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Hugo Müller-Voggs Liebe zu den Fakten

“Ha!”, könnte “Bild”-Kolumnist Hugo Müller-Vogg gerufen haben, als er vor zwei Wochen die ARD-Sendung “Hart aber fair” sah. Oskar Lafontaine, Parteivorsitzender der Linken und einer der Lieblingsgegner Müller-Voggs, ließ sich auch durch gutes Zureden von Moderator Frank Plasberg nicht dazu bringen, einen Fehler zuzugeben. Lafontaine hatte am 1. Juni 2008 in der Talkshow “Anne Will” behauptet, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe in Moskau studiert. Tatsächlich hat sie zwar offenbar an einem Jugendaustausch mit Physikstudenten dort teilgenommen, aber nicht regulär studiert. Lafontaine beharrte aber darauf, bei Anne Will die Wahrheit gesagt zu haben.

“Ha! Schon wieder!”, könnte Hugo Müller-Vogg also gerufen und sich auf die Schenkel gehauen haben, denn den Fehler hatte er ihm damals schon in seiner “Bild”-Kolumne vorgeworfen. Und so verfasste er einen neuen Text mit der Überschrift “Lafontaine wiederholt die Mär von Merkels Moskau-Studium” und schrieb:

Das war dumm, um nicht zu sagen: falsch. Vielleicht hatte sich Müller-Vogg ein bisschen zu triumphierend auf die Schenkel gehauen, aber genau das hatte Lafontaine nicht gesagt. Im Gegenteil: Trotz allen Beharrens hatte Lafontaine seine Aussage über Merkel relativiert und ausdrücklich betont, Merkel habe als Austauschstudentin kein “reguläres Semester” in Moskau absolviert. Das kann man sich sogar im Original auf der Internetseite zur Sendung ansehen.

Anstelle einer Berichtigung veröffentlichte “Bild” am vergangenen Dienstag eine Gegendarstellung Lafontaines:

Bei Bild.de ist Müller-Voggs fehlerhafter Text ohne eine Erklärung entfernt worden.

Bei dem Hugo Müller-Vogg, der Lafontaine (möglicherweise nicht zu unrecht) vorwarf, dass ihm Fakten egal seien und er keine Fehler eingestehen könne, handelt es sich nach unseren Recherchen übrigens um denselben Hugo Müller-Vogg, der seinen Text mitsamt dem groben Fehler bis heute uneingestanden und unkorrigiert auf seiner Homepage verbreitet.

Nachtrag, 26. September, 13:00 Uhr. Der Artikel ist von Hugo Müller-Voggs Homepage verschwunden.

Nachtrag, 26. September, 15:50 Uhr. Hugo Müller-Voggs Internetseite gibt es in den drei Geschmacksrichtungen “classic”, “bold” und “modern”, was ihm die Möglichkeit zu einem differenzierten Umgang mit seinen Fehlern gibt. Anders gesagt: In der Variante “modern” hält er noch an seiner falschen Darstellung fest.

Mit Dank an Christopher und Lothar W.!

“Fast alle Fakten falsch”

Am 21. Juli kam es auf einem Dorffest in Dußlingen zu einem folgenschweren Unfall: Nach einer technischen Panne verletzte ein Böllerschuss den 43-jährigen Klaus K. schwer am Kopf.

Und als er eine Woche später an den Folgen der Explosion starb, berichtete auch “Bild” — überregional, in großer Aufmachung (siehe Ausriss) und online:

Er wollte gucken, warum es nicht knallt
Schützen-Chef schießt sich mit Kanone in den Kopf


Er guckte ins Kanonenrohr, wo der Böller bleibt …

(…) Die Dußlinger Bürger versammeln sich. Dann zieht er die Schnur für das erste Geschoss. Rrrums! Ein Knall. Die Gemeinde klatscht. Dann zieht der Schützenchef die zweite Schnur. Aber sie reißt! Nichts passiert! Sekunden später betritt er die Absperrzone, geht auf die Böllerkanone zu: Das mit Schwarzpulver gefüllte Metallrohr ist noch immer mit dem Korken verschlossen. Er beugt sich darüber. (…)
Quelle: “Bild” vom 1.8.2007

Das “Schwäbische Tagblatt” berichtet heute jedoch, der “unwürdige” Artikel habe bei Angehörigen und Bekannten “Ärger und Wut” ausgelöst, denn:

Fast alle Fakten in dem Artikel waren falsch (…).

So bezogen sich alle Angaben zu Familienstand, Kinderzahl und Arbeitgeber in “Bild” nicht auf den vermeintlichen “Schützen-Chef” bzw. “Chef des Schützenvereins” Klaus K., sondern ganz offensichtlich auf den am Unfall völlig unbeteiligten, tatsächlichen “Schützen-Chef” Karl-Werner R. (Unfallopfer K. war dessen Stellvertreter).*

Bei derart mangelhafter Recherche (das unscharfe Opferfoto hatte “Bild” zudem offenbar ohne Genehmigung von der Internetseite des Schützenvereins kopiert) ist es dann doch erstaunlich, dass “Bild” über den Unfallhergang besser Bescheid zu wissen scheint (siehe Kasten) als Augenzeugen und Polizei. Letztere kann nur ein Fremdverschulden ausschließen, darüber, wie genau es zu dem Unglück kam, gibt es widersprüchliche Aussagen.

*) Nachdem sich Angehörige von Klaus K. bei “Bild” beschwert hatten, erschien in der örtlichen “Bild”-Regionalausgabe ein weiterer, kleiner Artikel, in dem (anlässlich der Beerdigung K.s) die falschen Angaben teilweise richtiggestellt wurden — allerdings ohne Hinweis auf die früheren Fehler, dafür aber mit dem Zusatz “BILD berichtete” und unter der Überschrift “Schützenchef beerdigt”.

Dank an Michael H. für den Hinweis und Tobias Z. für die Unterstützung.

Traurige Fakten

Schwer zu sagen, ob das “brutale Grand-Prix-Debakel” (also die Tatsache, dass der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest in Kiew am vergangenen Samstag auf dem letzten Platz landete) “jetzt” tatsächlich “Konsequenzen” hat, wie es heute in der “Bild”-Zeitung steht, ob es also irgendwie gerechtfertigt ist, wenn “Bild” behauptet:

0 points! ARD feuert Grand-Prix-Chef

Tatsache ist, dass der für den Grand Prix zuständige NDR bereits gestern bekannt gab, der bisherige Grand-Prix-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer höre “auf eigenen Wunsch” auf.

Tatsache ist auch, dass die Nachrichtenagentur ddp daraufhin schrieb:

“Meier-Beer unterstrich, sein Abgang habe nichts mit dem Grand-Prix-Debakel (…) zu tun (…). Die Gespräche über eine neue Aufgabe für ihn hätten bereits vor einem halben Jahr begonnen.”

Und der NDR legte heute, nach den “ARD feuert Grand-Prix-Chef”-Behauptungen, mit einer zweiten Pressemitteilung nach, in der es heißt:

“Spekulationen in Teilen der Presse, der NDR habe seinen Grand-Prix-Verantwortlichen strafversetzt oder gar gefeuert, entbehren jeder Grundlage (…). Tatsächlich hat Herr Dr. Meier-Beer bereits vor sechs Monaten darum gebeten, nach zehn Jahren mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden. Zu diesem Zeitpunkt haben wir gemeinsam begonnen, seinen Wechsel vorzubereiten (…)”

Und wenn sich der NDR nun abermals (und derart ausdrücklich) an die Öffentlichkeit wendet und betont, die Personalie stehe “in keinem Zusammenhang mit dem Abschneiden der Sängerin Gracia beim ‘Eurovision Song Contest'”, dann sollte man sich den “Bild”-Text vielleicht doch noch einmal genauer anschauen. Schließlich findet man dort zwar jede Menge Ausrufezeichen (“Gracia Letzte! Miese Quote! Falsches Konzept!”, “Das brutale Grand-Prix-Debakel in Kiew, jetzt hat es Konsequenzen!”, “Die ARD feuert Grand-Prix-Chef Jürgen Meier-Beer (53)!”, “Null Punkte für den Ex-Unterhaltungs-Chef!”, “Sinkende Einschaltquote!”, “Katastrophales Ergebnis!”, “Hohe Kosten!”, “Falsches Auswahlsystem!”) — aber kein einziges Indiz für die Behauptung, Meier-Beer sei gefeuert worden.

Stattdessen findet man unter dem Stichwort “Traurige Fakten” den Satz:

2000 schauten noch 12 Millionen zu, dieses Jahr nur rund 7 Millionen.

Und das ist in der Tat traurig, weil es nämlich 2000 nicht “12 Millionen”, sondern 10,03 Millionen Zuschauer waren, was hier nur deshalb Erwähnung finden soll, weil “Bild” nicht einmal dort, wo sie ausdrücklich mit “Fakten” aufwartet, mit Fakten aufwartet.

Nachtrag, 18.6.2005:
Bild.de muss eine Gegendarstellung des NDR-Intendanten Jobst Plog u.a. veröffentlichen, in der es heißt, “daß Herr Dr. Meier-Beer bereits vor mehreren Monaten darum gebeten hat, mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden und bereits vor Durchführung des ‘Eurovison Song Contest’ feststand, daß Herr Dr. Meier-Beer den Posten des „Grand-Prix-Chefs“ abgeben würde.” Der “Bild”-Artikel selbst ist online nicht mehr verfügbar.

Unrühmliche Jagd, Verlagen gehen die Leser aus, Kein “Klima vor acht”

1. ARD Media lehnt Werbespot von Klima vor acht ab
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der öffentlich-rechtliche Werbevermarkter ARD Media habe einen geplanten 35-sekündigen Werbespot der Initiative “Klima vor acht” für das Vorabendprogramm des Ersten abgelehnt. Nach Angaben des Vereins begründe ARD Media die Entscheidung damit, dass der Spot weder der klassischen Produkt- noch der Imagewerbung diene und zudem gegen die EmpCo-Richtlinie für Umweltaussagen verstoße. Politische Werbung sei laut Medienstaatsvertrag unzulässig. Die Initiative halte die Ablehnung für unbegründet und prüfe juristische Schritte.

2. Zuhören ja – Antworten nein
(verdi.de, Danica Bensmail)
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in Verdi kritisiert zwei geplante Gesetzesvorhaben, die den investigativen Journalismus und die demokratische Kontrolle massiv einschränken könnten. Einerseits drohe durch die Reform des BND-Gesetzes eine Aushöhlung des Quellenschutzes. Andererseits solle das Informationsfreiheitsgesetz durch die Hürde eines “berechtigten Interesses” beschnitten werden, wodurch das bisherige Jedermannsrecht faktisch abgeschafft und Medien sowie NGOs der Informationszugang verwehrt würde.

3. Vor der Frankfurter Buchmesse: Verlagen gehen die Leser aus
(t-online.de)
Kurz vor Beginn der Frankfurter Buchmesse blicke die deutsche Buchbranche auf spürbare Einbußen. Sowohl Umsätze als auch die Zahl der Erstauflagen sowie der Käuferinnen und Käufer seien rückläufig. Besonders drastisch falle der Rückgang bei jüngeren Zielgruppen aus: Bei den 10- bis 15-Jährigen sei die Zahl der Buchkäufer 2025 um über 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Neben Zuwächsen bei Hörbüchern und Genres wie Young Adult oder New Adult mache der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vor allem die schwindende Lesekompetenz für die Entwicklung verantwortlich.

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4. Fall Paal und die unrühmliche Jagd nach mehr Missbrauchsdetails
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Die mediale Aufarbeitung der Missbrauchs- und Erpressungscausa um den österreichischen Kabarettisten Günther Paal (“Gunkl”) verletze in weiten Teilen fundamentale Opferschutz- und Ethikstandards, kritisiert Andrea Gutschi. Österreichische Boulevardmedien wie “Krone”, “Oe24” und “Heute”, aber auch das Magazin “Falter”, seien in eine voyeuristische Täterzentrierung verfallen. Durch die Veröffentlichung intimer Details aus Ermittlungsakten, Fotos des Wohnumfelds sowie reißerische Begriffe werde das betroffene Kind zur Ware herabgewürdigt und identifizierbar gemacht.

5. Fakten benennen, statt sie als “umstritten” weichzuspülen
(deutschlandfunk.de, Marina Weisband, Audio: 3:45 Minuten)
Die Publizistin Marina Weisband kritisiert den inflationären Einsatz des Begriffs “umstritten” in Medienüberschriften als fatale Scheinneutralität. Häufig handele es sich bei so verharmlosten Sachverhalten um wissenschaftlich widerlegte Behauptungen, rassistische Aussagen oder Rechtsbrüche. Aus Angst vor einem wütenden Mob und dessen Leserbriefen würden Redaktionen oft auf weichgespülte Formulierungen ausweichen. Weisbands Appell an Journalistinnen und Journalisten: “Mein Rat hier wäre die alte Maxime: Mit Terroristen verhandelt man nicht. Briefe an Redaktionen sind ein legitimes und auch wertvolles Mittel, um zusätzliche Perspektiven in eine Debatte zu bringen und auch Feedback zu geben. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass sie auch instrumentalisiert werden von Leuten, die die freie Presse am liebsten komplett abschaffen würden.”

6. Dem Zuschauer untertan
(taz.de, Karlotta Ehrenberg)
Die Drehbuchautorin Karlotta Ehrenberg kritisiert in einem Gastbeitrag die Quotenfixierung und den vorauseilenden Gehorsam in den Redaktionen von ARD und ZDF: “Bleibt ein Programm unter der Erwartung, fliegt es raus. Häufig sofort. Stimmt die Quote, führt man die Formate fort. Manche bis in alle Ewigkeit. Oder man macht dasselbe in Grün. Was erklärt, warum im ÖRR immer mehr Krimis laufen. Neuerdings hat der Zuschauer einen Second Screen in der Hand. Komplexen Geschichten kann er schlecht folgen, weil er gleichzeitig auf dem Handy wischt. Also muss man die Story simpel halten und immer wieder zusammenfassen. Ganz ehrlich: Auf den Zuschauer, der vor meinen Filmen bügelte, hab ich lieber geachtet.”

Zweifel an Weimer, Rückzug der Frauen, CDU im medialen Fokus

1. Dokumente wecken Zweifel an Weimers Darstellung
(t-online.de, Jonas Mueller-Töwe)
Interne Akten des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), die sich t-online.de über das Informationsfreiheitsgesetz beschafft habe, würden Wolfram Weimer belasten. Der Kulturstaatsminister habe beim Deutschen Buchhandlungspreis drei von einer unabhängigen Jury nominierte linke Buchläden nach Einschaltung des Verfassungsschutzes von der Preisträgerliste streichen lassen. Entgegen Weimers öffentlicher Darstellung habe die zuständige BKM-Fachabteilung intern zunächst ausdrücklich empfohlen, dem Juryvotum zu folgen.

2. Frauen ziehen sich aus dem Netz zurück
(taz.de, Amelie Sittenauer)
Aus Furcht vor digitaler und bildbasierter sexualisierter Gewalt würden einer repräsentativen Studie des Deutschen Frauenrats zufolge zwei Drittel der Frauen in Deutschland ihre Online-Aktivitäten einschränken. Bei jüngeren Frauen (18 bis 39 Jahre) liege der Anteil sogar bei 76 Prozent. Jede Fünfte habe bereits Erfahrungen mit sexualisierten KI-Fälschungen gemacht. Dieser massive Rückzug aus dem digitalen Raum gefährde die gesellschaftliche Teilhabe und damit die Demokratie unmittelbar. Der Deutsche Frauenrat und Der Deutsche Juristinnenbund würden deshalb deutliche Nachbesserungen am geplanten Gewaltschutzgesetz fordern.

3. “Radikalität zerstört jede Gesprächskultur”
(journalist.de, Jan Freitag)
“Spiegel”-Autor und Talk-Moderator Markus Feldenkirchen betont im Interview mit dem “journalist”, dass Vertrauen in den Journalismus vor allem durch akribische Faktentreue, Berechenbarkeit und innere Disziplin entstehe. Interviews mit Vertreterinnen und Vertretern der AfD würden eine besondere Besonnenheit erfordern: “Den aggressiven Diskursstil der AfD selbst zu übernehmen, wäre aus meiner Sicht kontraproduktiv. Also sage ich: Ruhe bewahren, freundlich sein, höflich bleiben und immer faktenbasiert argumentieren. Falls ich mit diesem Ansatz nicht mehr alle Menschen im Land erreiche, dann ist das eben so.”

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4. CDU im medialen Fokus
(deutschlandfunk.de, Sören Brinkmann, Audio: 31:38 Minuten)
In der aktuellen Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die Frage, welche Rolle Medien beim Blick auf die CDU spielen. Es geht um Zuspitzungen und Dramatisierung, aber auch um die Frage, welche Rolle die Partei selbst dabei spielt. Mit Moderator Sören Brinkmann diskutieren der Dokumentarfilmer Stephan Lamby und Katharina Hamberger vom Deutschlandfunk.

5. Politische Bildung braucht freie Medien
(djv.de, Philipp Blanke)
In einem Impulsvortrag vor dem Parlamentskreis Politische Bildung hat Philipp Blanke aus dem Bundesvorstand des Deutschen Journalisten-Verbands davor gewarnt, dass die Erosion unabhängiger Medien auch das Fundament politischer Bildung untergrabe. US-amerikanische und chinesische Plattformkonzerne würden den Informationsraum dominieren. Sie entzögen Verlagen Werbeeinnahmen und würden durch polarisierende Algorithmen Emotionen, “Fake News” und Hass gegen Medienschaffende begünstigen. Blanke fordert die rechtliche Gleichstellung von Tech-Konzernen mit Medienunternehmen.

6. Prime-Alt­kunden zahlen vor­erst wieder weniger
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof habe die Preisanpassungsklausel in den AGB von Amazon Prime für unwirksam erklärt, da sie widersprüchlich formuliert gewesen sei und Kundenrechte bei Preiserhöhungen im Unklaren gelassen habe. Infolgedessen passe Amazon den Beitrag für Altkunden mit unveränderten Verträgen von vor Mitte September 2022 vorübergehend wieder auf das alte Niveau an. Ob bereits gezahlte Mehrbeträge erstattet werden müssen, sei damit noch nicht entschieden.

Guter Wetterjournalismus, Zehn Jahre “Funk”, Barrierefreiheit

1. Extremereignisse ohne Panikmache: Claudia Kleinert über guten Wetterjournalismus
(dfjv.de, Ulrike Bremm)
ARD-Wettermoderatorin Claudia Kleinert beschreibt im Interview den wachsenden Spagat ihres Berufsfelds zwischen akuter Vorhersage und langfristiger klimawissenschaftlicher Einordnung von Extremwetterlagen. Angesichts gehäufter Hitzerekorde und Katastrophen stehe der Wetterjournalismus vor der Herausforderung, Fakten ungeschönt und wissenschaftlich fundiert zu vermitteln, ohne in klickgetriebene Panikmache zu verfallen. Wetterjournalismus brauche mehr Sendezeit für lösungsorientierte Hintergrunderklärungen und empathische Perspektiven auf Betroffene vor Ort.

2. Acht Dinge, die ich aus dem Enthüllungsbuch über Facebook gelernt habe
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
In ihrem Insider-Buch “Careless People” (deutsch: “Mein Traumjob bei Facebook und wie ich alle meine Ideale verlor”) zeichne die ehemalige Public-Policy-Direktorin Sarah Wynn-Williams ein ernüchterndes Bild der Führungsriege von Facebook (heute Meta). Das Werk dokumentiere systematische Versuche, Regulierung durch gezielte Abhängigkeiten von Politikerinnen und Politikern abzuwehren, sowie die kommerzielle Ausbeutung emotional verletzlicher Jugendlicher. Zudem werfe die Autorin dem Konzern eine toxisch-frauenfeindliche Unternehmenskultur und eine fatale Ignoranz gegenüber gewaltfördernder Hetze vor.

3. Der Medienrat macht sich Gedanken
(verdi.de, Volker Nünning)
Ein neuer, unabhängiger Medienrat soll prüfen, ob ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren gesetzlichen Programmauftrag erfüllen. Die Ratsvorsitzende Nathalie Wappler erkläre, dass man sich dabei auf Daten der öffentlich-rechtlichen Sender sowie eigene wissenschaftliche Gutachten stütze. Dies betreffe insbesondere die Frage, wie ausgewogen und vielfältig das Programm tatsächlich ist. Ziel sei es, die Diskussion über angebliche Einseitigkeit mit Fakten statt mit Bauchgefühl zu führen. Der erste offizielle Bericht soll Ende 2028 erscheinen. Bei Mängeln müssen die Sender nachbessern.

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4. Newsletter Netzwerk Recherche 261 vom 30.09.2026
(netzwerkrecherche.org, Lena Wrba & Christian Deker)
Der aktuelle Newsletter des Netzwerk Recherche zeichnet ein Lagebild eines zunehmend unter Druck stehenden Berufsstands: Wachsende Anfeindungen und Einschüchterungen im politischen Raum, Stellenabbau, algorithmische Abhängigkeiten auf Plattformen sowie Desinformationsnetzwerke würden die Debatte prägen. Darüber hinaus gibt es einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

5. Wieso nicht barrierefreier Journalismus in seinem öffentlichen Auftrag versagt
(de.ejo-online.eu, Ahmed Riad Younes)
Barrierefreiheit werde in Diversitätsdebatten vieler Medienhäuser nach wie vor vernachlässigt und fälschlicherweise als technisches Nischenthema statt als Kernbestandteil des öffentlichen Auftrags behandelt, kritisiert Ahmed Riad Younes. Fehlende Alt-Texte, unzugängliche Videos oder rein visuelle Layouts schlössen Millionen Menschen mit Behinderungen von essenziellen Informationen aus. Der Autor betont, dass Barrierefreiheit zudem nach innen greifen müsse: Unzugängliche Redaktionssysteme und Arbeitsroutinen würden Journalistinnen und Journalisten mit Einschränkungen daran hindern, gleichberechtigt am redaktionellen Betrieb mitzuwirken.

6. 10 Jahre Funk: Aus der “Totgeburt” ist ein Erfolgsmodell geworden
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Zum zehnjährigen Bestehen von “Funk” bilanziert Timo Niemeier den Wandel des von ARD und ZDF betriebenen Jugendnetzwerks vom anfangs belächelten Onlineprojekt zum unverzichtbaren Innovationslabor für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Durch konsequente Plattformorientierung (YouTube, Social Media) statt eigener Apps erreiche “Funk” heute 88 Prozent Bekanntheit bei den 14- bis 29-Jährigen. Vor Herausforderungen stehe das Netzwerk durch sein seit 2016 eingefrorenes Budget sowie den anstehenden Generationenwechsel.

7. Die Debatte um Elif Eralp
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:56 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die Debatte um die Berliner Spitzenkandidatin der Linken Elif Eralp: “Ich finde, wir sollten alle genauer hinhören. Und jedes Mal, wenn wieder ‘etwas bekannt’ wird, sollten wir uns fragen: Was genau wird da eigentlich wem vorgeworfen? Und was hat das eine mit dem anderen zu tun? Denn wenn man jede Information wie eine Enthüllung erzählt, klingt irgendwann selbst ein Einkaufszettel wie ein Geständnis.”

KW 39/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Gefangen im Paralleluniversum: Wie uns alternative Medien bedrohen
(derstandard.at, Benedikt Narodoslawsky, Audio: 40:03 Minuten)
Auf rechten Internetportalen werde ein regelrechtes mediales Paralleluniversum konstruiert, in dem Realitäten wie der Rekord-Hitzesommer, saubere Energien oder geopolitische Konflikte systematisch ins Gegenteil verkehrt würden. Medienethiker Luis Paulitsch legt in seinem Buch und einem aktuellen Fachartikel (PDF) dar, mit welchen Mechanismen alternative Medien gezielt Klimaskepsis in der Bevölkerung schüren. Die Verbreitung solcher Desinformationen destabilisiere das Vertrauen in Fakten. Dies stelle eine wachsende Gefahr für den demokratischen Grundkonsens dar.

2. Macht Donald Trump die Medien mundtot?
(deutschlandfunk.de, Monika Dittrich, Audio: 1:25:52 Stunden)
Im generell empfehlenswerten USA-Podcast des Deutschlandfunks “Amerika verstehen” geht es diesmal explizit um die Medienstrategie Donald Trumps: “Der US-Präsident sperrt Reporter von CNN und anderen Medienhäusern aus dem Weißen Haus aus. Er beschimpft Journalisten und verklagt Zeitungsredaktionen. Dabei stehen die USA eigentlich für radikale Meinungsfreiheit, erklärt Historiker Volker Depkat.”

3. Medien und Terrorismus: Die Öffentlichkeit als Waffe
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 49:47 Minuten)
Terrorismus sei im Kern eine gewalthafte, strategisch inszenierte Kommunikation, bei der Täter die mediale Aufmerksamkeit gezielt als Waffe einsetzen. Das Verhältnis zwischen Journalismus und Terrorismus lasse sich weniger als Symbiose, sondern treffender als Parasitismus beschreiben. Attentäter würden die Aufmerksamkeitsökonomie der Medien ausnutzen, um Angst zu schüren. Redaktionen ständen wiederum unter dem Zwang, das akute Informationsbedürfnis des Publikums zu bedienen. Angesichts dessen plädiert Journalistik-Professor Tanjev Schulz für redaktionelle Besonnenheit statt vorschneller Hysterie.

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4. Wer schaut noch hin? Was passiert, wenn der Lokaljournalismus verschwindet?
(der-boell-podcast.podigee.io, Jule Eikmann, Audio: 39:28 Minuten)
Der schleichende Niedergang des deutschen Lokaljournalismus bedrohe zunehmend dessen demokratische Kontrollfunktion vor Ort. In fast jedem zweiten Landkreis existiere nur noch eine einzige Lokalzeitung. Wo Redaktionen schließen oder die Printzustellung einstellen, entstünden Informationslücken, die vermehrt durch Pseudomedien oder parteinahe Angebote gefüllt würden. Die Kommunikationswissenschaftlerin Leila Dogruel spricht sich für eine staatsferne, kriterienbasierte Redaktionskostenförderung nach skandinavischem Vorbild aus.

5. Meta haftet für Algorithmen – verändert dieses Urteil Social Media?
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 53:08 Minuten)
Im Gespräch mit Gavin Karlmeier ordnet Medienanwalt Chan-jo Jun ein Urteil des Landgerichts Frankfurt im Rechtsstreit von “Finanzfluss”-Gründer Thomas Kehl gegen den Social-Media-Konzern Meta ein, das das bisherige Providerprivileg grundlegend infrage stelle. Meta hafte demnach unmittelbar für betrügerische Werbeanzeigen mit gestohlenen Identitäten. Das Unternehmen übernehme durch algorithmische Kuration und Ausspielung die inhaltliche Kontrolle und mache sich die Beiträge zu eigen. Außerdem besprechen die beiden, wie in Karlmeiers Podcast “Haken dran” üblich, die neuesten Entwicklungen aus der Social-Media-Welt.

6. Wie die “Next Uri Geller” Zaubertricks aufgeflogen sind
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 23:53 Minuten)
In einer satirischen Retro-Analyse zur ProSieben-Show “The Next Uri Geller” rekonstruiert Philipp Walulis, wie das Format vor allem in Staffel 2 durch peinliche Pannen und simple Taschenspielertricks seine Glaubwürdigkeit verloren habe. Gewöhnliche Zauberkünstler seien per Vertrag als Mentalisten mit angeblich übersinnlichen Kräften inszeniert worden. Doch Live-Übertragungen hätten Tricks entlarvt, etwa durch sichtbare Spickversuche bei Zahlen-Codes oder ein manipuliertes Vorhängeschloss, das bei jedem Schlüssel aufsprang. Gellers eigene Nummern hätten den Niedergang des Hypes im deutschen Fernsehen schließlich besiegelt.

Staatsvertrag für digitale Medien, Verlorener Zufall, RTL baut ab

1. Mehr regeln, mehr werben
(taz.de)
Die Bundesländer hätten einen Entwurf für den “Digitale-Medien-Staatsvertrag Teil 2” beschlossen, um Informationssysteme auf Basis Künstlicher Intelligenz zu regulieren und die Auffindbarkeit journalistischer Inhalte auf Plattformen zu sichern. Nach Angaben der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz soll die Novelle die Refinanzierung von Medien stärken, Vielfalt fördern und das Medienkonzentrationsrecht reformieren. Zudem sehe der Entwurf Lockerungen für private Radio- und TV-Veranstalter vor.
Weiterer Lesetipp: KI, Werbung: Das soll der Digitale Medien-Staatsvertrag regeln: “Ob der Zeitplan hält, ist nicht ausgemacht. Da Staatsverträge einstimmig von allen Ländern beschlossen werden müssen, gilt die politische Lage in Sachsen-Anhalt als Risiko: Sollte dort ein AfD-Ministerpräsident gewählt werden, der Medienstaatsverträge grundsätzlich ablehnt, wäre die gesamte Reform zumindest fürs Erste blockiert.” (medientage.de, Petra Schwegler)

2. Wie die EU Kinderschutz sagt und Überwachung meint
(socialmediawatchblog.de, Martin Fehrensen)
Der Autor Dirk von Gehlen kritisiert in einem Gastbeitrag für das “Social Media Watchblog” den neu vorgestellten Entwurf des “EU Kids Act” als Scheinlösung, die Grundrechte einschränke und die digitale Demokratie schwäche. Anstatt Bildung, Teilhabe und Medienkompetenz junger Menschen zu fördern, folge die EU dem australischen Vorbild und setze primär auf staatliche Alterskontrollen und Verbote. Von Gehlen verweist auf Warnungen des Deutschen Ethikrats sowie von Bildungs- und Kinderschutzverbänden, laut denen derartige Identifikationsmechanismen die Tür für staatliche Zensurinstrumente öffnen und das elterliche Erziehungsrecht aushöhlen würden.

3. Der Zufall geht verloren
(out-takes.de, Peter Effenberg)
In einem Interview mit Peter Effenberg analysiert der US-Medienexperte Alan Wolk den Wandel der Medienbranche hin zu “Feudal Media”. Durch die Dominanz von Tech-Giganten würden traditionelle Medienhäuser unter Fusionsdruck geraten. Das Publikum zerfalle in algorithmisch isolierte “Königreiche” auf Plattformen wie Netflix, TikTok oder Spotify. Als gravierende Folge beklagt Wolk den Verlust von Serendipität: Da Empfehlungssysteme lediglich bestehende Vorlieben reproduzieren, fehlen zufällige Entdeckungen.

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4. Likes und Nebenwirkungen – Der Podcast der Landesanstalt für Medien NRW
(medienanstalt-nrw.de, Collien Fernandes)
Im neuen Podcast “Likes und Nebenwirkungen” der Landesanstalt für Medien NRW spricht Collien Fernandes über den Umgang von Familien mit digitalen Medien: “Wie kann mein Kind Desinformation erkennen? Wie geht man mit Sexting, Cybergrooming oder problematischen Inhalten um? Welche Chancen bieten digitale Medien – und wo ist Vorsicht gefragt?” Bis November sind insgesamt zehn Folgen angekündigt. Nachzuhören sind bereits zwei davon: “Mein Kind will ein Smartphone” mit Leonie Lutz (Audio: 24:00 Minuten) und “Hass im Netz” mit Laura Braam (Audio: 29:40 Minuten).

5. Die Lösung gegen Fake News, über die sich niemand traut zu sprechen
(volksverpetzer.de, Thomas Laschyk)
Thomas Laschyk argumentiert, dass Faktenchecks und Medienkompetenz-Initiativen im Kampf gegen Desinformation reine Symptombekämpfung bleiben, da das Grundproblem in einer extremen Ungleichverteilung von Vermögen liege. Als strukturellen Ausweg fordert er eine gerechtere Besteuerung von Superreichen. Die Einnahmen sollten genutzt werden, um gemeinnützigen Journalismus, Medienbildung und den Sozialstaat dauerhaft abzusichern.

6. RTL Deutschland kündigt Abbau von 500 weiteren Stellen an
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Im Zuge der Integration des Bezahlsenders Sky streiche RTL bis Ende 2027 weitere rund 500 Arbeitsplätze, der Großteil davon bereits im laufenden Jahr. Nach Angaben des Medienkonzerns sollen durch den Abbau von Doppelstrukturen und Kostensenkungen jährliche Einsparungen von 250 Millionen Euro binnen drei Jahren erreicht werden. Der Stellenabbau solle sozialverträglich erfolgen, unter anderem über 150 auslaufende Verträge und den Wegfall offener Stellen, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.

AfD-Interview im KiKa, Abhängige Pressefreiheit, Community Notes

1. Petition fordert Stopp für nächstes AfD-Interview bei “logo!”
(faz.net)
Mehr als 250.000 Menschen hätten eine Petition gegen die Ausstrahlung eines weiteren AfD-Interviews im Kinderkanal KiKa unterzeichnet. Anlass sei ein vorangegangener Beitrag der Kindernachrichten “logo!” mit Sachsen-Anhalts AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund gewesen, der massive Kritik ausgelöst habe. Die Initiative fordere nun, ein geplantes Interview mit Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Chef Enrico Schult nicht zu senden. Rechtsextreme dürften in Formaten für Kinder keine ungefilterte Plattform erhalten. Das ZDF verteidige das Format hingegen mit seinem öffentlich-rechtlichen Informations- und Orientierungsauftrag.

2. Pressefreiheit entscheidet sich in der Regulierung von Big Tech
(digitalpolitik.de, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl warnt davor, dass die Pressefreiheit zunehmend von wenigen Tech-Konzernen abhänge. Der Vertrieb journalistischer Inhalte liege faktisch bei den Algorithmen von Meta, Google, TikTok und X. Diese profitorientierten Plattformen würden Zuspitzung belohnen, während seriöse Recherchen im Gegenzug Reichweite einbüßen. Beckedahl fordert daher, europäische Digitalgesetze wie den DSA und den DMA gegen den Widerstand der US-Regierung konsequent durchzusetzen. Außerdem sollten öffentlich-rechtliche Medien unabhängige und offene Vertriebswege aufbauen, um sich aus der Plattformabhängigkeit zu befreien.

3. No SLAPP: Strategische Verteidigung
(verdi.de, Eberhard Reinecke & Sven Tamer)
Bei “M – Menschen machen Medien” gibt es das mittlerweile fünfte Kapitel des No-SLAPP-Handbuchs zur Abwehr nicht-gerechtfertigter Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten. Da deutsche Gerichte Klagen kaum allein mit Verweis auf den Schikane-Charakter abweisen würden, komme es auf eine kluge Verteidigung an. Neben sauberer Trennung von Fakten und Meinung sowie präziser Verdachtsberichterstattung könnten Redaktionen den Klägern das Kostenrisiko zuschieben: Etwa indem man Unterlassungserklärungen modifiziert abgebe (“ohne Anerkennung einer Rechtspflicht”), die Übernahme gegnerischer Anwaltskosten jedoch verweigere.

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4. Meta-Kontrolleure warnen vor »Community Notes« statt Faktenchecks
(spiegel.de)
Das unabhängige Aufsichtsgremium von Meta habe den Social-Media-Konzern davor gewarnt, professionelle Faktenchecks durch sogenannte Community Notes zu ersetzen. Bei diesem Modell fügen Nutzerinnen und Nutzer Kontexthinweise selbst ein, ähnlich wie beim Kurznachrichtendienst X/Twitter. Meta teste dieses Crowdsourcing-System derzeit in 16 Ländern Lateinamerikas für Facebook, Instagram und Threads. Das Oversight Board betone, dass Community Notes kein vollwertiger Ersatz für Faktenprüfungen seien und Desinformationen Vorschub leisten könnten.

5. Zoom auf das frittierte Huhn
(taz.de, Anastasia Zejneli)
Nach zwölf Jahren beende die britische Comedian Amelia Dimoldenberg ihr Erfolgsformat “Chicken Shop Date”. Die Interviewreihe, bei der Prominente in einfachen Londoner Schnellimbissen interviewt werden, gelte als prägender Vorreiter moderner Web- und Kurzvideo-Formate. Der Reiz liege in Dimoldenbergs trockener Schlagfertigkeit, in den absurden Schnitten und dem bewussten Aushalten peinlicher Stille. Dadurch habe sie Stars wie Billie Eilish, Paul Mescal oder Paul McCartney ungeschminkte, private Reaktionen entlockt. Virale Clips auf TikTok hätten dem Kanal zu Weltruhm und 3,45 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten verholfen. Zahlreiche internationale Nachahmer hätten versucht, den Mix aus Parodie und Flirt zu kopieren.

6. “Widow’s Bay” dominiert, Matthew Rhys und Jean Smart im Olymp
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Bei der Verleihung der Primetime Emmys 2026 habe die Horror-Comedy-Serie “Widow’s Bay” (Apple TV) mit insgesamt 14 Auszeichnungen triumphiert. Für ein historisches Novum habe Hauptdarsteller Matthew Rhys gesorgt. Er sei als erster Schauspieler im selben Jahr für zwei verschiedene Produktionen ausgezeichnet worden: für “Widow’s Bay” sowie für die Netflix-Miniserie “The Beast in Me”. Als beste Dramaserie habe sich erneut “The Pitt” (HBO Max) mit Hauptdarsteller Noah Wyle durchgesetzt.

AfD-Normalisierer Lanz?, Musk droht Doku-Machern, “Sie belügen euch”

1. Markus Lanz, die AfD und der lässige Wiederaufbau unser Demokratie
(substack.com, Dirk Laabs)
Investigativjournalist Dirk Laabs wirft dem ZDF-Talkmaster Markus Lanz vor, durch unkritisches Diskursmanagement und Quotenfixierung maßgeblich zur Normalisierung der AfD beigetragen zu haben. Ausgehend von einer Begegnung im Jahr 2018, bei der Lanz bereits pauschalisierende Narrative über Migration bedient habe, zeichnet Laabs die Entwicklung der Talkshow nach. Dass sich Markus Lanz nun bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises mit Durchhalteparolen als Retter der Demokratie inszeniere, sei scheinheilig und zeuge von gefährlicher Realitätsverweigerung.

2. Menschengecodete Krise
(taz.de, Marie Kilg)
In der “taz” kommentiert Marie Kilg die “menschengecodete Krise”. Die Debatte um existenzielle Bedrohungen durch Künstliche Intelligenz, ausgelöst durch den öffentlichkeitswirksamen Abgang des Anthropic-Entwicklers Jacob Coxon, verschleiere die eigentliche Ursache der Risiken: Hinter jedem autonomen Schadenspotenzial stünden menschliche Entscheidungen, Trainingsdaten und gezielt programmierte Schleifen. Sprachmodelle würden nicht eigenständig handeln, sondern von Entwicklern mit Werkzeugen und Zielen ausgestattet. Der Vorstoß führender US-Tech-Konzerne für eine angebliche Selbstregulierung diene vor allem dem Schutz der eigenen Marktanteile vor Konkurrenten.

3. Musk droht Machern von kritischer Doku über ihn Klagen an
(derstandard.at)
Elon Musk habe den Machern eines Dokumentarfilms über den Tech-Milliardär mit rechtlichen Schritten gedroht. Musks Anwalt Alex Spiro werfe Regisseur Alex Gibney sowie beteiligten Unternehmen wie HBO und Universal vor, in dem beim Filmfestival von Venedig uraufgeführten Film “Musk” gezielt Falschinformationen und Diffamierungen zu verbreiten. Unter anderem habe das Filmteam einen Vorab-Faktencheck mit Elon Musks Umfeld abgelehnt und unbelegte Thesen über eine Wahlmanipulation via Starlink transportiert. Die Produktionsfirma Jigsaw habe die Vorwürfe zurückgewiesen. Eine kritische Auseinandersetzung mit einflussreichen Persönlichkeiten sei elementarer Bestandteil der Meinungsfreiheit.

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4. Kann die “Humanisierung” des Journalisten Medienvertrauen schaffen?
(de.ejo-online.eu)
Die Forscherin und Journalistin Emilie Gambade habe in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie das gezielte Ablegen der distanzierten “professionellen Maske” das schwindende Vertrauen in Medien wiederherstellen kann. Da Glaubwürdigkeit zunehmend über intuitive, emotionale Resonanz bewertet werde, helfe das Sichtbarmachen von Verwundbarkeit und persönlicher Motivation dabei, parasoziale Bindungen aufzubauen. Am Beispiel ihrer Doku-Serie “The Messenger” plädiert Gambade dafür, Journalistinnen und Journalisten nahbar als vollwertige Menschen mit eigenen Werten und Schwächen zu porträtieren.

5. Mentoring für mehr Vielfalt
(verdi.de, Till Schmidt)
Das Projekt “Mentoring@NRW” fördere Nachwuchskräfte mit Zuwanderungsgeschichte beim Einstieg in den Journalismus, um der sozialen Selektion durch unbezahlte Praktika entgegenzuwirken. Wie Projektleiterin Anna Kravčíková berichte, habe die Initiative seit ihrem Start vor sechs Jahren über 60 Talente in Medienhäuser vermittelt. Wegen finanzieller Kürzungen weiche das Programm nun auf ein intensives Camp-Format für 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, das Themen wie Bezahlung, Story-Pitches und Rassismuserfahrungen adressiere. Ein besonderer Fokus liege dabei auf dem Lokal- und Regionaljournalismus.

6. Sie belügen euch und werden reich damit
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 18:44 Minuten)
Mats Schönauer deckt in diesem Video auf, wie mit KI-generierten Inhalten (“KI-Slop”) auf Social-Media-Plattformen massenhaft Klicks und Geld generiert werden. Als Beispiel dient der reichweitenstärkste deutsche YouTube-Kanal “Tsuriki Show”, der Milliarden Aufrufe mit automatisiert wiederholtem KI-Trash erziele. Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

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