Am 30. Januar erschien in der britischen Boulevardzeitung “The People” eine Meldung, dass Kylie Minogue in ihrem neuen Video ein paar Zentimeter wachsen werde: Dank eines Computertricks werde sie auf ihren Wunsch hin statt 5 Fuß (1,52 Meter) dann 6 Fuß (1,83 Meter) groß erscheinen.
Heute, am 25. Februar, taucht die Meldung bei Bild.de auf:
Kylie (…) trällert plötzlich mit Modelmaßen ihren neuen Song.
Wie das Briten-Blatt “The People” berichtet, wurde Kylie mit Hilfe modernster Video-Technik gestreckt. So wurde aus dem 1,50 Meter “kleinen” Pop-Floh ein 1,80 Meter großes Super-Model gemacht. Damit erfüllten die Produzenten der Sängerin einen ihrer sehnlichsten Wünsche: Endlich lange Beine! Und sogar noch mehr Kylie-Knack-Po.
Das Deutschen-Blatt hat also die vier Wochen seit der Veröffentlichung in “The People” dazu genutzt, die Geschichte ein bisschen auszuschmücken. Es hat die vier Wochen nicht dazu genutzt, zu recherchieren, ob sie stimmt. Sie stimmt nicht. Jedenfalls nicht ganz.
Kylie wird, wie der Screenshot ahnen lässt und das Video eindeutig zeigt, nicht 1,80 Meter groß, sondern mindestens 2,50 Meter. Und das wäre nun relativ egal, wenn dadurch nicht auch der ganze Rest der “Bild”-Geschichte, all das mit den “Modelmaßen” und den lange lang gewünschten Beinen und dem XXL-Kylie-Knack-Po, als das entlarvt würde, was es ist: Quatsch.
Quatsch, den Bild.de bei “The People” abgeschrieben hat, und den “Focus Online” nun seinerseits bei Bild.de abschreibt, mit der Überschrift “Kylie plötzlich 1,80 Meter groß”, einem alten Foto und dem Bildtext: “Superlange Beine sind Kylies Traum”.
1. Streit um TV-Debatte: NDR wehrt sich gegen Vorwurf von CDU-Generalsekretärin (n-tv.de)
Der NDR habe Vorwürfe von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann zurückgewiesen, den CDU-Spitzenkandidaten Daniel Peters kurzfristig von einer TV-Debatte zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern ausgeladen zu haben. Hoppermann habe in einem Brief kritisiert, dass die Zuspitzung auf ein reines TV-Duell zwischen SPD und AfD den Wählerinnen und Wählern kein umfassendes Bild ermögliche. NDR-Chefredakteur Adrian Feuerbacher habe die Vorwürfe als haltlos bezeichnet und erklärt, dass das zweistufige Sendeformat bereits seit Monaten festgestanden habe und von allen Parteien vorab zugesagt worden sei.
2. Die Fehler häufen sich (t-online.de, Annika Leister)
In einem Kommentar für den Newsletter “Tagesanbruch” kritisiert t-online.de-Reporterin Annika Leister den gegenwärtigen medialen Umgang mit der AfD. Anhand von Beispielen wie dem “Spiegel”-Cover über Ulrich Siegmund oder Beiträgen im “Focus” beschreibt sie, wie Medien zwischen Dämonisierung und Bagatellisierung schwanken. Was helfen könnte: “die Rückbesinnung auf das journalistische Handwerk: mehr Recherche, weniger über Stöckchen springen.”
3. Den Stift nicht verbieten lassen (taz.de, Simone Schlindwein)
Die “taz” berichtet über eine weltweite Solidaritätskampagne für Ugandas prominentesten Karikaturisten und Regierungskritiker Jimmy Spire Ssentongo. Nachdem ein Gericht eine Geldstrafe von umgerechnet rund 7.000 Euro oder ersatzweise drei Monate Haft gegen den preisgekrönten Zeichner verhängt hatte, sammelten zivilgesellschaftliche Aktivistinnen und Aktivisten die Summe innerhalb von nur zwei Tagen. Der Fall verdeutliche den zunehmenden juristischen Druck auf Medienschaffende und Regierungskritiker in Uganda, zeige jedoch zugleich den starken Zusammenhalt und Widerstand der dortigen Zivilgesellschaft.
4. Früher Einstieg in Social Media wirkt sich möglicherweise langfristig schlecht auf Schulleistung aus (kinderaerzte-im-netz.de)
Eine im Fachjournal “Nature Human Behaviour” veröffentlichte Studie untersuche die Auswirkungen eines frühen Social-Media-Einstiegs von Jugendlichen auf deren schulische Leistungen. Die Analyse der Daten von über 5.000 Schülerinnen und Schülern zeige, dass eine frühe Anmeldung bei Plattformen wie TikTok oder Instagram, oft weit vor dem gesetzlichen Mindestalter, mit messbar schwächeren Leistungen in Mathematik und der Landessprache einhergehe.
Weiterer Lesetipp: Auf Facebook zeigt “Statista” einige Daten der aktuellen “DAK Mediensucht-Studie 2026”: “Die pathologische Nutzung sozialer Medien unter Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat sich seit 2019 mehr als verdoppelt.”
5. Wow: RTL Deutschland und das ungelöste Sky-Dilemma (dwdl.de, Thomas Lückerath)
In einer Analyse für “DWDL” beschäftigt sich Thomas Lückerath mit den komplexen strategischen Herausforderungen von RTL Deutschland nach der Übernahme des Pay-TV-Senders Sky. Mit dem schleichenden Abschied vom klassischen Sky-Receiver und dem Fokus auf reine Streamingangebote verschwimme die Abgrenzung zwischen den Angeboten, was bereits intern für Verwirrung sorge. Zudem bringe die Positionierung von Sky Stream als vollwertiger TV-Provider heikle Interessenskonflikte mit wichtigen Partnern wie der Deutschen Telekom mit sich.
6. Fake Medien: Das Gehirn merkt es, es sagt uns nur nichts (docma.info, Christoph Künne)
In einem Essay für “Docma” analysiert Christoph Künne anhand empirischer und neurowissenschaftlicher Studien, warum Menschen synthetische Medien kaum noch verlässlich von echten Inhalten unterscheiden können. Dies gelte, selbst wenn das Gehirn unterbewusste sensorische Abweichungen registriere. Für Journalistinnen und Journalisten sowie den Journalismus allgemein gewinne die verifizierbare Herkunft, Dokumentation und institutionelle Haftung für Inhalte an Bedeutung.
1. Tötung russischer Soldaten: FAZ bedauert Frage an Selenskyj (medien.epd.de)
Der Evangelische Pressedienst berichtet, dass die “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) sich von einer Formulierung ihres Korrespondenten Michael Martens distanziere. Bei einer Pressekonferenz habe Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, wie Europa der Ukraine helfen könne, “mehr russische Soldaten zu töten”. Der Vorfall habe heftige Reaktionen in den Sozialen Medien nach sich gezogen. Die “FAZ” bedauere die “missverständlich formulierte” Frage.
2. Wie KI Synchronsprecher bedroht (youtube.com, Filmriss, Video: 39:32 Minuten)
In diesem “Filmriss”-Video geht es um den Machtkampf zwischen der deutschen Synchronbranche und dem rasanten Vormarsch generativer Künstlicher Intelligenz. Bekannte Stimmen wie Charles Rettinghaus (unter anderem Jamie Foxx und Leornado DiCaprio), Giuliana Jakobeit (u. a. Keira Knightley) und Peter Flechtner (u. a. Ben Affleck) schildern die emotionale und handwerkliche Tiefe des Synchronschauspiels. Und sie kritisieren das ungefragte und oft rechtswidrige Training von Sprachmodellen mit ihren eigenen Stimmen.
3. Bahn frei für Bahn-Bashing? (taz.de, Ambros Waibel)
Die “taz” befasst sich mit zwei aktuellen ZDF-Dokumentationen über die Deutsche Bahn (“Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?” sowie “Das Deutsche-Bahn-Desaster”). Beide Dokumentationen zögen am Ende ein ähnliches Fazit: Das Desaster bei der Bahn fungiere als Sinnbild für die verfehlte Infrastrukturpolitik und den Zustand der gesamten Bundesrepublik. “taz”-Redakteur Ambros Waibel erwähnt dabei auch die juristische Auseinandersetzung zwischen der Bahn und dem ZDF über redaktionelle Korrekturen und Fragen der Pressefreiheit.
4. Wegen Fake News: Angriff auf Sanitäter in Rumänien (orf.at)
Der ORF berichtet über einen schwerwiegenden Zwischenfall in Rumänien, bei dem Rettungskräfte von einer bewaffneten Gruppe mit Äxten und Steinen angegriffen worden seien. Auslöser sei eine virale Falschnachricht auf TikTok gewesen, laut der Sanitäter in Krankenwägen angeblich kleine Kinder rauben würden. Der ORF-Beitrag thematisiert den konkreten Fall, aber auch die daraus resultierende Debatte über eine stärkere Regulierung und Identitätspflicht in Sozialen Netzwerken.
5. Der Fall Karl Anders und die Frankfurter Rundschau (journalistik.online, Alf Mayer & Horst Pöttker)
Alf Mayer und Horst Pöttker rekonstruieren das Verdrängen des Verlegers und Widerstandskämpfers Karl Anders aus der Geschichte der “Frankfurter Rundschau”. Anders habe das Blatt Mitte der 1950er-Jahre durch Kredite, kaufmännisches Know-how und den Aufbau des Druckgeschäfts vor dem Konkurs gerettet, sei jedoch nach einem Zerwürfnis mit Mitherausgeber Karl Gerold aus der offiziellen Zeitungschronik gestrichen worden. Die beiden Autoren diskutieren darüber, inwiefern das Ausblenden relevanter Fakten aus der eigenen Hausgeschichte eine Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten darstellt.
6. Mein bester Freund ist Bollywood-Star (ardmediathek.de, Samuel Häde, Video: 34:00 Minuten)
Die “Y-Kollektiv”-Doku wirft einen Blick auf die Milliarden-Industrie Bollywood: “Y-Kollektiv-Reporter Samuel Häde begleitet seinen besten Freund und Bollywood-Schauspieler Anant Joshi exklusiv durch seinen Alltag – und trifft die deutsche Schauspielerin Lisa-Marie Spiegel, die in Mumbai vom Durchbruch träumt. Er erlebt hautnah, welchen Hype Bollywood-Stars in Indien auslösen und wirft einen Blick hinter die Kulissen auf die Menschen, die die Traumfabrik unter harten Arbeitsbedingungen am Laufen halten.”
1. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer braucht einen Masterplan (djv.de, Gina Schad)
Gestern verkündete der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass Wolfram Weimer, einst Chefredakteur der “Welt” und des “Focus”, Kulturstaatsminister werden soll. Der Deutsche Journalisten-Verband kommentiert Weimers Ernennung: “Durch seinen beruflichen Hintergrund als Verlagsmanager kennt Wolfram Weimer den Hintergrund privater Medienhäuser. Wir hoffen daher, dass er sich für eine zukunftsweisende Journalismusförderung einsetzen wird, der Qualitätsjournalismus in der Fläche garantieren wird und nicht auf eine reine Subventionierung der Zustellung von Printprodukten setzt.”
Weiterer Lesetipp: In der “taz” konstatiert Dirk Kniphals: “Droht also jetzt ein rechter Kulturkampf von der Spitze des Kulturstaatsministeriums aus? Es spricht tatsächlich viel dafür, dass Weimer geholt wird, um es den Linken, den ‘Gutmenschen-Bevormundern und moralischen Besserwissern’, wie er im Vorwort zu seinem Buch formuliert, zu zeigen. Avancierte, emanzipative und popkulturelle Ansätze müssen sich auf Gegenwind einstellen.”
2. Der RBB wird sein Problem mit hohen Ruhegeldern nicht los (dwdl.de, Uwe Mantel)
Der RBB sei vor Gericht mit dem Versuch gescheitert, die hohen Ruhegeldzahlungen an eine ehemalige Programmdirektorin einzustellen, und müsse der Frau weiter monatlich über 8.000 Euro Ruhegeld zahlen. Der öffentlich-rechtliche Sender habe erfolglos argumentiert, die Verträge seien sittenwidrig und würden wegen der enormen Gesamtsummen ein “wucherähnliches Rechtsgeschäft” darstellen.
Weiterer Lesetipp: In seinem Kommentar beim “Tagesspiegel” fragt Joachim Huber: “Ist nun moralisch fragwürdig, was rechtlich zulässig ist? Das muss die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, das muss Claudia Nothelle für sich entscheiden.”
3. Warum es für Alphabet, Meta & Co. eng werden könnte (netzpolitik.org, Tomas Rudl)
Tomas Rudl beschreibt, wie große Technologiekonzerne durch kartellrechtliche Untersuchungen und Gerichtsverfahren immer stärker unter Druck geraten. Insbesondere Alphabet (Google) drohe nach den jüngsten Urteilen die Zerschlagung. Rudl erläutert auch die politische Dimension dieser Verfahren, in denen Republikaner wie Donald Trump und JD Vance die Konzerne nicht nur wirtschaftlich, sondern auch ideologisch ins Visier nähmen.
4. Newsletter Netzwerk Recherche 244 (netzwerkrecherche.org, Stefanie Dodt)
Wie immer eine Empfehlung wert, nicht nur für investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten: der Newsletter des Netzwerk Recherche. Die aktuelle Ausgabe beginnt mit Überlegungen von Stefanie Dodt, warum Redaktionen ihre Rechercheobjekte nicht erst kurz vor der Veröffentlichung konfrontieren sollten, und wie ein frühzeitiger Dialog zu mehr Vertrauen führen kann. Außerdem gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.
5. Urteil: Medienwächter dürfen Pornoplattformen sperren lassen (digitalfernsehen.de, Florian Pötzsch)
Das Verwaltungsgericht Berlin habe entschieden, dass die Medienanstalt Berlin-Brandenburg berechtigt sei, Internetanbieter zur Sperrung der deutschsprachigen Pornoseiten “Pornhub” und “Youporn” zu verpflichten, da deren Betreiberin “Aylo Freesites” jahrelang Jugendschutzauflagen ignoriert und finanzielle Interessen über rechtliche Vorgaben gestellt habe. “Aylo Freesites” könne gegen diese Entscheidung noch Rechtsmittel beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einlegen.
6. Filmtipp: Good News (verdi.de, Jürgen Kiontke)
Jürgen Kiontke empfiehlt “Good News”, einen Spielfilm von Hannes Schilling über den Journalisten Theo, der unter beruflichem und finanziellem Druck eine Reportage über Rebellen in Südthailand erfindet. Der Film reflektiere kritisch, aber empathisch, über die Isolation von Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten in gefährlichen Gebieten, den Druck und die Gefahren im Journalismus und erinnere dabei an reale Fälle wie den von Claas Relotius.
1. Große Bühne für die AfD (taz.de, Andreas Speit)
Trotz Kritik würden die öffentlich-rechtlichen Sender an dem Plan festhalten, AfD-Politikerinnen und -Politikern in Sommerinterviews eine Plattform zu bieten. So auch der NDR, der seine Entscheidung für ein Interview mit dem Hamburger AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann mit dem Argument verteidige, er müsse alle im Parlament vertretenen Parteien gleichbehandeln. Von Kritikern werde dies als Verharmlosung extremistischer Tendenzen der AfD gewertet. Das Interview mit Nockemann sei wegen angekündigter Demonstrationen allerdings aus dem öffentlichen Raum ins Funkhaus verlegt worden.
2. Eigene ZDF-Sendung für “Focus”-Kolumnist Jan Fleischhauer? (dwdl.de, Alexander Krei)
Wie “DWDL” unter Berufung auf einen “Spiegel”-Artikel (nur mit Abo lesbar) berichtet, führt das ZDF offenbar Gespräche mit dem “Focus”-Kolumnisten Jan Fleischhauer über eine mögliche eigene Sendung, die konservativen Stimmen mehr Raum geben soll. Geplant sei ein Talkformat, in dem Fleischhauer mit verschiedenen Gästen diskutieren soll, möglicherweise noch in diesem Jahr als Pilot für die ZDF-Mediathek. Zuvor hatte Fleischhauer eine ähnliche Sendung beim schwerrechten Online-Portal “Nius” geplant, jedoch kurz vorher einen Rückzieher gemacht.
3. Warum musste die Kritik an der “Geheimplan”-Recherche sein? (uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 30:03 Minuten)
Ende Juli erschien bei “Übermedien” eine kritische Auseinandersetzung mit der Potsdam-Recherche von “Correctiv” (“Geheimplan gegen Deutschland”), die ihrerseits Kritik – auch aus dem eigenen Haus – einstecken musste. Nun stellt sich Stefan Niggemeier, einer der drei Autoren des “Übermedien”-Beitrags, im “Übermedien”-Podcast den Fragen von Holger Klein: Steht Niggemeier noch zu seiner Kritik? Was würde er rückblickend anders machen? Ist das die Debatte, die er und seine Mitautoren sich gewünscht haben? Und ist “Übermedien” eigentlich links?
4. Brauchen wir andere Kategorien in der Berichterstattung? (deutschlandfunk.de, Sascha Wandhöfer, Audio: 36:07 Minuten)
Im Deutschlandfunk (DLF) kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, ob es andere Kategorien als “rechts” und “links” in der medialen Berichterstattung braucht. Es diskutieren der DLF-Hörer Hans-Peter Wannewitz, Barbara Junge (“taz”) und Gabor Steingart (“The Pioneer”).
5. Meta schließt vor US-Wahl wichtiges Analyseprogramm (rp-online.de)
Der Facebook- und Instagram-Mutterkonzern Meta habe das beliebte Analyse-Tool CrowdTangle, das von Journalisten und Forschern zur Verfolgung von Social-Media-Trends und Desinformation genutzt wurde, kurz vor den US-Wahlen eingestellt. Kritiker hätten bereits im Mai vor diesem Schritt gewarnt: “Diese Entscheidung gefährdet wichtige Aufsichtsmechanismen vor und nach der Wahl und untergräbt Metas Transparenzbemühungen in dieser kritischen Periode, und das in einer Zeit, in der soziales Vertrauen und die digitale Demokratie alarmierend fragil sind.”
6. Der Demagoge schlägt zu (t-online.de, Florian Harms)
In einem Meinungsbeitrag kritisiert t-online.de-Chefredakteur Florian Harms Elon Musk als gefährlichen Demagogen, der zunehmend rechtsextreme Positionen unterstütze und seine Plattform X/Twitter zur Verbreitung von Hass und Desinformation nutze. Durch seine Reichweite und seinen Einfluss stelle Musk eine Bedrohung für demokratische Werte dar, schreibt Harms: “Der Elon ist kein unkonventionelles Genie, das man ins Boot holt – sondern ein Brandstifter mit der weltgrößten Kriegskasse, dem weltgrößten Ego und einem riesigen Megafon. Höchste Zeit, dass die deutsche Politik aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht.”
1. TV-Bericht wird teuer für Mutter (taz.de, Kaija Kutter)
Der NDR strahlte ein unverpixeltes Video aus, in dem (identifizierbare) Jugendamtsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter bei der Abholung eines Kindes zu sehen waren. Dagegen wehrte sich eine Jugendamtsmitarbeiterin mit dem Ergebnis, dass nicht der Sender, der die Verpixelung “verbaselt” habe, sondern die Mutter, die die Aufnahmen dem NDR übergeben haben soll, zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.
2. Geldstrafe für Angriff auf Fotografin (verdi.de)
Ganze fünf Jahre habe es gedauert, bis ein Gericht einen Mann verurteil hat, der bei einer Demonstration des rechtsextremen Vereins “Zukunft Heimat” eine Fotografin angegriffen hatte. “Das ist kein Einzelfall im Gerichtsbezirk Cottbus, es ist ein strukturelles Problem. Wir haben ganz viele rechte Gewaltdelikte, die jahrelang nicht vor Gericht verhandelt werden”, so Martin Vesely von der Organisation Brandenburger Opferperspektive.
3. Wie Künstliche Intelligenz die Grenzen der Realität aushebelt (belltower.news, Una Titz)
Verschwörungsideologen, christliche Fundamentalisten und reaktionäre Kräfte hätten die Möglichkeiten der KI-Bildgenerierung für sich entdeckt und sollen wie am Fließband falsche KI-Bilder und Fake-Videos produzieren, die Faktizität und Authentizität vortäuschen. Auch die Neue Rechte habe die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz (KI) entdeckt. Das seien beängstigende Aussichten, wie Una Titz findet, “vor allem, wenn man bedenkt, dass die Präventionsmaßnahmen zur Identifizierung und Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten bislang auch seitens der Content-Moderationssysteme und Behörden völlig unzureichend bis komplett inexistent sind.”
4. RTL und Monica Lierhaus: Von Normalität noch weit entfernt (dwdl.de, Timo Niemeier)
Beim Fernsehsender RTL findet vom 19. bis 25. Juni die “Woche der Vielfalt” statt, “mit vielen tollen Sendungen, Filmen und Beiträgen”. Schwerpunkt der diesjährigen Vielfaltswoche ist das Thema Inklusion. Timo Niemeier hat Störgefühle, was die Kampagne und speziell den Einsatz der Sportreporterin Monica Lierhaus betrifft: “Auch wenn RTL in den zurückliegenden Tagen immer wieder die Bedeutung von Inklusion beteuerte: So richtig macht es nicht den Eindruck, als würde man ernsthaft Inklusion betreiben. Am Montag moderierte Lierhaus den Sportblock bei ‘RTL Aktuell’ – mehr als ein Symbol ist das nicht. Zu allem Übel wurde bei der Gelegenheit noch einmal auf die Geschichte der Moderatorin zurückgeblickt. Ist Monica Lierhaus nun Berichterstatterin oder Gegenstand von Berichterstattung?”
5. Australien knöpft sich Twitter wegen Online-Hass vor (faz.net)
Die australische Regierung droht Twitter mit Geldstrafen von mehr als 400.000 Euro pro Tag, sollte das Unternehmen nicht innerhalb von vier Wochen Auskunft darüber geben, was es gegen Hass im eigenen Netzwerk unternimmt. “Wir brauchen Rechenschaft von diesen Plattformen und Maßnahmen zum Schutz ihrer Nutzer, und es gibt keine Rechenschaft ohne Transparenz, und das ist es, was mit rechtlichen Hinweisen wie diesem erreicht werden soll”, sagt Julie Inman Grant von der zuständigen Aufsichtsbehörde.
6. Warum Fußballfelder nicht gleich Fußballfelder sind (deutschlandfunk.de, Stefan Fries, Audio: 2:21 Minuten)
Wenn es darum geht, Abstraktes verständlich zu machen, greifen Journalistinnen und Journalisten gerne auf Vergleiche zurück. Wenn es um die Größe einer Fläche geht, wird dann häufig das Saarland oder die Anzahl von Fußballfeldern als Bezugsgröße genannt. Stefan Fries gibt in “Sagen & Meinen” Tipps, welche Alternativen es gibt, um Zahlen und Größen zu veranschaulichen.
1. Ist die Regierung zu nah dran? (t-online.de, Carsten Janz & Johannes Bebermeier & Jonas Mueller-Töwe)
Als Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD hat die Bundesregierung eine anonymisierte Liste veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Bundesministerien und das Bundeskanzleramt in den vergangenen fünf Jahren rund 1,5 Millionen Euro an Journalistinnen und Journalisten gezahlt haben. Die Honorare habe es vor allem für Moderationen und die Leitung von Lehrgängen gegeben. Von den insgesamt 200 Medienschaffenden, die ein Honorar erhalten haben, sollen etwa 120 zur Zeit der Zahlung für die Öffentlich-Rechtlichen gearbeitet haben: “Das ist deshalb pikant, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk zwar unabhängig von Bundes- und Landesregierungen ist, in Teilen der Bevölkerung aber als besonders staatsnah wahrgenommen wird.”
2. Gesundheit im Internet: Was leisten YouTube Health und neue Google-Funktionen? (riffreporter.de, Iris Hinneburg)
Auf Youtube gibt es zahlreiche medizinische Informationsangebote, deren medizinische Seriosität für Laien nicht immer leicht zu beurteilen ist. Nun hat Youtube ein Gütesiegel speziell für Gesundheitsthemen eingeführt (“YouTube Health”). Iris Hinneburg hat sich das Ganze genauer angesehen und auch einen Blick auf die erweiterte Google-Suche geworfen.
3. Recherche allein rettet uns nicht (journalist.de, Björn Staschen)
Im Januar hat Daniel Drepper, Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung”, in einem Text auf die Wichtigkeit des Investigativjournalismus allgemein und speziell für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hingewiesen. Es brauche ganze Teams kluger Reporterinnen und Reporter mit Rückendeckung und Freiheiten: “Wenn ich möchte, dass diese Reporterinnen wichtige Diskussionen in der Gesellschaft anstoßen, wenn ich möchte, dass sich diese Reporterinnen für uns alle in den Wind stellen – dann muss ich als Sender investieren und dann muss ich mich als Sender etwas trauen.” Darauf antwortet nun Björn Staschen, der in der NDR-Programmdirektion den Bereich Technologie und Transformation betreut. Drepper habe “mit seiner Forderung grundsätzlich recht”, aber: “Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk, der sich nur darauf konzentriert, die Ergebnisse investigativer Recherche abzubilden, zeichnet ein Zerrbild unserer Gesellschaft. Diese Gesellschaft bestünde nur aus Politikerinnen und Politikern, die sich bestechen lassen, aus Ärztinnen und Ärzten, die Krankenkassen betrügen und aus Rüstungslobbyistinnen und -lobbyisten, denen Kriegstote im Lichte hoher Profite egal sind.”
4. Der Fokus wird verschoben (taz.de, Nelli Tügel)
Journalistische Faktenchecks wollen und sollen Klarheit schaffen, doch zwei aktuelle Beispiele würden zeigen, dass sie politische Konflikte nicht so einfach entschärfen können: Der Faktencheck zur Recherche des US-Journalisten Seymour Hersh über die Sprengungen der Nord-Stream-Pipelines sowie der Faktencheck zu einer “Hart-aber-fair”-Sendung, in der es um Kriegsverbrechen in der Ukraine ging.
5. Fox News soll kritische Reporter unter Druck gesetzt haben (spiegel.de)
Nach den US-Wahlen 2020 verbreiteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Fox News wider besseres Wissen Donald Trumps Märchen von der gestohlenen Wahl. Jetzt zeigen durchgesickerte Dokumente: Wer nicht mitspielte, bekam offenbar Druck vom Sender.
6. Frauenmachtanteile in den Leitmedien: Stern sinkt, SZ und Focus steigen auf (pro-quote.de)
ProQuote Medien zog zum Weltfrauentag Bilanz zur Macht der Frauen in den Medien: “Im Ranking der neun von ProQuote Medien ausgewerteten Medien konnte die Süddeutsche Zeitung sich vom fünften auf den dritten Platz verbessern: Der Frauenmachtanteil der Zeitung liegt aktuell bei 44 Prozent – und damit fünf Prozentpunkte höher als im Sommer 2022. Nur knapp darüber liegt Die Zeit auf Platz zwei, allerdings mit leichten Verlusten (1,9 Prozentpunkte). Weiter unangefochten an der Spitze steht die taz – mit einem Frauenmachtanteil von aktuell 64,6 Prozent.”
Dazu inhaltlich passend: Wer hat 2022 die Titel deutscher Magazine fotografiert oder illustriert? Eine Auswertung nach Geschlecht (freelens.com)
1. “Bild” kämpft mit “Bild”: “In Auflösung”? (tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Bei “Bild” bekommt der aktuelle Chefredakteur Johannes Boie einen neuen Mann beigeordnet, den bisherigen “Focus”-Chefredakteur Robert Schneider. Dieser werde “an Johannes Boie berichten, der unverändert in seiner derzeitigen Position als Chefredakteur und Vorsitzender der ‘Bild’-Chefredaktionen bleibt”, so der Springer-Verlag. Schneider hat einschlägige Boulevard-Erfahrungen, weiß Joachim Huber im “Tagesspiegel” zu berichten: “Der gebürtige Leipziger Schneider fing einst bei der ‘Bild’ an, wurde dort Ressortleiter, ehe er als stellvertretender Chefredakteur für die ‘B.Z’ und die ‘Bild am Sonntag’ arbeitete.” Huber ordnet die Personalie mitsamt ihrer möglichen Auswirkungen ein und überlegt, wie es bei “Bild” weitergehen könnte.
2. Systemkritik für Paranoiker – Verschwörungstheorien operieren mit dem Werkzeug der Aufklärung und stillen die Sehnsucht nach Vereindeutigung in einer komplexen Welt (nzz.ch, Robert Misik)
“Wahn wird hier zu Aufklärung und Aufklärung zu Wahn.” Der österreichische Journalist und politische Schriftsteller Robert Misik hat einen lesenswerten Essay zu Verschwörungserzählungen verfasst und als Gastkommentar in der “NZZ” veröffentlicht: “Verschwörungstheorien sind auch Formen, mit einer komplexen, unübersichtlichen Welt umzugehen. Was immer geschieht, es lässt sich zumindest erklären. Es gibt Täter, Hintermänner, die die Fäden ziehen. Wer in der realen Welt ‘nicht weiss, wie ihm geschieht’, der weiss in der Phantasiewelt der Konspirationstheorie genau, was geschieht – und wo das Böse sitzt, gegen das vorgegangen werden müsste. Verständlich, dass das attraktiv sein kann.”
Weiterer Lesehinweis, weil es das Medium betrifft: Anzeige gegen NZZ: Redaktion leistet Gratis-Überstunden: “Der Berufsverband Impressum zeigte die NZZ wegen ungenauer Arbeitszeiterfassung an. Nun hat das Arbeitsinspektorat interveniert.” (infosperber.ch, Pascal Sigg)
3. Dürfen Linke Twitter nutzen? (taz.de, Ulf Schleth)
Bei der “taz” fragt sich Autor und Online-Entwickler Ulf Schleth, ob Linke angesichts der Übernahme durch Elon Musk weiterhin Twitter benutzen sollten. Seiner Meinung nach sollte “die Verantwortung verinnerlicht werden, Inhalte nicht ausschließlich dort zu teilen, wo das Zielpublikum ausgebeutet wird. Sie müssen reichweitenunabhängig auch dort geteilt werden, wo es sich emanzipatorisch vernetzen kann. Das ist zurzeit das Fediverse.”
5. Überdosis Trash TV: Wird das TV-Publikum Reality-müde? (dwdl.de, Peer Schader)
Das zunehmende Angebot an Reality-Formaten habe fatale Konsequenzen für die Akzeptanz des Genres im linearen Programm, so “DWDL”-Kolumnist Peer Schader. Er gelangt zu einer ernüchternden Erkenntnis: “Die vergangenen Monate haben ein für alle Mal den Beweis erbracht, dass der Versuch, das Genre ins Positive zu drehen und entsprechende Gegenentwürfe auszuprobieren, als gescheitert bezeichnet werden muss.”
6. Sternstunde des Sportjournalismus: Warum Esther Sedlaczek einen guten WM-Job macht (rnd.de, Imre Grimm)
Imre Grimm lobt die Arbeit der ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek, die unter anderem DFB-Manager Oliver Bierhoff mit für ihn unangenehmen Fragen konfrontierte: “Kein Schmusetext. Kein Schonwaschgang. Die Nation hat Fragen an diesem Abend, und Esther Sedlaczek nimmt sich die Freiheit, sie zu stellen – stellvertretend für ein Publikum, das nach Jahren der Erfolglosigkeit mehrheitlich die Nase voll hat von wachsweichen DFB-Floskeln, vom ausweichenden Polit-Klimbim der Verantwortlichen und den ewigen Ausflüchten.”
1. Haben Medien Mitschuld an der Impfquote? (deutschlandfunk.de, Bettina Schmieding, Audio: 35:37 Minuten)
Welche Rolle nehmen Medien in der gesellschaftlichen Diskussion über das Thema Impfen ein? Was hätte besser laufen können in der Berichterstattung über die Corona-Impfungen? Darüber diskutieren im Deutschlandfunk der eine Impfung ablehnende Handwerker Karsten Heinsohn, die Wissenschaftsjournalistin Nicola Kuhrt, der Immunologe Carsten Watzl und Bettina Schmieding aus der Medienredaktion des Deutschlandfunks.
2. Warten auf den Tod von Zhang Zhan (faz.net, Liao Yiwu)
Die chinesische Videobloggerin Zhang Zhan berichtete aus Wuhan, als dort das Coronavirus ausgebrochen war. Sie wurde zu vier Jahren Haft verurteilt – eine Strafe, die einem Todesurteil gleichkommt, wenn man sich den erschütternden Gastbeitrag des Schriftstellers und Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels Liao Yiwu durchliest: “Millionen Chinesen verfolgen das Schicksal von Zhang Zhan. Sie alle wissen, dass der Totengott erscheinen wird, sei es in der Gefängniszelle oder sei es wie beim chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, der 2017 offiziell zwar ‘zur medizinischen Behandlung begnadigt’ worden war, aber dennoch in Gefangenschaft gestorben ist.”
3. Traust du dich eh nicht! (zeit.de, Lisa Hegemann)
Auf der vermeintlich so harmlosen Videoplattform TikTok zirkulieren immer mal wieder virale Mutproben, sogenannte Challenges, die keineswegs harmlos sind, sondern lebensgefährlich sein können. Nun hat TikTok Jugendliche, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher zum Thema befragen lassen und will an einigen Stellen nachbessern. Doch reicht das? Skepsis bleibe angebracht, schreibt Lisa Hegemann, zumal TikTok unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern keine Zahlen zur Verfügung stelle.
4. Die 20 spektakulärsten Gründe, übers Fernsehen zu schreiben (dwdl.de, Peer Schader)
Das Medienportal “DWDL” wird 20 Jahre alt (an dieser Stelle: herzlichen Glückwunsch!), für Kolumnist Peer Schader ein willkommener Anlass, auf das Startjahr 2001 zurückzublicken. Thematisch passend baut er seinen Beitrag in Form einer Rankingshow auf: “Die 20 spektakulärsten Gründe, übers Fernsehen zu schreiben – im Jahr 2001 und heute”.
5. Sonderhefte verabschieden die Kanzlerin: nicht alle werden der Ära Merkel gerecht (rnd.de, Imre Grimm)
Zum Ende der 16-jährigen Amtszeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel liegen zahlreiche Merkel-Sonderhefte am Kiosk – vom “Focus” bis zu “Spiegel”, “Zeit” und “My Illu”. Imre Grimm hat sich die Magazine angeschaut und sie mit einer bis fünf “Merkels” bewertet.
6. Wem steht’s besser? (sueddeutsche.de, Laura Hertreiter)
Zwei miteinander konkurrierende Frauenzeitschriften haben in ihren Dezemberausgaben ausgerechnet mit demselben Coverfoto aufgemacht. Wie konnte es dazu kommen? Laura Hertreiter ist der Sache nachgegangen. Herausgekommen ist “eine kleine Geschichte von Tüll, Exklusivität und unfreiwilligen Partnerlooks.”
1. ARD-Intendanten überlegen, seltener Politmagazine auszustrahlen (uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Nach Informationen von “Übermedien” überlege die ARD, ihre Politmagazine vom kommenden Jahr an seltener auszustrahlen. Das würde Sendungen wie “Panorama”, “Monitor”, “Kontraste”, “Fakt”, “Report Mainz” und “Report München” betreffen. Stefan Niggemeier hat sich umgehört, womit dieser mögliche Schritt begründet wird, und fragt: “Geht es wirklich darum, nach zeitgemäßen Formaten für die digitale Welt zu suchen, oder will man auch lästige Redaktionen zurechtstutzen?”
2. AWA 2021: “Sport Bild”, “Focus” und “Bunte” die größten von vielen Verlierern (meedia.de, Jens Schröder)
Die aktuelle Markt- und Werbeträgeranalyse des Allensbach-Instituts (oder ganz korrekt: des “Instituts für Demoskopie Allensbach”) weist unter anderem die Reichweite verschiedener Printmedien aus. Nummer 1 im Reichweitenranking ist die “Apotheken Umschau”. Zu den größten Verlierer zählen “Sport Bild”, “Focus” und “Bunte”, die im Vergleich zu 2020 jeweils Verluste von mehr als 400.000 Lesern pro Ausgabe hinnehmen mussten. Bei den überregionalen Zeitungen haben “Bild” und “Welt” kräftig verloren.
3. Wie die Corona-Krise der Psyche von Journalisten schadet (de.ejo-online.eu, Sarah Karacs)
Das European Journalism Observatory hat Journalistinnen und Journalisten befragt, ob und wie sich die Covid-19-Berichterstattung auf ihre eigene psychische Gesundheit ausgewirkt hat. Die Psychologin Esther Perel kommentiert: “Redaktionen befinden sich in einem Zustand der Trauer und haben im letzten Jahr enorme Verluste erlitten. Sie befinden sich in einem Zustand des kollektiven Traumas, und die Journalisten sind erschöpft.” Sie seien “Teil der Geschichte, über die sie berichten.”
4. Russische Polizei durchsucht Wohnungen mehrerer Investigativjournalisten (spiegel.de)
Der Kreml erhöht weiter den Druck auf die letzten verbliebenen unabhängigen Medien des Landes. Diesmal hat es die russische Rechercheplattform “Proekt.media” erwischt, gegen die die Polizei mit großer Härte vorgegangen sei. Ein möglicher Hintergrund der Aktion: Die Seite habe offenbar kurz vor der Veröffentlichung einer Recherche über den Innenminister gestanden.
5. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, neu gedacht! (blog.wikimedia.de, Bernd Fiedler)
Wikimedia Deutschland hat erneut einen “Runden Tisch Freie Lizenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk” veranstaltet und dazu verschiedene Repräsentanten aus öffentlich-rechtlichem Rundfunk, Politik und Zivilgesellschaft eingeladen. Dabei hat man auch eine Bilanz der vergangenen Jahre gezogen. Positiv habe sich beispielsweise das ZDF geäußert: “Seit über einem Jahr stellen wir im ZDF ausgewählte Clips von Terra X unter CC-Lizenz zur Verfügung. Unsere Bilanz fällt sehr positiv aus. Allein über die Wikipedia konnten wir schon über 15 Millionen Abrufe sammeln. Auch die Rückmeldungen von den Schulen sind positiv.”
6. “Mit Mittelware durchmogeln war schon vor der Pandemie vorbei” (medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Christian Bräuer ist Vorstandsvorsitzender der AG Kino und weiß daher, wie es der Branche geht. Im Interview kritisiert er das uneinheitliche Regelungsdickicht von Corona-Auflagen sowie die Konzentration von Marktmacht: “Die Effekte der Pandemie wird der gesamte Medienmarkt noch auf Jahre bis Jahrzehnte spüren. Während wir in Europa noch damit beschäftigt sind, die Folgen der Pandemie abzufedern, beobachten wir in den USA eine wahnsinnige Marktdynamik. Der Trend zur Konzentration von Marktmacht hat sie durchaus beschleunigt, auch wenn er vorher schon vorhanden war.”