Archiv für Mai 13th, 2005

“Bild” mischt heimlich Diesel mit Benzin

Diese ziemlich dämliche Frage stellt “Bild” heute auf Seite eins:

Und auch davon abgesehen verwirrt der Text dazu ein wenig. Dort heißt es nämlich eingangs:

Die Mineralöl-Multis Aral, Shell und Total mischen heimlich Bio-Kraftstoff aus Raps und Weizen in ihren Sprit: Bei Diesel und Normalbenzin sind es bis zu 5 Prozent pro Liter!

Und etwas später wird dann ein Sprecher von Total zitiert:

“Wir haben erhebliche Qualitätsprobleme, da sich in den Transport- und Lagertanks Wasser absetzt.”

Da wundert man sich schon, dass sich Total so offen zur heimlichen Rapsöl-Beimischung bekennt. Außerdem fragt man sich, warum die überhaupt Rapsöl verwenden, wenn sie doch finden, dass es damit Probleme gibt. Und eine Antwort könnte diese Pressemitteilung von Total geben, die die Überschrift trägt, “Richtigstellung zu fehlerhaftem Bericht der BILD Zeitung”. Da steht u.a. dies hier:

An keiner der rund 1200 Tankstellen von TOTAL in Deutschland wird Benzin mit Ethanol-Beimischung verkauft. (…) Insofern ist das Zitat in der BILD Zeitung zwar formal richtig, aber im falschen Zusammenhang: Es ist die Begründung, weshalb TOTAL kein Ethanol beimischt.

Und wer will, mag sich auch noch diese Pressemitteilung des Mineralölwirtschaftsverbands durchlesen, oder diese des Deutschen Bauernverbands. In allen Mitteilungen kann man auch erfahren, dass die Mineralölgesellschaften gar keinen Hehl daraus machen, dass sie dem Diesel, anders als dem Ottokraftstoff, durchaus Bioethanol Biokomponenten beimischen.

Natürlich muss man das nicht glauben, aber immerhin ergibt es Sinn — im Gegensatz zum “Bild”-Artikel.

Mit Dank für die sachdienlichen Hinweise an Jan M. und Stefan.

Überraschend ist etwas anderes II

Amigo-Affäre um Grünen-Chefin Roth — Warum bekam ihr Freund so lukrative Staatsaufträge?

So schrieb “Bild” am 20. April 2005. Die Antwort auf die von “Bild” gestellte Frage muss offen bleiben, denn Roths Freund bekam die “lukrativen Staatsaufträge” schon, als er noch gar nicht ihr Freund war, was es ein bisschen knifflig macht, darin eine wie auch immer geartete “Amigo-Affäre” zu sehen.

Erstaunlicherweise blieb die “Bild”-Zeitung dennoch bei ihrer Darstellung, und Claudia Roth musste sich ihr Recht auf eine Gegendarstellung erst vor Gericht erkämpfen. Heute nun steht sie im Blatt. Und der Artikel, von dem ein “Bild”-Sprecher zuletzt noch sagte, die Fakten seien korrekt und man habe sich nichts vorzuwerfen, ist spurlos aus dem Online-Angebot verschwunden.

Korrektur, 14. Mai: Nur der Online-Ableger von “Bild” hat die Gegendarstellung akzeptiert und gedruckt. Die “Bild”-Zeitung geht weiterhin juristisch dagegen vor.

Nachtrag, 13.6.2005:
Über den aktuellen Stand der juristischen Auseinandersetzung informiert heute (unter dem Titel “Vorentscheid für Roth”) die kommerzielle Dementi-Plattform Fairpress.biz von Ex-“Bild”-Chef Udo Röbel.

Die bittere Rache III

Faustregel 1: Wenn die “Bild”-Zeitung gegen jemanden eine Kampagne fährt, hört sie nicht nach zwei Tagen auf.

Faustregel 2: Je länger die Kampagne andauert, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass in den Artikeln noch Dinge stehen, die stimmen.

Heute ist der dritte Tag der aktuellen “Bild”-Kampagne gegen Alexandra Neldel, und die Zeitung hat sich Folgendes einfallen lassen:

Riesen-Zoff um Sexszenen! Schmeißt Alexandra Neldel bei "Verliebt in Berlin" hin?

“Bild” schreibt: Weil RTL im Juli den Film “Miststück” mit ihr wiederhole, in dem “heiße Sexszenen” mit ihr zu sehen seien, sei Neldel “stinksauer” und wolle vielleicht sogar bei “Verliebt in Berlin” aussteigen.

Nun kann man sich fragen, ob das denn stimmt. Vorher aber noch kann man sich fragen, ob das überhaupt einen Sinn ergibt: Neldel ist bei Sat.1 so erfolgreich, dass RTL sich ärgert. RTL will Neldel zurückärgern und wiederholt deshalb einen alten Film mit ihr. Neldel ärgert sich so sehr über RTL, dass sie daraufhin bei Sat.1 kündigt.

Oder, anders gesagt: Hä?

“Bild” behauptet weiter, Christian Popp, der Produzent von “Verliebt in Berlin”, habe “Bild” gegenüber gesagt:

“Ob Frau Neldel auch in einer weiteren Staffel mitwirkt, ist derzeit noch unklar.”

Mal abgesehen davon, dass auch “noch unklar” ist, ob es eine weitere Staffel geben wird (Telenovelas wie “Verliebt in Berlin” sind eigentlich nicht auf Unendlichkeit angelegt), hat sich Alexandra Neldel schon vor einem Monat festgelegt. Bei “Beckmann” sagte sie am 18. April 2005:

“Ich fände es traurig, weiterzumachen. Dann müssen sie jemand anderes suchen. Nach 225 Folgen ist die Geschichte erzählt.”

Damals war von dem angeblichen Wirbel um die RTL-“Miststück”-Wiederholung noch nichts zu ahnen; der von “Bild” hergestellte Zusammenhang ist offenkundig falsch.

Dass der eigentliche “Zoff um Sexszenen”, von dem “Bild” schreibt, nicht zwischen RTL und Sat.1 stattfindet, sondern zwischen Neldel und dem Springer-Verlag, in dem “Bild” erscheint, verheimlicht die Zeitung. Neldel geht (wie gesagt) dagegen vor, dass Springer mehrmals rechtswidrig ein altes “Playboy”-Foto von ihr veröffentlicht hat. Wenn man das weiß, erkennt man auch den “Bild”-Humor, der sich in diesem Text unter einem Foto von Neldel ausdrückt:

Die gebürtige Berlinerin Alexandra Neldel liebt es, sich erotisch fotografieren zu lassen