungen von einem scheinbaren Autorenschwund gibt es seit mindestens zehn Monaten. Von Artikel-Löschungen ist bei “Newsweek” hingegen gar keine Rede.

Vielleicht sollte sich die “Frankfurter Allgemeine” um die verlorenen Wikipedia-Autoren bemühen. Ein paar Fact-Checker haben noch niemandem geschadet.

Nachtrag, 25. August: Inzwischen hat die FAZ den Rückwärtsgang eingelegt und den Beitrag korrigiert:

Richtigstellung vom 23.08.2010: „Newsweek“ berichtete nicht, wie am 19.08.2010 an dieser Stelle veröffentlicht, dass mehr Beiträge gelöscht als neue erstellt werden.

Das Rauschen im Hanfblätterwald

Dass die wilden 70er schon lange zurückliegen, erkennt man an einer Meldung der Deutschen Presseagentur dpa über die Pläne der Bundesregierung, verschreibungspflichtige Cannabis-Medikamente zuzulassen. Dort heißt es unter anderem:

Eigentlich ist Cannabis ein Rauschgift, das aus Hanfblättern gewonnen und meist als Haschisch oder Marihuana konsumiert wird.

Profikiffern dürfte angesichts dieser naiven Aussage der Kragen platzen — wenn sie nicht so lethargisch wären. Erstens ist Cannabis nämlich kein Rauschgift, sondern lediglich der wissenschaftliche Name der vielseitig einsetzbaren Pflanze Hanf. Zweitens werden Marihuana und Haschisch nicht aus Hanfblättern, sondern aus den Blüten bzw. ihrem THC-haltigen Harz gewonnen. Für Marihuana werden zwar auch die kleinen Blättchen über den Blüten der weiblichen Pflanze mitverarbeitet, doch das, was in der dpa-Meldung gemeint ist und was im Zusammenhang mit Cannabis überall abgebildet wird, hat abgesehen von einer abführenden überhaupt keine Wirkung.

Das hat sueddeutsche.de, “Zeit Online”, “Spiegel Online”, fr-online.de und viele mehr aber nicht daran gehindert, diesen Unfug weiterzuverbreiten. Wenigstens ftd.de und Bild.de haben den Joint gerochen und die betreffende Stelle einfach ausgelassen.

Mit Dank an Sara.

Nachtrag, 20.31 Uhr: Bei “Zeit Online” hat sich inzwischen das Bewusstsein erweitert und der Fehler ist korrigiert. Bei “Spiegel Online” wurden zwar wenigstens die wirkungslosen Hanfblätter geerntet, aber man hat immer noch nicht verstanden, dass Cannabis Hanf ist und nicht aus Hanf gewonnen wird:

Eigentlich ist Cannabis ein Rauschmittel, das aus Hanf gewonnen und meist als Haschisch oder Marihuana konsumiert wird.

Nachtrag, 19. August. dpa hat sich an einer Korrektur versucht, was allerdings nur halb gelungen ist. In einer neuen Fassung der Meldung heißt es nun:

Der Cannabis-Wirkstoff Tetrahydrocannabinol ist eigentlich ein Rauschgift, das vor allem aus den Blättern der Hanfpflanze gewonnen und meist als Haschisch oder Marihuana konsumiert wird.

Auf die “Berichtigung” macht dpa in einem “redaktionellen Hinweis” aufmerksam:

Im letzten Satz wurde klargestellt, dass der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol das Rauschmittel darstellt und vor allem aus der Blüte gewonnen wird, nicht aus den großen Blättern.

“Wurde klargestellt” hier offenbar in der Bedeutung von “hätte klargestellt werden sollen”.

Bild  

Der neue Ricken ist der alte Ricken

17 Jahre und 171 Tage alt war Mario Götze, als er am 21. November 2009 beim Spiel Borussia Dortmund gegen Mainz 05 eingewechselt wurde.

Oder wie “Bild” es formuliert:

Damit “klaute” er zugleich dem Champions League-Helden von 1997, Lars Ricken (17 Jahre und 241 Tage), den Titel des jüngsten Dortmunder Erstliga-Spielers aller Zeiten.

Nö. Das hatte am 6. August 2005 schon Nuri Sahin erledigt, als er im Alter vom 16 Jahren und 335 Tagen gegen den VfL Wolfsburg auflief — und damit nicht nur zum jüngsten BVB-Spieler, sondern sogar zum jüngsten Bundesligaspieler überhaupt wurde.

Aber das hätte natürlich nicht zur Überschrift gepasst und wäre auch keine geschmeidige Überleitung zum nächsten Absatz gewesen:

Götze der neue Ricken

Ricken (31), inzwischen BVB-Jugendkoordinator: “Dass Mario ein Supertalent ist, sieht doch jeder. Zudem hat er das große Glück, mit Klopp einen Trainer zu haben, der ihn aufbaut und fördert. Genau wie ich damals mit Ottmar Hitzfeld.”

Zumal Lars Ricken inzwischen 34 Jahre alt ist.

Mit Dank an J.D., Robin B., Thomas Sch., Christoph F. und Sebastian S.

Nachtrag, 15.10 Uhr: Unser Leser Christian F. weist uns darauf hin, dass Rickens Status als jüngster BVB-Spieler aller Zeiten noch viel früher wieder weg war: Nach knapp anderthalb Jahren, am 24. September 1994 wurde Ibrahim Tanko mit 17 Jahren und 61 Tagen eingewechselt. Götze müsste demnach auf Platz 3 4 liegen. (Marc-André Kruska war auch noch jünger.)

Bei Bild.de sind Rickens Alter und der Satz über den “jüngsten Dortmunder Erstliga-Spieler” inzwischen unauffällig korrigiert worden:

Damit war er sogar noch jünger als der Champions League-Held von 1997, Lars Ricken (17 Jahre und 241 Tage).

Wenn das Heidi wüsste

Auf einem Tisch in Mainz steht ein Kalender, auf dem der 1. August rot umkreist ist, daneben steht “Schweizer Nationalfeiertag”. Die drum herum sitzende Redaktion sinniert: “Kennen wir die Schweiz wirklich?” Geht so, kommt heraus. Warum also nicht die Leser fragen?

Kühe, Berge und Kantone - Wie gut kennen Sie die Schweiz?

Oder etwas poetischer: “Sind Ihre Welt die Berge?”

Es findet sich ein großes Bild eines bekannten Produkts aus Schokolade — daneben stellt sich diese Frage:

Weltbekannt ist dieser dreieckige Riegel, der den höchsten Berg der Schweiz im Logo hat

Dumm nur, dass das als richtige Lösung verkaufte Matterhorn gar nicht der höchste Berg der Schweiz ist.

Dann klappt es vielleicht mit einer anderen Frage. Wer Doris Leuthard, die 2010 amtierende Bundespräsidentin, erkennt, wird in der Antwort so aufgeklärt:

Seit 2006 ist sie eines der sieben Mitglieder des Nationalrates, aus dessen Kreis der Bundespräsident für ein Jahr kommt

Leider auch falsch. Der dem Bundestag entsprechende Nationalrat umfasst 200 Mitglieder. Leuthard ist eines der sieben Mitglieder des Bundesrats, der regierenden Exekutive.

Mit Dank an Pascal.

Nachtrag, 2. August: Inzwischen wurden beide Fehler korrigiert.

Journalisten: Ein Berufsstand meldet sich krank

“Die Welt” berichtet in ihrer heutigen Ausgabe:

Die Arbeitnehmer fehlten in den ersten sechs Monaten laut den neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die der WELT vorliegen, 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit – das sind zehn Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Diese Behauptung ist insofern falsch, als es in den Statistiken gar nicht um die Sollarbeitszeit geht, sondern um den Anteil der Pflichtversicherten, die am 1. eines Monats krankgeschrieben sind.

Autor Christoph B. Schiltz hätte gewarnt sein müssen. Etwa durch den Hinweis, den das Bundesgesundheitsministerium deutlich sichtbar im Vorlauf seines Berichts untergebracht hatte:

Krankenstand = Arbeitsunfähig kranke Pflichtmitglieder in % der Pflichtmitglieder ohne Rentner, Studenten, Jugendlichen und Behinderten, Wehr-, Zivil- und Dienstleistende bei der Bundespolizei, landwirtschaftliche Unternehmer, Alg II- sowie Vorruhestandsgeldempfänger / Stichtag jeweils 1. des Monats

Oder durch die Pressemitteilung, die das Ministerium im Vorjahr veröffentlichen musste, um den Schaden einzudämmen, den Schiltz angerichtet hatte, weil er (damals schon wiederholt) den gleichen Fehler gemacht hatte — und der natürlich von anderen Medien munter weiterverbreitet wurde.

Auch die anderen Medien hätten also gewarnt sein können, als die Vorabmeldung der “Welt” bei ihnen einging. Sie waren es nicht:

Im Durchschnitt hätten die Arbeitnehmer 3,58 Prozent der Soll-Arbeitszeit gefehlt, berichtete die Zeitung “Die Welt” vorab aus ihrer Montagausgabe unter Berufung auf neueste Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums.
(Reuters)

Die Arbeitnehmer fehlten einem Bericht der Zeitung «Die Welt» zufolge in der Zeit von Januar bis Juni 2010 im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit – das ist ein Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum (3,24 Prozent der Sollarbeitszeit). Das Blatt beruft sich auf die neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums.
(AFP)

Die Krankenstände in den deutschen Betrieben sind nach einem Bericht der Zeitung «Die Welt» in den ersten sechs Monaten 2010 auf den höchsten Halbjahresstand seit fünf Jahren geklettert. Die Arbeitnehmer fehlten in der Zeit von Anfang Januar bis Ende Juni im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit.
(dpa)

Die Arbeitnehmer hätten in der Zeit von Januar bis Juni 2010 im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit gefehlt, hieß es.
(epd)

Die Arbeitnehmer fehlten in der Zeit von Januar bis Juni 2010 im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit. Dies berichtet die Tageszeitung “Die Welt” (Montagausgabe) unter Berufung auf die neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG).
(AP)

Die Arbeitnehmer hätten in der Zeit von Januar bis Juni 2010 im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit gefehlt, hieß es unter Berufung auf Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums.
(FAZ.net)

Die Arbeitnehmer fehlten zwischen Januar und Juni im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums, die die Krankenstände aller gesetzlich versicherten Arbeitnehmer umfassen.
(“Spiegel Online”)

Die Arbeitnehmer fehlten in der Zeit von Anfang Januar bis Ende Juni im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit.
(Bild.de)

Die Arbeitnehmer fehlten von Januar bis Juni im Durchschnitt 3,58 Prozent der Sollarbeitszeit.

Das ist ein Anstieg um zehn Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum (3,24 Prozent der Sollarbeitszeit), wie die Zeitung “Die Welt” unter Berufung auf die neuesten Statistiken des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) berichtet.
(“RP Online”)

Besonders bemerkenswert daran: Die ominösen Statistiken, “die der WELT vorliegen” und auf die sich “das Blatt beruft”, sind schon länger für jeden zugänglich auf der Webseite des Gesundheitsministeriums einzusehen (PDF). Ein halbwegs erfahrener Computernutzer braucht fünf Sekunden um festzustellen, dass das Wort “Sollarbeitszeit” im ganzen Dokument nicht ein einziges Mal auftaucht.

Immerhin tagesschau.de hat es geschafft, die Statistik richtig zu lesen — und lässt einen Ministeriums-Sprecher gleich die begrenzte Aussagekraft der Statistik kommentieren.

Das Ministerium selbst sah sich abermals gezwungen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen, die die Interpretationen des Herrn Schiltz in ihre Schranken weist. Inzwischen sei man ein wenig resigniert: “Das passiert jedes Mal”, beklagte sich eine Sprecherin auf unsere Anfrage hin.

Seit dem Vormittag kursieren jetzt auch einzelne korrekte Meldungen der Nachrichtenagenturen. Offiziell korrigiert wurden die alten Versionen aber alle nicht.

Mit Dank an Matthias B.

Nachtrag, 22.40 Uhr: “Spiegel Online” hat den Fehler korrigiert und den Artikel mit einem Hinweis versehen — zumindest den diesjährigen Artikel, wenn auch nicht den von 2009.

2. Nachtrag, 20. Juli: dpa hat inzwischen eine Korrektur seiner ursprünglichen Meldung verschickt.

Mehr zu Christoph B. Schiltz und seiner jahrzehntelangen eigenwilligen Statistikinterpretation:

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