Herausgabe nicht freiwillig, Erdoğan kapert Sender, KI-Debatte

1. “Zeit”-Chef: Tonaufnahmen zu Block-Prozess nicht freiwillig herausgegeben
(n-tv.de)
Die Darstellung des Hamburger Landgerichts, eine Redakteurin habe rund 80 Stunden Tonaufnahmen zum Block-Prozess freiwillig ausgehändigt, sei grotesk, widerspreche “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Die Redaktion sei massiv unter Druck gesetzt worden. Man habe mit der Übergabe lediglich eine Durchsuchung abwenden und die Beschlagnahme weiteren Materials verhindern wollen. An einen vergleichbaren Übergriff könne er sich in seiner Amtszeit nicht erinnern.
Weiterer Lesetipp: Auch die betroffene Redakteurin widerspricht dem Landgericht: “Die ‘Zeit’-Journalistin Anne Kunze hat der Darstellung des Hamburger Landgerichts zur Herausgabe von Tonaufnahmen aus ihrer Recherche zum Fall Christina Block widersprochen. Von einer freiwilligen Übergabe könne keine Rede sein”. (t-online.de)

2. Wie Kinder vor Social-Media-Gefahren geschützt werden sollen
(lto.de)
Noch vor Inkrafttreten geplanter EU-Vorgaben wolle die Bundesregierung eigene Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche in Sozialen Netzwerken umsetzen. Ein vom Kabinett beschlossenes Eckpunktepapier sehe ein Nutzungsverbot für Personen unter 13 Jahren auf Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat vor. Ausgenommen seien lediglich kindgerechte Angebote. Für 13- bis 18-Jährige seien abgestufte Nutzungslimits und elterlich beaufsichtigte Konten geplant. Die Bundesregierung begründe den Vorstoß mit gravierenden Folgen für Psyche, Schulleistungen und Lesekompetenz sowie mit Risiken durch Cyber-Grooming und Mobbing.

3. Ab jetzt nur noch Propaganda der türkischen Regierung
(taz.de)
Im Zuge einer Razzia im Morgengrauen hätten türkische Polizeikräfte das Gebäude des oppositionsnahen Fernsehsenders Halk TV gestürmt. Die Justiz habe den Sender unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und die Beschlagnahmung von Unternehmen des Senderchefs Cafer Mahiroğlu angeordnet. Die Istanbuler Staatsanwaltschaft ermittle wegen mutmaßlicher Bestechung, Ausschreibungsbetrugs und Geldwäsche. Mahiroğlu habe die Anschuldigungen als haltlos zurückgewiesen und der Regierung von Recep Tayyip Erdoğan vorgeworfen, die Justiz als Waffe zu missbrauchen.

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4. Beziehungsstatus: ungeklärt
(journalist.de, Christian Meier & Stephan Weichert)
Die Debatte über Künstliche Intelligenz im Journalismus kreise um die falschen Fragen, kritisieren Medienjournalist Christian Meier und Medienwissenschaftler Stephan Weichert. Ein krampfhaftes “menschliches Reinheitsgebot” helfe bei der Vertrauenskrise nicht weiter. Menschliche Autorenschaft sei spätestens seit der Relotius-Affäre kein Garant für Wahrhaftigkeit. Die maßgebliche Trennlinie verlaufe nicht zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen verantwortungsvollem und verantwortungslosem Handeln.

5. Streamingdienste brauchen Standards
(verdi.de)
Die Gewerkschaft Verdi fordert gesetzliche Vorgaben für globale Streamingdienste, um faire Arbeitsbedingungen und soziale Nachhaltigkeit bei Film- und Serienproduktionen abzusichern. Beim Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz fehle bislang ein Hebel für Tarifbindung und Altersvorsorge, kritisiert Christoph Schmitz-Dethlefsen, Mitglied im Verdi-Bundesvorstand. Die Gewerkschaft schlägt vor, dass Produktionskosten bei Einhaltung von Tarif- und Umweltstandards mit einem höheren Faktor auf die geforderte Reinvestitionsquote angerechnet werden sollen. Verdi habe dazu eine Stellungnahme (PDF) eingebracht.

6. Netflix kündigt Streichung von rund 1.000 Stellen an
(dwdl.de, Alexander Krei)
Der Streaming-Marktführer Netflix wolle weltweit rund sechs Prozent seiner Belegschaft abbauen. Medienberichten zufolge seien davon rund 1.000 Arbeitsplätze betroffen, vor allem in den Bereichen Produkt, Technik, Recht und Personal. Die Co-CEOs würden den Schritt intern mit nötiger Disziplin und strategischen Neupriorisierungen begründen, um Ressourcen für zukunftsträchtige Wachstumsfelder wie Sport-Liveübertragungen, Gaming und Video-Podcasts freizumachen.