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2,5 Millionen Zeugen

Kürzlich berichtete Bild.de betont wohlwollend über McDonald’s über die Nachwuchsschauspielerin Julia Dietze, und angekündigt wurde die (irgendwie aschenputtelig anmutende) Dietze-Story wie folgt:

Oder auch so:

Und so, wie der Text online angekündigt wurde, steht’s (wie zum Beweis) auch drin:

“In der TV-Werbung für McDonald’s kostet bei ihr alles ”n Euro’ (…). Übernächste Woche ist sie bei PRO 7 in einer Hauptrolle zu sehen.”

Und ja, es stimmt: Am 3. Januar 2005 startete McDonald’s seine “Einmaleins”-Kampagne, und Dietze ist in einem dazugehörigen Werbe-Spot zu sehen. Außerdem spielt das “1-Euro-Mädchen” die weibliche Hauptrolle im ProSieben-Film “Mädchen Nr. 1”, den der Sender am Donnerstag, dem 9. Juni 2005 ausstrahlen wird.

Nur: Falsch ist die Geschichte trotzdem, wofür es mindestens 2,5 Millionen Zeugen gibt. Soviele Zuschauer nämlich sahen den Film bereits bei seiner Erstausstrahlung am Donnerstag, dem 18. September 2003, weshalb es (in “Bild”-Logik) eigentlich heißen müsste:

Mit Dank an Jörg F. für den sachdienlichen Hinweis.

Ein sensationeller Erfolg

Euphorisch kündigt bild.de heute den Start der neuen Fernsehserie “Nip/Tuck” an, die tatsächlich nicht nur von Zeitungen gelobt wird, deren Verlag (wie bei “Bild”) an dem ausstrahlenden Sender ProSieben beteiligt ist und deren Verlag (wie bei “Bild”) eine andere Zeitschrift herausgibt, in der eine der Hauptdarstellerin aktuell halbnackt zu sehen ist.

Andere Zeitungen schaffen es allerdings regelmäßig, trotz dieser fehlenden Nähe zum Gegenstand der Berichterstattung Sätze aufzuschreiben, die auch stimmen. Im Gegensatz zu bild.de, wo über die Vorgängerserie “Sex and the City” steht:

Mehr als 4 Mio. Zuschauer schalteten jede Woche ein, wenn Carrie & Co auf Sendung gingen. Ein sensationeller Erfolg.

Richtig ist, dass es von den 94 Folgen (und vielen, vielen Wiederholungen) exakt zwei auf mehr als 4 Millionen Zuschauer brachten.

“Jetzt” geht’s los

Bei der Größe dieses Teasers und dem Wörtchen “jetzt” könnte man eigentlich ein bisschen Aktualität erwarten. Aber nicht bei bild.de. Dass ProSiebenSat.1 die Rechte an der Serie “Desperate Housewives” gekauft hat, sagte der Chef der Senderfamilie der US-Zeitschrift “Variety” in einem Interview, das vor über einem halben Jahr erschien: am 31.05.2004. Der deutsche Branchendienst “Kress” berichtete darüber am 07.06.2004. Das Wort “jetzt” ist insofern ein leeres Versprechen, als noch kein Sendetermin feststeht. Und für das einzig möglicherweise Neue an der Geschichte, dass die Serie nämlich angeblich bei Pro Sieben laufen wird und nicht bei Sat.1, gibt es in dem bild.de-Artikel weder eine Quelle noch eine ausdrückliche Bestätigung.

Text/Bild.de-Schere

Noch kurz zu dieser “Porno-Ralle”-Geschichte:
Dass Ralf Schumacher am Sonntag während des RTL-Jahresrückblicks “Menschen, Bilder, Emotionen” die “Bild”-Zeitung in Bezug auf angebliche Äußerungen seiner Frau Cora nebenbei fälschlicher Berichterstattung bezichtigte (wie am Dienstag auch die “Berliner Zeitung” berichtete) — geschenkt. Inzwischen haben sich ja alle wieder lieb, war Schumacher sogar zu Gast in Stefan Raabs ProSieben-Show “TV Total” (wie am Dienstag, naja, auch “Bild” berichtete), weshalb diese Kleinigkeit, dass am Ende der großen Versöhnung (anders als “Bild” fälschlicherweise behauptete) keine “Geldscheine vom Studio-Himmel regneten”, auch nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn nicht Bild.de sogar selbst den Beweis dafür liefern würde, dass das mit den Geldscheinen nicht stimmt

Nachtrag, 16.12.04:
Inzwischen wurde bei Bild.de wurde das Wort “Geldscheine” nachträglich in “Gold-Schnipsel” verbessert.

Eine Zensur, die nicht stattfand, findet nicht statt

“Über jeden Erfolg muss mit dem Zuschauer
stets neu verhandelt werden.” (Bernd Gäbler)

Aber vergessen wir mal kurz den nichtigen Anlass und fassen zusammen: Zwei Tage hintereinander erschien “Bild” mit ebenso riesigen wie irreführenden Titelgeschichten zum selben Thema (bzw. machte aus einem inszenierten und irreführend wiedergegebenen Sachverhalt Schlagzeilen). Einzige Grundlage für die ganze Aufregung: die Formulierung “BILD erfuhr” und das Wörtchen “angeblich”, sonst nichts. Zwei Tage später dann sagen die von “Bild” sinnloserweise Angeprangerten in “Bild”:

“Das Echo auf die BILD-Berichte war so überwältigend, daß…”

Mit anderen Worten:
Ausriss: mediapilot.de, Text: BILD wirkt!
 
Oder etwa nicht? Schließlich zeigt der zur ProSiebenSat.1 Media AG gehörige, kommerzielle TV-Sender Sat.1 in seinem Zweiteiler “Schöne Witwen küssen besser” nun also doch eine kurze Szene, in der die Schauspielerin Sophie Schütt unbekleidet an einem Pool entlangschlendert und die laut “Bild” einer vermeintlichen “Nackt-Zensur” zum Opfer gefallen wäre, laut Sat.1 jedoch bloß “für die Handlung nicht so wichtig” war.

Doch wenn es beim werbefinanzierten Programmanbieter Sat.1 heißt, der Sender wolle damit “dem Wunsch der Zuschauer gerne nachkommen”, will man gar nicht erst spekulieren, wer sich dabei wohl alles hinter wessen Rücken ins Fäustchen lacht. Der Axel Springer Verlag jedenfalls, in dem “Bild” erscheint, ist mit 11,48 Prozent an der ProSiebenSat.1 Media AG beteiligt. Eine Zensur hingegen findet nicht statt.

Neue Attacken

Was bisher geschah:

1. Vor anderthalb Wochen berichtete “Bild”, Rennfahrer Ralf Schumacher investiere in eine Erotikfirma.

2. Stefan Raab verulkte Schumacher und dessen Frau Cora in seiner Show “TV Total” daraufhin als “Porno-Ralle” und “Hard-Cora”.

3. “Bild” machte einen “Porno-Zoff” draus und warf Raab “schlechte Scherze” vor.

4. Einen Tag später druckte “Bild” die Geschichte “Schöne Cora Schumacher: Meine Familie leidet unter Stefan Raab” und berichtete, Cora gehe nur noch aus dem Haus, “wenn es wirklich sein muß”. Den Moderator beschuldigte das Blatt, das mit schlechten Scherzen selbst nichts am Hut hat, er denke “vor allem daran, die schlaffen Quoten seiner Show auf Kosten von Ralf und Cora wieder hochzukriegen“. Und war sicher: “Raab will unter der Gürtellinie weiterwursteln.”

Am gestrigen Abend nun witzelte Raab in seiner Sendung wieder über die Schumachers und verlas die schriftliche Abmahnung ihres Anwalts. Außerdem kündigte Raab an, den Erlös aus den “Porno-Ralle”-T-Shirts, die online verkauft werden, einem gemeinnützigen Verein zu spenden. Das findet Bild.T-Online nun allerdings nur ganz knapp kommentierungswürdig…

…und echauffiert sich stattdessen lieber völlig unvorbelastet über das “TV-Lästermaul Raab” bzw. “die Giftspritze”, den “Läster-Nachschlag”, also die “Raab-Attacke” mit den “bösen Beleidigungen” und “Hohn, Spott, Häme!”, Raabs “spöttelnde”, “scheinheilige” Art und seine “vor Sarkasmus triefende Stimme”, mit der die Schumachers wieder “übel verhöhnt” wurden.

Den Beitrag kündigt Bild.T-Online übrigens mit “(…) neue Attacken im Porno-Zoff!” an. Und meint damit Raab, natürlich.

Wen denn auch sonst?

Schlechte Scherze machen nur die anderen

Ralf Schumacher ist (bzw. war) laut “Bild” gemeinsam mit dem Unternehmen Beate Uhse Österreich an einer Gesellschaft beteiligt, “die 2005 den Sexmarkt in Slowenien erobern will” (“Bild”). ProSieben-Moderator Stefan Raab nannte Schumacher diese Woche deshalb “Porno-Ralle” sowie dessen Ehefrau “Hard-Cora” und fand das lustig.

Schumacher war verständlicherweise anderer Meinung. Sein Manager hat nun offenbar eine Abmahnung an Raab geschickt. “Was Stefan Raab mit meinem Namen und dem meiner Frau aufgeführt hat, war mir eindeutig zu persönlich”, lässt sich Schumacher zitieren.

Auch “Bild” ist empört über solch “schlechte Scherze” und dokumentiert im Text zur Titel-Story ein Beispiel für Raabs “Porno-Spott”:

“Ralf Schumacher verkauft jetzt in Slowenien Beate-Uhse-Puppen – oder wie er sagt: Einspritzer.”

Ach ja – und dass “Bild” bereits in der Ausgabe vom Montag, also noch vor Raabs erster Sendung in dieser Woche, eine Fotomontage abdruckte, auf der ein Rennwagen mit leicht bekleideten Frauen und Beate-Uhse-Logo zu sehen war und vorschlug: “So (…) könnte der neue Trieb- – äh – Dienstwagen von Ralf Schumacher (29) aussehen”, dass “Bild” außerdem witzelte, Schumacher wolle bei seinem nächsten Rennen “die Konkurrenz verblasen”, sowie zwei Tage zuvor bereits die Hoffnung geäußert hatte, dass Schumacher bei seinem Investment “am Ende nicht stöhnen” müsse – das alles kann sich der geneigte Bild.T-Online-Leser (und Schumachers Manager) über die zum “Porno-Zoff”-Artikel gehörenden Links noch einmal genauer sehen.

Warum lassen so viele Fans “Bild” im Stich?

“Warum lassen so viele Fans Raab total im Stich?” fragt “Bild” heute in einer Schlagzeile auf Seite 4 und schreibt:

“TV-Lästermaul Stefan Raab (38) laufen die Zuschauer weg.”

Und vielleicht ist es sinnvoll, an dieser Stelle zunächst an einen “Bild”-Artikel vom April diesen Jahres zu erinnern, der mit dem Satz begann:

“TV-Lästermaul Stefan Raab (37) leidet mit seiner Pro7-Show ‘TV total’ an akutem Quotenschwund.”

Ja, und vielleicht sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die “Bild”-Berichterstattung damals von ProSieben als “Quatsch” bezeichnet wurde. (Womöglich schadet es auch nicht, jetzt mal eben einen “FAS”-Text vom Mai diesen Jahres – Überschrift: “Raab gegen ‘Bild'” – zu verlinken.)

Aber zurück zur heutigen “Bild”-Ausgabe:

“Droht ihm das gleiche Schicksal wie seiner TV-Kollegin Anke Engelke (38), die wegen schlechter Quoten vergangene Woche aus dem Programm gekippt wurde? (…) Läuten die bedrohlich niedrigen Zahlen sein TV-Ende ein?”

Solche Fragen stellt “Bild” sich und ihren Lesern. Stellt man sie einer ProSieben-Sprecherin, lautet die Antwort (wie im April) schlicht: “Nein.”

Und mag sein, das heißt noch gar nichts. Es mag auch sein, dass “TV total” am “vergangenen Mittwoch”, wie “Bild” schreibt, tatsächlich “nur 1,15 Millionen” Zuschauer fand (jedenfalls ungefähr: ProSieben sagt “1,2 Millionen”). Dass die Quoten nach Senderangaben jedoch am vergangenen Montag mit 1,47 Millionen oder am Donnerstag mit 1,57 Millionen (und am Dienstag trotz “Chamions League” bei 1,25 Millonen) zum Teil deutlich über dem Mittwochswert lagen, bleibt bei “Bild” unerwähnt. Und dass für ProSieben letztlich sowieso nicht alle, nur die 14- bis 49-jährigen Zuschauer zählen, auch.

Suggestiver und sinnentstellender ist da wohl nur noch die “Bild”-Grafik zum angeblichen “Quotensturz bei ‘TV total'”. Denn – mal abgesehen davon, dass die dort fürs Jahr 2000 verzeichnete Zuschauerzahl von 3,71 Millionen keine relevante Größe ist, weil “TV total” damals nicht vier- sondern nur einmal wöchentlich ausgestrahlt wurde – zeigt die Kurve mitnichten einen “Quotensturz”, sondern, nun ja, eine Konsolidierung. Schließlich hat sich der Zuschauerschwund von vormals jährlich weit über 200.000 auf zuletzt gerade mal 30.000 reduziert, so dass es durchaus angebracht wäre zu schreiben:

TV-Lästermaul Stefan Raab (38) laufen immer weniger Zuschauer weg.

Wie hingegen ein wirklicher “Quotensturz” aussähe, veranschaulicht die von uns angefertigte Vergleichsgrafik zur Auflagenentwickung der “Bild” im selben Zeitraum.
 
 
 

Gestern pfui, heute hui

Vor zwei Wochen diskutierte “Bild am Sonntag”-Chefredakteur Claus Strunz bei Sat.1 unter anderem mit “Wetten dass…?”-Moderator Thomas Gottschalk über Sinn und Unsinn der Rundfunkgebühren für ARD und ZDF.

Gottschalk musste außerdem auf die Frage antworten, warum er denn in “Wetten dass…?” ständig für Telefonfirmen und Autohersteller schleichwerbe, ausgerechnet im gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Fernsehen – und sagte darauf sinngemäß: Weil das ZDF sich die Show sonst nicht leisten könnte.

Strunz, der sich mit seiner überdeutlichen Rücksichtnahme auf die Interessen seines zweiten Arbeitgebers ProSiebenSat.1 ganz furchtbar blamierte, fand das befremdlich und ließ lieber vorschlagen, dass ARD und ZDF sich von Werbung und von Sponsoring wie in “Wetten dass…?” verabschieden sollten.

Heute nun läuft eine schöne Meldung von Strunz’ Kollegen bei Bild.T-Online über den Ticker: “Bild.T-Online mit eigenem ‘Wetten, dass ..?’ Channel.”

Hui! “Attraktive Inhalte auf hohem Online-Niveau” soll der “Channel” bieten. Und ein Rätsel für Gottschalk-Fans. Einer wird dann “in der (…) Sendung am 13. November 2004 als Gewinner von Thomas Gottschalk begrüßt (…) werden”.

Und man darf gespannt sein, ob Gottschalk sagen wird: “Das ist der Sieger des Rätsel beim Internetportal einer großen Boulevardzeitung, deren Namen wir hier nicht nennen wollen.”

Fest steht jedenfalls schon:

“Der neue Channel wird exklusiv von Bild.T-Online zusammen mit Dolce Media crossmedial sowohl Online als auch in der Bild.T-Online Beilage der BILD vermarktet.”

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