1. Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger muss vor Gericht
(dwdl.de, Uwe Mantel)
Das Landgericht Berlin habe die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft gegen die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, zwei frühere Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Senders sowie den ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden zugelassen. Der Strafprozess wegen des Vorwurfs der Untreue soll am 10. November beginnen und 56 Verhandlungstage umfassen. Kern der Anklage sei das damalige variable Bonussystem, das unter Umgehung der Kontrollfunktion des Verwaltungsrats gewährt worden sei. Dies habe gegen das Gebot von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verstoßen, so der Vorwurf.
2. Die Verhöhnung von Transparenz
(netzpolitik.org, Anna Biselli)
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) plane, das Recht auf Akteneinsicht bei der Polizei abzuschaffen, nachdem das Ministerium bereits Einschränkungen der Informationsfreiheit vorangetrieben habe. Da ohnehin rund 90 Prozent der Anträge abgelehnt würden, sei es laut Redmann effizienter, Anfragen an die Polizei künftig gänzlich auszuschließen. Anna Biselli kritisiert diesen Vorstoß in ihrem Kommentar als Abbau demokratischer Kontrolle des staatlichen Gewaltmonopols.
3. Wie Markus Lanz jetzt die Demokratie rettet
(youtube.com, Philipp Walulis, Video: 18:15 Minuten)
In einer medienkritischen Satire analysiert Philipp Walulis den Wandel der ZDF-Talkshow “Markus Lanz” von einer bunten Unterhaltungssendung hin zum meinungsprägenden Leitmedium im politischen Diskurs. Seit dem Wegfall des Studiopublikums in der Corona-Pandemie dominiere ein enges Set an Hauptstadtjournalistinnen und Berufspolitikern. Die wiederholte Einladung extremer Haltungen erzeuge gezielt kalkulierte Aufmerksamkeit, ohne dass das Format inhaltlich wirksame Gegenmittel biete.
4. Neues Gesetz soll regionale Medien in Thüringen stärken
(zeit.de)
Die Thüringer Landesregierung habe eine Novelle des Landesmediengesetzes beschlossen, um lokalen und privaten Anbietern im Wettbewerb mit digitalen Plattformen mehr Handlungsspielraum zu geben. Der Entwurf ermögliche privaten Radiosendern künftig redaktionelle Kooperationen über Funkhausmodelle und öffne den Weg für ein kommerzielles Lokalradio. Bürgermedien dürften neue Formate wie Podcasts und Events erproben. Die Linke und die Landesarbeitsgemeinschaft Bürgermedien würden den Entwurf jedoch als unzureichend kritisieren.
5. “Die Seelennotretterin”
(epd.de, Torsten Körner)
Die Journalistin Isabel Schayani ist mit dem Sonderpreis des Robert-Geisendörfer-Preises der evangelischen Kirche geehrt worden. In seiner dokumentierten Laudatio würdigt Dokumentarfilmer Torsten Körner Schayanis Talent, im Fernsehen trotz apparativer Zwänge “wirkliche Begegnungen” auf Augenhöhe zu erzeugen. Ihre Berichterstattung mache das individuelle Schicksal von Geflüchteten und Schutzsuchenden greifbar: “Liebe Isabel Schayani, bleiben Sie bei sich, bauen Sie händeringend Brücken, kräuseln Sie bitte mitunter spöttisch den Mund, sagen Sie bitte ‘ne’, gehen Sie in die Knie, wo es hilft und funkeln Sie zornäugig nach oben, wo es geboten ist. Wir danken es Ihnen.”
6. Berufsbild Dadfluencer: “Papa ohne Plan”
(verdi.de, Till Schmidt)
Unter dem Namen “Papa ohne Plan” thematisiere der Erzieher und Autor Felix Schenk bei Instagram progressive Rollenbilder, gleichberechtigte Care-Arbeit und emotionale Intelligenz für Väter. Als Gegenentwurf zur makellosen Inszenierung vieler Familien-Accounts zeige er Überforderung, Schlafmangel und eigene biografische Brüche. Vaterschaft dürfe nicht als bloße Assistenzrolle verstanden oder für Selbstverständliches gefeiert werden, sagt er im Interview mit “Menschen machen Medien”. Das Format stoße jedoch an die Grenzen der Aufmerksamkeitsökonomie Sozialer Medien.
