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Milch, 11 Freunde, Zeitungssucht

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Vom Regen in die Traufe”
(merkur.de, Markus Collalti)
Markus Collalti stellt fest, dass im Web “die altvertraute Physis traditioneller Medien” nicht mehr existiert und sieht die Milch (= die produzierten Inhalte) im Internet unrückholbar ausgeschüttet. Es habe “etwas Bigottes, einen Eimer Milch in diesen Fluss zu schütten und dann vom Gesetzgeber zu verlangen, er möge doch bitte dafür Sorge tragen, dass diese Milch als Eigentum geschützt bleibe.”

2. Interview mit Phillip Köster
(meedia.de, Alexander Becker)
Chefredakteur Phillip Köster blickt zurück auf hundert Ausgaben des Fußballmagazins “11 Freunde”: “In Wahrheit waren wir nach 2,5 Jahren so gut wie pleite. Ob Marketing, Anzeigenakquise oder Vertrieb: Wir haben am Anfang in den verlegerischen Dingen fast alles falsch gemacht.”

3. “Die Leiden des Zeitungssüchtigen”
(freitag.de, Michael Angele)
“Wer, so muss man fragen, ersetzt uns dieses Rascheln, wenn es keine Zeitung mehr gibt?”, fragt Michael Angele, der eine Sucht nach beschriebenem Papier beschreibt. Dirk von Gehlen antwortet darauf: “Zeitungssucht rettet die Zeitung nicht”.

4. “Es schnüffelt”
(stefan-niggemeier.de)
Stefan Niggemeier hat “einige winzige Anmerkungen zur aktuellen Schlammschlacht zwischen ‘Stern’ und ‘Bunte'”.

5. “Kommentieren Sie unter Ihrem richtigen Namen!”
(badische-zeitung.de)
Das Online-Portal der “Badischen Zeitung” will keine Kommentare mit Fantasienamen mehr zulassen: “Jeder Kommentar-Autor wird darüber explizit auf badische-zeitung.de informiert und gebeten, dieser Änderung der Netiquette zuzustimmen. Ohne diese Zustimmung können keine weiteren Kommentare veröffentlicht werden.”

6. “Wie alles begann vor 29 Jahren”
(kalender-fel.blogspot.com, Markus Felber)
Markus Felber ist nun schon 29 Jahre als Berichterstatter am Bundesgericht in Lausanne akkreditiert. Er stellt Veränderungen fest: “Während ich früher schon mal zur Kopfwäsche zitiert wurde, mich anschliessend aber auch verteidigen oder entschuldigen konnte, erfahre ich heute nur noch um mehrere Ecken herum, welcher Richter über mich lästerte und gegenüber welchem Kollegen, der dann seinem Mitarbeiter darüber berichtete, der das Büro gleich neben einem anderen hat, der wiederum …”

B.Z., Brender, Wissenschaftsjournalisten

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1. “Online-Gebühren: Über den Wert von Qualitätsjournalismus”
(jensweinreich.de)
Sportjournalist Jens Weinreich setzt ab sofort Bezahlbuttons in seine Blogartikel. “Wer nichts zahlen möchte, weil ihm die Dienstleistung nicht gefällt, weil sie ihm nicht gut genug ist oder gar, obwohl sie ihm nützlich erscheint, trotzdem nichts zahlen möchte, weil er sich sagt: das Zeug gibt es doch sowieso umsonst; der hat Argumente, die ich schwerlich entkräften kann.”

2. “Blogs [metadiskussion]”
(2-blog.net, Luca Hammer)
Ein langer Text über die immer mal wieder aktuelle Debatte “Blogs sind tot”: “Ich sehe die Entwicklungen rund um Blogs sehr positiv. Die Technologie kommt weiter, die Inhalte werden besser, mehr Leute wissen was Blogs sind und wenn die anderen Medien endlich ihre Paywalls hochziehen, steht den Blogs eine tolle Zeit bevor.”

3. “LSVD entsetzt über B.Z.”
(queer.de, dk)
“Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) ist entrüstet über einen Kommentar in der Boulevardzeitung B.Z., in dem die Überfälle auf Homosexuelle in Berlin bagatellisiert werden.”

4. “Lauscher auf dem Lerchenberg”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Michael Hanfeld über Hugo Diederich, der Nikolaus Brenders Äusserungen über das ZDF als “verbale Entgleisung” geisselte: “Das ZDF sei keine kleine DDR. Der Mann muss es wissen; er sitzt in jenem Fernsehrat des Senders, dessen Mitglieder die Ministerpräsidenten, die im Verwaltungsrat sitzen, als Vertreter vermeintlich unabhängiger gesellschaftlicher Gruppen auswählen und aus deren Mitte wiederum acht Gesandte für den Verwaltungsrat bestimmt werden.”

5. “Mit dem Zweiten spitzelt man besser?”
(spreegurke.twoday.net, Ursula Pidun)
Auch Ursula Pidun kommentiert die Auseinandersetzung: “So taff sich Brenders Worte also in diesen Tagen auch anhören mögen und so traurig die inhaltliche Brisanz für unsere Demokratie auch ist: Ein authentisch arbeitender Journalist hätte diese Zustände – so sie denn tatsächlich in dieser völlig inakzeptablen und verfassungswidrigen Form existent sind – bei Bekanntwerden sofort und auf der Stelle anzeigen und die Öffentlichkeit über die wahren Ausmaße in Kenntnis setzen müssen.”

6. “Splitter aus San Diego (IV): Die Journaille”
(scienceblogs.de/alles-was-fliegt, Alexander Stirn)
Ein Bericht von einem Jahrestreffen der Wissenschaftsjournalisten, das mit viel weniger deutschen Journalisten und ohne Party auskommen muss.

Krokodilstränen, Enke, Karnevalsberichte

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1. “Jüngstes Trauma der Kritik”
(freitag.de, Dorothea Dieckmann)
Dorothea Dieckmann über Krokodilstränen, fernsehkompatible Trivialliteratur und “Des Kaisers neue Kleider” im Fall “Axolotl Roadkill”. “(Auch) ich habe den Hype bedient wie viele abhängige Rezensenten, die für eine dreistellige Summe über Hegemann schrieben, die derweil eine mindestens achtstellige Summe anschafft.”

2. “Der Enke-Effekt”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Christoph Cadenbach)
Drei Monate nach Stefan Niggemeier schreibt auch das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” über durch die Berichterstattung über Selbstmorde angeregte Selbsttötungen. Statistische Zahlen dazu erscheinen erst in zwei Jahren: “Nachdem sich Enke im vergangenen November das Leben nahm, habe es eine ‘drastische’ Steigerung der Suizide in Deutschland gegeben, sagt der Leipziger Psychiatrieprofessor Ulrich Hegerl. Von viermal so vielen Toten allein Mitte November ist die Rede.”

3. “Kampf mit dem Verleger”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Bei den Redaktionsmitgliedern von Zeitungen wie “Frankfurter Rundschau” und “Berliner Zeitung” kehrt Ernüchterung ein nach einer anfänglichen Begeisterung für den neuen Verleger M. DuMont-Schauberg: “In den Musterverträgen für die neue Redaktionsgemeinschaft aller vier Blätter, die am 1. April ihre Arbeit aufnehmen soll, finden sich gut drei Seiten Kleingedrucktes zum Urheberrecht und an wen der Verlag die Artikel alles weiterverkaufen darf. ”

4. “Widerstand zwecklos”
(sueddeutsche.de, Alexander Kissler)
Alexander Kissler mit einer Kritik zur RTL-Sendung “Teenager außer Kontrolle”: “Wann immer die Hauptpersonen lachen, fallen die Posen von ihnen ab. Dann sind sie tatsächlich, was ein Vater lakonisch ausspricht, ‘die Kinder’ und nicht ‘Teenager außer Kontrolle’. Lange darf solche Besinnung nicht währen. RTL, Deutschlands erfolgreichster Kontrolleur, hat die nächste Eskalationsstufe längst im Köcher.”

5. “Kreativservice für Lokaljournalisten”
(thomastrappe.wordpress.com)
“Nach Studie mehrerer bundesweiter Karnevalsberichte der vergangenen Tage stelle ich den folgenden von mir großzügig erstellten Text kostenlos zum Kopieren zur Verfügung.”

6. “Deutschland degeneriert in ein Entwicklungsland”
(netzwertig.com, Marcel Weiss)
Dritter und letzter Teil einer Serie über Deutschland und das Internet. “Das Internet ist kein Medium neben anderen. Es läuft nicht parallel. Es ist das Medium. Es wird langfristig alle anderen Übertragungsformen von Medien und Kommunikation ersetzen.”

Airen, NWZonline, Gagasein

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1. Interview mit Airen
(faz.net, Tobias Rüther)
Nochmals zum in den Feuilletons gefeierten Plagiatsfall Axolotl Roadkill. Im Anschluss auf ein langes Gespräch mit dem Blogger Airen findet sich eine ebenso lange Liste von “Parallelstellen, die sich aus einem Abgleich der Bücher ‘Strobo’ und ‘Axolotl Roadkill’ sowie des Blogs mit Hegemanns Buch ergeben (Warnung: Die Zitate sind teilweise sexuell sehr explizit und könnten die Gefühle der Leser verletzen)”.

2. “Von Visits, PageImpressions, NWZ und fremden Federn”
(medienfloh.de, Florian Schuster)
Florian Schuster präsentiert eine Liste von URLs, die NWZonline, der Internetauftritt der “Nordwest-Zeitung”, der IVW auf einer Local-Liste meldet – Klicks, die so mit in die Zählung der Visits und Page Impressions einfliessen. Auf der Liste finden sich unter anderem Websites wie studivz.net/oldenburg oder partner.hanseatreisen.de/nwz.

3. “Zeitungen feiern den 10jährigen Geburtstag der Verbraucherinsolvenz”
(finblog.de, Andreas Kunze)
Die Presseagentur dpa feiert zehn Jahre Verbraucherinsolvenz und die Online-Portale feiern mit. Nur: Die Insolvenzordnung trat am 1.1.1999 in Kraft – und ist also schon über 11 Jahre alt.

4. “Im Glashaus und so …”
(nachgetragen.wordpress.com)
Das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” zeichnet in einer “Anleitung zum Gagasein” die Sängerin Lady Gaga mit einer Roten Schleife und folgert: “Lady Gaga ist eine Schwulenikone”.

5. “DFB-Kicker ganz bei Trost”
(n-tv.de, Christoph Wolf)
Christoph Wolf beobachtet den Umgang von Fußball-Nationalspielern mit “Bild”.

6. “Auslese-Gewinner 2009”
(wissenschafts-cafe.net, Lars und Marc)
“Die besten wissenschaftlichen Blogposts des Jahres.”

Dokusoaps, Neandertaler, Neda

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1. “Schluss mit den Grundrechten”
(fernsehkritik.tv/blog)
Fernsehkritik.tv präsentiert Auszüge aus einem mit einer Dokusoap-Produktionsfirma abgeschlossenen Vertrag. Einer der Punkte lautet: “Der Vertragspartner soll während des Produktionszeitraumes frei agieren und dabei lediglich mit der Kamera begleitet werden. Der Produzent wird dem Vertragspartner dementsprechend keine von ihm zu sprechenden Texte vorgeben. Der Produzent wird dem Vertragspartner bei Bedarf inhaltliche Vorschläge unterbreiten. Nimmt der Vertragspartner diese Vorschläge an, so geschieht dies auf rein freiwiliger Basis.”

2. “Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise. Warum?”
(freischreiber.de)
Freischreiber, ein Berufsverband von freien Journalisten, glaubt, dass “freie Journalisten bei Preisverleihungen meistens leer ausgehen” und stellt dazu Vermutungen an.

3. “Digitale Neandertaler”
(sueddeutsche.de, Stephan Weichert und Leif Kramp)
Die “Süddeutsche Zeitung” startet eine neue Serie zur Zukunft des Journalismus und stellt fest, dass viele Journalisten noch nicht im Internet angekommen sind: “Gemessen daran, wie wenig die Potenziale der Netzkommunikation heute erst genutzt werden, sind Journalisten die Neandertaler der digitalen Ära.”

4. “Nie war Gewinnen so einfach”
(narragonien.de)
Narragonien.de nimmt die Gewinnerin des Tages von “Bild” unter die Lupe. (Hinweis: Dieser Link war vorübergehend nicht erreichbar.)

5. “Das zweite Leben der Neda Soltani”
(sz-magazin.sueddeutsche.de, David Schraven)
Eine Untersuchung zur Verwechslung der beiden Iranerinnen Neda Soltan und Neda Soltani: “Wer als Erstes die lebende Dozentin Neda Soltani mit der toten Studentin Neda Soltan verwechselt, lässt sich später nicht mehr rekonstruieren.”

6. “Aufmerksamkeitsspanne bei Zeitungsartikeln kurz”
(der-postillon.com)
Eine “Studie” zur Aufmerksamkeit beim Lesen von Zeitungsartikeln – “im Auftrag des Postillions”.

Bild  

Posthum gealtert II

Bloggen für BILDAls vergangene Woche die frühere TV-Moderatorin Petra Schürmann starb, verkündeten die meisten Medien übereinstimmend, dass sie 74 Jahre alt geworden war. “Bild” und Bild.de jedoch gaben das Alter der Verstorbenen konsequent mit 76 an, was wir sehr merkwürdig fanden und deshalb aufschrieben.

Die Münchener “tz” berichtete am vergangenen Freitag, einen Tag nach Schürmanns Tod, in ihrer Online-Ausgabe:

Ein Geheimnis, das Petra Schürmann wohl ins Grab mitnehmen wollte, ist wohl gelüftet: das um ihr Alter. Die Behörden nennen als ihr Geburtsdatum den 15. September 1933. Demnach wurde Schürmann 76 und nicht 74 Jahre alt.

Am Samstagmorgen wurde in Schürmanns Wikipedia-Eintrag ihr Geburtsdatum korrigiert, aber Klarheit herrschte immer noch nicht, wie dpa wenige Stunden später tickerte:

Seit dem Wochenende geben mehrere Zeitungen das Sterbealter Schürmanns nicht mehr mit 74, sondern mit 76 Jahre an. “Die Behörden nennen als ihr Geburtsdatum den 15. September 1933”, schreibt die Münchner “tz”. Letzte Klarheit darüber soll es spätestens am Dienstag geben. Wie Bestatter Schmid der dpa sagte, werde das genaue Geburtsdatum auf den dann verteilten Sterbebildchen schwarz auf weiß gedruckt stehen. “In den Todesanzeigen werden Sie darüber nichts finden”, sagte er.

Und so geschah es dann auch am Dienstag:

Erst auf den unter den Gläubigen verteilten Sterbebildchen wurde indessen das Geheimnis um das wahre Alter der bisher einzigen deutschen “Miss World” gelüftet. Petra Schürmann war zwei Jahre älter als bislang angegeben. Sie wurde 76 und nicht 74 Jahre alt.

Petra Schürmanns beste Freundin Uschi von Bayern, die bis zuletzt an ihrer Seite war, hatte am Montag in der Münchner “Abendzeitung” verraten, dass diese 1933 geboren worden war:

Sie ist mit 76 gestorben, hat sich bewusst nie jünger gemacht. Allerdings, als eine Zeitschrift sie mal um zwei Jahre verjüngte, hat sie das nicht dementiert.

Damit hat sie allerdings mindestens so viele Fragen aufgeworfen wie beantwortet: Seit wann Petra Schürmann unter falschem Alter geführt wurde, lässt sich nur schwer eingrenzen. Bei ihrer Wahl zur Miss World 1956 wurde sie noch als 23-Jährige gehandelt, aber die deutschen Zeitungen gingen seit mindestens 1996 davon aus, dass sie 1935 geboren sei.

Uns bleibt somit nur, vor “Bild” den Hut zu ziehen: In diesem Fall hatte die Zeitung einfach mal Recht.

Mit Dank an die vielen, vielen Hinweisgeber!

Schleichst du noch oder wirbst du schon?

Schleichwerbung oder Modemacke - Warum trägt Bohlen immer dieselbe Polo-Hemden-Marke?

fragt Bild.de gewohnt investigativ und unterstreicht mit einer dreiteiligen Bildergalerie die Feststellung, dass Dieter Bohlen in der dritten Folge der aktuellen Staffel “Deutschland sucht den Superstar” bereits zum dritten Mal ein Polohemd von “Camp David” trug. Ironischerweise riecht die überaus schmeichelhafte Beschreibung des amerikanischen Modelabels durch “Bild” (“Laut Konzern ‘eine Marke für selbstbewusste Männer ab 25’ (Shirts rund 30 Euro)”) selbst schon ein wenig nach Schleichwerbung.

Den Beitrag schmücken zwei InText-Werbelinks zu einer Mode-Preisvergleichsseite und zwischen den zahlreichen Anzeigen für verschiedenste Online-Mode-Versandhäuser hat Bild.de ein mutmaßlich redaktionell gemeintes Video von Reuters eingebaut, in dem über die Modeschau eines Unterwäsche-Herstellers berichtet wird. Für Produktinformationen ist also ausreichend gesorgt.

Was jedoch komplett fehlt, ist die Antwort auf die ursprüngliche Frage, die wir gerne beantworten: Nein, Dieter Bohlen macht keine Schleichwerbung — sondern ganz offen Werbung für “Camp David”. Recherchefreudige Journalisten hätten dies leicht mit einem Besuch im Online-Shop der Marke herausfinden können:

Camp David - Dieter Bohlen - Bestseller!

Da grinst einen der Dieter nämlich die halbe Seite ausfüllend direkt an — und die Polohemden sind auch schon alle ausverkauft.

Mit Dank an Matthias K.

Gossweiler, Abendblatt, Talkshows

6 vor 9

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1. “Rezept zum ‘Reichweite runterfahren’: Bezahlinhalte”
(guenterbartsch.de, Video, 21:23 Minuten)
Günter Bartsch spricht mit dem Verleger von Jungfrauzeitung.ch, Urs Gossweiler, über Paid Content. Der Online-Pionier unter den deutschsprachigen Zeitungsverlegern glaubt, dass sich die Verleger mit der Einführung von Bezahlinhalten schaden, da sie ihre eigene Reichweite beschneiden. “In der Schweiz haben die Zeitungen in der gegenwärtigen Krise zwischen 20 und 30 Prozent Rückgang. Die Jungfrau-Zeitung hat im Moment, Stand Ende November, ein halbes Prozent Rückgang. Grund ist, dass wir unsere Anzeigen zu einem Fixpreis multimedial verkaufen.”

2. “ARAG-PR beim Hamburger Abendblatt jetzt kostenpflichtig”
(finblog.de, Andreas Kunze)
Finanzjournalist Andreas Kunze findet eine PR-Mitteilung des Rechtsschutzversicherers ARAG unter den Abendblatt.de-Artikeln hinter der Bezahlschranke: “Das Hamburger Abendblatt hat diese Pressemitteilung online wörtlich übernommen – und möchte offenbar nun Geld dafür haben, dass sie den Text in eine sechsteilige Klickstrecke zerbröckelt hat.”

3. “Man darf ja wohl noch fragen dürfen”
(freitag.de, Mikael Krogerus)
“Es gab eine Zeit in Deutschland, über die man in einigen Jahren vermutlich geflissentlich schweigen wird. Es war die Zeit, als die TV-Moderatoren Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner und der merkwürdigerweise von der Kritik verschonte Günther Jauch Woche für Woche aus nichtssagenden deutschen Promis und ‘betroffenen’ Arbeitslosen irgendeinen intimen Kokolores pressten und daraus die meistgesehenen Fernsehsendungen Deutschlands zimmerten.”

4. “Ab in die Wüste!”
(blogs.taz.de/blogwart)
Der taz-Blogwart rechnet zusammen, was durch “die Bloggerei des Bild-Chefs” Kai Diekmann bisher an nicht geplanten Kosten aufgelaufen ist.

5. “Journalistenkrise ist nicht überstanden”
(derstandard.at, Erich Félix Mautner)
“Der Standard” veröffentlicht eine Liste mit Journalisten, die “im vergangenen Jahr Konkurs anmelden” mussten. Viele dem Artikel folgende Kommentare sind damit nicht einverstanden.

6. “11 Most Painfully Obvious Newspaper Articles Ever”
(11points.com, englisch)
11 Schlagzeilen, die verkünden, was niemand gedacht hätte.

Ringier, Meinungen, Hersh

6 vor 9

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1. “Ringier wird Unterhaltungskonzern”
(handelszeitung.ch, Gret Heer)
Der Schweizer Verlag Ringier (“Blick”) will in zehn Jahren nur noch einen Drittel des Umsatzes mit klassischen Medien machen. Die anderen zwei Drittel sollen von “transaktionsbasierten Internetseiten wie Geschenkideen und Scout24” und dem Bereich “Entertainment, Electronic Media & Events” erwirtschaftet werden.

2. SZ-Magazin vs. Bundeswehr
(meedia.de, ga)
Das Magazin der “Süddeutschen Zeitung” beklagt fehlende Kooperation der Bundeswehr für die Geschichte “Briefe von der Front”: “Für die Dokumentation hatten etliche Soldaten, vom Gefreiten bis zum Oberstleutnant, ihre Briefe und Unterlagen zur Verfügung gestellt. Die Folge: Wochenlang verschickte die Bundeswehr Mails, mit denen das Erscheinen der Titelgeschichte verhindert werden sollte.”

3. “Die Kunst, anderer Meinung zu sein”
(zeit.de, Harald Martenstein)
Harald Martenstein denkt über Meinungen nach: “Die meisten Meinungen werden vertreten, weil es eh alle sagen, weil man sich davon einen Vorteil verspricht, weil man nicht unangenehm auffallen oder weil man einfach nur gemocht werden will, ein Grund so fragwürdig wie der andere.”

4. “Liebe Brigitte-Redaktion”
(maedchenmannschaft.net, Susanne)
Susanne fragt sich anlässlich von Abnehm-Tipps zu den Weihnachtstagen, wie ernst es Brigitte.de mit der Aktion “Ohne Models” meint.

5. Besuch bei Seymour Hersh
(nzz.ch, Michael Marek)
Ein Besuch bei der lebenden Journalistenlegende Seymour M. Hersh, der in einem alten Büro ohne Sekretärin arbeitet und unter anderem von dort aus “die Schattenseiten US-amerikanischer Politik” untersucht. Seine Theorie: “Wer nicht liest, der kann auch nicht schreiben.”

6. “Klang-Supermarkt zum Nulltarif”
(spiegel.de)
Da der Link zur “Spiegel”-Kritik gestern mehrere kritische Mails nach sich gezogen hat (und das zurecht, sie war tatsächlich überzogen), linken wir heute auf einen lesenswerten Text aus dem “Spiegel”-Archiv von 1977, in dem die Musikbranche davor gewarnt wird, an der Schallplatte festzuhalten; Parallelen zu anderen Zeiten und Branchen sind nicht zu übersehen. “Schon einmal, bei der Umstellung von der zerbrechlichen Schellack-Scheibe mit 78 Umdrehungen pro Minute auf die unzerbrechliche 33er PVC-Longplay, leistete die notorisch konservative Musikindustrie verbissen Widerstand.”

Klicks, N24, Paid Content

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1. “Lass klicken, Baby!”
(jungle-world.com, Ivo Bozic)
Ivo Bozic beschäftigt sich mit den Klicks im Internet, die nach wie vor die Grundlage für Werbeeinnahmen sind: “Um Klicks zu erschleichen, scheint jeder Trick gerechtfertigt, so plump er auch sein mag. (…) Der Nachrichtenseite N24.de gelang es im Sommer, ihre Visits innerhalb von nur einem Monat um 328,7 Prozent zu steigern auf beacht­liche 19,4 Millionen. Einfach dadurch, dass der Traffic der viel stärker frequentierten, ebenfalls zur ProSieben-Sat.1 Media AG gehörende Seite Wer-weiß-was.de seit Juli mitgezählt wird. Ein ganz legaler Trick.”

2. “Der Wert von Nachrichten bei N24”
(ndr.de, Anne Ruprecht, Video, 5:44 Minuten)
Das Medienmagazin “Zapp” zu den Sparplänen bei N24. Das Blog “Nachrichten sind wichtig” liefert Zahlen zum Thema und schreibt, dass N24 2008 einen Jahresüberschuss von 13.13 Millionen Euro machte. “Im Jahr 2008 waren alle deutschen Sender im operativen Geschäft rentabel.”

3. Interview mit Matthias Eberl
(beim-wort-genommen.de, Jonas Schaible)
Ein Gespräch mit Matthias Eberl, der Audioslideshows macht und damit kürzlich den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie Online gewann: “Bisher bin ich nur wie ein Getriebener einigen wirren Idee hinterhergelaufen, jetzt ist rückblickend das Gefühl da, etwas gemacht zu haben, was journalistische Relevanz hat. Und ich hoffe auch, dass sich das Ansehen der Audioslideshow geändert hat.”

4. “Wer will Geld, wer nicht?”
(persoenlich.com)
Eine Umfrage unter Schweizer Medienmachern zu Paid Content. Kurt W. Zimmermann: “Geld für Content können nur Medien verlangen, die etwas bieten, was sonst niemand bietet.”

5. “100 Jahre Zweisamkeit”
(ftd.de, Thomas Birkner)
Thomas Birkner glaubt, dass trotz der Paid-Content-Debatte “der Vertriebsweg keine Alternative zum Anzeigengeschäft” bieten kann. “Es ist erst die Mischfinanzierung aus Anzeigen- und Vertriebserlös von etwa 65 zu 35 Prozent, die es dem Journalismus 100 Jahre lang ermöglicht hat, sich als Kontrollorgan für den Staat zu etablieren.”

6. “Die Recherchen amerikanischer Online-Medien”
(ndr.de, Mareike Fuchs, Video, 4:46 Minuten)
Und gleich noch ein “Zapp”-Beitrag aus New York über die Stiftung Pro Publica, die sich dem investigativen Journalismus verschrieben hat.

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