1. Resonanz ist wie ein scheues Reh
(mdr.de, Ralf Heimann)
In seiner aktuellen Kolumne analysiert Ralf Heimann, warum eine achtjährige und extrem aufwendige “Correctiv”-Recherche zur systematischen Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche (nur mit kostenloser Anmeldung lesbar) medial fast völlig verpufft sei. Obwohl das Medienhaus geheime Dokumente ausgewertet habe, die eine direkte Verstrickung des späteren Papstes Joseph Ratzinger belegen würden, sei die große gesellschaftliche Empörung ausgeblieben. Heimann erklärt dieses Phänomen mit einem fehlenden Überraschungseffekt sowie einer allgemeinen gesellschaftlichen Ermüdung beim Thema Kirchenmissbrauch. Außerdem sei die öffentliche Aufmerksamkeit von der parallel erschienenen “Spiegel”-Recherche zu digitaler Gewalt (nur mit Abo lesbar) aufgesogen worden.
2. Rechtsextreme schlagen erneut in Fretterode zu
(taz.de, David Muschenich)
Die “taz” berichtet über einen erneuten gewaltsamen Angriff auf Medienschaffende im thüringischen Fretterode. Vor dem Anwesen eines Neonazis seien zwei Journalisten von “Spiegel TV” durch Pfefferspray und Schläge verletzt worden. Als Tatverdächtige gälten der Neonazi selbst sowie einer seiner Söhne. Brisant sei der Vorfall vor allem auch deshalb, weil das TV-Team just an diesem Ort eine Dokumentation über eine nahezu identische, von einem weiteren Sohn des Rechtsextremisten verübte Attacke aus dem Jahr 2018 gedreht habe, die bis heute juristisch nicht abschließend geahndet worden sei.
3. EU-Parlament stimmt für Verbot von bestimmter Deepfake-Software
(spiegel.de)
Das EU-Parlament habe für ein striktes Verbot von KI-Software gestimmt, mit der sich ohne Einwilligung sexualisierte Deepfakes von Personen erstellen lassen. Während die deutsche Justizministerin Stefanie Hubig mit ihren aktuellen Vorstößen auf die Strafbarkeit der Anwender abziele, wolle die EU direkt die Verbreitung der zugrundeliegenden Technologie und entsprechender Apps unterbinden.
Weiterer Lesetipp: Niederländisches Gericht verbietet von Grok generierte Nacktbilder: “Es ist eines der ersten Urteile dieser Art: Die KI Grok darf ihre ‘Auszieh-Funktion’ in den Niederlanden nicht mehr anbieten. Bei Verstößen drohen hohe Strafen.” (spiegel.de)
4. 95 Prozent von der KI
(woz.ch, Renato Beck)
Die “WOZ” berichtet über den drastischen Strukturwandel bei Schweizer Medienkonzernen wie Tamedia, die den publizistischen Kernprozess des Schreibens zunehmend an Künstliche Intelligenzen auslagern würden. Laut internen Vorgaben dürfe KI dort bis zu 95 Prozent eines Artikels verfassen, ohne dass dies für die Leserschaft transparent als KI-generiert gekennzeichnet werde. Gleichzeitig würden die Verlage versuchen, sich in einer Art Grauzone abzusichern, indem sie bereits die bloße Befehlseingabe, das sogenannte Prompten, als urheberrechtliche Eigenleistung deklarieren würden.
5. “Ohne Haltung wären wir keine Journalisten, sondern Maschinen”
(dwdl.de, Jan Freitag)
Georg Restle hat gestern seine letzte Ausgabe des WDR-Politmagazins “Monitor” moderiert, für das er mehrere Jahrzehnte tätig war, viele Jahre als Redaktionsleiter und Gesicht der Sendung. Nun beginne für Restle eine neue berufliche Phase, er wechsle als ARD-Korrespondent in die kenianische Hauptstadt Nairobi. Im Interview mit “DWDL” wehrt sich Restle gegen Gerüchte einer “Strafversetzung” und betont seinen langjährigen Wunsch, wieder dauerhaft aus dem Ausland zu berichten.
6. Alexander Kluge: Filmemacher und Autor ist tot
(zdfheute.de)
Wie der Suhrkamp Verlag mitgeteilt habe, sei der einflussreiche Filmemacher, Autor und Intellektuelle Alexander Kluge im Alter von 94 Jahren in München gestorben. Kluge gelte als einer der einflussreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films und habe sich als Schriftsteller sowie als Fernsehunternehmer einen Namen gemacht, unter anderem mit seiner Produktionsfirma dctp.
