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1. “Bauen – Werben – Sicher surfen” (brainweich.de, Sabrina Gehder)
Sabrina Gehder liest in der Burda-Zeitschrift “Das Haus” vom “Internet in all seinen bedrohlichen Facetten”.
3. Interview mit Dana Priest (taz.de, Steffen Grimberg und Bernd Pickert) Dana Priest von der “Washington Post” glaubt nicht, dass man als Journalist eine Journalistenschule besuchen muss: “Man braucht eine Art zu denken und eine journalistische Ethik, und die lernt man, wenn man unter erfahrenen Journalisten arbeitet.”
4. “Mein Leben ohne Fernseher” (jetzt.sueddeutsche.de, Simon Hurtz)
Simon Hurtz über seine Kindheit ohne Fernsehen: “Während die meisten Menschen bei jeder Nachricht sofort Gesichter und Bilder aus der Tagesschau vor Augen haben, verbinde ich damit nur die Stimme eines Nachrichtensprechers oder die Überschriften der Zeitungen.”
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1. “Die verdeckte PR im Boulevard” (ndr.de, Video, 7:42 Minuten)
“Zapp” zeigt, wie Videomaterial der Firma lucky7even auf Bild.de oder in die ProSieben-Sendung “Taff” übernommen wird. Stern.de bezahlte für das Material gar einen Drittanbieter.
2. “Fehler über Fehler” (journalistik-journal.lookingintomedia.com, Colin Porlezza, Stephan Ruß-Mohl und Marta Zanichelli)
Ein Forschungsprojekt wertet Fehler in Regionalzeitungen der deutschen Schweiz und Italien aus. Eine Übersicht zeigt: “Vier faktische Fehler wurden von den Befragten besonders häufig moniert: Reißerische Überschriften, die den Tenor des tatsächlichen Geschehens nicht widerspiegeln, entstellte Zitate, falsch wiedergegebene Zahlen und Orthografiemängel.” Weitere Artikel zum Thema finden sich in der Ausgabe “Medienselbstkontrolle im Wandel”.
3. “Die Wachhunde der Wachhunde” (brodnig.org, Ingrid Brodnig)
Ingrid Brodnig präsentiert das seit einem halben Jahr existierende Blog “Kobuk” als “weiteres Beispiel dafür, wie das Web zum Wachhund der Wachhunde wird”.
4. “Happy Birthday, Süddeutsche Zeitung!” (medien-monitor.com, Helene Pawlitzki)
Zum 65. Geburtstag huldigt Helene Pawlitzki in sechs Artikeln der “Süddeutschen Zeitung”. Der abtretende Chefredakteur, Hans Werner Kilz, sagt in einem langen Gespräch: “Immer wenn über die Krise der Zeitungen gesprochen wird, lamentieren die Journalisten am lautesten. Die sollen sich um ihre Arbeit kümmern und das Lamentieren dem Verlag und den Chefredakteuren überlassen. Es ist eine schwierigere Zeit für Zeitungen, aber was sich nie ändern wird, ist, dass Qualitätsjournalismus gefragt ist. Der Journalismus ist doch nicht am Ende, nur weil die Zeitungen ins Trudeln geraten.”
5. Interview mit David Remnick (blogs.sueddeutsche.de, Andrian Kreye)
Andrian Kreye befragt David Remnick, Chefredakteur des “New Yorker”. Über Arianna Huffington und ihre “Huffington Post” sagt er: “Ich finde ihre abwertenden und beleidigenden Bemerkungen über die New York Times vor allem arrogant. Wenn man sich ihre Webseite anschaut, dann sind das vor allem Blogger, deren Qualität von zweifelhaft bis mittelmäßig reicht. In der rechten Spalte gibt es Titten, Ärsche und Klatschnachrichten, wer gerade wieder am meisten abgenommen hat. Und in der Mitte sind Artikel aus der New York Times, dem Wall Street Journal und der Washington Post, denen sie liberalere Überschriften geben.”
6. “(Literally) Mad Men” (ichwerdeeinberliner.com, Wash Echte, englisch)
Zum Start von “Mad Men” auf “ZDF Neo” versucht Wash Echte Aussagen zu deuten, die er schon über die Serie gehört hat.
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1. “Nachrichtenjournalismus wie er nicht sein soll” (medienbuerohamburg.wordpress.com, Nele Römer)
Nachdem auf den Websites von “Hamburger Abendblatt” und “Hamburger Morgenpost” vermeldet wird, der Hamburger Hauptbahnhof sei gesperrt, bzw. komplett gesperrt, fragt Nele Römer nach: “In einem Lagerraum für Blumen gab es ein Feuer. Der Hauptbahnhof war auch nicht komplett gesperrt, nur die U2 ist nicht gefahren.”
2. “WeTab-Enthüllung? Wir WeDeppen schreiben einfach ab” (medialdigital.de, Ulrike Langer) WeTab-Geschäftsführer Helmut Hoffer von Ankershoffen verfasst bei Amazon unter falschem Namen überschwängliche Rezensionen über sein eigenes Produkt. Ulrike Langer prüft bei elf Online-Portalen nach, wie sie die von Richard Gutjahr entdeckte Selbstbeweihräucherung verarbeiten.
3. “Waren die Chefredakteure wieder segeln” (taz.de, Silke Burmester)
Silke Burmester gibt zur Aufregung über den Fall WeTab/Amazon (siehe 2.) zu bedenken: “Nicht, dass nicht wahrscheinlich jeder zweite Buchautor sein Buch bei Amazon bespricht, es sollte den sich jetzt Empörenden – so sie denn Profis sind – nicht unbekannt sein, dass etliche Freiberufler an den Rechnern sitzen und im Auftrag von PR-Firmen Produktnamen oder Produktlobhudelei in Blogs unterbringen.”
4. Interview mit Sineb El Masrar (philibuster.de, Nadia Shehadeh)
Sineb El Masrar, Gründerin des Frauenmagazins “Gazelle”, fände es sinnvoller, wenn statt über die “Kopftuchfrage” über “die zukünftige wirtschaftliche Unabhängigkeit junger Menschen” geredet würde. “Außerdem nervt es, dass ständig Klischeewelten herbeigeredet werden, die nicht existieren. Dass Muslime eben keine homogene Gruppe sind – das müsste doch schon längst klar sein. Es wird aber ständig noch so dargestellt und befeuert somit zum Teil natürlich auch die Stigmatisierungsmaschinerie weiter. Man stilisiert eine Wahrheit, die gar nicht zutrifft.”
5. “Hunter S. Thompson’s brutally honest Canadian job request” (ottawacitizen.com, Andrea Woo, englisch) Hunter S. Thompson bewirbt sich 1958 bei der “Vancouver Sun”: “As far as I’m concerned, it’s a damned shame that a field as potentially dynamic and vital as journalism should be overrun with dullards, bums, and hacks, hag-ridden with myopia, apathy, and complacence, and generally stuck in a bog of stagnant mediocrity. If this is what you’re trying to get The Sun away from, then I think I’d like to work for you.”
6. “Eine deutsche Straße im Wandel” (geo.de, Andreas Wenderoth, Harf Zimmermann)
Harf Zimmermann fotografiert in der Berliner Hufelandstraße nach 23 Jahren nochmals die gleichen Plätze. In einer Fotogalerie werden je 12 Fotos einander gegenübergestellt.
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1. “‘Bild’-Zeitung kämpft für ihre Chefs” (taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg glaubt, dass die Berichterstattung um ein Bauprojekt in Potsdam gefärbt sei von persönlichen Interessen der Führungsetage des Axel-Springer-Verlags: “Zwar dürfen sich im Artikel einige namentlich genannte Nachbarn Luft machen. Dass allerdings auch Springer-Vorstand Mathias Dö. und Bild-Chef Kai Di. gleich nebenan hausen, wird verschwiegen.”
2. “Flattr belohnt Meinung
vor Qualität und Aufwand” (netzwertig.com, Martin Weigert)
Martin Weigert stellt fest, dass Nutzer des Mikrobezahldienstes Flattr häufig “Meinung und Kreativität, aber nicht notgedrungen Aufwand, Tiefe und Informationsgehalt” belohnen – “eine ernüchternde Erkenntnis für diejenigen, die in dem Service eine eventuelle Refinanzierungsform für ihren Content sahen, aber nicht in stark emotional besetzten Nischen aktiv sind”.
4. “Medien auf Auto-Pilot” (juliane-wiedemeier.de)
Juliane Wiedemeier fragt sich, warum verschiedene deutsche Zeitungsportale sich von der Automobilindustrie nicht mit Anzeigen bezahlen lassen. “Einfacher kann man es der finanziell gut aufgestellten PR-Maschinerie hinter der Automobilindustrie wirklich nicht machen. Über einen ‘unabhängigen Partner’ stellt man den Zeitungen für ihre Online-Präsenz ein paar Hochglanzvideos zur Verfügung; in den Redaktionen denkt man sich, dass der Ruf des Auto-Journalismus eh schon ruiniert ist, und so bauen die Verlage mit den Händen nach außen hin eine schöne glitzernde Multimedia-Fassade auf, und reißen zeitgleich mit dem Arsch das um, was einst der Kern des Journalismus war: Wir nennen es Glaubwürdigkeit.”
5. “Der Mann wurde geselbstmordet” (tagesanzeiger.ch, Monica Fahmy)
Die “Kronen Zeitung” zitiert einen Historiker, der behauptet, in Schweizer Gefängnissen werde gefoltert. “Die abstrusen Aussagen des ‘Dr. Hross’, die an einen drittklassigen Agententhriller erinnern, druckte die ‘Kronen Zeitung’ ungeprüft ab. Dabei gibt es weder einen Historiker namens Sean Hross in Bern noch eine O2T-Foltermethode.”
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1. Interview mit David Simon (faz.net, Tobias Rüther) David Simon, Erfinder und Produzent der Fernsehserien “The Wire” und “Treme”, sieht die Zukunft des Fernsehens als Leihbibliothek: “Die Leute werden ihre Serien schon finden. Zur Hölle mit den Quoten! Die eine Hälfte schaut ‘The Wire’ auf DVD oder on demand und die andere, wie es ihnen passt. Damit werden Quoten immer bedeutungsloser, egal ob die Leute von den Sendern das wollen oder nicht.” Ein zweites Gespräch mit Simon findet sich auf jetzt.sueddeutsche.de.
3. “Die Portale der Chinesen” (scarlatti.de, Lorenz Lorenz-Meyer) Lorenz Lorenz-Meyer vergleicht deutsche Webportale wie T-Online mit chinesischen Portalseiten: “Ob Nachrichten, Verbraucherinformationen, Marktberichte von der Börse oder die neuesten Gaming-Erfahrungen, die Portale bedienen alle Bedürfnisse, und sie bedienen sie exzellent. Immer noch dürfen die Portalredaktionen dabei in den meisten Themenfeldern nicht selbst journalistisch tätig werden (Wirtschaft, Lifestyle und Sport sind die Ausnahmen). Aber auch in der Auswahl aggregierter Inhalte aus anderen Quellen kann man sich publizistisches Profil erarbeiten. Und die Portale sind somit – auch dies anders als in Deutschland – zu einer wirklich relevanten Instanz in der chinesischen Öffentlichkeit geworden.”
6. “Durchsageterror bei der Deutschen Bahn” (heise.de/tp, Egon Müller)
“Die Älteren werden sich vielleicht noch dunkel erinnern: Es gab einmal eine Zeit, da konnte man in einen Zug steigen und stundenlang fahren, ohne auch nur ein einziges Mal von einer Durchsage belästigt zu werden.”
Seit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags am 28. Juni 1919 musste Deutschland Reparationszahlungen für den ersten Weltkrieg ableisten, die letzten Zinsen werden übermorgen fällig.
Nicht ganz so lange, sondern erst seit dem 28. September 2010 steht auf “Der Westen” ein Artikel aus der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”, der wie folgt beginnt:
Essen. Reparationszahlungen belasten den Bundeshaushalt bis heute. Dieses Jahr überweist Berlin die letzten 70 Millionen. Beinahe hätte das auch John Babcock noch mitbekommen.
Der Kanadier John Babcock war der letzte Veteran des Ersten Weltkriegs. Er starb im Februar dieses Jahres.
Seit dem 29. September weist ein Kommentator darauf hin, dass diese Behauptung so falsch ist:
Nur eine Korrektur, John Babcock war der letzte KANADISCHE Veteran des ersten Weltkriegs! Es gibt aber noch drei lebendige – alles Briten.
#2 von Thomas , am 29.09.2010 um 07:47
Mit seiner Einschätzung “alles Briten” liegt “Thomas” zwar falsch (es handelt sich um einen Briten, eine Britin und einen US-Amerikaner), aber die Drei leben eben noch. Erst wenn zwei von ihnen gestorben sind, wird man wissen, wer wirklich der letzte Veteran des Ersten Weltkriegs war.
Obwohl die Leserkommentare offensichtlich gelesen werden (einige von ihnen wurden nämlich gelöscht oder editiert), hat der “Westen” den Fehler bisher nicht korrigiert. Aber zwei Tage sind natürlich ziemlich wenig, verglichen mit mehr als 90 Jahren.
Bei Bild.de gehört es offensichtlich zum Standardprogramm, die britischen Boulevard-Zeitungen “Daily Mail” und “The Sun” regelmäßig nach neuen Artikeln über unsinnige Studien – im Idealfall aus den Bereichen Sex, IQ oder einer Mischung aus Sex und IQ – zu durchforsten.
Sobald man fündig geworden ist, werden die erstaunlichen Erkenntnisse mehr oder weniger unfallfrei ins Deutsche übersetzt, wobei Bild.de die Tatsache großzügig ignoriert, dass sich britische Verhältnisse nicht 1:1 auf deutsche übertragen lassen. Das Ergebnis wird mit einer knackigen Überschrift versehen und dann veröffentlicht.
Beispiele gefällig? Bitteschön:
Manchmal werden aus einer einzigen Studie sogar zwei Artikel. Besonders dann, wenn Bild.de einmal selbst darüber schreibt und sich dann noch von den Kollegen von der “B.Z.” beliefern lässt:
Apropos “B.Z.”: Ein ganz besonders schönes Beispiel, wie die Verwertungskette bei Bild.de funktioniert, versteckt sich hinter diesem Artikel von Mittwoch:
Dort heißt es:
Eine Studie aus Großbritannien ergab jetzt: 75 Prozent aller Paare trinken Alkohol bevor sie Sex haben. Nüchtern betrachtet läuft also ohne Wein, Bier, Sekt oder Schnaps einfach nichts in unseren Betten.
Bild.de übernahm den Artikel und veröffentlichte ihn ebenfalls am 24.9.2009 unter der etwas direkteren Überschrift “Sind Sie auch ein Promille-Popper?”.
Das, was Bild.de seinen Lesern am Mittwoch als aktuell verkaufte, ist derselbe alte Artikel — nur etwa ein Jahr später unter neuem Datum.
Das ist aber noch nicht alles: Abgesehen davon, dass fraglich ist, inwiefern britische Gewohnheiten Rückschlüsse auf “unsere Betten” zulassen, ist das, was seit einem Jahr auf bz-berlin.de, auf Bild.de und jetzt wieder auf Bild.de behauptet wird, auch einfach falsch.
Auf “Mail Online” steht nämlich folgendes zum Sexualverhalten geschlechtsreifer Briten zur Paarungszeit:
Vier von zehn Frauen gaben an, “immer” leicht angetrunken gewesen zu sein, wenn sie zum ersten Mal mit einem Partner geschlafen haben. Erstaunliche 48,5 Prozent sagten sogar, sie zögen Sex im alkoholisierten Zustand vor. Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent der befragten Frauen es mögen würden, etwas zu trinken, bevor sie mit ihrem Mann oder Freund ins Bett gehen.
(Übersetzung von uns.)
Wir halten fest: 75 Prozent der befragten Frauen mögen es laut Studie, etwas vor dem Sex zu trinken bzw. 48,5 Prozent finden, sie hätten alkoholisiert mehr Spaß bei der Sache. Dass sich deshalb 75 Prozent “aller Paare” vor dem Sex betrinken, lässt sich aus solchen Angaben beim besten Willen nicht ableiten.
Man darf gespannt sein, mit welchen faszinierenden Erkenntnissen britische Forscher uns demnächst überraschen. Und dank Bild.de müssen wir auch keine Angst haben, etwas zu verpassen — spätestens in einem Jahr wird’s ja wiederholt.
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2. “Der war richtig sauer” (jetzt.sueddeutsche.de, Martin Zips)
Nach einer Plattenkritik erhält der Chefredakteur von rap.de, Marcus Staiger, Besuch von Rapper Blokkmonsta. “Im Büro stellte sich der Rapper dann fünf Zentimeter neben mir auf und brüllte mich nieder. Fünf seiner Freunde standen direkt daneben und verboten mir zu gestikulieren. Als einer meiner Mitarbeiter geschubst wurde, warf ich mich dazwischen. Danach schlug man mich bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam, waren die Rapper schon weg.” (Bericht zum Vorfall auf rap.de)
3. “Sofort- Kultur” (screen.tv, Felix Schwenzel)
Felix Schwenzel schreibt über die so genannte “Kostenlos-Kultur”, die sich angeblich über das Internet verbreitet habe.
4. “Ich bin durch die Hölle gegangen” (nwzonline.de, Traute Börjes-Meinardus)
Eine Teilnehmerin der RTL2-Sendung Frauentausch wirft der Produktionsfirma vor, sie zu Aussagen gedrängt zu haben: “Ich wollte das nicht, aber die von der Produktion haben gesagt, wenn ich mich weigere und die Sendung abbreche, sei das Vertragsbruch und ich müsse ein Bußgeld von 60 000 Euro zahlen.” RTL2 dementiert: “Beim Casting, beim Dreh und der Produktion unserer Sendungen lassen wir stets die größtmögliche Sorgfaltspflicht gelten.”
5. “Der grosse Auf-einem-Auge-blind-Test” (20min.ch, Joel Bedetti)
Joel Bedetti beleuchtet die Verbindung zwischen dem Medienunternehmen Ringier (“Blick”, “SonntagsBlick”) und der Handelsgruppe Coop. Verbunden sind die beiden Konzerne durch die Betty Bossi Verlag AG, die beiden zur Hälfte gehört.
“Bild” traut dem Urteilsvermögen der eigenen Leser nur bedingt. Deswegen schrieb die Zeitung gestern beispielsweise schon mal über einen Artikel, was von dessen Inhalt zu halten sei:
Dabei würde wohl sowieso kaum jemand gut finden, was “Bild” da beschreibt:
Ein Student der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe hat ein Computerspiel entwickelt – ausgerechnet zum Todesstreifen an der DDR-Grenze (872 Tote).
Unfassbar: Man kann dort als Grenzsoldat zu den Klängen der DDR-Nationalhymne Flüchtlinge erschießen! Und bekommt dafür auch noch Orden und Punkte!
Ein Computerspiel, in dem man auf Republikflüchtlinge schießt und dafür Punkte bekommt, das ist wirklich geschmacklos — dieser Eindruck musste zumindest bei Leuten entstehen, die sich nur in “Bild” über das Spiel “1378 (km)” informierten.
Bild.de findet das Spiel auch “widerwärtig”, hat aber immerhin ein paar zusätzliche Informationen zur Hand:
Die Grenzsoldaten sollen die Flüchtlinge stoppen – mit oder ohne Waffengewalt.
Wer zu viele Flüchtlinge abschießt, wird zuerst mit einem Orden ausgezeichnet, findet sich dann aber im Jahr 2000 auf der Anklagebank eines Mauerschützenprozesses wieder.
Das mit den Mauerschützenprozessen ist natürlich ein nicht ganz unwichtiges Detail, wie man auch erahnen kann, wenn Bild.de den Entwickler Jens M. Stober selbst zu Wort kommen lässt:
Über die virtuelle Verhaftung nach drei Abschüssen sagt Stober gegenüber BILD: “Da soll es beim Spieler Klick machen, dass er sich der geschichtlichen Besonderheit des Spiels bewusst wird.”
Stober ausführlicher zu dpa:
“In dem Spiel kann man sich selbst hinterfragen: Wie verhalte ich mich?”, erklärt Spielentwickler Stober. “Man kann zu dem Schluss kommen: Ich schieße nicht auf meine eigenen Landsleute.” Der 23- Jährige hat zahlreiche Denkanstöße in das Spiel eingebaut. Wahlloses Herumballern ist nicht vorgesehen. Entscheidet sich der Grenzsoldat zum tödlichen Schuss, wird er zwar vom DDR-Regime mit einem Orden ausgezeichnet, gleich darauf jedoch ins Jahr 2000 teleportiert: Dort wird ihm ein Mauerschützenprozess gemacht. Der Spieler ist zwischen 30 und 60 Sekunden aus dem Spiel genommen – und hat Zeit zum Nachdenken.
Selbst gespielt scheint der Bild.de-Reporter das Spiel übrigens nicht zu haben:
“1378 (km)” basiert auf einer Modifikation der Software des sogenannten Ego-Shooter-Spiels “Half-Life 2”, soll aber den Angaben nach kein typisches Ballerspiel sein.
Angeblich soll so auf neue Art und Weise das Interesse der jungen Generation “zur Auseinandersetzung mit der jüngsten deutschen Geschichte” geweckt werden, sagte Stober. “Über ein Computerspiel kann man Jugendliche besser erreichen.”
Damit ist der Reporter allerdings nicht allein: Auch der Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Axel Klausmeier, die Politiker Markus Meckel (SPD), Norbert Geis (CSU) und Gesine Lötzsch (Die Linke), der Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, und ein ehemaliger DDR-Bürger, die sich bei dpa und “Spiegel Online” in höchster Erregung über das “Killerspiel” empören dürfen, haben das Spiel bisher nicht zu Gesicht bekommen (und würden das Angebot, sich selbst ein Bild zu machen, womöglich brüsk zurückweisen).
Um “zur Versachlichung der Diskussion beizutragen” hat die Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, an der Jens M. Stober das Spiel als Seminararbeit konzipiert hat, die für Sonntag geplante öffentliche Präsentation von “1378 (km)” bereits am Dienstag abgesagt, die Veröffentlichung des Spiels verschoben.
Mit Dank an Patrick, Hannes K., Oliver S., Manniac, Lars und Steven L.
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1. Busunglück: “Fakt”-Reporter soll sich als Angehöriger ausgegeben haben (polskaweb.eu)
Um “an Exklusivfotos und Insider-Informationen” zu kommen, soll sich ein Mitarbeiter der polnischen Boulevardzeitung “Fakt” “als Angehöriger eines der Todesopfer aus dem polnischen Reisebus ausgegeben haben, der am vergangenen Sonntag auf dem Berliner Ring verunglückte”. Eine Sprecherin des die Zeitung herausgebenden Axel-Springer-Verlags dementierte das. “Zu keinem Zeitpunkt habe er seine Identität als ‘Fakt’ Mitarbeiter verborgen und auch habe sich kein Angehöriger hierüber beschwert”.
4. “Klum-pa-Klatsch me if you can” (wortvogel.de, Torsten Dewi)
Torsten Dewi würde gerne ein Blog über die “Verlogenheit der Yellow Press” schreiben. Es genüge nicht, nur einzelne Versäumnisse zu kritisieren, es gehe um “das Existenzrecht von Magazinen, die praktisch komplett aus Hörensagen und Gerüchten bestehen”.
6. “Wenn die Böcke zicken” (clack.ch, Nicole Althaus)
Nicole Althaus denkt nach über das “Unwort” “Zickenkrieg”, das kurz nach der feststehenden Frauenmehrheit in der Schweizer Regierung in verschiedenen Zeitungen zu lesen war.