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“Fast alle Fakten falsch”

Am 21. Juli kam es auf einem Dorffest in Dußlingen zu einem folgenschweren Unfall: Nach einer technischen Panne verletzte ein Böllerschuss den 43-jährigen Klaus K. schwer am Kopf.

Und als er eine Woche später an den Folgen der Explosion starb, berichtete auch “Bild” — überregional, in großer Aufmachung (siehe Ausriss) und online:

Er wollte gucken, warum es nicht knallt
Schützen-Chef schießt sich mit Kanone in den Kopf


Er guckte ins Kanonenrohr, wo der Böller bleibt …

(…) Die Dußlinger Bürger versammeln sich. Dann zieht er die Schnur für das erste Geschoss. Rrrums! Ein Knall. Die Gemeinde klatscht. Dann zieht der Schützenchef die zweite Schnur. Aber sie reißt! Nichts passiert! Sekunden später betritt er die Absperrzone, geht auf die Böllerkanone zu: Das mit Schwarzpulver gefüllte Metallrohr ist noch immer mit dem Korken verschlossen. Er beugt sich darüber. (…)
Quelle: “Bild” vom 1.8.2007

Das “Schwäbische Tagblatt” berichtet heute jedoch, der “unwürdige” Artikel habe bei Angehörigen und Bekannten “Ärger und Wut” ausgelöst, denn:

Fast alle Fakten in dem Artikel waren falsch (…).

So bezogen sich alle Angaben zu Familienstand, Kinderzahl und Arbeitgeber in “Bild” nicht auf den vermeintlichen “Schützen-Chef” bzw. “Chef des Schützenvereins” Klaus K., sondern ganz offensichtlich auf den am Unfall völlig unbeteiligten, tatsächlichen “Schützen-Chef” Karl-Werner R. (Unfallopfer K. war dessen Stellvertreter).*

Bei derart mangelhafter Recherche (das unscharfe Opferfoto hatte “Bild” zudem offenbar ohne Genehmigung von der Internetseite des Schützenvereins kopiert) ist es dann doch erstaunlich, dass “Bild” über den Unfallhergang besser Bescheid zu wissen scheint (siehe Kasten) als Augenzeugen und Polizei. Letztere kann nur ein Fremdverschulden ausschließen, darüber, wie genau es zu dem Unglück kam, gibt es widersprüchliche Aussagen.

*) Nachdem sich Angehörige von Klaus K. bei “Bild” beschwert hatten, erschien in der örtlichen “Bild”-Regionalausgabe ein weiterer, kleiner Artikel, in dem (anlässlich der Beerdigung K.s) die falschen Angaben teilweise richtiggestellt wurden — allerdings ohne Hinweis auf die früheren Fehler, dafür aber mit dem Zusatz “BILD berichtete” und unter der Überschrift “Schützenchef beerdigt”.

Dank an Michael H. für den Hinweis und Tobias Z. für die Unterstützung.

Traurige Fakten

Schwer zu sagen, ob das “brutale Grand-Prix-Debakel” (also die Tatsache, dass der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest in Kiew am vergangenen Samstag auf dem letzten Platz landete) “jetzt” tatsächlich “Konsequenzen” hat, wie es heute in der “Bild”-Zeitung steht, ob es also irgendwie gerechtfertigt ist, wenn “Bild” behauptet:

0 points! ARD feuert Grand-Prix-Chef

Tatsache ist, dass der für den Grand Prix zuständige NDR bereits gestern bekannt gab, der bisherige Grand-Prix-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer höre “auf eigenen Wunsch” auf.

Tatsache ist auch, dass die Nachrichtenagentur ddp daraufhin schrieb:

“Meier-Beer unterstrich, sein Abgang habe nichts mit dem Grand-Prix-Debakel (…) zu tun (…). Die Gespräche über eine neue Aufgabe für ihn hätten bereits vor einem halben Jahr begonnen.”

Und der NDR legte heute, nach den “ARD feuert Grand-Prix-Chef”-Behauptungen, mit einer zweiten Pressemitteilung nach, in der es heißt:

“Spekulationen in Teilen der Presse, der NDR habe seinen Grand-Prix-Verantwortlichen strafversetzt oder gar gefeuert, entbehren jeder Grundlage (…). Tatsächlich hat Herr Dr. Meier-Beer bereits vor sechs Monaten darum gebeten, nach zehn Jahren mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden. Zu diesem Zeitpunkt haben wir gemeinsam begonnen, seinen Wechsel vorzubereiten (…)”

Und wenn sich der NDR nun abermals (und derart ausdrücklich) an die Öffentlichkeit wendet und betont, die Personalie stehe “in keinem Zusammenhang mit dem Abschneiden der Sängerin Gracia beim ‘Eurovision Song Contest'”, dann sollte man sich den “Bild”-Text vielleicht doch noch einmal genauer anschauen. Schließlich findet man dort zwar jede Menge Ausrufezeichen (“Gracia Letzte! Miese Quote! Falsches Konzept!”, “Das brutale Grand-Prix-Debakel in Kiew, jetzt hat es Konsequenzen!”, “Die ARD feuert Grand-Prix-Chef Jürgen Meier-Beer (53)!”, “Null Punkte für den Ex-Unterhaltungs-Chef!”, “Sinkende Einschaltquote!”, “Katastrophales Ergebnis!”, “Hohe Kosten!”, “Falsches Auswahlsystem!”) — aber kein einziges Indiz für die Behauptung, Meier-Beer sei gefeuert worden.

Stattdessen findet man unter dem Stichwort “Traurige Fakten” den Satz:

2000 schauten noch 12 Millionen zu, dieses Jahr nur rund 7 Millionen.

Und das ist in der Tat traurig, weil es nämlich 2000 nicht “12 Millionen”, sondern 10,03 Millionen Zuschauer waren, was hier nur deshalb Erwähnung finden soll, weil “Bild” nicht einmal dort, wo sie ausdrücklich mit “Fakten” aufwartet, mit Fakten aufwartet.

Nachtrag, 18.6.2005:
Bild.de muss eine Gegendarstellung des NDR-Intendanten Jobst Plog u.a. veröffentlichen, in der es heißt, “daß Herr Dr. Meier-Beer bereits vor mehreren Monaten darum gebeten hat, mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden und bereits vor Durchführung des ‘Eurovison Song Contest’ feststand, daß Herr Dr. Meier-Beer den Posten des „Grand-Prix-Chefs“ abgeben würde.” Der “Bild”-Artikel selbst ist online nicht mehr verfügbar.

Der MDR und die AfD, Digitale Drogendealer, Quellen-Blackbox KI

1. Im Sturm: Der MDR, die AfD und die Macht der gefühlten Fakten
(dwdl.de, Peer Schader)
Der MDR warne sein Publikum vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit kurzen TV-Bildausfällen davor, dass die AfD den öffentlich-rechtlichen Sender bei einem Wahlsieg abschaffen wolle. Kolumnist Peer Schader schreibt bei “DWDL”, dass Fakten und Aufklärung bei der Partei kaum Wirkung hätten, da sie Sachargumente ignoriere und mit gefühlten Wahrheiten Stimmung mache. Die AfD nutze jeden Streit und jedes Chaos, um sich weiter als Opfer des Systems darzustellen: “Es ist eine Herausforderung – nicht nur für Journalist:innen und für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als solchen, sondern vielleicht für die ganze Gesellschaft: Wie soll man damit umgehen, dass ein Gegenüber jegliche Debatte verunmöglicht, indem es faktisch belegbare Probleme nicht als solche anerkennt – und stattdessen andere behauptet, die faktisch nicht oder kaum zu belegen sind?”

2. Was Zuckerberg wirklich gekauft hat
(digitalpolitik.de, Markus Beckedahl)
Markus Beckedahl kommentiert den Vergleich in Milliardenhöhe, mit dem der Social-Media-Konzern Meta einen der größten Jugendschutzprozesse gegen einen Tech-Konzern abgewendet hat: “Mark Zuckerberg hat in den USA seinen eigenen Standard mitverhandelt und ihn quasi aus der Portokasse bezahlt. Europa sollte ihn nicht kopieren. Der DSA erlaubt, dort anzusetzen, wo der Vergleich aufhört, bei der Architektur selbst. Die Werkzeuge liegen bereit. Jetzt muss Europa es auch benutzen.”
Mit erfrischender Klarheit kommentiert auch die “Wirtschaftswoche”: “Der Facebook-Konzern räumt mit dem Vergleich inoffiziell ein, dass er soziales Gift produziert und digitale Suchtmittel vertickt hat – und entgeht damit seiner Verurteilung als Drogendealer. Es ist ein historischer Sieg. Für Meta und die US-Digitalkonzerne. Sie reinigen ihre Rauschgifte künftig vom gröbsten Dreck und legalisieren sie, nachträglich und vorsorglich, frei nach Paracelsus: alles eine Frage der Dosis.” (wirtschaftswoche.de, Dieter Schnaas)

3. Guten Abend, hier ist die KI-Schau
(taz.de, Selina Hellfritsch)
Eine Studie (PDF) des Thinktanks “Agora Digitale Transformation” warne davor, dass KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude zu neuen, intransparenten Gatekeepern der öffentlichen Meinungsbildung würden. Die Forscherin Vivien Benert kritisiere, dass die Quellenauswahl oft eine unkontrollierbare “Blackbox” bleibe. Zudem würden KI-Übersichten in Suchmaschinen die ökonomische Basis von Verlagen bedrohen, da seltener auf Originalquellen geklickt werde.

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4. KI-Test: Ein Chatbot fälscht Nachrichten ohne Zögern
(correctiv.org, Hanna Fröhlich & Sven Niederhäuser)
Ein Test von “Correctiv.Schweiz” zeige, dass sich mit ChatGPT in Sekundenschnelle täuschend echte Social-Media-Grafiken und Falschmeldungen im Design etablierter Schweizer und internationaler Medien (wie SRF, “NZZ” oder “New York Times”) erstellen lassen. Während andere Modelle wie Google Gemini oder Meta AI Falschinformationen oder geschützte Markenlogos weitgehend blockieren würden, generiere ChatGPT selbst gravierende “Fake News” zu Themen wie Wahlbetrug, Klimawandel oder Impfschäden. Expertinnen und Experten wie Angela Müller von “AlgorithmWatch CH” und Florian Tramér von der ETH Zürich sähen darin eine massive Gefahr für die demokratische Meinungsbildung.

5. Newsletter Netzwerk Recherche 260
(netzwerkrecherche.or, Lena Wrba & Christina Brause)
Im aktuellen Newsletter des Netzwerk Recherche (NR) blickt Christina Brause auf das sechsjährige Bestehen der NR-Fachgruppe Datenjournalismus zurück und kündigt neue Austauschformate wie die Wiederbelebung des “Datendienstags” sowie praxisorientierte Abende zu KI und OSINT an. Außerdem gibt es wie immer einen Überblick über medienrelevante Nachrichten, Veranstaltungen, Preise und Stipendien.

6. Rechtsstreit um Trumps Visa-Pläne für Journalisten und Studierende
(medien.epd.de)
In den USA würden mehrere Bildungsverbände und Journalistengewerkschaften gegen die Pläne des US-Heimatschutzministeriums, die Gültigkeitsdauer von Visa für ausländische Medienschaffende drastisch von bis zu fünf Jahren auf nur noch 240 Tage zu verkürzen, klagen. Die Kläger würden gravierende Verfahrensfehler nach dem Verwaltungsverfahrensgesetz rügen und sähen in der Neuregelung einen verfassungswidrigen Angriff auf die Presse- und Redefreiheit.

Eine Million pro Monat, Superlativ ist nicht super, Ave Maria in der Endzone

1. “Exxpress”-Schwesterportal “Nius” kostet Financier Gotthardt eine Million Euro pro Monat
(derstandard.at, Harald Fidler)
Der deutsche Software-Unternehmer Frank Gotthardt habe gegenüber der “Zeit” (nur mit Abo lesbar) offengelegt, dass ihn die von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt geführte Plattform “Nius” monatlich rund eine Million Euro oder mehr koste. Die Betreibergesellschaft halte zudem die Mehrheit am österreichischen Onlineportal “Exxpress”. Trotz kumulierter Verluste im zweistelligen Millionenbereich in den vergangenen Jahren verteidige Gotthardt sein finanzielles Engagement als Gegenpol zum aus seiner Sicht belehrenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

2. Was sollte das eigentlich? Vor 5 Jahren startete Bild TV
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Fünf Jahre nach dem Sendestart von “Bild TV” rekapituliert Thomas Lückerath das Scheitern des linearen TV-Projekts des Axel-Springer-Verlags: “Boulevard-Journalismus der ‘Bild’ funktioniert maßgeblich über Zuspitzung in Schlagzeilen. Legendär sind Titelseite a la ‘Wir sind Papst’. Schlagzeilen, egal ob online oder gedruckt, die bleiben. Doch in mehrstündigen Live-Strecken versendet sich Gesagtes, lässt sich nur bedingt wiederholen. Bild TV lieferte viel Sendestrecke, aber das Medium lässt weniger Pointierung zu.”

3. Und am Wochenende ist Disco mit Peter
(taz.de, Doris Akrap)
Doris Akrap porträtiert die Magdeburger “Volksstimme” und deren Redaktionsalltag unter Chefredakteur Marc Rath. Trotz des digitalen Medienwandels und anhaltender Auflagenverluste behaupte sich das Blatt als auflagenstärkste Regionalzeitung Sachsen-Anhalts. Die Redaktion sehe sich und ihren bodenständigen Lokaljournalismus auch gegenüber politischem Druck und gesellschaftlichen Spannungen gut gerüstet.

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4. Juristin Brosius-Gersdorf fordert besseren Schutz vor Hass im Netz
(zeit.de)
Die Verfassungsrechtlerin Frauke Brosius-Gersdorf spreche sich im Interview mit dem “Tagesspiegel” für schärfere gesetzliche Vorgaben gegen Hetze und Desinformation auf Onlineplattformen aus. Soziale Netzwerke seien zwar ein demokratischer Gewinn für die freie Meinungsäußerung, brächten durch Anonymität jedoch erhebliche Gefahren mit sich. Sie plädiere daher für eine Verpflichtung der Plattformen, bei der Registrierung Klarnamen und Adressen der Nutzerinnen und Nutzer zu erfassen. Dies ermögliche später einen Auskunftsanspruch.

5. Medien und Boulevard: Der Superlativ ist nicht super
(fr.de, Tanjev Schultz)
Journalistik-Professor Tanjev Schultz kritisiert in seinem Beitrag für die “Frankfurter Rundschau” den inflationären Einsatz von Superlativen und Zuspitzungen in der Berichterstattung verschiedener Medien. Anhand von Artikeln über die vermeintlich “gefährlichste Schule Deutschlands” oder Schlagzeilen, die einzelne Politiker zum “gefährlichsten Mann” des Landes erklären, warnt Schultz vor einer Erosion journalistischer Standards. Die permanente Skandalisierung und Personalisierung führe zu einer sprachlichen Verrohung und drohe, das Publikum abzustumpfen.

6. Kinder von Robin Williams kämpfen gegen KI-Williams auf Social Media – bei Social Media
(spiegel.de)
Zwölf Jahre nach dem Tod von Schauspieler Robin Williams hätten seine drei Kinder den seit 628 Wochen stillgelegten Instagram-Account ihres Vaters reaktiviert. Sie würden der Flut an KI-generierten Fälschungen, die Stimme und Aussehen des Komikers imitieren, ein authentisches, verlässliches Archiv entgegensetzen wollen. Tochter Zelda Williams sehe darin die beste Handhabe, um das künstlerische Erbe ihres Vaters vor Verwässerung und Missbrauch zu schützen.

7. Ave Maria in der Endzone (mit Lorenz Meyer)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:02:44 Stunden)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Gavin Karlmeier und der “6-vor-9”-Kurator analysieren bei “Haken dran” den Auftakt des US-Prozesses gegen Meta, in dem die Richterin den Versuch des Social-Media-Konzerns, den ehemaligen Mitarbeiter und Kronzeugen Arturo Béjar per Verfahrensantrag auszuschließen, abgewiesen habe. Béjar belaste die Unternehmensführung schwer. Er werfe Mark Zuckerberg vor, Profit und Verweildauer über den Schutz Minderjähriger gestellt zu haben. Außerdem geht es um die Untersuchungen gegen TikTok wegen riskanter Algorithmen-Tests bei Jugendlichen, um Metas smarte Kamerabrillen sowie um die Kontroverse um die W-Social-Plattformchefin Anna Zeiter.

KW 34/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. AfD im Wahlkampf: Angriff auf ARD und ZDF
(ndr.de, Lea Eichhorn, Video: 21:56 Minuten)
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt untersucht das NDR-Medienmagazin “Zapp”, gewissermaßen in eigener Sache, die Pläne der AfD, den Medienstaatsvertrag zu kündigen und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf einen steuerfinanzierten “Grundfunk” zu reduzieren. NDR-Justiziar Michael Kühn fasst die Kündigungsdrohungen als verfassungswidrigen Angriff auf die freie Medienordnung zusammen. Das jetzige System habe seinen Grund: “Das sind die Lehren aus dem Dritten Reich”, so Kühn.

2. REICH – Das Geschäft mit dem Zweifel
(ardsounds.de, Patrick Stegemann, Audio: fünf Folgen, je zwischen 30 und 40 Minuten)
In dieser fünfteiligen investigativen Podcast-Reihe deckt ein Journalistenteam auf, wie einflussreiche Lobbyorganisationen, Denkfabriken und PR-Strategen gezielt wissenschaftliche Erkenntnisse relativieren. Das System sei historisch für die Tabak- und Alkoholindustrie entwickelt worden. Heute werde es vor allem von Öl- und Gaskonzernen für deren Desinformations- und Medienkampagnen genutzt.

3. Warum sind Sportlerinterviews immer so nichtssagend?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 24:11 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast unterhält sich Holger Klein mit Christian Spiller, dem Leiter des Sportressorts bei der “Zeit”. Es geht um Sinn und Zweck von Sportlerinterviews bei Großereignissen oder nach Spielen und Wettkämpfen: “Welche Interviews haben bei der Leichtathletik-EM für Aufsehen gesorgt? Wieso geben Fußballer meist so langweilige Antworten? Und wie könnte man das ändern?”

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4. DAS ist die dümmste ZDF-Talkshow des Jahres!
(youtube.com, Maurice Höfgen, Video: 1:08:59 Stunden)
Der Ökonom und Publizist Maurice Höfgen kritisiert die ZDF-Talkshow von Sarah Tacke und wirft sowohl der Redaktion als auch den Gästen gravierende ökonomische Fehlurteile sowie mangelhafte Faktenprüfung vor. Die Live-Zuschauerumfrage zur Arbeitszeit sei methodisch unbrauchbar, faktische Falschaussagen seien in der Runde unwidersprochen geblieben. Der anschließende redaktionelle Erklärungsversuch in den Sendungskommentaren habe das Problem nicht behoben.

5. Die dümmste Zeitschrift Deutschlands
(youtube.com, Mats Schönauer, Video: 19:45 Minuten)
Mats Schönauer zerlegt in seinem Video die Mechanismen der Regenbogenpresse am Beispiel der Zeitschrift “Meine Freizeit”. Er zeigt auf, wie Verlage mit reißerischen, oft nicht direkt justiziablen, aber vollkommen irreführenden Titelschlagzeilen hunderttausende Exemplare pro Jahr absetzen. Außerdem geht es um redaktionelle Schleichwerbung, ungekennzeichnete PR-Texte sowie absurde Ratgeber-Inhalte.
Transparenzhinweis: Mats Schönauer ist ehemaliger Leiter des BILDblog und Co-Autor des BILDblog-Buchs “Ohne Rücksicht auf Verluste. Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.

6. Warum wir das Kino noch brauchen
(spotify.com, Christian Jakubetz, Audio: 26:47 Minuten)
Im Gespräch mit Gastgeber Christian Jakubetz erörtert Matthias Helwig, Kinobetreiber und Leiter des “Fünf Seen Filmfestivals”, warum es Millionen von Menschen immer noch regelmäßig ins Kino zieht. Es geht aber auch um die strukturellen Herausforderungen der Branche und den wachsenden Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Filmproduktion.

Vorwürfe gegen Facebook-Mutter, KI-Betrug, Der mit den Medien tanzt

1. Schwere Vorwürfe gegen Facebook-Mutter zum Auftakt von Milliardenprozess
(spiegel.de)
In Kalifornien habe ein wegweisender Prozess mehrerer US-Bundesstaaten gegen den Social-Media-Konzern Meta begonnen. Dem Unternehmen werde vorgeworfen, Minderjährige durch gezielte Design-Mechanismen wie Endlos-Scrollen oder Benachrichtigungsfluten systematisch abhängig und psychisch krank gemacht zu haben. Die Staatsanwaltschaft verlange neben strukturellen Änderungen Strafzahlungen in Höhe von rund 200 Milliarden US-Dollar. Meta weise die Anschuldigungen zurück.

2. Schmeichelnd, wortgewandt und fake
(taz.de, Sara Piazza)
In einem persönlichen Erfahrungsbericht schildert Sara Piazza, wie Onlinebetrüger vermehrt Journalistinnen und Journalisten sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller mit KI-generierten Phishing-Kampagnen ins Visier nehmen. Mittels elaborierter, schmeichelhafter Analysen und gefälschter Einladungen zu Literaturfestivals würden die Kriminellen versuchen, Medienschaffenden Geld abzuluchsen. Piazza kommentiert: “Wenn man dazu bedenkt, dass es heutzutage durch aggressive Self-Publishing-Kolosse wie Amazon sehr einfach geworden ist, ein Buch ganz ohne Verlag online zu stellen, versteht man, dass die Scammer immer mehr potenzielle Opfer finden.”

3. Richtig lesen – aber wie?
(kontextwochenzeitung.de, Pauline Ammon)
Die Württembergische Landesbibliothek in Stuttgart habe ihren Rückzug von allen Social-Media-Kanälen bekanntgegeben. Ausgerechnet dieser Social-Media-Post habe viel Aufmerksamkeit erfahren. Die Einrichtung begründe ihren Schritt damit, dass die Plattformlogiken und verkürzten Zuspitzungen dem Bildungsauftrag widersprächen und die gesellschaftliche Lesekompetenz schwächen würden. Pauline Ammon kommentiert: “Hinter dem Schritt mögen noble Gründe stehen, die schwindenden Lesefähigkeiten sind ein offenes Problem. Aber ein Lösungsansatz wird durch den Rückzug nicht ersichtlich. Und so liest sich das Statement zum Abschied vor allem als Eingeständnis von Resignation.”

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4. Face­book hat ver­bo­tene Posts nicht vor­sätz­lich langsam gelöscht
(lto.de)
Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main habe ein gegen den Meta-Konzern verhängtes Ordnungsgeld wegen der verspäteten Löschung von drei verbotenen Facebook-Beiträgen von 100.000 auf 75.000 Euro reduziert. Die beanstandeten Posts hätten rechtswidrige Falschbehauptungen über einen israelischen Soldaten enthalten und seien trotz gerichtlicher Untersagung über zwei Wochen lang online abrufbar geblieben. Während das Landgericht noch von vorsätzlicher Missachtung ausgegangen sei, habe das OLG das Versäumnis nur als grob fahrlässig eingestuft.

5. 7 Tipps für starke Personenmarken im Journalismus
(blog.medientage.de, Lisa Priller-Gebhardt)
Im Blog der Medientage München beschreibt Lisa Priller-Gebhardt anhand des “Handelsblatt”-Projekts “Editorial Voices”, wie Redaktionen gezielt journalistische Personenmarken aufbauen. Entscheidend für den Erfolg seien unter anderem eine klare strategische Zielsetzung, die Identifikation von Fachthemen sowie die passgenaue Kanalwahl.

6. Zum 60. Geburtstag von Armin Wolf: Der mit den Medien tanzt
(derstandard.de, Hans Rauscher)
Anlässlich des 60. Geburtstags von Journalist und ORF-Moderator Armin Wolf würdigt Hans Rauscher im “Standard” nicht nur Wolfs prägende Interviewführung, sondern vor allem dessen Rolle als medienpolitischer und ethischer Vordenker. Rauscher zeichnet Armin Wolfs Haltung zu journalistischer Unparteilichkeit nach: Echter Qualitätsjournalismus dürfe sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen und müsse klare Kante für demokratische Grundwerte, Menschenrechte und Fakten zeigen.

Frankreich kippt Verbot, Spanische Sanktionen, TikTok-Challenge

1. Social-Media-Verbot in Frankreich gekippt
(tagesschau.de)
Frankreichs Verfassungsrat habe das Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gekippt. Das Verbot stelle “einen unverhältnismäßigen Eingriff” in die Meinungs- und Kommunikationsfreiheit der Betroffenen dar. Die französische Nationalversammlung und der Senat hätten erst im Juli für das Gesetz gestimmt, das ohne das Veto des Verfassungsrats im September in Kraft getreten wäre.

2. Nach Frage an Selenskyj: Strafverfahren in Russland gegen “FAZ”-Journalisten
(derstandard.at)
Die russischen Behörden hätten laut der staatlichen Agentur TASS ein Strafverfahren wegen angeblichen Schürens von Hass gegen einen Südosteuropa-Korrespondenten der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) eingeleitet und würden eine internationale Fahndung prüfen. Anlass sei eine Frage des Journalisten bei einer Pressekonferenz in Belgrad an den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, die von der “FAZ” nachträglich als missverständlich formuliert bedauert worden sei.

3. Spanien: Strafe für Berichterstattung?
(verdi.de, Ralf Streck)
Das Verdi-Magazin “M – Menschen machen Medien” berichtet über Sanktionsverfahren der spanischen Datenschutzbehörde gegen mehrere Zeitungen, darunter die katalanische Wochenzeitung “La Directa”. Den Medien würden Geldstrafen und Löschauflagen drohen, weil sie das verdeckte Einschleusen von Polizeibeamten in soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Gruppen öffentlich gemacht hätten. Journalistinnen und Journalisten sowie Menschenrechtsorganisationen würden sich mit den betroffenen Redaktionen solidarisieren und das Vorgehen als Zensur verurteilen.

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4. In Guinea-Bissau wankt die Demokratie: Journalismusausbildung ist wichtiger denn je
(de.ejo-online.eu, Enock Sithole)
Nach den abgebrochenen Wahlen in Guinea-Bissau stünden freie Medien dort unter starkem politischem Druck und Zensur. Eine neue Studie zeige, wie unverzichtbar unabhängige Berichte, vor allem im Radio, für die Bevölkerung seien, um Gerüchte von Fakten trennen zu können. Damit Reporterinnen und Reporter Einschüchterungen standhalten und Machtmissbrauch aufdecken können, müsste die journalistische Ausbildung noch praxisnäher sein und Recherche, Ethik sowie Faktenprüfung vermitteln.

5. Was aktuell auf Instagram und TikTok viral geht
(dwdl.de, Simon Pycha)
In seinem “Trend-Ticker” fasst Simon Pycha für das Medienmagazin “DWDL” die reichweitenstärksten Phänomene, Memes und Inhaltswellen auf TikTok und Instagram zusammen. Er ordnet aktuelle Dynamiken als Orientierung und Inspiration für Social-Media-Teams ein. Das reicht von skurrilen Community-Insidern und KI-generierten Inhalten bis hin zu Beziehungs-Challenges und inszenierten Corporate-Statements.

6. TikTok-Challenge: Mann nimmt gefährliche Dosis Schmerzmittel
(zeit.de)
In Würzburg habe ein 23-Jähriger im Rahmen einer gefährlichen TikTok-Challenge eine potenziell lebensbedrohliche Menge Schmerzmittel eingenommen, sei deswegen ins Krankenhaus gekommen, habe dies jedoch eigenmächtig wieder verlassen. Dank einer Suchaktion sei er rechtzeitig aufgefunden und versorgt worden, wodurch schwere Organschäden abgewendet worden seien. Die Ermittlungsbehörden warnen eindringlich vor derlei Online-Mutproben.

KW 33/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. Wie entlarvt man Klima-Unsinn in rechtsalternativen Medien?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 20:57 Minuten)
In der neuen Ausgabe des “Übermedien”-Podcasts spricht Holger Klein mit dem Medienethiker Luis Paulitsch, der sich jüngst mit Klima-Desinformation auf rechten Portalen beschäftigt hat: “Wie kann man die Strategien rechtsalternativer Medien entlarven? Welcher Lobby-Verein taucht immer wieder in klimaskeptischen Beiträgen auf? Und was könnte auch der Klimajournalismus etablierter Medien besser machen?”

2. Banal & Teuer: Was die Regierung auf Social Media treibt
(ardmediathek.de, Anja Reschke, Video: 29:47 Minuten)
Anja Reschke thematisiert in ihrer Sendung “Reschke Fernsehen” den wachsenden Social-Media-Apparat der Bundespolitik und hinterfragt den Nutzen der millionenschweren Kampagnen auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Allein die Bundesministerien würden über 200 Onlinekanäle betreiben, mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Social Media beschäftigen und hochdotierte Aufträge an externe Werbeagenturen vergeben. Reschke kritisiert, dass der eigentliche verfassungsrechtliche Informationsauftrag zunehmend in inhaltsarmer Selbstdarstellung und Unterhaltung untergehe.

3. Geplante Änderungen des Informationsfreiheitsgesetzes
(djv-nrw.de, Sascha Fobbe, Audio: 28:36 Minuten)
In dieser Folge des Podcasts “Ohne Block und Bleistift” des Deutschen Journalisten-Verbands NRW diskutieren Daniel Drepper (Netzwerk Recherche) und Jonas Seufert (“FragDenStaat”) über die von der Bundesregierung geplanten Reformen des Informationsfreiheitsgesetzes. Beide Journalisten warnen: Neue Hürden wie Begründungspflichten, drohende Gebührenerhöhungen und geschwächte Kontrollinstanzen würden den Zugang zu behördlichen Dokumenten drastisch beschneiden und damit die investigative Berichterstattung gefährden.

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4. Gegen Netflix & Co – Kann ein neuer TV Sender das Privatfernsehen retten?
(ardsounds.de, Leonie Thim, Audio: 27:20 Minuten)
ProSiebenSat.1 wolle einen weiteren Fernsehsender an den Start bringen: Sat.2 soll er heißen und vor allem als Abspielstation für bereits eingeführte Serien und Klassiker dienen. “Warum setzt der Konzern ausgerechnet jetzt auf Nostalgie? Ist das ein verzweifelter Versuch, Zuschauer zurückzugewinnen, oder eine überraschend kluge Strategie? Und wie steht es generell um das lineare Fernsehen?” Der Podcast “BR24 Medien” hat den Fernsehsender zu seinen Plänen befragt, Medienjournalist Steffen Grimberg ordnet das Ganze ein.

5. KI seit Tag eins: Ist morningcrunch ein Modell für den Journalismus von morgen?
(youtube.com, Paul Elvers, Video: 53:30 Minuten)
Im Podcast “KI Köpfe” erzählt “Morning-Crunch”-Mitgründer Paul Ostwald vom Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz im Redaktionsalltag seines Finanz-Newsletters. Er erläutert, wie das Start-up KI-Tools für automatisierte Datenrecherchen, Briefings und Faktenprüfungen nutzt, betont jedoch, dass der unverzichtbare Mehrwert weiterhin beim Menschen liege: Erst redaktionelle Tonalität, Humor und fundierte Kontextualisierung könnten für Leserbindung und Glaubwürdigkeit sorgen.

6. Chinas Buch-Bubble
(diary.umlauts.de, Sven Tetzlaff, Audio: 23:10 Minuten)
In der aktuellen Ausgabe seines “China Tagebuchs” beschäftigt sich Sven Tetzlaff mit der lebendigen chinesischen Literaturszene: von 24-Stunden-Buchlieferdiensten bis zur Verleihung des Lu-Xun-Literaturpreises an einen dichtenden Essenskurier. Im Mittelpunkt steht die 200-Millionen-Nutzer-Plattform “Douban” als asiatisches Pendant zu “Goodreads”. Tetzlaff kritisiert die westliche, oft angelsächsisch verengte Medien- und Literaturblase, die viele Gegenwartsdiskurse und Werke aus Asien systematisch übersehe.

“FAZ” bedauert Frage, Bedrohte Synchronbranche, Bollywood-Ausflug

1. Tötung russischer Soldaten: FAZ bedauert Frage an Selenskyj
(medien.epd.de)
Der Evangelische Pressedienst berichtet, dass die “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (“FAZ”) sich von einer Formulierung ihres Korrespondenten Michael Martens distanziere. Bei einer Pressekonferenz habe Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, wie Europa der Ukraine helfen könne, “mehr russische Soldaten zu töten”. Der Vorfall habe heftige Reaktionen in den Sozialen Medien nach sich gezogen. Die “FAZ” bedauere die “missverständlich formulierte” Frage.

2. Wie KI Synchronsprecher bedroht
(youtube.com, Filmriss, Video: 39:32 Minuten)
In diesem “Filmriss”-Video geht es um den Machtkampf zwischen der deutschen Synchronbranche und dem rasanten Vormarsch generativer Künstlicher Intelligenz. Bekannte Stimmen wie Charles Rettinghaus (unter anderem Jamie Foxx und Leornado DiCaprio), Giuliana Jakobeit (u. a. Keira Knightley) und Peter Flechtner (u. a. Ben Affleck) schildern die emotionale und handwerkliche Tiefe des Synchronschauspiels. Und sie kritisieren das ungefragte und oft rechtswidrige Training von Sprachmodellen mit ihren eigenen Stimmen.

3. Bahn frei für Bahn-Bashing?
(taz.de, Ambros Waibel)
Die “taz” befasst sich mit zwei aktuellen ZDF-Dokumentationen über die Deutsche Bahn (“Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?” sowie “Das Deutsche-Bahn-Desaster”). Beide Dokumentationen zögen am Ende ein ähnliches Fazit: Das Desaster bei der Bahn fungiere als Sinnbild für die verfehlte Infrastrukturpolitik und den Zustand der gesamten Bundesrepublik. “taz”-Redakteur Ambros Waibel erwähnt dabei auch die juristische Auseinandersetzung zwischen der Bahn und dem ZDF über redaktionelle Korrekturen und Fragen der Pressefreiheit.

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4. Wegen Fake News: Angriff auf Sanitäter in Rumänien
(orf.at)
Der ORF berichtet über einen schwerwiegenden Zwischenfall in Rumänien, bei dem Rettungskräfte von einer bewaffneten Gruppe mit Äxten und Steinen angegriffen worden seien. Auslöser sei eine virale Falschnachricht auf TikTok gewesen, laut der Sanitäter in Krankenwägen angeblich kleine Kinder rauben würden. Der ORF-Beitrag thematisiert den konkreten Fall, aber auch die daraus resultierende Debatte über eine stärkere Regulierung und Identitätspflicht in Sozialen Netzwerken.

5. Der Fall Karl Anders und die Frankfurter Rundschau
(journalistik.online, Alf Mayer & Horst Pöttker)
Alf Mayer und Horst Pöttker rekonstruieren das Verdrängen des Verlegers und Widerstandskämpfers Karl Anders aus der Geschichte der “Frankfurter Rundschau”. Anders habe das Blatt Mitte der 1950er-Jahre durch Kredite, kaufmännisches Know-how und den Aufbau des Druckgeschäfts vor dem Konkurs gerettet, sei jedoch nach einem Zerwürfnis mit Mitherausgeber Karl Gerold aus der offiziellen Zeitungschronik gestrichen worden. Die beiden Autoren diskutieren darüber, inwiefern das Ausblenden relevanter Fakten aus der eigenen Hausgeschichte eine Verletzung journalistischer Sorgfaltspflichten darstellt.

6. Mein bester Freund ist Bollywood-Star
(ardmediathek.de, Samuel Häde, Video: 34:00 Minuten)
Die “Y-Kollektiv”-Doku wirft einen Blick auf die Milliarden-Industrie Bollywood: “Y-Kollektiv-Reporter Samuel Häde begleitet seinen besten Freund und Bollywood-Schauspieler Anant Joshi exklusiv durch seinen Alltag – und trifft die deutsche Schauspielerin Lisa-Marie Spiegel, die in Mumbai vom Durchbruch träumt. Er erlebt hautnah, welchen Hype Bollywood-Stars in Indien auslösen und wirft einen Blick hinter die Kulissen auf die Menschen, die die Traumfabrik unter harten Arbeitsbedingungen am Laufen halten.”

“Correctiv” vs. Lanz, Anarcho-Elefant Benjamin Blümchen, Abgeschaltet!

1. WDR-Journalist Restle sieht »US-israelisch-marokkanisches Bündnis« am Werk – Rundfunkrat reicht Beschwerde ein
(spiegel.de)
Der “Spiegel” berichtet über eine Programmbeschwerde im WDR-Rundfunkrat gegen den ARD-Korrespondenten Georg Restle. Anlass ist ein Tweet Restles zu den Ereignissen in Ceuta, in dem er ein Zitat verbreitet habe, welches Israel, den USA und Marokko eine gezielte Destabilisierung der spanischen Regierung unterstelle. Rundfunkratsmitglied Felix Schotland werfe Restle vor, dieser habe seine “weitreichenden politischen Behauptungen ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung” verbreitet.

2. Wie Cor­rectiv im Streit mit Markus Lanz jour­na­lis­ti­sche Stan­dards über Bord wirft
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Felix W. Zimmerman kritisiert eine Social-Media-Kampagne des Recherchezentrums “Correctiv”. Darin gehe es um die Reaktion der “Correctiv”-Redaktion auf den Podcast “Lanz & Precht”, in dem Markus Lanz Aspekte der Potsdam-Recherche hinterfragt habe. Zimmermanns Fazit: “Die Verteidigung der Potsdam-Recherche ist für Correctiv wichtiger geworden als jener faktenbasierte Diskurs, den das Medium einst zu seinem Markenkern erklärte.”

3. Benjamin, du lieber Anarchist
(taz.de, Sølvi Nymoen)
Sølvi Nymoen nimmt die angekündigte verstärkte Fokussierung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) auf Linksextremismus zum Anlass für einen kritisch-satirischen Rückblick auf einen bpb-Beitrag. Darin seien Hörspiel-Klassiker wie “Benjamin Blümchen” und “Bibi Blocksberg” wegen ihrer Darstellungen von Umweltpolitik, Korruption und Zivilcourage als potenziell verfassungsfeindlich und “anarchisch-links” eingeordnet worden.

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4. “Sie Wehleidiger”
(arminwolf.at)
ORF-Moderator Armin Wolf dokumentiert auf seinem Blog den E-Mail-Schlagabtausch mit einem regelmäßigen ORF-Kritiker. Der Beschwerdeführer wirft dem öffentlich-rechtlichen österreichischen Sender vor, aus ideologischen Gründen eine entwarnende Pressekonferenz zur aktuellen Hitzewelle im Programm zu verschweigen. Wolf widerlegt die Vorwürfe Schritt für Schritt mit Links zu den Berichten in den Nachrichten und der Live-Übertragung, woraufhin der Mail-Schreiber ihm Wehleidigkeit vorwirft.

5. “Drachenlord”-Hater sorgen für Gewalt in Franken
(n-tv.de)
n-tv.de berichtet über erneute Vorfälle rund um das verbotene “Schanzenfest” im fränkischen Emskirchen. Trotz eines Verbots hätten sich rund 3.500 zumeist junge Menschen am ehemaligen Wohnort des Ex-YouTubers “Drachenlord” versammelt. Der Beitrag fasst den Polizeieinsatz zusammen, bei dem es wegen Böllerwürfen und Angriffen auf Einsatzkräfte zu mehreren Festnahmen gekommen sei.

6. Abgeschaltet! Der Machtkampf um “Schreinemakers Live”
(dwdl.de, Christian Richter)
Medien- und Fernsehwissenschaftler Christian Richter rekonstruiert in der Reihe “Telegeschichte(n)” einen der spektakulärsten Skandale der deutschen TV-Geschichte: den Live-Sendeabbruch von “Schreinemakers Live” bei Sat.1 im August 1996. Es geht um die Hintergründe der damaligen Steueraffäre rund um Moderatorin Margarethe Schreinemakers, die senderinternen Machtkämpfe mit Sat.1-Chef Fred Kogel sowie den PR-Coup des Konkurrenten RTL, der den zensierten Beitrag am Folgetag ausstrahlte.

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