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dapd  

Gemischtes Doppel (2)

Die Pressestelle des Hessischen Statistischen Landesamtes hatte offenbar bereits den einen oder anderen Clown gefrühstückt, als sie am Freitag diese Pressemitteilung veröffentlichte:

Mineralwasser für Mathematiker
Mineralwassererzeugung auf Rekordniveau

Nein, auch in Zukunft wird Mineralwasser natürlich nicht nur von Mathematikern getrunken. Doch in Hessen wurde 2011 so viel Mineralwasser getrunken, dass es dem Inhalt eines Würfels mit der Kantenlänge von knapp 114 Metern entspricht; eine Seite dieses Würfels hätte die Fläche von zwei nebeneinander liegenden Fußballfeldern, oder dem Inhalt einer Kugel mit dem Durchmesser von 141 Metern – der Durchmesser der Kugel hätte die Höhe des City-Hochhauses (früher Selmi–Hochhaus genannt) am Platz der Republik in Frankfurt am Main. Auf diese Weise lässt sich die in Hessen gewonnene Mineralwassermenge veranschaulichen.

Wem da noch nicht der Schädel brummte, der bekam anschließend noch ein paar konkretere Informationen zu lesen, wie etwa diese hier:

Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes haben die hessischen Quellenbetriebe im Jahr 2011 insgesamt 1,467 Milliarden Liter natürliches Mineralwasser gewonnen, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor.

Leider geriet die Pressemitteilung nicht nur in die Hände von Mathematikern, sondern auch an den Hessischen Landesdienst der Nachrichtenagentur dapd.

Und der machte einen durchaus beliebten Denkfehler:

Die hessischen Quellbetriebe haben im vergangenen Jahr fast doppelt so viel Mineralwasser gewonnen wie im Jahr zuvor. Mit 1,467 Milliarden Litern wurde ein Plus von 42 Prozent verzeichnet, wie das Statistische Landesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Mit Dank an Alan Smithee.

Bild am Sonntag, UEFA, Bottrop

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Verlag muss wegen werblicher Vereinnahmung fiktive Lizenz für Veröffentlichung eines Promi-Fotos zahlen”
(beck-aktuell.beck.de)
2008 zeigte die “Bild am Sonntag” Gunter Sachs beim Lesen dieser Zeitung, worauf Sachs den Axel-Springer-Verlag verklagte. Nun fällte der Bundesgerichtshof sein Urteil. “Der beklagte Verlag könne sich demgegenüber nicht auf ein überwiegendes Informationsinteresse berufen. Vielmehr habe das Persönlichkeitsrecht des Klägers Vorrang gegenüber dem nur als gering zu veranschlagenden Interesse der Öffentlichkeit an der Neuigkeit, dass der Kläger auf seiner Jacht die Zeitung ‘Bild am Sonntag’ liest. Dabei sei auch berücksichtigt worden, dass der beklagte Verlag mit der Veröffentlichung des Fotos in unzulässiger Weise in die Privatsphäre des Klägers eingegriffen habe.”

2. “Die Herren des Weltbilds”
(faz.net, Harald Staun und Peter Körte)
Ein Ausblick auf die Fußball-Europameisterschaft mit einer Analyse der UEFA-Reglemente: “Alles ist mehr oder minder klar geregelt: Wann und wie oft etwa während des Spiels Zeitlupenwiederholungen gesendet werden, wie lange der Jubel auf den Rängen dauert, in welchen Spielsituationen ein Umschnitt von der Totalen in die Halbnahe fällig wird.”

3. “Der Igel frisst keine Artikel”
(sueddeutsche.de, Heribert Prantl)
Wenn das geistige Eigentum konsequent geschützt werde und geschützt bleibe, könne man auf ein zusätzliches Leistungsschutzrecht verzichten, schreibt Heribert Prantl in einem historischen Exkurs zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Es soll Leistungen honorieren, die nicht dem Urheberrecht unterliegen. (…) Wer die Informationsfreiheit verteidigen will, darf das Leistungsschutzrecht ablehnen. Das Urheberrecht muss er verteidigen, weil es den kenntnisreichen und geistreichen Umgang mit Information schützt.”

4. “Toter Bottroper Rocker – Presse berichtet fast richtig über Bottroper Verhältnisse”
(bottblog.de, Werner Boschmann)
Werner Boschmann liest verschiedene Berichte zu einem in Bottrop tot aufgefundenen Mann.

5. “Skizze für die Zeit nach ARD und ZDF”
(vocer.org, Lorenz Matzat)
Lorenz Matzat malt sich aus, wie eine “neu geschaffene öffentlich-rechtliche Internet & Medien Anstalt IMA” aussehen könnte.

6. “Günter Grass – Was gesägt werden muss”
(welt.de, Hans Zippert)

Ohne Ljajic fahr’n wir zur EM

Sinisa Mihajlovic, neuer Trainer der serbischen Fußballnationalmannschaft, hat seinen Mittelfeldspieler Adem Ljajic aus dem Kader geschmissen, weil der vor einem Testspiel am Samstag nicht die serbische Nationalhymne hatte mitsingen wollen. So berichteten es am Montag die Deutsche Presseagentur (dpa) und der Sportinformationsdienst (sid).

Bild.de veröffentlichte die dpa-Meldung im Newsticker und versah sie mit einer neuen Überschrift:

Hymne nicht gesungen - EM-Aus für Serben Ljajic

Es ist nicht falsch, dass Adem Ljajic nicht bei der EM spielen wird — nur hat das nichts mit den Ereignissen vom Samstag zu tun: Die gesamte serbische Nationalmannschaft hatte sich schlichtweg nicht für das Turnier qualifizieren können.

Mit Dank an Marc S.

Heute, Studenten, Waffen

6 vor 9

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1. “Zwischen Gravitas und Hopsasa”
(tagesspiegel.de, Bernd Gäbler)
Bernd Gäbler vergleicht die ZDF-Newssendung “Heute” mit anderen Fernsehnachrichten: “Das Studio soll hochmodern anmuten, aber die Moderatoren bewegen sich darin wie gelenkt. Sie tun so, als redeten sie mit dem Korrespondenten in Berlin oder Brüssel, dabei werfen sie ihm nur eine Eingangsfrage hin, damit er dann mit seinem Solo loslegen kann.”

2. “Mediale Machtkämpfe”
(dradio.de, Adalbert Siniawski)
Deutsche und polnische Medien vor der Fußball-Europameisterschaft 2012: “Sowohl die ‘Bild’ und auch die ‘Fakt’ gehören zum deutschen Springer-Verlag. Kritiker mutmaßen: Die Zeitungen spielen sich grenzüberschreitend die Bälle zu, um ihre Auflagen zu steigern.”

3. “Man kann Medien nicht trauen. Social Media aber vielleicht schon”
(crowdmedia.de, sven)
Sven erinnert an das Bundesliga-Relegationsspiel vom letzten Dienstag, “die Schande von Düsseldorf”: “Wenn sozialen Medien gerne die Gefahr der Filter Bubbles unterstellt wird, dann kann ich konstatieren, dass klassische Medien dieser Gefahr mindestens genauso unterliegen. Wenn ich nur aus ARD Brennpunkt, Mopo oder Kicker Informationen ziehe, dann könnte ich mich fragen, ob Düsseldorf Raub der Flammen und des Mobs geworden ist.”

4. “Swedish tabloid editor guilty of weapons crimes”
(thelocal.se, englisch)
Schwedische Journalisten müssen wegen Verstoß gegen das Waffengesetz Bußgelder in der Höhe von mehreren tausend Euro bezahlen. Sie kauften eine Pistole, um aufzuzeigen, wie leicht man an eine illegale Waffe herankommt. “According to the ruling, the court reasoned that possession of the weapon amount to taking a conscious risk with the aim of creating news.”

5. “Ihr wollt nicht hören, sondern fühlen”
(zeit.de, Christiane Florin)
Dozentin Christiane Florin schreibt an ihre Studenten, denen sie Politikwissenschaft nahe zu bringen versucht: “Warum studiert ihr eigentlich dieses Fach, wenn ihr euch gar nicht für Politik interessiert? Wenn euer Politikbegriff nicht über das hinausreicht, was Spiegel Online zur Politik erklärt?”

6. “Extremer Computer-Nerd träumt sogar digital”
(kojote-magazin.de)

Horrornacht, Zappen, Schweizer Fernsehen

6 vor 9

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1. “Warum wir abgelehnt haben”
(netzwerkrecherche.de, Nicolas Richter)
Netzwerk Recherche bildet die “Debatte um den Henri-Nannen-Preis” ab. Nicolas Richter hat den Preis abgelehnt: “Ich möchte nicht mit einem Blatt geehrt werden, das im Privatleben von Prominenten oder Halbprominenten wildert, das die Schwächen oder Fehltritte von Schauspielern und anderen Sternchen ausnutzt, um an sogenannte Exklusiv-Interviews zu gelangen.”

2. “Eine hochgeschriebene Horrornacht”
(tagesschau.de, Patrick Gensing)
Fußball: Beim Relegationspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha Berlin strömen Zuschauer vor Spielende auf den Rasen, was von vielen Medien als “eine Schande für den Fußball, eine Katastrophe, die Horrornacht von Düsseldorf” eingeschätzt wird. “Mitnichten ist es, wie heute immer wieder behauptet wird, das erste Mal, dass feiernde (!) Fans kurz vor Spielende den Platz stürmten. Das ist bereits mehrfach passiert, in Köln, St. Pauli und Duisburg beispielsweise. In keinem dieser Fälle, allesamt aus den 1990er Jahren, war danach von einer Schande die Rede, angenehm unaufgeregt reagierten die Kommentatoren damals.” Siehe dazu auch “Mega-Skandal, wo eigentlich?” (nordbayern.de), “gedanken zum relegations-abend in düsseldorf” (popkulturjunkie.de) und “Peinliche Sauerei: Fortuna Düsseldorf erleidet vorzeitigen Fanerguss” (der-postillon.com).

3. “Offener Brief auf den Kommentar von Herrn Franzke vom Kicker 16.5.”
(eintracht.de, concordia-eagle)
Der Kommentar “Es helfen nur noch strengste Sanktionen” (kicker.de) in der Detailkritik.

4. “Ein Drink an der Bar mit Annina Frey”
(punktmagazin.ch, Christian Nill)
Das Schweizer Fernsehen untersagt die Veröffentlichung eines langen Gesprächs mit Annina Frey, seit 2007 Moderatorin der Sendung “Glanz & Gloria”: “Über die Gründe müssen wir den Mantel des Schweigens legen.”

5. “Knopf hoch!”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Andreas Bernard)
Andreas Bernard betont bei der “aussterbenden Kulturtechnik” des Zappens “das Aktive und Schöpferische” daran, schreibt gar von einer “Kunst des Zappens”: “Nach einem zerfahrenen Tag zurück in die Wohnung kommen, nach dem Einchecken im gesichtslosen Geschäftshotel einer unbekannten Stadt: Wie oft schon hat mir das Fernsehen die Gewissheit zurückgegeben, in der Welt zu sein.”

6. “Die schöne Seite der Kostenlosmentalität”
(perlentaucher.de, Thierry Chervel)
Thierry Chervel zum Appell “Wir sind die Urheber!”: “Es ist, als hätte sich die ganze tradierte Kulturwelt Deutschlands nach längerer Überlegung nun doch entschlossen, gegen den Medienwandel einzutreten.” Siehe dazu auch “Sie unterschreiben Erklärungen und offene Briefe, denn sie wissen nicht, dass sie bloggen könnten” (neunetz.com, Marcel Weiss) und “Eure Psychologisierung kotzt mich an” (katrinschuster.de).

dapd, Inflationsalarm, Dr. h.c.

6 vor 9

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1. “Herzlichst, Ihr JGauck”
(taz.de, Ilka Kreutzträger)
Die Nachrichtenagentur dapd hält die (inzwischen umgestaltete) Website praesidialamt.com für ein Blog von Joachim Gauck und meldet “Bundespräsident Joachim Gauck schaltet sich in Fall Salame ein”. “Bei der dapd heißt es, man sei der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen und habe die Authentizität des Blogs nicht ausreichend geprüft – wenig später wurde die Meldung zurückgerufen.” Siehe dazu auch “Falscher Gauck verwirrt Medien” (fr-online.de, Nadja Erb).

2. “Über die Verharmlosung des Springer-Blatts”
(taz.de, David Denk)
Die Verleihung des Henri-Nannen-Preises in der Kategorie “Investigation” an zwei “Bild”-Reporter (BILDblog berichtete). “Leyendecker hat sich unbeliebt gemacht, weil er mit dem Sprengen der Branchenfamilienfeier den KollegInnen ihre eigene Feigheit im Umgang mit Bild vor Augen führte. Wie sonst sind die Aggressionen zu erklären? Was hat er schon gemacht? Einen Preis abgelehnt, höflich, ohne Schaum vorm Mund.”

3. “Alarm in Deutschland – oder: Wie ich versehentlich den Euro erledigte”
(wirtschaftswunder.ftd.de, Thomas Fricke)
Thomas Fricke hält die “Bild”-Titelseitenschlagzeile “Inflationsalarm!” für übertrieben. “Damit es richtig kracht, kommt dazu bei ‘Bild’ noch eine ‘Billion-Mark-Note’ von 1923. Fertig. Aus. Euro kaputt. Alle arm. Jetzt komme ‘das dicke Ende der Finanz- und Eurokrise’, orakelt Bild-Großökonom Nikolaus Blome in angemessen schwachsinnigem Kommentar.”

4. “Wenn der Zuschauer fragt”
(sueddeutsche.de, Jens Schneider)
Fußball: Das Sat.1-Gewinnspiel fragte in den Werbeblöcken des Champions-League-Halbfinales, ob bei Real Madrid “di Maria oder der Josef” mitspiele. “Die Fragen seien natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen, wird erwähnt. Das allerdings stand zu befürchten, neu ist die Erkenntnis, dass die ran-Redaktion, also die für die Übertragung zuständige Sportredaktion von Sat1, auch von Zuschauern formulierte Fragen einsetzt. Die ‘Josef-und-Maria’-Frage beispielsweise stamme von einem Neunjährigen. Hätte man sich das denken können?”

5. “Die unbegründete Angst, Urheberrechtsverletzungen und rechtswidrige Webseiten”
(blog.odem.org, Alvar Freude)
Alvar Freude schreibt Unterstützer des Appells “Wir sind die Urheber!” an. “Ich möchte herausfinden, was sich die Urheber und der Initiator des Briefes wünschen.”

6. “Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro”
(scienceblogs.de, Alexander Gerber)

Kraftgate, Urheber, Öffentlichkeitsfahndung

6 vor 9

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1. “Kraftgate?”
(storify.com/handelsblatt)
Eine Spurensuche zur Frage, ob Hannelore Kraft bei Chefredakteuren von Regionalzeitungen interveniert hat, um eine unliebsame Berichterstattung zu verhindern.

2. “Wegen 700 Franken am Internetpranger”
(tagesanzeiger.ch, Pascal Unternährer und Pia Wertheimer)
Eine Überwachungskamera fotografiert jemanden, der einen Sachschaden in der Höhe von rund 580 Euro verursacht. Die Polizei stellt den Medien das Foto zur Öffentlichkeitsfahndung zur Verfügung. “Durch den Internetpranger sahen Tausende den Mann und sein Gesicht. Möglicherweise bleibt das Video für immer im Netz – und das bei einem Deliktsbetrag von 700 Franken. Ist das nicht übertrieben? Romann räumt ein, dass der Sachschaden relativ gering ist. Doch ging es der Polizei bei der Herausgabe des Filmmaterials vor allem um zwei Dinge: den Täter ermitteln und abschrecken.”

3. “Wir auch.”
(ueberschaubarerelevanz.wordpress.com)
Eine Analyse des von über 100 “Autoren und Künstlern” unterzeichneten Aufrufs “Wir sind die Urheber!”, der sich gegen einen “Diebstahl” von “geistigem Eigentum” einsetzt.

4. “Die Fußball-Flüsterer”
(tagesspiegel.de, Katrin Schulze)
Die Assistenten der Fußball-Live-Kommentatoren: “Seit der Jahrtausendwende hat nahezu jeder Kommentator bei Liveübertragungen einen Hintermann. Quasi einen Experten neben dem Experten, einen – für die Zuschauer – unsichtbaren Sidekick.”

5. “If Time Magazine’s new cover was honest”
(happyplace.com, englisch)

6. “Produktivität im Home Office”
(imgriff.com, Corinne Dubacher)
10 Anregungen, wie man zuhause produktiv sein könnte. Tipp 5: “Zuerst E-Mail checken und gleich beantworten. Dann zur ersten Aufgabe übergehen und diese konzentriert ausführen. Alle Töne am Computer und Handy ausschalten, damit man durch eingehende Nachrichten nicht gestört wird.”

Löw hält sich nicht an “Bild”-Wissen

Heute hat der DFB den vorläufigen Kader für die Fußball-EM in Polen und der Ukraine bekanntgegeben.

“Bild” war sich vorher sicher:

EM-Kader: Jogi holt den Tony

Nun: Am Mittag wurde der Kader vorgestellt und Tony Jantschke ist ebenso wenig dabei wie Patrick Helmes, den “Bild am Sonntag” gestern “fast sicher” nominiert wähnte.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Nachtrag, 20.20 Uhr: Zahlreiche Leser haben uns darauf hingewiesen, dass in dem “Bild”-Artikel oben noch ein Fehler steckt: Die Nominierungsfrist für den finalen Kader endet am 29. Mai, nicht – wie von “Bild” behauptet – am 25.

2. Nachtrag, 8. Mai: Das ist lustig: Auf Bild.de steht jetzt “Den endgültigen 23er-Kader muss er am 29. Mai der Uefa melden”.

sid  etc.

Zu viele Nullen

Für den Sportinformationsdienst sid ist es ein “‘Rentenvertrag’ der besonderen Art”, für 20min.ch ein “Vertrag bis übers Lebensende hinaus” und für Bild.de gleich “der verrückteste Vertrag der Fußball-Geschichte”.

Der isländische Fußball-Nationalspieler Gretar Steinsson hat einen “Rentenvertrag” der besonderen Art abgeschlossen. Weil sich im neuen Kontrakt mit dem englischen Erstligisten Bolton Wanderers eine Null zuviel eingeschlichen hat, bleibt der 30-Jährige bis zum Jahr 20.014 bei seinem Klub. Noch 18.002 Jahre.

Kurios, fürwahr. So kurios, dass man annehmen sollte, die britischen Medien machten groß mit dieser Geschichte auf. Doch es findet sich eigentlich nur eine einzige Quelle, aus der sid und die anderen Medien auch sämtliche Zitate für ihre Artikel zu haben scheinen: das Blog “Back of the Net” der britischen Fußballzeitschrift “FourFourTwo”.

“Back of the Net” ist laut Selbstbeschreibung “ein überraschend lustiges Fußballblog”, was ungefähr so viel bedeuten soll wie: ein Satireblog, in dem übertriebene und erfundene Geschichten drinstehen. Am Ende mancher Artikel schreibt die Redaktion sogar dazu, dass es sich nicht um ernsthafte Vorwürfe handle — aber leider nicht bei allen.

Gut, man hätte anhand der Zitate erahnen können, dass an dieser Geschichte was faul ist. So soll ein Verantwortlicher des Vereins gesagt haben:

“Wer hätte beispielsweise vor 18.000 Jahren gedacht, dass die Landbrücke zwischen Asien und Alaska heute nicht mehr existieren würde oder dass Menschen erfolgreich den Wolf domestizieren würden? Ich bin zuversichtlich, dass der Club über die nächsten 180 Jahrhunderte großes Kapital aus Gretars Erfahrung schlagen wird, besonders für die jüngeren Spieler.”

(Übersetzung von uns.)

Illustriert ist der Artikel übrigens mit diesem “Foto” vom Auswärtstrikot der Bolton Wanderers aus der Saison 20013/14:

Bolton

Und so läuft der Vertrag von Gretar Steinsson jetzt eben bis zum Jahr 20.014. Steinsson sollte damit in Rente gehen können, bevor die deutschsprachigen Medien den Witz verstanden haben.

Mit Dank an Herr Jemine.

Mario Basler, Spiegel, Hammer

6 vor 9

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1. “Als ‘Klickhure’ missbraucht”
(taz.de, Pascal Beucker)
Pascal Beucker entdeckt eine von ihm gestaltete Persiflage eines SPD-Plakats auf Zeitungs-Websites. Während Handelsblatt.de sich entschuldigt und das eigene Vorgehen als groben Fehler einstuft, löscht Bild.de das Bild kommentarlos.

2. “Super Mario gibt Gas”
(badische-zeitung.de, Peter Disch)
Fußball: Peter Disch feiert den Nicht-Abstieg des SC Freiburg mit der Erinnerung daran, dass “Bild”-Kolumnist Mario Basler dem Club im Januar 2012 den sicheren Abstieg prophezeit hatte. Basler schrieb: “Über Freiburg schreibe ich heute vielleicht zum letzten Mal in meinem Leben. Die steigen ab – und kommen so schnell auch nicht wieder.”

3. “Das ist der ‘Dilettant'”
(stern.de, Lutz Kinkel)
Ist das Foto auf dem aktuellen “Spiegel”-Titel gestellt oder nicht? “‘Das ist ein gestelltes Foto. Der Fotograf hatte mich gebeten, die Nein-Karte nochmal hochzuhalten’, sagt Engels. Das hört sich plausibel an, zumal er der Einzige ist, der seinen Arm reckt, die anderen Teilnehmer im Hintergrund sitzen einfach nur an ihren Tischen. Der ‘Spiegel’ bestreitet jedoch, Einfluss genommen zu haben. Der Fotograf habe gar nicht mit Engels gesprochen, sagt ‘Spiegel’-Sprecher Hans-Ulrich Stoldt. Und den Piraten auch zu nichts animiert. Aussage gegen Aussage.”

4. “Gesunde Tote”
(scienceblogs.de/gesundheits-check, Joseph Kuhn)
Joseph Kuhn denkt nach über die Meldung “Männer im Alter gesünder als Frauen” im “Deutschen Ärzteblatt”.

5. “Bedrucktes Papier”
(boschblog.de)
Bosch schreibt einen Artikel für “Der Freitag” und sieht einen Satz hineinredigiert, den er gar nicht geschrieben hat: “Ein solch hysterischer Ausrufesatz ist niemals meinem Kopf entsprungen und durch meine Finger geflossen. In meinem Blog gäbe es so etwas nicht, ich distanziere mich von diesem Satz.”

6. “Wo der Hammer auf Holz trifft”
(fernsehlexikon.de, Michael)

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