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Traurige Fakten

Schwer zu sagen, ob das “brutale Grand-Prix-Debakel” (also die Tatsache, dass der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest in Kiew am vergangenen Samstag auf dem letzten Platz landete) “jetzt” tatsächlich “Konsequenzen” hat, wie es heute in der “Bild”-Zeitung steht, ob es also irgendwie gerechtfertigt ist, wenn “Bild” behauptet:

0 points! ARD feuert Grand-Prix-Chef

Tatsache ist, dass der für den Grand Prix zuständige NDR bereits gestern bekannt gab, der bisherige Grand-Prix-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer höre “auf eigenen Wunsch” auf.

Tatsache ist auch, dass die Nachrichtenagentur ddp daraufhin schrieb:

“Meier-Beer unterstrich, sein Abgang habe nichts mit dem Grand-Prix-Debakel (…) zu tun (…). Die Gespräche über eine neue Aufgabe für ihn hätten bereits vor einem halben Jahr begonnen.”

Und der NDR legte heute, nach den “ARD feuert Grand-Prix-Chef”-Behauptungen, mit einer zweiten Pressemitteilung nach, in der es heißt:

“Spekulationen in Teilen der Presse, der NDR habe seinen Grand-Prix-Verantwortlichen strafversetzt oder gar gefeuert, entbehren jeder Grundlage (…). Tatsächlich hat Herr Dr. Meier-Beer bereits vor sechs Monaten darum gebeten, nach zehn Jahren mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden. Zu diesem Zeitpunkt haben wir gemeinsam begonnen, seinen Wechsel vorzubereiten (…)”

Und wenn sich der NDR nun abermals (und derart ausdrücklich) an die Öffentlichkeit wendet und betont, die Personalie stehe “in keinem Zusammenhang mit dem Abschneiden der Sängerin Gracia beim ‘Eurovision Song Contest'”, dann sollte man sich den “Bild”-Text vielleicht doch noch einmal genauer anschauen. Schließlich findet man dort zwar jede Menge Ausrufezeichen (“Gracia Letzte! Miese Quote! Falsches Konzept!”, “Das brutale Grand-Prix-Debakel in Kiew, jetzt hat es Konsequenzen!”, “Die ARD feuert Grand-Prix-Chef Jürgen Meier-Beer (53)!”, “Null Punkte für den Ex-Unterhaltungs-Chef!”, “Sinkende Einschaltquote!”, “Katastrophales Ergebnis!”, “Hohe Kosten!”, “Falsches Auswahlsystem!”) — aber kein einziges Indiz für die Behauptung, Meier-Beer sei gefeuert worden.

Stattdessen findet man unter dem Stichwort “Traurige Fakten” den Satz:

2000 schauten noch 12 Millionen zu, dieses Jahr nur rund 7 Millionen.

Und das ist in der Tat traurig, weil es nämlich 2000 nicht “12 Millionen”, sondern 10,03 Millionen Zuschauer waren, was hier nur deshalb Erwähnung finden soll, weil “Bild” nicht einmal dort, wo sie ausdrücklich mit “Fakten” aufwartet, mit Fakten aufwartet.

Nachtrag, 18.6.2005:
Bild.de muss eine Gegendarstellung des NDR-Intendanten Jobst Plog u.a. veröffentlichen, in der es heißt, “daß Herr Dr. Meier-Beer bereits vor mehreren Monaten darum gebeten hat, mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden und bereits vor Durchführung des ‘Eurovison Song Contest’ feststand, daß Herr Dr. Meier-Beer den Posten des „Grand-Prix-Chefs“ abgeben würde.” Der “Bild”-Artikel selbst ist online nicht mehr verfügbar.

Journalistinnen des Jahres, Hate Watching, Hitler-Clickbait

1. NDR Autorinnen Isabell Beer und Isabel Ströh als “Journalistinnen des Jahres” ausgezeichnet
(ndr.de)
Isabell Beer und Isabel Ströh sind von der Fachzeitschrift “medium magazin” (und einer unabhängigen Fachjury) als “Journalistinnen des Jahres 2025” ausgezeichnet worden. Sie erhalten den Preis für ihre investigativen Recherchen beim “Funk”-Format “STRG_F”, in denen sie Netzwerke sexualisierter Gewalt im Internet aufdecken. Eine Auflistung aller weiteren Preisträgerinnen und Preisträger gibt es beim “medium magazin”. Transparenzhinweis: Dort ist auch der “6-vor-9”-Kurator aufgeführt (Platz 10 im Bereich Unterhaltung).

2. Irreführende Berichterstattung der WELT über NGOs: LobbyControl begrüßt Rüge des Presserats
(lobbycontrol.de)
Nach einer Beschwerde der Organisation “LobbyControl” habe der Deutsche Presserat die “Welt”-Redaktion wegen einer “gravierenden Irreführung der Leserschaft” in Bezug auf Nichtregierungsorganisationen öffentlich gerügt. Welt.de habe unter Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht falsche Behauptungen über angebliche Geheimverträge mit der EU-Kommission sowie die Finanzierung der Organisationen verbreitet.

3. Hate Watching: Emotionen als geheime Erfolgsstrategie
(dwdl.de, Simon Pycha)
Bei “DWDL” beschreibt Simon Pycha das Phänomen des “Hate Watching”, bei dem Zuschauerinnen und Zuschauer unliebsame Inhalte konsumieren. Ziel dabei sei es, sich emotional abzureagieren oder gesellschaftlich mitreden zu können. Influencer würden diesen Mechanismus gezielt durch sogenannten “Rage Bait” nutzen, indem sie mit provokanten Inszenierungen absichtlich negative Kommentare und hohe Interaktionsraten provozieren.

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4. Filmschaffende fordern Bleiberecht
(verdi.de, Gisela Wehrl)
Der iranische Dokumentarfilmer Jafar Najafi habe in Deutschland Schutz gesucht, nachdem die Behörden in Teheran seine Wohnung durchsucht und brisantes Material über Proteste beschlagnahmt hätten. Trotz der drohenden Gefahr habe das Bundesamt für Migration Najafis Asylantrag abgelehnt. Unterstützer aus der Filmbranche würden nun gemeinsam mit seiner Anwältin ein Bleiberecht fordern.

5. Was unser Journalismus im Jahr 2025 verändert hat
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
netzpolitik.org-Redakteur Markus Reuter zieht eine positive Bilanz für das Jahr 2025 und zeigt auf, wie der Journalismus seiner Redaktion konkrete politische und gesellschaftliche Veränderungen bewirkt habe. Anhand zahlreicher Beispiele wird deutlich, dass investigative Recherchen oft eine Wirkung entfalten, die über reine Klickzahlen hinausgeht. Diese Aufklärungsarbeit sei essenziell, um Grundrechte zu verteidigen und Missstände zu beheben.

6. Hitler-Clickbait in österreichischen und deutschen Medien
(kobuk.at, Judith Kantner)
Judith Kantner kritisiert, dass sowohl Boulevard- als auch Qualitätsmedien spekulative Details über Adolf Hitlers Intimleben nutzen würden, um mit reißerischen Schlagzeilen Klicks zu generieren: “Meldungen über Hitlers Sexualleben oder die vermeintliche Größe seines Penis helfen nicht, die Geschichte eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte zu verstehen. Schon gar nicht, wenn die Faktenlage dazu äußerst dünn ist.”

BBC wehrt sich gegen Trump, Falsche KI-Tiere, Schabowskis Zettel

1. BBC wehrt sich gegen Trumps Milliardenklage
(spiegel.de)
Donald Trump habe in Florida Klage gegen die BBC eingereicht. Der US-Präsident fordere 10 Milliarden US-Dollar von dem öffentlich-rechtlichen Sender, der sich dagegen wehre. Trump werfe der BBC vor, ihn in einer Dokumentation durch einen fehlerhaften Zusammenschnitt seiner Rede vom 6. Januar 2021, also vor dem Sturm auf das Kapitol, diffamiert zu haben. Obwohl der britische Sender den Schnittfehler eingeräumt und um Entschuldigung gebeten habe, sieht er keine rechtliche Grundlage für Trumps Klage.

2. Falschmeldungen schüren Ängste vor Muslimen
(tagesschau.de, Lena Maurer)
In Sozialen Medien würden sich aktuell massenhaft Falschinformationen über angebliche Vorfälle auf deutschen Weihnachtsmärkten verbreiten, berichtet Lena Maurer im ARD-“Faktenfinder”. Ziel dieser Beiträge sei es offenbar, gezielt Stimmung gegen Muslime und Migration zu machen. Videos von friedlichen, angemeldeten Demonstrationen zum Jahrestag des Sturzes des syrischen Assad-Regimes würden dabei fälschlich als Erstürmung von Weihnachtsmärkten dargestellt, aus dem Kontext gerissene Aufnahmen mit erfundenen Behauptungen verbreitet und KI-generierte Bilder zur Stimmungsmache genutzt.

3. Lüneburger Gericht: Rundfunkbeitrag ist rechtens – Kritik an Böhmermann kein Grund zur Befreiung
(landeszeitung.de)
Das Verwaltungsgericht (VG) Lüneburg habe mehrere Klagen sogenannter “Beitragsblocker” gegen den Rundfunkbeitrag abgewiesen. Diese hätten mit Hilfe von Musterformularen aus dem Internet argumentiert, die Öffentlich-Rechtlichen würden durch einseitige Berichterstattung etwa zum Krieg in der Ukraine oder zur Corona-Pandemie ihren Auftrag verfehlen. Das VG sei allerdings der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts gefolgt, wonach die Beitragspflicht erst dann verfassungswidrig sei, wenn das Gesamtprogramm über längere Zeit die gebotene Vielfalt “gröblich verfehlt”. Eine pauschale Kritik an einzelnen Sendungen oder Beiträgen reiche nicht aus. Laut einer Gerichtssprecherin seien bei der Kammer über 100 weitere ähnlich gelagerte Verfahren anhängig.

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4. Streit um den Schabowski-Zettel: Stiftung muss Verkäufer nennen
(rsw.beck.de)
Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen habe entschieden, dass das Bonner Haus der Geschichte offenlegen müsse, von wem es den historischen Schabowski-Zettel für 25.000 Euro erworben hat. Geklagt hatte ein Chefreporter der “Bild”-Zeitung. Es gehe um jenen Sprechzettel, mit dem Politbüro-Mitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 die neue DDR-Reiseregelung verkündet und mit seiner Äußerung “sofort, unverzüglich” zumindest indirekt die Maueröffnung ausgelöst habe. Das Haus der Geschichte habe dem Verkäufer des Zettels Anonymität zugesichert. Laut OVG überwiege allerdings das verfassungsrechtliche Informationsinteresse der Presse das Vertraulichkeitsinteresse des Verkäufers.

5. Klima vor acht verpasst Spendenziel und will trotzdem ins Erste
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Der Verein “Klima vor acht” habe seine Spendenaktion beendet, allerdings statt der angepeilten 250.000 Euro nur rund 135.000 Euro einsammeln können. Mit dem Geld wolle er sich ins Werberahmenprogramm des Ersten einkaufen, um kurz vor der “Tagesschau” einen Spot zum Thema Klima und die Berichterstattung darüber zu platzieren. Allerdings bleibe unklar, ob dieser die Vorgaben des Medienstaatsvertrags für Wirtschaftswerbung erfüllen werde.

6. “Man vertraut der KI schon zu sehr”
(pr-journal.de)
Im Interview mit dem “PR-Journal” warnt Florian Amrhein, Pressesprecher der Heinz Sielmann Stiftung, davor, dass KI-generierte Tierbilder zunehmend professionelle Bilddatenbanken und Soziale Medien fluten würden und dabei oft biologisch falsch seien. So würden sie etwa eine falsche Anzahl an Gliedmaßen oder unrealistische Körperproportionen zeigen. Amrhein zitiert Tierfilmer Sielmann: “Künstliche Darstellungen fördern Unwissen. Heinz Sielmann hat einmal gesagt: Nur was man kennt, schützt man auch. Wenn dieser Bezug fehlt, fehlt auch das Verständnis und damit langfristig der gesellschaftliche Wille, Natur zu bewahren.”

Regierung bleibt auf X, Grauer Haken, Die “Bild”-Bullshit-Show

1. Warum bleibt die Bundesregierung auf X?
(tagesschau.de, Philipp Eckstein)
Ein Sprecher der Bundesregierung habe Forderungen nach einem Rückzug von X/Twitter zurückgewiesen, obwohl der Eigentümer der Plattform Elon Musk dort zunehmend radikale und rechtsextreme Inhalte verbreite: “Wir informieren die Öffentlichkeit über die Arbeit der Bundesregierung. Dafür müssen wir dort sein, wo Bürgerinnen und Bürger, wo Menschen entsprechend sind.” Auf Nachfrage habe der Sprecher gesagt, dass “Angst vor dem US-Präsidenten oder irgendwelchen Folgen” bei der Entscheidung keine Rolle spiele.

2. Die “Bild”-Bullshit-Show
(uebermedien.de, Lisa Kräher)
Bei “Übermedien” kritisiert Lisa Kräher, dass die “Bild”-Redaktion ein Interview des Schwestermediums “Politico” mit US-Präsident Donald Trump unkritisch feiere und dabei dessen Lügen ungefiltert verbreite. Krähers Fazit: “Trump – wie ‘Politico’ und ‘Bild’ – derart die Bühne zu bereiten und all den shit, den er verbreitet, auch noch mit großen Schlagzeilen zu adeln, das ist schon ein besonders peinlicher und auch schädlicher Fehlgriff.”

3. So verzerrten Influencer im Sommer die Sicht auf UN-Hilfslieferungen für Gaza
(correctiv.org, Kimberly Nicolaus)
“Im Sommer filmten sich mehrere Influencer am Grenzübergang Kerem Shalom und verbreiteten ein verzerrtes Bild der UN-Hilfslieferungen für Gaza. Was haben sie mit Israels Regierung zu tun und welchen Einfluss haben sie?” Die Journalistin Kimberly Nicolaus hat sich den Kampf ums Narrativ näher angeschaut.

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4. Das Interview des Jahres 2025
(taz.de, Doris Akrap)
Im neuen “ttt Talk” hat sich Siham El-Maimouni mit dem Kultur- und Medienminister Wolfram Weimer unterhalten. In der “taz” lobt Doris Akrap die Moderatorin für ihre Fragetechnik: “Keine Sekunde lässt sie ihn entkommen, nichts durchgehen, konfrontiert ihn hart, aber immer sachlich mit all den Vorwürfen und Fragen rund um die Weimer Media Group und den von ihr veranstalteten Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee.”

5. Fürst Albert II. siegt beim OLG Frank­furt
(lto.de)
Das Oberlandesgericht Frankfurt habe entschieden, dass die Privatsphäre von Fürst Albert II. schwerer wiege als das öffentliche Interesse an dessen Familienleben. Demnach seien Spekulationen über den Zustand der Ehe des Fürsten und dessen Frau unzulässig. Ebenso habe der Senat die Veröffentlichung von Paparazzi-Fotos, die die Kinder zeigen, untersagt. Diese hätten auch auf einer von außen einsehbaren Yacht ein Recht auf unbeobachtete Entspannung.

6. Jetzt abstimmen: Social Media-Negativpreis “Grauer Haken 2025”
(heise.de)
Der “c’t”-Podcast “Haken dran” vergibt gemeinsam mit seiner Community in diesem Jahr erstmals den Negativpreis “Grauer Haken” für besondere Peinlichkeiten und Fehlschläge in den Sozialen Medien. Zu den Nominierten zählen neben politischen Akteuren wie Julia Klöckner und Wolfram Weimer auch Prominente wie Veronika Ferres oder Unternehmen, die durch unsensible Kommunikation oder fragwürdige Kampagnen aufgefallen seien. Interessierte könnten noch bis zum Ende des Jahres online abstimmen.

“Ein Jahr des Chaos”, Kampf um Warner, Beleidigter Bundeskanzler

1. “Ein Jahr des Chaos”: Die trimediale Diversifizierung von Bild (2020-2023)
(inlibra.com, Volker Lilienthal)
In einer auf Interviews mit 43 Redaktionsmitgliedern basierenden Studie analysiert Volker Lilienthal (Universität Hamburg) das Scheitern des Versuchs, die Marke “Bild” zwischen 2020 und 2023 um einen eigenen Fernsehsender zu erweitern. Als zentrale Ursachen für den Misserfolg macht der Autor den überhasteten Start während der Pandemie, unzureichende personelle Ressourcen sowie einen Führungsstil, der die Belegschaft massiv überfordert habe, aus.

2. Rolle von Trumps Schwiegersohn im Kampf um Warner Bros. stößt auf Kritik
(spiegel.de)
Die finanzielle Beteiligung von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner am Übernahmeangebot von Paramount für Warner Bros. werde von Experten als massiver Interessenkonflikt kritisiert. Da Trump zuvor angekündigt habe, den konkurrierenden Deal von Netflix streng kartellrechtlich prüfen zu wollen, entstehe der Eindruck einer möglichen Begünstigung.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Das hier ist mehr als eine Firmenübernahme. Das ist ein Testlauf. Ein Testlauf dafür, wie weit ein Präsident gehen kann. Der bestimmen will, wer welche Geschichten erzählen darf. Und im Moment sieht es so aus, als würde ihn mal wieder niemand stoppen.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, 5:02 Minuten)

3. Touristen sollen Social-Media-Aktivität preisgeben
(tagesschau.de, Samuel Jackisch)
Nach Plänen der US-Grenzschutzbehörde sollen Touristen künftig verpflichtet werden, im Rahmen des ESTA-Antrags ihre Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenzulegen. Die US-Behörden würden diesen Schritt mit der notwendigen Abwehr von Terrorismus und Spionage begründen. Der von Datenschützern kritisierte Vorschlag sei noch nicht rechtskräftig, könne aber nach Ablauf einer zweimonatigen Kommentierungsfrist bereits ab Februar in Kraft treten.

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4. Medien und Nahost: Die Sprache der Gewalt
(schantall-und-scharia.de, Fabian Goldmann)
Fabian Goldmann analysiert in seiner Untersuchung von über 11.000 Beiträgen deutscher Leitmedien, wie sprachliche Verzerrungen die Wahrnehmung des Nahostkonflikts beeinflussen können, indem Gewalt gegen Israel systematisch dramatisiert und entkontextualisiert würde. Israelische Angriffe würden durch Begriffe wie “Gegenschlag” oder “Reaktion” häufig als legitime Antwort auf vorangegangene Ereignisse gerahmt. Eine solche Einordnung bleibe bei palästinensischer Gewalt meist aus.

5. Über Künstliche Intelligenz berichten: Wie viel KI-Wissen braucht der (Fach-)Journalismus?
(dfjv.de, Gunter Becker)
Journalistinnen und Journalisten aus dem Technikbereich stünden vor der komplexen Herausforderung, Künstliche Intelligenz (KI) nicht nur als Werkzeug nutzen zu können, sondern auch ihre technischen Funktionsweisen tiefgreifend zu verstehen. Expertinnen und Experten wie Erkan Kasap und Sabrina Harper würden betonen, dass ein fundiertes Vokabular unerlässlich sei, um Marketing-Hype von Fakten trennen und die Gefahr von KI-Halluzinationen in der Recherche minimieren zu können.

6. Beleidigter Bundeskanzler: Wie viel “Arschloch” darfs denn sein?
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Medienberichten zufolge gehe Bundeskanzler Friedrich Merz seit seiner Zeit als Oppositionsführer systematisch mit hunderten Strafanträgen gegen mutmaßliche Beleidigungen im Internet vor. Dabei habe es auch Hausdurchsuchungen gegeben. Kritiker würfen Merz vor, den Straftatbestand der Beleidigung von Politikerinnen und Politikern (§ 188 StGB) als Instrument des “Cyber-Bullying” zu missbrauchen. Ziel sei es, kritische Stimmen durch finanzielle und emotionale Belastung aus dem Diskurs zu drängen.

Preis für von der Tann, Meta sperrt Konten, Haftbefehl vor Merz

1. Nach Vorwurf der Einseitigkeit: ARD-Israel-Korrespondentin von der Tann mit Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet
(tagesspiegel.de)
Die ARD-Korrespondentinnen Sophie von der Tann und Katharina Willinger seien mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis geehrt worden. Die Verleihung sei von Protesten überschattet gewesen, die sich explizit gegen von der Tann gerichtet hätten. Diese habe die Vorwürfe einer einseitigen Gaza-Berichterstattung zurückgewiesen und dabei Unterstützung von der Organisation Reporter ohne Grenzen erhalten.

2. Meta startet mit Ausschluss von unter 16-Jährigen
(taz.de)
Ab dem 10. Dezember gelte in Australien ein striktes Social-Media-Verbot für Personen unter 16 Jahren. Der Meta-Konzern habe bereits damit begonnen, betroffene Konten von Plattformen wie Instagram und Facebook präventiv zu sperren. Ein Sprecher habe den Jugendlichen jedoch zugesichert, dass ihre Daten gespeichert und die Profile vollständig wiederhergestellt würden, sobald sie das geforderte Mindestalter erreicht haben. Das Gesetz sehe bei Zuwiderhandlung hohe Millionenstrafen für die Unternehmen vor. Es schließe auch Dienste wie TikTok oder Snapchat ein.

3. Ein Plädoyer fürs Zuhören
(verdi.de, Till Schmidt)
Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen wirbt für eine “innere Gastfreundschaft” des Zuhörens. Er unterscheidet dabei zwischen dem bloßen Verstehen, dem empathischen Verständnis und dem tatsächlichen Einverständnis als Voraussetzungen für einen echten Dialog. Pörksen kritisiert zudem einen durch Soziale Medien befeuerten “Kult der Kurzfristigkeit”. Um die Qualität des unabhängigen Journalismus langfristig zu sichern, sei neben der Regulierung der Tech-Giganten vor allem eine umfassende Bildungsanstrengung notwendig.

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4. Zentrale Kontrollinstanz für den ÖRR: Neuer Medienrat kommt nach Weimar
(flurfunk-dresden.de)
Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder hätten beschlossen, die Geschäftsstelle des neu geschaffenen Medienrates zur Kontrolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an der Bauhaus-Universität in Weimar anzusiedeln. Das unabhängige, sechsköpfige Expertengremium solle künftig systemübergreifend überprüfen, inwieweit ARD, ZDF und Deutschlandradio ihren im Reformstaatsvertrag definierten Auftrag erfüllen.

5. Wie mit KI-Bildern von einem Weihnachtsmarkt Unsicherheit erzeugt wird
(correctiv.org, Kimberly Nicolaus)
Ein auf TikTok und anderen Plattformen verbreitetes Sharepic, das einen idyllischen Weihnachtsmarkt von 2014 einer angeblichen Hochsicherheits-Szenerie im Jahr 2025 gegenüberstelle, sei von Faktencheckern als KI-Fälschung entlarvt worden. Sie hätten anhand typischer Fehler wie unleserlicher Polizeiaufschriften oder unlogischer Architektur nachgewiesen, dass es sich nicht um reale Orte handele. Mit dem Verweis auf das von Bundeskanzler Friedrich Merz thematisierte “Stadtbild” solle der Beitrag in Sozialen Medien gezielt Unsicherheit schüren und migrationsfeindliche Narrative bedienen.

6. Google-Trends: Netflix dominiert bei Serien, RTL bei Reality
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Laut dem Google-Jahresrückblick 2025 dominiere der Streaminganbieter Netflix das Suchinteresse der Menschen, wobei die Serie “Monster” und der deutsche Film “Babo – Die Haftbefehl-Story” die Spitzenplätze bei den Serien beziehungsweise Filmen belegt hätten. Der mediale Erfolg von “Babo” habe zudem dazu geführt, dass Rapper Haftbefehl noch vor Bundeskanzler Friedrich Merz zur meistgesuchten deutschen Persönlichkeit avanciert sei. Im Reality-Segment habe sich RTL mit dem “Dschungelcamp” als Marktführer behauptet, Amazon Prime mit “Maxton Hall” bei den Serien einen Achtungserfolg erzielt.

Schulterschluss gegen Tech-Riesen, Gnade vor Recht, Dichtung lose

1. ARD und Verleger fordern Regulierung von Tech-Riesen und KI
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In einem gemeinsamen Appell an die Politik hätten sich die ARD und die Verlegerverbände BDZV und MVFP für eine strengere Regulierung von Tech-Monopolen und Künstlicher Intelligenz (KI) ausgesprochen. Intransparente Algorithmen und KI-Systeme würden zunehmend darüber entscheiden, welche Informationen die Menschen erreichen. Angesichts der Gefahr von Desinformation und Manipulation würden die Unterzeichner faire Rahmenbedingungen fordern. Ziel sei es, die digitale und publizistische Souveränität sowie die Auffindbarkeit journalistischer Qualitätsinhalte sicherzustellen.

2. Böh­m­er­manns Ver­wirr­spiel mit Stefan Aust bleibt ver­boten
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Der Bundesgerichtshof habe die Nichtzulassungsbeschwerde des ZDF im Rechtsstreit mit dem Journalisten Stefan Aust um ein satirisches Fahndungsplakat in Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale” abgewiesen. Damit sei ein Urteil bestätigt worden, wonach Böhmermann Aust nicht mit dem Foto des Schauspielers Volker Bruch (in dessen Rolle als Stefan Aust im Film “Der Baader Meinhof Komplex”) darstellen dürfe. Felix W. Zimmermann kritisiert in seinem Text, dass die Entscheidung, die eine klare Erkennbarkeit von Satire in jedem Detail verlange, das gesamte künstlerische Konzept Böhmermanns bedrohe. Es sei offen, ob das ZDF wegen der grundsätzlichen Bedeutung für die Kunstfreiheit noch vor das Bundesverfassungsgericht ziehe.

3. Gnade vor Recht
(taz.de, Glafira Zhuk)
Die belarussische Journalistin Ksenia Lutskina, die für ihre journalistische Arbeit zu acht Jahren Haft verurteilt worden sei, lebe nach ihrer Begnadigung und Evakuierung heute in Berlin, kämpfe aber immer noch mit den gesundheitlichen Folgen der Haft. In dem Porträt der “taz” schildert Lutskina die brutale Festnahme im Dezember 2020, die haltlosen Vorwürfe der “Verschwörung” und die unmenschlichen Haftbedingungen in verschiedenen Gefängnissen.

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4. Verlage reagieren zurückhaltend: Verurteilter Ex-Mann von Gisèle Pelicot will Buch veröffentlichen
(tagesspiegel.de)
Der zu 20 Jahren Haft verurteilte Serienvergewaltiger Dominique Pelicot suche derzeit einen Verleger für mehrere Romane, Gedichte und eine Biografie, die er während seiner Haft verfasst habe. Laut seiner Anwältin wolle er darin seine Sicht der Dinge schildern. Dies stoße bei Verlagen bisher jedoch auf große Zurückhaltung. Im Gegensatz dazu werde seine Ex-Frau Gisèle Pelicot, die durch den Prozess zur Symbolfigur gegen sexualisierte Gewalt geworden sei, ihre Memoiren im Februar 2026 weltweit in 20 Sprachen veröffentlichen.

5. Fakten, Fame und Follower
(verdi.de, Bärbel Röben)
Medienexperten würden kritisieren, dass selbst öffentlich-rechtliche Formate wie “Funk” zunehmend auf fragwürdige Methoden wie “Truth Baiting” zurückgreifen, um auf den von Algorithmen dominierten Plattformen Reichweite zu erzielen. Da Soziale Medien inzwischen die Hauptinformationsquelle für junge Menschen seien, verlören Journalistinnen und Journalisten ihre Gatekeeper-Rolle an Influencer. Fachleute würden daher eine strengere Regulierung der Tech-Plattformen sowie eine gezielte Unterstützung demokratischer “Newsfluencer” fordern.

6. Was sich reimt, ist niemals ungereimt
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Stefan Niggemeier betrachtet in seinem “Notizblog” die lyrischen Ambitionen des ehemaligen SWR-Intendanten Peter Voß, der in einem Branchen-Newsletter das politische Geschehen wöchentlich in Reimform kommentiere. Die lyrischen Ergüsse würden inhaltlich von Rentenpolitik bis zur “Woke-Schelte” reichen und stellenweise sogar rassistische Klischees bedienen. Zum Schluss bietet Niggemeier zwei Möglichkeiten an: Entweder man interpretiere gemeinsam die Voß-Gedichte, “oder wir versuchen einfach wieder zu vergessen, dass er Woche für Woche in einem Newsletter Gedichte schreibt.”

Gedrosseltes “Nius”, Libertarismus und Neue Rechte, Ständig überlastet

1. Ei­ne*r von vier hält Berichterstattung für ausgewogen
(taz.de)
Laut einer aktuellen Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München halte nur gut ein Viertel der Menschen in Deutschland die mediale Berichterstattung über den Nahost-Krieg für ausgewogen. 30 Prozent nähmen eine Schlagseite zugunsten Israels und lediglich neun Prozent eine Bevorzugung der palästinensischen Seite wahr. 35 Prozent der Befragten hätten sich kein Urteil zugetraut. Die Einschätzung hänge dabei stark von der eigenen Positionierung ab.

2. Reichweiten-Probleme: Wie Nius die Drosselung auf TikTok umgeht
(dwdl.de, Simon Pycha)
Nach wiederholten Sperren und einem mutmaßlichen Shadowban des Hauptaccounts setze das rechtspopulistische Portal “Nius” auf TikTok nun verstärkt auf dezentrale Personenmarken, um die Reichweitenbeschränkungen zu umgehen. Die Strategie gehe auf, da die Kanäle einzelner Hosts als sogenannte Newsfluencer deutlich höhere Abrufzahlen erzielen würden und nicht von den Sanktionen gegen die Dachmarke betroffen seien. Gleichzeitig bewege sich das Vorgehen in einer rechtlichen Grauzone.
Weiterer Lesetipp: NDR-Tochter lässt Nius wie echtes Fernsehen aussehen: “Die NDR-Tochterfirma Studio Hamburg hat Teile des Sets und Sofas für das rechtspopulistische Medium Nius gebaut. Hoppla!” (taz.de, Amira Klute)

3. Wie vernetzt sind Libertarismus und Neue Rechte?
(tagesschau.de, Karin König)
Eine aktuelle Analyse des CeMAS komme zu dem Ergebnis, dass sich auf der Plattform X signifikante ideologische und strukturelle Überschneidungen zwischen dem libertären Milieu und der extremen Rechten zeigen. Die Forscher würden davor warnen, dass libertäre Themen als harmlos wirkender Deckmantel dienen könnten, unter dem rechtsextreme Inhalte in neue Zielgruppen einsickern, etwa über Finanz-Podcasts.

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4. Ständig überlastet: So entkommen Medienprofis der Ressourcenfalle
(kress.de, Attila Albert)
Viele Medienschaffende würden unter chronischer Überlastung leiden, deren Ursachen oft in mangelnder Ressourcenausstattung, schlechter Organisation oder fehlender Abgrenzung zu finden seien. Als Gegenstrategie empfiehlt Attila Albert eine strikte Priorisierung der Kernaufgaben im Dialog mit Vorgesetzten, das Delegieren von Tätigkeiten sowie das Einkalkulieren realistischer Zeitpuffer.

5. Es gibt keine künstliche Intelligenz!
(npj.news, Stephan Weichert)
Der Medienwissenschaftler Stephan Weichert warnt vor der vom Silicon Valley propagierten Verschmelzung von Mensch und Maschine. Dabei handele es sich vor allem um ein aggressives Geschäftsmodell, das journalistische Inhalte ausbeute und durch die Verdrängung klassischer Nachrichtenquellen die Demokratie gefährde. Angesichts der wachsenden Dominanz von Algorithmen müssten Redaktionen seiner Meinung nach eine “KI-Resilienz” entwickeln.

6. “Ich wollte radikal ehrlich sein”
(uebermedien.de, Annika Schneider, Audio: 44:15 Minuten)
“Warum tun sich Redaktionen oft so schwer damit, Fehler einzuräumen? Und bei Kritik auch mal zu sagen: Sorry, das ist nicht optimal gelaufen?” Im “Übermedien”-Podcast “Nice & Nötig” unterhält sich Annika Schneider mit dem Wirtschaftsjournalisten Felix Rohrbeck über den Umgang mit Fehlern. Dabei geht es “nicht um Rechtschreibfehler oder falsche Jahreszahlen, sondern um größere Schnitzer im Journalismus: Unausgewogenheit, Voreingenommenheit, Falschinformationen – und wie ein selbstkritischer Umgang damit aussehen könnte.”

Kulturabbauministerium, Trump und die Medien, “Gefährlichste Straßen”

1. Das Kulturabbauministerium
(taz.de, Georg Seeßlen)
Die aktuelle Kritik an Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer wegen dessen geschäftlicher Verflechtungen verstelle den Blick auf das gravierendere Problem, schreibt Georg Seeßlen in seiner “taz”-Kolumne: eine gezielte Politik des Kulturabbaus. Anstatt die Unabhängigkeit der Kunst zu schützen, betreibe Weimer eine neoliberale Kommerzialisierung und nehme zunehmend direkten Einfluss auf Inhalte. Dies zeige sich unter anderem in der Verdoppelung der Förderung für den rechtskonservativen Thinktank “Republik21” bei gleichzeitigem Spardruck auf andere Projekte. Der Angriff auf die freie Kulturlandschaft leite letztlich den Abbau der Demokratie selbst ein, so Seeßlen.

2. Diese Journalistin bietet Trump die Stirn
(youtube.com, Daniel Bröckerhoff, Video: 7:12 Minuten)
Das NDR-Medienmagazin “Zapp” thematisiert den offenen Angriff von US-Präsident Donald Trump auf die ABC-Korrespondentin Mary Bruce. Trump habe sie nach einer kritischen Frage an den saudischen Kronprinzen zum ermordeten “Washington-Post”-Journalisten Jamal Khashoggi beschimpft und ihren Sender bedroht. “Zapp” zieht das Fazit, dass Trumps Umgang mit Medien zunehmend autokratische Züge annehme. In den USA erfordere kritischer Journalismus inzwischen enormen Mut und starke Nerven.
Zusätzlicher Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator die jüngste Attacke Trumps auf eine Reporterin: “Der mächtigste Mann der Welt nennt eine Journalistin ‘Schweinchen’. Alle schweigen, und das Protokoll verschweigt es. Wenn Journalismus sich so disziplinieren lässt, ist er kein Wachhund mehr, sondern ein Schoßhund.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:08 Minuten)

3. Wenn die bürgerliche Mitte mit Neonazis paktiert
(blog.campact.de, Matthias Meisner)
Nach dem Abschied von Langzeit-Präsident Thomas Krüger sehe sich der designierte Nachfolger an der Spitze der Bundeszentrale für politische Bildung, der SPD-Politiker Sönke Rix, bereits vor Amtsantritt einer Kampagne konservativer und rechter Medien ausgesetzt. Matthias Meisner warnt in diesem Zusammenhang vor einer zunehmenden Diskursverschiebung. Selbst etablierte Medien wie der “Tagesspiegel”, die “Berliner Zeitung” oder der öffentlich-rechtliche MDR würden durch unkritische Berichterstattung die Grenzen nach Rechtsaußen verschwimmen lassen.

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4. Die “gefährlichsten Straßen Deutschlands”
(rwi-essen.de)
Die Autorinnen und Autoren der “Unstatistik des Monats” kritisieren Medienberichte über eine Allianz-Studie zu den vermeintlich gefährlichsten Straßen Deutschlands. Dort werde systematisch absolutes Verkehrsaufkommen mit tatsächlichem Unfallrisiko verwechselt. Die Einstufung von Nordrhein-Westfalen und Bayern als besonders gefährlich sei ein logischer Fehlschluss, da ohne Bezugsgrößen wie gefahrene Kilometer lediglich die hohe Verkehrsdichte abgebildet werde, nicht jedoch die echte Gefährdungslage.

5. Grokipedia: Musks Angriff auf die Wahrheit
(verdi.de, Lorenz Matzat)
Aus Frust über eine angebliche “Wokepedia” habe Elon Musk mit seiner “Grokipedia” eine KI-basierte Alternative lanciert, die laut ersten Studien gezielt “alternative Fakten” und geschönte Darstellungen rechter Akteure präsentiere. Dieses Vorgehen folge der Desinformationsstrategie Steve Bannons, Kommunikationsräume global zu beeinflussen. Als Gegenmaßnahmen schlügen Experten vor, “Grokipedia”-Inhalte konsequent aus den Trainingsdaten anderer KI-Modelle auszuschließen.

6. Was die Podcast-Branche 2025 bewegt
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Auf der Fachkonferenz “So Many Voices” hat die Podcast-Szene ihre Erfahrungen ausgetauscht. Der zunehmenden Professionalisierung und drohenden Austauschbarkeit durch Künstliche Intelligenz müsse mit mutigen Experimenten und Authentizität begegnet werden. Trotz der Dominanz von Formaten mit Prominenten und Algorithmen böten Nischen oder hyperlokale Inhalte weiterhin Chancen für Relevanz.

Vertuschte Studie?, Menschlicher Journalismus, Innovations-Irrtum

1. Menschlicher Journalismus hat Zukunft
(journalist.de, Bernward Loheide)
Angesichts der Medienkrise und des KI-Fortschritts plädiert Bernward Loheide, Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur, für eine Rückbesinnung auf “menschennahen Journalismus”, der Vertrauen schaffe und konstruktive Perspektiven biete. Menschlichkeit und authentischer Dialog seien die entscheidende Zukunftschance für Medienhäuser, um sich gegen Algorithmen und “Fake News” zu behaupten.

2. Meta soll Studie zu psychischen Schäden vertuscht haben
(spiegel.de)
Gerichtsakten zufolge soll der Social-Media-Konzern Meta eine interne Studie unterdrückt haben, die belege, dass der Verzicht auf die Plattformen das psychische Wohlbefinden der Nutzerinnen und Nutzer verbessert. Die Enthüllung sei Teil einer Klage von US-Schulbezirken, die dem Unternehmen vorwerfen, das eigene Wachstum über die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen zu stellen. Meta weise die Vorwürfe zurück und führe methodische Mängel als Grund für den Abbruch der Studie an.

3. Der Konflikt, den keine*r braucht
(patreon.com, LowerClassJane)
“LowerClassJane” kritisiert die neue ZDF-Sendung von Jan Fleischhauer und ähnliche Formate scharf als inhaltslose Inszenierungen, die Krawall über politische Aufklärung stellen würden. Progressive Gäste seien in diesen Shows chancenlos und würden lediglich als Dekoration missbraucht, um fragwürdige Debatten zu legitimieren. Statt sich an diesen Konflikten zu beteiligen, plädiert die Autorin für einen konsequenten Boykott. Den Formaten müsse durch Entzug von Substanz die Relevanz genommen werden.

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4. Steffen & Stefan und der Innovations-Irrtum im deutschen TV
(dwdl.de, Peer Schader)
Medienjournalist Peer Schader kritisiert die TV-Sender, die aus Sicherheitsdenken an den “Altmeistern” festhalten würden, statt jungen Talenten echte Chancen, Budgets und Programmplätze zur Primetime zu geben: “Die Hensslers und Raabs von morgen brauchen nicht nur Sendeplätze, auf denen sie gefunden und gesehen werden können – sie brauchen auch die Geduld und Beharrlichkeit ihrer Auftraggeber, für die es zunehmend selbstverständlich ist, neuen Produktionen direkt den Stecker zu ziehen, wenn sie nach zwei Folgen noch nicht quotenknallen.”

5. Warum Elon Musk die Wikipedia hasst
(youtube.com, Leonhard Dobusch, Video: 10:25 Minuten)
Elon Musk habe seine KI-Konkurrenz “Grokipedia” gestartet, weil er die unabhängige und nicht-käufliche Wikipedia nicht nach seinen ideologischen Vorstellungen kontrollieren könne, analysiert Leonhard Dobusch. Im Gegensatz zur transparenten Wikipedia fungiere Musks Projekt als undurchsichtige Blackbox, die gezielt rechte Narrative verstärke und etablierte Fakten untergrabe.

6. Der KiKA sollte im linearen TV bleiben – logo!
(taz.de, Katharina Federl)
In ihrer Kolumne plädiert Katharina Federl leidenschaftlich für den Verbleib des Kinderkanals KiKA im linearen Fernsehen und kritisiert die geplante Verschiebung in reine Online-Angebote als Fehler. Sie warnt davor, dass Streaming-Apps Kinder durch Überangebot und Ablenkung überfordern könnten. Das klassische TV biete hingegen einen kuratierten, niedrigschwelligen Zugang zu Bildung.

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