Gefährlicher Beschluss, Burdas Vergangenheit, Vertrauenskrise

1. Dieser Beschluss gefährdet die Arbeit von Jour­na­listen
(lto.de, Markus Sehl)
Das Landgericht Hamburg habe die Durchsuchungbeschlüsse für die “Zeit”-Redaktion sowie die Privatwohnung einer Redakteurin damit verteidigt, dass keine Enttarnung von Informanten gedroht habe. Diese Argumentation greife jedoch gefährlich zu kurz, kommentiert Markus Sehl: Der verfassungsrechtliche Schutz der Pressefreiheit gelte nicht bloß der Anonymität, sondern der journalistischen Recherchearbeit insgesamt, einschließlich vertraulicher Vorgespräche, Outtakes und Kontextnotizen in dem rund 80 Stunden umfassenden, nun sichergestellten Tonmaterial zum Doku-Podcast “House of Block”.
Weitere Lesetipps: In der “taz” kommentiert Ann-Kathrin Leclere: Albtraum für die Pressefreiheit. Und der “Spiegel” berichtet: “Zeit”-Chefredakteur widerspricht Darstellung des Hamburger Landgerichts: “Die Herausgabe von Mitschnitten zum Fall Block sei nicht freiwillig geschehen, sagt Giovanni di Lorenzo. Seine Redaktion sei unter Druck gesetzt worden.”

2. Die entscheidende Frage
(kontextwochenzeitung.de, Thomas Schuler)
Verleger Franz Burda habe sich nach 1945 stets als widerwilliger Käufer inszeniert, der einer jüdischen Familie durch die Übernahme ihrer Mannheimer Großdruckerei das Schlimmste erspart habe. Historiker widersprächen dieser Darstellung nun deutlich. Die Erzählung vom barmherzigen Retter sei erst bei der Rechtfertigung vor den Alliierten entstanden. Der Historiker Norbert Frei stufe Burda nicht bloß als Mitläufer, sondern beim Thema “Arisierung” klar als Täter ein.

3. Russland nimmt japanischen Journalisten wegen angeblicher Spionage fest
(spiegel.de)
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB habe einen Reporter der japanischen Tageszeitung “Hokkaidō Shimbun” unter dem Vorwurf der Spionage festgenommen. Der Journalist sei bei Sachalin verhaftet und nach Moskau überstellt worden, wo ein Gericht zwei Monate Untersuchungshaft verhängt habe. Die russischen Behörden würfen ihm vor, Informationen über Bewohner der Kurilen-Inseln gesammelt zu haben, die im Ukraine-Krieg an der Front kämpfen.

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4. “Vielen jungen Menschen fehlt das Vertrauen in die Medien”
(taz.de, Antonia David)
Vielen jungen Menschen fehle das Vertrauen in etablierte Medien, sagt Journalistin Lena Marie Haring im Interview mit der “taz”. In Workshops der Initiative “UseTheNews” vermittele sie Jugendlichen Methoden zum Erkennen von Desinformation. Zwar würden viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer KI-generierte Bilder und Falschmeldungen erstaunlich treffsicher durchschauen. Der nachhaltige Weg zu mehr Medienkompetenz führe jedoch nicht über Social-Media-Kampagnen, sondern über den direkten Dialog.

5. “Die Presse” und “Kurier” kürzen Personal
(derstandard.at, Harald Fidler)
Die Krise der österreichischen Printmedien verschärfe sich weiter. Die Tageszeitung “Die Presse” habe beim Arbeitsmarktservice Kündigungen für 16 Beschäftigte angemeldet. Damit solle der Personalstand auf rund 180 Beschäftigte sinken. Das Blatt habe “laufende Maßnahmen zur Kostendämpfung” bestätigt. Auch beim Konkurrenten “Kurier” habe es in den vergangenen Wochen erneut Kündigungen gegeben. Ein politischer Streit in der Regierung über die Einbeziehung von Gratiszeitungen blockiere weiterhin das geforderte Medienförderpaket samt Zustellförderung.

6. ARD und ZDF sparen bei den Nachrichten um 9 Uhr
(dwdl.de, Timo Niemeier)
Nach dem gemeinsamen “Morgenmagazin” senden ARD und ZDF auch um 9 Uhr künftig nicht mehr parallel zwei eigenständige Nachrichtenausgaben. Wie “DWDL” berichtet, liefert seit Anfang Oktober der jeweils für das “Moma” zuständige Sender auch die anschließende 9-Uhr-Sendung für beide Kanäle gleichzeitig. Die öffentlich-rechtlichen Sender würden den Schritt mit Synergieeffekten und Kosteneinsparungen begründen. Die freiwerdenden Mittel sollen in den Ausbau der digitalen Nachrichtenangebote auf tagesschau.de und ZDFheute.de fließen.