1. „Man stößt als Journalist:in schnell an Grenzen“
(taz.de, Martin Niewendick)
Eine Mehrheit der Medienschaffenden nehme bei der Berichterstattung über den Nahostkonflikt eine gestiegene Bedrohungslage wahr, berichtet die Kommunikationswissenschaftlerin Carola Richter von der Freien Universität Berlin. Einer nicht-repräsentativen Umfrage unter 179 Journalistinnen und Journalisten zufolge verspüre ein Drittel der Befragten ein Bedürfnis nach Selbstzensur. Über 40 Prozent berichteten von Online-Diffamierungen oder Drohungen, mehr als 20 Prozent hätten Ausgrenzung innerhalb des eigenen Mediums erlebt. Vor allem mit israelkritischen Positionen ecke man in Redaktionen eher an.
2. Sichergestellte Zeit-Aufnahmen bleiben versiegelt im Tresor
(lto.de, Jakob Hoffmann)
Das Landgericht Hamburg habe angeordnet, die bei der Durchsuchung der “Zeit”-Redaktion sichergestellten rund 160 Stunden Rohaufnahmen bis zur Entscheidung über die Beschwerden unangetastet zu lassen, berichtet Legal Tribune Online (LTO). Zur Begründung heiße es, das öffentliche Interesse an einer sofortigen Auswertung wiege nicht schwerer als die bedrohte Pressefreiheit, zumal den Betroffenen durch ein vorzeitiges Abhören schwere Nachteile drohten. Bis zur Entscheidung über eine mögliche Abhilfe oder ein Votum des Hanseatischen Oberlandesgerichts verbleibe das Tonmaterial damit unter Verschluss.
3. Social-Media-Verbot? “Ich bin von dieser radikalen Position abgerückt”
(dwdl.de, Simon Pycha)
In der Diskussion um gesetzliche Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke zeichne sich eine Annäherung zwischen Befürwortenden und Kritikern ab, berichtet Simon Pycha von den Medientagen München. Medizinethikerin Alena Buyx und Content-Creator Fabian Grischkat seien beide von ihren ursprünglich radikalen Positionen abgerückt: Ein pauschales Plattformverbot greife zu kurz, riskiere das Ausweichen auf unregulierte Kanäle und beschneide die digitale Selbstbestimmung sowie Informationszugänge junger Menschen.
4. 25 Milliarden Dollar Strafe für Mark Zuckerberg
(digitalpolitik.de, Markus Beckedahl)
Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico habe den Meta-Konzern zu einer Strafe von 25 Milliarden Dollar verurteilt. Während die Mehrheit der US-Bundesstaaten zuvor einem Vergleich zugestimmt habe, habe New Mexico seine Klage wegen unzureichenden Datenschutzes und der Begünstigung von Desinformation weiterverfolgt. Im Prozess hätten unter anderem Mark Zuckerberg und die frühere Vizechefin Sheryl Sandberg aussagen müssen. Eine Jury habe dabei den Großteil ihrer öffentlichen Angaben als vorsätzlich irreführend bewertet. Meta habe bereits Berufung angekündigt und das Urteil als unzumutbar kritisiert.
5. BND-Überwachung: RSF bedauert Zurückweisung seiner Beschwerde durch den EGMR
(reporter-ohne-grenzen.de)
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe Beschwerden der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) und des Medienanwalts Niko Härting gegen die strategische Telekommunikationsüberwachung des Bundesnachrichtendienstes für unzulässig erklärt, teilt RSF in einer Pressemitteilung mit. RSF-Geschäftsführer Christian Mihr bezeichne den Beschluss als enttäuschend für den Quellenschutz. Er appelliere an den Bundestag, im Zuge der anstehenden Gesetzesreform wirksamere Kontrollmechanismen zu schaffen.
6. Auch Faktenchecker streichen Stellen
(verdi.de, David Bieber)
Trotz großer Aufmerksamkeit und journalistischer Auszeichnungen für seine Enthüllungen baue das gemeinnützige Recherchezentrum Correctiv Personalstellen im unteren zweistelligen Bereich ab, berichtet das ver.di-Magazin “M – Menschen Machen Medien”. Betroffen seien die Redaktion, der Bewegtbildbereich sowie das Faktencheck-Team. Begründet werde der Schritt mit Sparzwängen und einer organisatorischen Umstrukturierung. Zudem sehe sich das spendenfinanzierte Medienhaus mit Kritik an seinen Arbeitsbedingungen und einer Bezahlung unterhalb des Branchentarifs konfrontiert.
