Mediale Faschisierung, Unlösbare Plattformfrage, “Unter Druck”

1. Selbstzensur, Druck und Anfeindungen: Neue Studie bestätigt Warnsignale
(reporter-ohne-grenzen.de)
Zwei Drittel der befragten Journalistinnen und Journalisten sähen die Pressefreiheit bei der Berichterstattung über Israel und Palästina seit dem 7. Oktober 2023 verschlechtert. Das geht aus der von Reporter ohne Grenzen unterstützten Studie “Unter Druck” der Freien Universität Berlin hervor. Rund 35 Prozent der Befragten würden demnach ein Bedürfnis nach Selbstzensur spüren. Unter freien Medienschaffenden liege der Wert sogar bei 52 Prozent. Als Hauptursachen hätten die Befragten neben öffentlichem Druck vor allem Konflikte innerhalb der Redaktionen sowie die Sorge vor beruflichen Nachteilen genannt.

2. Datenleak: Nius gewann während Kampagne gegen Brosius-Gersdorf neue Abonnenten
(correctiv.org, Max Bernhard & Dominik Lenze)
Das rechtspopulistische Portal “Nius” habe von seiner massiven Berichterstattung gegen die Juristin Frauke Brosius-Gersdorf im Sommer 2025 direkt profitiert, berichtet “Correctiv” unter Berufung auf Informationen aus einem Datenleck. Das Medium von Ex-“Bild”-Chefredakteur Julian Reichelt habe die Rechtswissenschaftlerin in rund 50 Beiträgen unter anderem als “Richterin des Grauens”, “linksradikale Aktivistin” und “radikale Feministin” diffamiert und so deren Wahl zur Verfassungsrichterin torpediert. Interne Daten würden belegen, dass die Abonnentenzahl von “Nius” in diesem Zeitraum um rund 2.700 Neuzugänge gestiegen sei. Fachleute sähen darin ein typisches Vorgehen rechter Alternativmedien.

3. Coworking im braunen Sumpf: Warum sich die Plattform-Frage nicht moralisch lösen lässt
(socialmediawatchblog.de, Martin Fehrensen)
Die Rückkehr prominenter US-Tech-Blogger wie Casey Newton und John Gruber zu X (vormals Twitter) offenbare ein grundlegendes Dilemma, analysiert Martin Fehrensen im “Social Media Watchblog”: Plattform-Monopole würden sich nicht durch individuellen Konsumverzicht brechen lassen. Sein Fazit: “Solange wir als Gesellschaft keine echte Interoperabilität erzwingen (Stichwort: Social Graph mitnehmen), politisch dafür sorgen, Kartellrecht durchzusetzen und offene Infrastrukturen wie Eurosky nicht ernsthaft finanzieren, bleiben wir alle Gefangene zwischen zwei schlechten Optionen: Relevanzverlust im sauberen Exil oder Kollaboration mit der Broligarchie.”

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4. “Faschisierung ist ein medialer Prozess”
(netzpolitik.org, Daniel Leisegang)
Faschisierung sei kein fernes Schreckensszenario, sondern ein fortwährender medialer und gesellschaftlicher Normalisierungsprozess, argumentiert Kulturwissenschaftler Simon Strick anlässlich seines neuen Buches “Faschisierung. Fluchtlinie des Digitalen”. Heutige Plattformen würden maximale Zuspitzung und Reaktionslust belohnen, wodurch Memes und sprachliche Codes von “4chan” und rechten Gegenöffentlichkeiten bis in die Spitzenpolitik und ins Kanzleramt eingesickert seien. Solche memetischen Operationen würden nicht der bloßen Unterhaltung dienen, sondern Abwertungs- und Vernichtungsfantasien transportieren, die eine sich selbst antreibende Radikalisierung erzeugen.

5. Die Medienmänner für die neue Medienwelt
(taz.de, Yasemin Said)
Neubesetzungen beim ZDF wie Florian Schroeder mit dessen neuer Late-Night-Show oder Wyn Matthiesen als Moderator beim Jugendformat “13 Fragen” seien Symptome einer Medienlandschaft, die sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck passiv anpasse, kritisiert Yasemin Said in ihrer Kolumne in der “taz”. Schroeder betreibe eine Form von Satire, die nach unten trete und laut internem Konzeptpapier gezielt Grüne, Linke und NGOs ins Visier nehmen solle; Matthiesen wiederum biete in Debattenformaten Stimmen von “Nius” oder “Junge Freiheit” eine Bühne. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bilde damit kein Bollwerk gegen rechte Strömungen, sondern legitimiere reaktionäre Narrative und verschaffe konservativen bis extrem rechten Positionen zusätzliche Sendezeit.

6. Capital Bra soll 250.000 Euro Zwangs­geld zahlen
(lto.de)
Der Rapper Capital Bra sei im Streit mit der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vor dem Verwaltungsgericht Berlin im Eilverfahren gescheitert. Das Gericht habe es abgelehnt, die Vollstreckung eines Zwangsgeldes über 250.000 Euro auszusetzen. Die GGL werfe dem Musiker vor, trotz eines behördlichen Verbots weiterhin unerlaubte Online-Glücksspiele per Livestream übertragen, Werbebanner geschaltet und eine Vergleichsseite für illegale Angebote betrieben zu haben. Capital Bras Anwalt habe Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht angekündigt.