Goldene Kartoffel, „Zeit“-Autopsie, Kimmels Obama-Trump-Mashup

1. „Goldene Kartoffel“ für Talkshows
(taz.de, Erica Zingher)
Das Netzwerk „Neue deutsche Medienmacher*innen“ (NdM) verleiht zum zweiten Mal den Negativpreis, die „Goldene Kartoffel“. In den Genuss der güldenen Erdknolle kommen die vier großen Polit-Talks der Öffentlich-Rechtlichen: „Hart aber fair“ (Frank Plasberg, ARD), „Maischberger“ (ARD), „Anne Will“ (ARD) und „Maybrit Illner“ (ZDF). In der Begründung heißt es: „Den politischen Talkshows gelingt es nicht, tiefergehend zu informieren, vielfältige Perspektiven einzubinden und Ressentiments abzubauen. Stattdessen wird hier Rassismus behandelt wie jeder andere Standpunkt auch.“

2. Autopsie: Die harsche Kritik an Relotius-Enthüller Juan Moreno
(spiegelkritik.de, Timo Rieg)
Die „Zeit“ hat unlängst einen viel diskutierten Artikel veröffentlicht, der sich kritisch mit Juan Morenos Buch über den Fälscher-Skandal beim „Spiegel“ beschäftigt. Anlass war ein Schreiben des Anwalts des Fälschers Claas Relotius, in dem dieser seinem ehemaligen Kollegen seinerseits Unwahrheiten und Falschdarstellungen vorwirft (die teilweise von geradezu drolliger Petitessenhaftigkeit sind). Timo Rieg hat sich angeschaut, wie die „Zeit“ darüber berichtet hat, und den Text einer kritischen Analyse unterzogen.

3. Vollrausch, Tötung, Geldstrafe
(spiegel.de, Thomas Fischer)
Als ein 18-jähriger Fahranfänger im Alkoholrausch bei einem Verkehrsunfall eine Frau tötete und dafür vom Gericht mit einer Geldstrafe belegt wurde, regte sich der mediale Volkszorn. Vor allem „Bild“ ließ der Empörung über das vermeintliche Fehlurteil freien Lauf. Der Jurist Thomas Fischer geht dem Fall nach, soweit dies aus der Ferne möglich ist. Dies braucht etwas und verlangt einem an der einen oder anderen Stelle etwas (juristisches) Mitdenken ab, lohnt jedoch. Oder um es mit den Worten Fischers zu sagen: „Man muss sich mit den Dingen ernsthaft befassen und die Zusammenhänge der Regeln zu verstehen versuchen, nach denen man im Ernstfall selbst behandelt werden möchte.“

4. Unter Facebooks Mitarbeitern kommt es zum Aufstand
(nzz.ch, Marie-Astrid Langer)
Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat eine interessante Begründung, warum man Politikerinnen und Politikern gestatte, Lügen auf dem Netzwerk zu verbreiten (in Form von bezahlten Anzeigen wohlgemerkt): „Wenn Politiker lügen, soll das die Öffentlichkeit sehen“, so seine Aussage während einer Befragung durch das Repräsentantenhaus. Anders als bei anderen Anzeigen, unterziehe man diese Schaltungen keinem Faktencheck. Dagegen regt sich nun auch firmeninterner Widerspruch: Mehr als 250 Facebook-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sollen sich mit einem Protestbrief an ihren Chef gewandt haben.

5. Die ZEIT entfernt Facebook „Pixel“
(onlinejournalismus.de, Matthias Eberl)
„Zeit Online“ hat das umstrittene Tracking-Tool „Facebook Pixel“ von seiner Website geschmissen. Dem vorausgegangen ist die lange vergeblich geäußerte Kritik von Datenschützern und eine Datenschutzbeschwerde eines „Zeit“-Lesers. Eine Sprecherin der „Zeit“-Verlagsgruppe habe erklärt, dass man ausschließlich wegen eines EuGH-Urteils gehandelt habe. Von einem datenschutzfreundlichen Webangebot der „Zeit“ könne man leider immer noch nicht sprechen, wie Matthias Eberl erklärt.

6. We mashed up @BarackObama’s Bin Laden speech with @RealDonaldTrump’s al-Baghdadi speech
(twitter.com/jimmykimmel, Video: 1:24 Minuten)
Nachdem die USA Osama bin Laden getötet hatten, wandte sich Präsident Barack Obama in einem Video-Statement an die Öffentlichkeit. Und auch der jetzige Präsident Donald Trump verkündete den Tod von Abu Bakr al-Baghdadi vor laufenden Kameras. Der US-amerikanische Comedian und Moderator einer Late-Night-Show Jimmy Kimmel hat beide Auftritte in einem Mashup gegeneinander geschnitten. Die Wirkung könnte größer nicht sein.