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GEMA, Hart aber fair, Bildbearbeitung

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Vom Eigenleben eines Zitats – Eine Lektion Medienbildung”
(wiki.doebe.li)
Beat Doebeli wird auf der Frontseite der “Süddeutschen Zeitung” zitiert, ohne dass er “mit dem Autor des Artikels je gemailt, telefoniert oder sonst konversiert” hätte. Danach greifen andere Medien das Zitat auf und verändern es.

2. “GEMA und YouTube schränken durch Ihren Streit die Pressefreiheit in Deutschland ein”
(djv-bb.de, Klaus D. Minhardt)
Der Deutsche Journalisten Verband Berlin-Brandenburg fordert YouTube und GEMA auf, “eine schnelle Einigung herbeizuführen, da es nicht hinnehmbar ist, dass Nachrichten von öffentlichem Interesse wegen dieser Auseinandersetzung in Deutschland nicht abrufbar sind. Die Umgehung dieser Sperren mit Proxyservern oder VPN-Servern sind Techniken, die man leider in Diktaturen benötigt und die für eine Demokratie unwürdig sind.”

3. “Plasberg: Mit Fifa die Hemmschwelle zu Töten abtrainiert”
(stigma-videospiele.de, Rey Alp)
Wie “Hart aber fair” ein Zitat von Prinz Harry von Wales in die Sendung einbindet: “‘Hart aber fair’ hat hier eine Aussage von Harry, in dem dieser davon spricht, dass er durch Fifa-Spielen zu flinken Fingern gekommen ist, als Beweis dafür angeführt, dass das Daddeln auch das Wesen verändere bzw. die Spieler zu Soldaten mache.”

4. “Die Pressefreiheit und der Hohn vom ‘Relevanzversprechen'”
(spiegelfechter.com, Jörg Wellbrock)
Jörg Wellbrock macht sich Gedanken zur Unabhängigkeit von Printverlagen: “Ohne Anzeigenkunden läuft nichts bei deutschen Zeitungen, auch nicht bei der ‘Zeit’.”

5. “Winterkorns Ernte auf den Äckern Amazoniens”
(doppelpod.com, Sven Hänke)
Zum “Bild”-Artikel “Chinesen trinken deutschen Babys die Milch weg!” und anderem.

6. “2013 World Press Photo – Fakten und Fiktion”
(blog.heikerost.com)
Anlässlich der aktuellen World Press Photos fragt Heike Rost nach den “zulässigen Grenzen der Bildbearbeitung”.

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“Bild” muss Schmerzensgeld zahlen

Es gibt Dinge in unserem Rechtsstaat, die will “Bild” einfach nicht akzeptieren. Vor allem die Tatsache, dass selbst Mörder und Kinderschänder grundlegende Rechte haben.

Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zum Beispiel. Das spricht die “Bild”-Zeitung Menschen, die ein schweres Verbrechen begangen haben, in der Regel kurzerhand ab – und tut dann sogar so, als müsste man ihr dafür auch noch dankbar sein:

“Die Identität eines Straftäters ist grundsätzlich zu schützen”, sagt der Deutsche Presserat, der oberste Sittenwächter der Presse – und kritisiert aus diesem Grund immer wieder die BILD-Zeitung. Weil wir ganz anderer Meinung sind. Weil wir glauben, dass die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat zu erfahren, wie ein Vergewaltiger, ein Kinderschänder und ein Mörder aussehen. Und wir deshalb Vergewaltiger, Kinderschänder und Mörder auch zeigen.

Aber all das ist ja nichts Neues.

Und es wird sich auch in naher Zukunft vermutlich nicht viel daran ändern. Auch deshalb, weil “Bild” in solchen Fällen – abgesehen von den Maßnahmen des Presserats, die das Blatt in der Regel sowieso ignoriert – nur selten irgendwelche Konsequenzen zu erwarten hat, erst recht keine juristischen. Denn, wie wir schon vor ein paar Jahren mal geschrieben haben, ist …

(…) die Wahrscheinlichkeit, dass sich z.B. eine junge Frau, die gerade wegen des Verdachts, ihr eigenes Baby getötet zu haben, in Untersuchungshaft sitzt, juristisch gegen die Veröffentlichung eines Fotos von ihr zur Wehr setzt, für “Bild” ebenso überschaubar, wie es die aus einem eventuellen Gerichtsprozess resultierenden Schmerzensgeldforderungen sind.

Aber auch wenn sich nur selten jemand traut oder überhaupt befähigt fühlt, in so einer Situation juristisch gegen “Bild” vorzugehen – die Erfolgschancen eines solchen Prozesses sind gar nicht mal gering. Denn vor Gericht zieht die wackelige Argumentation der “Bild”-Juristen offenbar nur wenig. Das jedenfalls zeigt ein Urteil des Landgerichts Verden, das nun rechtskräftig geworden ist.

Verurteilt wurde der Axel-Springer-Verlag wegen der “Bild”-Berichterstattung über einen Prozess, in dem eine junge Frau angeklagt war, ihr neugeborenes Baby ermordet zu haben. Sie wurde wegen Totschlags in einem minderschweren Fall verurteilt.

“Bild” hatte den Prozess von Anfang an begleitet und die Frau, eine Polizistin, schon ab dem ersten Verhandlungstag im Januar 2011 ohne jede Unkenntlichmachung gezeigt sowie Details aus ihrem Privatleben veröffentlicht. Später klagte die Frau gegen die identifizierende Berichterstattung – und bekam Recht: Dem Axel-Springer-Verlag wurde gerichtlich untersagt, ungepixelte Fotos der Frau zu verbreiten. Außerdem muss er ihr 6000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Laut einer Pressemitteilung des Landgerichts argumentierte die Frau vor Gericht, “die Berichterstattung verstoße gegen die Unschuldsvermutung, weil sie den Tatvorwurf des Mordes nie gestanden und dieser sich auch im Verlaufe des Verfahrens nicht erwiesen habe”. Der Verlag hingegen hatte unter anderem eingewendet, bei der Frau “handele es sich um eine Person der Zeitgeschichte, weil sie Polizistin gewesen sei und eine schwerwiegende, außergewöhnliche Tat begangen habe”.

Die Richter betonten, bei Gewaltverbrechen sei “in der Regel ein über bloße Neugier und Sensationslust hinausgehendes Interesse an näherer Information” über den Täter und den Tathergang erforderlich, um eine identifizierende Berichterstattung zu rechtfertigen. Grundsätzlich sei hierbei also – das fordert im Übrigen auch das Bundesverfassungsgericht – “eine Abwägung zwischen den Rechten der Abgebildeten und der Pressefreiheit vorzunehmen”. In diesem Fall …

(…) überwiegten die berechtigten Interessen der Klägerin. Es sei schon nicht ersichtlich, dass es für die Berichterstattung auch auf die Identifizierbarkeit der Klägerin ankam. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Lichtbildes habe weder eine (erstinstanzliche) Verurteilung der Klägerin vorgelegen, noch habe diese sich in der Hauptverhandlung überhaupt schon zur Sache eingelassen.

Der Verlag ging zwar in Berufung, doch das Oberlandesgericht Celle bestätigte das Urteil des Landgerichts. Und die Kritik der dortigen Richter galt nicht nur den ungepixelten Fotos:

Der Senat beanstandet darüber hinaus die mit dem Lichtbild versehene Schlagzeile der Zeitung. Auch diese könnte bei Abwägung der Interessen zugunsten der Klägerin berücksichtigt werden.

Die auf das Lichtbild aufgebrachte Schlagzeile sei “tendenziös und vorverurteilend”, die Informationen aus der Pressemitteilung des Landgerichts Verden über diesen Fall seien in einer Art umgestaltet und umformuliert worden, dass hieraus eine  “marktschreierische, sensationsheischende und vorverurteilende Überschrift” geworden sei.

“Umgestaltet” und “umformuliert” wurden die Informationen übrigens von “Bild”-Reporterin Astrid Sievert, die ihr, sagen wir: Talent darin schon mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. In der angesprochenen Pressemitteilung hatte es damals jedenfalls geheißen:

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten vor, das Kind getötet zu haben, weil sie durch die ungewollte Schwangerschaft befürchtete finanzielle Einschränkungen nicht habe hinnehmen und ihren “bis dahin geführten hohen Lebensstandard” nicht habe reduzieren wollen.

In “Bild” lautete die Überschrift dann: “Polizistin ersticht ihr Baby mit Schere …weil sie ihr schönes Leben nicht aufgeben wollte”.

Und auf Bild.de:FÜR IHR LUXUS-LEBEN! Polizistin (25) ersticht Baby mit Schere

Mit Dank an den Hinweisgeber.

The KKK Took My Symbolbild Away

Wie gestern bekannt wurde, ist der rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan auch in Nordrhein-Westfalen aktiv.

Darüber berichtet auch das Internetportal der WAZ-Gruppe, “Der Westen”:

Rechter Geheimbund Ku-Klux-Klan ist auch in NRW: Mitglieder des Ku-Klux-Klans bei einem Auftritt im US-TV. Ableger des rechten Geheimbundes soll es nach Angaben des Verfassungsschutzes nun auch in NRW geben.

Nun ist in den USA ja vieles denkbar. Aber dass Mitglieder des Klans dort im Fernsehen “auftreten” – und dabei … nun ja: tanzen – sollte doch zu Denken geben.

Tatsächlich ist das Foto ein Szenenbild aus dem satirischen Musical “Jerry Springer: The Opera”, das zwar auf den US-Talker Jerry Springer anspielt, aber kein “US-TV” ist.

Die Bildbeschreibung bei AFP lautet dann auch entsprechend:

Mitglieder des Ku-Klux-Klan-Tanz-Ensembles proben für “Jerry Springer The Opera” im Sydney Opera House am 21. April 2009. Nach Erfolgen in London und New York eröffnet die erfolgreiche, preisgekrönte Produktion mit einer achtköpfigen Band und 21 Tänzern, die auf der Talkshow von Jerry Springer basiert, ihre australische Spielzeit vom 21. bis zum 26. April.

(Übersetzung von uns.)

Mit Dank an Johannes K. und Stefan M.

Nachtrag, 15.15 Uhr: Der “Westen” hat sich transparent korrigiert und das Foto ausgetauscht.

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Hilfe, “Bild”, ich bin zu doof für die GEZ!

SO WIRD ABGEZOCKT! Riesen Abbuchungs-Chaos bei der neuen Rundfunkgebühr

In ihrem Kampf gegen den neuen Rundfunkbeitrag hat die “Bild”-Zeitung heute eindrucksvoll nachgeladen. Ein “Riesen Abbuchungs-Chaos” hat sie aufgedeckt, wobei “Riesen” sich bislang in einer Fallzahl von 4 (vier) ausdrückt.

Dann gehen wir die Fälle mal schnell durch. Da ist zunächst ein Fotograf aus Hamburg, dessen Namen die “Bild”-Zeitung — vermutlich zum Schutz vor den öffentlich-rechtlichen Gebührenhäschern — als “Ronald S.” anonymisiert hat. Sowas ist bekanntlich nicht ihre größte Stärke.

Könnte also sein, dass die “Bild” zur Recherche ihres ersten Skandalfalls nicht weiter suchen musste als bis zu ihrem eigenen Fotografen. “Ronald S.” sagt jedenfalls, der neue Rundfunkbeitrag sei plötzlich schon am Anfang des Quartals abgebucht worden und nicht mehr in der Mitte, was ihn zu einem ungefragten zinslosen Darlehensgeber mache. FDP-“Bild”-Mann Burkhardt Müller-Sönksen findet das auch.

Die ARD hat eine zumindest sehr plausibel klingende andere Erklärung für die Buchung: Roland S. habe zwei Beitragskonten, eines privat, eines dienstlich. Von beiden werde, wie bisher, abgebucht — zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Quartal. “Beide Zahlungsmodalitäten sind exakt gleich geblieben”, sagt die ARD, “und wurden so ausgeführt, wie der Beitragszahler es zuvor angegeben hatte.”

“Riesen Abbuchungs-Chaos”-Fall 2 und 3 sind Rentner, die der GEZ kurz vor Jahresende Änderungen mitgeteilt hatten, die aber kurz nach Neujahr nicht umgesetzt worden waren. Die ARD sagt: “Sie stellen zeitliche Überschneidungen zwischen der Mitteilung des Beitragszahlers und einer bereits regulär ausgelösten Buchung dar.”

Und Fall 4 ist eine Frau, die feststellen musste, dass ihr Rundfunkbeitrag wieder, wie bisher von ihr gewünscht, für ein Jahr abgebucht wurde, was sie aus einem unerklärlichen und unerklärten Grund schockierte:

Redakteurin Vivien D. (31) aus Hamburg: “Ich war total entsetzt, als ich die Abbuchung auf dem Kontoauszug entdeckt habe – 215,76 Euro für ein ganzes Jahr. Die GEZ hätte mich fragen müssen, ob eine Jahresabbuchung für mich auch nach der Gebührenumstellung weiterhin okay ist.”

Wir hätten einen gewissen Verdacht, bei welcher Zeitung die Redakteurin Vivien D. arbeitet und wie ihr Nachname und ihr zweiter Vorname lauten. Aber vielleicht sollte jemand so Dusseliges wirklich lieber im Schutz der Anonymität bleiben.

BILDblog hält Winterschlaf (7)

Das war’s von unserer Seite fürs Jahr 2012.

Wie in den vergangenen Jahren auch schon, halten wir jetzt Winterschlaf.

Wir danken für die Aufmerksamkeit, die Mitarbeit und das Interesse und wünschen allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!

Wir sehen uns im Januar 2013.

Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise des Jahres 2012 an AachenFalko, Adrian B., Afra, Alan Smithee, Alex A., Alex B., Alex, Alexander K., Alina, Andre F., André G., André H., Andreas H., Andreas K., Andreas L., Andreas M., Andreas S., Andreas, Anonym, Anticlimbpaint, Armin J., Arno W., AW, Axel S., Axel Sch., Balu, Barbara, Basti, Bastian B., Bastian, Bene, Benjamin H., Benjamin K., Benzemama, Bernd M., Bernhard H., Bjoern S., Björn T., Björn, Blox, Boludo, C., C.K., Chris H., Chris K., Chrissi, Christian G., Christian G., Christian H., Christian L., Christian S., Christian, Christine R., Christoph H., Christoph V., Christoph, Christopher, Claudia D., Clemens W., Dani, Daniel F., Daniel H., Daniel K., Daniel M., Daniel V., Daniel, Daniele, Danny W., David W., David, Denis F., Dennis K., Dennis M., Dennis M., Dennis, Der Kölner, Der Stein, DerPhi, Dietfried D., Dimitrios P., Dirk B., Dirk R., Dominic I., Dominik M., Dustin, Ernst R., erwinwa, Fabian E., Fabian P., Fabian Sch., Falk G., Falk Z., Felix H., Felix K., Ferdinand D., Florian G., Florian P., Frank M., Frank N., Frank P., Frank, Freddy M., Fritz, Gerald, Gerd P., Guido W., Hans-Christian H., Harry V., Heinz B., Hendrik B., Herr Jemine, Holger, Horst P., Horst-Schantalle, Horst, Icke, Interessierter_Leser, Jan David Sch., Jan J., Jan S., Jan W., Jan Z., Jan, Jascha H., Jendrik T., Jens D., Jens Sch., Jens-Uwe H., Jens, Joachim L., Joachim, Jochen D., Joerg, Joern T., Johannes H., Johannes K., Johannes Sch., Johannes, Jonas M., Jörn H., Jörn R., Josef Sch., Julian H., Jürgen K., Jürgen S., Kai Sch., Kai-Oliver K., Karsten H., Karstinho, Katharina Sch., Katrin H., KiMasterLian, Kinga H., Klaus B., Klaus D., Klaus W., Klaus, Knut W., Kristian G., Krizzz, Lars L., Lars Sch., Lars W., Lars, Laszlo J., Leo, Lisa H., Lisa R., Lisa, Lorenz G., Lothar Z., Lukas F., Lukas, M., M.S., Maik K., Manuel G., Manuel L., Manuel W., Marc E., Marc E., Marc S., Marcel G., Marco G., Marco L., Marco S., Marcus H., Marcus K., Mareike H., Marius W., Markus D., Markus E., Markus R., Markus, Marlen B., Martin B., Martin E., Martin K., Martin S., Martin V., Martin, Mathias S., Mathias, Matt, Matthew L., Matthias B., Matthias D., Matthias K., Matthias M., Matthias, Max, Maxi, Maxl, Melanie N., Micha, Michael N., Michael W., Michael, Mikroblume, Miriam K., Mirko D., Mirko P., Mirko, Moritz K., Moritz N., Moritz S., Moritz T., Moritz, Mutti, N.F., Nico R., Nicole M., Nils V., Norman J., O.S., Ole A., Ole S., Oliver H., Oliver Sch., Oliver W., Olli, Oskar L., Pascal K., Pascal S., Pascal, Patrick K., Patrick S., Patrick Sch., Patrick W., Peacock, pensen34, Peter G., Peter H., Peter, Petra J., Petra O., Philip H., Philipp M., Philipp O., Philipp, Pia B., Rainer S., Rainer T., Ralf P., Richard, Rico K., Rico K., Rita B., Robert F., Robert W., Robert W., Robin, Roland F., Rolf, rowo1860, Rüdiger M., S.K., Sabine E., Sarina S., Sascha G., Sascha K., Sascha K., Sascha M., Sascha, Schalke04-Fan, Schulze, Sebastian B., Sebastian H., Sebastian R., Sebastian S., Sebastian W., Sebastian, Shahnawaz M., Shahzaib M., Simon P., Simon Sch., Simon W., Simon, Soe, Stefan B., Stefan G., Stefan K., Stefan P., Stefan, stefanolix, Steffen S., Steffi, Stephan J., Stephan K., Stephan L., Stephan R., Stephan Sch., Stephan U., Stephanie G., Stitch, Sven K., Sven P., Sven, swg, T.L., Tharcel, Theo M., Thom, Thomas F., Thomas G., Thomas P., Thomas Sch., Thomas T., Thomas U., Thomas W., Thomas W., Thomas, Thorsten H., Thorsten N., Till S., Tilman H., Tim W., Tim, Tobias F., Tobias G., Tobias M., Tobias N., Tobias R., Tobias U., Tobias V., Tobias, Tom T., Torsten, Twipsy, Ulas Y., Ulrike H., Uwe V., vanTOM, Vera H., Volker K., Vuffi R., Winz, Wolfgang — und alle anderen, auch die vielen, deren sachdienliche Hinweise wir nicht berücksichtigen konnten!

DFB hält sich nicht an “Sport Bild”-Wissen

Der Fußballzweitligist Dynamo Dresden ist wegen der Randale seiner Fans im Pokalspiel bei Hannover 96 für die kommende Saison aus dem DFB-Pokal ausgeschlossen worden.

Diese Meldung kommt für alle überraschend, die sich auf die Expertise von “Sport Bild” verlassen hatten:

Exklusiv: Nur Geisterspiele für Dynamo Dresden. Wie SPORT BILD PLUS weiß, ist ein Pokal-Ausschluss für Dynamo Dresden nach den Fan-Randalen in Hannover nicht möglich. Bei der DFB-Verhandlung wird es wohl auf Geisterspiele als Strafe hinauslaufen

Dabei hatten die Reporter gestern doch so glaubwürdige Quellen aufgetan:

SPORT BILD Plus erfuhr aus dem Umfeld des DFB-Sportgerichts: Auch diesmal wird Dresden mit einem blauen Auge davonkommen. Ein Ausschluss aus dem DFB-Pokal ist nicht möglich, weil dieser gegen die DFB-Satzung verstoßen würde. Stattdessen sollen mehrere Geisterspiele gegen Dynamo verhängt werden.

Mit Dank an Rico K.

Familienbild, Subventionen, Rechtesprache

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Dabei brauchen wir Griechen doch Geld”
(zeit.de, Kostas Vaxevanis)
“Von einer geschlossenen Elite” werde Griechenland regiert, schreibt Verleger und Journalist Kostas Vaxevanis: “Von bestimmten Geschäftsleuten, die illegal handeln, von Politikern, die sie begünstigen, und von Journalisten, die, anstatt die Wahrheit zu sagen, sie verschleiern. Von meiner Verhaftung wie auch meiner Strafverhandlung berichteten Medien weltweit – nur die griechischen nicht. Dutzende Kollegen riefen mich an und gaben mir recht, nur hat keiner etwas darüber geschrieben. Wie auch, wenn die Inhaber dieser Medien selbst auf der Lagarde-Liste stehen?”

2. “Lieber Staat, rette uns!”
(taz.de)
Taz-Korrespondenten berichten, wie Zeitungen in Italien, Frankreich, Österreich, Schweden und Polen subventioniert werden.

3. “‘Weiße Ritter der Druckerschwärze'”
(meedia.de, Joachim Zepelin)
Joachim Zepelin antwortet auf Texte im “Stern” und in “Cicero” zur Krise der Zeitungen: “Glaubt wirklich jemand, dass ein Leser die Zeitung abbestellt, weil die Zeitungsmacher klagen, dass ihr Geschäft nicht mehr so geschmiert läuft wie früher?”

4. “Familienbild statt Pressevielfalt”
(tageswoche.ch)
Drei Schweizer Sonntagszeitungen verwendeten gestern das gleiche Titelfoto.

5. “Was eine maschinenlesbare Rechtesprache können sollte”
(presseschauder.de, Christoph Keese)
Der Konzerngeschäftsführer “Public Affairs” des Axel-Springer-Verlags, Christoph Keese, skizziert seine Vision einer “tauglichen Rechtesprache” und präsentiert eine Liste, die zeigt, “welche Daten mindestens ausgeliefert und von allen Marktseiten akzeptiert werden müssten, damit ein fairer Markt für Inhalte im offenen Netz entstehen kann”. Siehe dazu auch “Kurz erklärt: robots.txt” (philippe-wampfler.com).

6. “Markenbindung, Sascha Lobo, Schneewittchen und ein sehr altes Pferd”
(herzdamengeschichten.de, Maximilian Buddenbohm)

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“Tagesschau” hält sich nicht an “Bild”-Termin

“Spinnen die jetzt komplett?”, fragt “Bild” auf der Titelseite und es kann bei dieser Formulierung eigentlich kein Zweifel daran bestehen, dass “die” auch vorher schon nicht mehr alle Tassen im Schrank gehabt hätten.

“Die”, das sind diesmal nicht die Griechen und auch nicht die Hartz-IV-Empfänger, sondern die dritten Lieblingsfeinde der “Bild”-Redaktion: die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, im konkreten Fall die ARD und deren “Tagesschau”.

[…] Insider ätzen: Bei der “Tagesschau” geht es zu wie auf dem Berliner Flughafen – große Pläne, aber nichts klappt. Ein neues Nachrichten-Studio verschlingt viele Millonen. Und wird immer teurer, weil (fast) nichts fertig wird.

“Tagesschau”-Chefredakteur Kai Gniffke ließ gestern erklären: “Die Arbeiten für das Studio liegen voll im Budgetplan.” Aber konkrete Zahlen nannte er nicht.

BILD schon! Über 20 Millionen Euro Gebührengeld wurden für das neue Studio bereits vorab veranschlagt. Fürs Feinste vom Feinen: neues Design, Touchscreens, eine 20 Meter lange HD-Monitorwand, neue digitale Technik.

Das Wort “Gebührengeld” steht da nicht zufällig: “Bild” kämpft schon lange gegen die aus der Sicht der Zeitung viel zu hohen Rundfunkgebühren. Warum die allerdings nicht für ein Studio mit modernster Technik ausgegeben werden sollten, lassen die drei Autoren offen.

“Bild” hat aber noch mehr herausgefunden:

Die “Tagesschau” sollte in ihrem Mega-Studio am 26. Dezember pünktlich zum eigentlichen Geburtstag auf Sendung gehen. “Tagesschau”-Chefredakteuer Kai Gniffke hatte schon am 2. Januar 2012 in seinem Blog geschrieben: “Ende des Jahres nehmen wir unser umgebautes Studio in Betrieb.”

Jetzt plötzlich spricht Gniffke nicht mehr von “Betrieb”, sondern von “Probebetrieb”. WARUM?

Ganz einfach: weil vieles noch nicht funktioniert.

Tatsache: Das hatte Gniffke geschrieben. Nicht geschrieben hatte er allerdings, dass das Studio dann auch schon auf Sendung gehe.

Dass neue Technik nicht immer so funktioniert, wie man sich das wünscht, müssten sie bei “Bild” eigentlich am Besten wissen. Das neue Layout von Bild.de im Moment sorgt noch für einige interessante Effekte:

Andererseits könnte ein nicht funktionierendes Studio natürlich für eine dieser lustigen “Pannen” sorgen, über die “Bild” und Bild.de bei Fernsehsendern so gerne berichten.

In jedem Fall sah sich der NDR, bei der ARD verantwortlich für die “Tagesschau”, gezwungen, mit einer Pressemitteilung auf die “Bild”-Berichterstattung zu reagieren.

Darin erklärt NDR-Sprecher Martin Gartzke unter anderem:

Das neue Studio wird erst in Betrieb gehen, wenn alle Arbeitsabläufe zu hundert Prozent sitzen. Der Starttermin 26. Dezember wurde ausschließlich von der BILD-Zeitung behauptet, wir selbst haben aus guten Gründen bislang keinen solchen Termin gesetzt.

Tatsächlich tauchte das Datum 26. Dezember erstmals auf, als “Bild” (ebenfalls ziemlich ahnungslos) über die “neue” Erkennungsmelodie der “Tagesschau” berichtet hatte.

“Tagesschau”-Chefredakteur Kai Gniffke sagte dann auch auf unsere Frage, dass niemand, der etwas von den Abläufen eines TV-Betriebs verstünde, ein neues Studio am 26. Dezember eröffnen würde: In einer solch schwierigen Phase müsse man quasi mit doppelter Besetzung arbeiten, was “völliger Unfug” wäre, wenn am 2. Weihnachtsfeiertag alle Mitarbeiter bei ihren Familien sein wollten.

Auch der Behauptung von “Bild”, Technikern seien von anderen ARD-Anstalten “eingeflogen” worden, um Fehler zu finden, widersprach Gniffke: Da man im Probebetrieb mit doppelter Besetzung arbeiten müsse (eine Crew fährt das Live-Programm, die zweite die Test-Sendungen), habe man das Team vor Ort mit erfahrenen Journalisten aus den Landesstudios verstärkt.

Das Geraune “mehrerer Insider”, die “Bild” mit den Worten zitiert, das Studio könne am Ende “bis zu 40 Millionen” kosten, kommentierte Gniffke mit den Worten, das geplante Budget von unter 25 Millionen Euro werde “sehr sicher” eingehalten.

Bleibt noch die Fußnote, in der “Bild” behauptete, Anne Will gelte als “Top-Kandidatin” bei der “Tagesschau”, weil die Nachrichtensendung “in Zukunft mehr ‘moderierende Elemente’ enthalten” und die nach Will benannte Talkshow eingestellt werden solle.

Die bezeichnet NDR-Sprecher Martin Gartzke als “völlig befremdlich”. Und fährt fort:

Es gibt keine Entscheidung über die Zukunft der Talkshows. Es gibt auch – anders als von BILD behauptet – keinen Auftrag an eine Intendantin oder einen Intendanten, für Anne Will eine andere Beschäftigung zu suchen; sie moderiert ihre Sendung außerordentlich erfolgreich. Geradezu unsinnig wäre es im Übrigen, angesichts des großen Erfolgs der Tagesschau das bewährte Sprecherprinzip aufzugeben. In diesem Fall zitiert BILD mich vollkommen korrekt mit: ‘Alles Quatsch!‘”

Bild.de, Skateboard, Asylunterkunft

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an [email protected].

1. “Unerträglich dämlich”
(taz.de, Anna Klöpper)
Anna Klöpper rezensiert die “Sachsen-WG” auf Bild.de: “Die ‘Sachsen-WG’ zeigt, dass man Scripted Reality offenbar auch prima auf Print/Online übertragen kann. Zwar will man bei Springer weder von Inszenierung etwas hören noch davon, man benutze das Vorbild des Scripted-Reality-TV für das geschriebene Wort.”

2. “Analyse: der typische Bild.de-Nutzer”
(meedia.de, Jens Schröder)
Auf den typischen “Spiegel-Online”-Nutzer folgt der typische Bild.de-Nutzer: “Er ist männlich, zwischen 14 und 29 Jahre alt, hat mindestens einen Realschulabschluss und ist berufstätig. Im Vergleich zu Spiegel Online ist er etwas weiblicher, jünger, etwas schlechter gebildet und verdient weniger Geld. Inhaltlich interessiert sich der Bild.de-Leser vor allem für Boulevard-Themen, gern mit TV-Hintergrund, sowie für Sport und das Thema Geld.”

3. “Presse-Leistungsschutzrecht: Ein Schaden für die Gesellschaft”
(telemedicus.info, Adrian Schneider)
Die Presseverleger und das Leistungsschutzrecht für Presseverleger: “Es ist vollkommen legitim, dass Verlage eine Forderung an die Bundesregierung herantragen. Die Art und Weise, wie aber gleichzeitig mit als journalistische Mittel getarnter Lobbyarbeit Druck aufgebaut wurde, ist ein Missbrauch publizistischer Macht.” Siehe dazu auch “Leistungsschutzrechtsgesetz ist Eingriff in Freiheit des Internets!” (junge-union.de), “Leistungsschutzrecht stoppen!” (vimeo.de, Video, 2:07 Minuten) und “Schluss mit Schweigen – Google-Kampagne bringt Presse zum Reden” (bluereport.net, Samantha Engelmann).

4. “Schluss mit dem Schmarotzertum: t3n fordert Berichterstattungsgebühr”
(t3n.de, Johannes Haupt)
Das Magazin “t3n” fordert “eine Berichterstattungsgebühr (BEG) für Presseverleger”: “Wir meinen: Unternehmerische und persönliche Leistungen, die Medien mittels Berichterstattung ausschlachten, kosten Zeit und Geld. Darum können wir es sehr gut verstehen, dass Berichterstattungsobjekte an den Erlösen der Verleger beteiligt werden wollen.”

5. “‘Männer, die Skateboard fahren’ – Stellungnahme der Redaktion”
(brigitte.de)
Der kurze Artikel “Erwachsene Männer, die Skateboard fahren: Steig ab, Mann!” löst eine Flut von Kommentaren und mehrere Stellungnahmen der Redaktion aus.

6. “Ein Journalist. Ein Monat. Eine Asylunterkunft.”
(asylblog.ch, Mario Fuchs)

Bild.de sagt weniger als 1000 Worte

Es ist ja nie so, wie es scheint. Bild.de schreibt zum Beispiel:

Eigentlich ist Pop-Sternchen Miley Cyrus (19) für ihre Fan-Nähe bekannt. Doch ein neues Foto beweist das Gegenteil.

Das Foto, so Bild.de, zeige die Schauspielerin und Sängerin am Mittwochabend mit dicken Strickpulli und mit blonder Kurzhaar-Frisur an einem New Yorker Flughafen.

Das allein wäre aber wohl selbst für Bild.de noch zu unspektakulär und würde auch vergleichsweise wenig “beweisen”.

Geht aber noch weiter, bzw. los:

Als ein weiblicher Fan ihr folgt, straft Miss Cyrus das junge Mädchen mit angewiderten Diven-Blick ab. Ihr abwertender Gesichtsausdruck sagt mehr als Tausend Worte! Dazu hebt sie noch die Hand, als wolle sie sagen: “Wage es nicht, mich anzusprechen!”.

Der Teenager, der bestimmt nur ein Autogramm oder ein schnelles Foto wollte, ist sichtlich verstört: Das Mädchen weint, hält sich schützend die Hände vors Gesicht, als könne sie Mileys Reaktion nicht fassen.

Wenn Sie die Szenerie jetzt noch nicht vor Augen haben, zeigt Bild.de sie natürlich auch noch mal gerne — sie sagt ja auch “mehr als tausend Worte”:

Hier zeigt Miss Cyrus ihrem Fan die kalte Schulter. Wenn Blicke mehr sagen, als tausend Worte: Miley Cyrus will offensichtlich nicht mit diesem Fan reden

Und jetzt schauen wir uns dieses “Beweis”-Foto mal im Kontext und aus einer anderen Perspektive an (die entscheidende Stelle kommt nach etwa 27 Sekunden):

Das Mädchen weint also schon vorher vor lauter Aufregung, “Mileys Reaktion” bezieht sich darauf.

Klar: Als Fan wünscht man sich eine andere Begegnung mit seinem Idol. Aber was Bild.de angeht: Manchmal würden ein paar Dutzend Worte halt doch mehr sagen als ein Blick.

Mit Dank an Nicole M.

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