Suchergebnisse für ‘fußball’

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1. “Kerner verliert bei Kahn die Professionalität”
(welt.de, Udo Muras)
Oliver Kahn, ein “Torwart der Herzen”? Auf sowas kommt vermutlich wirklich nur Johannes B. Kerner. Ein Text über “die neue Männerfreundschaft der Fußball-Experten des ZDF”.

2. “Das ist gebührenfinanzierte Volksverdummung”
(fr-online.de, Annika Joeres)
“Die Reklame-Spots für die Online-Präsenz von ARD und ZDF stoßen auf Widerspruch.”

3. “9 Fragen an Tina Brown”
(weltwoche.ch, Bruno Ziauddin)
Das tägliche Biest ist da” – und Tina Brown beantwortet dazu einige Fragen: “Online ist fantastisch für den gedanklichen Scoop, die schnelle, kluge Interpretation von Nachrichten, die es einem ermöglicht, etwas in völlig neuem Licht zu betrachten. Internetmagazine eignen sich zudem ausgezeichnet, Schreibtalente zu entdecken und auszuprobieren. Und wenn es nicht klappt, hat man sie nicht monatelang am Hals wie bei einer Zeitung.”

4. “Alles frisch, alles umsonst – Wie Blogs die Popwelt aufmischen”
(jetzt.sueddeutsche.de, Xifan Yang)
“Jeden Tag gibt es neue Musikblogs. Sie bedienen gezielt Geschmäcker, sind schneller als Printmagazine und besonders wichtig: ihre Downloads kosten nichts. Für die einen demokratisieren sie damit die Musik. Andere finden: ‘MP3 blogs are killing music’.”

5. “Es gibt sie doch noch: die anderen Sportjournalisten”
(breitnigge.de)
Der FC Bayern München verbannt Raimund Hinko aus der Chefredaktion von Sportbild aus dem Presseraum (sportbild.de), weil er den Trainer der Mannschaft “seit Wochen hart angehe”. Harald Landwehr, ebenfalls Sportjournalist, hat dazu einen Leserbrief geschrieben.

6. Max Mosley legt sich mit Springer an
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
“Das in der Zeitung gedruckte Foto eines 68-jährigen Mannes, der nackt auf einen Bock gefesselt von einer Domina ausgepeitscht wurde, war kein schönes Foto. Es war ein erbarmungsloser Angriff auf die Privatsphäre des britischen Multimillionärs Max Mosley. Denn obwohl Mosley leidlich prominent ist, gehen seine Sexualgewohnheiten die Öffentlichkeit nichts an: Das wäre möglicherweise anders, wenn er sich unter Verweis auf viktorianische Lebensweisheiten öffentlich zu Lustfeindlichkeit bekannt, Domina verdammt und Sadomasochismus als Sünde schlechthin gebrandmarkt hätte. Das alles aber hat er nicht getan.”

“Bild”-Leserreporter wider Willen

“Mich interessiert ja überhaupt nicht, woher eine Geschichte kommt, sondern wie gut eine Geschichte ist.”

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann über Leserreporter

Die Geschichte, dass Torwart Jens Lehmann gelegentlich mit dem Hubschrauber von seinem Wohnsitz, dem Örtchen Berg am Starnberger See, zum Training nach Stuttgart fliegt und der Hubschrauber auch schon mal mitten in der Gemeinde landet, ist zweifellos eine gute Geschichte. Andreas Ammer hat sie aufgeschrieben, vor vier Wochen, in “QUH”, seinem Blog aus der Gemeinde Berg.

Heute steht sie auch in “Bild”, die gute Geschichte. Armin Grasmuck und Burkhard Wittmann (mehr über ihn hier) sind jetzt die Autoren. Sie haben auf jeden Hinweis auf die Quelle verzichtet — ist ja egal, woher die Geschichte kommt. Und auch das knapp Din-A4-große Foto trägt keinen Urheberhinweis.

Andreas Ammer weiß, warum das so ist: Das Foto hat “Bild”, wie er es formuliert, aus seinem Blog “geklaut”. Das Blatt habe es “ohne unser Wissen, ohne unsere Erlaubnis und ohne Quellenangabe heruntergeladen und abgedruckt”. Dabei habe man die “Bild”-Leute, die gestern dauernd bei ihm angerufen hätten und Auskünfte verlangten (aber nicht bekamen), ausdrücklich darauf hingeweisen, dass die Rechte bei QUH liegen.

Nun hat “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann uns aber im Video-Interview erklärt, was der große Unterschied sei zwischen einem “journalistischen” Angebot wie “Bild” und nicht-journalistischen Angeboten wie YouTube oder Flickr: “Dort sind dann eben auch Inhalte, die nicht rechtmäßig zustande gekommen sind und deren Veröffentlichung nicht rechtmäßig ist.” Bei “Bild” werde dagegen “nachrecherchiert”.

Und in der Tat: “Bild” hat die Geschichte nicht einfach bei QUH abgeschrieben. Die Aussage “jetzt verbot ihm [Lehmann] der Bürgermeister die Landungen auf dem Fußball-Platz” steht da zum Beispiel gar nicht. Die steht nur in “Bild”.

Was daran liegen könnte, dass sie nicht stimmt. Bürgermeister Rupert Monn hat “Bild” gegenüber nur gesagt:

“Ich hoffe sehr, dass Herr Lehmann in Zukunft nicht mehr im Ort landet. Sonst werde ich persönlich mit ihm sprechen.”

Vielleicht ist das die ganz eigene “Bild”-Definition vom journalistischen Umgang mit User Generated Content: Die Profis von “Bild” verwenden Inhalte anderer gegen deren Willen und kombinieren sie mit eigenen Falschmeldungen.

“Bild” macht sich einen Sport aus Beleidigungen

Die Sache war “Bild” auch außerhalb des Reviers eine große Ankündigung oben auf der Titelseite (Ausriss rechts) wert: Die “Bild”-Reporter Christian Kitsch und Peter Wenzel berichteten, dass Marcelo Bordon, der Kapitän von Schalke 04, nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund im Kabinengang ausgerastet sei:

Der Brasilianer beleidigte Schiri Lutz Wagner (45, Hofheim) als “Hure”. Schimpfte zuerst Richtung Journalisten: “So ein Schiri. Fragt ihn, was los ist.” Dann brüllte er zweimal das Wort “puta”, portugiesisch für Hure.

Es scheint sich um eine exklusive Information der “Bild”-Zeitung gehandelt zu haben. Sie machte Furore. Am nächsten Tag konnte “Bild” melden, dass der DFB nun “wegen der Pöbel-Attacken” gegen Bordon ermittle, zeigte noch einmal die eigenen Schlagzeilen vom Vortag und wiederholte:

Bordon hatte Schiri Lutz Wagner im Kabinengang auf Portugiesisch als “Hure” beleidigt.

Aber irgendwann im Lauf des gestrigen Mittwochs verschwanden die beiden Artikel und ein weiterer zum Thema kommentarlos aus dem Online-Angebot der “Bild”-Zeitung. Es scheint, als hätte “Bild” schon vor der heute stattfindenden Verhandlung des DFB nicht mehr an die eigene Geschichte geglaubt; womöglich half ein bisschen Druck durch den Verein nach (ohne Not löscht Bild.de nach unserer Erfahrung auch falsche Artikel nicht). Üblicherweise bietet “Bild” in solchen Fällen an, quasi zum Ausgleich ein großes, freundliches Stück zu bringen.

Einen Anlass hätte “Bild” morgen dazu ohnehin. Denn der DFB-Kontrollausschuss hat das Verfahren gegen Bordon (ebenso wie eines gegen seinen Mitspieler Mladen Krstajic) heute mangels Beweisen eingestellt. Bordon bestritt den von “Bild” erhobenen Vorwurf. Der Manager von Schalke 04, Andreas Müller, sagte, die als Beweismittel ausgewerteten Fernsehbilder hätten deutlich gemacht, “dass Marcelo absolut nichts gesagt hat, was als Beleidigung aufgefasst werden kann. Er hatte sich völlig unter Kontrolle.”

Für die Fußballzeitung “Kicker” ging es in dem Verfahren gegen die Schalker Spieler heute auch um eine grundsätzliche Frage. Der “Kicker” kommentierte (noch vor der Entscheidung):

Sicher, der Kontrollausschuss muss ermitteln, wenn Bild titelt: “Bordon beleidigt Schiri als Hure.” Und wenn aus Krstajics Aussage “zum Schluss haben wir neun gegen 14 gespielt” ein “klarer Vorwurf der Parteilichkeit” abgeleitet wird. Dass Krstajic Referee Lutz Wagner bei dessen erwiesenen Fehlentscheidungen damit Absicht unterstellte, ist freilich ebenso konstruiert wie Bordons Attacke.

Als Bordon und Kollegen Richtung Kabine stapften, fiel aus deren Kreis das Wörtchen “puta”, das “Hure” bedeutet. Wem der Fluch und ob er überhaupt einem konkreten Adressaten galt, bleibt Interpretation. (…) Der Tatbestand der Beleidigung lässt sich so nicht erfüllen. Konkretere Angriffe auf Unparteiische gab es schon zuhauf, die nur nicht Gegenstand journalistischer “Anklage” wurden. (…) Der Ausgang des “Falls” Bordon/Krstajic beantwortet also auch die Frage, ob im deutschen Fußball die Gewaltenteilung zwischen Medienmacht und Sportgerichtsbarkeit weiter intakt ist.

Die Einstellung der Verfahren gegen die Schalker Spieler war nicht die einzige Niederlage, die “Bild” heute vor dem Sportgericht erlitt. Der Kontrollausschuss stellte auch das Verfahren gegen den Trainer des VfL Osnabrück, Claus-Dieter “Pele” Wollitz, ein. Der DFB teilte mit:

Wollitz stand unter dem Verdacht, sich unsportlich geäußert zu haben. In einer Stellungnahme an den Kontrollausschuss bestreitet er diesen Vorwurf.

Auch in diesem Fall war es die “Bild”-Zeitung, die den Verdacht geäußert hatte (natürlich auch in diesem Fall als Tatsachenbehauptung) und die Ermittlungen des DFB auslöste. Sie berichtete gestern unter der Überschrift “Ganz übel! Wollitz beschimpft Oral” über einen Auftritt Wollitz’ vor den Kameras des DSF:

Im gleichen Filmausschnitt wütet der herum und schreit in Richtung FSV-Trainer Tomas Oral “Was ist das denn für’n Wichser?”. Der Ausschnitt liegt BILD vor.

Uns auch (Szene ab 6:00), nur wären wir uns nicht so sicher, das Wollitz darin das sagt, was “Bild” sagt, was er sagt. Und der DFB erklärte nun bündig:

Nach Auswertung der vorliegenden Beweismittel hat sich der Tatverdacht nicht bestätigt.

Mit Dank an Joern T., Torsten B., Tobias L. und Irene!

“Nur” im Sinne von “auch”

Wenn Schalke 04 heute Abend im Uefa-Cup gegen APOEL Nikosia antritt, wird das Fußballspiel hierzulande nicht im Fernsehen zu sehen sein. Und bei Bild.de ebenso wenig. Obwohl es dort immerhin einen Live-Ticker gibt, wie Bild.de vollmundig ankündigt:

"Nix TV! Schalke nur bei BILD.de"

“Nur” ist hier indes im Sinne von auch zu verstehen. Denn einen Live-Ticker gibt es beispielsweise bei sport1.de

…bei t-online.de

… oder bei sportal.de

… und sicher auch noch woanders. Besonders hervorzuheben wäre vielleicht noch diese ominöse Seite:

Mit Dank an Bernd V. und HerrSalami für den sachdienlichen Hinweis.

Nachtrag, 0:30 Uhr. Er war dann aber doch etwas Einmaliges, der Live-Ticker von Bild.de. Reporter Peter Wenzel kann nämlich in die Zukunft sehen. Unmittelbar nach Ende des Spiels berichtete er:

Nach dem lockeren Kick gegen Nikosia war die Rückreise für die Schalker Profis umso anstrengender. Busfahrt zum Airport Larnaca. Von dort vier Stunden im Flieger nach Münster. Eine kurz Nacht nach erfolgreichem Spiel.

Mit Dank an Pierre!

Du sollst nicht stehlen

Stolz präsentiert die “Bild am Sonntag” in der Rubrik “Die ‘BamS’-Leser wussten es zuerst!” allwöchentlich, welche Medien nach Auffassung der “BamS” Themen aus der “BamS” aufgriffen. Motto:

Wer BILD am SONNTAG liest, weiß schon am Sonntag, worüber in anderen Medien erst später berichtet wird.

"Klopp: Ich rede jeden Tag mit Gott"Manchmal wissen “BamS”-Leser indes auch erst viel später, worüber in anderen Medien schon viel früher berichtet wurde. So “verrät” der Fußballtrainer Jürgen Klopp gestern in einem “BamS”-Artikel von Joachim Schuth (siehe Ausriss) fast wörtlich dasselbe, was er vor fast drei Monaten bereits im Interview mit Gottfried Sohl der Internetseite “Unsere Kirche in Westfalen und Lippe” (“UK”) erzählt hat:

Klopp heute in der “BamS”: Klopp im Juni im “UK”-Interview:
“[Der Glaube] ist mein roter Faden durchs Leben”, sagt [Klopp], “neben den Menschen in meinem engsten Umfeld das Wichtigste überhaupt.” “Neben den Menschen in meinem engsten Umfeld [spielt der Glaube] die wichtigste [Rolle in meinem Leben]. (…) Mein roter Faden durchs Leben ist mein Glaube, ganz klar!”
“Ich rede täglich mit Gott”, versichert er, “Beten ist ein wichtiger Bestandteil meines Christseins.” “Beten ist ein wichtiger Bestandteil meines Christseins, ganz klar!”.
Zwar beteiligt er sich nicht an Bibelkreisen oder ähnlichen Dingen, die fromme Kicker schon mal gerne auf die Beine stellen. “Ich mache auch nicht mit bei Gebetstreffen, Bibelkreisen und solchen Dingen, die fromme Kicker schon mal gerne auf die Beine stellen.”
Doch Klopp gibt offen zu: “Auch wenn ich manchmal tagsüber so viel zu tun habe, dass ich im Abendgebet einschlafe. Auf alle Fälle beende ich jeden Tag mit einem Gebet.” “Auch wenn ich manchmal tagsüber so viel zu tun habe, dass ich im Abendgebet einschlafe. Auf alle Fälle beende ich jeden Tag mit einem Gebet (…).”
Bereits als kleiner Junge wurde er sonntags von seiner Oma mit in die Kirche genommen. “Sie ist dort regelmäßig eingeschlafen”, erinnert er sich grinsend. “Meine Oma hat mich sonntags mit in die Kirche genommen und ist dort regelmäßig eingeschlafen.”
Aber ihn selbst hat schon damals fasziniert, wie schnell man in der Kirche zur inneren Ruhe kommt. Auch wenn er heute nur noch selten wegen der zeitlichen Überschneidung mit dem Fußball einen Gottesdienst mitfeiern kann (…) “Leider [gehe ich] nicht [regelmäßig in die Kirche], weil die zeitliche Überschneidung zwischen Gottesdienst und Fußball doch enorm ist. (…) Was ich in der Kirche total mag, ist die innere Ruhe, die man da findet.”
“Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt bei Gott zu bedanken. Aber auch in Phasen, in denen es mir nicht immer so gut ging, war mein Glaube gleich stark.” “Grundsätzlich gibt es in meinem Leben unglaublich viele Gründe, mich im Minutentakt zu bedanken. Aber es ging mir nicht immer so gut, und trotzdem war mein Glaube immer gleich stark.”
Mit dem Begriff “Fußballgott” kann der 41-Jährige allerdings nichts anfangen. Eine unpassende Wort-Symbiose, bei der ihm eher unwohl wird: “Es gibt so viel wichtigere Dinge als Fußball. Gott hat dementsprechend mehr zu tun, als sich um Fußball zu kümmern.” “Ich fühle mich mit dem Begriff [Fußballgott] eher unwohl. Denn (…) es gibt viel wichtigere Dinge als Fußball. Und dementsprechend kümmert sich Gott um alles.”
Klopp würde deshalb auch nie in den Sinn kommen, vor einem schweren Spiel um den Sieg zu beten. Er sagt: “Ich bitte ihn nur um Kraft und Besonnenheit, die Dinge richtig einzuschätzen und anzugehen.” “Aber ich bete nie um den Sieg im Fußball, sondern um Kraft, um Besonnenheit, um die notwendige Ruhe, die Dinge richtig einzuschätzen. Aber nicht darum, dass wir gewinnen.”

Und obwohl also quasi der gesamte “BamS”-Text aus dem “UK”-Interview abgeschrieben ist, und es keine Vereinbarung mit “UK” gibt, wie man uns dort mitteilt, erwähnt die “BamS” ihre Quelle mit keinem einzigen Wort.

Mit Dank an Frank E. für den sachdienlichen Hinweis.

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1. “Der PR fehlt ein Link”
(georgholzer.at)
Georg Holzer erklärt, wie er mit unerwünschter und unangebrachter PR umgeht: “Jeder Absender, der mir ab jetzt irrelevante Aussendungen schickt, landet im Spam-Filter.” Nicht davon betroffen sind Informationen, die man ein für alle mal mit einem leicht aufzufindenden Unsubscribe-Link abbestellen kann. “Ist so eine Kleinigkeit im Sinne eines guten Miteinanders von Journalismus und PR zu viel verlangt? Ich glaub nicht.”

2. “N24 simuliert die eigenen Zuschauer”
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Peer Schader hat einen starken Verdacht, dass nicht alle Teilnehmer der N24-Sendung “Debatte 2.0″ echt sind.

3. “Schall und Rauch”
(flashfrog.wordpress.com)
Flashfrog bringt etwas Klarheit in die Begriffe “Realname”, “Pseudonym” und “Anonymität”.

4. “Was erlaube´ DFL!”
(freitag.de, Katrin Schuster)
“Fußballspiele sind besser vor medialem Missbrauch geschützt als jeder Mensch.”

5. “Der journalistische Schein”
(blog.handelsblatt.de/indiskretion, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer fragt sich, was für ein Mehrwert ein Korrespondent bietet, der in einer dem Ereignis nahe gelegenen Stadt Nachrichtenkanäle guckt.

6. “Auch Basler Zeitung will keine Links”
(blogdessennamenmansichnichtmerkenkann.com, ugugu)
Schon drei Wochen nach tagesanzeiger.ch hat nun auch baz.ch den Absatz, dass man “vorgängig eine ausdrückliche, schriftliche Bewilligung” benötigt, um einen Link auf ihr Internetangebot zu setzen, herausgenommen. Ohne die Intervention von Bloggern wären die Bedingungen vermutlich noch immer unverändert.

Wochenrückblick Nr. 34

Alphajournalist angegriffen, Journalisten geprügelt, Gebührengelder verscheuert und Jugendliche unter Sauf-Zwang: Unser Rückblick auf die 34. Kalenderwoche.

Bolt, Phelps, Steffen, Panzer: Die Bilder der Woche (Keystone)

Fast hätten wir hier die leicht geschmacklose Protestaktion vor der IOC-Zentrale in der Schweiz zum Bild der Woche gemacht – stattdessen entschieden wir uns doch lieber für drei fantastische Sportbilder von den Olympischen Spielen. Und den weißen Panzer, der vor dem Pressezentrum für Erinnerungsfotos posierte.

Michael Johnson, US-amerikanischer Leichtathlet, gemäss Wikipedia vierfacher Olympiasieger und neunfacher Weltmeister, musste sich von Johannes B. Kerner, Mitarbeiter des ZDF, fragen lassen, ob er eigentlich, so als Schnellster, nicht auch gedopt gewesen war. Johnson antwortete: “Das ist eine dumme Frage, auf die ich eigentlich nicht antworten möchte.” Später die Woche fand ein Fussball-Freundschaftsspiel statt, worauf Kerner kurz nach Deutschland und dann wieder nach China geflogen wurde. Was viele als eine Verschleuderung von Gebührengelder ansahen. Auf faz.net kommentierte ein Nutzer: “Kennt die ARD in ganz Deutschland keinen anderen Reporter, der ein Fußballspiel kommentieren kann? Sind wir so arm an Fachleuten?”. Wie stern.de zählte, wurden von den Öffentlich-Rechtlichen über 650 Mitarbeiter nach Peking eingeflogen. Im Vergleich: die BBC kam mit 450 Mitarbeitern aus.

Read On…

Aberglaube ist keine Hexerei!

Es war eine dieser Meldungen, die erschüttern: Viele Ehen, die in Las Vegas geschlossen werden, berichtete Bild.de in dieser Woche, halten nicht für immer.

Woran mag das liegen? Bild.de ist diese mögliche Erklärung eingefallen:

Liegt ein Fluch auf den Hochzeiten in Las Vegas?

Holla, darauf wären wir jetzt nicht gekommen. Aber dafür hat man ja Experten, dass sie einen warnen, vor Orten und Gegenständen, die verwunschen sind, von irgendeiner übersinnlichen Macht.

Und wir nutzen die Gelegenheit, als Service für unsere Leser die wichtigsten der potentiellen Flüche, über die “Bild” in diesem Jahr berichtete, in einer Übersicht zusammenzufassen:

Verflucht Name und Art des Fluchs
Bär Bruno “Liegt ein Fluch über dieser Bärenfamilie?” (zwei Jahre nach Bruno wurde auch sein Bruder erschossen)
Batman-Film “The Dark Knight” “Der Fluch des Batman-Films”
(zwei Tote, eine Festnahme, ein Horror-Unfall)
Bayern München “HSV-Fluch”
(kein Sieg in der Arena gegen Hamburg)
Beatles “Die Beatles haben einen Fluch, sie werden nie glücklich werden.”
Deutsche Olympioniken 2008 “Olympia-Fluch”
(keine Goldmedaillen für Deutschland)
Dieter Degowski, Gladbeck-Geiselnehmer “Über seiner Familie scheint seit seiner Tat ein Fluch zu liegen.”
(Vater gestorben, Mutter Hirnschlag, Bruder Selbstmord, keine Freunde)
Dirk Zingler,
Präsident 1. FC Union
“Erfurt-Fluch”
(mehrere Niederlagen)
Dustin Heun,
Stürmer 1. FC Union
“Erfurt-Fluch”
(keine Tore)
Günther Beckstein, Erwin Huber “Als laste ein Fluch auf den beiden ‘Provinzpolitikern’ (Stoiber)”
(ihnen “will nichts gelingen”)
Hertha BSC “Flutlicht-Fluch”
(keine Siege, wenn es dunkel ist)
Die Kennedys “Der Fluch der Kennedys”
(“Tragödien und Skandale, Trauermärsche und Särge”, sogar alte Männer werden krank)
Klimbim-Familie “LIEGT ETWA EIN FLUCH ÜBER DER KLIMBIM-FAMILIE?”
(traurige Schicksale)
Luca Toni “Torlos-Fluch”
Manuel Neuer, Torwart Schalke 04* “Erbt Neuer den Fluch von Pannen-Olli?”
(“mal Held, mal Depp”)
Michael Ballack “Vize-Fluch”, “Endspiel-Fluch”, “Final-Fluch”
(gewinnt kein Endspiel)
Nürnberger Zoo “Es ist, als ob ein Fluch auf dem Tiergarten liegt.”
(im Lauf von 8 Jahren sterben 4 Bären, 1 Giraffen-Junges, 7 Delfin-Babys, 1 Elefantendame, 1 Gepardin, 2 Eisbär-Babys, 1 Besucherin)
Renft, Popgruppe “Der Fluch über der ‘Renft’-Combo hält an.”
(mehrere Mitglieder sterben an Krebs, einer bei einem Autounfall)
Roger Federer, Tennisspieler “Paris-Fluch”
(noch nie die French-Open gewonnen)
Schalke 04 “Start-Fluch”
(kein Tor, nur Niederlagen in den Auftaktspielen der Champions League)
Spanische Fußballnationalmannschaft “Elfer-Fluch”
(verliert immer am 22. Juni das Viertelfinale bei einem großen Turnier im Elfmeterschießen)
Tour de France 2008 “Auf dieser Tour liegt ein Fluch!”
(“nach den Doping-Fällen der letzten Tage … gab es einen bösen Sturz”)
Tutanchamun “Fluch des Pharao”
Volleyballer vom SC Charlottenburg “Pleiten-Fluch”
(scheitern in der Vorrunde der Play-Offs)

*) Korrektur, 23.20 Uhr (mit Dank an die vielen Hinweisgeber): Verflucht, da hatten wir den Schalker doch zunächst tatsächlich versehentlich zum Bayern-München-Torwart gemacht. Sorry.

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1. “… und noch ein Schweizer Gratisblatt”
(tagesanzeiger.ch, David Vonplon)
“Ringier will die Lancierung von ’20 Minuten Friday’ kontern. Der Verdrängungskampf im Markt der Umsonstpresse spitzt sich zu.”

2. “Der Journalist hat immer das letzte Wort. Immer.”
(klartext.ch, Nick Lüthi)
Ursula Haller, Präsidentin der neu gegründeten schweizer Partei BDP, über ihr Verhältnis zu Journalisten: “Ich pflege grundsätzlich ein relativ gutes Verhältnis zu den Journalisten. Das hat aber nie etwas mit Anbiedern zu tun. Denn der Journalist und ich wissen: Wir können noch so gut miteinander auskommen, wenn ich aber einen politischen Fehler mache, muss ich damit rechnen, dass der gleiche Journalist, mit dem ich am Vorabend noch gemeinsam einen Teller Spaghetti gegessen habe, am nächsten Tag bitterböse über mich schreiben kann.”

3. “Klinsmann verstärkt die Homepage der Bayern”
(faz.net, Christian Kamp)
“Bis auf wenige Ausnahmen bieten die Klubs der Fußball-Bundesliga auf ihren Internetseiten auch Fernsehbeiträge in eigener Sache an. Journalismus durch die Vereinsbrille oder Zusatzangebot für Fans?”

4. “‘Newsnetz’-Zynismus”
(medienspiegel.ch, Martin Hitz)
Bazonline.ch titelt eine Story zur Todesstatistik an einem schweizer Berg tatsächlich mit “Das Matterhorn – gefährlicher als ein Irakeinsatz“.

5. “Verflixt, diese Splitscreens”
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
Wo befindet sich Peter Klöppel? In Köln oder in Peking?

6. “Herr Federer, ein Mensch”
(arlesheimreloaded.ch, Manfred Messmer)
“Man kommt ja an den Spielen nicht vorbei. Wenn man sich wie ich mit Tagesschau- und Durchzäpphäppchen begnügt, fallen einem so wesentliche Dinge wie der Körperbau dieser Randsportathleten auf.”

“Bild” schreibt Rechtschreibreform wieder mit Schl

Wegen Rechtschreibreform machen Schüler mehr Fehler

Der erste Satz des Artikels von der gestrigen “Bild”-Titelseite ist ein Rückfall in alte Zeiten.

Die 2005 verbindlich eingeführte “Schlechtschreibreform” hat den Schülern das Leben nicht leichter gemacht, sondern schwerer!

“Schlechtschreibreform” hatte “Bild” die Rechtschreibreform zwischen 2004 und 2006 genannt — also in dem Zeitraum, in dem sie die Änderungen, die sie 1997 begrüßt und 1998 selbst übernommen hatte, massiv und vergeblich bekämpfte und zeitweise sogar zur alten Rechtschreibung zurückkehrte.

Doch so ein Kulturkampf hinterlässt Spuren. Und wenn wegen einer solchen Reform nun die Schüler tatsächlich mehr Fehler machen als vorher, war sie sicher mehr schlecht als recht.

“Bild”-Redakteur Hans-Jörg Vehlewald bezieht sich auf die Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS), die er immerhin zu Recht “reformkritisch” nennt, und schreibt:

Die Fehlerquote in Aufsätzen und Diktaten hat sich teilweise massiv erhöht. So stieg die Zahl falsch geschriebener Wörter in Aufsätzen (4. Klasse) um 80 %, in Diktaten der Unterstufe (Gymnasium) um 110 %, in Abituraufsätzen sogar um 120 % im Vergleich zu früheren Jahrgängen.

Die Fehlerzahl bei s-Lauten habe sich etwa verdoppelt, so die Auswertung vorliegender Studien. Bei Groß- und Kleinschreibung sei die Fehlerquote gar um 176 % angestiegen.

Das sind große Prozentzahlen — eindrucksvoll und ohne jede Aussagekraft, wenn man nicht dazu schreibt, worauf sie sich beziehen. Der Preis der “Bild”-Zeitung zum Beispiel ist um 566 Prozent gestiegen! (Verglichen mit 1965.) Was “Bild” nur als “frühere Jahrgänge” verbrämt, ist in Wahrheit entscheidend: Bei den Diktaten der Unterstufe handelt es sich konkret um die Jahre 1970/1972. Und um festzustellen, dass die Zahl falsch geschriebener Wörter in Abituraufsätzen “sogar um 120 %” gestiegen ist, hat die “Studie” deutsche Zahlen von 2000-2002 mit Schweizer Zahlen von 1962-1978 verglichen.

Der Linguist Anatol Stefanowitsch weist im FDS-kritischen Bremer Sprachblog darauf hin, dass es in den siebziger Jahren radikale Reformen im Deutschunterricht gab, die einen “drastischeren Einschnitt” in die Ausbildung von Schülern darstellte als die sogenannte Rechtschreibreform, und urteilt:

Es gibt deshalb keinen Grund anzunehmen, dass die Unterschiede bei den Fehlerquoten in Schülerdiktaten von damals und heute irgendetwas mit der Rechtschreibreform zu tun haben. Genausogut könnte man die Unterschiede auf die Ölkrise 1973, den Boykott der Olympischen Spiele in Moskau 1980, den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1990 oder Roman Herzogs “Ruck”-Rede 1997 zurückführen.

Die Forschungsgruppe Deutsche Sprache selbst hat sich alle Mühe gegeben, diese Lücken in ihrer Argumentation zu verschleiern. Aber sowohl aus der am Montag veröffentlichten Kurzfassung der Studien, die offenbar die Grundlage für den “Bild”-Artikel ist, als auch aus einem Vortragsmanuskript ihres Autors Uwe Grund [pdf] hätte “Bild”-Redakteur Vehlewald erkennen können, dass seine Aussage “Wegen Rechtschreibreform machen Schüler mehr Fehler” nicht gedeckt ist.

Er hätte es natürlich wollen müssen.

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