Archiv für Dezember 19th, 2008

Drei Kreuze für Queensberry

Es ist im Journalismus nichts Neues, dass bei Ereignissen, die relativ vorhersehbar sind, vorab schon mal weite Teile eines Artikels vorgeschrieben und hinterher nur noch hier und da ergänzt werden. Gerade im Online-Journalismus, wo man ja gerne so tut, als ob es auf jede Minute ankäme, lässt sich dann irgendwas ganz fix veröffentlichen.

Es ist nur blöd, wenn man so einen fast fertigen Artikel zu früh ins Netz stellt:

"Popstars": Großes Finale! xxx ist in der Band! Das ist Queensberry: Gabriella (19), Vici (16), und Leo (20) - und xxx (xx). Großes Finale bei "Popstars": Die Band ist komplett. Gabriella (19), Vici (16), und Leo (20) - und xxx (xx): Sie sind Queensberry!

Der Artikel, den Bild.de gestern Abend etwas vorzeitig abfeuerte, sah zu weiten Teilen aus wie seine aktuelle Fassung: Es ging um alles oder nichts, der erste gemeinsame TV-Auftritt von Sido und seiner Freundin war ein “Highlight der Show”, und für “die Mädels” kam es “völlig überraschend”, dass sie schon im Februar auf Tour gehen.

Wie egal es letztlich für die Sendung und den Bild.de-Artikel war, wer eigentlich das vierte Bandmitglied bei Queensberry geworden ist, offenbart dieser, nun ja, Satz…

xxx völlig fassungslos: "xxxxxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxxxx xxxxxxxxxx!"

… für dessen endgültige Version Bild.de dann aber sowieso auf einen Namen verzichtete:

Danach völlig fassungslos: "Ich kann es noch gar nicht glauben!"

Mit Dank an Simone G. für den Hinweis und den Screenshot!

Nachtrag, 20. Dezember: BILDblog-Leser Nikolai K. fragt sich, warum Bild.de eigentlich in beiden Versionen des Artikels behauptet, dass während des “Popstars”-Finals “der erste gemeinsame Live-Auftrit im TV von Jury-Mitglied Sido und seiner schönen Freundin Doreen” stattgefunden habe. Immerhin gibt es bei YouTube seit Ende Mai ein Video, in dem Sido und Doreen gemeinsam bei MTV auftreten und in dem Sido den Song “Nein” (den die beiden auch bei “Popstars” gesungen haben) mit den Worten “Wir standen noch nie zusammen auf der Bühne” anmoderiert.

Wir können ihm diese Frage leider auch nicht beantworten.

Sperrfristen, Stornierungen, Enten

1. Bundesministerium storniert Anzeige bei Bild
(faz.net, Michael Hanfeld)
“So kommt man auch auf die erste Seite der ‘Bild’-Zeitung: Man ärgert sich über eine Meldung von Seite zwei, ruft den zuständigen Autor und Redakteur an, kündigt die Streichung einer geplanten Anzeige an und bestätigt das anschließend auch noch in einer E-Mail. Und landet dann tatsächlich auf Seite eins, mit dem Eigentor des Monats – dem man grundsätzliche Bedeutung beimessen darf, nicht weil es um ‘Bild’ geht, sondern um ein Bundesministerium und dessen Verhältnis zur Kritik der Presse.”

2. “Jeder stirbt für sich allein – trotz Selbstmords im TV”
(welt.de, Matthias Kamann)
“Der Selbstmord des unheilbar kranken Briten Craig Ewert in der Sendung ‘Right to die’ hat eine neue Debatte ausgelöst, wie öffentlich ein Tod darf und sein sollte. Die einen sprechen von pietätloser Sensationsgier, die anderen von notwendiger Aufklärung. Doch was zeigen solche Sendungen wirklich?”

3. “Hü und Hott der Sperrfristen”
(perlentaucher.de, Ekkehard Knörer)
Tod dem Embargo” schrieb das Topblog Techcrunch diese Tage: “Von jetzt an ist es unser Grundsatz, jede Sperre zu brechen. Wir werden uns mit allen Vorgaben einverstanden erklären und darauf machen wir genau das, was wir für richtig halten.” In Deutschland quält sich der Journalismus weiter mit Sperrfristen ab. Der Filmkritiker Ekkehard Knörer schreibt einen Essay dazu.

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