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Extremistisches Symbolbild

Drei Jahre, nachdem der Bundesgerichtshof den Haftbefehl gegen den Soziologen Andrej Holm aufgehoben hatte, hat auch die Bundesanwaltschaft ihr Ermittlungsverfahren gegen den Wissenschaftler eingestellt.

Holm war vorgeworfen worden, Mitglied der „Militanten Gruppe“ (mg) gewesen zu sein, die zahlreiche Brandanschläge verübt hatte. Nach vierjährigen Ermittlungen kam die Bundesanwaltschaft aber schließlich zu dem Schluss, dass Holms Kontakte zu einem Mitbeschuldigten und die bei ihm gefundenen Unterlagen auch in anderen, nicht strafrechtlichen Sachzusammenhängen stehen könnten.

Andrej Holm hat gleichsam schwarz auf weiß, dass er kein gewaltbereiter Extremist ist.

Und wie bebildert „Zeit Online“ diese Nachricht? Mit einem Archivfoto vom 1. Mai 2009, das unbekannte Autonome bei einer Demonstration in Berlin zeigt:

Dem Soziologen Andrej H. wurde vorgeworfen, einer linksextremistischen Vereinigung anzugehören, die sich zu zahlreichen Brandanschlägen bekannt hat

Nachtrag, 19.30 Uhr: „Zeit Online“ hat das Foto rausgenommen.

Symbolfoto: Haftnotizen am Arbeitsplatz

Auseinandersetzung: Wer sich mit seinem Arbeitgeber streitet und danach wochenlang nicht zur Arbeit geht, riskiert eine fristlose Kündigung

Eine Frau, die unglücklich aussieht. Ein Mann, der auf sein Handy fokussiert ist und an ihr vorbei schaut.

Es ist vielleicht nicht unbedingt das, was die großen Meister gemalt hätten, wenn man sie gebeten hätte, den Sachverhalt „Wer sich mit seinem Arbeitgeber streitet und danach wochenlang nicht zur Arbeit geht, riskiert eine fristlose Kündigung“ auf die Leinwand zu bannen, aber es ist doch ein einigermaßen ausdrucksstarkes Bild, das „Zeit Online“ nutzt, um die aktuelle Kolumne zum Arbeitsrecht zu illustrieren.

Wenn man allerdings weiß, wer die Leute da auf dem Foto sind, erscheint die Verwendung als Symbolbild vielleicht doch ein bisschen zynisch: Das Bild zeigt die Mutter und den Stiefvater von Amanda Knox, einer jungen Amerikanerin, die in Italien wegen Mordes angeklagt war, nach den Schlussplädoyers im Gericht. Am nächsten Tag wurde ihre Tochter zu 26 Jahren Haft verurteilt.

Mit Dank an Andreas P.

Nachtrag, 10.50 Uhr: Direkt heute Morgen hat „Zeit Online“ das Foto der Eltern durch eines einer Arbeitsagentur ersetzt.

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