Autoren-Archiv

Zuckerberg verlangt Geld, Chatbot an der Leine, 1000 Klatschmagazine

1. Ein Haken für Facebook und Instagram
(tagesschau.de)
Nach Twitter führt nun auch der Instagram- und Facebook-Mutterkonzern Meta ein kostenpflichtiges Abo ein. Das Unternehmen von Mark Zuckerberg soll demnächst monatlich mindestens 11,99 US-Dollar (aktuell etwa 11,20 Euro) für das blaue Verifizierungshäkchen verlangen. Wer für die Buchung ein iPhone nutzt, soll noch einen Aufschlag von 30 Prozent zahlen müssen – eine Gebühr, die Apple beim Kauf von Abonnements aufschlägt.

2. Griaß di, allet jut
(taz.de, Francesca Polistina)
Lokale Akzente seien bei Mo­de­ra­to­rin­nen und Moderatoren im deutschen Fernsehen und Radio immer öfter zu hören, fremdsprachige dagegen kaum, beklagt Francesca Polistina in ihrem Artikel über mangelnde Diversität in deutschen Medien: “Es gibt wenige Dinge, die hierzulande so identitätsstiftend sind wie die Sprache: die erhitzte Diskussion um Deutschkenntnisse von geflüchteten Menschen und der Kinder mit Migrationshintergrund, die regelmäßig geführt wird, ist nur ein Beispiel. Es überrascht also nicht, dass Mi­grant*in­nen der ersten Generation im deutschen Journalismus kaum Chancen haben.”

3. Microsoft legt Bing-Chatbot an die Leine
(spiegel.de)
Im Internet kursieren verstörende Screenshots von Dialogen mit Microsofts Bing-Chatbot, darunter spontane Liebesbekundungen, unbeholfene oder übergriffige Antworten. In einem Versuch der Schadensbegrenzung hat Microsoft nun die Bing-Chats auf 50 Fragen pro Tag und fünf pro Sitzung beschränkt. Man befürchte wohl, dass “Bing Chat” bei längeren Gesprächen wieder zu persönlich werden könnte.

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4. Türkei verhindert Berichte über Erdbeben
(reporter-ohne-grenzen.de)
Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisiert das Verhalten der türkischen Behörden im Zusammenhang mit den Erdbeben. Diese dürfen die Tragödie nicht ausnutzen, um die Pressefreiheit noch weiter einzuschränken: “Die zahlreichen Angriffe, Festnahmen und Einschüchterung gegen Medienschaffende sind alarmierend. Sie müssen sofort aufhören. Reporterinnen und Reporter, die zurzeit in die verwüsteten Gebiete fahren, tun nur ihre Arbeit und das unter schrecklichen Bedingungen. Ihre Berichterstattung ist wichtiger denn je.”

5. Diese Frau hat nur Dollarzeichen in den Augen
(faz.net, Alfons Kaiser)
Die aktuelle Staffel der Castingshow “Germany’s Next Topmodel” begann mit einem immerhin zehnminütigen Statement an die Zuschauerinnen und Zuschauer, in dem Chefjurorin Heidi Klum die vielfältige Kritik an der Sendung zurückwies. Alfons Kaiser ist nicht überzeugt: “Wer soll ihr glauben, dass ihre Bemühungen um ‘Diversity’ auch zur Vielfalt im Denken verführen? Die Ärzte, die Anorexie behandeln, klagen weiter über eine solche Bühne für falsche Äußerlichkeiten. Die Anpassung an Trends ist nicht ethische Selbstkorrektur, sondern geschäftliches Dogma.”

6. Ich hab’ 1.000 Klatschmagazine aus 70 Jahren gelesen
(twitter.com, Topf voll Gold, Mats Schönauer, Video: 1:11 Minuten)
Mats Schönauer wirft beim “topfvollgold” regelmäßig einen Blick in die Abgründe der Klatschpresse. Diesmal hat er sich auf eine Zeitreise in die vergilbten Hefte der 50er-Jahre begeben, um in einem wilden Ritt auf ein aktuelles Thema der Yellow Press zu stoßen: Hackfleisch.

KW 07/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

***

1. Wie Julian Reichelt die Wirklichkeit verdreht – und was dahinter steckt
(ndr.de, Nils Altland, Audio: 26:14 Minuten)
Nils Altland hat sich für “Zapp” angesehen, was Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt auf Youtube genau macht, mit welchen (unlauteren) Methoden er arbeitet, was Reichelt mit seiner Firma Rome Medien vorhaben könnte und wer diese Art von krawalliger Meinungsshow eigentlich finanziert.

2. “Wenn sie die Informationen nicht rausrücken, verklagen wir sie”
(zeit.de, Daniel Erk, Audio: 43:33 Minuten)
Arne Semsrott betreibt als Projektleiter das Portal “FragDenStaat”. Im Gespräch mit Daniel Erk erzählt er, wie er auf die Idee kam, Behördenakten für alle zugänglich zu machen, und sagt, dass er damit bei den Behörden oft auf wenig Begeisterung stoße: “Aber sie wissen auch, dass wenn sie die Informationen nicht rausrücken, dann verklagen wir sie. Und das ist dann noch mehr Arbeit.”

3. Alles Streamt! Mit Oliver Kalkofe.
(n-joy.de, Norbert Grundei, Audio: 1:16:49 Stunden)
Oliver Kalkofe ist Medienkritiker, Comedian, Schauspieler, Drehbuchautor, Sprecher, Kolumnist und seit einigen Monaten auch Podcaster. Im Interview mit Norbert Grundei spricht er über klassisches Fernsehen, neue Streamingdienste und erklärt, warum lustig sein, auch anstrengende Arbeit ist.

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4. Alles Propaganda?
(sueddeutsche.de, Nils Minkmar & Nadia Zaboura, Audio: 34:40)
Zu Gast im Medienpodcast “quoted” ist diesmal der Journalist und Sachbuchautor Birand Bingül, ehemaliger Leiter der ARD-Kommunikation beim WDR und Autor des Buchs “Alles Propaganda”. Es geht um die Frage, wie Medien mit manipulativen Aussagen extremer Bewegungen und Parteien umgehen sollen: Was kann der Journalismus solcher Propaganda entgegensetzen?

5. Wie verändert Künstliche Intelligenz schon jetzt die Medien?
(ardaudiothek.de, Jonathan Schulenburg, Audio: 26:54 Minuten)
Künstliche Intelligenz (KI) wird sich in den nächsten Jahren wahrscheinlich immer mehr durchsetzen. Schon heute werden Programme wie ChatGPT zum Schreiben von Artikeln eingesetzt, wenn auch nur vereinzelt. Jonathan Schulenburg hat sich bei Expertinnen und Experten umgehört, wie KI die Medien verändert, und gefragt, ob das nützlich oder gefährlich ist.

6. War unsere Berichterstattung über “Katapult Ukraine” nur ein “gefälschter Skandal”?
(uebermedien.de, Holger Klein, Audio: 31:55 Minuten)
Ende Januar ist der Geschäftsführer und Chefredakteur von “Katapult”, Benjamin Fredrich, zurückgetreten. Er wolle sich nun verstärkt seinem Projekt “Katapult Ukraine” widmen, wie er sagt. Vorausgegangen waren zahlreiche Vorwürfe, die “Übermedien” veröffentlicht hatte. Nach Fredrichs Rückzug hatte “Katapult” einen “Transparenzbericht” zum Ukraine-Projekt nachgereicht. Das war wiederum Anlass für den NDR, mit Benjamin Fredrich über die darin enthaltenen Informationen zu sprechen. In diesem Gespräch nannte Fredrich die Angelegenheit einen “gefälschten Skandal”. Im nun veröffentlichten “Übermedien”-Podcast erklärt Stefan Niggemeier, warum es das aus seiner Sicht nicht war und was ihn am meisten bei der Sache ärgere: “Katapults” Umgang mit den ukrainischen Journalisten, die man im Grunde “vor den Bus werfe”.

Fall Reichelt neu aufgerollt, Putins “Atomschiffe”, “LinkedInfluencer”

1. Julian Reichelt und die Frauen: “Bumsen, belügen, wegwerfen”
(ardmediathek.de, Reschke Fernsehen, Video: 29:25 Minuten)
Das Team von “Reschke Fernsehen” hat den Fall Reichelt neu aufgerollt. Die Recherchen zeigen, wie triebhaft und systematisch Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt seine Macht über ihm unterstellten Frauen missbraucht hat. Aber auch Springers Umgang mit Reichelts Fehlverhalten wirft Fragen auf: Mindestens zwei “Bild”-Mitarbeiterinnen sollen bereits im Herbst 2019 über einen anonymen Briefkasten des Unternehmens schwere Vorwürfe gegen Reichelt erhoben haben.

2. Falschmeldung zu Putins “Atomschiffen”
(zdf.de, Oliver Klein)
Berichte über die Entsendung von Atomwaffenschiffen durch Russland haben sich als falsch erwiesen. Auch Bild.de titelte, Wladimir Putin habe “Atomschiffe” in der Ostsee “in Stellung” gebracht. Die Alarmmeldungen scheinen aufgrund von falschen Übersetzungen eines norwegischen Geheimdienstberichts entstanden zu sein. Atomwaffen-Experte Frank Sauer hält die Befürchtungen für übertrieben: “Die taktischen Atomwaffen Russlands, auch die seegestützten, sind zentral gelagert. Wenn diese Flotte tatsächlich nuklear bestückt worden wäre, dann müssten westliche Geheimdienste das eigentlich beobachtet haben.”

3. Reporter-ohne-Grenzen-Chef Hausjell zu “Storykillers”: “Wir sind nicht sicher”
(derstandard.at, Laurin Lorenz)
Fritz Hausjell ist Medienhistoriker und Präsident von Reporter ohne Grenzen Österreich. In einem Interview mit dem österreichischen “Standard” fordert Hausjell ein Gesetz gegen die staatlich geförderte Verbreitung von “Strategisch Notwendigem Unsinn”, wie ÖVP-Mediensprecher Gerald Fleischmann seine Ablenkungs-PR in seinem Buch nannte.

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4. Staatsoper Hannover trennt sich im gegenseitigen Einvernehmen und mit sofortiger Wirkung von Ballettdirektor Marco Goecke
(staatstheater-hannover.de)
Nach der Hundekot-Attacke des Direktors des Staatsballetts Hannover auf eine Tanzkritikerin der “FAZ” hat das Theater die Konsequenzen gezogen und den Vertrag in “gegenseitigem Einvernehmen und mit sofortiger Wirkung” aufgelöst. In der langen Erklärung wird deutlich, wie sehr die Intendantin ihren nunmehr ehemaligen Ballettdirektor noch immer schätzt. An einer Stelle ist auch davon die Rede, dass man sich eine Zusammenarbeit “momentan” nur schwer vorstellen könne. Das muss also nicht das letzte Wort in der Sache gewesen sein.

5. Das LinkedIn-Ranking: Das sind die “LinkedInfluencer” und Firmen mit den meisten Followern
(omr.com, Roland Eisenbrand)
Der Investor, Berater und Podcaster Philipp Klöckner hat sich für “OMR” die zwanzig reichweitenstärksten Accounts des Business-Netzwerks LinkedIn angeschaut und ausgewertet (Datentabelle). Dem Digitalexperten ist dabei aufgefallen, dass einige der Höchstplatzierten nur sehr niedrige Engagement-Raten aufweisen. Haben also drei der größten “LinkedInfluencer” getrickst? Wer sich das alles lieber von Klöckner selbst erklären lassen möchte, dem sei Folge 222 des “Doppelgänger”-Podcasts empfohlen.

6. “Wir manipulieren nicht”: Heidi Klum wendet sich zum “GNTM”-Staffelstart an ihre Kritiker
(rnd.de, Sebastian Heintz)
Zu Beginn der neuen Staffel von “Germany’s Next Topmodel” wandte sich Heidi Klum mit einem Statement an die Zuschauerinnen und Zuschauer, in dem sie die vielfältige Kritik an der Sendung zurückwies. Dies kommt für Sebastian Heintz nicht überraschend: “Ebenso wenig, dass sie als Plattform ihre eigene Show wählt, während der niemand kritische Nachfragen stellen kann. Die mag die 49-Jährige nämlich offensichtlich gar nicht: Im vergangenen Jahr hatte das Model ein Interview mit dem Medienmagazin ‘DWDL.de’ kurzfristig abgesagt – weil ‘die Fragestellungen im Ganzen zu negativ seien’.”

“Storykillers”, Hundekot-Attacke, EU-Kommission verklagt Deutschland

1. Storykillers
(zeit.de)
Die gemeinnützige Investigativredaktion “Forbidden Stories” hat das internationale Rechercheprojekt “Storykillers” ins Leben gerufen. Dafür haben sich 100 Journalistinnen und Journalisten aus 30 Medienhäusern zusammengeschlossen. Anlass für die Recherchen sei der Mord an der indischen Journalistin und Aktivistin Gauri Lankesh gewesen. In Deutschland waren neben der “Zeit” auch der “Spiegel” und das ZDF Teil der Recherchen, in Österreich der “Standard”. Es lohnt sich, die jeweiligen Übersichtsseiten anzuklicken, hinter denen sich so manch spektakuläre Geschichte verbirgt (teils allerdings hinter der jeweiligen Paywall), zum Beispiel, wie sich Undercover-Reporter bei der “Schattenfirma Team Jorge”, die “weltweit gegen Geld Wahlen manipuliert haben” soll, eingeschlichen haben (wobei die ganz große Brisanz des Berichts teilweise bezweifelt wird).

2. Hundekot-Attacke – Kritikerin Hüster im Studio
(ardmediathek.de, Nino Gadient, Video: 36:16 Minuten)
Wie diese Woche in den “6 vor 9” berichtet, kam es am vergangenen Wochenende am Rande einer Ballettpremiere zu einem Eklat: In der Pause nach dem ersten Stück hat der Direktor des Staatsballetts Hannover die “FAZ”-Tanzkritikerin Wiebke Hüster zunächst verbal, dann auch körperlich und mit Hundekot angegriffen. Anschließend suspendierte das Theater den Ballettdirektor, “um Ballettensemble und Staatstheater vor weiterem Schaden zu schützen.” Der Direktor selbst äußerte sich hingegen in einer Art und Weise, die den Verdacht aufkommen lässt, dass weder Einsicht noch Reue vorhanden sind. Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man ihm in der 3sat-Sendung “Kulturzeit” zuhört. Interessanter sind da schon die Aussagen seines im Studio anwesenden Opfers, der “FAZ”-Journalistin Wiebke Hüster.

3. EU-Kommission verklagt Deutschland
(tagesschau.de)
Das kam angesichts des bisherigen Verlaufs fast mit Ansage: “Die EU-Kommission verklagt Deutschland wegen unzureichendes Schutzes von Hinweisgebern vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Der Bundesrepublik wird vorgeworfen, Regeln zum Schutz von Menschen, die Verstöße gegen EU-Recht melden, nicht vollständig umgesetzt zu haben, wie die Kommission mitteilte.”

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4. Was braucht es für ein gutes Sachbuch?
(fachjournalist.de, Daniela Pucher)
“Fachbuch, Sachbuch oder Ratgeber sind wunderbare Medien, mit denen sich Fachjournalistinnen und -journalisten gleich in zweierlei Hinsicht positionieren können: Sie präsentieren ihre Schwerpunktthemen und beweisen gleichzeitig ihren professionellen Schreibstil.” Daniela Pucher hat einige Tipps für angehende Autoren und Autorinnen parat.

5. “Systeme sind keine Menschen”
(taz.de, Svenja Bergt)
Wolfgang Schulz ist unter anderem Forschungsdirektor des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin und des Leibniz-Instituts für Medienforschung in Hamburg. Im Interview mit der “taz” äußert sich der Digitalisierungsexperte zu Chancen und Risiken der neuen KI-Textgeneratoren. Wichtig sei Transparenz, so Schulz: “Wenn eine KI am Erstellen eines Textes beteiligt war, ganz egal welcher Art, dann muss das ersichtlich sein.”

6. So willkürlich entstehen Horoskope in Medien
(kobuk.at, Thomas Pichler)
Man hätte es vorhersehen können, aber Horoskope in Medien sind oft willkürlich erfunden. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Untersuchung von Thomas Pichler, der sich angeschaut hat, wie österreichische Redaktionen mit dieser speziellen Textgattung umgehen. Sein Fazit: “Wenn Medien die Horoskope nicht selbst frei erfinden, werden sie oft von externen Quellen kopiert. Entweder per Copy&Paste plagiiert, oder von Agenturen gegen Geld.”

“Focus”-“Arztsiegel”, Geld für Ex-Programmchef, NS-Verstrickungen

1. Focus-Siegel für Ärzte ist irre­füh­rend
(lto.de)
Endlich hat ein Gericht (voraussichtlich) Schluss gemacht mit den “Arztsiegeln” des “Focus”, die das Magazin zahlungswilligen Ärzten und Ärztinnen zum Preis von 2.000 Euro zur Übernahme anbietet. Mit der Vergabe der Siegel verstoße der Verlag gegen das “lauterkeitsrechtliche Irreführungsverbot”, urteilte das Landgericht München. Die Siegel erwecken den unzutreffenden Eindruck, die mit der “Focus-Empfehlung” werbenden “Top-Mediziner” seien aufgrund einer neutralen und sachgerechten Prüfung ausgezeichnet worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

2. ZDF-Gründungsintendant: Verstrickungen ins NS-Regime
(dwdl.de)
Das ZDF hat anlässlich eines bevorstehenden Jubiläums die Rolle seines Gründungsintendanten Karl Holzamer während der NS-Zeit aufgearbeitet und ist dabei auf Verstrickungen in das Nazi-Regime gestoßen. Nach Angaben des Senders wurde der Lebenslauf Holzamers im eigenen Presseportal “aufgrund der jetzt vorliegenden neuen Erkenntnisse” korrigiert. Auch das “heute journal” berichtete gestern Abend über das Thema – mit einem Beitrag über die neuen Erkenntnisse zu Holzamers Rolle während der NS-Zeit und einem Interview mit dem Historiker Sönke Neitzel.

3. Abfindungspaket für RBB-Programmchef: Schulte-Kellinghaus bekommt mehr als 400.000 Euro und 9000 Euro Rente pro Monat
(businessinsider.de, Tobias Fuchs & Jan C. Wehmeyer)
Nach den Enthüllungen über Missstände beim RBB hat Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus den Sender auf eigenen Wunsch verlassen. “Business Insider” hat Einblicke in sein Abfindungspaket erhalten: “Der öffentlich-rechtliche Sender zahlt dem Manager noch zwei Jahre monatlich 18.000 Euro und später eine Pension in Höhe von 9000 Euro. Dafür verzichtet Schulte-Kellinghaus auf das üppige Ruhegeld, das ihm ab dem Tag der Trennung zustünde.”

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4. Nach CORRECTIV-Klage: Sachsen-Anhalt gibt Daten zu größten Wasserschluckern heraus
(correctiv.org, Justus von Daniels & Gesa Steeger)
Im Rahmen einer Recherche über die größten industriellen Wasserverbraucher hatte “Correctiv” auch beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt angefragt, doch die Behörde verweigerte die Auskunft. Erst als das “Correctiv”-Team auf Herausgabe der Daten klagte, lenkte das Amt ein. Wohl auch, um einem Urteil zu entgehen. Der mit Abstand größte Wasserverbraucher des Bundeslandes ist übrigens die MIBRAG Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH.

5. Was sind Memes? Wenn Witz und Kritik viral gehen
(mdr.de)
Die Redaktion “Medien360G” des MDR hat ein umfangreiches Dossier zum Thema Memes veröffentlicht. Dabei handelt es sich laut Wikipedia um kreative Inhalte, die hauptsächlich über das Internet verbreitet werden und in der Regel humorvoll und erheiternd, manchmal auch satirisch und entsprechend gesellschaftskritisch sind. Die Zusammenstellung umfasst ein 13-minütiges Video, eine Kurzanimation sowie mehrere Online-Artikel und Interviews.

6. Musk-Tweets fluten Twitter
(spiegel.de)
Nachdem sich Elon Musk darüber beschweret hatte, dass er auf seiner eigenen Plattform Twitter zu wenig Aufmerksamkeit bekäme, scheinen Mitarbeiter etwas an den Algorithmen verändert zu haben: “Die Penetranz, mit der Twitter derzeit die Nachrichten des Firmeneigentümers vorführt, erscheint exzessiv. Selbst eine Stummschaltung des Accounts scheint keine Wirkung zu haben.”
Siehe dazu auch den Tweet des NBC-Reportes Ben Collins, hier in deutscher Übersetzung: “Elons Cousin James Musk hielt nach dem Super Bowl eine Dringlichkeitssitzung bei Twitter ab, weil die Tweets von Elon schlechter abschnitten als die von Joe Biden. Daraufhin ließen die Twitter-Ingenieure in aller Eile den Twitter-Algorithmus ändern, um sicherzustellen, dass Elon eine ‘noch nie dagewesene Förderung’ erhält.”

Erdbeben, Staatstheater suspendiert Ballettchef, ChatGPT soll zahlen

1. Das eigene Versagen vertuschen
(taz.de, Wolf Wittenfeld)
Wolf Wittenfeld beschreibt die “offizielle Propaganda” der türkischen Regierung nach dem Erdbeben und zeigt, wie diese versucht, das Bild zu vermitteln, Präsident Recep Tayyip Erdoğan tue alles, um den Opfern zu helfen. Kritiker, die den offiziellen Verlautbarungen widersprechen, würden verhaftet, die Berichterstattung werde eingeschränkt. Sein Ziel erreiche der Staat laut Wittenfeld damit jedoch nicht, denn “so sehr die Regierung ihr geschöntes Bild der Lage durchzusetzen versucht, die Versäumnisse im Anschluss an das Beben und auch die Versäumnisse bei der Kontrolle von Bautätigkeiten zuvor sind einfach zu groß, um sie unter der Decke halten zu können.”

2. Nach Hundekotattacke: Staatstheater Hannover suspendiert Ballettchef
(rnd.de)
Wie gestern in den “6 vor 9” berichtet, kam es am Wochenende am Rande einer Ballettpremiere zu einem Eklat: In der Pause nach dem ersten Stück soll der Direktor des Staatsballetts Hannover die “FAZ”-Tanzkritikerin Wiebke Hüster zunächst verbal, dann auch körperlich und mit Tierkot angegriffen haben. Nun sei der Ballettdirektor vom Theater suspendiert und mit einem Hausverbot belegt worden, “um Ballettensemble und Staatstheater vor weiterem Schaden zu schützen.” In einem Video-Statement äußert sich der Direktor des Balletts in einer Art und Weise, die den Verdacht aufkommen lässt, dass weder Einsicht noch Reue vorhanden sind.

3. Verlage fordern Lizenzgebühren für Chatbot-Nutzung
(golem.de, Friedhelm Greis)
Da KI-Programme wie ChatGPT mit unzähligen Presseinhalten trainiert wurden und bei der Bewältigung von Aufgaben immer wieder auf journalistische Texte zurückgreifen, liegt der Gedanke nahe, die Verlage, von denen diese Inhalte hergestellt wurden, auch am wirtschaftlichen Erfolg der Software zu beteiligen. Friedhelm Greis fasst bei “Golem” die aktuellen Überlegungen und Schwierigkeiten zusammen.

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4. Google startet Kampagne gegen Fake News über ukrainische Geflüchtete
(spiegel.de)
Google startet in Deutschland eine Videoaufklärungskampagne gegen mögliche Vorbehalte gegenüber ukrainischen Flüchtlingen. Bisher hatte sich der Konzern bei seinen Aufklärungsaktionen auf Polen, Tschechien und die Slowakei konzentriert. Die Kampagne basiert auf Untersuchungen von Psychologen der britischen Universitäten Cambridge und Bristol, die ein Konzept zur Vermeidung von Fehlinformationen (“Prebunking”) entwickelt haben.

5. Honorarerhöhungen – freie Fotograf*innen reduzieren ihre Angebote an die dpa
(dju.verdi.de, Matthias von Fintel)
Der Deutsche Journalisten-Verband und Verdi fordern von der dpa höhere Honorare für freie Fotografinnen und Fotografen. Um dem Verlangen Nachdruck zu verleihen, soll der aktuelle Output reduziert werden: “Vor allem die gestiegenen Aufwendungen für Anreisen zu Terminen, Technik und auch gestiegene Lebenshaltungskosten bringen die Kolleginnen und Kollegen nun dazu, dass sie in dieser Woche bis auf weiteres ein reduziertes Angebot für Bildlieferungen der dpa offerieren.”

6. Das Geschäft der Regenbogenpresse mit Daniel Küblböck
(twitter.com/topfvollgold, Mats Schönauer, Video: 1:27 Minuten)
Yellow-Press-Kritiker Mats Schönauer von “topfvollgold” hat sich genauer angesehen, wie die Regenbogenpresse mit Daniel Küblböck Kasse macht. Natürlich zulasten des verstorbenen Künstlers, seiner Familie und all der Leserinnen und Leser, die mit den erfundenen Geschichten hinters Licht geführt werden.

Tierkot auf Tanzkritikerin, Kabale und Magazine, Seltsame Straßenumfrage

1. Ballettchef Goecke beschmiert Kritikerin in Hannover mit Hundekot
(ndr.de)
Am Samstag kam es am Rande einer Ballettpremiere zu einem Eklat der besonderen Art: In der Pause nach dem ersten Stück soll der Ballettdirektor des Staatsballetts Hannover die “FAZ”-Tanzkritikerin Wiebke Hüster zunächst verbal, dann auch körperlich und mit Tierkot angegriffen haben. Das “FAZ”-Feuilleton wertet die Attacke auch als “Einschüchterungsversuch gegenüber unserer freien, kritischen Kunstbetrachtung”.

2. Kabale und Magazine
(taz.de, Steffen Grimberg)
Steffen Grimberg lässt die unschönen Entwicklungen bei Gruner + Jahr Revue passieren. Vor allem für Bertelsmann-Chef Thomas Rabe findet er wenig schmeichelhafte Worte: “Wenn der 57-Jährige über mediale Inhalte spricht oder gar Journalismus zur Kardinaltugend erklärt, wirkt das nicht nur immer, als hätte es ihm die Pressestelle aufgeschrieben. Es ist es vermutlich auch genau so.”

3. Wie oft muss sowas passieren, bis es nicht mehr passiert?
(uebermedien.de, Boris Rosenkranz)
Bei Straßenumfragen kommen normalerweise zufällig ausgewählte Passanten oder Fußgängerinnen zu Wort. So tauchte in einem Beitrag der ZDF-Sendung “Drehscheibe” zur neuen Gestaltung der Berliner Friedrichstraße wie zufällig eine Marie Heidenreich auf und schwärmte davon, wie schön doch jetzt alles sei. Dass es sich bei Heidenreich um eine Person aus dem Umfeld der politische beteiligten Grünen handelt, sei jedoch nicht erwähnt worden. Boris Rosenkranz kommentiert: “Letztlich ist es ein Bärendienst in Sachen Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den das ZDF und die Grüne da geleistet haben. Da ist es am Ende auch egal, wie journalistisch egal die Sendung ist, in der der Beitrag lief, und dass der sogar recht ausgewogen war.”

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4. Das ZDF im medienpolitischen Freiraum?
(medienpolitik.net, Helmut Hartung)
Helmut Hartung vermisst bei den Stellungnahmen des ZDF-Intendanten Norbert Himmler die Reformwilligkeit. Er habe “den Eindruck, dass man in der Mainzer Anstalt glaubt, sich in einem medienpolitischen Freiraum zu bewegen. Das wäre allerdings fatal. Das öffentlich-rechtliche System lässt sich nur als Ganzes reformieren. Wenn das nicht gelingt, helfen alle Bekundungen, wie wichtig es für unsere demokratische Grundordnung sei, auch nicht weiter.”

5. Bundesrat kippt Whistleblower-Gesetz
(tagesschau.de)
Der Bundesrat hat das bereits im Dezember vom Bundestag beschlossene Whistleblower-Gesetz gekippt. Nun gehe das Gesetz voraussichtlich in den Vermittlungsausschuss. “CDU/CSU lassen Whistleblower mit ihrer Blockadehaltung im Bundesrat erneut im Stich, wie bei allen früheren Anläufen für ein Hinweisgeberschutzgesetz. Den Schaden davon haben nicht nur die Whistleblower, sondern auch Demokratie, Rechtsstaat und die Wirtschaft selber”, kritisiert Annegret Falter, Vorsitzende des Whistleblower-Netzwerks.

6. Für eine neue Arbeitskultur
(out-takes.de, Peter Hartig)
Beim Max-Ophüls-Festival wurde auch über die Arbeitsbedingungen in der Filmbranche diskutiert. Es ging um “soziale Nachhaltigkeit und wie wir miteinander arbeiten wollen”. Peter Hartig war dabei und hat beobachtet, wie die Panel-Teilnehmer und -Teilnehmerinnen um Lösungen rangen.

KW 06/23: Hör- und Gucktipps zum Wochenende

Hurra, Wochenende – und damit mehr Zeit zum Hören und Sehen! In unserer Wochenendausgabe präsentieren wir Euch eine Auswahl empfehlenswerter Filme und Podcasts mit Medienbezug. Viel Spaß bei Erkenntnisgewinn und Unterhaltung!

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1. “Katapult Ukraine” – Gründer Benjamin Fredrich spricht über Vorwürfe
(ndr.de, Siv Stippekohl & Carolin Kock, Video: 1:02:04 Stunden)
Ende Januar ist der Geschäftsführer und Chefredakteur von “Katapult”, Benjamin Fredrich, zurückgetreten. Er wolle sich nun verstärkt seinem Projekt “Katapult Ukraine” widmen, wie er sagt. Vorausgegangen waren zahlreiche Vorwürfe, die “Übermedien” veröffentlicht hatte. Nach Fredrichs Rückzug hatte “Katapult” einen “Transparenzbericht” zum Ukraine-Projekt nachgereicht. Anlass für den NDR, mit Benjamin Fredrich über die darin enthaltenen Informationen zu sprechen.

2. Reichsbürger: Der Medienhype um die Razzia
(ndr.de, Zapp Medienmagazin, Video: 19:17 Minuten)
Am 7. Dezember 2022 fand eine Großrazzia in der Reichsbürgerszene mit Schwerpunkten in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen und Hessen statt. Die große Medienpräsenz während der Polizeiaktion wirft Fragen auf: Wie kam es, dass offensichtlich viele Journalistinnen und Journalisten schon vor der Razzia Bescheid wussten? Gab es Absprachen zwischen Medien und Behörden? Das Medienmagazin “Zapp” ist der Sache nachgegangen.

3. Inside Iran: Journalismus unter Dauerzensur – Wie wir im Iran berichten
(youtube.com, Weltspiegel, Katharina Willinger, Video: 6:13 Minuten)
Nach mehreren gescheiterten Anläufen hat ARD-Korrespondentin Katharina Willinger ein Visum für den Iran erhalten und durfte endlich einreisen. Im “Weltspiegel” berichtet sie über die Arbeitsbedingungen vor Ort. Ihre Möglichkeiten seien massiv eingeschränkt, sie dürfe Teheran nicht verlassen und müsse Interviews mit Menschen auf der Straße anonymisieren, um die Gesprächspartner nicht zu gefährden.

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4. RechtSchreiben: Journalismus und Recht mit Prof. Dr. Doris König und Giovanni di Lorenzo
(youtube.com, Bucerius Law School, Luca Aliza Kleeberg, Video: 1:32:43 Stunden)
“Eine verantwortungsvolle und fachlich fundierte Berichterstattung über Gerichtsprozesse, neue Gesetze und gesetzliche Rahmenbedingungen aktueller politischer und gesellschaftlicher Themen ist essentiell für eine demokratische Gesellschaft. Gleichzeitig bietet der rechtliche Rahmen Schutz und Grenzen für journalistisches Arbeiten. Bedeuten sie einander Fluch oder Segen?” Darüber diskutieren “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und die Vizepräsidentin des Bundesverfassungsgerichts Doris König im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion.

5. Panzer, nichts als Panzer – Berichten Medien tendenziös pro Waffenlieferungen an die Ukraine?
(ardaudiothek.de, Deutschlandfunk, Brigitte Baetz, Audio: 31:39 Minuten)
Berichten Medien tendenziös über und für Waffenlieferungen an die Ukraine? Über diesen auch von den Autoren Richard David Precht und Harald Welzer erhobenen Vorwurf diskutiert ein Hörer im Deutschlandfunk (Dlf) mit Friedbert Meurer (Dlf Aktuelles) und Brigitte Baetz (“mediasres”).

6. Ulrich Wickert – Wie schafft man es, eine Respektsperson zu werden?
(youtube.com, Hotel Matze, Matze Hielscher, Audio: 2:44:02 Stunden)
Ulrich Wickert blickt auf eine lange journalistische Karriere zurück, zunächst als Korrespondent in den USA und Frankreich, dann viele Jahre als Anchorman der “Tagesthemen”. Im Dezember feierte er seinen 80. Geburtstag, doch von Ruhestand kann bei Wickert keine Rede sein.

ZDF-Inkubator, Inszenierung und Fälschung, Die zähen Pläne der ARD

1. Fragen und Antworten zum “Public Space Incubator” des ZDF
(netzpolitik.org, Leonhard Dobusch)
Wie gestern in den “6 vor 9” zu lesen war, hat sich das ZDF mit öffentlich-rechtlichen Anstalten aus Kanada, der Schweiz und Belgien zu einem “Forschungsprojekt für den offenen Dialog im Netz” (“Public Spaces Incubator”) zusammengeschlossen. Ziel des Projekts: die Entwicklung einer öffentlich-rechtlichen Alternative zu den US-amerikanischen Social-Media-Plattformen. Bei netzpolitik.org greift Leonhard Dobusch das Thema auf und beantwortet die häufigsten Fragen dazu.

2. Die ARD hat fast schon angefangen, mit dem Anfangen anzufangen
(uebermedien.de, Frederik von Castell)
“Wo auch immer der Maschinenraum der ARD zu finden ist, die Intendant:innen scheinen dort eher selten zugegen.” Bei “Übermedien” kommentiert Redaktionsleiter Frederik von Castell die zähen Reformpläne der ARD und ein merkwürdiges Pressegespräch: “Ich werde das Bild von Schülern beim Referat nicht los, die die nächtlich-eiligen Wikipedia-Copy-Paste-Ergüsse wortreich vor der Klasse präsentieren, während sie sie selbst das erste Mal lesen.”

3. “Geo”-Fotochef Lars Lindemann über Inszenierung und Fälschung im Foto-Journalismus.
(turi2.de, Nancy Riegel)
Mit “turi2” spricht “Geo”-Fotochef Lars Lindemann über Fälle von Bildinszenierung, er erklärt, wie Leserinnen und Leser erkennen können, ob Fotos inszeniert sind, und Lindemann erzählt, was seine Redaktion alles unternimmt, um Bilder zu überprüfen. Aus aktuellem Anlass geht es in dem Gespräch aber auch um den Kahlschlag beim Verlag Gruner + Jahr sowie das angekündigte Ende von “Geo Epoche”.

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4. Gruner + Jahr: Sagt nicht, ihr hättet nichts gewusst
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer führt in seinem Blog aus, warum er “die Zertrümmerung des einst so stolzen Verlagshauses Gruner + Jahr durch den Bertelsmann-Konzern” für absehbar hielt. Bei allem Mitgefühl für die Betroffenen und bei aller Trauer um die verschwindenden Medienmarken: Schuld daran hätten laut Knüwer Management und Redaktionen gleichermaßen.

5. Wtf heißt “slip n slide”?
(taz.de, Laila Oudray)
Laila Oudray beschreibt in der “taz” die Entwicklung einer Geheimsprache, die auf TikTok und Instagram verwendet werde, um der Zensur durch Algorithmen zu entgehen. Betroffen seien vor allem Beiträge zu Sex- und LGBTQ-Themen sowie Auseinandersetzungen mit Rassismus und Gewalt. Um die Reichweite ihrer Beiträge zu erhöhen, würden Nutzer und Nutzerinnen bewusst Rechtschreibfehler, Emojis und Sonderzeichen einbauen. Die Journalistin Taylor Lorenz habe dem Phänomen einen Namen gegeben: “Algospeak”.

6. Turbo zünden
(journalist.de, Sebastian Pertsch & Udo Stiehl)
Sebastian Pertsch und Udo Stiehl werfen im Rahmen ihres Projekts “Floskelwolke” einen sprach- und medienkritischen Blick auf vielbenutzte Formulierungen. Diesmal nehmen sie sich einen Schlagzeilen-Klassiker vor und “zünden den Turbo”.

Amtlicher Rechercheverrat?, “Geo”-Chefs treten zurück, Viel “Freizeit”

1. Regierungsanwalt verriet Recherche
(tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)
Im “Tagesspiegel” kritisiert Jost Müller-Neuhof, dass ein vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung beauftragter Rechtsanwalt Recherchen eines Journalisten zu Bundeskanzler Olaf Scholz öffentlich gemacht habe, ohne dazu befugt gewesen zu sein. Auch der Deutsche Journalisten-Verband sehe in dem Vorgang eine Verletzung der Pressefreiheit: “Es ist nicht nur eine Grenzüberschreitung im Verhältnis von Politikern zu Journalisten, dass die Recherchen eines Berichterstatters öffentlich gemacht werden, es ist auch ein klarer Rechtsbruch”. Der kritisierte Rechtsanwalt bestreitet die Vorwürfe.

2. “Geo”-Chefs treten zurück
(faz.net, Helena Schäfer)
Aus Protest gegen den massiven Stellenabbau und die Einstellung diverser Magazine beim Verlag Gruner + Jahr seien die “Geo”-Chefredakteure Jens Schröder und Markus Wolff zurückgetreten. Aber auch an anderen Stellen rumore es im Konzern.

3. Pöbeleien, Drohmails und Ekelbriefe
(tagesschau.de, Torsten Mandalka)
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich öffentlich zu Themen wie der Corona-Pandemie oder der Klimakrise äußern, werden immer häufiger Opfer von Hass und Hetze. Torsten Mandalka hat zusammengetragen, wie sich die Anfeindungen im Einzelnen bemerkbar machen. Die Befragten hätten von Pöbeleien auf der Straße sowie von Drohmails und -briefen berichtet, viele wollten sich aber nicht öffentlich dazu äußern.

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4. ZDF will Alternative zu Twitter und Co. entwickeln lassen
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das ZDF habe sich mit öffentlich-rechtlichen Anstalten aus Kanada, der Schweiz und Belgien zu einem “Forschungsprojekt für den offenen Dialog im Netz” (“Public Spaces Incubator”) zusammengeschlossen. Ziel des Projekts sei es, eine öffentlich-rechtliche Alternative zu den US-amerikanischen Plattformen zu entwickeln. Mehr zu diesem Thema und anderen Aspekten im aktuellen “DWDL”-Interview mit ZDF-Intendant Norbert Himmler: “Das Chillen überlassen wir gerne Netflix” (dwdl.de, Thomas Lückerath).

5. Einreichungsphase für Deutschen Podcast Preis 2023 startet
(radiowoche.de, Tom Sprenger)
Die Einreichungsphase für den Deutschen Podcast Preis 2023 hat begonnen. Bis einschließlich 16. April können Podcaster und Podcasterinnen ihre Werke in sechs Kategorien einreichen. Tom Sprenger erklärt das Prozedere und zeigt, was es dieses Jahr an Neuerungen gibt.

6. Warum so viele Klatschblätter irgendwas mit FREIZEIT heißen:
(twitter.com/topfvollgold, Mats Schönauer, Video: 1:37 Minuten)
Warum heißen eigentlich so viele Klatschblätter irgendwas mit “Freizeit”? Yellow-Press-Kritiker Mats Schönauer vom “topfvollgold” hat die Antwort, und die ist wahrlich kurios.

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