Archiv für November 3rd, 2026

Feinde der Pressefreiheit, Welle wächst, Was gilt als Fakt?

1. Die Feinde der Pressefreiheit 2026
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) listet 33 Gegner unabhängiger Medien auf. Erstmals findet sich auch US-Präsident Donald Trump darunter, dessen Angriffe auf kritische Medien die USA in der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 64 abstürzen ließen. Neben allerlei schlechten, gebe es aber auch gute Nachrichten: “Ungarns ehemaliger Ministerpräsident Viktor Orbán und Serbiens Ex-Präsident Aleksandar Vučić mussten Wahlniederlagen hinnehmen und können ihre pressefeindliche Politik nicht mehr fortsetzen.”

2. “Meine größte Sorge ist die Spaltung darüber, was als Fakt gilt”
(taz.de, Sebastian Moll)
Im Interview mit der “taz” über Falschinformationen vor der anstehenden US-Zwischenwahl warnt Social-Media-Expertin Renée DiResta vor dem Zusammenspiel aus Influencern, Algorithmen und Publikum bei der Verbreitung von Desinformation. Reine Faktenchecks würden kaum noch greifen, da viele Bürgerinnen und Bürger etablierten Quellen grundsätzlich misstrauen und selbst belegte Richtigstellungen ablehnen würden. Die größte Gefahr liege im Zerfall der Übereinkunft darüber, was überhaupt eine Tatsache ist. Künstliche Intelligenz beschleunige diesen Prozess dramatisch.

3. Populistische Medienkritik auf seriöser Bühne
(belltower.news, Patrick Gensing)
In seinem Buch “Inside Tagesschau” werfe der ehemalige Redakteur Alexander Teske der ARD Einseitigkeit und Aktivismus vor. Ex-ARD-“Faktenfinder”-Leiter Patrick Gensing schreibt, dass Teskes Thesen auf gravierenden handwerklichen Mängeln beruhen. Teske lasse Kontexte weg, kürze Zitate von ehemaligen Kollegen sinnentstellend und stelle nachweisbare Falschbehauptungen auf. Mehrere Medien hätten Berichte mit Teskes Aussagen bereits korrigieren müssen.

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4. “Wir müssen Deutschland medial weltweit vertreten können”
(faz.net, Michael Hanfeld)
Die Deutsche Welle habe ihre wöchentliche Reichweite um 20 Prozent auf die Rekordmarke von 406 Millionen Nutzerinnen und Nutzern gesteigert. Das Wachstum sei getrieben von digitalem Zuwachs und einer hoher Nachfrage in unfreien Ländern wie der Türkei oder in Subsahara-Afrika. Im Interview mit der “FAZ” warnt Intendantin Barbara Massing vor Plänen der Bundesregierung, den Auftrag des Senders einzuschränken, sowie vor jüngsten Etat-Kürzungen in Höhe von zehn Millionen Euro. Angesichts erstarkender Auslandspropaganda aus Russland und China wäre eine Schwächung des deutschen Auslandssenders ein verheerendes Signal.

5. Die Abendzeitung zwischen Legende, Krise und Neuanfang
(youtube.com, Christian Jakubetz, Video: 32:59 Minuten)
Im Podcast “Satzzeichen” zeichnet “Abendzeitung”-Chefredakteur Michael Schilling den Weg des Traditionsblatts nach. Einst durch Kult-Autoren wie Michael Graeter geprägt und Vorbild für die Serie “Kir Royal”, sei die Münchner Boulevardzeitung durch veränderte Mediennutzung 2014 in die Insolvenz geschlittert. Die Rettung habe Verleger Martin Balle aus Straubing gebracht, der unbeirrt an Print festgehalten und nahe München eine neue Druckerei gebaut habe. Nach dem Neustart mit nur 15 Redaktionsmitgliedern sei das Team wieder auf rund 50 Beschäftigte gewachsen.

6. HR strebt Vermittlungsverfahren mit jüdischer Loge an
(medien.epd.de)
Nach öffentlicher Kritik habe HR-Intendant Florian Hager ein Vermittlungsverfahren mit der jüdischen Loge B’nai B’rith angekündigt. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte in den 1950er-Jahren in der NS-Zeit enteignetes Logenland für 160.000 DM abgelöst und kurz darauf für drei Millionen DM an die Stadt Frankfurt weiterverkauft. Die Loge werfe dem HR ein monatelanges Hinhalten vor. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinden in Hessen habe aus Protest sein Amt im Aufsichtsrat einer HR-Tochter niedergelegt.