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Wie Robin Alexander Fakten verdreht, um sich empören zu können

Kaum ein Politikjournalist ist gerade in den Medien so präsent wie der stellvertretende Chefredakteur Politik der “Welt” Robin Alexander. Vor allem in Talkshows gibt er den Politik-Erklärer. Bei “Übermedien” hat Arno Frank den “Politischen Journalisten des Jahres” 2017 nach dessen Selbstverständnis und dessen Haltung befragt. Gleich mehrmals behauptet Alexander, dass seine persönliche Haltung keine Rolle spiele. Hier etwa:

Persönlich hältst du also Äquidistanz? Keine politischen Vorlieben?

Ich entscheide danach, welche Geschichte stimmt.

Oder ein paar Fragen später:

Also gar keine Versuchung, sozusagen selbst in dieses Rad zu greifen oder den Dingen eine andere Richtung zu geben?

Ich wüsste gar nicht, welche.

Nochmal:

Sagen, was ist?

So ist es.

Es muss aber doch auch eine Haltung geben, die hat doch jeder!

Der Journalismus liefert Informationen für die offene Gesellschaft. Haltungen gibt es auch anderswo.

An anderer Stelle im Interview beschreibt Alexander, wie er sich frei macht vom “Spin” im politischen Journalismus, also von den Versuchen der politischen Akteure, ein Thema in eine bestimmte Richtung zu drehen:

Du bekommst also eine SMS, wo der Fakt einen Spin hat. Dann fragst du ein paar andere Teilnehmer: “Wie haben Sie es gehört?” Zwei sagen so, drei sagen so. Und dann schreibst du: Die einen haben dies gehört, die anderen jenes.

Ich behaupte, dass Robin Alexander in diesem Interview unwidersprochen ziemlich viel Unsinn erzählt. Zumindest in bestimmten Politikgebieten offenbart er nicht nur eine eindeutige Haltung; er betreibt auch selbst ziemlich abgebrühtes Spinning. Er manipuliert, dreht sich Zitate, Zeitabläufe und Fakten so zurecht, dass diese seine Haltung unterstützen. Ich kann nicht beurteilen, wie symptomatisch das ist, ob er das generell so macht, also ob er bei seiner Arbeit notorisch manipuliert. Aber zumindest bei einem Thema kann ich das sehr gut beurteilen, weil ich Teil einer seiner Geschichten um dieses Thema bin. Und da es nicht irgendein Thema ist, sondern eines, das offensichtlich symptomatisch für seine Sicht auf den Hauptstadtjournalismus ist, möchte ich seinen Spin hier etwas geraderücken.

Alexander nutzt im Interview die Schilderung der medialen Berichterstattung um den Karnevalswitz von Annegret Kramp-Karrenbauer Anfang März dieses Jahres dazu, um eine grundsätzliche Aussage über das Funktionieren medialer Berichterstattung zu treffen:

Es sind darüber Artikel erschienen, die ihren Auftritt super fanden. Und zweieinhalb Tage später steht im Nollendorfblog ein Text von einem Autor, den ich gar nicht kenne, gegen den ich auch nichts habe, aber der erkennbar sauer auf Kramp-Karrenbauer ist.

Wegen des Witzes?

Eher, weil sie mal gegen die Ehe für alle war. Als fast alle in der CDU noch dagegen waren, by the way. Und dieser Autor schreibt sinngemäß, die Aussage von AKK sei das Schlimmste, was in Deutschland seit 1945 gesagt wurde. Was ich für eine sehr gewagte These halte. Ich habe nichts dagegen, dass das in irgendeinem Blog steht! Ich habe auch nichts dagegen, dass es in der “taz” steht. Was ich aber problematisch finde: Angesicht dieser Empörung vom Rand fallen in der Mitte nun alle, alle um und beginnen mit zweitägiger Verspätung, sich ebenfalls zu empören! Es ändert also der gesamte Betrieb wegen eines einzigen Empörten seine Meinung. Und das kann nicht sein.

Es mag kleinlich wirken, hier all die Dinge aufzuzählen, die an dieser Schilderung nicht stimmen. Aber die Sache, über die wir hier reden, ist keine Kleinigkeit. Einer der “wichtigsten Politik-Erklärer” (“Übermedien” über Robin Alexander bei Facebook) erklärt hier die Hintergründe einer Mediengeschichte, die laut seiner eigenen Einschätzung dazu geführt hat, dass eine der wichtigsten Politikerinnen und Politiker Deutschlands in der öffentlichen Wahrnehmung plötzlich völlig anders beurteilt wird. Und er erklärt sie eben falsch.

All das, was Theaterautor, Blogger und Marketingexperte Johannes Kram schon so gemacht hat, würde nicht in diese Box passen. Deswegen hier unvollständig und im Schnelldurchlauf: Nicht nur, aber auch wegen seiner Medien-Kampagne ist Guildo Horn zum “Eurovision Song Contest” gekommen. In seinem neuen Buch “Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber” prangert er die “schrecklich nette Homophobie” auch in den Medien an. Für seinen “Nollendorfblog” bekam er eine Nominierung für den “Grimme Online Award”, er selbst erhielt 2018 den Tolerantia Award. Und mit “Seite Eins — Theaterstück für einen Mann und ein Smartphone” hat er Boulevard-Kritik auf die Bühne gebracht. Dafür ein herzliches Dankeschön vom BILDblog.

Also:

Es stimmt nicht, dass der von Alexander erwähnte Blogbeitrag mit dem von ihm erwähnten “1945”-Zitat die “Empörung” verursachte, sondern ein Facebook-Post von mir. Als der Blogbeitrag einen Tag nach diesem Facebook-Post erschien, war der Witz schon längst Thema in den aktuellen Medien. In vielen Berichten und Agenturmeldungen ist auch zu lesen, dass es eben nicht mein Blog war, sondern mein Facebook-Beitrag, der die Berichterstattung ins Rollen brachte. In diesem Posting spielt das von Alexander angeführte Zitat, das angeblich die Empörung verursachte, überhaupt keine Rolle — es kommt darin nicht vor.

Es stimmt nicht, was Alexander über das Zitat im Blog behauptet. Seine Aussage “dieser Autor schreibt sinngemäß, die Aussage von AKK sei das Schlimmste, was in Deutschland seit 1945 gesagt wurde” ist zumindest grob irreführend, auf jeden Fall aber manipulativ. Wie “Übermedien” nachträglich kenntlich machte, habe ich tatsächlich geschrieben: “Hat es das nach 1945 schon einmal gegeben, dass ein aussichtsreicher Bewerber, eine aussichtsreiche Bewerberin um das Kanzleramt so hemmungslos diese niederen Instinkte bedient?”

In meinem (wie gesagt: nach der “Empörung” geschriebenen) Blogbeitrag ging es also nicht um ganz Deutschland, sondern um potenzielle Kanzlerkandidatinnen und Kandidaten. Und es ging nicht um “das Schlimmste, was (…) gesagt wurde”, sondern um das Bedienen niederer Instinkte. Ich vertrete in dem Beitrag die These, dass selbst einem Franz Josef Strauß so etwas — also eine solche Äußerung wie die von Kramp-Karrenbauer — nicht passiert wäre, “dass dieser ein Niveau hatte, um eine Grenze wusste, die man nicht übertritt: Sich genau auf Kosten einer der Minderheiten zu profilieren, die aufgrund der Mißstände in dieser Gesellschaft besonders verletzlich ist. Und diese dann auch noch genau da zu bespotten, wo sie am verletzlichsten ist.”

Nun kann man diese These natürlich für Blödsinn halten, sie ablehnen und kritisieren. Aber mir einfach eine andere These zu unterstellen, zu behaupten, da stünde sinngemäß, “die Aussage von AKK sei das Schlimmste, was in Deutschland seit 1945 gesagt wurde”, ist so ziemlich das Gegenteil von “sagen, was ist”, also dem Leitsatz, dem sich Alexander nach eigener Aussage verpflichtet fühlt.

In einem Beitrag für die “Welt” hatte er sich vorher schon einmal an meinem Zitat abgearbeitet und damals sogar versucht, mir dieses aufgrund der Formulierung “seit 1945” als “Nazi-Vergleich” in Bezug auf Kramp-Karrenbauer unterzujubeln. Dass er zumindest diesen Punkt im Interview mit “Übermedien” nicht wiederholt, mag damit zu tun haben, dass ich ihn darauf hingewiesen hatte, wie er selbst die “seit 1945”-Formulierung benutzt. Etwa in einem Artikel für die “Welt” über den damaligen Unions-Fraktionschef Volker Kauder und das Thema Werbeverbot für Abtreibungen:

Kauder tat nicht, was jeder Vorsitzende jeder Fraktion seit 1945 in so einer Situation getan hätte: Auf den Koalitionsvertrag verweisen

(Hervorhebung durch den Autor.)

Es stimmt nicht, was Robin Alexander über meine Kritik an Kramp-Karrenbauers Position zur Ehe für alle behauptet. Seine Aussage im “Übermedien”-Interview, mit der er meine Motivation, mich über den Karnevalswitz aufzuregen, zu erklären versucht, ist ebenfalls eine ziemlich dreiste Verdrehung: Ich sei ein Autor, der “erkennbar sauer” auf die CDU-Parteivorsitzende sei, “eher, weil sie mal gegen die Ehe für alle war.” Ich habe sehr erkennbar Annegret Kramp-Karrenbauer nie dafür kritisiert, dass sie gegen die Eheöffnung war, sondern immer dafür, wie sie diese Haltung begründet hat. Und ich habe deutlich gemacht, dass die Position selbst in der CDU eine extreme gewesen ist.

Es stimmt deshalb auch nicht, wenn Robin Alexander behauptet, dass “sie mal gegen die Ehe für alle war. Als fast alle in der CDU noch dagegen waren, by the way“, auch weil Kramp-Karrenbauer ihre grundsätzliche Position zur Ehe für alle nie revidiert hat. Sogar im September noch, auf mehrmalige Nachfrage, ob sie “ihren Frieden” mit der Eheöffnung gemacht habe, wollte sie dieses nicht bejahen und gab lediglich zu Protokoll, die gesetzlichen Bestimmungen hierzu durchsetzen zu wollen.

Es stimmt nicht, wenn Robin Alexander sagt: “Es ändert also der gesamte Betrieb wegen eines einzigen Empörten seine Meinung.” Bevor der “gesamte Betrieb”, also die nicht-queeren Medien über das Thema berichteten, taten das die wichtigsten queeren Medien, als erstes das Online-Portal queer.de, dessen Reichweite in der LGBTI-Community enorm ist und das im Nachrichtensektor als das unbestrittene Leitmedium gilt. Noch am selben Tag meines Facebook-Posts, also bevor “der gesamte Betrieb” losging, hatten sich bereits der queerpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion Sven Lehmann und Berlins Kultursenator Klaus Lederer kritisch zu Kramp-Karrenbauers Witz geäußert. Es stimmt, dass der Witz vor meinem Facebook-Post untergegangen war. Aber als ich ihn in dem Sozialen Netzwerk dann öffentlich machte, war die Reaktion fast der gesamten Community die gleiche: Dass es sich um eine krasse Grenzüberschreitung auf Kosten von Minderheiten handele und dass man diese einer potenziellen Kanzlerkandidatin nicht durchgehen lassen dürfe.

Problematisch finde ich nicht nur, dass und wie Robin Alexander in dieser Sache die Fakten verdreht. Problematischer noch finde ich, dass hinter all dem eben doch eine Haltung, eine politische Agenda steckt, die er hier versucht, als neutrale Faktenberichterstattung zu camouflieren. Er desinformiert nicht nur, er propagiert eine politische Position und erklärt diejenigen, die diese Position nicht vertreten, zum “Rand”. Denn natürlich kann man der Meinung sein, ein solcher Witz einer möglichen Kanzlerkandidatin sei nicht so schlimm und verdiene nicht diese Aufmerksamkeit. Aber das ist eben eine Haltung. Und so zu tun, als stamme die Aufregung darüber nur von einem Einzelnen, ist nicht nur falsch, sondern Propaganda.

Alexanders Gesamterzählung ist eine Art Täter-Opfer-Umkehr. Er verbindet sie mit der Kritik an Kramp-Karrenbauers Position zur Ehe für alle und erweckt so den Anschein, dass die CDU-Politikerin ohne triftige Gründe angegangen wurde. Deshalb zur Erinnerung: Kramp-Karrenbauer argumentierte nicht wie “fast alle in der CDU”. Sie hat bis heute ihrer Aussage, hinsichtlich der Ehe für alle müsse man im Blick behalten, “dass das Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts dadurch nicht schleichend erodiert”, nicht widersprochen. Sie suggeriert also, dass die gleichen Rechte für eine Minderheit eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Auch das muss man nicht problematisch finden. Aber es ist eben eine Haltung, es nicht problematisch zu finden. Und die, die es problematisch finden, zum gesellschaftlichen “Rand” zu erklären, ist es ebenfalls.

Falsch ist auch Alexanders Behauptung: “Angesicht dieser Empörung vom Rand fallen in der Mitte nun alle, alle um und beginnen mit zweitägiger Verspätung, sich ebenfalls zu empören!” Denn natürlich war es nicht so, dass “alle” “umgefallen” sind. Ja, es gab eine breite Berichterstattung, aber die Kommentierung war höchst unterschiedlich. Hinter der Formulierung, alle seien umgefallen, steckt die Unterstellung, Medien seien hier vor homosexueller Meinungsmacht eingeknickt. Dabei hat sich ein beachtlicher Teil der veröffentlichten Meinung eben nicht über Kramp-Karrenbauer empört, sondern über die ihrer Meinung nach ungerechtfertigte Empörung.

Alexander spinnt sich hier eine Geschichte zurecht, die zwar vorgeblich nur einen Homosexuellen, tatsächlich aber einen Großteil der queeren Community an den “Rand” stellt. Dabei lässt er so ziemlich alle journalistischen Grundsätze sausen, die er an gleicher Stelle für sich proklamiert. Er prangert eine angeblich maßlose Empörung an, aber in Wahrheit ist er es, der maßlos an den Fakten herumbastelt, so, dass man sich möglichst gut über sie empören kann. Wenn Robin Alexander wirklich einer der wichtigsten deutschen Politik-Erklärer ist, dann sollte man sich um die Politik-Erklärerei in Deutschland wirklich Sorgen machen.

Schwacher Staat, “Emmas” Dreisatz, Verdeckt in der Troll-Farm

1. Der Staat bleibt schwach
(zeit.de, Veronika Völlinger)
Mit einem Neun-Punkte-Plan will die Bundesregierung die Hasskriminalität im Netz bekämpfen. Ein Maßnahmenpaket, das vielfach als unzureichend kritisiert wurde (Klingt stark, ist schwach, zeit.de, Frida Thurm). Hinzu kommt das Problem der Umsetzung, denn ein Gesetz ist nur dann stark, wenn es auch umgesetzt werden kann. Und daran bestehen erhebliche Zweifel: Den Strafverfolgungsbehörden fehle das notwendige Personal. “Viele Staatsanwaltschaften arbeiten schon heute am Limit, bundesweit fehlen mehrere Hundert Ermittler”, so der Chef des Richterbunds DRB. Außerdem sei nicht klar, inwieweit die Sozialen Netzwerke die Behörden bei der Identifizierung von Verfassern von Hasspostings unterstützen.

2. “EMMA”s Islamfeindlichkeit ist genauso ekelhaft wie Kollegahs Sexismus
(vice.com, Paul Schwenn)
Das feministische Magazin “Emma” hat sich bei der ersten Verleihung ihres Schmähtitels “Sexist Man Alive” für den deutschen Rapper Kollegah entschieden. Doch anstatt sich auf Kollegahs Inhalte zu konzentrieren, habe “Emma” in der Laudatio pauschal alle Muslime beleidigt, kritisiert Paul Schwenn: “In Kollegahs Texten Sexismus zu identifizieren, ist einfacher, als einen Elfmeter ohne Torwart zu schießen. Es ist, wie einem Torwart dabei zuzusehen, wie er sich 90 Minuten die Bälle ins eigene Netz wirft und dazu breit grinst. Die Redaktion der EMMA hat es trotzdem vermasselt.” Vielmehr gehe es laut Schwenn um “den bewährten EMMA-Dreisatz: Frauenfeind, Antisemit, Muslim. Damit ködert das Magazin nicht zum ersten Mal Menschen, die bei Gewalt gegen Frauen immer an die Domplatte denken, aber niemals an das Schützenfest.”

3. Happy Birthday, alte Schachtel
(taz.de, Jan Feddersen & Ambros Waibel & Ulrike Herrmann)
Die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Anlass für die “taz”, gleich drei “kritisch-würdigende Grüße” an die Kollegen in Frankfurt zu senden. Darin mischen sich Lob und Tadel. Die “FAZ” sei das Organ, das am besten erklärt, wie die andere Seite denkt, so “taz”-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann: “Nirgendwo lässt sich besser nachlesen, wie Neoliberale die Welt sehen.”

4. Was passierte, als ich mich beim ZDF übers Programm beschwerte
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Schaut man sich den viereinhalbminütigen Zusammenschnitt der ZDF-Produktion “In Wahrheit” an, den Boris Rosenkranz produziert hat, mag man nicht an einen Krimi denken, sondern an einen Werbefilm mit Krimi-Anteilen. Konkret geht es um den Automobilhersteller BMW, der die Serie mittels “Produktionshilfe” unterstützt hat. Im Gegenzug wird das Fahrzeug in zahlreichen Szenen recht aufdringlich und offensichtlich wie in einem Werbeclip präsentiert. Rosenkranz hat sich beim ZDF beschwert und eine Antwort erhalten, die zwischen Uneinsichtigkeit, Trotz und Patzigkeit changiert.

5. Verdeckt in der Troll-Farm
(buzzfeed.com, Katarzyna Pruszkiewicz & Wojciech Cieśla)
Die polnische Reporterin Katarzyna Pruszkiewicz recherchierte im Auftrag des Recherche-Kollektivs “Investigative Europe” und des Recherche-Büros “Fundacja Reporterów” sechs Monate verdeckt in einer sogenannten Troll-Farm in Warschau. Sie verfasste dort Loblieder auf Polens Staatssender, hetzte gegen LGBTs und warb für einen linken Politiker. Eine schier unglaubliche Geschichte, die nun auch in deutscher Sprache vorliegt.

6. Empörung über “Back to black”-Ausgabe von “Elle”
(sueddeutsche.de, Theresa Hein)
Die deutschsprachige Ausgabe der “Elle” hat es zu internationaler Aufmerksamkeit geschafft — die ist jedoch reichlich negativ. Der Titel und ein Beitrag (“Back to Black”) seien missverständlich, so die Kritik. Das berühmte Supermodel Naomi Campbell schrieb auf Instagram: “I’ve said countless of times we are not a TREND. We are here to STAY. It’s ok to celebrate models of color but please do it in an ELEGANT and RESPECTFUL way.” Die Magazinmacherin Sabine Nedelchev sah sich daraufhin gezwungen, eine Art Entschuldigung zu veröffentlichen: “Es war falsch, die Coverzeile ‘Back to Black’ zu verwenden, die so missverstanden werden könnte, als seien schwarze Individuen eine Art Fashion-Trend. Das war nicht unsere Absicht und wir bedauern es, nicht sensibler mit den möglichen Interpretationsweisen umgegangen zu sein.”

7. #56 Meghan & Harry – Wie mächtig sind die Boulevard-Medien?
(deutschlandfunkkultur.de, Christine Watty & Johannes Nichelmann, Audio: 48:32 Minuten)
Ausnahmsweise heute ein siebter Medienlink: In der aktuellen Folge des “Deutschlandfunk Kultur”-Podcasts “Lakonisch Elegant” geht es um die Macht der (britischen) Boulevardmedien. Mit dabei der Berliner Medienanwalt Christian Schertz sowie BILDblog-Chef und Boulevard-Experte Moritz Tschermak.

Goldene Kartoffel, “Zeit”-Autopsie, Kimmels Obama-Trump-Mashup

1. “Goldene Kartoffel” für Talkshows
(taz.de, Erica Zingher)
Das Netzwerk “Neue deutsche Medienmacher*innen” (NdM) verleiht zum zweiten Mal den Negativpreis, die “Goldene Kartoffel”. In den Genuss der güldenen Erdknolle kommen die vier großen Polit-Talks der Öffentlich-Rechtlichen: “Hart aber fair” (Frank Plasberg, ARD), “Maischberger” (ARD), “Anne Will” (ARD) und “Maybrit Illner” (ZDF). In der Begründung heißt es: “Den politischen Talkshows gelingt es nicht, tiefergehend zu informieren, vielfältige Perspektiven einzubinden und Ressentiments abzubauen. Stattdessen wird hier Rassismus behandelt wie jeder andere Standpunkt auch.”

2. Autopsie: Die harsche Kritik an Relotius-Enthüller Juan Moreno
(spiegelkritik.de, Timo Rieg)
Die “Zeit” hat unlängst einen viel diskutierten Artikel veröffentlicht, der sich kritisch mit Juan Morenos Buch über den Fälscher-Skandal beim “Spiegel” beschäftigt. Anlass war ein Schreiben des Anwalts des Fälschers Claas Relotius, in dem dieser seinem ehemaligen Kollegen seinerseits Unwahrheiten und Falschdarstellungen vorwirft (die teilweise von geradezu drolliger Petitessenhaftigkeit sind). Timo Rieg hat sich angeschaut, wie die “Zeit” darüber berichtet hat, und den Text einer kritischen Analyse unterzogen.

3. Vollrausch, Tötung, Geldstrafe
(spiegel.de, Thomas Fischer)
Als ein 18-jähriger Fahranfänger im Alkoholrausch bei einem Verkehrsunfall eine Frau tötete und dafür vom Gericht mit einer Geldstrafe belegt wurde, regte sich der mediale Volkszorn. Vor allem “Bild” ließ der Empörung über das vermeintliche Fehlurteil freien Lauf. Der Jurist Thomas Fischer geht dem Fall nach, soweit dies aus der Ferne möglich ist. Dies braucht etwas und verlangt einem an der einen oder anderen Stelle etwas (juristisches) Mitdenken ab, lohnt jedoch. Oder um es mit den Worten Fischers zu sagen: “Man muss sich mit den Dingen ernsthaft befassen und die Zusammenhänge der Regeln zu verstehen versuchen, nach denen man im Ernstfall selbst behandelt werden möchte.”

4. Unter Facebooks Mitarbeitern kommt es zum Aufstand
(nzz.ch, Marie-Astrid Langer)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eine interessante Begründung, warum man Politikerinnen und Politikern gestatte, Lügen auf dem Netzwerk zu verbreiten (in Form von bezahlten Anzeigen wohlgemerkt): “Wenn Politiker lügen, soll das die Öffentlichkeit sehen”, so seine Aussage während einer Befragung durch das Repräsentantenhaus. Anders als bei anderen Anzeigen, unterziehe man diese Schaltungen keinem Faktencheck. Dagegen regt sich nun auch firmeninterner Widerspruch: Mehr als 250 Facebook-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sollen sich mit einem Protestbrief an ihren Chef gewandt haben.

5. Die ZEIT entfernt Facebook “Pixel”
(onlinejournalismus.de, Matthias Eberl)
“Zeit Online” hat das umstrittene Tracking-Tool “Facebook Pixel” von seiner Website geschmissen. Dem vorausgegangen ist die lange vergeblich geäußerte Kritik von Datenschützern und eine Datenschutzbeschwerde eines “Zeit”-Lesers. Eine Sprecherin der “Zeit”-Verlagsgruppe habe erklärt, dass man ausschließlich wegen eines EuGH-Urteils gehandelt habe. Von einem datenschutzfreundlichen Webangebot der “Zeit” könne man leider immer noch nicht sprechen, wie Matthias Eberl erklärt.

6. We mashed up @BarackObama’s Bin Laden speech with @RealDonaldTrump’s al-Baghdadi speech
(twitter.com/jimmykimmel, Video: 1:24 Minuten)
Nachdem die USA Osama bin Laden getötet hatten, wandte sich Präsident Barack Obama in einem Video-Statement an die Öffentlichkeit. Und auch der jetzige Präsident Donald Trump verkündete den Tod von Abu Bakr al-Baghdadi vor laufenden Kameras. Der US-amerikanische Comedian und Moderator einer Late-Night-Show Jimmy Kimmel hat beide Auftritte in einem Mashup gegeneinander geschnitten. Die Wirkung könnte größer nicht sein.

Bringt Julian Reichelt die Familien der “Tatort”-Kommissare in Gefahr?

Wen hat “Bild”-Chef Julian Reichelt — nach seiner eigenen Logik — nicht schon alles in Gefahr gebracht: die Familien von Fußball-Managern, von Helene Fischer, von Handballnationalspielern und so weiter. Jetzt sind die Angehörigen der “Tatort”-Stars dran:

Screenshot Bild.de - Prahl, Liefers und Co - Was verdienen die Tatort-Stars?

Zur Erinnerung: Reichelt möchte nicht, dass sein eigenes Gehalt geschätzt wird, denn das könnte seine Familie in Gefahr bringen, so seine Argumentation, als der Branchendienst “kress” mal zu den Gehältern von Chefredakteuren recherchierte. Und wer möchte schon, dass die eigene Familie in Gefahr ist?

Das heißt natürlich nicht, dass man bei anderen Menschen und deren Familien genauso rücksichtsvoll sein und denselben Maßstab anlegen muss. Und so schreiben Reichelts Bild.de und Reichelts “Bild am Sonntag” über die “Interna”, die “Sendermitarbeiter” der Öffentlich-Rechtlichen “regelmäßig” “ausplaudern” — oder genauer: Sie nennen die Summen, die die Schauspielerinnen und Schauspieler Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Til Schweiger, Maria Furtwängler, Axel Milberg und Ulrike Folkerts pro “Tatort”-Folge angeblich bekommen sollen.

Die genauen Zahlen erfährt man nur, wenn man ein “Bild plus”-Abo hat. Denn ein bisschen was will Julian Reichelt ja auch verdienen, wenn er und sein Team dem eigenen Verständnis nach andere Leute in Gefahr bringt.

Wen Julian Reichelt nach Julian-Reichelt-Logik sonst noch in Gefahr gebracht haben könnte:

Noch ist es unklar, aber Fotos kann man ja schon mal zeigen

Sie schreiben es bei Bild.de ja sogar selbst:

Noch ist unklar, ob und wenn ja, was genau, R[.] mit dem Tod der Männer zu tun hat. Die Polizei teilte bislang nur mit, dass er wahrscheinlich am Wochenende aus seinem Wohnort in Nordirland nach Purfleet in England reiste und im dortigen Hafen am Mittwoch gegen 1.30 Uhr den Lkw übernahm. Der soll zuvor samt Auflieger von Seebrügge (Belgien) über Wales nach England geschifft worden sein. Er passierte am vergangenen Samstag die Grenze zu Großbritannien.

R., das ist der Fahrer des Lkw, in dem in der Nacht zu Mittwoch im englischen Grays 39 tote Menschen gefunden wurden. Der Nordire wurde kurz nach dem Leichenfund festgenommen, gegen ihn wird wegen Mordverdachts ermittelt.

Wie die Bild.de-Redaktion treffend darlegt, weiß man bis jetzt noch nicht, “ob und wenn ja, was genau R[.] mit dem Tod der Männer zu tun hat”. Dass es sich bei den Leichen um 31 Männer und acht Frauen handelt — und nicht nur um Männer, wie Bild.de schreibt –, sei nur nebenbei erwähnt.

In einem weiteren Artikel zum selben Thema fragt Bild.de:

Wusste der Fahrer, dass sich in seinem Kühlaufleger Menschen verborgen hatten — oder war er tatsächlich völlig ahnungslos?

Darauf gibt es bisher keine klare Antwort. Und dennoch zeigte Bild.de auf der Startseite ein unverpixeltes Foto des Fahrers neben einer Überschrift, in der für die Unklarheiten dieses Falles kein Platz war:

Screenshot Bild.de - 39 Leichen in Lkw gefunden - Das ist der Fahrer des Todestrucks
(Unkenntlichmachung durch uns.)

Auch in der “Bild”-Zeitung war ein unverpixeltes Foto des Mannes abgedruckt. Und bei Bild.de präsentierte die Redaktion zusätzlich das Ergebnis ihres Beutezugs durch die Sozialen Medien: zwei Fotos, auf denen R. zu sehen ist, mit der Quellenangabe “Foto: R[.]/ Facebook”. Außerdem gab es in den Artikeln Informationen aus seinem Privatleben.

Zum Zeitpunkt, als die “Bild”-Medien die Aufnahmen, die R. ohne Unkenntlichmachung zeigen, veröffentlichten, saß der Mann zwar in Untersuchungshaft, es gab aber noch keine Anklage gegen ihn. Inzwischen gibt es eine wegen 39-fachen Totschlags — verurteilt ist R. bislang allerdings nicht.

Für eine Vorverurteilung sorgen allerdings schon die “Bild”-Medien mit Sätzen wie “Sein Lkw wurde zum Grab für 39 Menschen” und “Der 25-Jährige soll von Nordirland nach Purfleet gereist sein, um dort den Truck des Grauens zu übernehmen”. Noch einmal: Ob R. tatsächlich wusste, dass es sich bei dem Kühlauflieger um einen “Truck des Grauens” handelte, ist bisher nicht bekannt. Sicherlich könnte man einem Lkw-Fahrer Fahrlässigkeit vorwerfen, wenn er kein wirkliches Interesse daran hat, was sich in seinem Anhänger befindet, den er durch die Gegend fährt.* Das ist allerdings etwas ganz anderes als der Vorwurf, für den Tod von 39 Menschen verantwortlich zu sein.

“Bild” und Bild.de sind übrigens nicht die einzigen Medien, die R. unverpixelt zeigen, zumindest wenn man nach Großbritannien schaut. Selbst die BBC und der “Guardian” veröffentlichen Fotos des Verdächtigen und nennen seinen vollen Namen. Doch nur weil andere jemanden medial hinrichten, bevor irgendetwas geklärt ist, muss man ja nicht mitmachen.

Mit Dank an @SabineSchaper und @DerKotta für die Hinweise!

*Nachtrag, 29. Oktober: Mehrere Leserinnen und Leser haben uns darauf hingewiesen, dass Auflieger häufig verplombt sind, und der Fahrer daher gar nicht die Möglichkeit hat hineinzugucken.

Bild  

Gibt es eine Korrelation zwischen Arbeitsplatz und Tweetidiotie?

Beim ständig laufenden Wettbewerb “Welcher “Bild”-Mitarbeiter bietet die traurigste Performance bei Twitter?” hat es Chefreporter Michael Sauerbier gestern am späten Abend mit dieser Einsendung versucht:

Screenshot eines Tweets von Bild-Chefreporter Michael Sauerbier - Jan Böhmermann und eine sehr dicke Frau erzählen uns heute, Medizin und Forschung würden Frauen vernachlässigen. Kurz vor der Empörung fällt mir ein: Frauen leben fünf Jahre länger als Männer! Erwähnen beide nicht. P.S. Es gibt eine Korrelation zwischen Lebenserwartung und Übergewicht

Sauerbier bezieht sich auf einen Beitrag in der neuen Folge des “Neo Magazin Royale”. Jan Böhmermann und Giulia Becker sprechen dort über das Thema “geschlechtsspezifische Medizin”. Und das ist tatsächlich ganz informativ: Man erfährt etwa, dass Medikamente bei Männern und Frauen unterschiedlich wirken, und dass das ein Problem sein kann, weil Medikamente häufig nur an männlichen Mäusen oder männlichen Menschen getestet werden; dass beispielsweise ein häufig verschriebenes Herzmedikament laut einer Studie das Leben der herzkranken Frauen verkürzte, das der Männer aber nicht; und dass neben der Wirksamkeit auch die Verträglichkeit von Medikamenten bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich sein kann, was wegen der starken Fokussierung der Forschung auf Männer wiederum zum Problem von Frauen werden kann.

Und was fällt “Bild”-Chefreporter Michael Sauerbier dazu ein? Er zieht über “eine sehr dicke Frau” her und bekommt es nicht mal hin, den Namen der lustigen und erfolgreichen Giulia Becker zu nennen. Aber auch inhaltlich ist sein Tweet ziemlich schief: Soll das also heißen, dass man nur mit einem bestimmten Körpergewicht über ein gesellschaftlich relevantes medizinisches Thema sprechen darf? Und ist es laut Sauerbier nicht so schlimm, dass “Medizin und Forschung” “Frauen vernachlässigen”, weil Frauen ja eh “fünf Jahre länger” leben als Männer? Dass Frauen trotz dieser Vernachlässigung eine höhere (oder andersrum: Männer eine niedrigere) Lebenserwartung haben, hat auch nichts mit dem zu tun, was Böhmermann und Becker in ihrem Beitrag ansprechen — Sauerbier wirft diesen scheinbaren Zusammenhang einfach mal so hin. Für die verschiedenen Lebenserwartung sorgen stattdessen biologische Faktoren und unterschiedliche Verhaltensmuster.

Nach mehreren Hundert Antworten hat Michael Sauerbier seinen Tweet kommentarlos gelöscht.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber!

Rezo bei “Zeit Online”, Höcke will Bürgerkrieg, Die Methode Trump

1. Horst Seehofer ist kein drolliges Kleinkind
(zeit.de, Rezo)
“Ein Nazi tötet, ein Innenminister labert Scheiße und der Rest der Bevölkerung lässt sich vom Wesentlichen ablenken.” Das sind die ersten Worte der neuen “Zeit Online”-Kolumne von Youtuber Rezo (bekannt aus “Die Zerstörung der CDU”). In seinem Text erklärt Rezo, “wieso wir in Zukunft die Äußerungen von Politikern häufiger als Bullshit bezeichnen sollten, um ein konstruktiveres Umfeld zu schaffen für die Diskussionen, die ja geführt werden müssen.” Rezos Kolumne erreicht damit Platz 1 der Social-Media-News-Charts, wie Daten-Analyst Jens Schröder in seiner #trending-Kolumne bei Meedia feststellt.
Es sind allerdings wahrlich nicht alle begeistert von Rezos Beitrag: Jana Wolf findet ihn beispielsweise inhaltlich “daneben” und im Ton “überheblich” und “selbstgefällig”.

2. Werben wie Donald Trump
(netzpolitik.org, Alexander Fanta)
Bekanntermaßen gibt es für Posten wie den des Möchtegern-Autokraten Donald Trump keinen Ausbildungsgang. Alexander Fanta hat daher auf netzpolitik.org die wichtigsten Tipps und Tricks zusammengetragen, wie sich mit Hilfe von Facebook Menschen und Wahlen manipulieren lassen: “Schritt eins: Frage Fragen und bitte um Geld. Schritt zwei: Erzähle Märchen über deine Gegner. Schritt drei: Stifte mit Troll-Armeen Verwirrung. Schritt vier: Lasse Sockenpuppen für dich sprechen.” Was sich vielleicht etwas lustig anhört, hat einen ernsten Hintergrund und ist mit unzähligen Links zum Weiterlesen gespickt.
Weiterer Lesetipp: US-Präsident Trump hat angekündigt, die “New York Times” und die “Washington Post” im Weißen Haus abbestellen zu wollen. Die Bundeseinrichtungen sollen ebenfalls ihre Abos kündigen: Trumps neues Aufbäumen gegen kritische Medien (sueddeutsche.de, Anna Ernst).
Und wer sich darüber informieren will, wie es hierzulande um den Online-Wahlkampf bestellt ist: Wahlwerbung via Social Media: CDU gab am meisten für Microtargeting aus (heise.de).

3. Höcke will den Bürgerkrieg
(zeit.de, Hajo Funke)
Die Sprache des Thüringer AfD-Politikers Björn Höcke offenbare seine Gefährlichkeit, so der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke in seinem Gastbeitrag auf “Zeit Online”: “Wenn wir Höcke also an seiner Sprache messen, so geht es ihm um eine nicht nur ethnische, sondern auch politische “Säuberung” und um das Einsetzen staatlicher Gewalt gegen beliebig definierte Feinde. Er suggeriert mit dieser Sprache auch einen künftigen Kampf zwischen denen, die anders denken und seinen Anhängern, er will offensichtlich den Bürgerkrieg in Dörfern und Städten in Deutschland. Es ist eine Strategie der Entfesselung und der Aufschaukelung von Ressentiments und Gewalt.”
Weiterer Lesetipp: Höcke scheitert mit Eilantrag gegen Verfassungsschutz (spiegel.de, Wolf Wiedmann-Schmidt).

4. Datenschutzbeschwerde gegen Zeit Online eingereicht
(onlinejournalismus.de, Matthias Eberl)
Matthias Eberl kritisiert seit Langem die Trackingpraxis und Datenweitergabe deutscher Medienhäuser. Nachdem die Redaktion von “Zeit Online” (von der in dieser “6 vor 9”-Ausgabe auch zwei Beiträge verlinkt sind) bereits im Sommer mit dem Negativpreis Big-Brother-Award bedacht wurde, hat nun ein Leser eine Datenschutzbeschwerde eingereicht. Eberl hat mit dem Beschwerdeführer über dessen Beweggründe gesprochen: “Ich finde es frech, dass Zeit-Online meine Daten an Facebook gibt, obwohl ich zahle”.

5. 70 Jahre FAZ: Wo die Herausgeber regieren wie «Kurfürsten»
(medienwoche.ch, Adrian Lobe)
Zum 70. Geburtstag der “FAZ” hat der Historiker Peter Hoeres ein über 500-seitiges Buch über die Geschichte der Zeitung vorgelegt. Adrian Lobe stellt das Werk vor und erzählt dabei von den verschiedenen Epochen und Machtkämpfen des berühmten Medienhauses. Lobe sieht in der Geschichte der “FAZ” auch den Bedeutungsverlust der gedruckten Zeitung: “Im Rückspiegel der Geschichte sieht man die aktuellen Entwicklungen klarer. Insofern leistet das Buch — wohl etwas unfreiwillig — auch einen Beitrag zum Verständnis des Medienwandels.”

6. “Lachen bedeutet Freiheit”
(taz.de, Erica Zingher)
Seit ihrem Start 2017 wurde die rbb-“Abendshow” von Britta Steffenhagen und Marco Seiffert moderiert. Nun hat der Sender das Moderatoren-Duo abgelöst und durch den Komiker Ingmar Stadelmann ersetzt. Im Interview mit der “taz” spricht Stadelmann über seine Pläne, die Grenzen der Freiheit und darüber, warum er Dieter Nuhr verteidigt, ohne seinen Verteidiger spielen zu wollen.
Weiterer Lesetipp: Markus Ehrenberg hat sich für den “Tagesspiegel” die erste Sendung der Stadelmannschen “Abendshow” angeschaut. Sein Befund: “Noch viel Luft nach oben”.
Und noch ein Lesetipp: Cordula Nitsch und Dennis Lichtenstein schreiben in der “Medienwoche” über Satire als “Einstiegsdroge”.

Relotius vs. Moreno, AfD-Sprech analysiert, Tränen-lach-Emoji

1. Juan Moreno und der Fluch der fast perfekten Pointe
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
“Spiegel”-Fälscher Claas Relotius wirft seinem Ex-Kollegen und Fälschungsaufdecker Juan Moreno per Anwaltsschreiben “erhebliche Unwahrheiten und Falschdarstellungen” vor. Neben allerlei Petitessen geht es um eine Anekdote in Morenos Buch, die als wirkungsvolle Schlusspointe dient. Ließe diese sich nicht beweisen, sei dies ärgerlich, so Medienkritiker Stefan Niggemeier. Trotzdem sei es wichtig, “den Maßstab nicht aus den Augen zu verlieren. Moreno ist kein Relotius, in keiner Hinsicht.”
Weiterer Lesetipp: Der “6 vor 9”-Kurator erklärt seinem Vater auf Twitter “die aktuellen Vorgänge in Sachen #Relotius und #Moreno”. Dabei geht es um goldene Armbanduhren, einen Zweireiher und ein Halteverbot.

2. Twitter-Krach um rechtspopulistische Äußerungen
(sueddeutsche.de, Sandra Lohse)
Es ist schon verwirrend, was sich teilweise beim Deutschen Journalisten-Verband abspielt: Ein Landesverband (Berlin-Brandenburg) macht durch fragwürdige und mit rechtspopulistischen Vokabeln gespickte Stellungnahmen auf sich aufmerksam. Der Dachverband distanziert sich von den Äußerungen, kann nach eigenen Angaben aber nicht direkt bei Twitter darauf reagieren, weil der Landesverband den Dachverband blockiert habe. Sandra Lohse schreibt über den irritierenden Verbandszwist.
Nachtrag: BILDblog-Leser Sebastian Pertsch merkt bei Twitter an, dass im verlinkten Artikel der Hinweis zu den Regionalverbänden “DJV Berlin und JVBB” fehle: “So entsteht der Eindruck, es wäre der einzige Landesverband in Berlin. Dabei spielt der DJVBB bis auf die rechten Polemiken als AfD-Fanboy keine Rolle.”
Nachtrag zum Nachtrag: Die Redaktion der “Süddeutschen” hat auf den Hinweis reagiert und die Information im Text nachgetragen.

3. Polizei schaut bei Eklat auf Frankfurter Buchmesse nur zu
(tagesspiegel.de, Sebastian Leber)
Als der Journalist Jonas Fedders auf der Frankfurter Buchmesse über rechte Verlage recherchieren will, wird er von rechten Aktivisten und einem Szene-Verleger schikaniert, bedrängt und bedroht und an der Arbeit gehindert. Auf gewisse Weise unterstützt durch die Frankfurter Polizei, wie ein Videomitschnitt beweise. Sebastian Leber kommentiert: “So unpassend wie das Verhalten der Beamten vor Ort gerät auch die Stellungnahme der Frankfurter Polizei im Nachhinein. Obwohl das Video der Polizei bekannt ist und seine Authentizität eingeräumt wird, erklärt die Behörde vage, die Beamten vor Ort hätten die Ausübung der Pressearbeit zu keiner Zeit eingeschränkt. Das ist, wie das Video belegt, offensichtlich unwahr.”

4. Ermittler: Hetze kommt überwiegend von rechts
(deutschlandfunk.de, Ann-Kathrin Büüsker, Audio: 10:41 Minuten)
Ann-Kathrin Büüsker hat sich im Deutschlandfunk mit Staatsanwalt Christoph Hebbecker über Hasskommentare im Internet unterhalten. Hebbecker arbeitet bei der staatsanwaltschaftlichen Anlaufstelle Cybercrime des Landes Nordrhein-Westfalen und beschäftigt sich tagtäglich mit Hasskriminalität. Die Fälle seien politisch ziemlich eindeutig zuzuordnen: “Wir können ganz klar sagen, dass die ganz weit überwiegende Anzahl der Fälle, die wir täglich bearbeiten, dem rechten und rechtsextremen Spektrum zuzuordnen ist, ein kleiner Teil auch dem linken Spektrum, und ein kleiner Teil ist auch keiner politischen Orientierung zuzuordnen.”

5. Die Macht der Komposition
(zeit.de, Lena Luisa Leisten)
Die AfD ist für ihre populistische Sprache bekannt, die auf Gefühle und Framing setzt. Sie bedient sich dabei einiger sprachlicher Tricks: Besonders eingängige Wortzusammensetzungen gehören genauso dazu wie Begriffe aus dem Bereich der Naturkatastrophen oder dem Kampf- und Kriegskontext. Lena Luisa Leisten hat den AfD-Sprech anhand von echten Beispielen analysiert und klassifiziert. Eine lohnende Lektüre, die auch in den Deutsch- oder Politikunterricht gehören könnte.

6. Nicht lustig: Warum das Tränen-lach-Emoji sterben muss
(haz.de, Matthias Schwarzer)
Matthias Schwarzer geht die lachende Fratze des Tränen-lach-Emojis auf die Nerven. Der Smiley werde inflationär eingesetzt und diene vielfach als Symbol von Überheblichkeit und Hass. Aus “sehr laut lachen” sei im Laufe der Jahre ein “auslachen” geworden: “Der Tränen-lach-Smiley hilft auch dem schlimmsten Rassisten, die eigentlich nicht vorhandene Witzigkeit auszudrücken und ein Gag-Feuerwerk (natürlich auf Kosten anderer) abzufeuern. Der Tränen-lach-Smiley wird dabei in den Facebook-Kommentarspalten zum Zeichen der Ausgrenzung, zum Zeichen der Erniedrigung, zur Verniedlichung ekelhaftester Beleidigungen.”

Mysteriöser AfD-“Wahlhelfer“, Filterblasen, Netflix-Blasphemie?

1. “Radikalisierung ist nicht erst durch das Internet entstanden”
(zeit.de, Lisa Hegemann)
Kommunikationswissenschaftlerin Merja Mahrt forscht seit Jahren zu Filterblasen und Echokammern. Im Interview mit “Zeit Online” erklärt sie unter anderem, wie Empfehlungsalgorithmen zur Entstehung von Filterblasen beitragen: “Schauen Sie sich ein Video auf YouTube an, schlägt Ihnen das Portal vor, was Sie sich als Nächstes anschauen könnten, oder startet vielleicht sogar automatisch den nächsten Clip. Solche Empfehlungsalgorithmen sind in der Regel darauf trainiert, mehr vom Gleichen zu zeigen — sie sind nicht darauf programmiert, einen breiten Überblick zu geben. Dadurch bestätigen auch sie uns möglicherweise in unseren Meinungen.”

2. Wer hinter dem “Wahlhelfer” in Thüringen steckt: Der Mr. X der “freien” Medien
(correctiv.org, Till Eckert & Marcus Bensmann & Ulrich Stoll)
T-online.de berichtete jüngst über eine AfD-nahe und äußerst dubiose Wahlkampfzeitschrift in Thüringen, bei der es sich um verdeckte Parteienfinanzierung beziehungsweise Wahlkampffinanzierung handeln könnte. “Correctiv” und “Frontal21” haben den Fall weiterverfolgt und sich auf die Suche nach dem im Impressum angegebenen Herausgeber “Hanno Vollenweider” gemacht. Keine einfache Aufgabe, denn “selbst gegenüber seinen Vertrauten soll der Mann nicht seinen tatsächlichen Namen preisgeben. In der an Irrungen und Wirrungen inzwischen reichen Spendenaffäre der AfD dürfte das ein Novum sein. ”

3. Nikolaus Blome verlässt “Bild”
(taz.de, Steffen Grimberg)
Die “taz” beschäftigt sich mit dem Ausscheiden des stellvertretenden Chefredakteurs Nikolaus Blome bei “Bild”. Ein Rückzug aus “persönlichen Gründen”, bei dem viele über die wahren Hintergründe spekulieren würden. Eine kleine Spitze hat die “taz” in der Bildzeile versteckt, in der es heißt: “Nicht gerade die intellektuelle Spitze des deutschen Politjournalismus: Nikolaus Blome”.

4. Sind Serien über Gott, Teufel und Paradies Blasphemie?
(evangelisch.de, Till Frommann)
Auf der Suche nach neuen Filmstoffen und frischem Serienmaterial kommen Streaminganbieter wie Netflix und Amazon auch auf Geschichten mit im weitesten Sinn religiöser Thematik. Sind solche Serien blasphemisch? Tragen sie gar zur Trivialisierung des christlichen Glaubens und der Bibel bei? Till Frommann hat sich mit Pfarrer Sascha Heiligenthal über Gott, die Welt und Popkultur unterhalten.

5. Freie Journalisten beklagen erschwerte Recherche
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:13 Minuten)
Vor einigen Wochen hat sich der Journalist Christian Gesellmann bei Facebook die Wut über das prekäre Leben als freier Journalist von der Seele geschrieben: “Wenn vom Zustand der Pressefreiheit in Deutschland die Rede ist, dann geht es meist um Bedrohung von Journalisten durch Neonazis oder Diskriminierung durch Behörden. Das gibt es alles, und es ist ein Problem. Aber was das viel größere, viel mehr Autoren und andere freie Berufe betreffende Problem ist: unanständig niedrige Honorare und die Arschloch-Zahlungsmoral unserer Auftraggeber.” Der Deutschlandfunk hat die Thematik aufgegriffen und lässt Fachleute wie die Journalistikprofessorin Wiebke Möhring sowie Carola Dorner von der Gewerkschaft Freischreiber zu Wort kommen.

6. Das Märchen vom royalen Märchen
(spiegel.de, Patricia Dreyer)
Als Meghan Markle sich in den britischen Prinz Harry verliebte, sei sie von ihren Freunden gewarnt worden: “Als ich meinen Mann kennenlernte, waren meine Freunde wirklich happy für mich, weil ich so glücklich war. Aber meine britischen Freunde sagten: ‘Er ist bestimmt ganz toll — aber du solltest ihn nicht heiraten, die Boulevardpresse wird dein Leben zerstören.'” Patricia Dreyer beschreibt bei “Spiegel Online”, welchem medialen Psychoterror und welchen Angriffen durch die Boulevardpresse das royale Paar ausgesetzt ist.

Mädchen.de schickt junge Leserinnen ins Casino

Das Magazin MÄDCHEN begleitet bereits seit über 40 Jahren junge Frauen und Mädchen beim Erwachsen werden und das auch digital — dort wo sich die Zielgruppe heute aufhält.

MÄDCHEN.de legt seinen Fokus auf Beautytrends und Styling speziell für junge Frauen und Mädchen. Zusätzlich finden Nutzerinnen aktuelle News zu ihren Stars, Horoskope, Spiele und Test sowie natürlich alles über Schule, Liebe und Beziehung.

… und den direkten Weg in Online-Casinos und an digitale Roulettetische, was im schlimmsten Fall in einer Spielsucht enden kann, aber das haben sie beim Verlag Klambt irgendwie vergessen dazuzuschreiben.

Scrollt man die Startseite von Mädchen.de durch, findet man zwischen der, öhm, Nachricht, dass “Hottie Noah Centineo” “sich von seinen Locken getrennt” hat, und Tipps, was gegen “Pickel im Intimbereich” helfen soll, unter anderem diesen Beitrag aus der vergangenen Woche:

Screenshot Mädchen.de - Worauf stehen Jungs bei Mädchen? Die fünf Top Eigenschaften, auf die alle Jungen stehen

Manche stehen auf stille, ruhige Leseratten, andere auf laute, lustige Mädchen, wieder andere auf robuste Kämpfernaturen und einige sicherlich auch auf genau das, was auch immer du bist!

Aber es gibt fünf Eigenschaften, auf die alle Jungen stehen, sei es bei einer sportlichen Kämpferin oder einer ruhigen Denkerin

(Muss es wirklich immer noch sein, dass man Mädchen und jungen Frauen erzählt, wie sie sein sollten, damit sie Jungen und jungen Männern gefallen?)

Die “fünf Eigenschaften”, auf die angeblich “alle Jungen stehen”, sind: “Ehrlichkeit”, “Humor”, “Gepflegtes Aussehen”, “Einen gesunder Körper und ein gesundes Eßverhalten” sowie:

Sinn für Spiel und Spaß — ohne einen Sinn für Spiel, Spaß und vielleicht auch ein bißchen Nervenkitzel geht nichts! Wer gerne spielt und eine Herausforderung wie Casinos online oder Roulette online nicht scheut, der kann auch in der Liebe nicht verlieren! Glück im Spiel und in der Liebe — das geht!

“Casinos online” und “Roulette online” sind mit direkten Links zu einem Schweizer Online-Casino versehen. “Du willst dem einen Jungen aus der Parallelklasse gefallen? Dann verzock hier doch mal ein bisschen von Deinem Taschengeld.”

Am selben Tag ist bei Mädchen.de ein anderer Artikel erschienen, der noch ein bisschen irrer ist:

Screenshot Mädchen.de - Magischer Herbst - Glück im Spiel und Glück in der Liebe! Glück in beidem zu haben wäre ja fast wie Magie

Es wird metaphysisch — und ziemlich holzhammerig:

Im September, Oktober und November liegt etwas Magisches in der Luft und wenn du dir diese magische Zeit für, zum Beispiel, live wetten oder […] Casinos zu Nutzen machen willst, dann hast du jetzt die Gelegenheit! Vor allem im Oktober sind die magischen Ströme um uns herum besonders stark und du kannst einfache magische Rituale ausprobieren, vor allem Liebes- und Glücksrituale! Willst du es mal versuchen? Hast du Lust?

Klickt die junge Zielgruppe auf “live wetten”, landet sie bei einem Anbieter für Sportwetten, klickt sie auf “Casinos”, landet sie im Online-Casino-Bereich desselben Anbieters.

Die Mädchen.de-Redaktion erklärt dann noch, dass im Oktober “die Grenze zwischen unserer Welt und der Welt der Toten” sehr dünn sei, und dass man “vor allen Ritualen einen magischen Kreis” ziehen solle, um dann doch noch mal aufs Wesentliche (und die entsprechenden Links) zurückzukommen:

Für ein einfaches Glücksritual (zum Beispiel Glück im Spiel für Online Casinos oder bei […] Sportwetten!) brauchst du nur eine Kerze (die muß aber gold, grün oder rot sein) die mit Gewürznelkenöl eingestrichen ist und eine Schale mit frischem (!) Wasser und einige Münzen. (…) Halte die Münzen erst in deinen Händen und lasse sie dann, eine nach der anderen in die Schale mit dem Wasser gleiten. Es ist wichtig, dass du vorher laut sagst, dass alles Glück und Geld, das du auf diese Weise bekommen solltest, anderen in keiner Weise schaden darf!

Diesen wichtigen Schritt, um bei der Suche nach Glück und vor allem nach (Werbe-)Geld Schaden von anderen abzuhalten, scheinen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Mädchen.de selbst ständig zu vergessen, wenn sie ihre als Artikel getarnten Anzeigen für Glücksspiel in die Welt jagen.

Und das macht sie zu allen möglichen Themen. Zum Beispiel, wenn es vermeintlich um einen “Spieleabend für Groß und Klein” geht:

Es muss nicht immer das Mensch-ärgere-Dich-nicht sein.

Genau — wie wäre es zum Beispiel, mit den Freundinnen vor dem Laptop zu hängen und zu pokern?

Einmal spielen wie die raffinierten Pokerspieler, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen und immer schön cool bleiben. Das geht bei […].

Auch die Antwort auf die Frage, was Frauen am liebsten spielen, führt bei Mädchen.de zum Glücksspiel:

Eines der populärsten Genres unter Frauen ist das Denkspiel. In diese Kategorie fallen alle möglichen Puzzlespiele, Rätsel und Kartenspiele, die aus dem Casino bereits bekannt sind. […] Doch auch Spiele wie Poker und Blackjack finden immer größeren Anklang. Bei diesen Casinospielen wird ebenfalls eine Strategie sowie eine Kombinationsfähigkeit gefordert, die vielen von uns besonders gut liegt. Diese Spiele werden ebenfalls aufgrund ihrer einfachen Zugänglichkeit für Anfänger immer populärer: So bieten manche Online Casinos Anleitungen zu den Spielen. Andere erleichtern den Einstieg mit einem Online Casino Bonus ohne Ersteinzahlung, der es ermöglicht, ein Angebot zunächst auszuprobieren. Mobilität und Ausprobieren ist bei diesen Spielen garantiert.

Bei “Online Casino Bonus” hat die Redaktion einen entsprechenden Link gesetzt.

Und wenn es um Mädchen geht, die Videospiele mögen, gibt es ebenfalls einen Link zu einem Online-Casino:

Gamer Girls sind mittlerweile genauso trendy wie Gamer Guys, und zwar nicht nur als Liebestraum eines Zockers, der darin den Topf für seinen Deckel sieht. Tun mehrere Gamer Girls sich zusammen, können sie aus einem Mädelsabend auch eine LAN-Party machen. Doch auch wenn es sich nur um Casual Gamer handelt, können Online Spiele jeden Mädelsabend versüßen. Ladies über 18 können sich dafür sogar ins Casino Online einloggen — für alle anderen gibt’s hier unterhaltsame Tipps.

Zum Thema “Stars und Casinos” schreibt das Mädchen.de-Team:

Prominente und das Glücksspiel, das ist seit Elvis untrennbar verbunden. Der Weltstar begann den wichtigsten Teil seiner Karriere in Las Vegas, dem ultimativen Ort für Glücksspiele wie Poker, Roulette und Black Jack. Heute muss aber niemand mehr bis in die Wüste fahren, um spielen zu können, denn Online Casinos haben das Internet erobert.

… und baut zwischen ein paar Promi-Geschichten aus den Casinos dieser Welt einen Link zu einer Vergleichsseite von Automatenspielen ein:

Ein besonders beliebtes Spiel ist dabei Poker, doch auch Automatenspiele, die laut der Webseite […] zu den besten Onlinespielen zählen, stehen in der Gunst ganz oben.

In einer großen Übersicht, in der die Redaktion schreibt, wonach “Dein Sternzeichen süchtig” ist, steht auch:

Wassermann

Candy-Crush? Farmville? Doodlejump? All diese Spiele hast Du auf Deinem Handy. Ganz klar: Wassermänner neigen zur Spielsucht! Aber solange es nur harmlose Handyspiele sind, brauchst Du Dir keine Sorgen machen. Gefährlich wird es erst, wenn Du regelmäßig auf Gaming-Seiten unterwegs bist oder in Casinos um Geld spielst.

Oder wenn Du Mädchen.de besuchst.

Mit Dank an Kad für den Hinweis!

Nachtrag, 22. Oktober: Die Redaktion von Mädchen.de hat alle Artikel, die wir hier thematisiert haben, gelöscht — selbst den Beitrag zur angeblichen Suchtgefahr beim Sternzeichen Wassermann, in dem es lediglich um die Gefahr von Gaming-Seiten und Casinos ging und überhaupt kein fragwürdiger Link zu einem Online-Casino vorkam.

Einen Artikel, den wir bisher nicht erwähnt hatten, und in dem Mädchen.de auf eine Seite mit Testberichten zu Online-Casinos verlinkt (die dann wiederum direkt zu den getesteten Online-Casinos verlinkt), hat die Redaktion hingegen nicht gelöscht.

Nachtrag, 22. März 2020: Der Presserat hat eine Rüge gegen die Mädchen.de-Redaktion ausgesprochen. Das Gremium bezog sich dabei auf den Artikel “Worauf stehen Jungs bei Mädchen? Die 5 Top Eigenschaften, auf die alle Jungen stehen!”:

Der Presserat sah darin eine unzureichende Kennzeichnung von Werbung nach Richtlinie 7.1 des Pressekodex, da die Verlinkungen nicht als Werbung erkennbar waren. Noch schwerwiegender war nach Ansicht des Beschwerdeausschusses allerdings der Verstoß gegen den Jugendschutz nach Ziffer 11. Es ist mit den presseethischen Grundsätzen nicht vereinbar, in einem redaktionellen Angebot, das sich in erster Linie an Jugendliche richtet, für Glücksspiele zu werben.

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