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Zu viele Klischees

In Dortmund wurde gestern ein Bordell zwangsversteigert — etwas, was man nicht alle Tage erlebt:

Seltene Zwangsversteigerung: Ein Bordell unter dem Hammer

Reporter Dirk Berger besuchte für die “Westfälische Rundschau” den Gerichtssaal und formulierte stellenweise so salopp, dass ihm dabei mitunter die sprachlichen Bilder entglitten:

Die Geschäfte laufen schlecht, die Wirtschaftskrise geht den Freiern wohl zunehmend auf die Hardware, sozusagen.

Reicht es, wenn der Autor selbst den Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskrise und der “Hardware” von Freiern versteht?

Nicht verstanden zu haben scheint Herr Berger, dass es die Freiheit jeder Person ist, sich tätowieren zu lassen oder die Haare zu färben. Ins Solarium oder zum Krafttraining zu gehen. Oder Uhren zu tragen. Sogar im Gerichtssaal.

Sonst hätte er kein Urteil darüber gefällt, was zu viel ist an Körperschmuck, Haarfarbe, Hautfärbung, Körperstatur und Accessoires einzelner an der Versteigerung beteiligten Personen:

Das Wörtchen "zu" umschreibt das Alleinstellungsmerkmal von Mitgliedern des Milieus: Zu tätowiert, zu blond, zu brauner Teint für 10 Grad minus, zu breite Schultern, zu fette Uhren. Das Klischee ist der Feind genauer Beobachtung, aber es gab zu viel "zu", als dass man dem Klischee nicht erliegen konnte.

Es fragt sich, wie sehr der den Klischees Erlegene “frei von Vorurteilen” ist, wie es Ziffer 13 des Pressekodex für die “Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren” fordert.

Mit Dank an Julian.

Horx, Popel, Zeitungszeugen

Nazi-Kitsch am Kiosk: Zeitungszeugen (Keystone)

1. “Wie bunt das Leben in ‘hallo deutschland’ wirklich ist”

(medienpiraten.tv, Peer Schader)

Peer Schader beschäftigt sich mit dem “Unfall- und Katastrophenmagazin ‘hallo deutschland'” auf ZDF. Und fragt sich, ob man “eine Ansammlung aus anmoderierten Todesfällen mit gelegentlicher Exkursion ins Privatsender-Metier ‘journalistisch’ nennen kann ohne sich dafür zu schämen.”

2. “Warum die ‘Popel-Affäre’ ein Lehrstück ist”

(meedia.de, Georg Altrogge)

“Weil die ‘Braunschweiger Zeitung’ kritisch über die Geschäftsführer eines Media Markts berichtete, sollen diese Anzeigenaufträge storniert haben. Und weil der Chefredakteur hart blieb, wird die Elektronik-Handelskette wohl einlenken, um den Imageschaden in Grenzen zu halten: ein ungewöhnliches Lehrstück der Medienrealität 2009.”

3. Interview mit Matthias Horx

(persoenlich.com, Matthias Ackeret)

Der gerne als “Zukunftsforscher” titulierte Alles-und-nichts-Experte Matthias Horx beruhigt die Printverlage. Er hält Papier im Grunde für einen sehr guten Datenträger. “Geduldig, einfach zu bedienen, recycelbar.” Die Verlage müssten sich nur auf ihre Kernkompetenzen verlassen: “Sinnproduktion, Opulenz, Haptik. Gute Qualitätszeitungen werden überleben oder sogar boomen.” Der Qualitätsjournalismus sterbe auch nicht – “er wird nur ergänzt.”

4. “Zeitungszeugen-Beschlagnahmebeschluss war rechtswidrig”

(heise.de/tp, Peter Mühlbauer)

“Nach den urheber- erwiesen sich auch die propagandarechtlichen Vorwürfe als nicht haltbar.”

5. “Dritte Programme – Die Bundeslandsliebhaber”

(fr-online.de, Jan Freitag)

“Es weht ein Hauch von Heimat durchs Fernsehland, der sich zusehends zum Sturme auswächst. Unentrinnbar, unablässig, unkritisch. Wie ein behaglich stimmendes Volkslied. Kein schöner Land in dieser Zeit – die alte Weise des 19. Jahrhunderts scheint heute Motto für ein öffentlich-rechtliches Programmkonzept.”

6. “Besuch im Discount-Bordell – Billig willich”

(taz.de, Katharina Finke)

“In Hamburg gibt es seit 2004 das erste Discountbordell. Das Konzept ist so erfolgreich, dass die Betreiber jetzt Lizenzen für Franchise-Unternehmen anbieten.”

“Bild”-Redakteurin war LKA-Informantin

“Ließ die Polizei die CDU von Journalisten bespitzeln?” und “Arbeitete ein ‘Bild’-Journalist für LKA oder Geheimdienst?”, fragte vor zwei Wochen die “Frankfurter Rundschau” — und beantwortete die Frage eine Woche später unter der Überschrift:

‘Bild’ Leipzig berichtet — fürs LKA

Hintergrund ist ein dreiseitiger Aktenvermerk, den der sächsische Landtag mit einer Kleinen Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Volker Schimpff unlängst öffentlich machte.

Der faksimilierte Vermerk, nachzulesen auf der Internetseite des Sächsischen Landtags (Drucksache 4/14207, [pdf]), enthält zunächst die (geschwärzten) Namen damals hochrangiger Amts- und Würdenträger in Leipzig (darunter der Oberstaatsanwalt, der Justizminister, ein Ex-Innenminister sowie ein Ex-Präsident des Fußballvereins VfB Leipzig) und trägt die Überschrift:

[Ausriss] Mitteilung durch BILD Leipzig am 02.06.98

Nach Auskunft des sächsischen Innenministers Albrecht Buttolo stammt die “Mitteilung” “aus der polizeilichen Ermittlungsakte des Landeskriminalamtes” und “gibt ausschließlich die Äußerungen einer für die ‘Bild’-Zeitung tätigen Person wieder”. Ihr Inhalt: schwerwiegende Verdächtigungen und Gerüchte, aufgelistet in über 50 Einzelpunkten – übler Klatsch und Tratsch, der tatsächlich genau so klingt, wie man sich vorstellt (oder weiß), dass es klingt, wenn “Bild”-Mitarbeiter geschwätzig werden. Also beispielsweise so:

  • die                 soll den                 kennen
  •                 soll ein ehemaliger Schulfreund des                 sein
  • die angeblich enga[g]ierte Staatsanwältin Frau                 (…) sei durch                 ‘kaltgestellt’ worden
  • sie bearbeite jetzt, so gegenüber BILD, “Karnickeldiebstähle”
  • durch BILD wurde                 auf den Namen                 angesprochen, worauf                 kreidebleich geworden sein soll
  • angeblich gebe es Verstrickungen einiger Personen (auch                ) zu Kinderbordellen
  • es soll ein Video über sexuelle Praktiken des                 an Kindern existieren
  •                 und                 sollen den                 kennen, welcher auf der Merseburger Straße in Leipzig einst ein Kinderbordell betrieben haben soll
  • ein gewisser                 habe angeblich offiziell Selbstmord begangen, eventuell wurde dabei “nachgeholfen”
  • BILD habe                , welcher im Zusammenhang mit dem Verschwinden des                 steht, gefragt, wo denn                 sei. Es wurde entgegnet, dass sie abhauen sollen, sonst gehe es ihnen wie                , danach habe                 gelacht

Nach unseren Informationen handelt es sich bei dem “Bild”-Mitarbeiter (den die “Leipziger Volkszeitung” am Mittwoch noch vorsichtig “einen Journalisten beziehungsweise eine Journalistin aus dem Bereich Boulevard aus Leipzig” nannte) um die “Bild”-Redakteurin Angela Wittig.

Wenn Wittig nicht (wie neulich) einen offensichtlich Unschuldigen als “Kinderschänder” vorverurteilt, schreibt sie Artikel, die “Bild” anschließend so präsentiert:

  • Übler Scherz am Arbeitsplatz: Druckluftpistole am Po – Darm geplatzt!
  • Mutter zeigt Staatsanwalt an: Weil er den Vergewaltiger ihrer Tochter laufen ließ
  • Beim Frauenarzt wurde ich weggeschickt – Jetzt ist mein Baby tot
  • Straßenbahn-Prügler flennt vor Gericht: Plötzlich ist er ein kleiner Hosenscheißer
  • Sie haben ihr Kind ins Koma geprügelt… jetzt knutschen sie vor Gericht!
  • Todesspritze für die Killerhunde… es sei denn, Seppel, Mausi und Sternchen bestehen den Verhaltenstest
  • Skandal um angebliche Sex-Orgien im Leipziger Rathaus: BILD zeigt das geheime Bett im Büro des OB

“Focus” vs. Wittig

Im Juni 2008 setzte Angela Wittig eine Gegendarstellung zu einem am 2.2.2008 unter der Überschrift “Schlamassel im Puff” veröffentlichten “Focus”-Bericht durch (mehr dazu hier) und widersprach darin mehreren “Focus”-Behauptungen über sie. Der “Focus” ergänzte den Abdruck der Gegendarstellung um die Anmerkung:

“Alle Ermittlungen zu einer angeblichen Justizverschwörung, über die Frau Wittig in ‘Bild’ berichtete, sind von der Staatsanwaltschaft Dresden als ‘substanzlos’ eingestellt worden. Sie seien, so die Staatsanwaltschaft Dresden, Produkt ‘einer Verschwörungstheorie’ gewesen.”

Angela Wittigs Name tauchte zudem im vergangen Jahr im Zusammenhang mit dem vermeintlichen “Sachsensumpf” auf (grundsätzliches dazu hier, hier, hier, hier oder hier bzw. hier). Laut “Focus” waren die vermeintlichen “Verstrickungen [sächsischer Justizbeamter] zu Kinderbordellen”, die bereits in der “Mitteilung durch BILD Leipzig” aus der Polizeiakte kolportiert wurden, von Wittig auch via “Bild”-Zeitung “kräftig befeuert” worden (was Wittig offenbar eine Strafanzeige wegen Verleumdung und dem “Focus” eine Gegendarstellung Wittigs einbrachte, siehe Kasten).

Und so schreibt nun auch die “Frankfurter Rundschau”, die Beschuldigungen aus 1998 seien dem “Berg aus Gerüchten” auffällig ähnlich, der “im Frühjahr 2007 als gewaltige Sumpf-Affäre über Sachsen schwappte”, sich aber “ein Jahr später und nach gründlichen Untersuchungen unabhängiger Ermittler und der Bundesanwaltschaft als gigantischer Humbug herausstellte”. Auch für die “Leipziger Volkszeitung” liest sich die “Mitteilung durch BILD Leipzig” “wie eine frühe Version dessen, was in der Aktenaffäre 2007 unter dem Codenamen Abseits III für Aufsehen sorgte”.

Ob “Bild”-Frau Wittig das journalistische Sakrileg beging, der Polizei als Informant ihre schmutzigen und zum Teil haltlosen Gerüchte anzuvertrauen (womöglich in der Hoffnung, im Gegenzug ebenfalls bevorzugt informiert zu werden) oder ob Wittigs Äußerungen ihren Weg anderweitig in die LKA-“Mitteilung” fanden, ist noch ungeklärt – außer für “Bild”. Die “Morgenpost Sachsen” zitiert “Bild”-Sprecher Tobias Fröhlich mit der Aussage:

“Kein Mitarbeiter von BILD Leipzig hat unseres Wissens nach als Informant für das LKA gearbeitet.”

Wir haben die Wörter “unseres Wissens” mal gefettet, wundern uns aber nicht, dass Wittig nach wie vor für “Bild”-Leipzig arbeitet.

Allgemein  

“Nur: Sie sind nicht wahr”

Gestern abend berichtete die ARD in ihrer Reihe “Die großen Kriminalfälle” über den Altenpfleger Olaf Däter, der 2001 in Bremerhaven innerhalb von nur zehn Tagen fünf seiner ehemaligen Patientinnen getötet hatte und dafür zu lebenslanger Haft verurteilt worden ist.

“Bild” über Däter:


“Er feierte Sexorgien und Champagner-Partys mit den teuersten Huren seiner Stadt. (…) Nach dem Mord feierte er Liebesnächte im Bordell (…).”

Däter hatte zur Tatzeit eine Beziehung zu einer Prostituierten, und in der Sendung hieß es dazu: “Als das bekannt wird (…), stehen in einer Zeitung, die besonders gerne besonders große Buchstaben druckt, sensationelle Geschichten über Olaf Däter [siehe Kasten] – nur: Sie sind nicht wahr.” Die im Prozess für den Fall Däter zuständige psychiatrische Gutachterin Nahlah Saimeh (die Däter übrigens laut ARD vor Gericht für voll schuldfähig erklärte) sagte:

Nach allen Informationen, über die ich persönlich verfüge, ist es vollkommen das Gegenteil gewesen: also ein Mann, der eher sich scheut, sexuelle Kontakte mit Frauen einzugehen; man möchte fast wirklich eher sagen: sowenig wie möglich – aus was für Gründen auch immer, auch die waren nicht zu hinterfragen. Aber der Sexbesessene, der alte Frauen deshalb umbringt, um irgendwelche Bordell-Orgien zu feiern, das war vollkommen falsch.

(…) Er hatte diese Prostituierte kennengelernt, hatte sie aber eigentlich nicht als Prostituierte, als Dienstleisterin angesehen, sondern hatte mit ihr sehr viel gesprochen, sich mit ihr sehr viel unterhalten und dafür Geld gezahlt und in gewisser Weise das für sich als Beziehung, als Freundschaft angesehen.

Aber soweit reicht die Fantasie von “Bild” wohl nicht.

6 vor 9

1. “Wie Pianisten im Bordell”
(weltwoche.ch, Karl Lüönd)
Karl Lüönd erklärt stellvertretend für die Weltwoche-Journalisten das missglückte Titelblatt der letzten Woche. Und fragt sich, wie es geschehen konnte, dass Journalisten jeglichen Draht zu den Geschehnissen in der Wirtschaft verlieren konnten: “Nach wie vor gilt meine Wette: Nicht einmal die Hälfte der Wirtschaftsjournalisten in diesem Lande ist fachlich in der Lage, ­eine Bilanz zu lesen, geschweige denn hochkomplexe Vorgänge im Bankenbereich sachgerecht zu interpretieren.”

2. “Rangliste der Pressefreiheit 2008”
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Rangliste zur weltweiten Situation der Pressefreiheit ist da. Schweiz auf Platz 7, Österreich auf 14, Deutschland 20, USA 36. Am wenigsten Pressefreiheit gibt es in Eritrea, Nordkorea, Turkmenistan, Burma, Kuba, Vietnam, China, Iran, Sri Lanka.

3. “Zeitungsauflage – Die Tricksereien der Verlage”
(ndr.de, Video, 6 Minuten)
Von Welt Kompakt beispielsweise werden mehr Bordexemplare verteilt als am Kiosk verkauft. Fokus stützt seine sinkenden Kioskverkäufe durch Probeabos an Inhaber von GMX-Konten.

4. “‘Print-Retter’ gesucht!”
(zukunftsjournalist.de)
“Was kann man gegen sinkende Print-Auflagen tun? Der ‘Spiegel’ setzt auf Einzelgespräche mit Ex-Abonnenten. Freundlich motivierend und überzeugend – wer will da noch ins Internet abwandern?”

5. “Bildungsauftrag: erfüllt!”
(zeit.de)
“War das Fernsehen früher wirklich so viel anspruchsvoller? Ja! Eine Übersicht der Dritten Programme im ZEITmagazin vor 30 Jahren beweist es.”

6. “Frauenquote für Musikmagazine!”
(zoomer.de, Chris Köver, Video, 1:39 Minuten)
Chris Köver beklagt sich darüber, dass nur Männer in Musikmagazinen schreiben. Als Ausgleich will sie Männer dazu bringen, in Modemagazinen Schminktipps zu geben. Wie das geschehen soll? Natürlich mit einer Quotenregelung.

6 vor 9

ARD/ZDF-Onlinestudie 2007
(ard.de)
Über 40 Millionen Deutsche im Netz – Bisher nur eine Minderheit im “Mitmachnetz” Web 2.0 aktiv.
Mehr dazu auf www.ard-zdf-onlinestudie.de.

Kalte Fakten aus dem Knast
(sueddeutsche.de, Gunnar Herrmann)
Schweden hat einen TV-Skandal: Ein Reporter, bekannt für das Aufdecken von Justizirrtümern, soll Straftätern Berichterstattung versprochen haben – gegen Geld.

Wahrheitssuche statt Wahrheitsdiktat
(medienspiegel.ch, Peter Studer)
Der Präsident des Schweizer Presserats beleuchtet das “Schreiben, was ist”-Motto der Weltwoche.

?Google ist wie ein guter Freund?
(politik-digital.de)
Am 04. September2007 war Stefan Zwierlein vom Google Watch Blog zu Gast in der Blogsprechstunde von politik-digital.de und den Blogpiloten. Im Chat sprach er über die Beeinflussung von Lesern, die Angst vor Datenmissbrauch und kommende Dienste von Google.

Berliner Orgie
(plastikmaedchen.net)
In seinen ursprünglich für die Boulevardzeitung B.Z. verfassten Bordell-Tests entpuppt sich Thomas Brussig nicht nur als talentfreier Autor, sondern auch als rassistischer Sexist.

SpOn von Titanic-Agenten unterwandert?
(spreeblick.com)

Blog-, Presse- und Leserstimmen (3)

…zur BILDblog-Aktion “BILD-Chef-Reporter”:

“Das Bildblog muss neue Methoden und neue Themen ausprobieren. Und natürlich müssen Blogs Grenzbereiche ausloten. Wer sich über die das Leserreporter-Experiment mokiert oder die Aktion hochjubelt, ohne die Seitenaspekte zu berücksichtigen, agiert blogtypisch eindimensional. Dafür oder Dagegen. Einige Blogger versehen den jeweiligen Standpunkt mit vielen Ausrufezeichen, aber selten mit Tiefe. (…)
Das Leserreporter-Experiment hat sehr spannende Aspekte: Kann das Bildblog seine Leserschaft wirklich so motivieren, dass wirklich Bilder von Diekmann geschossen werden – ohne die 500 Euro Honorar? Werden die Bildblog-Leser etwas bewusster mit dem Persönlichkeitsrecht umgehen als die BILD-Leser? Wird das Bildblog verantwortungsbewusster umgehen als die BILD-Redaktion? Und: Wer will schon verantwortungsbewusste Inhalte lesen?”
Notizblog

“Fotografiert Kai Diekmann — das kann nur der Anfang sein, fotografiert alle Bildmitarbeiter, wo immer Ihr sie trefft.”
— Thilo B. per E-Mail

“Werden nun Horden von Handy-schwenkenden Bildblog-Lesern vor Diekmanns Haus in Hamburg-Harvestehude auftauchen? Werden die Häuser des Springer-Verlages so belagert wie zu Zeiten der Studenten-Revolte? Auch wenn viele die Idee charmant finden, regt sich schon die Kritik an den Machern der Aktion: Sie begäben sich auf das gleiche Niveau wie die “Bild”-Zeitung.
Gilt am Ende die neue Variation: Die größten Kritiker der Elche – wären lieber selber welche? Oder erreicht die Aktion ihr Ziel? Zieht Kai Diekmann ein zweites Mal gegen seine Kritiker vor Gericht, nur um sich die Fragwürdigkeit von Hobby-Paparazzitum attestieren zu lassen? Hoffentlich sind bei dem Prozess ausnahmsweise Handys zugelassen.”
tagesschau.de

“In den letzten Monaten hat das Bildblog inhaltlich spürbar nachgelassen, vermutlich, weil die Bild und Bild.T-Online ihren Sexismus, ihre Lügen, schwarzbraune Sager und Parteilichkeit inzwischen etwas besser und vorsichtiger verkaufen. Das ist ein Problem für das Bildblog. Aber diese Aktion ist alles andere als eine Lösung.”
Rebellmarkt

“Die Idee ist mir selbst auch schon gekommen ward dann aber schnell wieder vergessen.”
— Lars K. per E-Mail

“Von den verantwortlichen Stellen bei den Medien wird in der Debatte, ob Prominente derart aggressiv verfolgt werden müssen, stets darauf hingewiesen, dass die Konsumenten ihrer Produkte das verlangen würden. Das halte ich für Unsinn. Vielmehr werden die Konsumenten mit einer Strategie der Wiederholung an sich fortentwickelnde Geschichten mit bekannten Gesichtern gewöhnt. Eine Methode, die vom Marienhof bis zur Bundesliga bestens funktioniert.”
Medienlese

“Eine Aktion, gegen die Herr Diekmann wirklich nichts haben kann, wenn er sich außerhalb seiner vier Wände einigermaßen benehmen kann und wenn er sich für einigermaßen prominent sowie die von ihm geführte Redaktion für einigermaßen seriös hält.”
einseitig.info

“Die Idee Kai Diekmann mit eigenen Waffen hat einen gewissen Reiz, allerdings denke ich, dass Ihr hier über das Ziel hinaus geschossen seid. (…) Überdenkt diese Aktion und kommt wieder auf das Niveau zurück auf das Ihr gehört.”
— Steffen D. per E-Mail

“großartige idee, das mit den diekmann-bildern. wo ich doch täglich an seinen 4 wänden vorbeikomme. mal schaun…”
— Bernhard W. per E-Mail

“Schade, das sich das Bildblog die Blöße gibt, den moralischen Level, von dem man die Bild-Berichterstattung, Werbepraktiken, Parteilichkeit und andere Verfehlungen zu kommentiert und chronologisiert, aufzugeben, um sich mit dummdreisten Aktionen auf TV-Total-Niveau einer breiten, nach eigener Vorliebe dumm gehaltenen Masse (…) anzubiedern. Traurig und überflüssig!”
— Darkkurt per E-Mail

“Selbstverständlich ist dieser Aufruft ebenso verurteilenswert wie die BILD Aktion. Natürlich. Teilnehmer dieses Fotoshootings müssen leider auch auf den etwas lächerlichen Presseausweis verzichten, den die BILD Zeitung ihren Lesern als Dreingabe zum Selberbasteln anbot.”
Brand’s New Toy

“Ein Vorstoß an die Grenzen des ‘Citizen Journalism’.”
futurezone.ORF.at

“Eine – finde ich – eher witzige Idee, mal dem Chefredakteur zu zeigen, wie schnell sich die Sache mit den Leser-Reportern ins negative drehen lassen kann.”
Kuroi Tenshi’s darkness

“… das schoenste Ergebnis waere, wenn einfach niemand daran teilnimmt. Das waere ein schoenes Zeichen, dass sich weder fuer den ‘Hetzjagdaufruf’ des BILDblogs, noch fuer Herrn Diekmann irgendjemand interessiert.”
blog.crash-override.net

“Das Problem mit dieser Idee ist eben, dass sich ein watchblog auf schlingensiefsche Weise dem Objekt der Kritik annähert.”
Ringfahndung

“Wir von heuteblog.de begrüßen dieses Event vollumfänglich. Verbunden mit der Hoffnung, dass möglichst viele Handy-Paparazzi sich auf den Weg machen und Kai Diekmann ablichten, wie er womöglich auf der Reeperbahn nach einem Bordellbesuch, besoffen an eine Hauswand uriniert.”
heuteblog.de

“Merke: Meinungsfreiheit ist nicht gleich Handlungsfreiheit.”
Quittungsblog

“In krass rechtswidriger Form Auflage machen”

Sie war die Frau des großen Klausjürgen Wussow (77), sie verdiente viel Geld als Drehbuchautorin. Jetzt kaufte sich Yvonne Wussow (51) in ein Bordell ein. Geldnot macht erfinderisch…

“Bild”, 2. September 2006

 

In ihrer Ausgabe vom 7. September meldete “Bild” auf Seite 1 den Tod von Yvonne Wussow. Das war eine schlechte Nachricht für die Zeitung, denn es bedeutete, dass sie erst einmal keine großen Schlagzeilen mehr über Frau Wussow und etwa ihr angeblich mieses Geschäft mit Krebskranken oder ihre angebliche Beteiligung an einem Bordell machen könnte.

Aber ein paar große Schlagzeilen waren noch drin. Diese hier stand am 8. September auf Seite 1:

Yvonne Wussow † : Ihr Krebstagebuch

Im Inneren schrieb “Bild”:

Es ist ein Dokument der Hoffnung, des Kampfes und des Scheiterns.

Yvonne Wussow (†51) schrieb ein Krebstagebuch — berührend, erschütternd, ernüchternd.

BILD dokumentiert den Lebenskampf einer Frau, die nie aufgab.

An zwei Tagen füllte “Bild” jeweils ungefähr eine halbe Seite mit ausführlichen Auszügen aus Yvonne Wussows Buch.

Es ist, gelinde gesagt, schwer vorstellbar, dass Frau Wussow gewollt hätte, dass ihr Text ausgerechnet von der “Bild”-Zeitung veröffentlicht wird, der sie vorwarf, auch in jüngster Zeit — “wie so oft in der Vergangenheit” — überwiegend und absichtlich falsch über sie berichtet zu haben.

Und tatsächlich hatte “Bild” nach den Worten ihres Anwaltes Sven Krüger kein Recht, diese Texte zu veröffentlichen. Gegenüber dem NDR-Medienmagazin “Zapp” sagte er:

Es hat eine Anfrage gegeben der Bild-Redaktion, unter anderem bei mir, ob denn man nicht Teile dieses Krebsbuches abdrucken könne. Eingeleitet mit einem Satz etwa wie: Wir wollen gerne etwas für [Yvonne Wussows Sohn] Benjamin tun, wir möchten es abdrucken und etwas zahlen dafür, das soll Benjamin bekommen. Nun konnte ich nicht am Telefon, ohne Rücksprache zu halten mit dem Berechtigten, ohne überhaupt erst mal zu besprechen, ob das sinnvoll ist, ob das gewollt ist, so eine Genehmigung geben. Sie wurde also nicht prompt erteilt, also entschloss sich die BILD-Zeitung abzudrucken, ohne Genehmigung.

Krüger wirft “Bild” vor, in “krass rechtswidriger Form auch nach dem Tod von Frau Wussow mit ihr Auflage zu machen”.

Auf Bild.de fehlen inzwischen die Auszüge aus dem Buch.

PS: Nachdem “Bild” ihr in großen Buchstaben auf Seite 1 ein “mieses Geschäft mit Krebskranken” vorgeworfen hatte, erläuterte Yvonne Wussow uns gegenüber am 30. Juli ihre Sicht der Dinge. Ihre Mail endete mit den Worten:

UND DAS ALLES; OBWOHL HERR [Martin] HEIDEMANNS [zuständiges Mitglied der “Bild”-Chefredaktion] SOWOHL WUSSTE UND WEISS DASS ICH AN METASTASIERENDEM BRUSTKREBS LEIDE ALS AUCH AN EINER AKUTEN LEBERENTZÜNDUNG MIT GERADE 40 GRAD FIEBER

Nachruf auf Yvonne Wussow

Die Beziehung von Familie Wussow und “Bild” ist lang. In ihrer heutigen Ausgabe nun gibt “Bild”* exklusiv bekannt, dass Yvonne Wussow am Dienstagnachmittag “völlig unerwartet und überraschend” starb (“+++ Qualvoller Todeskampf +++ Um 16.20 Uhr schloss sie für immer die Augen: Yvonne Wussow († 51) — Ihr Sohn durfte nicht mehr zu ihr”). Anlässlich des Todes von Yvonne Wussow dokumentieren wir hier noch einmal die letzten “Bild”-Schlagzeilen vor ihrem Tod:

"Yvonne Wussow -- Mieses Geschäft mit Krebskranken" ("Bild" vom 28.7.2006); "Riesenempörung nach BILD-Bericht: Krebs-Ärzte gehen auf Frau Wussow los" ("Bild" vom 29.7.2006); "Yvonne Wussow kaufte sich in Bordell ein" ("Bild" vom 2.9.2006)

Und weil die “Bordell”-Story erst drei Tage vor Wussows Tod (mit Spin-off am Montag) in “Bild” stand, hier noch ein paar Auszüge:

Geschäfte mit käuflichem Sex: Yvonne Wussow, die sich (…) an einem Bordell beteiligt

(…) Öffentlich beklagte sie ihre finanzielle Misere — und suchte nach lukrativen Einnahmequellen. Erst betrieb sie ein mieses Geschäft mit einer kostenpflichtigen Krebs-Telefonhotline (BILD berichtete), jetzt kommt heraus: Yvonne Wussow [gründete] eine Firma, die ein Bordell betreibt. (…) BILD liegen Fotos vor, die Yvonne Wussow bei einer Stippvisite im “Open 1” zeigen. (…) Yvonne Wussow wollte sich gegenüber BILD nicht äußern.

Nach den Krebshotline-Berichten im Juli hatte sich Wussow entschieden, auf ihrer Internetseite eine “Stellungnahme zu BILD” zu veröffentlichen, in der sie ihre persönliche, sicherlich nicht unumstrittene Sicht darzustellen versuchte. Darin heißt es mit ausdrücklicher Erwähnung von “Chefredakteur Kai Dieckmann [sic] und seinem Stellvertreter Martin Heidemanns, der auch für alle Geschichten über und gegen mich seit Jahren verantwortlich zeichnet” u.a.:

Die BILD kennt leider keine Skrupel, aber dafür den Begriff “Doppelmoral” ganz genau..
(Harmloser Link von uns.)

*) Bild.de hat den “Bild”-Artikel mittlerweile aufgrund der veränderten Nachrichtenlage aktualisiert.

Mit Dank auch an Thorsten L., Miriam R., Timo F., Johanna K. und Christine D.

Nachtrag: Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa (siehe z.B. Spiegel-Online) lautet Wussows letzter Eintrag im Forum ihrer Internetseite am 21. August: “Tut mir so leid, aber es hat mich richtig erwischt, muss jeden Tag in die Klinik, massive Leberentzündung, die Eröffnung des Forums muss trotz der vielen Anfragen noch warten. Bis bald, Yvonne.”

Heute anonym III

Offenbar wurde bei “Bild” mal wieder ausgelost, auf welchen Abbildungen Personen unkenntlich gemacht werden sollen und auf welchen nicht. Und die Auslosung hatte ergeben, dass die Prostituierten, die in einem Bordell arbeiten, das mit Einstiegsgeld von der Arbeitsagentur gefördert wurde, nur in der Druckausgabe und in der Fotogalerie auf Bild.de anonymisiert werden sollen. Auf den Teasern der Einstiegsseiten von Bild.de jedoch lächelten dieselben Frauen seit vergangener Nacht völlig unverpixelt in die Kamera:

Nachdem wir Bild.de auf die Inkonsequenz im Umgang mit dem Persönlichkeitsschutz der abgebildeten Frauen hinwiesen, bekamen wir zwar keine Antwort. Wenig später wurde das Foto jedoch entsprechend bearbeitet und sieht jetzt ungefähr so aus wie auf unserem Ausriss.

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