Suchergebnisse für ‘fakten’

Gangsta-Rap und Antisemitismus, “Ressort X”, Trumps eigenes Twitter

1. “Gangsta-Rap” könnte Antisemitismus fördern
(zdf.de)
Die Universität Bielefeld hat sich in einer Studie mit dem möglichen Zusammenhang von Gangsta-Rap und Antisemitismus beschäftigt (“Die Suszeptibilität von Jugendlichen für Antisemitismus im Gangsta Rap und Möglichkeiten der Prävention”). Studienergebnisse würden zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum der Musik und antisemitischen sowie frauenfeindlichen und chauvinistischen Einstellungen gebe. Die Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, fordere deshalb: “Wir dürfen nicht zusehen, wie Musiker Antisemitismus propagieren und mit gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Texten Jugendliche indoktrinieren”.

2. Viele Jugendliche können beim Lesen Fakten nicht von Meinungen unterscheiden
(deutschlandfunk.de)
Laut einer Sonderauswertung der neuesten Pisa-Studie seien in Deutschland weniger als die Hälfte der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in der Lage, beim Lesen Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Der Fairness halber sei jedoch erwähnt, dass es bei Erwachsenen zuletzt ähnliche Ergebnisse gegeben hat: “Die digitale Nachrichtenkompetenz der deutschen Gesellschaft ist laut einer Studie mittelmäßig bis schlecht.”

3. Was Zeit-Online-Ressortleiter Philip Faigle zum führenden Deutschlandversteher macht
(kress.de, Rupert Sommer)
Im “Ressort X” widmet sich “Zeit Online” regelmäßig den großen Themen unserer Zeit – ob Wohnen oder Mobilität, Ungleichheit oder Klassenunterschiede, Geschlechterrollen oder psychische Gesundheit. Philip Faigle ist Redakteur für besondere Aufgaben bei “Zeit Online” und leitet das Schwerpunkt-Ressort. Im Interview mit “kress” spricht er unter anderem über die Arbeit seines Teams, die Themenwahl, den neuen Leserrat und die Aktion “Deutschland spricht”.

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4. Drei Länder, eine Mediathek
(sueddeutsche.de, Kathrin Müller-Lancé)
Kathrin Müller-Lancé hat sich “The European Collection” angeschaut, eine Programminitiative von Arte, ARD, ZDF, der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft SRG sowie den französischen France Télévisions: “Ist das der Durchbruch der europäischen Öffentlichkeit? Die europäische Super-Digital-Plattform, von der der ehemalige BR-Intendant Ulrich Wilhelm immer träumte?”

5. Umfrage zur Sicherheit von Journalist*innen
(verdi.de)
Die Europäische Journalisten-Föderation will in einer Umfrage herausfinden, wie Medienschaffende Bedrohungen für ihre physische Sicherheit und psychische Gesundheit wahrnehmen und welche Maßnahmen sie als hilfreich und wirksam erachten. Das Ausfüllen der Umfrage soll maximal zehn Minuten in Anspruch nehmen.

6. Trump bastelt sich sein eigenes Twitter (oder lässt es zumindest so aussehen)
(spiegel.de)
Dass die großen Social-Media-Plattformen Donald Trump verbannt haben, wird von vielen als äußerst wohltuend empfunden. Doch es gibt mindestens eine Person, die sich partout nicht mit der reduzierten Aufmerksamkeit abfinden will – und das ist der US-amerikanische Ex-Präsident selbst. Trump hat deshalb eine Website aufsetzen lassen, die er mit Kurznachrichten füttert, die von seiner Gefolgschaft via Teilen-Funktion in die Sozialen Netzwerke getragen werden sollen. Ob die Plattformen dies zulassen, sei derzeit noch unklar.

Zielscheibe Journalisten, “Volksverpetzer”, Hexentrend

1. Wenn Journalisten zur Zielscheibe werden
(tagesschau.de, Jenni Rieger, Video: 4:00 Minuten)
Der Journalist Alexander Roth erfährt wegen seiner Artikel über Rechtsextreme, Verschwörungsmythen und “Querdenker”-Szene immer schärfere Anfeindungen. Viele davon sogar ganz unverhohlen unter Klarnamen. Die Angriffe auf Roths Arbeit hätten längst auch Auswirkungen auf sein Privatleben – seine Privatadresse halte er deshalb geheim. Die “tagesthemen” haben den Journalisten an seinem Arbeitsplatz besucht, dem Zeitungsverlag Waiblingen.
Weiterer Lesehinweis: Ein Twitter-Thread von Alexander Roth: Ich wurde in den letzten Tagen mehrfach gefragt, nach wie vielen Beleidigungen und Bedrohungen für mich Schluss ist.

2. “Niemand hat ein Recht auf eigene Fakten”
(journalist.de, Kristina Wollseifen)
Das Magazin “journalist” beschäftigt sich mit dem Anti-“Fake-News”-Blog “Volksverpetzer” und hat dafür mit Thomas Laschyk gesprochen, dem Gründer und “Chef-Verpetzer”. Es geht dabei auch um die Unterschiede zu anderen journalistischen Angeboten, dem bewusst sarkastischen, emotionalen und reißerischen Stil: “Es ist sehr schnell frustrierend, Lügenmärchen sachlich und gezwungen neutral darzustellen”, so Laschyk: “Wenn ich bei meinen Faktenchecks neutral bleibe und die Lügen ernst nehme, dann werte ich diese verrückten Aussagen doch nur auf.”

3. Danke.
(uebermedien.de, Samira El Ouassil)
Samira El Ouassil stimmt anlässlich dem gestrigen Tag der Pressefreiheit und ihrer einhundertsten “Übermedien”-Kolumne ein Loblied auf den Journalismus an: “Stellen Sie sich eine Welt ohne Journalist*innen und unabhängige Medien vor. Was würden Sie lesen? Online wie analog? Was wäre auf Twitter und Facebook zu sehen? Was würden Sie auf dem Weg zu Arbeit im Radio hören? Was im Fernsehen schauen, um sich zu informieren? Wie würden Sie sich über die Regierung informieren? Auf der Website der Bundesregierung? Wie würden Sie von der Welt um Sie herum erfahren, von den nationalen Problemen und den internationalen Konflikten? Wie wäre diese Pandemie ohne freie, plurale, unabhängige Medien und Journalist*innen verlaufen, die beständig und vielstimmig über aktuelle Entwicklungen aufklären?” Auch deshalb lesenswert, weil El Ouassil ihre Gedanken mit biographischen Eindrücken aus dem Land eines Teils ihrer Familie verknüpft.
Als ergänzender Kontrast dazu der Beitrag von Markus Kompa: “Während sich heute am Tag der Pressefreiheit konventionelle Medienmacher im jährlichen Ritual gegenseitig auf die Schulter klopfen, hält sich die Laune einiger Blogger und YouTuber in Grenzen. Seit einigen Wochen bekommen sie blaue Briefe von Landesmedienanstalten, die politisch unerwünschte Inhalte beanstanden und Fristen zur Änderung setzen.”

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4. Liedschnipsel sind nicht das Problem, sondern Uploadfilter
(zeit.de, Julia Reda)
In einem Gastbeitrag für “Zeit Online” erklärt Urheberrechtsspezialistin Julia Reda, warum sie Uploadfilter als Gefahr für die Meinungsfreiheit sieht:” Durch verpflichtende Uploadfilter droht eine erhebliche Zunahme der Missbrauchsfälle und die damit einhergehende Aushöhlung der Kommunikationsfreiheiten. Gleichzeitig werden Uploadfilter nicht verhindern können, dass Plattformen und Labels Musikschaffende ausbeuten.” Reda belässt es jedoch nicht bei der Kritik, sondern macht konkrete Gegenvorschläge.
Weiterer Lesehinweis: Wir fordern das Ende des Abmahn-Unwesens (netzpolitik.org, Malik Aziz & Bastian Wölfle & Beata Hubrig).
Und noch ein Lesetipp: Beim “Tagesspiegel” glaubt der Wikimedia-Verantwortliche für Politik und Recht, John Hendrik Weitzmann, dass Kreative derzeit gezielt in Alarmstimmung versetzt würden, “um mühsam erreichte Kompromisse zum Grundrechteschutz im Urheberrecht doch noch zu kippen”.

5. Twitter bringt Clubhouse-Klon “Spaces” an den Start
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Anfang des Jahres erlebte die Audio-Chat-App Clubhouse einen regelrechten Hype. Befeuert wurde dies durch zahlreiche Medienschaffende, die mit eigenen Talks auf Sendung gingen. Das Thema könnte noch einmal Fahrt aufnehmen, denn Twitter erweitert seine Plattform um den Audio-Dienst Spaces. Und der ist, im Gegensatz zu Clubhouse nicht nur für iOS-, sondern auch für Android-Geräte verfügbar.

6. Der Hexentrend auf TikTok ist antimodern und pseudofeministisch
(belltower.news, Anna Meier & Eva Kappl)
Auf der Kurzvideo-Plattform TikTok hat sich unter dem Schlagwort #WitchTok eine Community von selbsternannten Hexen gebildet. Was steckt hinter dem Trend? Anna Meier und Eva Kappl haben sich das esoterische Phänomen rund um die “empowernden Hexen” angeschaut und entlarven es als “eine Vermarktungsstrategie mit höchst problematischen Bezügen und Querverbindungen, die als Türöffner für antimodernes und menschenfeindliches Gedankengut dienen kann.”

#allesquerdenken?, Kügelchen-Alarm, Gesetz gegen Terrorinhalte

1. Eine Spur führt ins Querdenker-Milieu
(tagesspiegel.de, Andreas Busche & Hannes Soltau & Julius Geiler & Matthias Dell)
Unter dem Schlagwort #allesdichtmachen hatten ursprünglich mehr als 50 Schauspielerinnen und Schauspieler nach eigener Ansicht satirische Videos ins Netz gestellt, in denen sie wohl durch polemische Überzeichnung die staatliche Corona-Politik kritisieren wollten. Der “Tagesspiegel” ist dem Rätsel nachgegangen, von wem diese Aktion ausging und wer sie womöglich orchestriert hat: “Auch wenn es anfangs wie eine dezentrale Bewegung aussah: #allesdichtmachen hatte einen Kopf. Und sie war professionell geplant. Das ergibt eine Spurensuche, eine Woche nachdem die Aktion online ging. Dabei tauchen immer neue Unstimmigkeiten auf.”

2. Die Rolle der Medien im Fall Metzelder
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers & Andrea Titz & Sebastian Wellendorf, Audio: 6:54 Minuten)
Wie sollten Redaktionen über laufende Prozesse berichten? Was darf die Öffentlichkeit erfahren? Worin liegen die Gefahren und Risiken der Verdachtsberichterstattung? All diese Fragen konnte man sich auch in Zusammenhang mit dem Prozess gegen den ehemaligen Fußballer Christoph Metzelder (der mittlerweile zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde) stellen. Es tut sich ein Spannungsfeld auf: Auf der einen Seite Medien, die an aufsehenerregenden Informationen interessiert sind, auf der anderen Seite gelegentlich Rechtsanwälte, die für ihre Mandanten als eine Art Pressesprecher auftreten (“Litigation-PR”).

3. Wenn aus Fakten “Vorurteile” werden
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
“Leben & Erziehen” versteht sich als Elternmagazin, da dürfen Beiträge zur Gesundheit natürlich nicht fehlen. In der neuesten Ausgabe wurde ein Aufklärungsbeitrag zum Thema Homöopathie versprochen: “Kügelchen-Alarm. Zehn Homöopathie Vorurteile im Check”. Die Redaktion hatte sieben Expertinnen und Experten gebeten, um über die “Vorurteile” gegenüber der Homöopathie aufzuklären. Das Problem: Sieben davon sind Homöopath*innen. Kritische Einordnung? Fehlanzeige! Jürn Kruse hat Personen befragt, die sich mit dem Thema auskennen und ihm weniger positiv gegenüberstehen.

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4. #allesdichtmachen vs. #NoCovid im Medienecho – wir haben nur noch Boulevard
(scilogs.spektrum.de, Markus Pössel)
Markus Pössel hat eine Medienauswertung zu den beiden Themen #allesdichtmachen und #NoCovid vorgenommen. Es ging also einerseits um die Protestaktion der Schauspielerinnen und Schauspieler gegen die Corona-Maßnahmen und andererseits um die Strategie der konsequent niedrig gehaltenen Infektionszahlen. Pössels Eindruck: “So karg und steril die Berichte über die NoCovid-Strategie, so fetzig die Beiträge zu #allesdichtmachen. Bei diesem Thema überschlagen sich Süddeutsche, Spiegel und FAZ wie die sensationsgeilsten Boulevardblätter. Ein Thema mit vergleichsweise wenig Substanz, aber einer gehörigen Ladung A- und B-Promis, überzogener Kritik und Empörung, das zudem in das Cancel-Culture-oder-Meinungsfreiheit-Schema passt, wird mit allen Regeln der Kunst gemolken.”

5. Umstrittenes EU-Gesetz gegen Terrorinhalte beschlossen
(reporter-ohne-grenzen.de)
Gestern wurde die EU-Verordnung zur “Verhinderung der Verbreitung terroristischer Inhalte im Internet” verabschiedet. Zuvor hatten mehr als 60 Journalismus- und Menschenrechtsorganisationen ihre Besorgnis über die Auswirkungen dieser Verordnung auf die Presse- und Meinungsfreiheit in einem Offenen Brief (PDF) zum Ausdruck gebracht. Christian Mihr, Geschäftführer von Reporter ohne Grenzen: “Die Verordnung setzt Medienschaffende einem nicht gerechtfertigten Risiko politischer Zensur aus. Rechtsstaatliche Mindeststandards auszuhebeln, um schneller gegen illegale Inhalte im Netz vorgehen zu können, ist der falsche Weg.”

6. Landlust-Gründerin Ute Frieling-Huchzermeyer: »Erfolg entsteht durch die unterschiedlichen Fähigkeiten verschiedener Menschen«
(meisterstunde.de, Peter Wagner)
Das Magazin “Landlust” ist vielleicht eine der überraschendsten Print-Erfolge der vergangenen Jahrzehnte. Ein landwirtschaftlicher Fachverlag, der sonst nur für Special-Interest-Titel wie “top agrar” steht, versucht sich an einer Lifestyle-Publikumszeitschrift und verkauft davon auch heute noch rund 900.000 Exemplare je Ausgabe. Ute Frieling-Huchzermeyer stand dem Magazin bis 2020 als Chefredakteurin vor. Im Gespräch mit Peter Wagner geht es unter anderem um die Gründe für den Erfolg, die Wünsche der Leserschaft und die Wichtigkeit von Gipsengeln.

Tarnen und Täuschen, Keine 220 Millionen, Künast vs. Facebook

1. 220 Mio Euro schwere Presseförderung vorerst gescheitert
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Lange sah es so aus, als könnten sich die Verlage über eine 220 Millionen Euro schwere Presseförderung zur Finanzierung der “digitalen Transformation” freuen. Nun habe das zuständige Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt, das Vorhaben sei vorerst gescheitert. Timo Niemeier erklärt die Hintergründe des Subventions-Pokers.

2. Werbung getarnt als Artikel
(deutschlandfunk.de, Christoph Sterz)
Anzeigen, die absichtlich nicht wie Werbung aussehen, werden im Fachjargon als “Native Advertising” bezeichnet. Die eingebettete Werbung ist bei den Werbetreibenden beliebt, weil sie von vielen als redaktioneller Inhalt und damit als wahr und richtig wahrgenommen wird. Umso wichtiger ist eine deutliche Kennzeichnung, aber auch hier operieren viele Medien mit optischen und sprachlichen Verschleierungstricks.

3. “Wiener Zeitung”: Aus oder doch Rettung?
(verdi.de, Danilo Höpfner)
Vor über drei Jahrhunderten, im Jahr 1703, wurde die “Wiener Zeitung” als “Wiennerisches Diarium” gegründet und ist damit die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Damit könnte es jedoch bald zu Ende sein: Die im Eigentum der Republik Österreich stehende Zeitung soll in ein Wochenblatt oder in ein reines Onlinemedium umgewandelt werden. Mit einer Kampagne versuchen einige Promis aus Politik, Kultur und Wirtschaft, das Blatt zu retten: “Es wäre nicht nur ein schwerer Schlag gegen die im internationalen Vergleich ohnehin wenig ausgeprägte Medienvielfalt in diesem Land, sondern auch das Ende einer Kulturinstitution in Zeiten von Fakenews und Intransparenz.”

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4. Renate Künast verklagt Facebook
(spiegel.de, Max Hoppenstedt)
Die Grünen-Politikerin Renate Künast verklagt Facebook. Sie wolle erreichen, dass nicht nur ein einzelner Beitrag mit einem ihr fälschlicherweise zugeschriebenen Zitat gelöscht wird, sondern dass auch alle identischen und “sinngleichen Inhalte auf der ganzen Plattform” entfernt werden. Es gehe dabei um eine Bild-Text-Kachel, in der neben einem Foto Künasts der Satz steht: “Integration fängt damit an, dass Sie als Deutscher mal Türkisch lernen”. Das Zitat ist jedoch frei erfunden.

5. Traditioneller Machtkampf
(taz.de, Steffen Grimberg)
Barbara Hans beendet zum Monatsende ihre Tätigkeit als “Spiegel”-Chefredakteurin. Nach Ansicht vieler sei sie aus der “Spiegel”-Führung herausgedrängt worden. Ist der “Spiegel” noch immer “das alte, testosterongesteuerte Flaggschiff wie zu Augstein-Zeiten”? Ganz so leicht sei es nicht, findet Steffen Grimberg.

6. Die Goldenen Blogger 2021 – Das sind die Preisträger*innen
(die-goldenen-blogger.de)
Die diesjährige Verleihung des Social-Media-Preises “Die goldenen Blogger” erfolgte wegen der Corona-Pandemie erstmals im Rahmen eines Online-Events. Bloggerin des Jahres wurde Teresa Bücker, als Newcomer des Jahres wurde das “RosaMag” ausgezeichnet. Sonderpreise gingen an “maiLab” und das Team vom NDR “Coronavirus-Update”.

KW 16: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, endlich Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Samstagsausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Dr. Mai Thi Nguyen-Kim in der Hörbar Rust
(radioeins.de, Bettina Rust, Audio: 1:48:05 Stunden)
Bettina Rust hat sich Mai Thi Nguyen-Kim in die Hörbar eingeladen, die in ihrem Youtube-Kanal “maiLab” über die verschiedensten wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Themen spricht. Man könnte fast sagen, dass fünf Personen gleichzeitig bei Bettina Rust zu Gast waren, denn Nguyen-Kim ist Wissenschaftsjournalistin, Chemikerin, Autorin, Youtuberin und Fernsehmoderatorin.

2. Wie versuchen Wissenschaftsleugner, Medien zu beeinflussen, Toralf Staud?
(wasmitmedien.de, Audio: 1:11:28 Stunden)
Der Virologe Christian Drosten kritisiert immer wieder Medien für ihre Berichterstattung und sprach in diesem Zusammenhang neulich von den sogenannten PLURV-Methoden der Desinformation. Bei “Was mit Medien” ist Toralf Staud vom Wissenschaftsportal klimafakten.de zu Gast, der die deutsche Fassung dieser Strategien erstellt hat.
Weiterer Lesehinweis: Hintergrundwissen zum englischsprachigen Vorbild: A history of FLICC: the 5 techniques of science denial (skepticalscience.com, John Cook).

3. Neue Wege für Lokaljournalismus
(wdr.de, Anika Reker, Audio: 12:13 Minuten)
Anika Reker berichtet über die neue Podcast-App “Lopodio”, die sich ausschließlich an Hörer und Hörerinnen in einer bestimmten Region richtet (Selbstbeschreibung: “Du erhältst für eine bestimmte Region lokal produzierte Podcasts mit regionalen Hosts und lokalen Geschichten”). Derzeit werde die App in der Region Soest in Nordrhein-Westfalen ausprobiert. Wer und was steckt hinter der App? Und hat die Sache Zukunft?

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4. Neues von Frauen in Film und Fernsehen: “I care a lot” und “Das Damen-Gambit”
(bzw-weiterdenken.de, Antje Schrupp, Video: 1:32:00 Stunden)
Im aktuellen Video-Gespräch aus der “beziehungsweise”-Redaktion geht es um den Film “I Care a Lot” und die Miniserie “Das Damengambit”: “Was ist aus feministischer Sicht von den Figuren zu halten? Was gefällt uns, was gefällt uns nicht? Ist euch zum Beispiel mal aufgefallen, dass die MarkTomJacks als Hauptfiguren fast ausgestorben sind – zumindest mal bei Netflix? Oder dass sich Geschlechterbeziehungen mehr und mehr vom rein männlichen Blick lösen? Wie werden Beziehungen unter Frauen entworfen? Mit wem können wir uns identifizieren und mit wem nicht?”

5. Machtkampf versus Kuschelkurs: Kandidatenkür in den Medien
(youtube.com, Zapp, Video: 7:23 Minuten)
Eigentlich wollte die CDU hinter verschlossenen Türen aushandeln, wen man ins Rennen um die Kanzlerschaft schickt. Was bei den Grünen in stiller Diskretion geschah, wurde bei der Union zum Twitter-Spektakel. Im Minutentakt drangen neue Wasserstandsmeldungen nach außen. Die mit den aktuellen Insiderinformationen versorgten Medienschaffenden gaben diese sogleich ungefiltert und ungeprüft weiter. “Zapp” hat mit Hauptstadtjournalistinnen und -journalisten über den medialen Blick auf die politischen Entscheidungsprozesse gesprochen.

6. Ist es gefährlich, was die Regenbogenpresse macht?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 39:19 Minuten)
Regenbogenpresse-Experte Mats Schönauer hat jüngst Jan Böhmermanns “ZDF Magazin Royale” bei der satirischen Sonderausgabe “Freizeit Magazin Royale” unterstützt. Beim medienkritischen Portal “Übermedien” ist Schönauer für die Rubrik “Topf voll Gold” zuständig, die sich mit der Klatschpresse beschäftigt. Im Podcast erzählt er, warum er sich die dauernde Auseinandersetzung mit der Yellow Press überhaupt antut, wie das Boulevard-Geschäftsmodell funktioniert und wer die bevorzugten Opfer der Lügen-Postillen sind: “Es gibt keinen Prominenten in Deutschland, über den mehr in der Regenbogenpresse berichtet wird, als über Helene Fischer – ohne dass sie ein einziges Mal mit denen gesprochen hat.”

Goldenes Podcast-Zeitalter, AfD-Sprachtricks, Wagenknechts Betten

1. Das Goldene Zeitalter des Podcasts beginnt erst jetzt
(spiegel.de, Sascha Lobo)
Die Audio-App Clubhouse habe das Thema Social Audio stark vorangetrieben, findet Sascha Lobo, doch der eigentliche Innovationstreiber könne Apples Ankündigung einer Bezahlfunktion für Audio-Inhalte sein: “Mit rund einer Milliarde aktiver Geräte rund um den Planeten gibt die schiere Masse den Ausschlag. Der Kopfhörer ist das Wahrzeichen der Millennials, das Smartphone ihr Alltagsmittelpunkt und Social Audio mit Podcasts als Kern sind ihre ständige Begleitung. So, wie es das Dudelradio für die Babyboomer war. Nur größer.”

2. Wie die AfD versucht, Wähler sprachlich zu überlisten
(migazin.de, Clara Herdeanu)
Die AfD hat einen neuen Wahlkampfslogan: “Deutschland. Aber normal.” Was ist davon aus linguistischer Sicht zu halten? Welcher sprachlicher Mechanismen bedient sich die Partei in ihrem Wahlspruch und ihrer begleitenden Kommunikationskampagne? Auf den ersten Blick gebe es daran zwar nichts zu beanstanden, findet Linguistin Clara Herdeanu, aber: “Auf den zweiten Blick ist der Slogan und die dazugehörige Kampagne ein Paradebeispiel für ein unter rechten Populisten beliebtes Sprachmuster – die aufgesetzte und bewusste eingesetzte Harmlosigkeit als Tarnung: Denn Populisten kommunizieren nicht nur mit provokanten Äußerungen, die ihnen Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit versichern. Genau so wichtig in ihrem Werkzeugkoffer sind die Wörter mit Code-Potenzial und Doppeldeutigkeit (beispielsweise ‘Rothschilds’) sowie die vermeintlich harmlosen, einlullenden Formulierungen.”

3. Pressekodex für polizeiliche Arbeit
(verdi.de, Karin Wenk)
Baden-Württemberg führt einen Pressekodex für die polizeiliche Arbeit ein, der landesweite Standards festlege und den Rahmen für eine professionelle Zusammenarbeit mit den Medien abstecke. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, findet Verdi-Redakteurin Karin Wenk angesichts der in letzter Zeit gestiegenen Zahl von Angriffen auf Medienschaffende.

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4. Video von Sahra Wagenknecht: Intensivbetten-Statistik erneut falsch interpretiert
(correctiv.org, Sarah Thust)
Im Zuge der Corona-Diskussion taucht in Sozialen Netzwerken immer wieder die Behauptung auf, dass Intensivbetten in Deutschland abgebaut worden seien. Der Gedanke dahinter: Die Betten seien aus der Statistik sozusagen verschwunden, um den Lockdown oder die Corona-Maßnahmen zu begründen. Auch die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht nahm sich des Themas in einem ihrer Videos an und argumentierte mit Zahlen aus dem offiziellen DIVI-Register, die ihre Aussagen angeblich beweisen würden. “Correctiv” hat etwas genauer hingeschaut: “Die Daten aus dem DIVI-Intensivregister belegen nicht, dass bundesweit tausende Intensivbetten ‘abgebaut’ wurden oder ‘verschwunden’ sind. Die Daten stellen lediglich ein Bild der aktuellen Lage dar. Belege, dass ein Rückgang der Intensivbetten-Zahlen absichtlich herbeigeführt wurde, gibt es nicht.”

5. “Man hat mir die Zusammenarbeit systematisch verweigert”
(deutschlandfunk.de, Michael Borgers, Audio: 6:16 Minuten)
Der Völkerrechtsprofessor Nils Melzer hat ein Buch über seine Zeit als UN-Sonderberichterstatter zum Fall Assange geschrieben. Darin beschreibt er, wie der Wikileaks-Gründer staatlicher Willkür und psychischer Folter ausgesetzt sei. Melzer wolle mit seiner Veröffentlichung die Öffentlichkeit alarmieren, da er im System selbst nicht weitergekommen sei: “Während meiner Arbeit über die diplomatischen Kanäle, die mir zur Verfügung stehen, hat man mir leider die Zusammenarbeit in diesem Fall systematisch verweigert. Und das hat mich ja auch so schockiert, weil ich es hier nicht mit irgendwelchen Diktaturen zu tun habe, sondern mit westlichen Rechtsstaaten.”

6. Im eigenen Film
(sueddeutsche.de, Jürgen Schmieder)
Der Beraterkonzern Deloitte hat eine neue Ausgabe der “Digital media trends” vorgelegt. Jürgen Schmieder hat einige interessante Kennziffern herausgesucht, die einen Medienumbruch ankündigen: “Hinter diesen Zahlen verbergen sich Trends, die bald zu Veränderungen führen dürften. Sie zeigen, dass sich gerade die Vorstellung davon, was Unterhaltung ist, grundsätzlich wandelt – und das hängt mit einem unterschiedlichen Gebrauch des Internets in den verschiedenen Generationen zusammen.” Eine lohnende Lektüre, weil sie die veränderte Mediennutzung verdeutlicht.

Deutschland fällt ab, Geschönte Karten, Intensivbilder

1. Deutschland wird herabgestuft
(zdf.de)
In der aktuellen “Rangliste der Pressefreiheit” der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) ist Deutschland auf den 13. Platz gefallen. RSF-Vorstandssprecher Michael Rediske kommentiert: “Aufgrund der vielen Übergriffe auf Corona-Demonstrationen mussten wir die Lage der Pressefreiheit in Deutschland von ‘gut’ auf nur noch ‘zufriedenstellend’ herabstufen: ein deutliches Alarmsignal.”
Weiterer Lesehinweis: In der “taz” schreibt Erica Zingher: “In einer Demokratie muss die Freiheit der Presse geschützt werden. Wenn die Behörden das nicht leisten können, dann haben sie versagt.”

2. So verharmlost die BILD die Corona-Lage mit der Inzidenz-Karte
(volksverpetzer.de, Larena Klöckner)
“Bild” hat unlängst der “tagesschau” vorgeworfen, die Inzidenz-Landkarten absichtlich dunkler gefärbt zu haben, um die Corona-Lage zu dramatisieren (siehe dazu auch den ARD-“Faktenfinder”: Keine Manipulation bei Corona-Karten). Nun wurde die “Bild”-Redaktion dabei erwischt, wie sie mit neuen Farbskalen die Entwicklung der Fallzahlen schönt. Larena Klöckner hat den Fall aufgearbeitet und kommentiert.

3. “Es braucht diese Bilder, damit die Leute die Notlage begreifen”
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio: 8:25 Minuten)
Fotojournalist und Intensivpfleger Fabian Fiechter hat die Arbeit von Pflegekräften in Corona-Zeiten begleitet. Der Deutschlandfunk hat mit Fiechter über seine Arbeitsweise, seinen Antrieb und seine Verantwortung gesprochen: “Ich möchte nicht den Freifahrtschein geben, dass man einfach nur, weil man es kann, alles fotografiert. Aber ich glaube schon, dass das wichtig ist, dass die Menschen Bilder bekommen.”

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4. Jetzt aber schnell
(netzpolitik.org, Josefine Kulbatzki)
Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hat ein sogenanntes Dringlichkeitsverfahren gegen Facebook eingeleitet. Es bestehe Grund zur Annahme, dass die von dem Unternehmen angestrebte Datenweiterreichung zwischen Facebook und WhatsApp unzulässig durchgesetzt werde.
Weiterer Lesehinweis: Facebook will Aufregung um riesiges Datenleck aussitzen: “Eine versehentlich versandte E-Mail zeigt: Facebook setzt darauf, dass das Medieninteresse am jüngsten Leak der Daten von 533 Millionen Nutzern von allein abnimmt. Statt aufzuklären, schweigt das Unternehmen bewusst.” (spiegel.de, Patrick Beuth)

5. “Die Wissenschaft ist auf kritischen Journalismus angewiesen”
(journalist.de, Kathi Preppner)
Das Fachmagazin “journalist” hat sich mit Josef Zens unterhalten, der das “Kompetenzteam Wissenschaftskommunikation” des Journalistenverbands Berlin-Brandenburg koordiniert: “Es geht uns darum, auch wissenschaftsfremden Redaktionen und Ressorts ein Verständnis für wissenschaftliche Prozesse zu vermitteln, so dass da Standards gesetzt werden, die nicht einfach nur heißen: große Reichweite. Sonst kann ich immer einen Durchbruch vermelden oder einen Weltuntergang verkünden.”

6. Apple startet Podcast-Offensive – mit kostenpflichtigem Abo-Dienst
(meedia.de, Nils Jacobsen)
Apple hat bei seiner jüngsten Produktvorstellung nicht nur diverse neue Geräte präsentiert, sondern einen Premium-Dienst angekündigt, bei dem Nutzerinnen und Nutzer ausgewählte Podcasts kostenpflichtig abonnieren können.
Weiterer Lesehinweis: Auch Facebook will ins Audiogeschäft einsteigen. Dort plant man einen Clubhouse-Klon. Außerdem soll es dank einer Kooperation mit Spotify bald möglich sein, Podcasts direkt in der Facebook-App anhören zu können.

Böhmermann-Boulevard, BR stoppt Blackfacing, Umarmungsvorhang

1. Dreiste Lügen über Hubert Burda! Wie Jan Böhmermann am Kiosk die Klatschpresse foppt
(rnd.de, Imre Grimm)
In der jüngsten Ausgabe seiner Sendung “ZDF Magazin Royale” beschäftigt sich Jan Böhmermann mit dem perfiden Geschäftsmodell der Regenbogenpresse. Außerdem holt er zum Gegenschlag aus: Seit Samstag liegt in den Kiosken das 32-seitige “Freizeit Magazin Royale” für 99 Cent zum Kauf bereit. Im Visier der Schundblatt-Parodie mit reichlich Fake-Geschichten sind jedoch nicht die üblichen Personen wie Michael Schumacher, Helene Fischer oder Günther Jauch, sondern Verleger Hubert Burda (“Starb seine Mutter aus Scham?”) oder Verlegerin Yvonne Bauer von der Bauer Media Group (“Schädel-Schock: Wie lange liegt sie noch im Koma?”).

2. MeToo: Nach 19 Monaten dürfen wir diese Recherchen wieder online stellen
(buzzfeed.de)
2019 hatten “BuzzFeed News” und “Vice” über einen Berliner Arzt berichtet, dem von zahlreichen Patienten vorgeworfen worden sei, sie sexuell missbraucht zu haben. Gegen die Berichterstattung hatte sich der bekannte HIV-Arzt juristisch und zunächst erfolgreich gewehrt. Nun habe das Kammergericht Berlin große Teile der Texte wieder zugelassen.

3. “Welt” täuscht über Fakten zum PCR-Test – bekommt Applaus von Rechtsextremen und Querdenker:innen
(volksverpetzer.de)
Der “Volksverpetzer” kritisiert einen Meinungsbeitrag der “Welt” zur Debatte über die Ergebnisse von PCR-Tests: “Die WELT schreibt einen tendenziösen Artikel voller Falschdarstellungen, die längst bekannte Fakten zum Skandal aufbauschen und wichtigen Kontext und Aussagen von Expert:innen verschweigen.”

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4. BR nimmt Satirefigur aus dem Programm
(spiegel.de)
Der Bayerische Rundfunk zeigte unlängst einen Sketch, für den sich der Satiriker Helmut Schleich das Gesicht schwarz angemalt hatte. In dem Satirebeitrag mimte Schleich den fiktiven Kanzlerkandidaten “Maxwell Strauß”; das Blackfacing sorgte für viel Kritik. Zunächst verteidigte der Sender die umstrittene Kunstfigur. Nun hat sich der BR aber anders entschieden: Die Franz-Josef-Strauß-Karikatur werde künftig nicht mehr im Programm zu sehen sein.

5. Kinderschützer kritisieren geplantes Instagram für Kinder
(zeit.de)
Bei Instagram könnte es demnächst eine “sichere und altersgerechte” Version für unter 13-Jährige geben. Das jedenfalls werde derzeit vom Mutterkonzern Facebook geprüft. Kinderschützer warnen in einem Offenen Brief an Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor der ihrer Meinung nach gefährlichen “Babyvariante”.

6. Endlich nah
(sueddeutsche.de)
In Amsterdam wurden zum 64. Mal die World Press Photo Awards vergeben. Als bestes Pressefoto des Jahres wurde eine Aufnahme des dänischen Fotografen Mads Nissen ausgezeichnet. Es zeigt, wie eine 85-jährige Bewohnerin eines Pflegeheims von einer Krankenschwester umarmt wird – corona-konform durch einen Umarmungsvorhang.

Maltas China-Connection, Lührssens seltsame AfD-Mission, Atom-Kind

1. Journalistin war mysteriöser China-Connection auf der Spur
(deutschlandfunk.de, Nina Magoley & Isabelle Klein, Audio: 8:43 Minuten)
Die Journalistin Daphne Caruana Galizia hatte sich mit ihren Berichten über Korruption und Geldwäsche von maltesischen Politikern einige Feinde gemacht. Als die mutige Investigativreporterin 2017 mit einer Autobombe getötet wurde, löste dies weltweit Betroffenheit aus. Der maltesischen Regierung gelang es bislang kaum, die genauen Hintergründe des Verbrechens aufzuklären. Man ahnt warum: Ein internationales Team hat Galizias Recherchen wieder aufgenommen und entdeckt, dass sie offenbar Betrügereien hochrangiger maltesischer Politiker auf der Spur gewesen war – inklusive Verbindungen nach China.

2. Hinrich Lührssen verläuft sich auf Unterwanderpfad in die AfD
(uebermedien.de, Sebastian Heidelberger)
Der Journalist Hinrich Lührssen versorgte jahrelang vor allem die Redaktionen von “buten un binnen” (Radio Bremen) und “Stern TV” (RTL) mit lustigen Einspielfilmchen. Im Sommer 2018 stieg Lührssen bei der Bremer AfD ein und war dort sogar Mitglied im Landesvorstand. Nun legt er ein Buch vor, in dem er behauptet, er sei in “geheimer Mission” unterwegs gewesen, als Journalist. Daran bestehen jedoch erhebliche Zweifel. Sebastian Heidelberger hat sich die Sache näher angeschaut. Es ist eine Geschichte voller Widersprüche und Merkwürdigkeiten.

3. RTL plant Format für Klimaberichterstattung – Austausch mit Initiative “Klima vor acht”
(rnd.de)
Die Initiative “Klima vor acht” hatte lange bei der ARD für eine regelmäßige Sendung zur Klimakrise geworben, konnte jedoch bei der Gegenseite, abgesehen von ein paar gefälligen Äußerungen, nichts erreichen. Nun hat RTL reagiert: Zusammen mit dem Verein plane man Ideen für eine Sendung, die Produktion liege in den Händen von RTL.
Weiterer Lesehinweis: Die Pressemitteilung der RTL Mediengruppe Deutschland.

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4. 188 Seiten guter Geschmack
(sueddeutsche.de, Franz Kotteder)
Der Burda-Konzern hat mit dem französischen Restaurantführer “Gault&Millau” einen Lizenzdeal geschlossen und will die Marke über alle denkbaren Kanäle verwerten. Erstes Ergebnis der Kooperation: Die neue Zeitschrift “Gault&Millau”, deren erste Ausgabe gerade erschienen ist. Franz Kotteder hält das Magazin für vielversprechend. Die Mischung sei gelungen, wenn auch mit Abstrichen: “Beim Porträt der Artischocke liegt der Verdacht nahe, dass Wikipedia umfänglich geplündert wurde, um sämtliche Fakten, Zitate und fun facts zu beschaffen – ob man das alles wirklich wissen will, ist fraglich.”

5. “Die Situation vieler Sender ist prekär, teilweise existenzbedrohend”
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Olaf Hopp ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk und Geschäftsführer von Radio Energy. Im Interview spricht er über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die privaten Radiosender: “Während die Öffentlich-Rechtlichen durch den Rundfunkbeitrag abgesichert sind, haben die Privaten mit massiven Werbeausfällen zu kämpfen. Weitere Maßnahmen von Seiten der Politik sind dringend vonnöten, um das duale System in Deutschland zu schützen und die Medienvielfalt in ihrer jetzigen Form zu erhalten.”

6. Kind twittert von US-Atombehörden-Account
(spiegel.de)
Am Wochenende erschien auf dem Twitter-Account der US-Atombehörde ein rätselhafter Tweet. Fast hätte man denken können, ein Kleinkind hätte die Gewalt über den Atom-Account erlangt und mit tapsigen Fingern irgendwelche Tasten gedrückt. Spoiler: Es war so.

“nd”-Ende?, Milchlobby vs. Bayern3, “Lovemobil”-Verantwortung des NDR

1. nd: Genossenschaft – eine gute Idee?
(mmm.verdi.de, Helma Nehrlich)
Die Tageszeitung “nd” (ehemalige Schreibweise: “Neues Deutschland”) feiert im April ihr 75-jähriges Bestehen, doch Feierlaune wird bei den Mitarbeitenden eher nicht aufkommen: Die Gesellschafter wollen Verlag und Druckerei auflösen. Redaktionssprecherin Haidy Damm spricht im Interview über den aktuellen Stand der Dinge und das womöglich rettende Genossenschaftsmodell.

2. Auf Wunsch der Milchlobby löscht der Bayerische Rundfunk Klimaschutz-Tipps
(volksverpetzer.de, Jan Hegenberg)
Als der Radiosender Bayern3 auf einem Social-Media-Bild empfahl, für einen nachhaltigeren Kaffee die Kuhmilch durch eine pflanzliche Milchalternative zu ersetzen, lief die Milchlobby Sturm. Der bäuerliche Protest war erfolgreich: Der Sender knickte ein und löschte die Grafik. Jan Hegenberg kommentiert: “Sieht also so aus, als sei Kuhmilch bezogen auf Klimaschaden, Landnutzung und Wasserverbrauch die schlechteste der 5 Milchsorten. Warum löscht Bayern 3 also einen aus Sicht der Wissenschaft vollkommen zutreffenden Tipp für nachhaltigere Ernährung? Weil ein paar Lobbyvertreter:innen auf ihrer Facebook-Seite rumgepöbelt haben? Was ist das denn für ein journalistischer Selbstanspruch?”

3. Die letzten Kremlkritiker
(taz.de, Inna Hartwich)
In Russland dominieren die systemfreundlichen Fernsehsender. Eine Ausnahme bildet der Sender TV Doschd: “Seit 2010 macht Doschd das, was andere russische Fernsehsender meiden: Die Jour­na­lis­t*in­nen senden live von Protesten auf der Straße, sie berichten aus Gerichtssälen, wenn Oppositionelle auf der Anklagebank sitzen, sie prangern offen das System Putin an – in einem Staat, der das Fernsehen zur Propagandamaschine umfunktioniert hat und es mit strikten Kontrollen an der kurzen Leine hält.”

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4. KATAPULT MV startet!
(katapult-magazin.de, Benjamin Fredrich)
Nur vier Tage hat es gedauert, bis “Katapult” seine neue Regionalzeitung für Mecklenburg-Vorpommern gecrowdfundet hat: “19.000 € pro Monat sind sicher, und damit fünf Redakteure und Grafikerinnen.” Doch das ist erst Phase eins der hochfliegenden Pläne. In weiteren Ausbaustufen sollen Regionalbüros in größeren und kleineren Städten etabliert und weitere Arbeitsplätze geschaffen werden.

5. Ex-“RP”- und “WZ”-Journalisten starten werbefreies Medium für Düsseldorf
(meedia.de, Thomas Borgböhmer)
Hans Onkelbach und Christian Herrendorf haben bei der “Rheinischen Post” beziehungsweise der “Westdeutschen Zeitung” viele Jahre lokaljournalistische Erfahrungen in Düsseldorf gesammelt. Nun wagen sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen ein werbefreies Medium für Düsseldorf. Via Crowdfunding sammeln sie Geld für das Projekt: “Wir werden montags bis freitags unseren Leser*innen mit ausgewählten Artikeln neue Perspektiven eröffnen und unterhalten. Dazu gibt es abends unseren Nachrichtenüberblick ‘Düsseldorf in 40 Sekunden’.”

6. “Man muss jetzt nicht so tun, als sei man überrascht”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Thorolf Lipp sitzt im Vorstand der AG DOK, dem Berufsverband und der Interessenvertretung im Bereich Dokumentarfilm. Im Interview mit “DWDL” spricht er über den Film “Lovemobil”, in dem statt echter Protagonisten Darsteller eingesetzt wurden, ohne dies kenntlich zu machen. Lipp kritisiert die verantwortliche Regisseurin, sieht aber auch die Verantwortung des an der Produktion beteiligten NDR: “Der Co-Produktionsanteil des NDR betrug knapp 40.000 Euro. Das ist viel zu wenig, um über Jahre einen beobachtenden Film zu drehen. Insofern ist für mich klar, dass der NDR mit einer Aufarbeitung, bei der die Autorin alle Verantwortung trägt, während sich die Redakteure betrogen fühlen wollen, danebenliegt.”

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