Suchergebnisse für ‘fakten’

Traurige Fakten

Schwer zu sagen, ob das “brutale Grand-Prix-Debakel” (also die Tatsache, dass der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest in Kiew am vergangenen Samstag auf dem letzten Platz landete) “jetzt” tatsächlich “Konsequenzen” hat, wie es heute in der “Bild”-Zeitung steht, ob es also irgendwie gerechtfertigt ist, wenn “Bild” behauptet:

0 points! ARD feuert Grand-Prix-Chef

Tatsache ist, dass der für den Grand Prix zuständige NDR bereits gestern bekannt gab, der bisherige Grand-Prix-Verantwortliche Jürgen Meier-Beer höre “auf eigenen Wunsch” auf.

Tatsache ist auch, dass die Nachrichtenagentur ddp daraufhin schrieb:

“Meier-Beer unterstrich, sein Abgang habe nichts mit dem Grand-Prix-Debakel (…) zu tun (…). Die Gespräche über eine neue Aufgabe für ihn hätten bereits vor einem halben Jahr begonnen.”

Und der NDR legte heute, nach den “ARD feuert Grand-Prix-Chef”-Behauptungen, mit einer zweiten Pressemitteilung nach, in der es heißt:

“Spekulationen in Teilen der Presse, der NDR habe seinen Grand-Prix-Verantwortlichen strafversetzt oder gar gefeuert, entbehren jeder Grundlage (…). Tatsächlich hat Herr Dr. Meier-Beer bereits vor sechs Monaten darum gebeten, nach zehn Jahren mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden. Zu diesem Zeitpunkt haben wir gemeinsam begonnen, seinen Wechsel vorzubereiten (…)”

Und wenn sich der NDR nun abermals (und derart ausdrücklich) an die Öffentlichkeit wendet und betont, die Personalie stehe “in keinem Zusammenhang mit dem Abschneiden der Sängerin Gracia beim ‘Eurovision Song Contest'”, dann sollte man sich den “Bild”-Text vielleicht doch noch einmal genauer anschauen. Schließlich findet man dort zwar jede Menge Ausrufezeichen (“Gracia Letzte! Miese Quote! Falsches Konzept!”, “Das brutale Grand-Prix-Debakel in Kiew, jetzt hat es Konsequenzen!”, “Die ARD feuert Grand-Prix-Chef Jürgen Meier-Beer (53)!”, “Null Punkte für den Ex-Unterhaltungs-Chef!”, “Sinkende Einschaltquote!”, “Katastrophales Ergebnis!”, “Hohe Kosten!”, “Falsches Auswahlsystem!”) — aber kein einziges Indiz für die Behauptung, Meier-Beer sei gefeuert worden.

Stattdessen findet man unter dem Stichwort “Traurige Fakten” den Satz:

2000 schauten noch 12 Millionen zu, dieses Jahr nur rund 7 Millionen.

Und das ist in der Tat traurig, weil es nämlich 2000 nicht “12 Millionen”, sondern 10,03 Millionen Zuschauer waren, was hier nur deshalb Erwähnung finden soll, weil “Bild” nicht einmal dort, wo sie ausdrücklich mit “Fakten” aufwartet, mit Fakten aufwartet.

Nachtrag, 18.6.2005:
Bild.de muss eine Gegendarstellung des NDR-Intendanten Jobst Plog u.a. veröffentlichen, in der es heißt, “daß Herr Dr. Meier-Beer bereits vor mehreren Monaten darum gebeten hat, mit einer neuen Aufgabe betraut zu werden und bereits vor Durchführung des ‘Eurovison Song Contest’ feststand, daß Herr Dr. Meier-Beer den Posten des „Grand-Prix-Chefs“ abgeben würde.” Der “Bild”-Artikel selbst ist online nicht mehr verfügbar.

Lügengeschichte bei Ronzheimer, Buchläden, Krieg als Computerspiel

1. Sat.1 fällt bei “Ronzheimer” auf Lügengeschichte rein
(dwdl.de, Alexander Krei)
Die Sat.1-Reportagereihe “Ronzheimer” mit dem stellvertretenden “Bild”-Chefredakteur Paul Ronzheimer in der namensgebenden Hauptrolle sei auf einen Hochstapler hereingefallen, der sich mithilfe gefälschter Dokumente erfolgreich als “Sozialschmarotzer” inszeniert habe. Nachdem der Schwindel aufgeflogen sei, habe der Sender die Folge um die entsprechenden Szenen gekürzt und prüfe nun rechtliche Schritte. Außerdem habe man beim unverschuldet in die Kritik geratenen Jobcenter Hannover um Entschuldigung gebeten.

2. So wollen sich die Buch­läden gegen Minister Weimer wehren
(lto.de)
Nach ihrem umstrittenen Ausschluss vom Deutschen Buchhandlungspreis durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hätten die drei betroffenen linken Buchhandlungen nun rechtliche Schritte angekündigt, um die zugedachte Auszeichnung gerichtlich einzufordern. Weimer rechtfertige die Streichung von der Gewinnerliste mit vagen “verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen”, die durch das rechtlich zweifelhafte und für die Betroffenen intransparente “Haber-Verfahren” übermittelt worden seien.

3. Das Weiße Haus inszeniert den Krieg gegen Iran als Computerspiel
(spiegel.de)
Der offizielle X-Account des Weißen Hauses habe ein Video veröffentlicht, in dem reale, tödliche Angriffe des US-israelischen Krieges gegen den Iran in der Ästhetik des Videospiels “Call of Duty” inszeniert worden seien. Der Clip reihe sich in eine umstrittene Social-Media-Strategie der Trump-Regierung ein, die gezielt teils brutale Kriegsszenen in gewaltverherrlichende Memes verwandle.
Weiterer Hörtipp in eigener Sache: Bei radioeins kommentiert der “6-vor-9”-Kurator: “Wenn ein Krieg in der Sprache von Technik und Strategie erzählt wird, normalisiert er sich. Dann ist ein Angriff ein ‘Präventivschlag’, eine Bombardierung eine ‘Operation’, und Bomben sind ‘ins Ziel gebracht’ worden. Und irgendwann liest sich das Ganze wie ein Bundesligabericht: Ballbesitz, gelbe Karten, Torschüsse. Nur dass es hier nicht um Fußball geht.” (radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)

Bildblog unterstuetzen

4. “Ohne das Geld müssen wir viele Aktivitäten einstellen”
(taz.de, Carolina Schwarz)
Der feministische Verein ProQuote Medien stehe nach dem überraschenden Stopp der jahrelangen Bundesförderung vor massiven finanziellen Problemen. Ohne die fehlenden 600.000 Euro müsse man voraussichtlich Kernprojekte wie die Leitmedienzählung einstellen. Carolina Schwarz hat mit Vorstandsmitglied Olga Herschel über die schwierige Situation für den Verein gesprochen.

5. Vor den Landtagswahlen: Tipps für Lokaljournalist:innen aus der Praxis
(netzwerkrecherche.org, Maria-​Mercedes Hering)
Bei einer neuen Gesprächsreihe von Netzwerk Recherche habe sich eine Gruppe von über 40 Lokaljournalistinnen und -journalisten intensiv über die massiven Herausforderungen, zunehmenden Anfeindungen und Sicherheitsbedenken bei der Berichterstattung im Vorfeld von Landtagswahlen ausgetauscht. Um Parteien wie der AfD professionell begegnen zu können, rate die Runde unter anderem zu proaktiven Vor-Ort-Recherchen, zum Einsatz divers besetzter Redaktionsteams sowie zur Festlegung von Leitlinien für die Wahlberichterstattung.

6. Wir haben die “Ostdeutsche Allgemeine” gefaktencheckt, damit du es nicht tun musst
(volksverpetzer.de, Philip Kreißel & Thomas Laschyk)
In einem ausführlichen Faktencheck kritisieren Philip Kreißel und Thomas Laschyk, dass die erste Ausgabe der neu gegründeten “Ostdeutschen Allgemeinen” von Herausgeber Holger Friedrich massiv mit längst widerlegten “Fake News” und kremltreuer Propaganda durchsetzt sei. Um sich an eine Zielgruppe aus “Querdenkern” und Rechtsextremen anzubiedern, reproduziere das Blatt unter anderem alte Falschbehauptungen über angebliche Gesundheitsgefahren durch Corona-Masken sowie unwirksame PCR-Tests.

KI-Material im “heute journal”, Altersbeschränkungen, TV-Quote

1. Mit dem Zweiten … sieht man KI-Videos
(taz.de, Martin Seng)
Das ZDF habe im “heute journal” in einem Bericht über Abschiebungen in den USA ungekennzeichnetes KI-Videomaterial verwendet, was einen schweren Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht darstelle. Nachdem der Sender zunächst von einem technischen Versehen gesprochen habe, sei die entsprechende Sendung zwischenzeitlich gelöscht und der Fehler von der Chefredaktion eingeräumt worden. Martin Seng schreibt dazu in der “taz”: “Der ÖRR muss Seriosität und Faktentreue bieten, verletzt in diesem Fall aber seine eigenen Standards. Noch dazu bedienen solche Fehler das trumpsche Narrativ der Fake News und schädigen das Vertrauen in den Journalismus allgemein.”
Nachtrag: ZDF entschuldigt sich im ‘heute journal’ bei Zuschauern: “‘Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards’: Die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin hat sich im ‘heute journal’ an das Publikum gewandt. Hintergrund war ein ‘Doppelfehler’ des Senders.” (spiegel.de)

2. Auch Unionspolitiker für Social-Media-Beschränkung
(tagesschau.de)
Nach einem Vorstoß der SPD würden nun auch führende Unionspolitiker wie NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Fraktionschef Jens Spahn strengere Altersbeschränkungen für Soziale Medien fordern, um die psychische Gesundheit junger Menschen besser zu schützen. Trotz der grundsätzlichen Einigkeit in der schwarz-roten Koalition wolle die Bundesregierung einem Sprecher zufolge zunächst die Ergebnisse einer Expertenkommission im September abwarten, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen werde.

3. Kampf um Mei­nungs­f­rei­heit darf nicht am Geld schei­tern
(lto.de, Felix W. Zimmermann)
Felix W. Zimmermann kritisiert, dass die enormen Prozesskosten im deutschen Äußerungsrecht faktisch die Meinungsfreiheit einschränken würden. Oft könnten sich nur wohlhabende Personen oder große Medienhäuser die juristische Gegenwehr gegen Abmahnungen leisten. Ursächlich seien vor allem schematisch zu hoch angesetzte Streitwerte durch die Gerichte sowie die Praxis, Ansprüche wie Unterlassung und Gegendarstellung separat abzurechnen. Dieses Vorgehen treibe das Kostenrisiko selbst bei Bagatellfällen in die Höhe.

Bildblog unterstuetzen

4. Kann die AfD den MDR abschalten?
(flurfunk-dresden.de)
Im “Politik-Podcast” des MDR Sachsen sei analysiert worden, ob die AfD im Falle einer Regierungsbeteiligung den öffentlich-rechtlichen Sender tatsächlich abschalten könnte. Die befragten Experten hätten klargestellt, dass aufgrund einer zweijährigen Kündigungsfrist keine sofortige Schließung möglich sei. Juristen hätten zudem betont, dass der Staat verfassungsrechtlich zur Gewährleistung einer unabhängigen Grundversorgung verpflichtet sei. Die vagen AfD-Pläne für einen steuerfinanzierten “Grundfunk” seien rechtlich kaum haltbar.

5. Erschreckende Zahlen: Journalismus zwischen Burnout und Berufung
(laeuft-programmschau.podigee.io, Alexander Matzkeit, Audio: 29:37 Minuten)
Alexander Matzkeit diskutiert in seinem Podcast “Läuft” mit der Medienwissenschaftlerin Anna von Garmissen über die prekären Arbeitsbedingungen im Journalismus, die zunehmend zu einer Flucht aus dem Beruf führen würden. Basierend auf aktuellen Studien stellen sie fest, dass über die Hälfte der Befragten ein erhöhtes Risiko für Burnout und Depressionen aufweise.

6. Plausibel oder problematisch: Stößt die TV-Quote an ihre Grenzen?
(dwdl.de, Alexander Krei)
Alexander Krei thematisiert die anhaltende Ratlosigkeit der TV-Branche über massive Quoteneinbrüche bei Kindersendern im Januar. Er wertet die Vorfälle als Warnschuss, der eine offene Debatte über die Belastbarkeit der TV-Quoten in Zeiten fragmentierter Mediennutzung unumgänglich mache.

Social-Media-Verbot?, Burkard rudert zurück, Christliche Influencer

1. “Ein Social-Media-Verbot macht den Jugendschutz schlechter”
(netzpolitik.org, Sebastian Meineck)
Der Medienrechtler Stephan Dreyer kritisiert im Interview mit netzpolitik.org, dass die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige nach australischem Vorbild weitgehend von der komplexen Forschungslage entkoppelt sei. Zudem würde ein derartiges Verbot gegen geltendes EU-Recht wie den Digital Services Act verstoßen. Dreyer warnt davor, dass nationale Alleingänge rechtlich kaum durchsetzbar seien und ein pauschales Verbot den Jugendschutz sogar verschlechtern könne. Außerdem verlören Jugendliche wichtige Teilhabe- sowie Kommunikationsräume.

2. Wir werden zu Wölfen gemacht
(taz.de, Annekathrin Kohout)
Die unkommentierte Veröffentlichung der Epstein-Files diene lediglich als Rohmaterial für die “Reaktionsmaschinerie” der Sozialen Medien, stellt die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout in ihrer “taz”-Kolumne fest. Statt zur Aufklärung beizutragen, würden die Akten von Content Creatorn und True-Crime-Formaten zu Unterhaltung verarbeitet. Dadurch verschwimme die Grenze zwischen authentischem Material, Fiktion und gezielter Desinformation bis zur Unkenntlichkeit.

3. Merz in den Epstein-Files: Erwähnung ist kein Hinweis auf Straftaten
(correctiv.org, Gabriele Scherndl)
Gabriele Scherndl stellt klar, dass Behauptungen über eine Verwicklung von Bundeskanzler Friedrich Merz in den Epstein-Skandal haltlos seien, da sein Name lediglich in einem den Akten beigefügten Blogpost über die Trilaterale Kommission auftauche. Die bloße Erwähnung belege keinerlei Kontakt zu dem Sexualstraftäter, werde jedoch in Sozialen Medien gezielt aus dem Kontext gerissen, ähnlich wie bei Falschmeldungen über Stephanie von Bismarck oder KI-generierten Bildern von Politikern. Die Unübersichtlichkeit der riesigen Datenmenge des US-Justizministeriums biete einen idealen Nährboden für Verschwörungsmythen.

Bildblog unterstuetzen

4. Notfalleinsätze bei RTL nach Entlassungen? Burkard rudert zurück
(dwdl.de, Timo Niemeier)
RTL-Moderatorin Katja Burkard habe ihre Aussagen aus dem Podcast “Zwischen den Zeilen” revidiert, wonach es im Zuge der Bekanntgabe des Stellenabbaus beim TV-Sender zu Zusammenbrüchen und Krankenwageneinsätzen gekommen sei. In einem Instagram-Video habe sie eingeräumt, ungeprüftes Hörensagen weiterverbreitet zu haben. Sie habe nun klargestellt, dass die dramatischen Schilderungen über medizinische Notfälle nicht der Wahrheit entsprächen.

5. Wie christliche Influencer mit dem rechten Rand flirten
(youtube.com, Angela Giese & Felix Wolf, Video: 28:31 Minuten)
“Hat der christliche Glauben ein Comeback in der GenZ? Wenn man sich die Social-Media-Accounts von Christfluencern ansieht, hat man den Eindruck, die Antwort lautet: ja. Sie propagieren den ‘Jesus Glow’ und versprechen jungen Menschen, dass der Glaube ihnen in Krisenzeiten Halt und Orientierung bietet.” Angela Giese und Felix Wolf haben sich auf die Spur der sogenannten Christfluencer gemacht, die am rechten Rand fischen würden: “Wir zeigen, wie mit dieser schwarz-weißen Weltanschauung die politischen Linien zu Rechtspopulisten und der AfD verschwimmen. Dabei sprechen wir mit Theologen, Aussteigern und folgen der Spur in die USA bis zu Donald Trump.”

6. Instagram-Chef bestreitet Suchtpotenzial der App
(spiegel.de)
Instagram-Chef Adam Mosseri habe in einem richtungsweisenden Prozess in Los Angeles bestritten, dass die App “klinisch süchtig” macht, und den Konsum lediglich mit der Begeisterung für Fernsehserien verglichen. Die Klägerin werfe den Plattformen vor, durch Funktionen wie das endlose Scrollen gezielt psychische Probleme verursacht zu haben. Der hinter Instagram stehende Social-Media-Konzern Meta argumentiere, dass die Ursachen in den vorbestehenden schwierigen Familienverhältnissen der Frau zu suchen seien. Snapchat und TikTok hätten sich bereits vor Prozessbeginn mit der Frau auf einen Vergleich geeinigt.

7. Ein Reality-Format jagt das nächste
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:34 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Der “6-vor-9”-Kurator kritisiert anlässlich des fast nahtlosen Übergangs vom “Dschungelcamp” zu “Germany’s Next Topmodel”, dass seriöse Medien diese Reality-Formate oft wie echte Dokumentationen besprächen, obwohl es sich um konstruierte Inszenierungen handele: “Man muss sich mal vorstellen, ein Journalist würde über einen Spielfilm schreiben: ‘Brad Pitt hat gestern mutig gegen die Zombie-Invasion gekämpft.’ Das wäre doch absurd, oder?”

Metas Werbeverbot, Problematische Reise-Influencer, Zu schlau für TV

1. “Das Wort Demokratie kann problematisch sein”
(netzpolitik.org, Ingo Dachwitz)
Ingo Dachwitz beschreibt in seinem Artikel, wie Metas pauschales Verbot politischer Werbung in der EU zu willkürlichen Sperrungen bei NGOs, Museen und Unternehmen führe. Selbst harmlose Aufklärungskampagnen oder Spendenaufrufe würden darunter fallen. Offiziell begründe der Social-Media-Konzern diesen Schritt mit der Komplexität neuer EU-Transparenzregeln. Kritiker würden dahinter jedoch den Versuch vermuten, sich jeglicher Regulierung zu entziehen und Strafzahlungen zu vermeiden.

2. Epstein taucht in Epstein-Akten auf!
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Die mediale Aufarbeitung der neu veröffentlichten Epstein-Akten sei oft von Sensationsgier und mangelnder Sorgfalt geprägt, findet Boris Rosenkranz bei “Übermedien” (jetzt frei lesbar). Er bemängelt, dass viele Redaktionen statt auf tiefergehende Analysen lediglich auf schnelles “Namedropping” und Clickbait setzen würden. Dadurch würden selbst harmlose Erwähnungen in den Dokumenten zu Skandalen aufgebauscht.

3. Wie rechte Influencer*innen Reisen für Propaganda-Zwecke instrumentalisieren
(belltower.news, Kiran Bowry)
Kiran Bowry analysiert in seinem Text, wie rechte Influencer das vermeintlich unpolitische Genre der Reise-Vlogs instrumentalisieren. Insbesondere der YouTuber Kurt Caz verbreite durch inszenierte “Gefahrensituationen” rassistische und nativistische Narrative. Bowrys Botschaft an die Medien: “Faktenchecks genügen nicht. Ohne Einordnung bleiben Reise-Influencer*innen wirksame Akteure bei der schleichenden Normalisierung rechtsextremer Weltbilder.”

Bildblog unterstuetzen

4. Gezielte Angriffe auf Medienschaffende
(verdi.de)
Aus einer Antwort der Bundesregierung gehe hervor, dass zwischen April 2024 und November 2025 mehr als 800 politisch motivierte Straftaten gegen Medienschaffende registriert worden seien. Angesichts dieser Bedrohungslage fordert die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union, Journalistinnen und Journalisten im Rahmen der anstehenden Strafgesetzbuch-Novelle (§ 116 StGB-E, PDF) ausdrücklich als schutzwürdige Berufsgruppe gesetzlich zu verankern.

5. Sieben Forderungen gegen Desinformation
(neuemedienmacher.de)
Die Neuen deutschen Medienmacher*innen haben einen Sieben-Punkte-Katalog vorgelegt (PDF), um die “Leerstelle bei der Mehrsprachigkeit” zu schließen. Hiesige Medienangebote hätten der Vielsprachigkeit von Falschmeldungen bisher kaum etwas entgegengesetzt. Zu den zentralen Forderungen zählen der massive Ausbau mehrsprachiger Angebote im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie eine stärkere Diversität in Redaktionen. Das Ziel sei es, manipulative Narrative frühzeitig zu identifizieren und Faktenchecks in mehreren Sprachen anzubieten.

6. Zu schlau fürs Fernsehen: Der Publizist Roger Willemsen
(wdr.de, Anke Rebbert, Audio: 13:23 Minuten)
Anlässlich seines zehnten Todestages erinnert das WDR-“Zeitzeichen” an den Publizisten Roger Willemsen, der als “boulevardtauglicher Intellektueller” das Fernsehen der 90er-Jahre geprägt habe. Autorin Anke Rebbert beschreibt, wie der promovierte Musik-Experte durch seinen einzigartigen, zugewandten Moderationsstil zum Publikumsliebling avanciert sei, bevor er sich Ende der 90er-Jahre bewusst aus dem Talkshow-Geschäft zurückgezogen habe.

KW 06/26: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Tatort Schlagzeile: Die Debatte um Herkunft
(youtube.com, Tanjev Schultz & Markus Wolsiffer, Video: 40:44 Minuten)
Bei “Die Medienversteher” diskutieren der Medienwissenschaftler Tanjev Schultz und der Journalist Markus Wolsiffer über das ethische Dilemma, ob und wann die Herkunft von Straftätern in der Berichterstattung genannt werden sollte. Die Kölner Silvesternacht 2015/16 markiere eine Zäsur, die zu einer Aufweichung des Pressekodex geführt habe. Daraufhin sei die Nennung der Nationalität in vielen Redaktionen und auch in Polizeimeldungen zur unhinterfragten Routine geworden.

2. Warum ist der Sportjournalismus immer noch fest in Männerhand?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 22:18 Minuten)
Im “Übermedien”-Podcast fragt Holger Klein die Sportjournalistin Nora Hespers, warum das Sportressort trotz einer gestiegenen Sichtbarkeit von Frauen im TV weiterhin eine Männerdomäne bleibe. Der Frauenanteil in der Branche liege lediglich bei zehn bis 15 Prozent, und weibliche Führungskräfte sowie Kommentatorinnen würden nach wie vor die Ausnahme bilden. “Obwohl mehr Frauen in den Sportjournalismus kommen, bleibt noch viel zu tun”, so Hespers Fazit.

3. Kommt ein neues “Spotify für Verlage”?
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 24:08 Minuten)
Christian Jakubetz unterhält sich mit Swantje Dake, ehemalige Digital-Chefredakteurin der “Stuttgarter Zeitung” und der “Stuttgarter Nachrichten”, über deren neues Start-up namens “Unlock”. Dabei handele es sich um eine Plattform nach dem “Spotify-Prinzip”, die Nutzerinnen und Nutzern gegen eine monatliche Gebühr (geplant seien circa 15 Euro) den Zugriff auf Bezahlartikel verschiedener Verlage ermöglichen soll. Dake ist zuversichtlich, dass dieses Modell jetzt funktioniert, da Paid-Content mittlerweile etabliert sei und Verlage unter höherem Digitalisierungsdruck stünden.

Bildblog unterstuetzen

4. Die Krise des Musikjournalismus
(deutschlandfunk.de, Mike Herbstreuth, Audio: 27:37 Minuten)
Im Deutschlandfunk kommen regelmäßig Hörerinnen und Hörer zu Wort. Manchmal liefern sie sogar die Idee für eine ganze Sendung und tauschen sich darin mit Expertinnen und Experten aus. In dieser Folge des Podcasts “Nach Redaktionsschluss” geht es um die prekären Arbeitsbedingungen im Popjournalismus. Deutschlandfunk-Hörerin Luise Herzog diskutiert darüber mit Ruben Jonas Schnell vom Internetradiosender ByteFM und Thomas Venker von “Kaput”, dem “Magazin für Insolvenz & Pop”.

5. Wenn’s beim Buschmann zweimal klingelt (mit ⁨@AnwaltJun⁩)
(youtube.com, Gavin Karlmeier, Video: 1:05:25 Stunden)
Gavin Karlmeier und Anwalt Chan-jo Jun diskutieren über Elon Musks mutmaßliche Strategie, durch kontroverse KI-Inhalte von “Grok” Aufmerksamkeit zu generieren. Zudem erörtern sie das juristische Schwinden des sogenannten Providerprivilegs, wodurch Plattformen künftig schneller und direkter für Datenschutzverstöße und KI-Risiken haften müssten. Abschließend berichtet Jun von einer erfolgreich zugestellten einstweiligen Verfügung an X (ehemals Twitter), nachdem vorherige Zustellversuche gescheitert seien.

6. Marietta Slomka – 2 + 2 = 4
(hr2.de, Jagoda Marinić, Audio: 1:12:33 Stunden)
Bei “Freiheit Deluxe” unterhält sich Jagoda Marinić mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka über die Entwicklung der Medienwelt in den vergangenen Jahrzehnten. Die Nachrichtenproduktion sei heute komplexer, Faktenchecks würden zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Zudem erklärt Slomka, wie sie sich professionell von der Flut schlechter Nachrichten abgrenzt, um ihre persönliche Zuversicht für das herausfordernde Jahr 2026 zu bewahren.

Massenentlassungen, Bei Lanz kein Ministerpräsident, Exilmedien

1. Der Letzte macht das Licht aus
(taz.de, Nicholas Potter)
Die “Washington Post” habe in einem radikalen Kahlschlag rund 30 Prozent ihrer Redaktion entlassen, “mehr als 300 der insgesamt rund 800 Journalisten sollen ihren Job verloren haben.” Besonders betroffen sei die Auslandsberichterstattung in Krisenregionen wie der Ukraine oder dem Nahen Osten. Ursache sei vor allem das politische Kalkül von Eigentümer Jeff Bezos, kommentiert Nicholas Potter. Kritiker wie Ex-Chefredakteur Marty Baron hätten diesen Schritt als “selbstverschuldete Zerstörung” bezeichnet.

2. Daniel Gün­ther war bei Lanz kein Minis­ter­prä­si­dent
(lto.de, Markus Sehl)
Das Verwaltungsgericht Schleswig-Holstein habe einen Antrag des Portals “Nius” gegen das Land abgewiesen, mit dem untersagt werden sollte, dass Daniel Günther das Medium als “Feinde der Demokratie” oder “faktenfrei” bezeichnet. Zur Begründung habe die Kammer ausgeführt, dass Günther in der Talkshow “Markus Lanz” nicht als Ministerpräsident, sondern als Parteipolitiker aufgetreten sei. Somit habe er keine amtliche Neutralitätspflicht verletzt. Der Beschluss sei noch nicht rechtskräftig. “Nius” könne noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen.

3. Russische Medien im Exil: “Diese Redaktionen sind zur Innovation verdammt”
(geo.de, Diana Laarz)
Russische Exilmedien fänden trotz massiver Repressionen weiterhin Wege, um ihre Zielgruppen in der Heimat zu erreichen und so das staatliche Informationsmonopol aufzubrechen. Die rund 63 russischen Redaktionen im Exil seien nicht nur Nischenphänomene; sie würden mit Millionenreichweiten auch ländliche Gebiete erreichen. Dennoch sei die Finanzierungslage prekär.

Bildblog unterstuetzen

4. Paramount-Chef Ellison wirbt um Unterstützung der Branche
(dwdl.de, Uwe Mantel)
In einem offenen Brief an die deutsche Kreativbranche werbe Paramount-Chef David Ellison um Unterstützung für die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery, um so das konkurrierende Angebot von Netflix doch noch auszustechen. Ellison verspreche unter anderem, die Produktion beider Studios auf jährlich mindestens 30 Kinofilme zu erhöhen und strikte exklusive Kinofenster von bis zu 90 Tagen einzuhalten, bevor Filme im Streaming landen.

5. Die Medienhölle – Episode 004
(youtube.com, Jörg Wagner, 1:54:17 Stunden)
In der aktuellen Ausgabe seiner “Medienhölle” widmet sich Jörg Wagner unter anderem dem 38. dju-Journalismustag, auf dem er mit der ehemaligen TikTok-Mitarbeiterin Sara Tegge über Künstliche Intelligenz und mit der Forscherin Anna von Garmissen über die Grenzen zwischen Influencern und Journalisten gesprochen hat. Des Weiteren diskutiert Wagner mit dem Medienunternehmer Sebastian Jabbusch über Insolvenzszenarien und unterhält sich mit dem ehemaligen “Business-Insider”-Chef Kayhan Özgenç.

6. Wer einen Instagram- oder Facebook-Account hat, kann Schadenersatz kassieren
(netzpolitik.org, Martin Schwarzbeck)
Das Oberlandesgericht Dresden habe vier Klägern jeweils 1.500 Euro Schadenersatz zugesprochen, weil der Meta-Konzern über sogenannte “Business Tools” das Nutzerverhalten auf Drittwebseiten ohne Einwilligung illegal aufgezeichnet habe. Für den Anspruch sei es laut Gericht nicht notwendig, eine konkrete Überwachung im Einzelfall nachzuweisen. Angesichts der umfassenden Datensammelpraxis sei bereits der bloße Besitz eines Facebook- oder Instagram-Accounts ausreichend.

Bedrohte Vielfalt, Schock nach Kahlschlag, Auswirkungen von KI

1. Weinende Soldaten, angebliche Desertion – wie KI-Videos in sozialen Medien den Ukrainekrieg verzerren
(faktencheck.afp.com, Katharina Zwins)
Laut einer Analyse von AFP würden prorussische Kreise seit November 2025 massenhaft KI-generierte Videos auf Sozialen Netzwerken verbreiten, die weinende oder desertierende ukrainische Soldaten zeigen sollen. Experten stufen diese Kampagne als “kognitive Kriegsführung” ein, die durch emotionale Inszenierungen gezielt die Moral der ukrainischen Bevölkerung untergraben und die internationale Unterstützung schwächen solle. Obwohl die meist mit Tools wie Sora 2 erstellten Clips oft technische Fehler aufweisen, würden sie auf Plattformen wie TikTok ein Millionenpublikum erreichen.

2. Rundfunkverbände sorgen sich um Medienvielfalt im Radiomarkt
(dwdl.de, Alexander Krei)
Mehrere private Rundfunkverbände aus dem deutschsprachigen Raum hätten sich zur “Linzer Erklärung” zusammengeschlossen, um vor dem Verlust der Medienvielfalt durch den massiven Abfluss von Werbegeldern an globale Online-Plattformen zu warnen. Sie würden die Politik dazu auffordern, durch Entbürokratisierung, Regulierungen für Big-Tech-Konzerne und diskriminierungsfreie Auffindbarkeit die wirtschaftliche Existenz des Privatradios zu sichern. Ohne schnelles Handeln würden nach Ansicht der Verbände irreversible Schäden für die demokratische Öffentlichkeit drohen.

3. Schock nach Kahlschlag bei RTL
(verdi.de, David Bieber)
Der private TV-Sender RTL habe angekündigt, bis zu 600 Stellen zu streichen (allein im Nachrichtenbereich rund 230), was bei der Belegschaft für Fassungslosigkeit gesorgt habe. Da die linearen Werbeeinnahmen massiv gesunken seien, wolle der Konzern künftig stärker auf Streaming setzen, weshalb bekannte Formate eingestellt und Redaktionen in neuen Newsrooms zusammengelegt würden. Um betriebsbedingte Kündigungen möglichst abzuwenden, habe man sich mit dem Betriebsrat auf einen umfassenden Sozialplan geeinigt.

Bildblog unterstuetzen

4. Welchen Horror wir erwarten
(taz.de, Yasemin Said)
Yasemin Said kritisiert, dass unser Gedenken an den Holocaust fast ausschließlich durch eine feste Ikonografie geprägt sei, die Erwartungen daran wecke, wie das Grauen auszusehen habe. Problematisch sei dabei, dass viele der bekannten Bilder ursprünglich von SS-Fotografen stammen. Dadurch würden wir die Geschichte unbewusst durch die zynische Perspektive der Täter betrachten. Diese verengte Ästhetik der Erinnerung führe dazu, dass unscheinbare, alltägliche Orte der Gewalt oft übersehen würden.

5. KI verdrahtet Film, TV und Produktion neu
(blog.medientage.de, Petra Schwegler)
Laut einer aktuellen McKinsey-Analyse stehe die Film- und TV-Branche vor einem tiefgreifenden Umbruch, bei dem Künstliche Intelligenz bis 2030 Budgets und Workflows neu ordne. Ähnlich wie bei früheren Innovationen dürften laut der Studie vor allem große Distributoren und Plattformen den wirtschaftlichen Mehrwert abschöpfen. Es drohe gleichzeitig ein Rückgang der Gesamterlöse im System, sollte das Publikum weiter zu offenen Videoplattformen abwandern.

6. Die RiffReporter: Zehn Jahre selbstverwalteter Fachjournalismus
(dfjv.de, Gunter Becker)
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der “RiffReporter” hat sich Gunter Becker mit “RiffReporter”-Vorständin Christiane Schulzki-Haddouti und Autorenvertreter Björn Lohmann über ihr Modell des selbstverwalteten Fachjournalismus unterhalten. Dank der demokratischen Struktur der Genossenschaft genössen die Mitglieder als Miteigentümer zwar redaktionelle Freiheit, sie müssten aber zugleich hohe Qualitätsstandards und ethische Richtlinien einhalten.

Ver­öf­f­ent­li­chung strafbar, Betrug mit KI-Bildern, Springer-Krise?

1. Ver­öf­f­ent­li­chung von Gerichts­be­schlüssen im Ermitt­lungs­ver­fahren strafbar
(lto.de)
Der Bundesgerichtshof (BGH) habe die Verurteilung des Journalisten Arne Semsrott bestätigt, da er unerlaubt Gerichtsbeschlüsse aus einem laufenden Ermittlungsverfahren gegen die “Letzte Generation” im Wortlaut veröffentlicht habe. Nach Auffassung der Richter schränke das entsprechende Gesetz die Pressefreiheit nur geringfügig ein. Semsrott, der diesen Rechtsstreit bewusst provoziert habe, wolle nun vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, um die Abschaffung des seiner Meinung nach veralteten Straftatbestands zu erreichen.
Weiterer Lesetipp: Semsrotts Organisation “FragDenStaat” hat ein Statement anlässlich des BGH-Beschlusses veröffentlicht: “Es darf nicht sein, dass Journalist*innen für faktische und korrekte Berichterstattung verurteilt werden und das Strafgesetzbuch zur Gefahr für die Pressefreiheit wird. Darum legen wir nun gemeinsam mit der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) Verfassungsbeschwerde ein, um vor dem Bundesverfassungsgericht zu zeigen: Paragraph 353d Nr. 3 muss endlich abgeschafft werden.”

2. Massenhafter Betrug in ganz Deutschland
(t-online.de, Florian Harms)
Florian Harms warnt vor einer Flut täuschend echter KI-Bilder und -Videos, die gezielt Emotionen wecken würden, um durch Klicks Geld zu verdienen und politische Stimmungen zu manipulieren: “KI-Bilder sind die Vorboten einer neuen Ära, in der die Grenze zwischen Schein und Sein zerfließt. Wir erleben den Generalangriff auf das letzte verbliebene Vertrauen, das unsere Zivilisation zusammenhält: den Glauben an unsere eigenen Augen.”

3. Zahlreiche Journalist:innen im Visier bei Attacke über Signal-Messenger
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Wie Markus Reuter berichtet, nimmt ein unbekannter Akteur derzeit gezielt Journalistinnen und Aktivisten ins Visier, indem er über den Messenger Signal Phishing-Nachrichten an Dutzende Medienvertreter, etwa von “Zeit” und “Correctiv”, sowie Anwälte in ganz Europa versende. Der oder die Angreifer gäben sich dabei als “Signal Support” aus, mit dem Ziel, den Account zu übernehmen und sensible Kontaktnetzwerke auszuspähen. Signal betone, dass man Nutzerinnen und Nutzer niemals per Chat kontaktiere.

Bildblog unterstuetzen

4. Datensammelei mit Folgen
(taz.de)
Der österreichische Verbraucherschutzverein habe eine Sammelklage gegen den Social-Media-Konzern Meta gestartet, da das Unternehmen über im Hintergrund laufende Tracking-Tools heimlich sensible Daten von Nutzerinnen und Nutzer gesammelt habe. Parallel dazu verhandele das Oberlandesgericht Hamburg Ende Februar über eine weitere Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands wegen eines massiven Datenlecks aus den Jahren 2018/2019, bei dem persönliche Informationen im Darknet gelandet seien.

5. 10 Dinge, die ich beim Beta-Test einer KI zur Verfolgung von Desinformation gelernt habe
(de.ejo-online.eu, Martin Lestra)
Martin Lestra hat 18 Monate lang das EU-Projekt “PROMPT” koordiniert, bei dem er gemeinsam mit über 30 Partnern aus Journalismus und Faktenprüfung den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Analyse von Desinformationsnarrativen getestet habe. Aus diesen intensiven Beta-Tests leitet er zehn zentrale “Learnings” ab, die unter anderem verdeutlichen, dass KI-Tools für Experten absolut präzise arbeiten müssen und keine Fehlalarme produzieren dürfen. KI sei außerdem nur erfolgreich, wenn sie sich einfach in den stressigen Redaktionsalltag integrieren lasse.

6. Springer-Krise? das Ende einer Ära.
(youtube.com, Wolfgang M. Schmitt & Stefan Schulz, Video: 20:57 Minuten)
Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt analysieren den Weggang von Robin Alexander, der mit seinem erfolgreichen Podcast “Machtwechsel” das Medienhaus Axel Springer verlassen hat, um ihn eigenständig weiterzuführen. Die beiden sehen darin ein Beispiel für die wachsende Bedeutung von “Personal Branding” im Journalismus.

7. Freeclimber schreibt Geschichte in Taipeh
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:02 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: Bei radioeins kritisiert der “6-vor-9”-Kurator die Streaming-Plattform Netflix, die am vergangenen Wochenende die ungesicherte Besteigung eines Wolkenkratzers per Livestream übertragen hat. Zudem warnt er eindringlich davor, dass solche Events Jugendliche dazu animieren könnten, für Klicks im Internet leichtsinnig ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen.

Richter-Rücktritt, Gemeinsamer KI-Kodex, Abzocke mit Stearinlicht

1. Ostdeutsche Allgemeine Zumutung
(campact.de, Matthias Meisner)
Der Verleger Holger Friedrich plane die Gründung der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung”. Laut Matthias Meisner würden Kritiker dies als Versuch werten, ein pro-russisches und demokratieskeptisches Leitmedium zu etablieren. Besonders die Einstellung des Journalisten Florian Warweg, der zuvor für “Russia Today” und die “NachDenkSeiten” tätig gewesen sei, bestätige laut Meisner die Befürchtung, dass das Blatt als Plattform für Kreml-Propaganda dienen könne.

2. Rücktritt nach taz-Recherche
(taz.de, Nadine Conti)
Gert Armin Neuhäuser, Präsident des Verwaltungsgerichts Osnabrück, sei als Vorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Verwaltungsrichter und Verwaltungsrichterinnen zurückgetreten, nachdem er durch Recherchen der “taz” unter den Verdacht geraten sei, unter einem Pseudonym Hasskommentare gegen Frauen und queere Personen verfasst zu haben (BILDblog berichtete). Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg sowie die Staatsanwaltschaft Göttingen würden derzeit dienstrechtliche beziehungsweise strafrechtliche Konsequenzen prüfen. Das niedersächsische Justizministerium und die Universität Hannover, an der Neuhäuser als Honorarprofessor lehre, seien zwar entsetzt über die Inhalte, würden aber auf den noch fehlenden Beweis der Urheberschaft verweisen.

3. ARD, ZDF, Deutschlandradio und DW mit gemeinsamen KI-Kodex
(dwdl.de, Alexander Krei)
ARD, ZDF, Deutsche Welle und Deutschlandradio hätten sich auf gemeinsame Grundsätze für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz verständigt, um die Technologie im Einklang mit ihren Werten und dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu nutzen. Kern der Vereinbarung sei der Grundsatz, dass die publizistische Verantwortung stets beim Menschen verbleibe und KI-generierte Inhalte transparent gekennzeichnet werden müssten, um das Vertrauen des Publikums zu sichern.
Weiterer Lesetipp: Zwischen Leitlinien und Redaktionstisch: Verantwortungsvoller KI-Einsatz im Journalismus: “Das EU-Projekt PROMPT hat sich damit beschäftigt, wie Journalismus, Fact-Checking und KI verantwortungsvoll zusammenspielen können – und daraus konkrete Best-Practice-Guidelines entwickelt.”

Bildblog unterstuetzen

4. Femizid: So machen Medien Johanna G. ein zweites Mal zum Opfer
(kobuk.at, Andrea Gutschi)
Andrea Gutschi kritisiert die sensationslüsterne Berichterstattung über den Mord an Johanna G., bei der Boulevardmedien wie die “Kronen Zeitung” und “oe24” dem Opfer durch Schlagzeilen über angebliche “Tinder-Affären” und private Spekulationen eine Mitschuld zugeschrieben hätten. Zudem werde der mutmaßliche Täter, ein Polizist, durch die unkritische Übernahme seiner Verteidigungsstrategie (“Sex-Unfall”) sowie durch Bezeichnungen wie “Elite-Polizist” oder “Halbgott” als faszinierende Figur stilisiert und verharmlost.

5. Festnahme und Abschiebungsandrohung gegen den französischen Journalisten Raphaël Boukandoura alarmieren RSF
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) zeigt sich alarmiert über die Festnahme des französischen Journalisten Raphaël Boukandoura, der am 19. Januar in Istanbul in Polizeigewahrsam genommen worden sei. Dem langjährigen Türkei-Korrespondenten drohe nun die Abschiebung, nachdem er über eine von den Behörden nicht genehmigte Demonstration berichten wollte. RSF verurteilt das Vorgehen gegen den akkreditierten Journalisten als willkürlichen Angriff auf die Pressefreiheit und fordert, das Unrecht umgehend zu korrigieren.

6. Wie Forum-User 9Live das Handwerk legten
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 17:12 Minuten)
Philipp Walulis blickt zurück auf die fragwürdigen Methoden des einstigen Fernsehsenders 9Live, der Zuschauerinnen und Zuschauer mit kaum lösbaren Rätseln und Tricks wie dem “Hot Button” systematisch abgezockt habe, um hohe Umsätze zu generieren. Er zeigt anhand eines konkreten Skandals, wie Redakteure sogar betrogen haben sollen, indem sie eine erratene Lösung (“Stearinlicht”) während der Livesendung heimlich gegen eine andere ausgetauscht hätten, um den eigentlich fälligen Gewinn nicht auszahlen zu müssen.

7. AI Slop statt Erinnerung: Wie KI den Holocaust verzerrt
(radioeins.de, Lorenz Meyer, Audio: 4:47 Minuten)
Zusätzlicher Link, da in eigener Sache: “Mehr als 40 Holocaust‑Gedenkstätten warnen vor einer Flut täuschend echter KI‑Bilder zur NS‑Zeit. Lorenz Meyer erklärt in seinem Kommentar, wie ‘AI‑Slop’ historische Fakten verzerrt, Erinnerungskultur beschädigt und warum Social‑Media‑Plattformen dringend handeln müssen.”

Blättern:  1 ... 5 6 7 ... 96