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Stille Morgenpost

Es ist nicht gerade freundlich von der “Berliner Morgenpost” (einer Art Lokalausgabe der Springer-Zeitung “Die Welt”), aus einem Exklusiv-Interview der Zeitschrift “Vanity Fair” mit Wladimir Klitschko und Karolina Kurkova einfach einen eigenen Artikel zu machen, dabei ausgiebig aus dem Interview zu zitieren, aber eingangs bloß zu schreiben:

Die beiden Singles (…) wollten sich gern einmal kennen lernen. Kollegen einer Zeitschrift haben es eingefädelt (…).
(Link von uns!)

Freundlich hingegen ist, was Bild.de (eine Art Onlineausgabe der Springer-Zeitung “Bild”) aus Klitschkos “Hammer-Flirt des Jahres” macht:

(…) schwärmt er in der Tageszeitung “Berliner Morgenpost”.

(…) schwärmt auch Karolina in der “Berliner Morgenpost”.

(…) hat das Model laut der „Berliner Morgenpost“ (…).
(Link von Bild.de)

Und dass der Bild.de-Satz “In New York sind sich die beiden begegnet” eigentlich bedeutet, dass “Vanity Fair” die beiden für ein Fotoshooting in New York engagiert hatte, wissen sie bei Bild.de vermutlich nicht mal selber.

Mit Dank an Malte für den Hinweis.

Nachtrag, 17.10 Uhr: Na, sowas! Plötzlich schwärmen Klitschko und Kurkova bei Bild.de nicht mehr im Schwesterblatt, sondern “in der Zeitschrift ‘Vanity Fair'”.

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1. “Die Vortageszeitung”
(miriammeckel.de)
Ist man vom Internet abgeschnitten auf einer Insel, dann ist wahre Begeisterung für Tageszeitungen möglich: “Und tatsächlich: da finde ich sie – die SZ und die FAZ! Was für ein wunderbarer Augenblick den ich kaum fassen kann. Ich trage die Zeitungen wie zwei gewickelte Babies auf meinen Armen zum Auto.”

2. “Die Alpha-Journalisten 2.0”
(medienhandbuch.de, Oliver Hein-Behrens)
Anfang 2009 erscheint ein Buch mit den üblichen Verdächtigen Matussek, Sixtus, Bunz, Borchert und Niggemeier. Autor Stephan Weichert im Interview: “Ich verfolge schon seit Längerem die Entwicklungen der Presse in den USA, wo ich gerade mehrere Wochen zur Zukunft der Zeitung geforscht habe. Dort erleben Sie, dass die gesamte Medienlandschaft einen heftigen Umbruch durchmacht – und zwar genau in diesem Moment. Einige Zeitungen verschwinden von der Bildfläche, die Gesamtheit der klassischen Medien geht online, neue publizistische Felder mit anderen professionellen Akteuren und ökonomischen Konstellationen tun sich auf. Dadurch ändert sich natürlich auch das ganze publizistische Machtgefüge im Journalismus – und diese Entwicklung ist allmählich auch in Europa, in Deutschland spürbar.”

3. “Eine schwedische Nachrichtenredaktion im Internet-Schaufenster”
(nzz.ch, Cristina Elia)
“Die Redaktion einer schwedischen Nachrichtensendung lässt sich bei der Arbeit filmen. Jedermann kann darauf das Tun hinter den TV-Kulissen im Internet anschauen. Mit dieser Aktion will das öffentliche Fernsehen Transparenz herstellen und Verständnis gewinnen.”

4. “Bundesliga live und kostenlos”
(taz.de, Jürn Kruse)
“Wer Bundesligaspiele live sehen will, braucht kein Premiere-Abo – DSL genügt. Livestreams ausländischer Sender anzugucken ist nicht strafbar – anders als die Verbreitung der Internetstreams.”

5. Dritte Staffel von “Switch reloaded” läuft an
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Switch Reloaded läuft wieder, seit Dienstag. Katharina Saalfrank, Peter Klöppel und Günther Jauch werden befragt, was sie von ihren Parodien halten.

6. “Fire Your PR Company”
(alleyinsider.com, Jason Calacanis)
Jason Calacanis gibt zehn Tipps, wie man PR macht. Seine Philosophie dazu kann er in sechs Worte fassen: “be amazing, be everywhere, be real.”

Katie Holmes besteht jeden Schwangerschaftstest

Am 18. April 2006, sieben Monate vor ihrer Hochzeit mit Tom Cruise, brachte Katie Holmes in Los Angeles ihre Tochter Suri zur Welt, am vergangenen Donnerstag hat sie in New York einen Kaffee getrunken, und in der Zwischenzeit gab es immer wieder Gerüchte über eine zweite Schwangerschaft. Hier eine kleine Auswahl:

  • Oktober 2006:
    Indiz 1: Bauch-Foto
  • Dezember 2006:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: Augenzeugenberichte über den Kauf blauer Baby-Strampler
  • März 2007:
    Indiz 1: Augenzeugenberichte über den Besuch einer Edel-Baby-Boutique
  • Juni 2007:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: weiteres Bauch-Foto
  • November 2007:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: weiteres Bauch-Foto
    Indiz 3: “strahlt wie ein Engel” (“Bild”)
  • Januar 2008:
    Indiz 1: Augenzeugenbericht über den Kauf von Kinderkleidung mit dem Aufdruck “Big Sister” und Babykleidung mit den Aufdrucken “Little Sister” und “Little Brother”
  • Februar 2008:
    Indiz 1: Bestellung von Babydecken in einem Online-Shop
  • Mai 2008:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
  • Juli 2008:
    Indiz 1: neues Bauch-Foto
    Indiz 2: weiteres Bauch-Foto

Am vergangenen Donnerstag schossen Paparazzi abermals einen ihrer Schwangerschaftstests – und die “Bild am Sonntag” reagierte prompt:

Katie Holmes wieder schwanger?

(…) Hat Katie Holmes (29) nur einen Kaffee zu viel getrunken oder wölbt sich unter dem weißen T-Shirt etwa ein zartes Babybäuchlein?

Aber wie egal der “Bild am Sonntag” diese Frage eigentlich ist, zeigt eindrucksvoll die Online-Version der “BamS”-Meldung (siehe rechts):

Nun können womöglich Heerscharen von Online-Lesern heute nacht nicht einschlafen, weil sie sich fragen, warum Holmes ausgerechnet “einen Becher Kaffee zu viel getrunken” haben soll (oder wo man auf dem Foto von Holmes im grauen Tanktop eigentlich das “weiße T-Shirt” sehen kann, von dem im Text daneben die Rede ist). Und allen, die jetzt womöglich am Hinterausgang des New Yorker “Minetta Lane Theatre” rumlungern wollen, weil Holmes ja dort – laut “BamS” – “nach einer Theaterprobe” fotografiert wurde, sei gesagt: Man sollte sich lieber nicht auf die “BamS” verlassen dafür vielleicht doch lieber ein paar Straßen rauf zum “Gerald Schoenfeld Theatre” gehen.

Nachtrag, 8.8.2008:

  • August 2008
    Bild.de entdeckt ein neues Schwangerschaftsindiz: “Haare schneiden lassen – das machen Frauen ja in der Regel nicht einfach so.”

Nachtrag, 28.6.2009:

  • Juni 2009
    Bild.de entdeckt mal wieder das übliche Schwangerschaftsindiz: “unter Katies weißem Shirt ein verdächtiges Bäuchlein”. Weiteres Indiz: Holmes Tochter Suri “würde sicher eine gute große Schwester abgeben”.

Kurz korrigiert (479)

Wenn irgendwas kompliziert ist in der jüngeren Geschichte Europas, dann sicherlich die Geschichte (Ex-)Jugoslawiens. Aber man muss sich nicht sonderlich gut auskennen, um festzustellen, wie schlecht sich einer auskennen muss, der behauptet, der ehemalige Präsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, sei in Belgrad durch “jugoslawische Richter” verhört worden.

“Bild”-Redakteur Hans-Jörg Vehlewald behauptet das heute in einer Titelgeschichte über Radovan Karadzic trotzdem – bislang offenbar auch weltexklusiv. (Aber Vehlewald behauptet im selben Artikel ja auch, es handele sich bei Karadzic um den “ehemaligen Präsidenten der Serben”.)

Und wo wir schon dabei sind: Dass “Bild” heute auf der Titelseite über ein Foto Karadzics das Wort “Exklusiv” geschrieben hat, deutet übrigens nicht etwa auf eine besondere Rechercheleistung o.ä. hin. Wie man dem Fotonachweis entnehmen kann, hat “Bild” von der serbischen Zeitung “Blic” wohl nur irgendwelche Exklusiv-Rechte erworben.

Mit Dank auch an Simon S.

“BamS” hält Petar Glumac für Radovan Karadzic

Aus der “BamS”:

“Radovan Karadzic (63) – auch in Wien fand der weltweit gesuchte Kriegsverbrecher (…) immer wieder Unterschlupf. Als Wunderheiler ‘Pera’ wohnte er acht Monate mit gefälschtem Pass bei Hausmeisterin Vesna J. (53) – und narrte dort auch noch die Polizei, die den zotteligen Guru bei einer Hausdurchsuchung nicht erkannte.
Die unglaubliche Panne passierte am 4. Mai 2007: (…) Vesna J. ahnte zu dieser Zeit nicht, wen sie wirklich in ihrer Wohnung beherbergte.”

Das ist die Titelstory der heutigen “Bild am Sonntag”. Sie hat nur einen Haken:

 Sie  versteckte womöglich nicht den Massen-Mörder 

Das Interview mit Vesna J. (das heute – im Anschluss an halbgare ExklusivBerichte des Wiener “Kurier” usw. – auch identisch in der Sonntagsausgabe der österreichischen Zeitung “Österreich” erschienen ist*) dürfte authentisch sein, ebenso wie Vesna J.s Erzählungen über den Mann, den sie als “Petar Glumac” bzw. “Deda Pera” (Opa Pera) kannte und offenbar mehrere Monate in einem Zimmer ihrer Wiener Wohnung versteckte beherbergte.

Jedoch…

…hat sich inzwischen bei der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug der Mann gemeldet, den Vesna J. vermutlich wirklich versteckte beherbergte. Er heißt offenbar Petar Glumac bzw. Deda Pera (Opa Pera), ist 78 Jahre alt, lebt als eine Art Heilpraktiker in Banatsko Novo Selo in der Vojvodina und sieht nach eigener Aussage bloß “1000-prozentig” so aus, wie Karadzic vor dessen Festnahme…

Ob das wohl auch für eine “BamS”-Titelgeschichte gereicht hätte?

  • Mehr dazu im “Standard” (siehe auch hier), in der “Krone”, in einem “Presse”-Kommentar und bei oe24.at – dem Online-Angebot von “Österreich”, wo es nun heißt:

    Ein Wunderheiler mit dem gleichen Namen, wie ihn der mutmaßliche Kriegsverbrecher benutzt hat, behauptet (…).

    Und im “Kurier” heißt es inzwischen sogar verschwörerisch:

    Viele glauben an ein Ablenkungsmanöver des kroatischen beziehungsweise serbischen Geheimdienstes (…).

  • Weniger dazu auf Bild.de (wo die “BamS”-Titelgeschichte – man kennt das ja – inzwischen aus dem Angebot gelöscht wurde).

*) “Bild am Sonntag” nennt den Interviewer Markus Wolschlager “BILD-am-SONNTAG-Reporter”. Im “BamS”-Archiv ist kein weiterer Text mit seinem Namen zu finden. Vielleicht kein Wunder: Wolschlager ist eigentlich Redakteur der österreichischen Tageszeitung “Österreich”.

Mit Dank an Christoph A.!

Nachtrag, 28.7.2008: Das Boulevardblatt “Österreich” will zwar noch nicht ganz lassen von seiner Karadzic-als-Untermieter-Story, druckt heute aber auch ein Interview mit Petar Glumac, denn: “In ÖSTERREICH meldete sich nun der echte Petar Glumac zu Wort.” In “Bild” übrigens nicht.

6 vor 9

“Unser Ziel ist es, Machtmissbrauch aufzudecken”
(nzz.ch, Stephan Weichert und Alexander Matschke)
“Vor einem halben Jahr nahm das Redaktionsbüro Pro Publica in New York seinen Betrieb auf. Das von einer Stiftung getragene Büro will den Recherchierjournalismus fördern. Zehn Millionen Dollar stehen pro Jahr zur Verfügung. Der Chef, Paul E. Steiger, zieht eine erste Bilanz.”

Welt-Meister der Google-Optimierung
(meedia.de, Jens Schröder)
“In einer exklusiven Analyse haben wir eine Woche lang aus der Google-News-Startseite herausgefiltert, welche News-Quellen wie oft verlinkt werden. Ergebnis: Welt Online ist die unangefochtene Nummer 1.”

Von wegen Witzemacher
(stefan-niggemeier.de)
“Vermutlich muss man sich ernstlich Sorgen machen um eine Gesellschaft und eine Medienwelt, in der Komiker und Satiriker nicht nur ungefähr die einzigen sind, die noch die Wahrheit sagen, sondern auch die einzigen, die überhaupt erkennen, worum es geht bei einer Diskussion. Andererseits: In Deutschland wüsste ich nicht einmal, wer diese Komiker und Satiriker wären.”

Weshalb wissenschaftliche Blogs ein wichtiges Korrektiv zum konventionellen Journalismus sind
(wissenswerkstatt.net, Marc Scheloske)
“In 10 Jahren werden wir rückblickend darüber schmunzeln, daß einst Blogs und der konventionelle Redaktionsjournalismus als Gegensatz und Konkurrenz angesehen wurden. Die publizistischen Scharmützel zwischen den wilden, aufbegehrenden Bloggern und den Besitzstandswahrern des selbsternannten Qualitätsjournalismus werden uns lächerlich erscheinen.”

Das Sommerloch kommt diesmal von der SPD
(welt.de, Klaus Nelissen)
“Medienexperte” Norbert Bolz behauptet, das “Medien-Phänomen Sommerloch” sei ein “deutsches Spezifikum”. Wie bloss kommt es, dass in der Schweiz auch über Sommerlöcher diskutiert wird?

der kaugummi-krimi in bern
(henusodeblog.blogspot.com)
“Auf dem Asphalt der Aarstrasse findet sich eine auffällige Ansammlung von Kaugummis. Eine der kursierenden Erklärungen für das mysteriöse Phänomen: Ein Velofahrer spuckt auf dem Heimweg stets an gleicher Stelle seinen Kaugummi aus. Stimmt das?”

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Hooligans zünden Fussballgoal an – eine Mediengeschichte
(klartext.ch, Bettina Büsser)
Fans des FC Basel und von Borussia Dortmund geraten am Uhren-Cup in Grenchen (Fussball) aneinander. Die Wahrnehmung der Ereignisse ist unterschiedlich. Liest man die Sicht von Zeitungen und Agenturen, so muss es sich um eine wilde Schlacht gehandelt haben. Liest man die Sicht des Veranstalters, so war alles recht harmlos.

Die BLM und das bayrische Internet
(off-the-record.de)
Die Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) versucht das Internet zu kontrollieren. Sollte das nicht gelingen: “Wohin dann mit all den beruhigenden Nachrichtenfilmen, die Köhler bei Abschreiten von Ehrenformationen mit Phantasieuniformen zeigen? Stattdessen plötzlich womöglich überall im Web Menschen, die die Welt zeigen, wie sie ist und über Inhalte reden.”

Das ? muss ? ich ? sofort ? bloggen!
(blog.kooptech.de, Christiane Schulzki-Haddouti)
Eine Journalistin holt Statements bei Bloggern ein und muss zusehen, wie ihre Exklusiv-Informationen gleich verbloggt werden. Unser Tipp: Erst veröffentlichen, dann Statements einholen.

“Natürlich ist das auch eine PR-Nummer”
(sueddeutsche.de, Ruth Schneeberger)
Dummy-Chefredakteur Oliver Gehrs macht erste negative Erfahrungen mit Bloggern: “Ich hätte nicht gedacht, dass wir als links orientiertes Magazin einmal in den Verdacht geraten könnten, rassistisch zu sein. Wir dachten, dass jedem klar ist, dass wir eine politische Diskussion darüber anstoßen wollen, ob man ‘Neger’ sagen darf. Im Blog haben wir es aber offenbar auch mit manchen recht soziopathischen Persönlichkeiten zu tun. Wer setzt sich denn von 16 bis 24 Uhr an den Computer und kommentiert wie wild? Teilweise ist das auch Verschwendung von Intellekt, denn das sind manchmal ganz luzide Kommentare.”

“Ich bin überhaupt kein Opfer”
(jetzt.sueddeutsche.de, Uli Karg)
Carla Bruni-Sarkozy im Interview: “Ich hatte nie ein Problem mit der Presse. Ich respektiere die Medien. Was auch immer geschrieben wird, es stört mich nicht. Es gibt keine Möglichkeit die Medien zu kontrollieren, also gibt es auch keinen Grund, es zu versuchen. Die Aufgabe der Medien ist es, zu informieren. Und das machen sie, sogar wenn sie kritisieren oder negativ berichten. Und das ist wichtig. Die Medien sind wie ein Fenster zur Welt.”

Der König der Fremdschämer
(faz.net, Marie Katharina Wagner)
“Singen kann er nicht, seltsam ausschauen tut er auch: Alexander Marcus hat trotzdem seine Nische gefunden. Er nennt sich selbst den ‘King of Electrolore’ und hat eine neue Etappe in der Musikgeschichte angebrochen: ‘Schlager 2.0’.”

Kein Karrierehindernis

Weil das Geiseldrama von Gladbeck in ein paar Wochen 20-jähriges Jubiläum feiert, gibt es seit gestern eine “neue große BILD-Serie” dazu. In Teil 1 der “neuen, großen Exklusiv-Serie” ging es u.a. auch um das damalige “Medien-Versagen” und “die skrupellosen Gangster, die die Medien benutzten” – also laut “Bild”-Zeitung “ARD, ZDF und die noch jungen Privatsender” sowie “der damalige ‘Express’-Redakteur Udo Röbel” (der zu den Geiselnehmern ins Fluchtauto gestiegen war und sie aus der Kölner Innenstadt gelotst hatte).

“Bild” schreibt dazu:
Die Deutsche Journalisten Unioun kritisierte die Berichte als "abenteuerlich, makaber und wenig mit den ethischen Grundsätzen des Journalismus vereinbar". Der "Deutsche Presserat" stellte fest: "Es hat Journalisten gegeben, die die Grenzen ihres gesellschaftlichen Auftrags überschritten haben."
Und es hat, wie wir hinzufügen möchten, Medien gegeben, die solche Journalisten wenige Monate nach ihrer Grenzüberschreitung abwarben: Udo Röbel wechselte 1989 vom “Express” als stellvertretender Chefredakteur zur “Bild am Sonntag” – und wurde ein paar Jahre später “Bild”-Chefredakteur.

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Mobbing eines SPD-Chefs
(ftd.de, Wolfgang Münchau)
Wie Journalisten Politik machen: “Beck ist nicht der erste deutsche Politiker, der von den Medien maßlos gemobbt wurde. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie man in den frühen 80er-Jahren Helmut Kohl so geringschätzte, wie man den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt glorifizierte.”

Ganz in Weiß, mit einem Blumenstrauß
(sueddeutsche.de, Pia Röder)
“TV-Star Sabine Christiansen klagte gegen die Veröffentlichung eines Fotos, das sie mit ihrer Putzfrau zeigte – und gewann vor dem Bundesgerichtshof. Der Verlierer, der Springer-Verlag, zeigte just am Prozesstag exklusive Fotos von Christiansens Hochzeit.”

“Wir leben im Cyberspace”
(berlinonline.de, Johannes Fischer)
Schriftsteller William Gibson über das Internet: “Es gibt keine Hierarchie. Man kann es nicht steuern. Die chinesische Regierung versucht den Zugang zu Internetseiten wie YouTube zu unterbinden. Ich weiß nicht, ob die chinesische Regierung das so sieht, aber wenn man Menschen den Zugang zu Seiten wie YouTube versperrt, dann unterbricht man einen Kreativitätsfluss der sich später negativ auf die eigene Produktivität auswirkt. Aber ich denke, die Chinesen schaffen das auch so. Das Internet verfügt über viele Wege.”

Verfolgte Privatsphäre
(zeit.de, Video, 4:30 Minuten)

Mercedes Bunz über Privatsphäre im Internet. Start einer neuen Serie.

Meine erste heute.de-Referenz
(medienpiraten.tv, Peer Schader)
“Das ZDF und ich haben ein besonderes Verhältnis. Wegen des ein oder anderen Textes, den ich über den Sender geschrieben habe und in dem man sich schlecht behandelt, falsch dargestellt und übertrieben kritisiert fühlt. Nun, meine Erfahrung hat gezeigt: Beim ZDF fühlt man sich immer schlecht behandelt, falsch dargestellt und übertrieben kritisiert.”

I’m now reading a story on microblogs
(chicagotribune.com, Wailin Wong)
“In cyberspace, no status update is too small to share with friends, family and strangers, including this:”

Presserat missbilligt “Bild”-Berichte

Der Presserat hat aufgrund von Beschwerden von BILDblog zwei “Bild”-Berichte beanstandet.

  • “Bild” zeigte blutenden Tierpfleger

    "Löwe zerfleischt Pfleger"Am 13. Juli 2007 hatte die “Bild”-Zeitung unter der Überschrift “Löwe zerfleischt Pfleger” berichtet, dass ein Mann in Mashad im Iran Opfer eines Löwenangriffs geworden sei (siehe Ausriss) – und auf einer halben Zeitungsseite zum Teil blutige Bilder des Angriffs gezeigt, die aus einem mindestens drei Monate alten Privatvideo stammten (wir berichteten.). Eines der Fotos zeigte den am Boden liegenden Pfleger mit weit aufgerissenen Augen. In der Bildunterzeile hieß es: “Gerade noch rechtzeitig! Der schwer verletzte Pfleger kann vom Notarzt reanimiert werden.”

    Der Presserates sah die gesamte “Bild”-Berichterstattung als “unangemessen sensationell” an. Er monierte insbesondere den Abdruck des Bildes mit dem schwer verletzt und blutend am Boden liegenden Pfleger, weil er so “zum Objekt, zu einem bloßen Mittel herabgewürdigt” wurde. Indem “Bild” das Foto abdruckte, sei über einen “körperlich oder seelisch leidenden Menschen in einer über das öffentliche Interesse und das Informationsinteresse der Leser hinausreichenden Art und Weise” berichtet worden, wie es in Richtlinie 11.1 des Pressekodex heißt.

    Der Axel Springer Verlag hatte argumentiert, dass die Berichterstattung den Lesern die Gefährlichkeit von Raubtieren habe vor Augen führen sollen. Insbesondere, da “in den Medien” häufig der Eindruck erweckt würde, “Wildtiere wie Löwen, Eisbären etc.” seien “possierliche Weggefährten”.

    Diese “grundsätzliche Thematik” allerdings konnte der Presserat nicht erkennen. Selbst wenn es “Bild” darum gegangen wäre, so der Beschwerdeausschuss, hätte “diese Art der Bebilderung” und insbesondere das Bild mit dem am Boden liegenden Pfleger nicht erscheinen müssen.

    Der Presserat erkannte in der “Bild”-Veröffentlichung einen Verstoß gegen Ziffer 11 (Sensationsberichterstattung) des Pressekodex und sprach eine Missbilligung* aus.
     

  • “Bild” druckte Interview mit Marco W. in Untersuchungshaft

    Laut Presserat hat die “Bild”-Zeitung unlautere Methoden angewandt, als sie am 26. und 27. Juni 2007 ein Interview mit dem 17-jährigen Marco W. abdruckte. Ein “Hurriyet”-Reporter hatte das in “Bild” veröffentlichte Gespräch – ohne Einverständnis seiner Eltern und seines Anwalts – geführt, als Marco W. wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung einer 13-Jährigen in einem türkischen Gefängnis in Untersuchungshaft saß (wir berichteten). Laut Presserat habe sich Marco W. jedoch “in einer seelischen Extremsituation” befunden, und für “Bild” hätte sein Schutzbedürfnis “einem derart detaillierten Interview entgegen gestanden”. Der Presserat:

    Gerade vor dem Hintergrund der politischen Dimension des Falles wäre eine erhöhte Sensibilität erforderlich gewesen. (…) Mit den Aussagen, die er in der Zeitung tätigte, konnte er nicht abschätzen, ob er sich vielleicht damit selbst belastet oder nicht.

    Außerdem hätte “Bild” laut Presserat “die Pflicht gehabt, die Umstände, unter denen das Interview mit dem türkischen Medienkollegen entstand, sorgfältiger zu prüfen”.

    Interessanterweise fühlt sich die “Bild”-Zeitung jedoch eigentlich gar nicht so richtig zuständig für das von ihr gedruckte Interview mit Marco. Schließlich hätte “Bild” in den Berichten doch “mehrfach deutlich herausgestellt”, dass das Interview von einem ‘Hürriyet’-Reporter geführt worden sei. Laut Presserat argumentierte die Axel Springer AG wie folgt:

    Wäre es tatsächlich eine Initiative und ein ausdrücklicher Auftrag von BILD gewesen, dann hätte BILD dies deutlich gemacht und hätte nicht mehrfach darauf verwiesen, dass es sich um einen Journalisten der ‘Hürriyet’ handelt.

    Deshalb sei es “unrichtig”, “dass das Interview mit Marco auf Veranlassung und im Auftrag von BILD geführt worden sei”.

    Das allerdings lässt für uns nur einen Schluss zu:

    "Für BILD war Dursun Gündogdu von der großen türkischen Tageszeitung Hürriyet vor Ort."
     
    A: Springer lügt.

    B: Springer kann nicht lesen.

    Oder C: “Bild” schreibt in einer Sprache, die nur so aussieht wie deutsch (siehe Ausriss).
     
     
     
    Der Presserat erkannte in dem “Bild”-Interview eine Verletzung von Richtlinie 13.3. (Straftaten Jugendlicher) sowie einen Verstoß gegen Ziffer 4 (Grenzen der Recherche) des Pressekodex und sprach eine Missbilligung* aus.

*) Eine Missbilligung durch den Presserat ist für die missbilligte Zeitung folgenlos. Der Presserat “empfiehlt” den Zeitungen allerdings, die Missbilligungen abzudrucken — “als Ausdruck fairer Berichterstattung”. Die “Bild”-Zeitung verzichtet in der Regel auf diesen Ausdruck fairer Berichterstattung.

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