Nichtlustig, Nafri-Debatte, Neptun

1. Sächsische Großzügigkeit
(taz.de, Daniel Bax)
Die „Sächsische Zeitung“ hat am Silvesterwochenende eine Karikatur veröffentlicht, die Muslime und Schwarze als rassistische Klischees darstellt. Einigermaßen verstört fragt man sich, wie dieses unsägliche Werk von einer Tageszeitung abgedruckt werden konnte und so wenig Widerspruch erntet. Daniel Bax von der „taz“ vermutet: „Dass diese Karikatur in der Sächsischen Zeitung kaum Aufsehen erregt hat, mag einem spezifisch sächsischen Humor geschuldet sein. Oder der Tatsache, dass sich die öffentliche Debatte so weit nach rechts verschoben hat, dass viele für solcherart diffamierenden Bilder unempfindlich geworden sind.“

2. Einen Gang herunter schalten
(djv.de, Hendrik Zörner)
Hendrik Zörner vom „Deutschen Journalisten Verband“ wünscht sich anlässlich der hitzigen Nafri-Debatte von den Medien mehr Hintergrund und Einordnung: „Wie wäre es mal mit einem Erklärstück über die skurrilsten Begriffe aus Polizeiberichten? Zu den „Gefährdern“ und „Nafris“ würden sich dann „Schamverletzer“ und „Hilope“ gesellen, zu deutsch: „Exhibitionisten“ und „hilflose Personen“. Statt dessen den Hype weiter anzufeuern, entspricht nicht dem Informationsauftrag der Medien. Also, liebe Kollegen: Bitte mal einen Gang herunter schalten.“

3. Es geht um alles
(tagesspiegel.de, Thomas Gehringer)
Der „Spiegel“ feiert derzeit seinen siebzigsten Geburtstag, doch nach Feiern ist nicht jedem zumute. Wie bei anderen Medien sinkt die Druckauflage und im Haus herrscht Unruhe: 149 von über 1100 Stellen werden gestrichen.
Einen weiteren lesenswerten Beitrag über die Umbaumaßnahmen beim Spiegel gibt es in der „taz“: In Sturmgeschütz der Demokratie? schreiben Anne Fromm und Daniel Bouhs u.a. über die Versuche des Blatts, den Bereich „Investigative Recherche“ zu stärken.
Und auch René Zeyer sorgt sich in der „Medienwoche“ um das Nachrichtenmagazin und ruft den Mitarbeitern zu: „Spielt wieder mehr den alten Rock’n’Roll des Journalismus: hinschauen, hingehen, recherchieren, beschreiben. Die Welt widerspiegeln, nicht die eigene Befindlichkeit.“

4. Big Data: Gefahren für Journalisten
(ndr.de, Melanie Stein)
Auf dem Hackerkongress „33c3“ in Hamburg hat der Informatiker David Kriesel ein tolles Data-Science-Projekt vorgestellt: Seit zwei Jahren hat er alle Artikel von „Spiegel Online“ gespeichert und die Metadaten von ca. 100.000 Artikel ausgewertet. Herausgekommen ist ein informativer und höchst unterhaltsamer Vortrag. Die NDR-Sendung „ZAPP“ hat mit Kriesel, aber auch mit einem Verantwortlichen von „Spiegel Online“ gesprochen.

5. Auf Donald Trump folgt der Terminator
(sueddeutsche.de, Kathrin Werner)
Über viele Jahre und 14 Staffeln mit 185 Folgen war Donald Trump der Mittelpunkt der amerikanischen Fernseh-Reality-Show „The Apprentice“. An seine Stelle als prominenter Moderator tritt nun Arnold Schwarzenegger, Trump bleibt jedoch geschäftsführender Produzent. Ein klarer Interessenskonflikt, wie Kathrin Werner in der „SZ“ findet.

6. Facebook zensiert Bild von Neptun-Statue
(haz.de)
Das Wahrzeichen der Stadt Bologna ist der historische Neptunbrunnen im Zentrum. Eine italienische Schriftstellerin hat ein Bild der 3,35 m hohen Statue der nackten Neptunfigur auf Facebook gepostet, das kurz danach wegen „sexuell expliziten“ Inhalts gelöscht wurde. Nach Protesten wurde das Bild nun wieder freigegeben.