Suchergebnisse für ‘BILD’

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Helden oder Verräter?
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Krumme Touren in Unternehmen und Behörden werden meist von internen Informanten aufgedeckt. Ruhm ernten die Tippgeber hierzulande allerdings selten.

Die Bedeutung von Weblogs für Politikjournalisten (+)
(thewavingcat.com, Peter Bihr, pdf, 1118 kb)
“Weblogs haben für die Arbeit von Politikjournalisten in Deutschland derzeit eine geringe Bedeutung.”

Die Arroganz der Papierverfechter
(taz.de, Stefan Niggemeier)
Mühelos kann heute jeder seine Meinung ins Netz posaunen. Davon fühlt sich mancher Profi auf den Schlips getreten – doch das spricht für einen merkwürdigen Minderwertigkeitskomplex.

Die beispiellose Misserfolgsgeschichte von “Bild”
(bildblog.de, Max Goldt)
“An ‘Bild’ käme niemand vorbei, wird gesagt. Ja, warum denn nicht? Vielleicht sollte man erst einmal versuchen, an ihr vorbeizukommen! Meiner Erfahrung nach ist das gar nicht schwer.”

Ich blogge, also bin ich
(zeit.de, Thomas Groß)
Immer mehr Menschen produzieren sich im Internet. Wir treten ein in die Epoche des »digitalen Nihilismus«. Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Geert Lovink.

Das Evangelium nach Google
(dasmagazin.ch, Rico Czerwinski)
Die Suchmaschine Google hat auf jede Frage eine Antwort. Eher: Tausende von Antworten. Gilt das auch für Vinton G. Cerf, den Vordenker des unheimlich mächtigen Unternehmens?

Sink an einem anderen Tag

Es ist Weihnachten, da muss man auch mal ein Auge zudrücken.

Hätte damit aber immer noch eins mehr offen, als die Menschen, die bei Bild.de die Weihnachtsfernsehtipps verfassen. Vergangenen Freitag bestand rund die Hälfte der Highlights, die sie empfahlen, aus dem Weihnachtsprogramm 2006. Der Artikel ist dann unauffällig entsorgt worden, stattdessen machte sich nun eine andere Kollegin noch einmal an das Thema und schrieb:

Bei so viel Angebot fällt die Auswahl schwer.

Wir helfen Ihnen und zeigen hier die TV-Highlights für die Feiertage.

Tolle Hilfe. Schwer fällt zum Beispiel die Entscheidung zwischen den beiden Spielfilmen, die laut Bild.de beide gleichzeitig am 25. Dezember um 20.15 Uhr auf ProSieben laufen sollen: “Titanic” und “Pearl Harbor”…


…insbesondere, wenn sich dann herausstellt, dass keiner der beiden am 25. Dezember um 20.15 Uhr auf ProSieben läuft. “Pearl Harbor” kommt auf RTL, “Titanic” erst am 2. Weihnachtstag. Stattdessen zeigt ProSieben am 1. Weihnachtstag “Armageddon”, einen Film, den Bild.de als Highlight des 2. Weihnachtstages ankündigt.

Und Alexander von Schönburg, von “Bild” ganz unbeirrt als “Adels-Experte” bezeichnet, versucht zwar mit vermeintlichem Insiderwissen zu imponieren, wenn er in der “Bild” den Ablauf des Heiligabends bei den Windsors beschreibt:

Die englischen Royals haben sich in Schloss Sandringham versammelt. Ihr heutiger Tag: Morgens spazieren gehen oder Ausritt. Um 15 Uhr sitzen alle vor dem Fernseher, hören die Weihnachtsansprache der Queen. Danach trifft man sich im holzgetäfelten Rauchsalon zum Tee. Um 18 Uhr Bescherung im Weißen Salon… [etc. pp.]

Aber die Details (“Lammbraten, danach Pina-Colada-Mousse”) wären noch beeindruckender, wenn von Schönburg wenigstens wüsste, dass die Weihnachtsansprache der Queen erst am folgenden Tag, dem 25. Dezember, ausgestrahlt wird.

Mit Dank an Axel L.!

Nachtrag, 10.00 Uhr: Nun haben “Armageddon” und “Titanic” ihre richtigen Sendeplätze gefunden. “Pearl Harbor” empfiehlt Bild.de sicherheitshalber gar nicht mehr.

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“BamS”-Leser wissen es jetzt auch

Es folgt… ein längeres Zitat aus der heutigen “Bild am Sonntag” zur Schleichwerbungsaffäre von Andrea Kiewel:

(…) Nach Informationen von BILD am SONNTAG gab es jahrelang Vereinbarungen zwischen Kiewel und Weight Watchers, ein solches 6-Seiten-Werk aus dem Jahr 2001 liegt BamS vor. In § 5 verpflichtet sie sich, bei einem Verstoß gegen die Geheimhaltung, eine Vertragsstrafe von 30 000 Mark zu zahlen. Auch damals stand unter § 1.9 der unerlaubte Passus zur Schleichwerbung, der sie jetzt die Karriere kostete: “Frau Kiewel verpflichtet sich, ihre Kontakte (…) insbesondere im Rahmen von Talkshows (…) zugunsten von Weight Watchers einzusetzen und damit die Darstellung von Weight Watchers in den Medien im Sinne dieser Vereinbarung zu unterstützen. Soweit es zu einer Weight Watchers Promotion in der ZDF-Sendung ‘Fernsehgarten’ kommen sollte, werden die Parteien dies gesondert verhandeln.”

Auch in dem Papier enthalten: Das Honorar für das Jahr 2001: stolze 180.000 Mark.

Also, was diese “BamS”-Rechercheure so alles rausfinden, nicht wahr? Wie machen die das bloß?!

“(…) Bereits im Februar 2001 schlossen sie nach Informationen des SPIEGEL eine Vereinbarung. Für ein Jahr gab es 180.000 DM (…). Im §1 heißt es unter 9.: ‘Frau Kiewel verpflichtet sich, ihre Kontakte, insbesondere zur Medienbranche und damit insbesondere im Rahmen von Talkshows und Interviews, zugunsten von WEIGHT WATCHERS einzusetzen und damit die Darstellung von WEIGHT WATCHERS in den Medien im Sinne dieser Vereinbarung zu unterstützen. Soweit es zu einer WEIGHT WATCHERS Promotion in der ZDF-Sendung ‘Fernsehgarten’ kommen sollte, werden die Parteien dies gesondert verhandeln.’ (…) Kiewel wurde zu strengstem Stillschweigen verpflichtet, andernfalls sollte eine Vertragsstrafe von 30.000 DM fällig werden. (…)”
(Spiegel Online vom 21.12.2007)

Antwort: Sie haben womöglich Spiegel Online gelesen (siehe Kasten)*

Dort steht nämlich all das, was die “Bild am Sonntag” heute unter Berufung auf sich selbst (“nach Informationen von BILD am SONNTAG”, “liegt BamS vor”) ihren Lesern zu berichten weiß, schon seit vergangenem Freitag.

Nur, damit es nicht nächste Woche wieder heißt:

"BILD-am SONNTAG-Leser wussten es zuerst!"

*) Falls den “BamS”-Rechercheuren die Enthüllungen auf “Spiegel Online” peinlicherweise entgangen sein sollten, hätten sie sie natürlich auch schon beispielsweise bei “Welt Online” oder in einer entsprechenden Meldung der Nachrichtenagentur dpa (veröffentlicht am Freitagnachmittag gegen 15.40 Uhr) oder in der Samstagsausgabe der “Süddeutschen Zeitung” nachlesen können — übrigens überall brav mit Quellenangabe (“Spiegel”/”Spiegel Online”).

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Was geschah wirklich mit Gina Wild?

Den regelmäßigen Leser der täglichen “In & Out”-Rubrik von “Bild” beschleicht häufiger einmal der Verdacht, dass die Listen weniger allgemeine Trends widerspiegeln oder Ratschläge geben, sondern eher der Verarbeitung eigener Erfahrungen durch “Bild”-Redakteure dienen.

Nur durch ein konkretes traumatisches Erlebnis lässt sich vermutlich auch dieser heutige Punkt erklären:

OUT: Zufällig gefundene Erotikfilme zertrampeln – erst den Partner fragen, ob’s seine sind

Da unsere Fantasie nicht ausreicht, die mutmaßliche Anekdote zu rekonstruieren, die zu dieser Warnung Anlass gab, haben wir jemanden gefragt, der sich mit sowas auskennt: Sigrid Neudecker, Mitarbeiterin von “Zeit Wissen” und Autorin des Sexblogs von zeit.de “Man muss ja nicht immer reden”. Hier ihr Erklärungsversuch:

Wer zertrampelt Erotikfilme / gefundene Fremdschlüpfer / Bilder von Exfreundinnen? Frauen. Frauen kommen damit noch durch. Wenn ein Mann so einem Verhalten an den Tag legt, sollte man a) ihm die Adresse eines guten Facharztes besorgen und b) die Schlösser austauschen.

Also: Eine Frau hat zertrampelt. Nur was soll der Zusatz “erst den Partner fragen, ob’s seine sind”? Wenn es seine sind, sollte man sie nicht zertrampeln, sonst schon? Ach nein, da hat das Wort “überhaupt” nicht mehr in die Zeile gepasst: “…ob’s überhaupt seine sind.”

Nicht, dass das dem Halbsatz tatsächlich Sinn gäbe. Denn nun steht man wieder vor zwei Varianten: a) Die Pornos gehörten dem Mann. b) Die Pornos gehörten nicht dem Mann. Aber irgendwie muss er ja trotzdem drangekommen sein. Womöglich hat er sie sich von einem Kollegen aus dem Nebenressort ausgeliehen und muss ihm nun beichten, dass seine eifersüchtige Freundin die leider platt gemacht hat.

Die naheliegendste Vermutung wäre, dass der diensthabende “In & Out”-Experte der Verleiher war. Und sein konkretes traumatisches Erlebnis bestünde darin, dass ein Kollege ihn dezent mit dem Geständnis konfrontierte: “Du, meine Alte hat deine Gina-Wild-DVD ruiniert. Hältst du’s noch bis zum Dschungelcamp aus oder soll ich dir gleich eine neue kaufen?”

Ha, nein, das ist es: Es waren privat gedrehte Pornofilmchen, auf denen die rasende Frau die Exfreundin des Gatten zu erkennen geglaubt hat! Und nachdem Männer beim Sex am liebsten die Frau und deren Manipulationen an seinem besten Stück filmen, war er selbst nicht zu sehen! Und der ominöse Zusatz bedeutet: “Erst fragen, ob es seine selbstgedrehten Filme sind!”

OUT: Zufällig gefundene Erotikfilme zertrampeln – erst den Partner fragen, ob’s seine sind. / Unterwäsche schenken, die nicht passt. So gut sollte man seine(n) Liebste(n) schon kennenSo passt alles dann auch noch zum nächsten Punkt auf der “Out”-Liste: Wer das beste Stück seines Freundes nicht gut genug kennt, um es auf einem Video zu identifizieren, kann ihm selbstverständlich auch keine passende Unterwäsche kaufen.

Gut, das wäre dann auch geklärt.

Der Geist der vergangenen Weihnacht


Stimmt. Ein Großteil der von Bild.de angekündigten “TV-Highlights” kommt einem irgendwie bekannt vor: “Moonlight Mile” (Hl. Abend, 20.15 Uhr, Pro7) zum Beispiel. Oder die “TV-Premiere” von “Tatsächlich… Liebe” (1. Weihnachtstag, 20.15 Uhr, RTL). Oder, anderes Beispiel, der erste Teil der “Der Herr der Ringe”-Trilogie…

Der erste Teil der spannenden Trilogie "Der Herr der Ringe - Die Gefährten" (26. Dezember, 20.15 Uhr, RTL) ist wieder im TV
Und, ja, es stimmt: Nicht nur “Moonlight Mile”, “Tatsächlich… Liebe” und “Der Herr der Ringe – die Gefährten”, sondern auch “Cast Away”, “Forrest Gump”, “Stuart Little”, “Muppets: Der Zauberer von Oz”, “Out of Sight” und “Leon, der Profi” — also immerhin die Hälfte der “TV-Highlights” von Bild.de waren bereits vor einem Jahr im Weihnachtsprogramm zu sehen. Sogar zur selben Uhrzeit!* Auf denselben Sendern! Also dort, wo in diesem Jahr, äh… “Ladykillers”, “Pearl Harbor”, “Der Flug des Phönix” “Armageddon”, “Titanic” , “Hogfather”, “Teuflische Engel”, “10.5 Apokalypse” und der Schluss von “Armageddon” laufen.

Anders gesagt: Wenn einem die “TV-Highlights” von Bild.de bekannt vorkommen, liegt das nicht notgedrungen an den “vielen Wiederholungen”, sondern daran, dass es zu einem Großteil die TV-Highlights des vergangenen Jahres sind.

*) außer “Moonlight Mile” (lief 2006 schon um 16 Uhr auf Pro7)

Mit Dank an Michael Q. und c_d_k für den Hinweis.

Nachtrag, 22.12.2007: Sieht ganz so aus, als hätte der Geist der gegenwärtigen Weihnacht bei Bild.de vorbeigeschaut und den kompletten Artikel ersatzlos gestrichen.

Wir sind Franz!


Jens Weinreich, 42, leitet das Sportressort der “Berliner Zeitung” und ist wegen seiner regelmäßigen Enthüllungen über die Schattenseiten des organisierten und kommerzialisierten Sports vielleicht einer der meistgehassten Sportjournalisten in Deutschland. Er kritisiert den “Fanjournalismus” im Stil Waldemar Hartmanns und das Hochjubeln von “Kirmesboxern” durch die jeweils übertragenden Sender und ist Autor mehrerer Bücher und Filme vor allem über Doping und kriminelle Machenschaften im Sport. 2005 gewann er den “Wächterpreis der Tagespresse” für seine Enthüllungen von Unregelmäßigkeiten bei der missglückten Olympia-Bewerbung Leipzigs und gründete das “Sportnetzwerk”, das kritischen Sportjournalismus fördern will.

Von Jens Weinreich

Oft habe ich den Kollegen verflucht, der mich zu diesem Beitrag überredet hat. Denn ich gestehe: Ich blättere gewöhnlich nicht in der “Bild”-Zeitung, und darauf lege ich Wert. Vielleicht ein oder zwei Mal im Monat schaue ich in dieses Blättchen. Es mag schrecklich unprofessionell klingen für einen Sportjournalisten, doch das ist mir egal. “Bild” ist für mich vor allem eines: irrelevant. Über Bundesliga und Nationalmannschaft erfahre ich auch ohne “Bild” genug, ob ich es will oder nicht. Und es ist wahrlich nicht so, dass “Bild” in diesem Unterhaltungssektor allen anderen voraus marschieren würde. Ganz im Gegenteil.

Ich will nur über die Sportseiten reden. Da habe ich in dieser Woche nichts gesehen, was ich nicht auch woanders gelesen hätte. Allerdings hat vieles gefehlt, journalistische Texte beispielsweise, aber das ist ja nichts Neues. Hintergründe zu den Dopingpraktiken im deutschen Sport, ob nun im Team Telekom oder an der Universitätsklinik Freiburg? Korruptionsskandale in zahlreichen Sportarten, etwa im Handball-Weltverband, wo gerade Olympiaqualifikationsspiele neu angesetzt werden mussten? “Bild” hat da nichts Eigenes zu bieten. Der frisch fertig gestellte Bericht des Bundesinnenministeriums (“Projektgruppe Sonderprüfung Doping”) wird in “Bild” nicht einmal erwähnt. (Ich hoffe, ich habe keine dreizeilige Kurzmeldung übersehen.)

Dennoch hat “Bild” heute wieder einen großen Sport-Tag. Man kapriziert sich auf die übliche Mischung: Helden, Sex und Zwistigkeiten. Der FC Bayern läuft immer: “Hitzfeld geht!” Nacktfotos gehen auch: “Sex-Skandal um schöne Olympia-Königin”. Und wenn ausnahmsweise mal fünf deutsche Fußballteams unter den letzten 32 Vereinen im zweitklassigen Uefa-Pokal stehen, titelt “Bild”, wie einfallsreich: “Wir sind Uefa-Cup!” Mit anderen Worten: Es fehlt dem Blatt an exklusiven Sportmeldungen. Selbst den ewig nörgelnden Fußballtorhüter Jens Lehmann (“Er muss da weg!”) schreibt man von anderen ab. Diesmal hat Lehmann mit dem Fußball-Zentralorgan “kicker” geredet. “Bild” zitiert nur, aber wenigstens mit Quellenangabe.

Lustig wird es allerdings in der Berliner “Bild”-Ausgabe auf der letzten Seite, die dem FC Bayern gewidmet ist. Dass Ottmar Hitzfeld den FC Bayern verlassen will, schreibe man “bereits seit Tagen”, plustert sich “Bild” auf. Ich weiß nicht, wer das in diesem Lande noch nicht geschrieben hätte. Egal, “Bild” nennt potenzielle Nachfolger, aber nur die üblichen Verdächtigen. Wenn mehrfach von “Bayern-Bossen” die Rede ist, wird zwar “Killer-Kalle” Karl-Heinz Rummenigge genannt, auch Uli Hoeneß — nur einen anderen, den Bayern-Präsidenten, sucht man vergebens in der Liste der Schuldigen am Hitzfeld-Drama.

Kein Wunder, denn Franz Beckenbauer ist als Lichtgestalt sakrosankt. Kritik an ihm verbietet sich. Franz ist nicht nur Kaiser, er ist Gott, wenn es sein muss, geht er über Wasser — und Bild macht ihn zur Not zum Bundeskanzler. Stolz präsentiert “Bild” auf dieser Bayern-Seite noch eine krude Rangliste des “Manager-Magazins”. Die Frage lautet: Wer regiert in Deutschland das Sport-Business? Die Antwort hätte man sich fast gedacht. “Auf Platz 1: ‘Bild’-Kolumnist Franz Beckenbauer.” Auf Rang 14, zwar hinter dem IOC-Präsidenten Jacques Rogge (7), aber vor Sportminister Wolfgang Schäuble (17), “noch ein Bild-Mann: Vize-Chefredakteur Alfred Draxler”.

Heißa, da ist die Sportwelt doch wieder in Ordnung, zumindest aus Sicht der “Bild”-Strategen. Wir sind Uefa-Pokal, wir sind Franz und wir sind wichtig. Wir sind übrigens auch ein bisschen unterwürfig: Wie erkundigte sich der “Bild”-Reporter Walter M. Straten vergangene Woche beim “Bild”-Kolumnisten Franz Beckenbauer? “Was ist dran an den Gerüchten, dass Sie ein Franz-Beckenbauer-Museum planen?” Der Springer-Lohnschreiber dementierte, vorerst noch. “Ein Museum mit meinem Namen?”, erwiderte der Kaiser, “definitiv nicht. Da müsste ich mich ja selbst reinstellen.”

“Bild” bleibt dran. Bis zur nächsten Kolumne.

 
Unsere Reihe BILDblogger für einen Tag beschließen, wenn alles klappt, Judith Holofernes und Max Goldt.

Mindestlohn-Durchwinker: Hände hoch!

Der Bundesrat hat gestern gegen den Willen der “Bild”-Zeitung der Einführung von Mindestlöhnen für Briefzusteller zugestimmt. Das ist natürlich an sich schon eine Ungeheuerlichkeit, insbesondere aber deshalb, weil die Länder damit laut Meinungsumfragen dem Wunsch einer Mehrheit der Bevölkerung nachgekommen sind. Dabei handelt es sich laut “Bild” um eine besonders perfide und selbstzerstörerische Form des Populismus, denn die Entscheidung ist ja falsch, leugnet “Erkenntnisse” und widerspricht den Interessen des Volkes. Die Wähler werden das sicher nicht goutieren, wenn man einfach tut, was sie wollen, obwohl es falsch ist.

Ungefähr so argumentiert Martin Lohmann heute in “Bild”, aber sein Kommentar ist nicht nur logisch gewagt, sondern auch sachlich falsch. Kern seines Vorwurfs der “Scheinheiligkeit” und “Charakterschwäche” ist die Feststellung:

(…) gestern im Bundesrat: Alle, auch die größten Kritiker, winken ein falsches Gesetz durch.

Schon beim Lesen des “Bild”-Berichtes zum Thema hätten Lohmann Zweifel kommen können, denn darin heißt es:

11 Ministerpräsidenten stimmten dafür, darunter Hessens Regierungschef Roland Koch (CDU). Dagegen enthielt sich Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gemeinsam mit den Kollegen aus Baden-Württemberg Brandenburg, NRW und Thüringen.

Eine Enthaltung ist keine Zustimmung, und speziell im Bundesrat kann man — anders als in anderen Gremien — durch eine Enthaltung kein Gesetz indirekt “durchwinken”. Voraussetzung für einen Beschluss des Bundesrates ist nämlich immer, dass eine absolute Mehrheit mit “Ja” stimmt. Der Bundesrat selbst erklärt deshalb:

Insoweit spielen Enthaltungen bei der Abstimmung keine Rolle und werden als solche auch nicht festgehalten. Eine Enthaltung wirkt prinzipiell wie eine Nein-Stimme.

Von den 69 Mitgliedern des Bundesrates winkten also (laut “Bild”) nur 43 den Mindestlohn durch. 26 stimmten de facto gegen den Beschluss, vermutlich, weil sie ihn, wie “Bild”, für falsch halten. Ob es Kalkül der Zeitung ist, auch ihnen in einer für die Axel Springer AG so entscheidenden Frage Scheinheiligkeit und Charakterschwäche zu unterstellen, oder nur Ahnungslosigkeit, wissen wir natürlich nicht.

Unverblumt

Böll über Blum

“Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der ‘Bild’-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.”
(Heinrich Böll in seiner Vorbemerkung zu “Die verlorene Ehre der Katharina Blum”, 1974)
 
“Übrigens war die Reaktion der Presse, die sich getrost als mit diesem Buch ‘gemeint’ verstehen konnte, (…) streckenweise geradezu albern. Man verzichtete auf die wöchentliche Bestseller-Liste, weil man das Buch hätte nennen müssen.”
(Heinrich Böll in seinem “Nachwort zur Neuausgabe: ‘Die verlorene Ehre der Katharina Blum'”, 1984)

Es begab sich aber zu der Zeit, als der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll gerade einen Bestseller veröffentlicht hatte, welcher sich kritisch mit der “Bild”-Zeitung einer großen deutschen Boulevardzeitung auseinandersetzte (die Böll nur “ZEITUNG” nannte) und von welchem noch heute behauptet wird, er habe an Aktualität nichts eingebüßt, dass die Bestseller-Listen, in denen Bölls Buch auftauchte, in den Zeitungen des Axel-Springer-Verlags plötzlich nicht mehr auftauchten.

Das war im September 1974.

Und warum wir das erzählen? Aus aktuellem Anlass natürlich. Denn auf die Frage, ob es ein Buch gebe, das sein Leben verändert habe, nennt der Komiker “Atze Schröder” heute u.a.:

"Bölls

Verändert hat das Buch sein Leben aber offensichtlich nicht: Denn gefragt wurde “Atze Schröder” von Norbert Körzdörfer — in einer großen deutschen Boulevardzeitung. Wir nennen sie “Bild”.

“weil halt”

Wir geben zu: Wir konnten uns nicht entscheiden. Weshalb es heute gleich drei “BILDblogger für einen Tag” gibt. (Aber dazu später.)

Als wir uns aber gestern Mittag mit einer Stellenanzeige auf die Suche nach einer Vertretung für den krankheitsbedingt kurzfristig ausgefallenen Gast-BILDblogger Harald Martenstein* machten, hatten wir nicht damit gerechnet, dass in den folgenden fünf Stunden über 70 Bewerbungen eingehen würden. Überrascht hat uns aber auch, warum die Bewerber/innen BILDblogger für einen Tag werden wollten. Deshalb mit Dank für die rege Teilnahme hier ein paar überraschende Begründungen:

  • weil Saarländer sonst selten ins bundesdeutsche Bewusstsein vordringen.
  • weil meine Mutter immer gesagt hat, dass “aus dem Jung’ mal was wird”.
  • “weil halt” (wie meine Kinder auf nervige Fragen immer öfter antworten).
  • weil ich es trotz meiner 15 jungen Jahre schon geschafft habe, mindestens 5 überzeugte “Bild”-Leser zu bekehren.
  • weil meine Lebensabschnittspartnerin bei Axel Springer in Hamburg arbeitet und das DIE Liebeserklärung sein wird, da ich nur ihr diesen einmaligen Blogeintrag widmen werde.
  • weil ich nur 15 Jahre alt bin.
  • weil bisher außer Knut kein Teilnehmer der Adventsaktion unter 30 war.
  • weil ich so viele Tage als Vertreter des Weihnachtsmanns immer nett und freundlich sein musste.
  • weil ich viel zu lange Sätze über viel zu viele Dinge schreiben kann, welche mich aufregen oder interessieren.
  • weil ich als kleiner Steppke jeden Morgen die “Bild” auf dem Küchenfußboden aus- und mich davorgelegt habe, die Seiten durchgegangen bin und teils lachend, teils sehr böse die Texte kommentiert habe — bis die Mutti endlich auf die regionale Tageszeitung umstieg.
  • weil mein Kommentar schon fertig ist (siehe anbei, Portrait ebenfalls schon beigefügt)!
  • weil ich als Arbeiterkind mit der “Bild”-Zeitung sozialisiert wurde.
  • weil ich während der Chaostage 1995 von einer “Bild”-Reporterin mit Bier bestochen wurde.
  • weil ein Punkt meiner Top 10-Lebens-To-Do-Liste somit abgehakt werden dürfte.
  • weil sich der Aufstieg vom Hinweisgeber zum BILDblogger für einen Tag sehr gut in meinem Lebenslauf machen würde.
  • weil ich die “Bild” nicht lese!
  • weil ich gerne mal wieder “Bild” lesen möchte.
  • weil der “Bild”-Aufmacher am Freitag lauten muss: “Propanganda-Wahnsinn! Chaos-Student übernimmt Hass-Forum!”
  • weil ich Charlotte Roche schätze und gerne das Kleid für meine Frau ersteigert hätte.
  • weil ich schon ein Praktikum bei “Bild” gemacht habe und dort köstliche Anekdoten sammeln konnte, die ich aber leider nur andeuten kann, weil alle Praktikanten eine entsprechende Unterlassungserklärung unterschreiben müssen, was ja an sich schon eine lustige Geschichte ist.
  • weil am Rhein.

BILDblogger/in für einen Tag sind heute jedoch:

*) Dem Kollegen Martenstein wünschen wir gute Besserung!

  

Bevölkerungsexplosion in München


Antje-Susan Pukke, 49, ist BILDblog-Leserin, Diplom-Politologin und Hörfunkjournalistin in München. Sie hat mehrere Bücher über Öffentlichkeitsarbeit und Fort- und Weiterbildung geschrieben, arbeitet viel für den Bayerischen Rundfunk und ist in der Journalistenausbildung tätig. Im Foto möchte sie sich nicht zeigen, weil sie schon seit Jahren Wert darauf legt, sowenig private Spuren wie möglich im Netz zu hinterlassen, was ihr, wie sie sagt, “bis auf ein paar kleine Ausnahmen” gelungen ist: “Gläserner als man eh schon ist, muss man ja nicht auch noch freiwillig werden.”

Von Antje-Susan Pukke

BILDBloggerin für einen Tag — was liegt da näher, als 50 Cent zu investieren und sich’s frühmorgens zuhause bei einer Tasse Kaffee mit der Münchenausgabe vom 20. Dezember gemütlich zu machen?

Fangen wir gleich einmal mit der Lektüre des Aufmachers an:

EU macht Autos bis zu 5.000 Euro teurer

Mir selbst ist das eigentlich ziemlich egal, ich habe nur einen Kleinwagen und den fahre ich höchst selten. Aber was mag angesichts einer solchen Überschrift so manch anderer “Bild”-Zeitungsleser denken? Wahrscheinlich genau das, was die Schreiber erreichen möchten: “Abzocke hoch drei…”. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele aus dem zugehörigen Riesenartikel auf Seite 4 die richtigen Schlüsse ziehen. Da steht nämlich zum einen, dass man sich ab 2012 auf einen durchschnittlichen Preisanstieg von 1.300 Euro einstellen muss, und zum anderen, dass EU-Experten davon ausgehen, dass durch sinkenden Benzinverbrauch 2.700 Euro eingespart werden könnten. Macht zusammen… — ach, rechnen Sie einfach selbst.

Überhaupt, “Bild” und die Zahlen. Höchst amüsante Überschrift auf Seite 3:

600 Millionen Münchner fuhren MVV

Ja, wo kommen die denn plötzlich her? Soweit ich weiß, liegt die Einwohnerzahl der bayerischen Landeshauptstadt bei rund 1,3 Millionen. Aber: “Bild” nähert sich unerschrocken der Wahrheit. “Heuer haben rund 600 Millionen Menschen (…) S-, U- und Trambahn benutzt.” Klingt schon besser, hinkt aber noch etwas. Also: Noch eine Chance — und sie kriegen es tatsächlich hin, dem Ganzen einen Sinn zu geben: “Gegenüber 2006, als der MVV 590 Millionen Fahrgäste begrüßen konnte, ist das noch einmal eine deutliche Steigerung.” Na bitte: geht doch!

Genug der Zahlen, jetzt gibt’s erst mal eine Runde Mitleid. Zunächst eine kleine für Rolf Kleine und “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann, die zu Besuch beim afghanischen Präsidenten waren: “Auf uns wartet klirrende Kälte (minus 4 Grad).” Suggeriert, dass das Reporterleben hart ist — auch wenn so mancher zumindest hier in Bayern unter “klirrender Kälte” was anders verstehen dürfte. Egal — haltet einfach durch, liebe “Bild”-Kollegen!

Das ganz große, wirklich aufrichtige Mitleid aber gebührt der armen Autofahrerin, die am Mittwochnachmittag etwas zu forsch auf die Autobahn einfuhr und dadurch einen LKW-Fahrer zu einem Ausweichmanöver zwang, das im U-Bahn-Gleis endete. Stundenlang ging auf der ganzen Linie nichts mehr. Klar, ärgerlich für den Teil der, ähhm, 600 Millionen Münchner, der nach Hause wollte. Jedoch hat die Frau es tatsächlich verdient, so abgebildet zu werden, dass sie jeder gleich erkennt? Wohl eher nicht. Aber “Bild” nimmt es ja mit der Privatsphäre öfter nicht so genau.

Ansonsten das Übliche heute. Sensationslust gepaart mit Ungenauigkeiten (im Bericht über den “US-Henker”, der gar kein Henker sein kann, weil er laut Bildunterschrift mit dem elektrischem Stuhl und später mit der Spritze tötete), dazu das Schüren von Vorurteilen mit Hilfe von Leserbriefen (“Wie kommt ein junger abgeschobener Algerier zu einem Mercedes?”) und dazu manch weiterer Artikel, der Fragen aufwirft (Wieso “musste” Mädchenschwarm Sascha die bankrotte Putzfirma seiner Mutter übernehmen?).

Fazit nach einem Vormittag als Ersatz-Bloggerin: Ganz schön viel Arbeit, die vielen Fehler (ja, es gibt noch einige mehr) in einer einzigen Ausgabe aufzuspüren, noch mehr Achtung vor der Leistung derjenigen, die tagtäglich das BILDblog mit Leben füllen. Und das Versprechen, in Zukunft fleißig beim Aufspüren von Fehlermeldungen mitzumachen.

 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Jens Weinreich.

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