Holger Friedrich und die AfD, Klassismus, Satellitenjournalismus

1. Verleger Holger Friedrich wünscht AfD “alles Gute” für die Machtübernahme
(volksverpetzer.de, Matthias Meisner)
Holger Friedrich, Eigentümer der “Berliner Zeitung” und der “Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung” (“OAZ”), habe nachträglich das Manuskript einer kurzfristig abgesagten Rede für einen AfD-Bundestagskongress veröffentlicht (PDF), berichtet Matthias Meisner. Darin wünsche er der Partei “alles Gute” für eine mögliche Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt und bezeichne diese als Chance für Deutschland. Flankiert werde dieser Kurs durch auffallend unkritische Berichte in Friedrichs “OAZ”.

2. “Butscha war ein Wendepunkt für den Satellitenjournalismus”
(journalist.de, Sonja Peteranderl)
Im Interview mit dem Fachmagazin “journalist” bezeichnet Marcus Pfeil das Massaker von Butscha 2022 als Wendepunkt für den Satellitenjournalismus, da Orbitbilder Kriegsverbrechen gerichtsfest belegen konnten. Allerdings würden kommerzielle Anbieter und Behörden den Zugang zu Aufnahmen aus Krisengebieten zunehmend einschränken. Um diese Abhängigkeit zu durchbrechen, plant Pfeil für Redaktionen eine eigene virtuelle Satellitenkonstellation mit vertraglich garantiertem Datenzugriff.

3. KI-Chatbots können Urheberrecht der Presse verletzen
(taz.de)
In einem Grundsatzverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) habe der Generalanwalt festgestellt, dass KI-Chatbots wie Googles Gemini das Urheberrecht von Presseverlagen verletzen können. Ausgangspunkt sei die Klage eines ungarischen Verlagshauses gegen Google wegen unberechtigter Nutzung von Nachrichtentexten. Ein Rechtsverstoß liege laut Generalanwalt vor, wenn Chatbots Artikel abrufen und deren “spezifische Ausdrucksform” in Antworten so wiedergeben, dass Nutzerinnen und Nutzer den Originalartikel nicht mehr anklicken müssen. Das finale Urteil des EuGH stehe noch aus.

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4. Erneutes Datenleck bei Nius: Daten Tausender Abonnenten ungeschützt
(correctiv.org, Lilith Wittmann & Carli Bess Kutschera)
Beim rechten Krawall-Portal “Nius” habe es erneut eine gravierende Sicherheitslücke gegeben. Durch eine Fehlkonfiguration auf einem Server sei ein rund 500 MB großes Backup des Newsletter-Versandsystems frei zugänglich gewesen. Der Datensatz enthalte neben dem Software-Quellcode die Kontaktdaten von rund 42.000 registrierten Abonnentinnen und Abonnenten sowie geheime Cloud-Zugangsschlüssel, mit denen unbefugte Dritte E-Mails im Namen von “Nius” hätten versenden können. Nach Angaben der zuständigen Datenschutzbehörde handele es sich bereits um den fünften gemeldeten Vorfall seit Anfang 2025.

5. Buchtipp: Klassismus im Journalismus
(verdi.de, Andreas Michelbrink)
In ihrer Studie “Klassismus im Journalismus” würden Tanja Köhler und Julia Lönnendonker zeigen, dass der journalistische Nachwuchs stark akademisch und sozial privilegiert geprägt sei. Unbezahlte Praktika und prekäre Einstiegsphasen in den Beruf würden als Barrieren für Menschen aus nicht-akademischen Elternhäusern wirken. Dies verzerre die Berichterstattung über Armut und schwäche das Vertrauen in Medien. Als Gegenmittel würden die Autorinnen fair bezahlte Praktika, Quoten und Stipendienprogramme fordern.

6. Amazon und Co. kämpfen weiter gegen Investitionspflicht
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Internationale Streamingdienste würden weiter Sturm gegen das geplante deutsche Investitionsverpflichtungsgesetz laufen. Der Lobbyverband Motion Picture Association führe eine Umfrage an, laut der 40 Prozent der Befragten das Vorhaben ablehnen und 70 Prozent steigende Abopreise befürchten würden. Amazons Deutschland-Chef Rocco Bräuniger bemühe in seiner Kritik einen Häuslebauer-Vergleich: “Wer das Haus bezahlt und das Risiko getragen hat, muss die Schlüssel also dem übergeben, der beides nicht getan hat. Das ist kein Anreiz zu investieren. Das schreckt ab.”